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als Vermittler zwischen den im Erwerbs­leben stehenden Frauen und ihren lästigen Gläubigem aufzutreten. Ladenbesitzerinnen werden oft miniert, weil sie in die Hände ge- wiffenloser Gläubiger geraten und niemand da ist, der eingreifen, einen Vergleich herbeiführen und dadurch den Bankerott abwenden würde.

Wir sind in solchen Fällen wohl mehrere Dutzend Mal als rettende Helfer ausgetreten. Wir haben so manche aus den Händen von Wucherern gerettet und andere daran verhin­dert. in ihre Klauen zu fallen. Nicht nur Ladeninhaberinnen, sondern Mädchen und Frauen aller Art, die selbständig im Leben stehen, sind unsere Klientinnen: Schauspielerin­nen, Opernsängerinnen, Näherinnen, Laden- und Telephonfräuleins und Schreibmaschinen­damen. Wir haben Darlehen gegeben, um jungen Frauen die Heirat zu ermöglichen, und unsere Bücher weisen auch ein Geschäft auf, das zum Einkauf einer Aussteuer für eine Ar­beiterin geschloffen wurde. Unser seltsamster .Fall" war ein Darlehen von dreißig Mark für eine Wäscherin, die so viel brauchte, um sich ein neues Gebiß machen zu lassen, wodurch der einzige Hindemngsgmnd für eine glückliche Ehe aus der Welt geschafft wurde. Auf die Frage, ob auch Männer ihre Geschäfte in der Frauenbank besorgten, antwortete die Di­rektorin, daß es ziemlich viele seien, doch handle es sich bei diesenKlienten" meist nur um Ein- zelgeschäfte, wäbrend die weiblichen Kunden der Bank meist in dauemder Verbindung mit

gnferttonipretfe: Di« fech-grfpalten- Zeile für einheimische Geschäft-15 für auswärtige Inserats üä PK Reklame,eile für einheimische Ee. schäfte 40 Pf für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV. 676.

Prozentsatz russischen Geistesproletariats in der Hauptstadt des Reichs noch zu vermehren. Demetrius Dubrowsky war ein nervöser, über­sensibler junger Mensch gewesen sein, denn der Grund seiner Flucht voffm Leben war eigent­lich kaum zwingend. Er war schon an drei andern deutschen Hochschulen immatrikuliert ge­wesen und hätte (zumal das Semester kaum be­gonnen) anstandslos an eine von diesen Stät­ten zurückkehren können: Schließlich quillt der Bom der Wissenschaft in deutschen Landen ja

Ae Dubrotvslh-Tragöüie.

| ' Russischer Geist im deutschen Land.

' Durch den Blätterwald rauschte dieser läge die Schicksalpost vom Selbstmord eines - russischen Studenten, der zum Revol- , ver griff, weil ihm die Genehmigung versagt worden war, an der Berliner Universität sein Imdium fortsetzen zu können. Demetrius Dubrowsky staunte sich der bom Osten Zuge- 7 «änderte und die Polizei hat, als man nach l oer Ursache der Tragödie frug, erklärt, die Ver­jagung der Immatrikulation sei deshalb er- T folgt, weil der Zweiundzwanzigjährigepoli- £ tisch nicht einwandfrei" gewesen sei, und auch nicht über genügend Mittel sich auszuweisen vermocht habe, die die Zeit des Studiums er- fordre. Aus diesem Grunde habe man es als geboten erachtet, dem Untertan des Zaren den Zutritt zur hauptstädtischen Alma mater zu verwehren, da es nicht wünschenswert er­scheine, den ohnehin schon vorhandnen hohen

Die .Loff-I-r Neuest« Nachrichten" erfd)einen wöchentlich sechsmal und zwar übend«. Der AbonnementSpreiS beträgt monatlich so Pfg. bei freier Zn. ftettista ins Haus. Trucker ei, Ser tag ü. Redaktion: Echlachthofftraße 28/30. Berliner Vertretung; SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV. 676.

läßt, wer sich ein russisches sogenanntes Matu- ntm ersaß, dessen wissenschaftliche Bedeutung indessen über die geistigen Qualitäten unsrer Obertertia nicht hinausreicht. Aber wenn wir schon zu der Rigorosität, mit gleichem Maß zu messen, uns nicht entschließen können, dann würde es uns auch wohl anstehn, die Dinge anders anzusaffen als bisher. Die jetzige Praxis ist einfach nicht würdig: Sie erniedrigt Männer von begründetem Weltruf zu Bevor­mundeten und von der Zufall-Laune politi­scher Stimmung Gegängelten, macht Leute von unantastbarer geistiger und sittlicher Integrität zu Mitschuldigen an den Tragödien politischer Grausamkeit und belastet die Wissenschaft mit dem Druck der Abhängigkeit.

