Nummer 127.
Caffrler MmÄzeitung
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Donnerstag, den 4. Mat 1911
9
zur Lichtstadt an
nommen. Könige jährigen
Zwanzig- Fürstenhöfe , und mitten
Der führte an
Mannheit, verdüsterten seiner Jugend Tage und wirkten in der Folter höfischer Erziehung, im Bann von Zeremoniell und Bigotterie verhängnisvoll nach. Solange Alfonso von Spanien als Werdender den Händen beschränkter Pädagogen und devoter Lakaien anvettraut war, hat seiner Jugend nie ein Sonnenstrahl des Glücks gelächelt, und als des Jünglings ehnend Herz einmal den Bann durchbrach und in der ersten Seligkeit junger Liebe schwelgte, wähnte man in Eskorial, auch im jüngsten Sproß der Dynastie rase das wilde Blut der Leidenschaft. Und Mutterstrenge und Kirchen- buße legten sich wie ätzender Meltau auf die Seele eines unglücklichen Knaben.
Als der Tag der Volljährigkeit dem Jüngling Szepter und Krone der Väter lieh, stand unten« Baldachin des Spanietthrons ein schüchterner junger Mann, auf deffen bleiche Stirn Leid und Kummer schon ihre Runen gruben, ehe das Leben mit hattem Wort und der Forderung schweren Werks an ihn herantrat. Der Sohn seiner Mutter, deren Hand noch das Szepter führte, als Alfonso, der Dreizehnte seines Stammes, längst das Erbe der Väter über-
Es ist nicht ausgeschlossen, daß die beunruhigenden Privatmeldungen auf die Gerüchte zurückzuführen sind, die mit dem geschilderten Vorgang im Zusammenhang stehen. Auch tn diesem Falle hat sich wieder erwiesen, daß der koloniale Nachrichtenapparat der Schnelligkeit und Präzision ermangelt und rechtzeitige Jn- ormationen nicht ermöglicht. Genau wie seiner Zeit bei dem Eingeborenen-Aufstand auf Ponape ist man auch jetzt lediglich auf Vermutungen angewiesen und die Berlmer Kolonialzentrale ist außerstande, -^sprechende Maßnahmen anzuordnen. Eine Modermsie- rung des kolonialen Nachrichtendienstes erscheint also dringend geboten.
Mimosen.
Eine Skizze, von ZoS.
ins Gewühl fröhlichen Genusses, bis abermals der Mutter Sorge und Eduard des Siebenten kluge Kalkulation den Uebermut zu Pflicht und Würde riefen: Ena von Battenberg, die stattlichste Sprossin urkräftigen Geschlechts, zog als Königin ein in die eisige Kühle des Eskottal und der Abendschatten einer sterbenden Dynastie schien noch einmal vom goldnen Glanz leuchtender Sonne verklärt. Der alternd-mor- sche, im Innern und am Wurzelbau krankende Stamm sollte verjüngt, durch die Einpflanzung der strotzenden Kraft robuster Gesundheit ge- stärtt und zu neuer Blüte gebracht werden! Was dabei auch an polittschem Gewinn als nutzbar und wettvoll zu buchen war, hatte Eduards Scharfsinn nicht übersehen: Dem Konzern des King konnte nach Süden hin eine Erweiterung nur förderlich sein; Spaniens finanzielle Si- tuatton versprach die Sicherheit freundwilliger Gefügigkeit für Englands Wünsche, und die politische Wirrnis im Land, noch verschärft durch den nahen Brandherd portugiesischer Revoulu- tion, mußte es dem Reich Alfonsos geboten erscheinen lassen, die freundlich dargereichte Hand starker Verwandtschaft nicht zu verschmähen. Kein Herzensbund, aber eine Tat der Notwendigkeit, geboren aus dem Zwang, der Väter Sünden zu sühnen, ohne den Enkel zu verderben.
Doch das Schicksal schreitet schnell: Roch sind erst wenige Jahre verflossen, seit Alfonso und Ena unter Bombenkrach und Vollspanik Hochzeit feierten, und bann im Nachwuchs am alten Stamm das Werk der Verjüngung sein Gelin
den kaum
Europens der Seine
Ser blaue Basel.
Hinter den Kulissen des Kindertheaters.
(Bon unserm Korrespondenten.)
