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1. Jahrgang

Nummer 130.

» Hessische Mend?kltung

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Sonntag, den 7. Mai 1911

Katastrophe:

S Düffeldorf, 6. Mai.

berichtet uns : :

AA Köln, 6. Mai.

sür das Marinereffort be

Madame Thirion steht im vierundzwan- zigsten Lebensjahre, ist eine auffallend schöne und distinguierte Erscheinung und ge­noß das volle Vertrauen der Kreise, mit denen sie in Berührung gekommen ist. Die Verhaftete unterhält noch heute Beziehungen zu angesehe­nen Familien in Stuttgart, Düsseldorf, Berlin und Braunschweig, und deshalb erstreckt sich auch die Untersuchung über ihr Vorleben und ihre Verbindungen mit Militärperso­nen auf diese Orte. Madame Thirion erklärt übrigens selbst, daß sie keine verwandtschaft­lichen Beziehungen zum Minister Monis habe; diese Auffassung beruhe offenbar auf einer Ver­wechslung ihrer Familie mit einer andern glei­chen Namens, die in Bordeaux ansässig sei. Seitens der Verwandten der Dame sind zwei höhere Rechtsanwälte mit der Verteidigung

Erbe der Krone vertraut und lieb geworden, und wie einst sein Großvater in den Tagen eines hellsten Glücks, sieht auch er des Lebens einste Freuden im Kreise der Familie und tot auberreich des stillen Heims. So mancher Zug us dem Dasein eines glücklichen Gatten und Vaters, manche kleine Episode aus dem Fami­lienleben des kronprinzlichen Paars kennzeich­net den Erben der Krone als »inen mit glück­lichster Seelenharmonie Begnadeten, der auch auf der .steilen Höh', wo Fürsten steh'n,' dem Leben nicht fremd geworden ist, sondern mit Hellem Auge und fröhlichem Herzen seinen Pfaden folgt. Anektdotenerzähler haben davon zu plaudern gewußt, wie drückend auf der Seele des Jünglings und Mannes das Emp­finden gelastet habe (und noch laste), neben der strahlenden Sonne väterlicher Majestät im Schatten zu verkümmern, und reiche Kraft nutz­los rosten lassen zu müssen, ohne ehrlichem Ta­tendrang Geltung verschaffen zu können. Mag sein, daß die Seele froher Jugend auch aus Fürstenhöhen manchmal unterm Schicksal sich verdüstert: Ein künftiger Kaiser soll aber rei­fen und heranwachsen zur ragenden Höhe sei­nes Amts. Und Friedrich Wilhelm hat dies nie vergessen.

Erst dieser Tage, als von der Ostlandfahrt die Kunde kam, der Erbe der Krone werde

nach der Rückkehr zur Heimat die Residenz wechseln und in der Provinz ein Kommando übernehmen, raunten Märchenerzähler dem Volk in's Ohr, des Vaters Größe dulde keine .Götter neben sich', und aus der wachsenden Popularität des kronprinzlichen Paars sei am Kaiserhof die Eifersucht emporgewachsen, so­daß die Besorgnis elterlicher Hut es als nütz­lich erachtet habe, den aufsteigenden Stern der Aufdringlichkeit peinlicher Neugier zu ent­ziehen. Es liegt ja nahe, in der Seele eines zu hohem Amt Berufnen stille Sehnsucht zu lesen, und das Empfinden eines nach Tat und Werk Verlangenden zu erklügeln, der überall am Wege nur die eine Losung sieht: Warten! Aber es hieße doch das Wesen Friedrich Wil­helms schlecht verstehen und übel deuten, wenn man aus begreiflicher Tatensehnsucht des der Vollkraft der Mannheit sich Nähernden Wünsche ergrübeln wollte, die der ganzen Art des Prin­zen widersprechen. Auch der E r b e einer Kai­serkrone hat verantwortungsvolle Pflichten,und der Kraft und dem Ehrgeiz der Jugend bietet das Emporwachsen zur Weisheit eines Herr­schers genügend Raum zu ernster Arbeit und ehrlichem Streben. Friedrich Wilhelm, dessen neunundzwauzigsteS Wiegenfest heut das Reich bejubelt, ist sich dieser Pfiichten voll bewußt. Und als einen MaNN des Pflichtbewußt- seins ehren wir in ihm den künftigen Träger der deutschen Kaiserkrone! F. H.

