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Nummer 133,
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Casseler WendMung
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Donnerstag, den 11. Mat 1911.
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„Sie wird gelingen...!"
Reichsland, Reichskanzler und Reichstag.
Jst's Dichtung oder Wahrheit: Gelegentlich feines Besuchs in Straßburg soll der Reichskanzler in vertraulicher Unterhaltung dem Bürgermeister Schwander auf dessen Seufzerfrage, „ob die Reichsland-Verfassung auch so trefflich gelinge« werde wie das Festarrangement der Straßburger Kaisertage*, rasch und bestimmt geantwortet haben: „Sie wird gelingen!* Der Ausspruch, von ernsten Gewährsleuten verbürgt, scheint der sonstigen Wesensart des Kanzlers der Bedächtigkeit und Ruhe fremd, und es Hingt fast wie siegreiche Kampffreudigkeit durch die drei Worte Festgeplauder, die Herrn Theobald von Bethmann der aufhorchenden Welt plötzlich als „starken Mann*, mit Stahlnerven und Bülow'scher Rhinozeroshaut gerüstet, präsentieren. Eh' der Winter dem Frühling wich, sann im Palais der Wilhelmstraße ein am Erfolg des Werks verzweifelnder Mann noch über Wege nach, die zur Erlösung aus dem Labyrinth des Reichsland-Problems führen könnten; wenige Tage später vernahm man aus geheimrätlicher Kammer, daß die Reichslandverfassung nah vorm Ende stehe und daß nur ein Wunder oder die Bekehrung der Parteien zu nützlicher Einsicht den Entwurf vorm Orkus retten könne. Bis dann mit dem jungen Mai neue Hoffnung sproß, der Regierung ohne Mühen die Frucht verständiger Kompromißarbeit reifte und nun in Straßburg, der wunderschönen Stadt, umrahmt von Girlandenzier und Flaggenprunk, der Kanzler sich im Siegerglück berauschen durste: „Sie wird geling,;«.. J*
. Wer so spricht, pflegt des Endziels hitzigen Kampfs sich bewußt zu sein und muß abschätzen können, wie schwer des Gegners Kraft im Treffen wiegt. Herr von Bethmann Hollweg hat von der zeitgemäßigen Umgestaltung der Reichsland-Versassung gesagt, daß sie „sein Lebenswerk* sei, und wir, die wir mit Erfolg und Wertgehalt verständigen Forffchritts nn- terrn Kanzlertum des vierten Bismarck-Erben bisher nur bescheiden erfreut wurden, dürfen mit froher Ueberzeugung sagen, daß dies „Le- benswerk*, rechtschaffen zum Ende geführt und gekrönt mit dem Preis des Erfolgs, einem Kanzlerdasein zur Zierde gereichen kann, selbst dann, wenn es erstrttten werden müßte unter zitternder Opferung würdiger Grundsätze und zagender Verleugnung innigsten Herzensehnens. Der fünfte Kanzler hat die Reform der Reichsland-Verfaflung begonnen, ermuntert und unterstützt von der Erkenntnis zwingender Notwendigkeiten, vom Verlangen einer Milli- onen-Gemeinde reifender Volkgenoflen und von der Sympathie lluger Parteiarbeit. Die Einzigen, die dem Werden des Werks mißtrauend und argwöhnend int Wege standen, waren die Vertreter preußisch-parttkularistischer Interessen, die Anhänger orthodox-borussischer Tendenzen und die Sprecher schwarz-weißen Geistes: Ausnahmslos Leute überzeugend stäatserhaltender Gesinnung und offensichtlicher Regierungstreue, auf deren Schultern sonst das Fundament der Bethmarm-Aera ruht. Das Reichsland-Problem gestaltet sich in ihrer Vorstellung, beengt von der Einseitigkeit der Interessen, zur Gefahr unheflschwerer Versuchung, und man hat selten schärfere Tadelworte gehört, als Herr Ernst von Heydebrand sie in der Erregunghitze des Kampfs im Preußenparlament zur Ministerbank schleuderte, geehrt und ermuntert durch den Beifall der Freunde.