55 Päris, 1. Mai.
Wer in Paris Gelegenheit gehabt hat, .im Thöatre Rsjane das stille nachdenksame Mar- chenstück zu sehen, in dem Maeterlinck zwei unschuldige Kinder als Symbol der ganzen Menschhett durch Nebel und sremde Welten das Glück suchen läßt, wird als selssame Erinnerung das Bild dieser beiden kleinen Gestatten mit davontragen, die im Rampenlicht zwischen Kulissen und Erwachsenen mit der natoett Sicherheit des reinen Kindes ihre Rollen spielen. Denn diese beiden kleinen Wesen, Tychl unb Mytyl, tragen mit ihren zarten Gestatten die ganze Hanblung bet Dichtung: Sie sind die Helden des Stückes, und den ganzen Abend über hallen die hellen kindlichen Stimmen durch den menschengefüllten Zuschauerraum. Tyltyl spielt mit der Leichtigkeit und Sicherheit des alten Theaterrouttniers. Das ist indessen nicht verwunderlich, denn trotz seiner zarten Körper- formen zählt er fünfundzwanzig Jahre, er ist der Zwerg Delphi«, dessen anmutiges und trotz seines Alters kindliches Gesicht man schon mehrfach auf Pariser Bühnen sah und der in bet Tat auch Proben eines wirllrchen schauspielerischen Talentes abgelegt hat. Aber Mytyl, sein kleines Schwesterchen, muß uns doppelt durch die Klarheit ihrer Sprache überraschen, durch die zierliche Natürlichkeit ihrer Gebärden, die Klugheit der Betonung, die Ursprünglichkeit des ganzen Spieles und durch den reizenden kindlichen Uebermut, der hin und wieder durchbricht.
Mytyl ist nur sechs Jahre alt. Mit sechs Jahren, zu der Zeit, da andere Kmder zum erstenmale durch eifervolle Nachahmmlg von Haar- und Grundstrichen bte ersten Begriffe bei Schrift in sich aufnehmen ist bte kleine Odette Carlia Schauspielerin bis ,u den äußersten Enden ihrer winzigen rosigen Fingerspitzen. Und rings um diese kleine Bühnenheldin tanzen und gleiten in zarten Gazegewändern fröhliche Altersgenossen in rosen- farbigen Tuniquen, die sorglosen Kinder des Wundergartens, oder in derber roter Mütze die kleinen Zeugen der Vergangenheit. Die graziösen Kindersüße tappen hurtig und leicht über
Gottesgnadenweg der
Alsonsa.
Ein Opfer väterlicher Sünden.
Was vor Wochen, Monden schon in den verschwiegensten Winkeln des Eskorials von ängstlichen Lakaien scheu geflüstert, von der Höfling- schar leis betuschelt wurde, braucht jetzt auch offiziös nicht mehr verschwiegen zu werden: AlfonsovonSpanien, seit seinem ersten Erdentag das Sorgenkind einer durch des Schicksals Hand hart geprüften Mutter, ist be- denklich erkrarckt und wird, ärztlichem Gebot folgend, das Heilklima eines begnadeten Er- denwinkels aufsuchen, um der Gefahr schwerer Heimsuchung zu entgehen. Gestern kündete der Draht im schnörtelnden Offiziosastil aus Ma- btib, daß des Königs Erkrankung sich verschlimmert habe, und daß infolgedessen eine Kur in südlichen Bädern geplant sei. Zwei Wochen vorher, als auf dem Umweg über London die erste Sorgenpost aus Enas Heim den Weg zum Norden Europens fand, waren behende Kammerdiener noch rasch dabei, die .Kombinationen^ zu dementieren, die heut von der Wirklichkeit bestätigt werden, und man vernahm verwundert, daß der König sich .selten bessern Wohlseins erfreut habe/ als diesmal, am Vorabend der Maien. Das Schicksal hat die Schwichttget.hart korrigiert: .Das Leiden des Königs, in den letzten Tagen sichtlich verschlimmert, gibt zu Besorgnissen zwar nicht dirett Anlaß, läßt aber eine nachdrückliche Heilkur als 'geboten erscheinen/ Damit ist gesagt, daß Monso von Spanien ein schwer Kranker ist, dessen Stirn die kalte Hand des Verhängnisses berührt hat, unb der nun wider ein Schicksal ringt, dessen Tücke drohender ist als die Gefahr zufälliger Heimsuchung.
