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eennabenb, 6. Mai 1911.

Caffeler Neueste Nachrichten

129. 1. Jahrgang.

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ihnen förderte ein ganzes Warenlager von

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Sie heutige mmmerumiiiBt 12 Seiten

bestimm» ist, das russische Proletariat von ben Universitäten fern zu halten.

alte Mann hat gegen den Schwiegersohn zeige erstattet.

A Die Holländische Gemeinde. In der

A Die Bekanntschaften aus dem Kranken­haus. Im vergangenen Sommer lag der Ge­legenheitsarbeiter Heinrich Simon aus Fels­berg einige Wochen in einem hiesigen Kranken­haus, und machte bei dieser Gelegenheit die Bekanntschaft eines älteren Hausmädchens der Anstalt. Im Lause des freundschaftlichen Ver­hältnisses pumpte der inzwischen zur Entlas­sung gekommene Patient seineBraut" unter Vorspiegelung allerlei unwahrer Tatsachen um mehrere Beträge in Gesamtüöhe von über drei­ßig Mark an. In gleicher Weise schloß er mit einem ebenfalls in der Anstalt sich befindlichen Patienten Freundschaft, die er auch nach dessen Entlassung fortsetzte. Von diesem Freund borgte er sich auf einige Tage eine Taschenuhr, um sie dann ins Leihhaus wandern lassen, anstatt sic wieder zurückzugeben. Der wegen dieser Betrügereien und Unterschlagung der hiesigen Strafkammer aus dem Zuchthouse (in dem er gegenwärtig wegen ähnlicher Verbre­chen eine dreijährige Zuchthausstrafe verbüßt) vorgesührte Angeklagte will in bitterer Not ge­handelt haben. Das Gericht erkannte wegen seiner Rückfälligkekt aus eine Zusatzstrase von neun M o n a t e n Zu ch t h a u s.

A Caffeler Radrennen. Am Sonntag, den 7. Mai, veranstaltet der Casseler Radfahrerver­einH essen 1910" sein diesjähriges Früh- jahrsrennen auf der Strecke Knallhütte-Gudens- berg-Fritzlar-Wildungen, über etwa sünfund- achtzig Kilometer. Der Start findet morgens um sieben Uhr an der Knallhütte statt. Nach­mittags vier Uhr, nimmt die Preisverteilung, verbunden mit einem Tanzvergnügen, im Lo­kalTivoli", in der Frankfurter Straße, ihren Anfang. Ter Verein beabsichtigt, in Kürze ein Damenabteilung zu begründen.

A Tic Sünden des Kuhschweizers. Auf Grund eines gefälschten Zeugniffes kam im Frühjahr der Kuhschweizer Franz Orthmann in Wanfried in Stellung, die er schon nach vier­zehn Tagen «weil ihm wegen anderwärts be­gangener Verbrechen der Bodenzu beiß" wur­de) heimlich verließ. Bei dieser Gelegenheit bestahl er seine sämtlichen Kollegen und besaß sogar noch die Dreistigkeit, von derWalze" aus verhöhnende Postkarten an sie zu senden. Tic hiesige Strafkammer erkannte heute gegen den schon wiederholt vorbestraften und geqcn- wärtia eine längere Freiheitsstrafe verbüßen­den Angeklagten auf eine Zusatzstrafe von sechs Monaten Gefängnis.

A Zwischen den Puffern zweier Wagen. Beim Neubau des Elektrizitätswerkes hinter dem Fuldahafen ereignete sich gestern morgen

gegen zehn Uhr ein s ch w e r e r Unglücks- sall . Ter siebzehnjährige Arbeiter Rossina