Schönheit und Iutrigue.

Die Trick« derSpionin von Köln".

(Eigene Drahtmeldungen.)

Rach einem Telegramm u n s e r s Köl­ner △△ -Korrespondenten beteuert die wegen Hochverrats verhaftete französische Sprachlehrerin Madame Thirion im Unter­suchungsgefängnis fortgesetzt ihre Unschuld, meint aber, daß es aus die Auffassung der Richter ankomme, ob sie der ihr zur Last ge­legten Delikte für schuldig befunden werde oder nicht. Die Verhältnisse sprächen gegen sie. Mgdame Thirion war nur vorübergehend in Köln ansässig, sie hatte sich vor zwei Monaten nach Paris abgemeldet, um einen Erholungs­urlaub bei ihrer dort in guten Verhältnissen lebenden Mutter zu verbringen. Sie war so­eben nach Köln zurückgekehrt, als sie auf der Straße verhaftet wurde. Ein weiteres Te­legramm unsers Korrespondenten

fuhr. Die Unfallstelle, über die um drei Uhr auch das LuftschiffDeutschland" hin- wenfuhr. wurde nachmittags von Tausenden von Zuschauern umlagert. Der entgleiste Eil- zug war der sogenannte Börsenzug, mit dein viele Bankiers des Jndustricbczirks sich zur Tüffeldorfer Börse begaben. Alle diese saßen im dritten Wagen, der aber glimpflich davonkam, da er nur tüchtig herumgcschleudcrt wurde und schließlich in schiefer Stellung ver­harrte. Es bestätigt sich übrigens, daß das gestrige Unglück durch zu schnelles Fah­ren verschuldet wurde. Der Lokomotiv­führer scheint den Tod daher gefunden zu ha­ben, daß er. da er das Unglück kommen sah. von der Maschine abspringen wollte. Der Heizer wurde gleichfalls so schwer verletzt, daß an seinem Auflommen gezweifelt wird.

tretne das sechste Jahr des Daseins vollendet, stand er als nächster Erbe des Throns bereits Hinterm Vater, dem als Neunundzwanzigjäh­rigem die Zügel der Regierung in die Hand der Jugend überantwortet wurden. Heut, am sechsten Maientag, runden sich neunundzwanzig Fahre, feit Friedrich Wilhelm von Preußen das Licht der Welt erblickte, und der Zauber feiner Kindheittage lebt nur noch in wehmüttgem Er­innern. Vier Jahrzehnte sind übers neue Reich dahingerauscht, reich an Schicksalen, Heimsu­chungen und Enttäuschungen, reich an Erre­gung, Groll und Hader, und die .alte Zeit" mtt ihrem poefleumflossnen Patriarcken-Jdyll ist im Meer der Vergessenheit versunken. Die Wende des Jahrhunderts brachte auch im Reich der Zollern eine neue Aera, eine Zeit macht­vollerer Enffaltung und stärkerer Betonung Dessen, das die Väter in hartem Kampf erstrtt- ten. Die Ruhe des Starken, die sichre Zuve^ sicht eines seiner Kraft bewußten Volks tvtch einer lebhaftem Geltendmachung deutscher Ari auf allen Flächen des Erdrunds, das Steuer der Reichspolitik glitt in beweglichere- und geschäftigere Hände und man empfand plötzlich nach einer langen Pause stiller Werkarbeit, daZ das Reichsgebäude auch äußerlich glänzenderer Repräsentation bedürfe, um in der Gemem- schaft der Völker die Wucht feiner Kraft voll zur Geltung bringen zu können: Die .neue Zeit' brach an, und mit ihr glitt Deutschland auf den großen .Strom des Lebens .

