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Dienstag, den 16. Mai 1911
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Die ,Taffrler Neurfte Nachrichten" erscheine» wächeEch sechsmal und zwar abend». Der«bonnementSpretS beträgt monatlich 50Pfg. bei freier Zustellung ins HanS. Druileret, «erlag «. Redattio»: Lchlachthofstrabe 28/30. Berliner Vertretung! SW, tzriedrichstratze 16, Telephon- Amt IV. 676.
Das bcho der Kaisersahrt.
(Eigene Drahtmeldung.)
Wie uns aus London depeschiert wird, Wird der Besuch des Kaisers von der gesamten Londoner Morgenpresse in sehr sympathisch gehaltenen Leitartikeln begrüßt. Der „Standart" schreibt: Kaiser Wilhelm kann jederzeit des freundlichsten Empfangs in unserm Lande versichert sein. Wir bewundene an ihm seinen chevaleresfen Charakter, sein hohes
JnsertionSprrise: Die sechSgespaltene Zelle für einheimische Geschäfts 15 Vf. für auswärtige Inserate B Pf^ ReNamezsUe für einheimische ®e- schSfte 40 Pf, für auswärtige 60 Pf. WefchäftSstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.
Der „Theaterlricg" in Mexiko.
Ein Privatte legramm berichtet uns aus Newyork: In der Stadt Mexiko wurde die Bewachung der öffentlichen Gebäude verstärkt. Tausend Soldaten wurden mit der Bewachung des Bclemgefä nisses betraut, in dem fünftausend Gesange.>e, darunter zweitausend politische, unteraebracht sind. Die Ameri-
ten Tage die Katastrophen herbeigeführt hat, da auch von andern Seiten Meldungen über Schiffsunfälle infolge des Sturms vorliegen.
Ungarische Sensationen.
Depeschen aus Budapest berichten: Der Führer der Bauernpartei im Städtchen Bökos- saba, der Abgeordnete Andreas Achim, der in einem Lokalblatte heftige Angriffe gegen den früheren Staatssekretär Michael Zsiliusky wegen angeblicher schwindelhafter Bankunternehmungen richtete, wurde in seiner Wohnung von den beiden Söhnen des letzteren ausgesucht und zur Genugtuung aufgefordert. Achim empfing sie in "brutaler Weise und versetzte dem jüngeren Sohn einen Stockhieb, worauf der ältere Bruder vier Revolverschüsse auf Achim abgab. Achim wurde schwer verletzt in bedenklichem Zustande ins Krankenhaus gebracht. Die beiden Brüder stellten sich dem Staatsanwalt. Zahlreiche Anhänger Achims begaben sich vor das Krankenhaus, wo die Gendarmerie die Ordnung aufrecht erhält. Man befürchtet den Ausbruch von Unruhen anläßlich des Vorfalls, da die Volksmenge über die Affäre aufs höchste erbittert ist.
MarfchaA von der Goltz.
Fünfzig Jahre im Dienst des Heeres. (Telegramm unsers Korrespondenten.)
** Berlin, 15. Mai.
In seinem Heim am Kurfürstendamm beging gestern in rüstiger Frische der Generalfeldmar- chall, General der Infanterie h la suite des 41. Infanterieregiments Freiherr vonderGoltz. Kaiserlich ottomanischer Pascha und Feldmar- chall, die seltene Feier des fünfzigjährigen Ml- litärdienstjubiläums. Schon am frühen Morgen trafen von überall her zahlreiche Telegramme und Blumenspcnden ein. Kaiser Franz Josef, der Sultan, die Könige von Württemberg und Sachsen, Prinzregent Luitpold von Bayern und saft sämtliche deutsche Bundespw- sten waren durch Telegramm- vertreten. Der Kaiser hatte ein zwei Seiten langes äußerst liebenswürdig gehaltenes Schreiben an den Jubilar gerichtet. Außerdem schenkte der Kaiser dem Generalfeldmarschall sein lebensgroßes Bildnis in Oel. Auch der Kronprinz und bte übrigen Prinzen des Königlichen Hauses hatten Telegramme gesandt. Die Glückwünsche der türkischen Regierung überbrachten zwei Ober- ten, die dem Jubilar den ihm vom Sultan verliehenen Meschidje-Ordcn in Brillanten überreichten, ferner eine prächtige, in Silber getriebene Nachbildung des dem Sultan vom Deutschen Kaiser geschenkten Konstantinopeler Monumcntalbrunnens und weitere kostbare Ehrengeschenke aus türkischen Armeekreisen, darunter ein ungeheurer silberner Tafelaufsatz mit Springbrunnen. Es folgten Depeschen der zahlreichen Truppenteile, denen der Jubilar nahe gestanden hat. Die Türkei war unter den Gratulanten und Geschenkspendern überhaupt anr stärksten vertreten, ein Beweis der Wertschätzung,deren sich der greise Feldmarschall, der Reformator der türkischen Armee, noch heute im Reiche Osmans erfreut.