gestrigen Monatsversammlung des Bezirks- Vereins Holländische Gemeinde be­richtete der Vorsitzende, Bildhouermeister Holtz­mann, über die vollzogene Gründung desGro­ßen Caffeler Bürgervereins" und den Ausfall der Vorstandswahl. Malermeister G u n d l a ch gab bekannt, daß vielfach in der Bürgerschaft angenommen werde, der Bürgerverein stelle sich in einen Kampf gegen die städtischen Behörden, dies sei ein Irrtum, weder die Bezirksvere'ne noch der große Bürgerverein wolle als Gegner auftreten, sondern nur sördernd und vorberei­tend den kommunalen Interessen der Vaterstadt dienen, lieber die Reichszuwachssteuer von Grundstücken und Rückforderung von Anlieger­beiträgen berichtete der Vorsitzende in einge­hender Weise. Wie mitgeteilt wurde, ist die Kaiserliche Oberpostdircktion inzwischen mit ei­nigen Hausbesitzern wegen Mietung von Pas­senden Räumen in Verbindung getreten, sodaß nunmehr in absehbarer Zeit dem dringenden Bedürfnis, eine Pvstanstalt in dem Holländi­schen Torviertel errichtet zu sehen, Rechnung getragen, wird. Pom Magistrat der Stadt Cas­sel wurde ein Schreiben bekannt gegeben, wo­nach der Ausbau der Ludwigstraße demnächst erfolgen soll.. Da für die Besucher der Land­wirtschaftlichen Ausstellung noch Unterkunfts­gelegenbeit geschaffen werden muß, sollen in den einzelnen Bezirken Listen aufgelegt wer­den. Zur Auflegung dieser Listen zur Einzeich­nung von Betten erklärten sich solgende Ge­schäfte bereit: Drubel u. Co., Buchdruckerei, Holländischestraße 11, Schilling, Holländische Drogerie, Holländischestraße 27, Dr. Dombois, Viktoria-Apotheke, Moritzftratze 1, Weidemetzer, Blumenhandlung. Holländischestraße 41. Adolf, Kaufmann. Holländischestraße 43, Fernau, Metzgermeister, Holländischestraße 51, Holtz­mann, Bildhauermeister, Holländischestraße 55, Gleim, Blumenhandlung, Holländischestraße 65. Lämmer, Metzgermeister, Henkelstraße 1. Die Bewohner des Stadtviertels werden gebeten, freie Zimmer bald in die Listen einzeichnen zu wollen.

A Aus Cassels Hofthcater. In der morgen abend TA Uhr stattsindendcn Erstaufführung der OperettePrima B al l e r i n a", die bekanntlich in Gegenwart des Komponisten stattfindet, sind in den Hauvtpartien beschäf­tigt die Damen Frau Erh. Sedlmaier-Barba- rina, Frau Clevcr-Ulrike von Schmeitan, Fräu­lein Peters-Caronlinc und die Herren Bald- szun--Rudolf von Strehlen, Pickert-Roderich Graf Strieglitz von Stiegcnsteig, Warbeck- Peter. In "Szene gesetzt ist das Werk von Re­gisseur Ehrl; die musikalische Leitung liegt in den Händen Dr. Paulis. Am Sonntag wird die Ausführung wiederholt.

A Tas Wetter am Sonnabend. Der amt­liche Wetterbericht sagt für den morgigen Sonnabend für Hessen-Nassau folgende Witterung voraus: Vielfach heiter, meist trocken, nicht sehr warm.

Letzte Telezramme.

(Rach Schluß der Redattiou eingegangen.)

«-."uns aus Aschaffenburg gemeldet i würben auf dem dortigen Güterbahnhof

i Eiscnba hndiebstählc festgestellt. Durch ; Polizeihund sind drei Bahnbedicnstete