Sollte es nicht andre, würdigere, wirksamere und weniger grausame Mittel für die Uni­versitätsbehörden geben, sich über den Grad der politischen Zuverlässigkeit russischer Adepten zu unterrichten, als die Flüsterungen -russischer Geheimagenten? Die Merkmale despolitisch Verdächtigen" sind in Rußland ja '*'**' schwer zu erwerben. Als vor langen Jahren diese Frage einmal im Preutzenparlament behandelt wurde, meinte der Sprecher der Linken: In Rußland würden schon nationalliberale An­schauungen ausreichen, um einen Verdächtigen schwer zu belasten. Das ist nicht einmal genug gesagt: Oestlich der Weichsel sperren sie schon Schulkinder in die Kerker ein, bei denen das Argusauge schnüffelnder Wächter nur ein tö­richtes Buch fand. Auch gibt es dort für der­lei Vergehen kein geordnetes gerichtliches Ver­fahren ;deradministrativ eWeg "bes orgt vielmehr kurz, geräuschlos und nachdrücklich Anklage, Ver­urteilung und Strafvollstreckung gleich in eins. Darum sollten unsre Universitäten, wenn sie überhaupt dem slawischen Nachwuchs ihre Tore öffnen, sich jeden Fall eines politisch verdächti­gest Russen doch nur genau ansehen. Und wenn ihre eignen Organe dazu nicht ausreichen, soll­ten sie wenigstens durch freundschaftliche Vor­stellungen dahin zu wirken suchen, daß die po­litische Polizei für dergleichen Inquisitionen Wege wählt, die des Schicksals grausamste Härte meiden und der Menschlichkeit gebührend Rechnung tragen. Die Dubrowsky-Tragödie ist eine düster-ernste Mahnung und verdient, gehört und beachtet zu werden I **

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Die Bank der Frauen.

Eine Genossenschaftsbank selbständiger Frauen. (Von unserm Korrespondenten.)

Man schreibt uns aus Berlin: Die Hauptstadt des Deuffchen Reiches darf sich rühmen, die erste Bank der Welt zu besitzen, die von Frauen und für Frauen eingerichtet ist. Es handelt sich um die .Genossen­schaftsbank selbständiger Frauen", die jetzt aus ein einjähriges Bestehen zurück­blicken kann. Die Bank trat bescheiden mit einem Grundkapital von hunderttausend Mark ins Leben; ihr Gewinn ist im ersten Jahre noch kein sehr großer gewesen, aber sie hat sich jeden­falls als lebenskräftig erwiesen und sich bereits einen schönen Wirkungskreis geschaffen. Ein Fachmann der Finanz, der dieseHochburg weiblichen Bankwesens" in ihrem Heim in der Motzstratze aufsuchte, war überrascht von der echt weiblichen Atmosphäre in diesen Räumen. Vasen mit srischgeschnittenen Blumen grüßen den Eintretenden, und in einer Duftwolke von Flieder und Marguerite» vollziehen sich die Geldgeschäfte. Die Bank hat sich die größte Vorsicht zum Prinzip gemacht. Kein Tarlehn, das höher ist als fünfhundert Mark, wird ge­geben. Geliehenes Geld ist unter allen Um­ständen innerhalb dreier Monate zurückzu­zahlen. Bisher ist noch kein einziger Eintrag in demVerlustkonto" zu verzeichnen. Die Leitung der Bank liegt in den Händen zweier Direktorinnen und eines Stabes von sieben jungen weiblichen Beamten.