Auch auf das Straßburger Siegerwort ist der Gegenhieb nicht ausgeblieben: Im Reichshaus haben gestern, während von derGrenzwacht her noch die Jubelhymnen der Kaisertage durch den Blätterwald rauschten, Konservative, Reichspartei und Wirtschaftliche Vereinigung erflärt, daß der Verfassungsentwurf für die dem Zwang des Ausnahmegestzes lärmst ertt- wachsnen Reichsland-Provinzen in der von Regierung und Kommission formulierten Fassung ihnen unannehmbar erscheine und deshalb abzulehnen sei: Kiegsansage ans „Le- benswerk des Kanzlers!* Wenn Herr von Bethmann (dem das Emporwachsen dieser Gegner- Phalanx doch sicher nicht verborgen geblieben fein kann) nun trotzdem voll Zuversicht fpricht: „Sie wird gelingen!*, so muß er sich notwendigerweise klar darüber geworden sein, welcher Weg ihn zum Ziele führen tarnt und welche Konsequenzen si^> aus der Kaltstellung bisher bevorzugter Regierungsparteien in dieser, das Reicksiuteresse unmittelbar und weitwirkend berührenden Frage ergeben müssen. Die ganze Art. wie
namentlich die konservative Partei das Reichslandproblem in den Vordergrund des Mei- nungkampss gedrängt hat und die Erregung, die die Debatten durchzitterte, lassen darauf schließen, daß man dort, wo man in der Beth- mann-Resormation eine drohende Gefahr für Preußens Vormacht int Reichsverband erblickt, nicht geneigt fein wird, sich mit den werdenden Dingen (deren Reifen man nicht hindern kann) friedlich und versöhnungfroh abzufinden, wenn auf klerflal-liberalen Schultern das Werk unter Dach gebracht ist, sondern daß, Heydebrands Unheilkündnng verwirchlichend, das Verlangen aufkeimen wird, für das Straßburger Frevelwort Sühne zu heischen.
Daß hinter den Kulissen Kompromißregie versucht worden ist, und daß das gestrige „Non possumus !* der Rechten im Wallothaus demgemäß nur als würdige Theater-Pose zu schätzen wäre, ist nicht wahrscheinlich, da die Verhandlungen des Kanzlers mit der über Nacht kombinierten neuen Mehrheit doch keinem Kundigen Geheirnnis waren, und überdies nach der ersten Absage der um Heydebrand Gescharten kein Zweifel mehr daran obwalten konnte, daß hier der boruffische Prellbock den Weg zur Einsicht sperrte. Es können sich also unterm befruchtenden Maienregen des Zufalls allerlei Konsequenzen ergeben, deren Nachwirkungen noch in den Tagen des kommenden Wahlkampfs zu spüren sein werden: Der Kanzler hat, wenn (wie er hofft, und wie's auch wahrscheinlich ist) die Lösung des Reichsland-Problems wirklich gelingt, den Beweis erbracht, daß et sich im Zwangssall stark genug fühlt, auch ohne konservativen Beistand zu regieren; er hat ferner die alte Koalition Heydebrand- Spahn durchbrochen, sich, dem DedSrfttiv'rmt- sprechend, eine neue Mehrheit konstruiert und damit zum erstenmal Pfade eingeschlagen, deren Kühnheit bisher nicht zu bewundern war. Trotz der „Sammlung aller nationalen Kräfte zu gemetnfamer Arbeit*, die uns bislang als Losung und Parole der Wilhelmstraße vertraut war. Die nächsten Tage müsse« offenbare«, was hinter dem Straßburger Plauderwort an tatsächlicher Zuversicht wohnt, und wie nach dem Frühdämmern des neuen Kurses der erste Morgen „Bethnmmrscher Verjüngung* ins Land lugen wird: Sonnenschein oder Gewitter...? F. H.
Fallieres in Brüssel.
Der Präsident der Republik beim König.
(Telegraphischer Bericht.)
