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I. Jahrgang.

Nummer 128

MckrUmsle lladjridjtm

Hessische flbrncheitung

Casseler Mend;eitung

Fernsprecher 951 und 952*

Fernsprecher 951 und 952.

Freitag, den 5. Mai 1911

gnferttonSprttfe Die sechSgespalt-n- Zeile für einheimische SeschLftelS Vf. für auswärtige Inserate ti PK Reklamezeile für einheimische ffie. schüfte 40 Pf. für auswärtige 60 Pf. WeschäftSstelle-. Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW. Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 67L

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Stern und Band.

Spiegelbilder des Kulturjahrhunderts.

Am dreiundzwanzigsten Juni achtzehnhun­dertsiebzig, nah vor einundvierzigJahren,schrieb Gustave C o u rb e t, der Seinestadt geseiertster Maler, an den Minister der schönen Künste (der den längst mit dem Lorbeer des Ruhms Gekränzten zum Ritter der Ehrenlegion prokla­miert hatte): .... Ich muß diesen Orden, den Sie mir in meiner Abwesenheit für mich erwirkt haben, nach meinen Grundsätzen ohne weiteres ablehnen. Zu keiner Zeit, in keinem Fall, aus keinem Grunde hätte ich ihn ange­nommen. Noch weniger würde ich es heute tun, wo der Verrat sich von allen Seiten mehrt, und das menschliche Gewissen sich über soviel eigennützige Gesinnungslosigkeit betrüben muß. Ehre besteht weder in einem Titel noch in ei­nem Orden, sondern in T a t e n und ihren B e- w,eggründen. Und zum größten Teil in derAchtungvoruns selbst und den e i g- nenIdeen. Ich ehre mich dadurch, daß ich den Grundsätzen meines ganzen Lebens treu bleibe: wenn ich sie aufgäbe, würde ich die Ehre aufgeben um des äußern Scheins willen. Ich bin fünfzig Jahre alt und bin immer mein eigner Herr gewesen: lassen Sie mich mein Le­ben als ein5?reier beschließen; wenn ich tot bin, soll man von mir sagen: Er hat keiner Schule, keiner Kirche, keiner Richtung, keiner Akademie, besonders keinem System angehört, nur dem der Freiheit. .Der Minister des zweiten Kaiserreichs, der diesen Brief erhielt, ehrte in dem Künstler, der also schrieb, den freien Mann und erachtete das Bekenntnis einer stol­zen Mannesseele, die ihre Freiheit Nicht durch ein Ordensbändchen ketten raffen wollte, würdi­ger als den ehrfurchtsvollen Dank eines durch Stern und Band Beglückten: Courbet erhielt seine Freiheit wieder, und als er, im tiefen Abendschatten des Lebens, von hinnen schied, durfte er von sich sagen, daß seine Seele nie be­schwert gewesen von Eitelkeit und nicht'gem Schein.

Courbets Männerstolz ward in der Erinne­rung lebendig, als man dieser Tage las, Hes­sens Lehrerschaft rüste gegen den Zau­berbann von Stern und Band, und der am sechsten Juni in Auerbach stattfindenden Ver- treterverkammlung des Heffischen Landes-Leh- rervereins werde ein Antrag des Darmstädter Bezirksvereins unterbreitet werden, der kurz und enttchlossen die These aufstelle: »Ordens- auszeichnungen sind mit dem We­sen des Volksschullehreramts un­verträglich !" Der Vorstand der Landes­organisation wird durch den Verein der Lehrer in Hessens Hauptstadt ersucht werden, bei der vorgesetzten Behörde dahin vorstellig zu werden, daß »zukünftig Volksschullehrer zu Ordensaus­zeichnungen nicht mehr vorgeschlagen wer­den." Ob der hier gegebnen Anregung ent­sprochen werden wird, erscheint allerdings noch zweifelhaft, denn in Dingen, die mit der Kenn- barmachung äußerer Ehren, und mit der sicht­baren Wertung persönlichen Verdienstes in Zusammenhang stehen, vattieren die Meinun­gen mehr noch, als über den Geschmack und die Ethik der Hebung, und es wird auch wohl, solange Männerstolz und Eitelkeit auf dieser Welt gedeihen, eine Einheit des Urteils dar­über nie zu erstreben sein. Auf den praktischen Erfolg der Darmstädter Ermannung kommt's indessen im Augenblick auch nicht an: Das E r - kenntnisprinzip, aus dem die gegen die Tradition sich auflehnende Forderung herauS- wuchs, ist's, das Beachtung und vorurteilfreie Wertung heischt, denn es offenbart in unferm Kulturjahrhundert des Scheins und der Aeu- ßerlichkeiten eine Reife in der Schätzung des Menschenwerts, die uns Epigonen kraftbe- wußter Ahnen fast fremd geworden.