Der Aufsichtsrat besteht aus vier Frauen. Ueber die bisherigen Erfahrungen det Berliner Frauenbank gab die erste Direk­torin, Fräulein Anna Hoffmann, dem Besucher folgende interessante Aufschlüsse:Unsere Fort­schritte sind langsam, weil wir nicht nur mit her Konkurrenz der großen .Männerbanken" zu kämpfen baden, sondern auch (was schlimmer ist) mit der Teilnahmslosigkeit und dem Mißtrauen unseres eigenen Geschlechts. Ich wußte noch nicht, bevor wir die Bank er­öffneten. wie wenig oerade Frauen von der Zuverlässigkeit und Rechtlichkeit der Frauen halten. Die Häl'te der Frauen, die zögern, unsere Hille in Anlvruch -u nehmen, erklären, daß sie zu einer Frau kein Zutrauen haben. Deshalb liegt uns daran, unseren ersten jähr­lichen Rewnvngsbericht zu veröffentlichen, der beweisen wird, daß keine der uns anvertrauten Einlagen schlecht verwaltet oder verloren wor­den ist. Eine der Hauptftagen der Bank ist.

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lehrter sitzen. Also wenn man will: Die Tra­gödie einer schwächlichen Jünglingsseele, die nicht die erste und leider nicht die letzte sein L_toiib, mag sie auch in ihren einzelnen Momen­

ten rührend an die Seele des Fühlenden grei­fen.

* c Wichtiger als die psychologischen Momente der Tragödie sind indessen (vom deutschen Standpunkt aus betrachtet) die politischen Begleiterscheinungen der Affäre, über die noch ; einiges zu sagen fft. Der junge Mensch ist vom Rektor und Universttätsrichter nicht immatri- | kulhert worden, weil die Polizei ihn als p o - litisch verdächtig bezeichnet hatte. Und in diesen Verdacht scheint er geraten zu sein, weil er einem inquirierenden Schutzmann oder ^Wachtmeister aus den fteundschaftlichen Rat:

Er möge sich doch dem von der russischen Bot­schaft patronisiertenRussischen Verein" an- schließen, zur Antwort gegeben: Ein solcher : Verein sei nicht nach seinem Geschmack; er suche nach einem Zirkel freiheitlicher russischer Stu- - denten. So soll sich der Vorgang nach der po­l' lizei-ofsiziösen Darstellung zugetrage« haben, und schon diese Version, die gewiß nicht | feindlich ist, weckt bei allen Kundigen ernstliche Bedenken, denn sie deutet darauf hin, daß die z Wissenschaftlichkeit unsrer Hochschulen poli- F tisch infiziert zu werden droht, und in- | folgedessen in ein Abhängigkeitsverhältnis zum ^ Tageskurs politischer Stimmungen zu gerate» E scheint, das den Begriff derwissenschaftlichen e, Freiheit" illusorisch macht, und den Born der H Weisheit unter die Obhut uniformierter Wacht L stellt. Daß sich die Berliner Universitätsbehörde E im Fall Dubrowsky von politischen Motiven Mhat bestimmen lassen, ist bedauerlich: Nicht nur wegen des Schuldgewichts der Verantwortung Müngesichts dieser Menschentragödie, sondern U wehr noch angesichts der damit offenbarten Ab- F hängigkeit der Wissenschaft vom Zufall der po- k litischen Konjunktur.

Wir reden demImport" russischen Gei- g nesproletariats sicher nicht das Wort, denken | vielmehr über die Immatrikulation russischer 1 Studenten an Deutschlands hohen Schulen an K sich überzeugt skeptisch. Sic haben, da die rus- D Irschen Gymnasien und gar noch die Realschulen F auch nicht entfernt dem Kursus unsrer Voll- | anstalten entsprechen, keineswegs die Vorbil- düng, die wir von unfern angehenden Muscn- E sühnen verlangen. Sie kommen vielfach auch & gar nicht zu uns, um zu lernen und, wie es f sich für sie in solcher Position ziemt, bescheiden W.' aufzunehmen, sondern um vom ersten Augen- i blick an zu kritisieren. Wer diese Leute über­ff Haupt richtig kennen gelernt hat (mit ihrem un- Mkeidlichcn Hochmut, der sie über die alten For- k nun unsrer Gesittung nur mitleidvoll die Lip - k Pen kräuseln läßt, mit ihrer Kritttelsucht und W Unausstehlichen Besserwisserei) wird sich schwer E versucht fühlen, schützend über sie die Hände zu M breiten. Schließlich wäre noch zu bedenken, Edaß Rußland in diesen Stücken keine Gegen- W ieitigkeit kennt und in echter slawischer Uebcr- | deblichkeit zu feinen Dreflurantzalten nur zu-

Deutschland am Südpol.

Die Geschichte der deutschen Polar-Expedition.