Die Nachricht kommt nicht überraschend: Schon in den Kindheittagen Mfonsos rangen Mutterliebe und ärztliche Kunst um die Erhaltung des glimmenden Lebensfünkchens in leiden-wunder, schwacher Brust, und als der Erbe der Krone, vom Verhängnis schwer erkämpft, zum erstenmal durch die Straßen der Residenz gefahren werden durfte, ohne daß ärztliche Sorge eine Gefährdung des kunstvoll erhaltnen Lebens dieses Kinds des Kummers und der Aengste zu fürchten brauchte, jauchzte eine hart geprüfte Frau und Mutter dankbar zum Himmel auf: Das Schicksal der Dynastie schien gesichert, das Verlangen des Volks erfüllt. Spaniens künftiger König atmete, ein Lebender unter Lebenden! Der jüngste Sproß einer degenerierten, durch Inzucht gefchwächten und aus Jahrhunderten wildester Leidenfchafilichkeit physifch belasteten Familie wuchs in krankhaft hastiger Entwicklung zum Jüngling heran, um- hürdet von mütterlicher Sorge und priesterlicher Lehre; ein bleiches, leid-verhärmtes Kind im güldnen Käfig spanischer Hoftradition. Die Sünden der Väter säumten seinen Weg zur
ein Gegenstand klirrend herabsällt, „fett sechs Jahren halten wir fest zusammen. JedenWunfch habe ich dir erfüllt. Jeden freien Abend habe ich dir gewidmet . . . unb das war nicht leicht, denn meine Frau kannte untere SBejuIjuttflen. Nur des Kindes wegen ließen wir die Ehe bestehen . . . wie atmete ich auf, als bte Quai ,U P^ter weiß' nicht, ob er richtig hört. Die Serviette zwischen seinen fanden windet sich tum Strick, und em eigentümliches Würgen ist in feiner Kehle. Seine Mutter! Oh, w,e er sie geliebt hat! Wie sie ihn damals von ihrem Bett fortreißen mußten . . . und wie er mit dem Kopf auf die Tischplatte schlug, als man ibm sagte, sie sei nicht mehr erwacht.... Tot' Er begriff es nicht und mußte das grausige Wort immer wieder bor sickbermurmeln.
.Ja, ich atmete auf, als ich frei war - sagt der da drinnen unb trällert em -iedchen.
9Ter Knabe starrt die Tür an unb bann ba? gi;fh seiner Mutter auf der Staffelet. Nteder- fnten möchte er davor und sie um Vergebung bitten. Er. Denn seinetwegen harrte sie an.. Stolz trug sie ihr Leid. So scharfer auckztn rückdentt. er erinnert sich keines Vorwurfs 0e9ßr schließt die Augen . . . und wabrend er die Stirn gegen das Polster druckt, ist s ihm, als legten sich die Arme feiner Mutter um tbm Peter bat die Tür gerautchlos hinter sich aefchlossen und ist in sei« Stübchen gegangen, schwer und schleppend ist fein Gang, schwer dünkt ibn die Mappe, als sei sie mit Blei gefüllt Er versucht m lesen: Tasso . . . Jpbi- genie . . . das Edelste, was uns der Dichtet gab!
Er wendet mechanisch die Seiten um, mechanisch fliegt feilt Blick über die Zellen.
Leise klingt und singt der Frühling zu ihm hinein, ein Flimmern und Blenden ist'? draußen, ein Schwingen und Schwirren! Und
der bis zum späten Abend mit den Mädels bummelt, oder Dort, der Schlemmer, der seinem Vater die Importen und den Kognak stiehlt und regelrechte Kneipereien veranstaltet.
Solch ein Lebegeist ist Peter nicht. Er hat nur seine Bücher. Well aber seit Muttis Tod ein unbestimmtes Sehnen in ihm ist, darum hat er sich mit der blonden Lilli befreundet. .Das fesche Möbel" wird sie in der ganzen Sekunda genannt. Und sie ist wirklich entzückend, von den Hellen Stiefeletten empor bis zu den Riefenfchleifen. die auf ihrer Hutkrempe wippen. Sie trägt das Näschen hoch und hat die Allüren einer Weltdame. Nimmermehr würde Peter sich an sie herangewagt haben, wenn sie ihn nicht fo freundlich angeblinzelt hätte. M
„Sie gebraucht dich als schatten, fpottet Viktor, und auch die übrigen find der Ansicht, daß er zwar ein „lieber Kerl", aber in gewissen Dingen ein Schwächling ist.
