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1. Jahrgang.

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Freitag, den 28. April 1911

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würde.

F. H.

Wien, 27. April. (Telegramm un- >ers Korrespondenten.) Es gilt hier als sicher, daß der Besuch König Peters von Serbien am österreichischen Hofe für die nächste Zeit als erledigt zu betrachten ist. Wenn auch die offizielle Mitteilung nur von einer Ver­schiebung". wissen will, so ist doch mit Sicher­heit anzunehmen, daß die Gründe, die jetzt für die Aufgabe des Projekts maßgebend sind, nicht so bald beseitigt werden können, nament­lich mit Rücksicht aus die zurzeit in Serbien herrschende Volksstimmung, die sich scharf ge­gen das Besuchsprojekt wendet. Es ist wahr­scheinlich, daß unter diesen Umständen die Auslandsreise des Königs in diesem Tahrc überhaupt unterbleibt.

spät eingebrachtes Gesetz, zu dessen Beratung der Bundesrat mehr als drei Monate Zeit ge­braucht hat, in einer kurzen Herbsttagung erle­digen kann, erscheint äußer st zweifel­haft. Der Reichstag dürfte sich vielmehr darauf beschränken, vor den Neuwahlen nur eine allgemeine Besprechung des Gesetzes vor­zunehmen, bei der sicherlich die großen Schwie­rigkeiten dieser Frage zutage treten werden. Die eigentliche Verabschiedung des Gesetzes wird dagegen (darüber ist man in unterrichte­ten Kreisen sich vollkommen klar) erst nach den Neuwahlen zum Reichstag möglich sein und cs besteht die Absicht, die Vorlage über die Pri- vatbeamten-Pensionsversicherung dem neuen Reichstag als eine der e r st e n Arbeiten gleich nach dem Zusammentritt zugehen zu lassen.

Jas Privatbeamten-Penfiorrsgesetz.

Verschiebung bis nach den Neuwahlen?

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

£ Berlin, 27. April.

Das Privatbeamtenpensionsge- setz wird dem Reichstage anfangs Mai zu- gehcn. In der offiziösen Presse wird die Hoff­nung ausgesprochen, daß der Reichstag dieses Gesetz noch im Herbst erledigen möge. Wie ich indessen aus parlamentarischen Kreisen er­fahre, dürfte sich dies kaum durchführen lassen. Die erste Lesung des Privatbeamten­pensionsgesetzes noch vor der Sommerpause im Plenum vorzunchmen, läßt sich nicht ermögli­chen, sodaß also eine Kommission für die Vor­bereitung dieses Entwurfes er st im Herbst zusammentreten kann. Ob das Plenum aber bei der Fülle des vorliegenden Stoffes ein so

SnferttonSprtife Tt« («chsgespaltene Zeil« für einhciinifche Geschäft« 15 Vf für auswärtige gnferat« A Pst Reklamezeile für einheimische öe schüft« O Pf, für auswärtig« 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnisch« Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

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Warschau, 27. April. (Telegramm unseres Korrespondenten.) Gestern wurden hier dreihundert Mitglieder eines polnisch-revolutionären Geheim- b « n d e s verhaftet, in deren Besitz sich zahl­reiche revolutionäre Schriften und Dokumente befanden. Wie es heißt, ist Warschau die Zen­trale einer polnisch-revolutionären Bewegung, die sich über ganz Polen verzweigt und die Wicderaufrichtung des Königreichs Bolen er­strebt. Die eigentliche Leitung des Geheimbun­des sott sich im Ausland befinden. Zahlreiche weitere Verhaftungen stehen bevor.

Ferdinand ebnete gemeinsam mit Eonrad von Hötzendorff dem Fortschritt die Bahn und Oesterreich erwachte nach langer Untätigkeit und Schwäche aus einem Traum zweifelnder Aengstlichkeit und tastender Ohnmacht. Daß ein solches Werk nicht Zustandekommen konnte, ohne daß Groll und Eifersucht seine Träger be­lästigten, ist klar, und es hat auch in Oester­reich nicht an Flüsterern gefehlt, die dem Ohr des greifenden Kaisers das Mißtrauen gegen­über der überall vordrängenden Energie des Thronfolgers predigten und den Chef des Ge­neralstabs der Armee als den Mann verdäch­tigten, der in größenwahnsinniger Hast die Reichsgemeinschaft in den wildesten Wirbel des Rüstungswettbewerbs dränge und die ru­hige Sicherheit bescheidner Entwicklung, die nirgend Argwohn wecke, gefährde. Bis dann der Serbenlärm und das letzte Balkanaben­teuer die glänzende Probe auf's Exempel brachten!