Schon dreiundzwanzig Jahre steht Frie­drich Wilhelm von Preußen als Kronprinz an der Stufe des Throns, und wenn nach rnenich- licher Voraussicht das Schicksal seine Wege wählt, werden Silberfäden fein Haar durch- blinken, ehe die Last einer Krone sein Haupt drückt. Was wir vom Erben des^aiserzeptrrs wissen, macht den nun auf der schwelle zum vierten Dezennium seines Lebens stehenden uns schon rein menschlich wert und sympathisch: Ein jugendfrischer, elastischer und in den Grundsätzen taffroher Lebensbejahun» erzog- ner Mann, der auf dem steilen Weg zur Thro­neshöhe des Lebens Fordern nicht vergaß und als Füfft und Mensch der Welt und ihrem Wesen verständig Rechnung trug. Im Schatten eines weltbewunderten und weltbeschäftigenden Balers ist Kronprinz Friedrich Wilhelm dem Volk mehr als Mensch denn als einstiger

der Verhafteten beauftragt worden, die nach­weisen wollen, daß die Beziehungen, die Ma dame Thirion zu ersten gesellschaftlichen und militärischen Kreisen unterhalten hat, d u r ch - aus einwandfreier Art gewesen seien und die gesellschaftlich üblichen Grenzen nie überschritten hätten. Auf der andern Seite wird dagegen bekannt, daß das B e l a - tungsmaterial gegen die Verhaftete sich immer mehr häuft, sodaß an ihrer Schuld nicht mehr gezweifelt werden könne.

platten, die für das Marinereffort be­stimmt seien. Er (Asanaßjew) habe zwar die Untersuchung nicht zu führen, denn diese sei seinem Kollegen Ragulin übertragen worden. Schließlich sagte der Detettiv zu Filatow, er

Friedrich Wilhelm.

Ker Geburtstag des Kronprinzen von Preußen.

Am sechsten Tag der Maien, zwölf Jahre «ach dem großen Krieg, wurde dem Prinzen­paar Wilhelm von Preußen der erste Sohn geboren und dem Hohenzollernhaus ein neuer Thronerbe gegeben. Ueberm jungen Reich strahlte die Sonnenhöhe glücklichen Friedens, Bismarcks Eisenhand nutzte kühn die Wucht germanischen Machtgehalts, und der greise Kaiser saß, mit dem Urenkel im Arm, dem Photographen zum historischen Vierkaiser-Bild. Erzvater, Großvater, Vater und Sohn: Die Huld freundlicher Vorsehung schien einem sieg­haften Volk auch in der Formung innern Ge- sthicks nur Glück zu spenden, und das Vterkai- ser-Bild kündete der Welt die stolze Sicherheit der Zollern-Dhnastie! Das war der Maientag, der den Eintritt des efften Sprossen einer jun­gen Ehe versonnte. Selten, daß Glück und Schicksal einem Sterblichen freundlicher an der Wiege lächelten, als diesem Füfftenkind, dessen Lebenspfad gesäumt schien von den berau­schendsten Blüten irdffcher Daseinsfreude. Noch stand' der Ahn, ein Greis zwar, aber un­gebrochen an Kraft und Lebensmut, als Nestor unter den Herrschenden an der Spitze der Reichsgemeinschaft, umjubelte eine Welt des Großvaters ritterliche Heldengestalt; hell und licht wölbte sich der Himmel über deutscher Erde, und die Früchte hart erkämpfter Siege reiften golden auf üppiger Flur. Es waren die Jahre friedlicher Entwicklung, emsiger Ar- beft und ungestörten Friedenglücks, die Deuffch- laud unterm Schirm einer starken Politik in sichrer Hand durchlebte, Jahre der Zufrieden­heit und der Schicksalgüte, die ein neugeetotrs Volk im vollen Genuß heldenhaft erstrittner Güter durchlebte.

Das Schicksal schreitet schnell: Noch ehe der Enkel der Kindheit Schwelle überfchrttten, bet­tete man den ersten Deuffchen Kaiser in's Grab, und am Schmerzenslager des Großvaters war­tete der Tod auf neue Beute. Das Jahr der Heimsuchung dämmerte herauf, Deutschland sah zwei Kaiser in's Reich der Schatten sinken, und als der vom Glück der Maien einst als viefter Erbe der Kaiserkrone ins Leben Ge-

