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Nummer 126» ! Zahrgemg.

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Fernsprecher 951 und 952.

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Mittwoch, »en 3. Mai 1911

Sie gelte Gesäte.

Chinesische Revolution, russische Kriegrüstung I

Hongkong» 2. Mai. (Tele­gramm.) Nach hier eingegangenen Meldungen aus dem Innern des Reichs breitet sich die aufständische Bewe­gung auch in anderen Städten aus. So kam es in Fa - tf chan zu Unruhen. Die Stadt ist teilweise durch Feuer zerstört worden. In S ch i u - t i n g ist der Prä­fekt ermordet worden. Auch in S a m - s ch u i wurde ein Beamter getötet. Vor Kanton ankern sieben Kanonenboote btmatter auch das deutsche Kanonen­bootIltis", das zum Schutz der Deut­sche« beordert worden ist.

Seit den Tagen, da auf den weiten Feldern ter Mandschurei Rußlands Wehrmacht zusam­menbrach. und die russischen Panzer in japani­schen Gewässern ein unrühmliches Ende fan­den. hat man aus dem fernen Osten krie­gerische Kunde nicht vernommen. Unter dem Einfluß des kleinen Inselreichs trat an die Stelle russischer Verwahrlosung Ordnung und bescheidener Wohlstand: Ein Beweis für die eminente Befähigung des Mikadoreiches, der Kultur die Wege zu ebnen. Während der jüngsten Zeit hat sich die Situation indessen be­drohlich gewandelt: Rußland und China ssnd es, die zu Auseinandersetzungen neigen und wenn es auch der Diplomatie beider Län­der gelang, bedenklich gehäufte Differenzpunkte notdürftig zu beseitigen, so ist damit doch kei­neswegs endgültig Ruhe eingekehrt. Im Za­renland sowohl als auch im Reich der Mitte glimmt der Funke weiter, der das Pulverfaß im Ru zur Explosion zu bringen vermag. In den Rüstkammern beider Riesenstaaten klirrt es geheimnisvoll, und durch die sibirischen Step­pen schleppen Lokomotiven keuchend endlose Zü­ge mit Waffen und Munition zur mandschuri­schen Grenze. In China herrscht gleich fieber­hafte Tätipsteit, und die politischen Sterndeuter prophezeien nahendes Kriegsgewitter.

Es bedarf keines besonder« Hinweises, daß man sich in China genau darüber klar ist, was es heißt, einen Waffengang mit Rußland zu riskieren: Neigt man im Ministerium in Peking trotzdem dazu, dem Drängen der kampflusti­gen Kriegspartei nachzugeben und dem unbe­quemen Nachbar den Fehdehandschuh hinzu­werfen, dann muß man auch von der Sicherheit einer erfolgreichen Durchführung des krie­gerischen Unternehmens überzeugt sein. Seit der Stunde, in der das kleine Japan dem rasch niedergerungenen chinesischen Drachen den Fuß In den Racken setzte, hat sich auch jenseits der .Großen Mauer" vielerlei gewandelt: In den Kreisen der Pekinger Machthaber kam man zur Erkenntnis, daß man Bresche legen müsse in Zustände, die Jahrhunderte hindurch fast un- berühtt waren, und aus verwahrlosten Kohor­ten, die seinerzeit mit primittvem Kriegsgerät gegen die Japaner zogen, ist ein Riesenbeer moderner Kriegsformation, strategisch-zielbe- wutzt geleitet und kriegstüchtig ausgerüstet worden, das sich unter abendländischem Ein­fluß eine Taktik zu eigen machte, die der der europäischen Staaten nahekommt: Ein Riesen­heer, in dem zwar nicht heiße Liebe zum Vater­land zu großen Taten drängt, sondern der Standpuntt, daß eS schmachvoll sei, sieglos aus dem Kampfe heimzukehren. Diese wilde Sehn­sucht, ruhmbedeckt zu sterben, hat Rußland im Ringen mit Japan manche Schlacht verlieren lassen, und sie wird es auch in einem etwaigen Ktteg mit China vor eine Aufgabe stellen, der es kaum gewachsen erscheint.