Oesterreich hat noch weniger als wir einen Ueberfluß an Talenten, krankt förmlich am Mangel tatenfroher Leute mit Energie und Initiative und hat in den wenigen Jahren, die seit dem Erwachen aus überlanger Ruh verflossen, noch keinen Nachwuchs heranzubil­den vermocht, der in der Lage wäre, das müh­sam Erstrebte zu erhalten und mit sichrer Hand weiter auszubauen. Daß unter diesen Um­ständen der Rücktritt Conrad von Hötzendorffs von der Leitung der nationalen Heeresorgani- sation einen Verlust bedeuten würde, der zur­zeit nicht zu ersetzen wäre, sehen in Oesterreich auch Diejenigen ein, denen derMann mit der ehernen Stirn und den abenteuerlichen Plä­nen" sonst ein Dorn im Auge ist und cs wird deshalb mit allen Mitteln versucht, den Be­währten von dem Entschluß des Rücktritts ab-: zubringen. Ob diese Bemühungen allerdickgs' Erfolg haben werden, bleibt abzuwarten: Hötzendorff hat im Oesterreich Franz Josefs nicht mindere Enttäuschungen erlebt wie Erz­herzog Franz Ferdinand, dessenPolitik der starken Hand" noch heut den stärksten Anfein­dungen begegnet und auch beim alten Kai­ser wenig Sympathie genießt, trotzdem nicht zu verkennen ist, daß diese Auspeitschung der na­tionalen Energie zu Kraftbewußtsein und Tatenmut es gewesen ist, die Habsburgs und Oesterreichs Ansehen in der Welt wieder neu gefestigt hat. Deutschland und der Dreibund hätten alle Ursache, den Rücktritt Hötzendorsfs zu bedauern, denn unter seinen Händen wuchs Oesterreichs militärische Macht zu einem achtunggebietenden Faktor europäischer Frie­denspolitik empor und es würde ein verhäng­nisvolles Experiment sein, wenn dieses In­strument des Friedens nach der E i s c n f a u st einer Salonhand anvertraut werden

Peter in der Fremde.

Serbien protestiert gegen die Königsfahrt! (Eigene Drahtmeldung.)

O°O Belgrad, 27. April.

Die bevorstehende Reise König Peters von Serbien nach Budapest hat in Belgrad die allergrößte Aufregung hervorgerufen. Das seinerzeit unter dem Protektorat des da­maligen Kronprinzen Georg gegrün­deteKomitee für Landesverteidigung" hat so­gar dem König einen P r o t e st gegen die Bu­dapester Reise überreicht, und die Komitatschis drohen, die Reise des Königs selbst mit Ge­walt zu verhindern und die Eisenbahngeleisc in die Lust zu sprengen. Die ganze Bevölkerung ist von einem einmütigen Wi­derstand gegen diesen Besuch König Peters bei Kaiser Franz Josef beseelt, und überall im Lande sollen aus Anlaß dieser Reise schwarze Fahnen ausgehängt werdest. "Man vermutet hier, daß Prinz Georg, der ja auch nach seinem Verzicht aus die kronprinz- lichen Rechte und deren Abtretung an seinen Bruder, den nunmehrigen Kronprinzen Ale­xander, immer wieder der Politik seines Va­ters Schwierigkeiten bereitet und die extremste Militärpartei begünstigt, auch hier seine Hand im Spiele hat. Auch in der Armee selbst macht sich ein lebhafter Widerspruch gegen die Reise des Königs Peter geltend. Die höheren Offiziere mußten angewiesen werden, den Of­fizieren die Teilnahme an Versammlungen, die als Protest gegen die Reise abgehalten werden, zu verbieten. Es erhält sich das Ge­rücht, daß die Negierung abdanken, und der Besuch unter dem Drucke der Volks­stimmung unterbleiben wird. Besonders groß ist die Aufregung geworden, seitdem verlautet, daß der Besuch König Peters in Budapest auch dem Abschluß einer Militärkonvention gilt. Sollte der Besuch in Budapest dennoch Tatsache werden, so dürfte dann aller Voraus­sicht nach Milowanovitsch zum Gesand­ten am Wiener Hofe ernannt werden.