»Triebe ermittelt worden. Eine Haussuchung

8*7 fÄrhorit» Ptrt hmt

A Das Altc stürzt . . . Unsere Residenz- tadt wird wieder unt einen alten Bau ärmer. Das am Königsplatz gelegene alte Regie­rungsgebäude, das in den letzten Jahren einigen Geschäften und Verwaltungskörper- Unterkuuft gewährte, wird abgerissen; mit den Arbeiten ist in diesen Tagen begonnen worden. Auf dem Hofe tut die Spitzhacke bereits ihre Dienste, und nicht lange wird cs dauern, so ist auch der vordere Bau niedergerissen. Das Gelände ist bekanntlich vom Hessischen Bank­verein erworben, der auf dem frei werdenden Grundstück ein großes, modernes Bank- und Geschäftsgebäude errichten läßt. Der Königsplatz wird dann wieder ein ganz verändertes Aussehen erhalten, und lange dürste cs kaum mehr dauern, bis auch die letzten Zeichen vergangener Zeiten an diesem Punkte der neueren Zeit werden Weichen müssen.

A Der Ausflug nach Grebenstein. Der schon in der letzten Tagung des Vereins für hessische Volkskunde geplante Ausflug nach Greben- tcin wurde am Mittwoch bei herrlichem Wetter unternommen. Es hatte sich eine auser­lesene Gesellschaft von etwa vierzig Personen zusammengefunden. Nach der Begrüßung am Bahnhof Grebenstein durch den Vorsitzenden Oberbibliothekar Professor Dr. Brunner lud er die Teilnehmer zunächst zu einem gemeinsa­men Kaffee im Ratskeller der Stadt ein. Dann ginge in die Stadtkirche, die in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts erbaut, und ein wunderschöner rein gothischer Bau, in würdigem Schmuck und frei von Ueberla« düng ist. Dann würdigte man die Anlagen der Stadt und nahm Erklärungen über die typische Bauweife entgegen. Nach dem unter der Füh­rung des Herrn Professor Brunner höchst inter- effanten Rundgang gings über die Esse, bei der alten Rügegerichtsstätte vorüber, hierauf zur Burg, von bet man einen wundervollen Rund­blick genoß. Hier oben wurde der Wanderer aus der fonnigen, wonnigen Gegenwart in die mittelalterliche, streitbare Vergangenheit ver­setzt durch den intereffantcu Vortrag des Bib­liothekars Dr. L a n g e über die Burg und ihre Entstehung. Aus der Vergangenheit gings dann wieder in die Gegenwart: An der Südseite der Burg, wo eine steile Felswand den natürlichen Schutz derselben bildet, hatte der Ratskeilerwirt einen trefflichen Imbiß und ein Faß Bier be­reit gestellt, was bei launigen und ernsten Toa­sten nicht verschmäht wurde. Den Abschluß sand die wunderschöne Zusammenkunft durch das Singen von patriotischen und Frühlings­liedern.

Amerikamfche Sensationen.

(Eigene Drahtmcldung.)

Newyork, 5. Mar.

Sensationelle Borkommniffc mit politischem Hintergrund sind in der Verwaltung des Staa­tes Ohio aufgedeckt worden. Ein Privatde­tektiv war durch Freunde des Gouverneurs Hormon, der als demokratischer Kandidat für die Präsidentschaft gilt, ersucht worden, ver­schiedene höhere Beamte zu überwachen. Diese llcbcrroadiunn hat nun zu der Feststellung ge- ührt, daß die Beamten gemeinschaftlich mit großen Finanzgesellfchaften die Gesetze will­kürlich auslegten und diese sogar abänderten. Es steht die Verhaftung mehrerer höherer Staatsmänner bevor. Fünf Beamte befinden ich bereits in Hast.

Puffer zweier Erdwagen und trug schwere Quetschungen, namentlich am Oberschenkel und am Unterleib, davon. R. wurde alsbald mit­tels städtischen Krankenwagens nach dem Un- ällkrankenhause transportiert.

A TerTrick" des Reisenden. Der B ü chcrrcisende Oswald K. von hier war ür eine Leipziger Buchhandlung tätig und gc- bei der Firma ein großes Ansehen, da er Icifjig arbeitete und zahlreiche Aufträge ein« brachte. Eines Tages stellte es sich jedoch her­aus, daß viele Aufträge nur fingiert wa­ren und K. die Provisionen zu Unrecht bezogen hatte. K. hatte die Namen der von ihm ken­nen gelernten Personen dazu benutzt, selbst Wechselscheine auszusüllen und unterschrieben nach Leipzig zu schicken. Wegen dieser Straf­taten verurteilte ihn heute die Casseler Straf­kammer zu sieben Monaten Gcsäng - n i s.