Ein Blick in die ersten Kapitel der Or­densgeschichte zeigt, wie winzig manchmal der Anlaß gewesen, aus dem heraus dem Ver­dienste und der Eitelkeit Lohn und Zier in neuer Form erwuchsen, und wie scherzhaft mit­unter des Zufalls Laune aus dem Staub nich­tigster Alltäglichkeit heraus den Lohn edler Tat in Bronee, Silber, Gold und Edelsteinen funkelnagelneu erstehen ließ. Daran gemessen, kann man in der lustigen Parodie des vortreff­lichen Herrn Valensi, der für den sagenhaften »roten Halbmond von Marokko" auf dem üp­pigen Äcker menschlicher Eitelkeit reichlich goldne Früchte erntete, nicht einmal ein Ver­brechen am Ernst der Gerechtigkeit, sondern schlimmstenfalls eine giftige Ironie des Schick­sals auf die kulturvräparierten Schwächen un­

srer Zeit erblicken, als deren Organ Monsieur Valensi sich mit Takt und mannigfachen Ta­lenten bewährte. Die Lehrer von Darmstadt erklären:Ordensauszeichnungen sind mit dem Wesen des Volksschullehreramts unverträg­lich", und sie haben bei der Formulierung die­ses Grundsatzes vielleicht an Gustave Courbets Auffassung gedacht, der im Glitzern eines prunkenden Ordensterns Gefahr für die Frei­heit lauern sah, und den aufrechten Mann nicht von der Schwere einer güldnen Kette nieder­drücken lassen wollte. Treibt auch sie der Drang, ohne äußere Ehren getteu und emsig Männerpflicht zu tun, getragen vom Bewußt­sein hohen Berufs und von der Verantwortung des Amts, dann darf man wünschen, daß auch Hessens Lehrer einen Minister finden, der, wie einst Napoleons Kunstminister, stolze Männer­würde ehrt und der Freiheit Recht achtet.

Die Lehrer Darmstadts sind die ersten, die dem System den Krieg erklären und ent­schlossen die Konsequenzen der Erkenntnis zie­hen. Daß Ordensauszeichnungen a n s i ch mit dem Amt des Jugendbildners unverträglich seien, ist s o frei und nachdrücklich bisher nicht ausgesprochen worden; in Preußen beispiels­weise hat die Lehrerschaft sich bis heut darauf beschränkt, gegen die Art der Orgensverlri- hungen an Lehrer zu protestieren, da der üb­liche Adler der Inhaber des Hausordens von Hoheuzollern, bei Viertel- oder Halbjahrhun­dertjubiläen au in hartem Dienst Ergreiste verliehen, der sozialen Wertschätzung des Leh­rerstandes nicht gerecht werde: Ein Einwand, dem man (wenn das Ordensystem nun schon einmal als zum Betrieb und zur ureigensten Wesensart des modernen Staats gehörig be­trachtet werden soll) die innere Berechtigung nicht versagen kann. Es ist denn auch wieder­holt der Fall gewesen, daß ergraute Pädago­gen, denen als Jubiläumsgruß der Adler Ho- henzollerns ins Altersheim flog, die Ehrung abgelehnt haben, eben aus der Erwägung her­aus, daß dem Werk langer Jahrzehnte im Dienst der Vollserziehung höhere Schätzung zieme. Dabei ists indessen geblieben; bis nun die Lehrer Hessens daran gehen, Stern und Band aus dem Wunsch- und Sehnsuchtbereich ernster Arbeit zu vSrbannen. Um mit Gustave Courbet sprechen zu können: »Ehre besteht we­der in Titeln noch Orden, sondern in Taten und ihren Beweggründen . . .!" F. H.