richtig ist, oder vielmehr dadurch richtig wird, daß die Regierung dem Winke folgt, so würde das einem'V e r z i ch t auf die Herb st ta- gung gleichkommen. Damit soll übrigens nicht gesagt sein, daß bezüglich der elsäffischen Verfaffungsreform irgendwelche Sicherheit für eine Einigung besteht, und daß also die Herbst- seffion fruchtbarer werden würde, wenn sie sich mit dieser Frage zu beschäftigen hätte. Indessen gibt sich die Regierung offenbar in dieser Hinsicht einem starken Optimismus hin, sodaß es immerhin verständlich ist, wenn sie den Reichstag nicht eher nach Hause schicken will, ehe das Schicksal der Verfasiungsreform klipp und klar entschieden ist. Wie dies geschehen wird, erscheint freilich noch nicht recht klar, denn die Zuversicht des Kanzlers: »Sie wird gelingen!" ist in den letzten Tagen erheblich erschüttert worden durch die Sorgen der Praxis, und es ist noch nicht abzusehen, wie das Spiel enden wird. Wir sagten schon jüngst in unserm Leitartikel: »Sie wird gelingen!": Es müßte ein Wunder geschehen, wenn die von den Konservativen angekündigte Fehde sich schließlich in Wohlgefallen auflösen und Herr von Hcyde- brand beim Kanzler als Friedensengel erscheinen würde. Daß diese Annahme richtig war, haben die Geschehniffe der letzten Tage hinlänglich bewiesen, und man kann es deshalb verstehen, wenn der Kanzler angesichts dieser raschen Wandlung der Dinge bemüht ist, vor der Sommerglut sein „Lebenswerk" in den sichern Port zu retten. Alles in allem: Stimmung des Unbehagens überall, und es deutet kaum auf Siegszuversicht, wenn die Regierung sich wirklich mit dem Plan trägt, des alten Reichstags Greisentage durch einen turbulenten Polterabend zu enden, dessen Ausgang auch st a r k e Seelen im Ahnen des Kommenden erschauern lassen kann. **
würde.
Bleibt somit die Privatbeamtenversicherung. Bei ihr liegt die Sache insofern anders, als sämtliche Patteien schon aus wahltakttschen Gründen an ihrem Zustandekommen ein erhebliches Interesse haben. Denn das große Heer der Pttvatbeamten ist ein Machtfaktor, mit dem jede Pattei bei den Wahlen rechnen muß. Aber gerade hierin liegt vielleicht die größte Gefahr für die Vorlage. Sobald man sich mit ihr erft intenfiver beschästtgt. dürfte ein allgemeine». Wettrennen um die Gunst der Pttvatbeamten entstehen, das sich in zahllosen, verstcherungs- technisch undurchführbaren Anträgen äußern würde. Dazu kommt, daß die überstürzt ausgearbeitete Vorlage eine so gründliche Durcharbeitung notwendig macht, daß die zur Verfügung stehende Zeit selbst dann kaum ausrer- chen würde, wenn man von allen rein agitatorischen Anträgen absehen würde. Die ganze Vorlage war von der Regierung offenbar nur als Schaugericht gedacht, das sie mit dem größten Vergnügen wieder abservieren würde, nachdem man es genügend bestaunt hat. Eine Herbstsession würde unter diesen Umständen einem groben Polterabend gleichkommen, an dem alles, was noch an Vorlagen da ist. (urz und klein geschlagen wird.