Bei der Entgleisung des Eilzuges stürzten die Lokomotive, der Packwagen und der elfte Personenwagen dritter Klasse um. Der Loko­motivführer wurde tot und schrecklich verstümmelt unter dem Packwagen her­vorgezogen, der Heizer und der Regierungs­baumeister E ck e r t, der von Essen aus aus der Lokomotive mitgefahren war, sind schwer verletzt und wurden ins Rather Kranken­haus gebracht. Einer der Passagiere trug einen Beinbruch davon, während außerdem noch sechs Personen leichtere Kontusio­nen erlitten. Verschiedene Damen mit kleinen Kindern und auch Herren, die sich in dem um­gestürzten Wagen befanden, erlitten einen Ner- venchock. Diese Passagiere durchlebten bange zehn Minuten, bis sie mittels Leitern, die von der freiwilligen Feuerwehr Rath sowie von Arbeitern der an der Unfallstelle gelegenen Mannesmannwerke herbeigeschafst worden waren, aus dem Wagen befrett werden konn­ten. Die Unfallstelle ist weithin ver­wüstet, schwere Eisenbahnschienen sind total zusammengebogen und ein Gewirr von Tele­graphendrähten und Schwellen bedeckt den Boden in weitem Umkreise. Mehrere Tele­graphenstangen waren von der entgleisten Lo- komottve teils umgefahren, teils glatt durch­schnitten worden. Ueber

die Ursache der Katastrophe effahre ich folgendes: Die Entgleisung des Zuges ist auf die Brüchigkeit einer Kurve zurückzuführen. Die Lokomotive kippte bei der Durchfahtt der Kurve um und der Führer kam dabei ums Leben. Der Pack­wagen blieb auf dem Gleis stehen, während der nächste Personenwagen, ebenso wie die Lokomotive zur Seite stürzten. Gleich nach dem Einbiegen in die scharfe, fast 8-förmige Kurve fühlten sich die Passagiere heftig durch­einandergeschüttelt und noch bevor man sich vom Schreck erholt hatte, erfolgten zwei starke Stöße», worauf der Zug stillstand. Sofoft nach dem Eintritt der Katastrophe wur­den die Gleise gefperft und der Betrieb auf der Sttecke eingestellt. Die Kurve vor der Station Rath, an der das Eisenbahnunglück oeschah, ist schon seit längerer Zeit bei den Reisenden, die häufig den Eilzug dieser Strecke benutzen, wegen ihrer Gefährlichkett berüchtigt. Die Eisenbahnverwaltung ist auch wiederholt auf das Gefährliche des Zu­standes hingewiefen worden. Hoffentlick, zö­gert nun, nach dem gestrigen Eisenbahnunglück, das nur zu leicht sich noch furchtbarer hätte ge­stalten können, die Eifenbahnverwaltung nicht länger, den gefährlichen Zustand zu beseitigen.

Der Schauplatz der Katastrophe.

(Telegramm unseres Korrespondenten.)

Der bei der Entgleisung deS Eilzugs ge­tötete Beamte ist der Lokomotivführer Kum- n-er aus Dortmund. Seme schrecklich ver­stümmelte Leiche fand man unter dem abge­rissenen Gestell des Packwagens in den Boden eingewühlt. Schwere Kopf- und Gliederver- letzungen erlitt der Heizer Padur auS Dort­mund und schwer verletzt ist auch oer Regte rungsbaunteister E ck a r d t aus Essen, der an der Lokomotive als Revistonsbeamter mit

ßiu neues Menbahn-Draum.

Eisenbahnkatastrophe bei Düsseldorf.

(Eigene Drahtmeldung.)

Eine eisenbahnamtliche Mel­dung berichtet aus Düsseldorf: Gestern nachmittag gegen %3 Uhr entgleiste der von Ratingen-Ost kommende E i l z u g bei der Em- ahft in den Bahnhof Rath mit sämttichen Achsen. Der Lokomotivführer wurde getö­tet, der Heizer und ein Reisender wurden chwer, sechs Reisende leicht verletzt. Die Hauptgleise sind gesperrt. Der Betrieb wird auf den Nebengleisen aufrechterhalten. Die Ursache der Entgleisung ist noch unbekannt. Wir erhalten von unserem Düsseldor- er Korrespondenten folgenden tele­graphischen Bericht über die Einzelheiten der

wolle

die Angelegenheit vertuschen, wenn er von Filatow zur .Bestreitung ver­schiedener Ausaaben" taufend Rubel erhalte.