Bei der aus Anlaß der Abfahrt es Expe­ditionsschiffesDeuffchland" der deutschen Südpolar-Expedition am siebenten Mai in Bremerhaven veranstalteten Feier gab einer der erfolgreichsten Förderer des ganzen Unternehmens, GeneralmajorvonBer- t r a b vom Großen Generalstab, der militärische Vorgesetzte Filchners, eine Darstellung von der Entstehungsgeschichte der Expedition, die zur Beurteilung der Persönlichkeit ihres Leiters und der Vorbedingungen für eine erfolgreiche Durchführung wertvolle, der Oesfentlichkeit wenig bekannte Einzelheiten enthielt. General von Bertab griff in seinem Vortrag hauptsäch­lich auf die Vorgeschichte der Expedition zurück deren einzelne Phasen für

Filchners Eigenart und Energie charakteristisch sind. Den Anstoß zu der Expe­dition gaben nämlich traurige Ereignisse im Leben Filchners, und der erste Enffchluß dazu war infolge der ihn begleitenden Nebenum­stände ein schwerer. Filchner war zum Preu­ßischen Generalstab kommandiert, um dort die Ergebnisse seiner Tibet-Expeditton zu bear­beiten. Er benutzte diese Gelegenheit, um sich gleichzeitig militärisch weiter zu bilden, und nach verhältnismäßig kürzer Zeit war es ihm durch eisernen Fleiß gelungen, sich die Quali- ftkation zum Generalstab zu erwerben. Dicht vor dem erstrebten Ziele aber traten unerwartet schwere innere Kämpfe an ihn heran, und er, der allen Unbilden und Gefahren des rauhen tibetanischen Landes und seiner wilden Be­wohner furchtlos getrotzt hatte, begann den Stürmen in seinem eigenen Innern zu unter­liegen. Nur harte Arbeit konnte ihn retten, eine Arbeit, die ihn zu idealer Begeisterung fortriß und andere ernste Regungen neben sich auf die Dauer nicht duldete. Bei der Ver­gangenheit Filchners lag der

Gedanke an eine neue Expedition nahe. Der Entschluß dazu war aber, wie ich vorher erwähnte, ein schwerer, denn et be­deutete für Filchner die Aufgabe aller der gün­stigen Vorbedingungen für eine glückliche mili­tärische Zukunft, die er sich in rechtschaffenem Streben erworben hatte. Der Entschluß wurde trotzdem gefaßt; Filchner stellte aber dabei eine für fein Empfinden charakteristische Bedingung: Nicht seine persönlichen Interessen sollten das Motiv zu der Expedition bilden- nur eine solche Expedition wollte er leiten, die dem deut­schen Vaterlande nützen, deutschen Namen und deutsche Wissenschaft zu neuen Ehren führen könnte. Das erste Projekt, die Erfor­schung politisch wichtiger Gebiete Inner-Asiens, mußte bald wieder aufgegeben werden. Ein alter Lieblingsgedanke Filchners trat wieder auf: Eine deutsche antarktische Expe­dition unter seiner Leitung. Filchner war sich der großen Schwierigkeiten eines solchen Unternehmens wohl bewußt. Die Anstrengun­gen vieler Kulturstaaten,

die Antarktis zu durchforschen, besonders auch die jüngsten Erfolge seines Freundes Shackleton bestärkten Filchner in dem Wunsche, dem deutschen Volke einen ehrenvollen Anteil an der Lösung dieser wichtigen Kultur­aufgabe zu sichern. Der Wunsch reifte schnell zum ernsten Enffchluß. Dem erhebenden Augenblick des tatensrohen Entschlusses folgte aber eine längere Zeit harter Arbeit und schwerer Sorgen, eine Zeit der Enttäu­schungen und der Entmutlgung. Zwar wurde von vielen Seiten der Erpedition ein wohlwollendes Jntereffe entgögengebracbt; das Interesse blieb aber vlatonisch, die helfende Hand blieb geschlossen. Sicher erwartete Hilss- auellen versagten wegen der Unmöglichkeit der Erfüllung daran geknüpfter Bedingungen, und besondere Umstände brachten es sogar mit sich, daß direkter Wider st and sich der Aus- ftihrung der Ervedition entgegenzustellen drohte. Während so die Schwierigkeiten von Tag zu Tag wuchsen, drängte auf der anderen Seite die Zeit zum Beginn mit den Vorbe- reitunaen, wenn das gesteckte Ziel erreicht toer­ben sollte.