Man wird kaum annehmen können, daß die Regierung auf ein solches Schauspiel kurz vor den Neuwahlen großen Wert legt. Wenn aber die Meldung von der Tagung nach Pfingsten
Sie Kaisersahrt nach England.
Die Abreise des Kaiserpaares.
(Eigene Drahtmeldungen.)
Am Sonnabend abend, gegen elf Uhr, hat das Kaiserpaar mit der Prinzesftn Viktoria Louise von Wiesbaden aus die Reise nach England angetreten. Die Kaiserjacht „Hohenzollern" passierte gestern abend gegen halb sechs Uhr das Nore-Feuerschiff mtt dem Kurs auf Sherneß. Kurz nach dem Passieren der Noremündung feuerte der Kreuzer „Königsberg" einen Salut von einundzwanzig Schüssen. Die Garnison von Point Port antwottete. Die „Hohenzollern" langte, während die Mannschaft aus Deck paradierte, um secks Uhr im Hasen von Sherneß an. Die britischen Schiffe hatten vollen Flaggenschmuck angelegt. Die Besatzung begrüßte die Gäste mit lautem Hurrah. Em weiteres Privat-Tekegramm meldet aus:
S3 Sherneß, 15. Mai.
Polterabend?
Des alten Reichstags letzte Sorgentage.
Die berliner freikonservative „Post", deren nahe Beziehungen zu den Kanzleien der Minister den Kundigen nicht unbekannt sind, wußte dieser Tage zu erzählen, die Regierung erwäge, den Reichstag, dessen letzte Tage vom Gewölk düstrer Sorgen mitternächtig versinstett werden, nach Psingsten Weitertagen zu lassen, um die heiß umstrittne elsaß-lothringische Ver- sassungsreform trotz aller Schwierigkeiten unter Dach zu bringen, eingedenk des Straßburger E Kanzlerworts: „Sie wird gelingen!" Die Meldung kommt einigermaßen überraschend, denn bisher wurde allgemein angenommen, daß der Reichstag, unbeschadet einer etwaigen Herbstsession, zu Pfingsten einstweilen Schluß machen werde. Bei den nahen Beziehungen, die die „Post" zu dem Abgeordneten Freiherrn von Zedlitz unterhält, wird man indessen die Nachttcht doch nicht ohne weiteres als einen Traum der hundstägigen Hitze, die uns in diesem Jahr die „Eisheiligen" bescherten, betrachten können: Irgend etwas steckt jedenfalls : dahinter, wobei freilich ein Doppeltes möglich ist. Entweder hat Freiherr von Zedlitz (wie . schon öfter) tatsächlich etwas läuten hören, oder aber man hat es hier mit einem Wink für die ) Regierung zu tun. Diefes letztere ist allerdings insofern unwahrscheinlich, als eins Ausdehnung der Reichstagssession bis weit in den Sommer . hinein notwendigerweise die Chaneen der von der Rechten gewünschten Herbstseffion noch weiter verschlechtern müßte.
Würde noch vor der Sommerpause die Reichsversicherungsordnung, die reichsländische Verfassungsreform und der Handelsvertrag mit Schweden erledigt (wie es das freikonservative Blatt als Wunsch der Regierung hinstellt), so blieben für den Herbst an wichttger» Vorlagen - übrig: Die Strafprozeßreform, die lex Wagner. die Fernsprechgebührenordnung, das Kurpfuschergesetz und die Privatbeamtenversicherung. Unter diesen Vorlagen ist aber nicht eine, die mit Sicherheit, ja auch nur mit einiger Wahrscheinlichkeit, auf Erledigung rechnen kann. Bezüglich der Strafprozeßordnung bestehen anscheinend unüberbrückbare Gegensätze zwischen Regierung und Reichstag; gegen die Fernsprechgebührenordnung und. das Kurpsu- fchergesetz bestehen im Reichstag selbst so schwere Bedenken, daß man am liebsten einer Entscheidung aus dem Wege gehen und beide Vorlagen in der Kommission begraben möchte. Auch bezüglich der lex Wagner, die bekanntlich neben einigen andern Aenderungen des Straf-, gesetzbuchs eine wesenliche Verschärfung der Strafen für Preßbeleidigungen verlangt, ist in Reichstagskreisen ein Stimmungswechsel ein- getteten. Das Zentrum will zum Teil nicht mehr mitmachen. Insbesondere hat der Abgeordnete Erzberger schon seit längerer Zeit seinen ganzen Einfluß aufgeboten, um gegen die Vorlage, oder vielmehr gegen ihren wesentlichen Paragraphen Stimmung zu machen. Bei dieser Sachlage würde es das Zentrum jedenfalls nicht ungern sehen, wenn die Vorlage überhaupt nicht wieder ans Tageslicht kommen
Sie Politik de« Tage«.