Wo der Rubel rollt.

Rnffifche Räuber- und Diebsromantik.

(Von unserem Korrespondenten.) $$ Petersburg, 4. Mai.

Vor etwa drei Jahren war aus der mit­telasiatischen Bahnstrecke bei Aschabad ein Po st Waggon beraubt worden. Die Räuber hatten die Waggondecke durchbrochen und etwa eine halbe Million Ru­tz el entwendet. Im Herbst vorigen Jahres wurde in einer Bank in Rostow a. D. der ehe­malige Landeshauptmann des Ofurgethschen Kreises. Kapitän Jermolow verhaftet, als er in der Bank 75000 Rubel in Kreditbtl- letten wechseln wollte, die die Nummer der­jenigen Akten trugen, die aus dem Postwagen geraubt worden waren. Eine Haussuchung bei Jermolow brachte eine Quittung über den Empfang von 30 000 Rubel zwecks Uebermitt- lung an die Brüder Theophil und ©fernen Otchmefui zutage. Die Quittung war mit der Unterschrift des

Oberleutnants Georgi Otchmefuri veffehen, der bei einem in Tiflis garnisonie- renden Infanterieregiment stand. Diefer Offi­zier war der Bruder der beiden obengenann­ten Otchmefuri, die nebst einem gewissen Bara- midse, und einem Nestor Kikodse in Sachen des Ueberfalls polizeilich gesucht werden. Der Oberleutnant gab zu, daß die Unterschrift von ihm herrühre, konnte aber für die Quittung keine triftige Erklärung abgeben. Er wurde aber aus dem Dienst entlassen, aus dem Mili- iärstande ausgestoßen, verhaftet und mit Jer­molow nach dem Aschabader Gefängnis trans- poftieft. Dort sitzen bereits z e h n deS Raub­überfalls auf den Postwaggon angeklagte Per­sonen in sicherem Gewahrsam. Kapitän Jermo­low wird der Teilnahme am Raubübeffall und der Hehlerei, Oberleutnant Otchmefuri der Hehlerei und Nichtanzeige angeklagt. Die Af­färe hat auch für Petersburg

eine pikante Seite:

Kapitän Jerwolow ist diejenige Peffon, die bet bekannten Zeitung .Nowoje Wremja' Material für ihre Artikel .Der Kaukasus zer­fällt' und dem Reichstagsabgeordneten Pu- rischkewiffch Material für seine Beschuldigun­gen gegen den Statthalter tot Kaukasus und dessen Gehilfen geliefert hat. Jermolow war aus dem Kaukasus nach Odessa gekommen und gleich darauf vom General Tolmatschew dort zum Polizeimeister ernannt worden, war aber nach kurzer Zeit auf Verlangen des Statthal­ters im Kaukasus dieses Postens verlustig ge­gangen, als gegen ihn wegen einer Reihe von Erpressungen und Unterschlagun­gen eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet worden war. Es hätte wenig gefehlt, und . . . der Räuberhauptmann hätte den Statthalter gestürzt. Eine andere nicht weniger .echt rus­sische' Geschichte berichten riffsische Blätter: Auf dem Hofe des Lieferanten Filatow in Peters­burg wurden vor einigen Tagen gegen

dreihundert Pud Panzerplatten gefunden, deren Herkunft verdächtig erschien. Inzwischen bat Filatow dokumentarisch den rechtmäßigen Besitz der Platten nachgewiesen. Gleichzeitig wird über die Affäre folgendes bekannt: Als der Chef der Detettivpolizei durch eine Denunziation eines enttaffenen An­gestellten Filatows von dem Vorhandenfein der Panzerplatten auf dessen Hofe effuhr, de­legierte er dahin den Detettiv Ragulin ab. Gleich darauf erschien bei Filatow em anderer Detektiv, namens Asanaßjew, und teilte Fila­tow mit, er habe ihm eine sehr wichtige Mit­teilung zu machen Filatow begab sich darauf mit Asanaßjew in den Trattir .Chalons', wo letzterer dem Lieferanten mitteilte, er siebe im Verdacht des Diebstahls von Stahl-