Die in der Küche schwatzenden Dienstboten wundern sich nicht, daß der junge Herr heute über die Hintertreppe kommt. Sie beachten ibn kaum Rur die Köchin ruft ihm über die Schulter zu: .In Ihrem Zimmer ist für Sie gedeckt/ ,. .
Rasch schließt er bte Blumen tnicui Schränkchen und erst, als er diese m sicher- beit weiß, beginnt er zu demonstrieren. Seit Mocken sckon gebt es 10.. Saunt. ba6 er bte schwelle der Wohnung überschritten bat so wird er ins dünterzimmer verwiesen. Em Gefühl von Trotz regt sick. Er ist kein Kind mehr er hat beute fein erstes Rendezvous er wird Üch bte Tyrannerei nickt länger gefallen lassen.
„Ich esse nickt mehr an diesem wackligen Tisöh" erklärt er feierlich.
„Mber der Herr Direktor haben es angeord- ‘ bck werde es verantworten," gibt er stolz zurück, denn im Kampf wächst ihm der Mur.
gen zu offenbaren fchien. Auch der Könige Ehen werden nicht immer im Himmel geschlossen und aus den stillen Gemächern Enas ist seit dem Tag, da ihr das Schicksal die Krone der Spanierkönigin aufs stolze Haupt drückte, manch weher Seufzer zur nordifchen Jnfelheimat geflohen, manch heiße Sehnfuchtszähre über bleiche Wangen geronnen. Und nun, zum Leid im Heim und zur Enttäuschung im ehelichen Bund die schwere Heimsuchung: Die Ertränkung des Königs, deren Symptome schon in den frühesten Tagen den Sprossen einer fchickfalschweren Fürstenehe schwächten. Es ist ein tragisches Ge- chick, das hier hart und unerbittlich feinen Weg f(breitet, durch Ströme von Tränen und Kummerzähren und umbüftert von Vergangenheitsschatten, die selbst durch des Königtums prunkenden Glanz nicht gescheucht werden können. Man fühlt aufrichttges Mitleid mit dem gekrönten Opfer väterlicher Sünden, dem das Erdendafein mehr Leid als Freude, mehr Ent- täufchung als Glück, und mehr Buße als Erlösung gebracht hat: Ein König tragischer Gestalt, an dessen persönlicher Harmlosigkeit auch nicht die polittschen Sünden seiner Regierung hasten bleiben können, die ihn mehr zum Dulden als zum Herrschen zwangen, itnb bie, wie alles, was im Pyrennäenland an Merkmalen politischer und völkischer Degeneration erkennbar ist, zurückweisen auf die große Schuld, die Alfonfos Ahnen auf sich, ihr Haus und ihr Land geladen haben, und deren Un- hell-Schatten nun der Enkel Dasein verdü- ftern . ..! r-
Ausstand in Kamerun?
Roch keine amtliche Bestätigung! (Eigne Draytmeldung.)
S Berlin, 3. Mai.
Die Nachricht von einem angeblichen Eingeborenen-Aufstand in der Bim- bagegend im Bezirk Kamerun ist amtlich bisher noch nicht bestätigt worden. Dem Reichs- kolonialantt liegt lediglich der kurze Bericht des Gouverneurs vor, der auf einem Telegramm der Station Dume vom 16. März dieses Jahres beruht. Danach ist der Leiter des Dume- bezirks am 9. Februar auf das Hilfsgesuch des Kaufmanns Greve von der Firma Pagenstecher mit Truppen nach Betugge tm Norbert des Bezirks gerückt, wo anscheinend die Haltung der Eingeborenen unsicher geworden war.
Der Häuptling Betugge und zwei Helfershelfer wurden festgenommen und z» fünf, acht unb sieben Jahren Kettenhaft verurteilt. Der Bezirksleiter ist dann am 20. Februar wieder nach Dume zurückgekehrt unb betrachtete bie Lage im Bezirk zur Zeit ber Absendung des Telegramms als ruhig. Auch der Gouverneur, der den Sübbezirt bereist hat, hat durch ein Telegramm vom 18. März bie Sage im Süden des Schutzgebiets als ruhig bezeichnet.