Der Kanzler auf dem Handelstag.
Auf der am Sonnabend in Heidelberg eiettich eröffneten Jubiläumstagung des Deutschen Handelstages, der zahlreiche Fürstlichkeiten und Regierungsvertreter beiwohnten, hielt Reichskanzler von Bethmann Hollweg folgende Ansprache: Im Namen des Bundesrats, der preußischen Regierung und des Staatsministeriums überbringe ich dem Deutschen Handelstage aufrichtige Grüße. In die Zeiten größten matettellen Aufschwunges iel die Gründung des Deutschen Handelstags, te fiel in das Jahr, in dem Wilhelm der Erste ,en preußischen Thron bestieg, und zehn Jahre vor dem historischen Tag, als der damalige Großherzog von Baden den Deutschen Kaiser begrüßte. Das Deutsche Reich hat in dieser Zeit eine Periode unaufhaltsamen Aussteigens durchgemacht. Vermessen wäre es, zu erwarten, daß dieses Wachstum auck in den kommenden Jahren in demselben Maße anhalten werde, als es im vergangenen halben Jahrhundert der Fall war. Bleibt aber dem deutschen sandel die Energie, die Redlichkeit und Kraft, so wird auch der Wechsel der Zeiten eine Krise verhindern, und dann wird der Deuttche Handelstag feinen hundertsten Geburtstag in alter Manneskraft begehen können.
Zwei neue Katastrophen.
(Privat-Telegramme.)
Depesche« aus Rewyork zufolge ist auS St. Jean (Neufundland) die Meldung eingetros- sen.'daß der französische Fischerschoner „Victors a" mit zweiundzwanzig Mann untergegangen ist. Der Fischdampfcr „Guillaume Teil" scheiterte infolge Zusammenstoßes mtt einer Barle. Von der zweiunddreißig Köpfe betragenden Besatzung sind elf Mann ertrunken. Aus welche Ursachen die beiden Unglucks- sälle zurückzuführen find, ist noch nicht festge- ftellt; es scheint aber, daß der Sturm der letz-
Sie Menda-Kataftrophe.
Das Schiff verloren, die Passagiere gerettet.
(Telegraphische Meldungen.)
Depeschen aus Newyork zufolge sind die geretteten Passagiere des Dampfers „Merida", der in der Nähe der mexikanifchen Küste von dem Frachtdampfer „Admiral Farragnt" angerannt und in zwei Teile geschnitten wurde, in Norfolk eingetroffen. Wie sie erzählen, hat der Zusammenstoß sofort die Maschinen zetttört. Das elektrische Licht erlosch und der Dampfer lag in völligem Dunkel. -Die drahtlosen Apparate beider Schiffe traten außer Funktion. Erst gegen morgen waren auf dem „Admiral Farragnt" die Apparate wieder hergestellt. Erst bann konnten Hilfesignale abgegeben werben, burch bic bte Kriegsschiffe „Iowa" unb „Hamilton" herbeigerufen würben, bereit Bemühungen es schließlich gelang, bis sämtlichen Passagiere ber „Meriba" zu retten. Ein weiteres Privat-Telegramm berichtet uns aus
Newyork, 15. Mai.