Liebe und Spionage.

Die Affäre der Sprachlehrerin Thirion. (Eigne Drahtmeldung.)

Die Affäre der am Dienstag in Köln unter dem dringenden Verdacht der Spio­nage verhafteten ftanzösischen Sprachlehrerin Thirion (über die wir gestern bereits tele­graphisch berichtet haben) zieht immer weitere Kreise, und es gewinnt den Anschein, daß die Dame, eine sehr elegante und distinguierte Er­scheinung, es verstanden hat, die Liebe sehr geschickt in den Dienst ihrer Spionagearbeit zu stellen und eine ganze Reihe von Männern zu betören, von denen sie nach Rang und Stellung glaubte annehmen zu dürfen, daß sie in der Lage fein würden, ihrint traulichen Beisam­mensein" wichtige Informationen zuteil wer­den zu lassen. Zu der Affäre berichtet uns ein Privattelegramm aus

AA. Köln, 4. Mai.

Zu der Verhaftung der französischen Sprachlehrerin Thirion wird jetzt bekannt, daß die Angelegenheit schon seit geraumer Zeit die Behörde beschäftigt und die Dame bereits seit drei Wochen von Kriminalpolizisten überwacht wurde. Da man aber nach Mit­schuldigen suchte, wurde die Verhaftttng erst jetzt vorgenommen. Fräulein Thirion ist tat­sächlich eine Verwandte des französischen Mi­nisterpräsidenten Monis und wohnte feit Oktober vorigen Jahres in Köln. Sie unter­nahm von dort aus wiederholt Reisen nach Frankreich. Ein Untersuchungsrichter vom Leipziger Reichsgericht leitet hier in Köln die Untersuchung in der Affäre. Es haben in den letzten Tagen zahlreiche Vernehmungen von Personen stattgefunden, die mit der verhafteten Sprachlehrerin angeblich in näherem Verkehr gestanden haben. Tie Spuren weiterer Bezie­hungen weisen nach Wesel, wo Fräulein Tbirion, wie man hört, Verbindungen zu zahl­reichen Angehörigen der dortigen Garnison unterhalten haben soll. Sie fuhr auch öfter nach Wesel und blieb dann mitunter drei bis vier Tage lang unterwegs. Tie Un­tersuchung in der Angelegenheit, die stark auf das militärische Gebiet hinübcrspielt. wird

trcttg geheim geführt; es scheint aber, daß die Intersuchungsbehörde auf dem Standpunkt teht, Fräulein Thirion habe sich in Köln nur der Form halber als Sprachlehrerin aufgehal­ten, sei aber in Wirklichkeit Spionin von Beruf, die die Spionage in raffiniertester Verbindung mit den Künsten der Liebe zu be­treiben verstand und jedenfalls durchaus ilanmäßig vorgegangen ist.

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Köln, 4. Mai. (Telegramm unse- res orrespondenten.) Wie ver­lautet, steht spätestens morgen in der Tpionage- affäte Thirion die Verhaftung von drei weiteren Personen zu erwarten, von denen be­kannt ist, daß sie zu der Verhafteten bis in die Lngste Zeit in sehr nahen Beziehungen ge- tanben haben. Es gewinnt sogar den An- chein, daß die Affäre sich zu einem großen Skandal auszuwachsen droht, dessen End­wirkungen noch gar nicht abzusehen sind. In der Wohnung der Thirion sind Briefe ge­linden worden, aus denen die Mitschuld wei- :erer Personen deutscher Nationalität un­zweideutig hervorgeht.

Französische Abenteuer.

Bürger-Revolution in Lauriere.

(Eigene Drahtmeldungen.)