A Friede im Schlossergewerbe. Die Schlos- ergesellen, die in fünf Werkstätten Cassels ihren Meistern neue Lohnforderungen unterbreitet haben, haben den Sieg davongetragen: Wie uns mitgeteitt wird, haben die Meister be­schlossen, den Gesellen S^stündige Arbeitszeit und fünf Prozent Lohnerhöhung vom f. Juli ab zuzubilligen.

A Schwiegervater und Schwiegersohn. Ein hiesiger siebzigjähriger Pensionär, dessen Toch­ter ihren Mann verlassen hatte und zu den Eltern zurückgekehrt war, suchte gestern abend seinen Schwiegersohn in dessen Wohnung auf und bat in höflicher Form um die Auslieferung der noch in der Wohnung befindlichen Nähma­schine, mit der sich die Ehefrau ihren Lebens­unterhalt verdienen möchte. Anstelle der Er­füllung dieser Bitte erhielt der um das Wohl und Wehe seiner Tochter besorgte Vater ohne jeden Wortstreit mehrere Faustschläge in das linke Auge, und mehrere Stöße vor die Brust, sodaß er" rückwärts taumelte und später ärzt­liche Hilfe in Anspruch nehmen mußte. Der

Immer noch: Champagnerkrieg!

Paris, 5. Mai. (Privattelegramm. Infolge des gestrigen Rcgierungsbeschlusse- hinsichtlich der Unterdrückung neuer Unru­he n in der Champagne hat der Präfekt des Anb Departements gestern das Verbot, in grö­ßeren Trupps umherzustehen und Umzüge zu veranstalten, auch auf das Departement von Bar für Aube ausgedehnt. Infolge dieser Maß nahmen haben die Winzerkomitecs die füi nächsten Sonntag angekündigten Demonstratio­nen abgesagt.

Ein Dreadnought verunglückt!

London, 5. Mai. (Privattele­tz r a m m.) Der englische DreadnoughtInvi cible" ist im Dock zu Portsmouth von einem schweren Unfall betroffen worden. Das Kriegs­schiff mutzte zur Bornahuw einer Reparatur in das Dock gcfchlcpvt werden. Man ließ das Wasser ab und der Dreadnought ruhte aus einem Gerüst, von dem sich infolge des schnel­len Ablassens des Wassers einige Blöcke lösten Infolgedessen stürzte das Gerüst um, das Schiff fiel auf die Backbordseite und wurde schwer be­schädigt. Tic Reparaturen werden mehrere Monate in Anspruch nehmen.

Russische Idylle.

Petersburg, 5. Mai. (Privakt.ele gram m.) Der Oberst Gornow ist aus Antias des Senators Neidhardt dem Gericht zuge führt und aller Aemter entsetzt worden. Er der Erbauer der Rowogeorgiewski-Brücke im Gouvernement Warschau, die drei Millionen Mart gekostet hat. Der betrügerische Oberst ließ sich von den Liesranten hohe Kommissionsge- bührett zahlen. Die Untersuchung hat sestge- stellt, daß er eine regelrechte Taxe für Schmier­gelder eingeführt hatte.