Die „Merida" sank nach der Havarie bitt tten fünf Stunden. Nach der Kollision war der „Farragnt" durch Ueberlastung gefährdet, doch wurde die' Gefahr burch bie schnelle Ankunft des .Hamilton" beseitigt. Die Passagiere und Mannschaft der „Merida" verloren alle ihrs Habe und befanden sich bet der Ueberschiffung meist nur in Nachtkleidern. Unter den Passagieren befinden sich auch mexikanische Flüchtlinge ans Aukatan. Mit der „Merida", die in sechzig Meter Tiefe vor Cap Henry liegt, sind fünfhundetttansend Dollars in Silberbarren und das gesamte Gepäck der Passagiere untergegangen. Der „Admiral Farragnt", der die „Merida" rammte, fährt in Begleitung des Kriegsschiffes „Iowa" langsam nach dem Hafen von Newyork. Der Bug des Schiffes ist eingedrückt, wird aber durch die rechtsseitigen Spanten aufrecht erhalten. Die Passagiere sind an Bord des .Hamiltons", eines alten Schiffes der Diminion-Linie überführt worden und inzwischen in Newyork angekommen. Erst jetzt werden nähere Einzelheiten über den Zusammenstoß bekannt. Der Zusammenstoß erfolgte kurz nach Mitternacht. Die drahtlosen Apparate beider Schiffe arbeiteten noch wenige Minuten und brachen dann zusammen. Das Leck in der Seite der „Merida" war so groß, daß ein Heiner Schlepper bequem hätte durchfahren können. Durch den Stoß wurden viele Passagiere aus ihren Betten geworfen. Die Heizer verließen panikartig den Maschinenraum und stürzten sich in die Boote, wurden aber von der amerikanischen Mannschaft, die die strengste Ordnung aufrecht erhielt, zurückgettieben. Dany wurden Matratzen in das Leck gestopft und das Uebersetzen der Passagiere nach denz „Admiral Farragut" begann in der Dunkelheit. Die Passagiere loben sehr das Verhalten der Offiziere und Mannschaften der „Merida". Einer der Passagiere ertlärte: Die Leute benahmen sich außerordentlich kaltblütig und man kann sich keine tapferere Mannschaft denken. Wäre die Mannschaft weniger ruhig unb besonnen gewesen, dann hätte es nicht ansbleiben können, baß zahlreiche Passagiere ein Opfer ber Katastrophe geworden wären.
Können und sein vornehmes Herz. Der „Daily- Telegraph" sagt: Die Zeiten sind lange vorüber, wo wir den Deutschen Kaiser als einen möglichen Störer des europäischen Friedens und als einen Feind unseres Landes betrachteten. Wir freuen uns, ihn in diesem Jahre wieder begrüßen zu können. Die „Daily News" hoffen, daß diese Maiwoche einen Schritt vorwärts zu einer bessern Verständigung zwischen Deutschland und Großbritannien sein werde. Nur die „Daily Mail" macht einige Einschränkungen und glaubt sagen zu dürfen, baß Familienbeziehungen bie auswärtige Politik nicht zu beeinflussen vermögen. Wenn man in gewissen Kreisen von dem Besuch des Kaisers einige Aenderungen in ber auswärtigen Politik Englanbs erhoffe, so befinbe man sich auf bem Holzwege.
Kurz nach ber Ankunft ber „Hohenzollern" begab sich ber Oberkommanbierende ber Marinestation, Admiral Drurh, in Begleitung des Vizeadmirals Prinzen von Battenberg, des Konteradmirals Ommannay und des Generals Batter an Bord der Kaiserjacht, wo sie vom Kaiser mit Händedruck empfangen und der Kaiserin unb ber Prinzessin Viktoria Louise vorgestellt würben. Die Herren blieben zum Diner an Bord, ebenso ber deutsche Botschafter Graf Wolff-Metternich. Der Kaiser soll (nach einer Meldung des „Reynolds Newspaper"! mehrfach Gelegenheit gehabt haben, zu erklären, daß sein Besuch in England rein privater Natur fei. Es verlautet, daß der Kaiser während der ganzen Festlichkeiten, die bis Sonntag dauern sollen, in Zivil zu erscheinen gedenkt. Das manchmal gut unterrichtete Blatt «Reynolds Newspaper" kündigt aber gleichzeitig an, daß dies den Kaiser nicht hindern werde, sich mit mehreren Männern des öffentlichen Lebens zu unterhalten, wenn auch die Namen dieser Männer wahttcheinlich nicht in der Presse veröffentlicht werden. Das Blatt setzt dagegen geheimnisvoll hinzu, daß diesen Unterredungen vielleicht größere Bedeutung zukommen werde, als anderen, bie ber Kaiser sonst in dieser Woche haben werde.
MlerUtueste