Wie uns ein Privat-Telegramm aus Paris meldet, dauert die Aufruhr-Bewegung in der Champagne noch immer an und die Lage ist in den letzten Tagen so bedrohlich geworden, daß die Regierung sich genötigt ge­sehen hat, neuerdings drei Regimenter Truppen nach Bar für Aube zu entsenden. Die für den Sonntag geplanten neuen Demonstratio­nen der aufrührerischen Winzer sind von der Polizei mtt Rücksicht auf die zu befürchtenden Ausschreitungen untersagt worden, und die Er­regung der Bevölkerung ist daurch auf3 höchste gestiegen. Aber auch anderwärts im Lande er­eignen sich bedenkliche Zwischenfälle, die auf die siustände im Frankreich von heute seltsame Streiflichter werfen. Ein Privat-Telegramm berichtet uns darüber aus

$$ Paris, 4. Mai:

Der Steuereinnehmer von Lauriere un­weit Limoges hatte von seiner vorgesetzten Be­hörde die Weisung erhalten, feinen Amtssitz int Dorfe Sa i nt Suly ee anstatt in Lauriere selbst zu nehmen, weil dieses Dorf zentraler liegt und daher eine bessere Verkehrsmöglichkeit für den Dienstbetrieb bildet. Als der Beamte aber die Akten und Bücher feines Amtsvorgän­gers aus der Dienstwohnung in Lauriere ent­fernen und nach Saint Sulyce bringen wollte, läuteten die Bewohner die Sturmglocke, hißten die sich einer immer steigernden Beliebtheit er­freuenden r o t e F a h n e auf dem Rathaus und verhinderten den Steuereinnehmer am Umzug. Nachmittags und Abends nahm die Aufregung der Bevölkerung eine bedenkliche Form an: Aus dem Markte wurden unter allgemeinem Hallo, während die Stadtkapelle die Internatio - n a l e spielte, Bilder der verhaßten Amtsperso­nen verbrannt, bann würben bie Amtsräume erbrochen und sämtlich? Steuer-Akten mitge­nommen. Die Gendarmerie, die die Rückgabe der Papiere verlangte, wurde verhöhnt. Kein Hauswirt gibt den aus der Nachbarschaft kom­mandierten Gendarmen ein Unterkommen. Die Behörden haben sich um Hilfe an den Präfek­ten gewandt, der feinerzett um Entsendung von Truppen ersucht hat, da die Ausschreitungen sich jeden Augenblick wiederholen können, und die Stimmung der erregten Einwohnerschaft der­art gereizt ist. daß das Schlimmste zu befürch­ten steht. Es ist wahrscheinlich, daß die Steu­erbehörde, um weitere Zwischenfälle zu vermei­den, ihre Anordnung des Domizilwechsels des Steuereinnehmers wieder zurücknehmen wird.

Die kranke Königin.

(Eigene Drahtmeldung.) cäi London, 4. Mai.

Aus Brüsseler Hofkreisen hier eintreffende Meldungen bestätigen, daß sich das Besin den der Königin verschlimmert hat, und daß der Zustand der Kranken der unmittelba­ren Umgebung große Besorgnis ein- flößt. Das Allgemeinbefinden der Königin hat sich durch einen Aufenthalt in Aeomrten keineswegs gebessert, die Königin fühlt sich vielmehr andauernd außerordentlich schwächt und die Nachwirkungen der überstandenen Typhuskrankheit lassen ihren Zustand als recht bedenklich erscheinen, trotzdem offiziös ver­sichert wird, das Befinden der Kranken habe sich gebelfert und es bestehe Aussicht auf bal­dige Wiedergenesung. Wie verlautet, planen

die Aerzte eine neue Kur in einem südlichen Lande, nachdem alle bisherigen Heilmittel sich als erfolglos erwiesen haben.

Natzolemr Enkel.

Die Nachkommen des großen Korsen.

(Von unfeim »»-Mitarbeiter.)

Von Napoleon dem Ersten sind eheliche Nachkommen nicht vorhanden. Seine Ehe mit Josephine Beauharnais war kindersos, und der seiner Ehe mit Marie Luise, Prinzessin von Oesserreich entsprossene Sohn, der Herzog von Reichstädt, ist kinderlos gestorben. Dagegen sind von dem ersten Kaiser der Franzosen u n - eheliche Nachkommen, die Grafen von Walewski, Leom und andere vorhanden. Von Napoleons Brüdern hatte Josef, der König von Neapel und spätere König von Spanien, nur Töchter. Sein Bruder Ludwig, der König von Holland, hatte zwei Söhne; der eine starb kinderlos, der andere, Napoleon der Dritte, hatte einen Sohn, der in Südafrika in einem Gefecht mit den Kaffern gefallen ist. Eine zahlreiche Nachkommenchaft hatte Napoleons Bruder Lucian. Aus seiner Ehe mit der ge schiedenen Frau des Wechselagenten Joubert ton ging