Aus Süffel wird uns depeschiert: Don herrlichstem Wetter begünstigt traf Präsident Fallieres gestern nachmittag hier ein. Seit mittag hatten sich in der Nähe des Nordbahnhofes fowie längs der Sttahen, die der Präsident bei feinem Einzuge passieren follte, Tausende von Neugierigen ausgestellt. Truppen, die aus allen Teilen Belgiens zusammengezogen worden waren, bildeten in der Nähe des Nordbahnhofes Spalier. Der König traf, mit Spezialzug vorn Laakener Schloß kommend, gegen halb drei Uhr auf dem Nordbahnhof ein. Der Bahnhof war mit Blumenarrangements und mit Fahnen in den französischen Farben geschmückt. Kurz vor drei Uhr lief der Zug mit dem Präsidenten in der Halle ein. Die Militärkapelle spielte die Marseillaise, während der König dem Präsidenten entgegenging und ihm herzlich die Hand schüttelte. Der König hieß den Präsidenten in Brüssel willkommen und ließ sich bann den den Präsidenten begleitenden Minister des Aeutzern Cruppi, fowie das übrige Gefolge vorstellen. Hierauf begaben sich die beiden Staatsoberhäupter in den Ehrensaal des Bahnhofes, in dem Schulkinder die französische Rattonal- hhmne fangen.
Nachdem der Oberbürgermeister von Brüssel und die übrigen Vertreter der Militär- und Zivilbehörden dem Präsidenten Fallieres vorgestellt worden waren, bestiegen der König und fein Gast sowie das Gefolge die bereit- stehenden Galawagen. Beim Erscheinen des Präüdenten auf der Straße wurden Salutschüsse von einer Batterie Artillerie abgefeuert. Unter begeisterten Zurufen der dickten Volksmenge fuhr der König mit dem Präsidenten «ach dem königlichen Palast. Die Menge schrie andauernd: „Es lebe Fallieres, Frankreich und die französische Republik!* Fallieres dantte sehr befriedigt durch Hutschwenken und Handbewegungen. Die Ankunft im Königspalast erfolgte kurz vor halb vier Um. Der Präsident betoebnt hier den linken Flügel. Fallieres empfing um fünf Uhr nachmittags die Mitglieder des diplomatischen Korps. Soweit bisher bekannt, bat sich ein Zwischenfall nicht ereignet. Mittags waren mit einem Svezialzuge zahlreiche Mit
glieder des Pariser Gemeinderats in Brüssel eingetroffen.
Pfiffe als Willkommen!
(Eigene Drahtmeldung.)
Brüssel, 10. Mai. Als der Wagenzug mit dem Präsidenten Fallieres gestern nachmittag an der Coloniestraße vorüberfuhr, wurden verschiedentlich Pfiffe laut. Die Polizei verhaftete drei Personen, die sich im Besitze von Trillerpfeifen befanden. Bei ihrem Verhör auf dem Kommissariat erklärten sie, sie hätten gegen die in Frankreich herrschenden reaktionären Zustände protestiere« wollen. Die Verhafteten, die in Gewahrfam b.halten wurden, sind sozialistische Pro- psgandisten.
Das Mtfel von kadinen.
Der Kaiser und die „Erben von (Sabinen".
(Von unferm Korrespondenten.)
Wie wir schon berichtet haben, wollen die angeblichen Erben des Landrats Birkner, der vor dreizehn Jahren dem Deutschen Kaffer das Gut (Sabinen zum Geschenk machte, gegen den Kaiser einen Prozeß auf Anerkennung ihrer Erbansprüche anstrengen. Es soll in diesem Prozeß der Beweis angetreten werden, daß Landrat Birkner zurzeit der Schenkung nicht mehr im Besitz freier Willensbestimmung war. Inzwischen hat die Nichte des Landrats Birkner, die als Effte Erbanspruch auf (Sabinen erhebt, durch ihren Rechtsanwalt Dr. Moeltgen in Cöln eine Eingabe an den Kaiser richten lassen, in der die Ansprüche der Erben näher begründet werden. Es wird uns darüber berichtet:
AA Köln, 10. Mai.