Zur Affäre des russischen Studenten Du­browsky, der sich erschossen hat, weil er an der hiesigen Universität nicht zugelassen wurde (sjehe Neues vom Tage), werden im Gegensatz zu anders lautenden Mitteilungen amtlich folgende Mitteilungen bekannt ge­geben: Die Berliner Polizei hat auf eine ent sprechende Anfrage der Universität nach pflicht­gemäßer Prüfung der cinfdjtöaiaen Verhält­nisse lediglich erklärt, daß Dubrowskn poli­tisch nicht zuverlässtg erscheine, und daß er auch den Nachweis über den Besitz der zum Unterhalt während seines Studiums er­forderlichen Geldmittel nicht erbringen könnte, ,___ . _ so daß mit der Versagung der Zulassung nur

(Oon Geburt Italieners geriet zwischen die I eine Vorsichtsmaßregel befolgt wurde, die dazu

«TT^are, die die Errnoredete bei sich trug, Ä bei Kupka vorgefunden worden.

» ;rei Bahnbeamte als Defraudanten.

Mser eigenartige und großartig veranlagte -Sann, hat in seiner über die nächste Zeit binaus disponierenden, weit vorausschauenden Meise bestimmt, daß seine Erben und Legatare Ä ben Stammanteilen bei der Firma Adolph t6atloff. die Gesellschaft mit beschränkter Has- ist. sowie die Nießbraucher, verpslichtet tin sollen, von denen ihnen alljährlich zn- Wßenden Erträgnissen zehn Prozent au W Finna Adolf Harloff wiederabzufüh- R«, sobald das Erwcrbskonto für diese An- Ml« amortisiert sein wird. Ter Geschästslei- der Firma ist die Verpflichtung auferlegt, sich dann ergebenden Beträge zurückznhal- und gemeinsam mit den Testamentsvoll- Mckern in münde!sichern Papieren so- anzulegen, bis die Summe einschließlich M ausgelaufenen Zinsen und Zinseszinsen Bt Betrag von einer Million erreicht hat. |?>s6ann soll dieses Kapital der Stadt Cassel M dem schon geplanten Zweck überwiesen k«erben."

x-. Aus dem hier Gesagten gebt hervor, in Byb weitgehender Weise auf die Erben LAussicht genommen worden ist. Tas alljähr- Opfer der lackenden Dritten ist nickt zu und dock wird die Stadt in den Besitz sS* Qr°f>en Summe gelangen. Die Anregung ^^^Berichterstatters, daß fick manch andrer ^E^ffeter Bürger durch das hier geübte Vor- WWen veranlaßt sehen möge, in der gleichen Bk* ,c cint Stiftung zu machen, wird hofsent- Eßß nicht ungehört verhallen. Es ist jedcn- £ ,aB« richtig, daß öfters eine Stiftung unter-

3as Neueste ans Kassel.

Die Harloss'sche Stiftung.

Neue Wege der Wohltätigkeit.

Bürgersinn und Bürgertugenden sind in Gaffel zu Hause, dafür haben wir auch in der letzten Zeit wieder mehrfache Beweise er- ialten. Eine Stiftung nach der andern, wenn auch manchmal nur kleineren Umfangs, konn­ten unsere städtischen Körperschaften entgegen­nehmen, und in der gestrigen Sitzung hatte Aan abermals die Freude, von den Vermächt­nissen zweier verstorbener Bürger an die Resi- i den; zu hören, lieber die Stiftung des Groß- iWfmanns Harloff ist im Anschluß an unfern l ausführlichen Bericht über die Stadtverord- snetenversamlung noch ein Wort zu sagen: Nicht wegen der Größe der Stiftung, fonbern we­sen der eigenen und einzig dastehenden Art. Gewiß, die Größe des Harlofffchen Ver­mächtnisses ist anzuerkennen. Mit einer Million . Mark läßt sich schon etwas anfangen, und wenn das Geld da ist, werden die kranken und er- bolungsbedürftigen Kaufleute einen prächtigen ; Bau als Heim erhalten, denn für sie speziell ist die Stiftung erfolgt. Die Eigenart der Stis- »ng liegt darin, daß sie zwar besteht, daß aber erst dann die von der Stiftung bedachten Per- ionen daran partizipieren, wenn das Geld (wirklich d a i st. Und das wird voraussicht­lich in fünfundzwanzig Jahren der Falle fein.