Die russische Armee, die sich tm Krieg mit Japan fortgesetzt mutig .rückwärts" konzen­trierte, erscheint uns in der Zwischenzeit nicht gewachsen an all den Eigenschaften, die nötig sind, um .die heiligsten Güter der Nation" mit Nachdruck zu verfechten. Der weitern Entwick­lung der Dinge im fernen Osten muß deshalb mit Aufmerksamkeit gefolgt werden, denn es kann uns Deutschen, ja dem ganzen europä­ischen Kontinent, nicht gleichgültig sein, ob Rußlands Stellung mehr noch, als es schon ge­schehen, im Osten erschüttert wird, ganz davon abgesehen, daß ein neuer unglücklicher Krieg das Zarenreich politisch und wirtschaftlich in seinen Grundfesten erschüttern und ernstesten Krisen entgegenführen müßte. Mehr denn je sollten sich deshalb die Diplomaten in Peters­burg darüber klar sein, daß noch eine lange Reihe von Jahren nötig ist, um das Land eini­germaßen gesunden zu lassen nach all den Fie­berschauern, die es in der jüngsten Aera heim­suchten. Man sagt sich das wohl auch, aber es gibt Tinge, die man nickt verhindern kann, weil sie ein anderer Starker will, und China

scheint nun einmal das Bestreben zu haben, seine Kräfte an denen Rußlands zu messen. So zieht denn der Frühling wenig verhei­ßungsvoll ins Zarenland, und aus der Melo­die der wilden Stürme, die junges Leben wel­ken, auch auf öder Steppe, klingt es wie das ferne, dumpfe Grollen eines Ungewitters.

Und während in Peking die Strategen über Krtegsplänen brüten, züngeln im Riesenreich des Drachens die Flammenzeichen der in­ner« Revolution empor: In der Kan­tonprovinz, wo Hunderttausende sich unter den Qualen langdauernder Hungersnot winden, hat die Erbitterung des Elends, aufgewiegelt durch kriegswütige Fanatiker, zu bett Waffen gegriffen, Städte eingeäschert und die Vertre­ter der Obrigkeit eines schrecklichen Foltertods sterbe« lassen. In Petersburg angelangte Ge­heimkuriere berichten, die Revolution im Kan­ton-Distrikt sei das Werk japanischer Volkver- hetzer, die die Notlage der breiten Masse des chinesischen Volks raffiniert zur Schürung des Fremdenhasses und zur Empörung der Men«e gegen die untätige Regierung ausnutzten. Die Diplomaten des Mikado haben zwar China die freundschaftliche« Dienste Japans" zur Ord­nung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse ange­boten, aber das Mißttauen gegenüber de« Nachbarn ist auch in China so stark (und offen­bar auch so berechtigt), daß man in Peking das freundschaftliche Anerbieten höflich, aber be­stimmt abgelehnt hat. Sicher nicht ohne Grund, denn Japan sucht seit seinem Ausstieg zur Großmacht unablässig Gelegenheit, China seinem Einfluß zugänglich zu machen. Daß das nicht aus Solidaritätsgefühl gegenüber dem weißen Mann, oder etwa aus Gründen > -e Gefühlspolitik geschieht, ist sicher, und so > -.sich denn das Riesenreich des Zopfs in M.Äichkeil zwischen drei Feuern, die ihm alle gleich gefährlich werden können: Rußlands Vordringen im fernen Osten, Japans Politik der Beunruhigung und die Hunger-Revolution im Innern. Was aus dieser dreifachen Ge­fahr als nächster Schrecken herauswachsen wird, läßt sich im Augenblick nicht übersehen, sicher aber ist, daß diegelbe Gefahr" zurzeit be­drohlicher scheint, als je seit dem Tag, da Wilhelm der Zweite sie auf Leinwand skizzie­ren ließ , . .! e **

Revolution itt Hongkong. (Privat-Telegramm.) »ri, London, 2. Mai.