Allen Schwierigkeiten zum Trost, aber im vollen Bewußtsein der schweren, damit eingeaanqenen Verantwottuna. begann Filch­ner mit dem Ankauf des Schiffes, mit der An­werbung feiner Begleiter, mit den Vorberei- tnnqen für die Ausrüstung der Erveditton. Schwere Sorgen und barte Arbeit, und das alles in einer Zeit, in der perfönliche Erregungen tiefinnerfter Art unausgesetzt auf Filchner einftürmten. Rur eiferne Nerven und ein unerschütterliches Verttauen auf die eigene Kraft und auf die einenc Mission vermochten das z» leihen, was Filchner in dieser Zeit tat­sächlich geleistet bat. Sern Vertrauen wurde aber auch nicht getäuscht: Immer mehr Freunde gewann er sich, und unter diesen befanden sich nun auch folche. die ihr Interesse an der Erpe­dition auch in die Tat umfetzten und selbstlose

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Stuttgarts neuer Bürgermeister.

Hie Lindemann, hie Lautenschlager.

(Eigene Drahtmeldungen.)

Ein Privat-Telegramm meldet uns auS Stuttgart: Die gestrige Oberbürger- meffterwahl endete mit dem überraschenden Sieg des nationalliberalen Kandidäten Lau- tenschlaget, der 13154 Stimmen erhielt, während dem Sozialdemokraten Linde­mann nur 12 236 Stimmen zufielen. Der Freisinnige Keck erhielt 3365 Stimmen. Die Wahlbeteiligung war eine sehr lebhafte. Lau- tenfchlager verdankt feinen Sieg der Aufforde­rung des Fottfchrittlers Lieschings an die Volkspartei, Lautenfchlager zu untefftützen. Eine erhebliche Anzahl Volkspatteiter folgte diesem Appell, fodaß sich noch in letzter Stunde die Situation für Lindemann ungünstig gestaltete. Der Sieg macht hier gewaltigen Eindruck und in der Stadt herrscht große Bewegung, da man mit der Möglichkeit eines nationalliberalen Erfolges fast nicht mehr gerechnet hatte.

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Das Scho der Wahl.

(Telegramm unsers Korespondenten.) Berlin, 13. Mai.

Der überraschende Sieg des nattonallibera- len Regierungsrats Lautenschlager in der gestrigen Stuttgatter Oberbürgermeister­wahl wird zumeist nur von linksstehenden Or­ganen der Reichshauptstadt ausführlich bespro­chen. Während die rechts stehenden Blätter sich damit begnügen, ihre Befriedigung über den Ausgang der Wahl zu bekunden, machen die liberalen Organe aus ihrer Enttäuschung und Verärgerung über dieses Ergebnis kein Hehl; speziell derVorwärts" fühtt -eine statte Sprache, tröstet sich aber mit den Aussichten für die nächste Oberbürgermeisterwahl. Es wird anettannt, daß der Ausgang der Wahl ein sehr bequemer ist, da er einerseits den König einer Entscheidung über die Bestätigung enthebt, an- dereffeits die sozialdemokratische Partei vor einem neuenHofgänger" bewahrt.

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Lberbürgermeister Lautenschlager.

(Privat-Telegram m.)

Der neue Oberbürgermeister Sauten« schlaget ist am fünfzehnten Juni 1868 in Stuttgart als Sohn des Rechtsanwalts Lau­tenschlager, det 1876 bis 1882 die Stadt Stutt­gart im Landtag vettrat, geboren. Det ver­storbene Stadtrat Lautenschlager in Frankfurt am Main, der bei der letzten Stuttgarter Stadt- vorstandswahl im Mai 1889 kandidierte, wat fein Bruder. Lautenschlager wurde im Novem­ber 1897 zum Amtmann bei der Stadtdirektion ernannt. Im Winter 1900 wurde er Hilfsar­beiter im Ministerium des Innern; 1909 wurde er Regierunqsassessor, später zum titulierten Oberamtmann b-i der Stadtdirektion beför­dert.. Seit dem 25. Februar 1909 führte er den Titel Regierungsrat. Im Juni 1910 wurde ihm das Oberamt Heidenheim übertragen, doch trat er das Amt nicht an, weil er bekanntllich mit der Revision der Stuttgarter Polizei beauf­tragt wurde. Lautenschlager erfreut sich als Kommunalpolitiker besten Anfehens und gilt auch politisch als einer der besten Köpfe inner« halb der schwäbischen nationalliberalen Pattei.