Der verstorbene Großkaufmann Harloff hat mit feinem Testament einige Bestimmungen Wer das der Stadt zufallende Vermächtnis tinfugen lassen über die der Berichterstatter Wstern im Stadtverordneten-Kollegium fol- -Nnde Mitteilungen machte:Der Verblichene,

bleibt, weil die aus dem Nachlaß auf vicr - mal zu entnehmende Summe ein zu großes Loch reißt. Durch das Harlosssschc Vorgehen i'i ein Weg gezeigt, wie dies vermieden wer­den kann. Kommt durch derartige Stiftungen auch die Gegenwart nicht in den Genuß der Wohltat, fo werden doch Kinder und Kindes­kinder davon ihren Nutzen haben, die bann um o dankbarer sich ihren Vorfahren erinnern werden. Damit die Stabt vor bclaftenbe Stempel- nnb Erbschaftssteuern bewahrt bleibt, können derartige Kapitalien so angelegt iverden, daß zunächst nicht sestzustellen ist, welche Summe einmal in den Besitz der Stadt gelangt, wie es zum Beispiel bei der Harloss'schen Stiftung der Fall ist. Dem Tanke des Stadtverovdneten-Kollegiums für die hochherzigen Spenden Harlosfs und Diemars wird sich die ganze Bürgerschaft Cassels gern anschließen. =y-

*Kinder unserer Zeit". Meldungen .z "Wien zufolge hat sich der vierzehnjäh- S» ßtomnafiaft Fritz Herzog, der Sohn sines dortigen Gvmnasialprofeffors, ans Furcht m>r einer ihm bevorstehenden Strafe erschossen. * - Bon Gendarmen erschossen! Ein Pti- ggttelegramm meldet aus Krakau: Im *0rf Scare sollte ein Bauer verhaftet werden.

pie Gendarmen erschienen, schloß er sich in iAncm Hause ein und verteidigte sick durch Zieinmürse. Die Beamten holten Verstärkung r-rir drangen bann mit Gewalt in bas Haus wobei ber Bauer mehrere Beamte mit pn'er Mistgabel verwunbete. Die Genbarmen Machten von ber Schußwaffe Gebrauch unb Mckten ben Angreifer nieber, ber nach wenigen Minuten starb.

; . 2r Tie Opfer eines Selbstmörders. Wie Lm aus Krakau gemetbet wirb, feuerte ber zugereiste Kaufmann Dobri Batembergskv, ber Dach Amerika answanbern wollte, zwei Schüsse ÜAs einem Browningrevolver gegen M ab. M Kugel traf eine zufällig hinter ihm gehende Kerichtsbeamtengattin, bic lebensgefährlich perletzt würbe. Dieselbe Kugel streifte auch einen Volksschüler, der nur eine leichte Wunde davontrug. Mit ber anberen Kugel verletzte M Baternbergsky selbst am Kops lebcnsge« Mrlich. Die Szene rief unter bem Publikum eine wilde Panik hervor.

I. ut Ein Dors in Flammen. Aus Zilak illngarn) meldet uns ein Privattele- jramm: Die Ortschaft Oebkerito steht seit -gestern mittag in Flammen. Das Kirchendach, das Schulhaus und sechzig Häuser mit Neben- gebäuben sind bisher niebergebrannt.

B Lr Explosion im Pulvermagazin. Nach einer Meldung aus Paris slog im Orte Lhelles, östlich von Paris, eine private Pul- bernieberlage in bie Lust, bic etwa fünfzig Kilogramm Pulver enthalten haben mochte. ?ic Explosion vollzog sich in bem Augenblick, als ein zwanzigjähriger Arbeiter bic beiben - gepanzerten Türen geöffnet unb eine Quanti­tät Pulver entnommen hatte. Er würbe fo sch wer verletzt, baß er ins Hospital ge­kracht werben mußte, wo er hoffnungslos bar« nieberliegt.

k' Ar Die Freunde desFeuerwassers". Wie uns aus Paris gemeldet wird, wurde in Toulouse gegen dreizehn Schutzleute, bie fünf beschlagnahmte Fässer Branntwein ange« zäpft unb Strafgelder veruntreut hatten, die gerichtliche Untersuchung eingeleitet

Die Dudrowsky-Tragiidie.