Heber die in Hongkong und in der Kanton- Provinz ausgebrochene Rebellion liegen heute nur wenige Nachrichten vor, da die telegraphi­schen und telephonischen Verbindungen zerstört sind. Der Vizekönig hat sich in das Adnnratt- tätsgebäude geflüchtet, wo er von den Rebel­len attackiert wurde. Es gelang aber, die An­griffe der Rebellen glücklich zurückzuweffen. Achtzehn Ausrährex, sind verhaftet. ES geht das Gerücht, daß «estern zahlreiche Personen im Laufe des Gefechts getötet worden seien. Die Straßen sind besetzt von einer sehr ausge­regten Menge. Der Vizekönig hat Befehl er- teilt, daß sämtliche Einwohner in ihre Woh­nungen zurückzukehren haben; obdachlose Per­sonen werden sofort in Haft genommen. Zahl­reiche Häuser sind niedergebrannt; die Truppen beteiligen sich nicht an den Löscharbeiten, da sie lediglich den Befehl hatten, die Ruhe tn den Straßen aufrecht zu erhalten, und Plünderun­gen zu verhindern. Die Schießerei dauerte dte ganze Nacht zum Montag über an, und dte Re­bellen mutzten von Straße zu Straße zurückge- drängt werden. Die Zustände in der inneren Stadt sind furchtbar. Rebellen, die mit Waffen in der Hand angetroffen werde«, werden so­fort dem Gericht übergeben und enthauptet. Zweihundert Rebellen find auf diese Weise be­reits hingerichtet worden.

Heimkehr von Korfu.

Die Abreise des Kaiserpaares.

(Spezial-Telegramm.)

** Korfu, 2. Mai.

Die Kaiserliche Familie hat gestern mittag gegen ein Uhr a« Bord derHoyew rollern", oer sich der KreuzerKönigsberg und das DepeschenbootSleipner anschlossen. Korsu verlassen. Die Korfiote«, die für die Uebernahme der Ausgrabungen dem Kaiser außerordeuttich dankbar sind, beretteteu dem Kaiserpcmr auf der Fahrt von Achtlleton zum üasen urtb bei dem Anbordgehen tn Korfu stürmische Ovationen. Gegen elf Um hatte der Kaiser sich «och zum letzten Male ut den Ausgrabungen in Garitza begeben, wo vor der Ostfront des Tempels der Altarplatz in einer Länge von drei und in einer Breite von secks Meiern frei gelegt wurde. Beim Ab­schied ließ der Kaffer den Arbeitern abermals

eine größere Geldsumme überweisen. Gegen Mittag hotte die Kaiserin in Begleitung der Prinzessin ihren Gemahl von der Ausgra­bungsstelle ab, worauf das Herrscherpaar dem König von Griechenland einen Ab­schiedsbesuch abstattete. Der Kaffer äußerte, daß es ihm in diesem Jahr besonders schwer werde, Korfu zu verlassen, wo er die Erholung, die er suchte, in so reichem Maße gesunden habe. Die Kaiserliche Familie trifft Mittwoch nachmittag in Genua ein, von wo sie sich direkt nach Karlsruhe begibt, um dort einige Tage als Gäste des Großherzogpaares zu verleben. In Karlsruhe findet bekanntlich eine Begegnung des Kaisers mit dem König von Schweden statt.

Der Weltfeiertag.

Die Maifeiern im In- und Auslande. (Telegraphische Meldungen.) In Deutschland sind die gestern amWelt­feiertag" von der sozialdemokratischen Partei veranstalteten Massenversammlungen ausnahmslos ruhig verlaufen. In Berlin fanden am gestrigen Tage v i e r u n d a ch t z i g Versammlungen statt, die sämtlich außerordent­lich stark besucht waren, und in denen die all­gemeine Maifeier - Resolution angenommen wurde. Zwischenfälle ereigneten sich nicht, und auch die aus dem Reich vorliegenden Mel­dungen stellen den vollkommen ruhigen Verlauf der gestrigen Feier« fest. In einigen Otten war die Beteiligung an den Versammlungen nur gering. Umso lebhafter ging es in Frank­reich zu, wo es verschiedentlich anläßlich der Maiseiern zu Ausschreitungen und Zusammen­stößen zwischen den Demonstranten und der Polizei gekommen ist. Ein Privattele­gramm berichtet uns darüber aus