Sie von der Richte des Landrats Birkner dem Kaffer unterbreitete Eingabe hat folgenden Wortlaut: „Ew. Majestät haben von meinem Onkel, dem Rittergutsbesitzer Landrat a. D. Arthur Birkner, das Rittergut Cadinen nebst zugehörigen Gütern käuflich übernommen. Zur Uebertraguttg diefer Güter an Ew. Kaisersiche Majestät haben jedoch Umstände geführt, die Ew. Majestät bei Erwerb der Güter unmöglich bekannt fein konnten. Diese Umstände Ew. Kaiserlichen Majestät zur Allerhöchsten Kenntnis zu bringen, ist mit Rücksicht auf meine und vor allem meiner Angehörigen Familienverhältnisse, bet Not gehorchend, meine harte Pflicht, und daher bet Zweck bet gegenwärtigen untertänigsten Eingabe. Mein verstorbener Onkel, der Landrat a. D. Biffner, wat zur Zeit der Tättgung des Attes im Dezember 1898 durch langjährigen übermäßigen Morphiumgenuß in einen Zustand krankhafter Störung bet Geistestättglett geraten, der feine freie Willensbestimmung ausschloß. Zur Zeit der Akttättgung lebten noch drei Schwestern meines Onkels, alle in seht dürftigen Vetmögensverhältnissen, sodaß das Landgut der einen Tochter, Eheftau Oberleutnant Becker, zur Zwangsversteigerung kam Nun sind aber Personen, bei denen, wie bei meinem Onkel, die freie Willensbestimmung ausgeschlossen ist, nach den gesetzlichen Vorschriften als geschäftsunfähig anzusehen.* Des weitem führt die Eingabe aus, daß der Kaifet durch einen Brief vom ersten September 1898 dem Landrat Birkner feinen Dank für die Stiftung ausgesprochen habe, und daß die Rente, die Birkner bis zu seinem Tode tat April 1905 bezog, durch die Erträgnisse des Gutes reichlich ausgewogen worden sei. Insbesondere wird gegen den bekannten Geheimen Regiemngsrat von Etzdorf der Vorwurf erhoben, den Landrat Birkner zu der Schenkung veranlaßt zu haben. Auch gegen die Gattin Birkners werden in der Eingabe schwerwiegende Vorwürfe erhoben, sodaß zu erwarten steht, daß die Angelegenheit noch zum Gegenstand weiterer Ermittelungen werden wird. Die Erben beziffern den Wert des Gutes Cadinen mit rund drei Millionen Mark, eine Summe, die den taffächlichen Wert des Gutes natürlich erheblich übersteigt. Der Rechtsanwalt der angeblichen Erben ist übrigens davon überzeugt, daß es ihm gelingen werde, den rechtmäßigen Anspruch seiner Klienten ausreichend zu beweisen und die Annullierung der Schenkung zu erwirken. -gs-
Zeppettn und Hergesell.
Garf Zeppelin und fein Mitarbeiter.
(Von unferm Korrespondenten.)
In der Presse ist feit einigen Tagen davon die Rede, daß zwischen dem Grafen Zeppelin und seinem langjährige« Mitarbeiter, Professor Hergesell, Differenzen aus
gebrochen seien, die ein ferneres Zusammen- wirken der beiden Herren auf die Dauer wohl kaum ermöglichen würden. Es ist zwar von Friedrichshafen aus die Tatsache eines be- stehenden Konflikts bestritten worden, und Graf Zeppelin hat auch selbst die Meldungen über angebliche Differenzen als freie Erfindungen bezeichnet, aber man kann es verständlich finden, daß der greife Graf das Bedürfnis hat, unliebfames Auffehen zu vermeiden und gewisse Veffttmmungen nicht offenbar werden zu lassen, über die in unterrichteten Kreisen schon lange geflüstert und gesprochen wird. Daß taffächlich aber eine gewisse Entfremdung eingetreten ist, läßt fick kaum noch leugnen, wenn auch vorerst ein offener Bruch noch vermieden worden ffi. lieber die dafür in Betracht kommenden Umstände verlauten folgende Einzelheiten:
□ Friedrichshafen, 10. Mai.