Um fünf Uhr trifft er feine Angebetete an der Corneliusbrücke ... und wenn sie dann in einer der stillen Tiergartenstraßen «nd . . . darf er ihr ein paar schmachtende Worte sagen. . . oder wohl gar seinen Arm unter den rhngen schieben . . . oh! . . .
Er fühlt sich Herr ber Situation
Sie haben stets ttn Eßzimmer für muh zu decken/ donnerte er das Mädchen an, das gehorsam ein Besteck für ihn auflegt, „ob mein Vater im Nebenzimmer Besuch hat, ist gleichgültig. Ick werde ihn nicht stören!"
Ausgezeichnet schmeckt die Oxtall nach diesem Gefühlsausbruch.
Doch fchon nach wenigen Minuten läßt er den Löffel sinken. Ist das nicht eine Frauenstimme nebenan ...? Ein Lachen ist es, das ihn wie gebannt zur Tür blicken läßt... ein keckes Lachen! Dann hört er seines Vaters Stimme: „Tröste dich, mein Schatz, Anfang März geht es nach Monte... du zweifelst, weil ich dir's fchon int vorigen Jahre ver- sprach . . .? Vergiß nicht, daß meine Frau damals schwer krank war. Im letzten Augenblick zerschlug sick das Projett, weil sie sich einer lebensgefährlichen Operation unterziehen mußte. Es macht keinen guten Eindruck, wenn die Frau stirbt, während der Mann an der Riviera bummelt. Du kannst dich nicht beilagen. Wie oft machten wir einen Abstecher nach Paris, und was für vergnügte Tage verlebten wir in Genf, während ich meine Frau mit dem Jungen aufs Gut geschickt hatte."
Peter stutzt und schiebt da? Essen zurück. Das sind ja ganz wahnwitzige Geschichten, die sich die Leute da drinnen erzählen. Aber schon unterbricht ihn das übermütige Lachen, und fein gespannt lauschendes Ohr vernimmt, day die Fenster sich schließen und bie Vorhänge zusammenschnurren. . . _ ,
„Ouäle mich nickt," hört er seinen Vater sagen, während ein Stuhl gerückt wird und
(Nachdruck verboten.)
„Mimosen, junger Herr . . .?"
Peter klemmt sein Schultäschchen fest unter den Arm, nm es möglichst unsichtbar zu machen. Auch feine Kniehofen genieren ihn augenblicklich. Dessen ungeachtet greift er mit ber Miene eines Grand Seigneur in bte Tasche, um ein Geldstück herauszukrabbeln.
„Ganz frische Mimosen", preist die Alte, - und bei ihrem vertraulichen Lächeln wird er rot bis unter die Haarwurzeln. Ahnt sie, für wen die Blumen bestimmt sind . . .?
\ Wie auf Kohlen steht er, während sie das Sträußchen in Seidenpapier hüllt. Wenn fein Ordinarius ihn hier träfe! Oder einer feiner Mitschüler! ,
Sein Herzklopfen legt sich erst, als bte Gefahr beseitigt scheint, unb nun macht seine - Logik außerordentliche Sprünge: Ist denn ein r Sekundaner mit einem Blumenstrauß m der ' Hand fo etwas Welterfchütterndes . . .? Könnte er ihn nicht ebensogut seiner Mutter bringen . . .?
Leise seufzend betrachtet er die schonen r. gelben Dolden. Seit Mutti tot ist . . . nun ■ bald ein Jabr . . . ist es so einsam um ihn geworden. Geschwister batte er nie. Papa . .? Der hat tausend Angelegenheiten im Kops. Ost : sehen sie sich taaelana nicht oder prallen zu- - syllia in einem Winkel der großen Wobnung | auseinander. Dann fühlt Peter Prh flückt'a an ■ der Schuller gerüttelt und hört Pavas Stimme im Davoneilen: „Wie aebfs. Schlingel?" - Oder: „Was treibst du, Jung??" fc Tas ist alles . . -
Die andern beneiden ihn um seine ,.vcr- | sittliche Freiheit". Sie wüßten damit schon was anzufangen, z. B. Vittor, ber Ton Juan,