(Eigene D r a h t m e l d u n g.) s Berlin, 5. Mai.

Eine Tragödie im Fahrstuhl.

Berlin, 5. Mai. (Privattelegram m.. Ein schrecklicher Fahrstuhlunfall er­eignete sich heute früh in einem Hause Unter ben Linden. Dort war der Monteur Rohe be­auftragt, einen erst kürzlich eingebauten Fahr- tuhl, an dem sich einige Störungen im Betrieb zeigten, zu reparieren. Bei geöffneter Tür be­obachtete er vom Erdgeschoß aus die Funk­tionen des Fahrstühls. Plötzlich fauste der Fahrstuhl mit großer Gefchwinbigkeit nieber unb klemmte Rohe vollständig ein. Die schnell herbeigerusene Feuerwehr befreite ben Unglück - irften aus seiner Lage. Die Hife kam jedoch zu spät, da der Tod bereits eingetreten war.

DerClub der Harmlosen".

Berlin, 5. Mai. (Privattclc - gram m.) Im Spielerprozeß Matiske (s. Ge­richt unb Recht) wurde heute der Hauptange- klagte Matiske aus der Untersuchungshaft vor­geführt. Nach einem Gutachten des Sanitäts- le'ters Dr. Gablay, bet erklärte, daß bic Vcr- hanblungsfähigkeit Maiiskes noch etwas her­abgesetzt sei, begann bic Vernehmung des Houptangeklagten. Ein Antrag des Verteidr- gers, den Haftbefehl aufzuheben, wurde zurück- gestellt.

Des Sünders Reue.

Berlin, 5. Mai. (Privattelc > gram m.) Der Bankdircktor Alfred Horst­mann, der nach Unterschlagung von 67 000 Mark des Lichtenberger Bankvereins flüchtig geworden ist, hat sich heute morgen selb« der Staatsanwalifchast gestellt. Er hatte sich bic let-kchr Tage über in Berlin verborgen gehalten und bic Stadt nickt verlassen. Als er durch Zeitungsberichte erfuhr, daß gegen ihn die An­zeige erstattet fei, hat er sich selbst der Staats­anwaltschaft gestellt. Er hat auch ein umfas­sendes Geständnis abgelegt.

Unschuldig im Gefängnis.

Detmold, 5. Mai. (Privattele- gram m.) Der ehemalige Sübwestafrikareiter Iöstingmeier, der während des südafrikanischen Aufstandes vom Kriegsgericht in Windhuk zu elfjähriger Gefängnisstrafe vemrteilt wurde, ist nach vierjähriger Strafverbüßung im Wege des Wiedera-lfnahmeverfahrens gestern freige- sprochen worden. Für bic unschuldig erlittene Strafe wurde ihm eine Entschädigung von 2500 Mark zuerkannt.

Altmärker Jagdgeschichten.

Stendal, 5. Mai. (Privattelc gram m.) Vor der Straflainemr des altmär kifchen Landgerichts hatte sich der Ritterguts besitzet und Leutnant Otto von Jagow au« Pollitz wegen fahrlässiger Tötung zu verant­worten. Er hatte auf einer Treibjagd einen Landwirt in fahrlässiger Weise erschossen. Ja< goto wurde zu acht Tagen Gefängnis verur­teilt.

Der Hellenen-König auf Reisen.

Paris, 5. Mai. (Privattelegramm.', Nach zweijährigem durch die innetpolitifchen Wirren veranlaßtem Fernbleiben von Frank reich .wird der König von Griechen- l a n d Ende dieses Monats zur Kur in Aix les Baines eintreffen und sich von dort nach Paris zum Besuche des Präsidenten Fal- lieres begeben.