Professor Hergesell ist dieser Tage nach Teneriffa abgereist, wo er sich längere Zeit aufzuhalten gedenkt. Man ist hier geneigt, die Gerüchte über die Entfremdung zwff^en den beiden Herren auf die Verstimmung des alten Grafen über feine Betelligung an der kostfpie- ligen und nutzlosen Polar-Vorexpedi« tion zurückzuführen, zu deren Veranstaltung Hergesell ihn fast gezwungen hatte, indem er den Prinzen Heinrich und durch diesen ben Kaiser für die Idee zu interessieren wußte, bevor sie noch dem Grafen Zepvelin selbst sympathisch geworden war. Ein Zurück- treten war aber von dem Augenblick an unmöglich, wo die hohen Peffönlichkeiten mit der ihnen eigenen Initiative die Sache zu fördern beschlossen hatten. Diese Erllärung für die Lockerung der Freundschaft trifft schon zu, indessen war die Vorexpeditton an sich nicht der einzige Stein des Anstoßes, es kamen vielmehr noch andere Momente hinzu, die schwerer wogen: Die Ballonkatastrophe bei Echterdingen, die nach dem übereinstimmende« Urteil der Sachvefftändige« nur durch die Voreiligkeit der Dispositionen herbeige- sührt worden ist, und für die Professor Serge« sell als Leiter verantwortlich gemacht wurde. Schließlich wird noch ein anderer Fall erörtert, der zu der Stimmung des Mißvergnügens ebenfalls Anlaß gegeben haben soll: Graf Zeppelin hatte auf dringenden Wunsch HergesellS den Polarfahrer Theodor Lerner seiner prakttsche« Erfahrungen halber als gleichberechtigten Teilnehmer an der Vorexpeditton aufgenommen, und Lerner hatte daraufhin feine« Vertrag mit Parfeval (der ähnliche Pläne mit ihm hatte) gelöst. Nach kurzer Zeit aber schon traten Unstimmigkeiten ein, die zur Entlassung Lerners führten; wie Lerner behauptet, zu Unrecht, weil er als gleichberechtigter Teilhaber gar nicht „entlassen* werden konnte. Auch hier soll angeblich Professor Hergesell die treibende Kraft getoefen sein, und Graf Zeppelin hat sich später mit Lerner verständigen müssen. Alle diese Umstände mögen dann schließlich zu einer gewissen Entfremdung zwiscken den beiden Herren geführt habe«, deren Endwirkungen sich zwar zurzeit noch nicht übersehen lassen, wahrscheinlich aber nicht ausbleiben werden, wenn es auch menschlich-verständlich erscheint, daß Graf Zeppelin es nach Tunlichkeit verhüten will, den langjährigen Freund und Mitarbeiter ta der Oefsentlichkeit anklagen zu lasse«. -a-
8« Schwan zu Frankfurt.
ErimrerungsblStter aus großer Zett.
(Von unferm ^--Mitarbeiter.)
Als im Mai achtzehnhunderteinundsiebzig inFrankfurta. M. die Friedensverhandlungen zwischen Deutschland und Frankreich beginnen sollten, war anfangs für die Verhandlungen der „Russische Hof* in Frankfurt, das altbekannte berühmte Absteigequartier der Großen dieser Erde, bestimmt gewesen. Das Hotel hatte unter auderm beim Fürstenkongreß von 1863 eine große Rolle gespielt; im „Russischen Hof* nahm auch Kaiser Wilhelm der Erste als Prinz von Preußen stets sein Onartisr und hatte dann regelmäßig Konferenzen mit dem Bundestagsgesandten von Bismarck. Als Bismarck sich bann auch zu ben Friedensverhanblungen im Russischen Hof an« melben liefe, fand sich ein Hindernis in der zufällig stattfindenden Reparatur des Hausflurs; man glaubte dadurch Störungen ausgesetzt zu sein, und nachdem auch der „Englische Hof* nicht Räume genug disponibel hatte (man bedurfte deren vierzehn) wurde der eben neu eröffnete, durch einen dreijährigen Vergrätze- rungsbau zum Palast umgewandelte „Gasthof zum Schwan* ausersehen. Im „Russischen Hofe* blieben nur die französischen Geschäftsträger, und jedesmal, wenn ihre Equivaae« auf der