eine ganze Schar von Kindern hervor, von denen der älteste Sohn Karl Lu­cian, Prinz von Canino, aus seiner Ehe mit seiner Base, der Prinzessin Zenäide, Tochter des ältesten Bruders Napoleons, drei Söhn« und fünf Töchter hatte. Trotzdem ist die Lini« Lucian Bonaparte im Mannesstamme beinah« ausgestorben. Der einzige männliche Spross« dieser Linie ist der Prinz Roland Bonaparte, der mit einer Tochter des Spielpächters Blanc verheiratet war. Aus dieser Ehe ist nur eine Tochter vorhanden, die an den Prin­zen Georg von Griechenland verhei­ratet ist. Sttrbt Prinz Roland Bonaparte, fo ist die Linie Lucians int Mannesstamme er­loschen. Dagegen sind von den weiblichen Nachkommen Lucian Bonapartes zahlreiche Nachkommen vorhanden, und durch sie ist das Blut der Bonaparte in eine Reihe von Adels­familien übrrgegangen. Viel von sich reden machte seinerzeit

eine Enkelin Lucians,

Frau von Rattazzi. Eine Tochter Lucians,- titia, heiratete den englischen Gesandten Whse in Athen. Von ihren beiden Töchtern heiratete die eine, Marie, zuerst einen gewissen Solms, dann den italienischen Ministerpräsidenten Rat­tazzi und in dritter Ehe einenSpanier namens de Rute. Ihre Schwester Adelina war die Grt- tin des früher oft genannten militärischen Abenteurers General Türr. Napoleons jüngster Bruder Hieronimus, ehemals König von Westfalen, dann Fürst von Montfort, war in erster Ehe verheiratet mit der Amerika­nerin Elisa Patterson aus Balttrnore. Dieser Ehe entsproß ein Sohn, Jerome Napoleon Bo­naparte-Patterson. Napoleon der Erste löste aber die Ehe als ungültig auf, und erkannte diesen Sohn nicht als Bonaparte an. Jerome Patterson hatte zwei Söhne, von denen der ein ebenfalls Jerome hieß, der in den fünf­ziger Jahren nach Paris kam und sich dort als

Enkel des Königs von Westfalen

bei seinen kaiserlichen Verwandten meldete. Napoleon der Dritte nahm ihn in dir franzö­sische Armee auf, wo er es bis zum Obersten brachte, und gestattete ihm, neben seinem Na­men Patterson den Namen Bonaparte zu füh­ren. Der Sohn dieses 1893 gestorbenen Enkels Jsrome Bonapartes ist der in Baltimore le­bende Rechtsanwalt und Politiker Charles I. Bonaparte, der unter Roosevelt eine bemer­kenswerte Rolle in der Regierung der Ver­einigten Staaten von Nordamerika gespielt hat. Aus der zweiten Ehe des ehemaligen Kö­nigs von Westfalen mit Catharina von Wärt- temberg stammt der Prinz Victor Bonaparte, der mit einer Tochter König Viktor Emanuels des Zweiten und Schwester des Königs Hum­bert, der Prinzessin Clotilde von Savoyen, ver­heiratet war. Dieser Prinz Victor Bonaparte, in der Geschichte bekannt unter dem Spitznamen Plon-Plon", ist 1891 gestorben. Seine Witwe lebt noch, und auf ihrem Schlosse Montcalieri hat

bie Trauung ihres Sohnes Victor

mit der Prinzessin Clementine stattgefunden VonPlon-Plon" sind zwei Söhne vorhanden. Der oben genannte Prinz Victor und der Prinz Louis Bonavarte, der als General in russischen Diensten steht. Prinz Louis i?4 un­verheiratet und Prinz Victor hat sich kürzlich vermählt. Auf den vier Augen dieser beiden Brüder steht die Zukunft des Geschlechtes Bo­naparte im Mannesstamm. Eine Schwester bet beiden Prinzen, die Prinzessin Marie Letitta, war mit dem 1890 gestorbenen Herzog von Aosta, dem Bruder des Königs Humbert und Obeim des jetzigen Königs von Italien, ver­mählt. Von männlichen Nachkommen Napo leons und seiner Brüder sind also, abgesehen