ZZ Pari«, 2. Mai

Obwohl die autzerordenttich stark« militä­rische und polizeiliche Machtentwicklung, sür die die Regierung zur Aufrechterhaltung der Ordnung bei der geftrige« Maifeier gesorgt hatte, im allgemeinen ihre Wirkung durchaus getan hatte, kam es am Nachmittag doch zu mehreren Zusammenstößen. Zuerst ver­suchten zahlreiche Manifestanten durch den Ab­sperrungskordon nach dem Place de la Con­corde durchzudringen. Als ihnen dies nicht ge­lang, sammelten sie sich in den Champs Ely- sees. Um sie zu zerstreuen, ging Kavalle - lic gegen sie vor. Dabei wurden meh­rere Arbeiter niedergeritten und leichter verletzt. Ein Polizeiosfizier wurde durch Messerstiche zwischen den Schultern ver­wundet, doch ist sein Zustand nicht bedenklich. Ein anderer Polizeioffizier wurde mit Knüp­peln niedergeschlagen und mußte nach der Ambulanz gebracht werden. Aus der Menge wurden auch Schüsse auf die Po­lizei abgegeben, die jedoch niemand trafen. Eine Abteilung von Feiernden wurde von be­rittener republikanischer Garde umzingelt. Es kam zu einem ziemlich heftigen Zusammenstoß, der damit endete, daß Kavallerie die Manife­stanten zerstreute. Nach dem Polizeirapport wurde« insgesamt zwei Polizeioffiziere, neun Schutzleute und fünfundzwanzig Soldaten verwundet. Die Zahl der verletzten Manife­stanten betrug bis zum Abend sechzig. Von den etwa hundert Verhafteten wurden achtzig wieder freigelassen. Zwei der verletzten Schutz­leute haben schwere Verwundungen erlitten, und ihr Zustand gibt zu ernsten Besorgnffsen Anlaß. e

NeSolidarität des Proletariats".

(Telegraphische Meldung.)

$3 Paris, 2. Mai.

Aus Anlaß der gestrigen Maifeier fand in per St. Pauls-Reitbahn eine große Ver­sammlung statt, in der die Redner gegen die Marokkopolitik der Regierung protestierten. Die Arbeiter sollten sich weigern, zugunsten der in Marokko auf dem Spiele stehenden Fi­nanzinteressen die Flinte zu ergreifen. Der Se­kretär des Syndikatsverbandes erklärte, die Arbeiter würden als Antwort auf das für den ersten Mai erlassene Verbot von Straßenkund­gebungen am Tage des Grand Prix Sabotage verüben.

I« der Versammlung trat auch ein deut­scher Arbeiter auf und erklärte im Namen der deuffchen Arbeiter, diese würden nicht ein- willizen, wenn sie gegen ihre französischen Genossen die Waffen ergreifen sollten.

In einer Resolution wurde die Solidari- tät des internationalen Proletariats zum Aus­druck gebracht. Nach Schluß der Versammlung kam es zu ernsten Zusammenstößen zwischen der Polizei und den Teilnehmern, von denen viele verhaftet wurden. Unter de« Personen, die gestern Verwundungen davontruaen, befin­

den sich nach neueren Fesfftellungen vierzehn Polizeibeamte, von denen zwei hoffnungslos darniederliegen.

Der Riesenbraud von Bangor.

Vierhundert Hänfcr cingeäschett.

(Privat-Telegramm e.)

Wie wir schon gestern telegraphisch mitge» teilt haben, ist die Stadt Bangor tat nordame­rikanischen Staate Maine am Sonntag von ei­ner verheerenden Feuersbrunst heimge- sncht worden, die einen Schaden von über drei Millionen Dollars angerichtet hat. Rach anderen Meldungen beziffert sich der Gesamtschaden aus mindestens vierundzwanzig Millionen Mark. Der gesamte Geschästsbezirk der Stadt wurde eingeäschert. Hierauf drangen die Flammen in fächerartiger Ausbreitung zwei Kilometer wett in das vornehmste Villenviettel ein. Außerordentliche Szenen spielten sich während des Brandes ab, da die Feuerwehr­leute ganze Häuserviettel mit Dynamit in die Luft sprengten, in der Hoffnung den rasenden Flammen Einhalt zu tun. Allein auch dies war vergeblich. Ein Feuerwehrmann wurde durch eine niederstürzende Mauer erschla­gen, und andere erhielten bei den Löscharbeiten schwere Verletzungen. Unter den Einwohnern herrscht Panik, hundette wandern obdachlos durch die Straße«. Es wurde das Kttegsreckt verhängt, um Ruhestörungen durch verbrechett- sche Elemente zu verhindern. Zahlreiche Ge­schäftshäuser, Schulen, Theater und Kirchen sind zerstött. Der abgebrannte Tell der Stadt ist drei Kilometer lang und zitta ein halbes Kilometer breit. Ein Telegramm von Henri früh bettchtet uns:

R e w y o r k, 2. Mai.

Durch den gestrigen Brand in Bangor find etwa hundett Gefchästsgebäude, amtä chenta dreihundett Wohnhäuser und sieben Kirchen zerstött worden. Der Schaden wird jetzt auf dreieinhalb Millionen Dollars ge­schätzt. Um die obdachlosen Familien vor Elend und Not zu schützen, sind sie vorerst in Schulen und Hospitälern untergebracht wor­den. Trotzdem herrscht unter de« Abgebrann­ten das größte Elend.

Ein weiteres Privat-Telegramm mel­det uns: Das Feuer brach ta einer Kohlenuie- .Verlage der Broadstrett aus und wurde anfäng­lich für unbedeutend gehalten. Mit großer Schnelligkeit breiteten sich die Flammen aber ans und vernichtete« außer dem Geschäftsvier- tel prächtige Wohnhäuser, die Bibliothek, drei Hotels, die höhere Schule, sieben Kirchen, das Feuerwehrgebäude und das Gaiety-Theater. Aus acht Nachbafftädten wurden die Feuerweh­ren zur Hilfe geholt. Zwei Personen sind tot mehrere andere wurden schwer verletzt. Die Feuerwehrleute retteten zahlreiche Personen mit eigener Lebensgefahr aus den Flammen, die Zahl der Opfer würde sonst noch viel grö­ßer sein. Die Stadt, in einem wundervollen Flußtal gelegen, gleicht einem einzigen, rieft» gen Trümmerhaufen, und der Schauplatz der Katastrophe nimmt sich mit seinen rauchenden Trümmer« und geschwärzten Maner« inmitte« der blühenden und grünenden Landschaft wie das düstere Gespenst des Verderbens ans. Stündlich treffen aus den Haupfftädten der Union Ettrazüge mit Hunderten von Menschen ein die die Brandstätte umlagern. Die Polizei verhaftete gestern eine Anzahl von Personen, die aus der Stätte der Katastrophe geplün­dert hatten. In der Nacht traf eine Truppen­abteilung ein, die den vom Feuer heimgesuckten Bezitt abspertt, um das Raubgesindel abzuhal­ten. Neunzehn Personen werden «och vermißt, und man sürchtet, daß sie in de« Flam­men umgekomme« sind.

Brüssel, 2. Mai. (Privat-Telegramm.) In der Färberei von Soertrup im Vorort Schaerbeck, wo erst dieser Tage das Rathaus ein Opfer der Flammen wurde, brach in der vergangenen Nacht ein Brand aus, der die ganze Fabrikanlage einäschette. Die Frau und zwei Kinder des Wettmeisters kamen in ben Flammen um unb konnten nur als gänzlich vettohlte Leichen geborgen werben. Man vermu­tet auch bei biefem Brande toiebei böswil­lige Anlegung des Feuers aus Racke.

$et 6lub ter Harmlosen.

Das Spielcrneft in der Wilhelmstraße.

(Von unferm Korrespondenten.)

0 Berlin, 2. Mai.

Die vornehme WUHelmstraße. in der die ho< bett Reichs- und Staatsmänner zu Hause sind hat in ihrem südlichen Teil das zweifelhafte Glück gehabt, längere Zeit einen Spielklub zu beherberge«, in dem flottMeine Tante. Deine Tante" und ähnlich Hazardspiele getrie- den wurden. Als die Polizei Wind von der Sache bekam, hob sie den Klub auf. Trotzdem kamen die Ieuratten in denselben Räumlickkci-