unter seiner Leitung gänzlich umgestalteten Generalstabs der Armee der Doppelmonarchie; ein Mann von eherner Energie und nimmer­müder Tatkraft, der die hingebende Arbeit lan­ger Jahre an die Modernisierung und Reorga­nisation des nationalen Heerwesens verwandte und nach mancherlei Enttäuschungen den Tag sah, da sein Werk vom Erfolg gekrönt ward. Als er, vom alternden Kaiser nicht sonderlich gern gesehen, das Amt des Generalstabchefs übernahm, konnte die Donaumonarchie nicht Anspruch daraus erheben, für den entscheiden­den Moment, kriegerischen Konflikts ausrei­chend und erfolgsicher gerüstet zu sein: Tech­nische und organisatorische Mängel beeinträch­tigten die Schlagkraft des militärischen Appa­rats in bedenklicher Weise und die nationalisti­sche Buntscheckigkeit der Landesvcrwaltung machte sich auch im Heer störend und entwick­lunghemmend bemerkbar. Dazu kam der schroffe Gegensatz zu Ungarn, der im militäri­schen Element sich noch schärfer offenbarte, als auf politischem Gebiet, und der infolgedessen den Begriffgemeinsame Armee" nahezu als Illusion erscheinen ließ. Das war Oester­reich-Ungarns Heer in den Tagen, da, nach einer überlangen Periode öder Stagnation, Conrad von Hötzendorff in's Amt des Orga­nisators berufen wurde.

Erzherzog Franz Ferdinands scharfes Auge erkannte in Hötzendorff schon die Gaben des überragenden Kopfes, als der spätere Ge­neralstabchef der Hofburg-Spbäre noch verbor­gen war, und der tatkräftigen Unterstützung durch den energischen Thronfolger dankt Hötzendorff auch nicht zum kleinsten Teil den Erfolg semes Werks. Seit die männlich starke Art des Erben der Kaiserkrone sich in der Lei­tung der Politischen Geschicke der Donau­monarchie merkbar macht, ist in Oesterreich eine Entwicklung zu völkischer und militäri­scher Kräftekonzentration erkennbar, an die die Leute der milden Schule Franz Josefs in ihren kühnsten Träumen nicht zu denken gewagt hät­ten, und auch die politischen Verhältnisse haben seitdem im Habsburgerland eine durchaus mo­dern gestaltete Umwandlung erfahren. Franz

Russische Wären.

Revolution, Korruption und Sensation.

(Privat-Telegram m.)

Wie uns aus Petersburg berichtet wird, erregt dort die (gestern von uns bereits mitgeteilte) Nachricht großes Aufsehen, daß es der Staatspolizei in Kronstadt gelungen ist. einen sozialrevolutionären Ver­band aufzudecken, der auch im Heere revo­lutionäre Propaganda treibt. Bei den um- ängreichen Haussuchungen, die auf Grund die­ser Feststellungen vorgenommen wurden, stie­ßen die Behörden auf den Hauptorgani- a t o r des Verbandes. Er wurde verhaftet, und zugleich wurde eine große Menge wichti­ges Material, Dokumente und Adressen be­schlagnahmt. Im ganzen wurden a cb t z e h n Personen verhastet, darunter auch einige Matrosen. Sämtliche Verschwörer wur­den nach Petersburg gebracht und dort ins Militärgefängnis einaelickert. lieber eine

Konrad Hötzendorff.

DerMoltke Oesterreichs" vorm Rücktritt?

Vom Donaustrand her klang gestern die befremdliche Kunde an unser Ohr, daß der Chef des Generalstabs der österreichisch-ungari­schen Armee, Freiherr Conrad von Hötzendorff, vor mehr als Mondesfrist sein Abschiedsgesuch eingereicht habe, weil die Deckung der Heeresbedürfniffe zu Mißverständ­nissen geführt habe und der Generalstabchef es nicht glaube verantworten zu können, die von ihm verlangten fünfhundert Millionen Kronen für die Bedürfnisse des gemeinsamen Heeres auf den Betrag von zweihundert Millionen reduzieren zu lassen, da dadurch die Schlag­fertigkeit der Armee ernstlich in Frage gestellt werde. Als dringliche Vorstellungen bei den verantwortlichen Stellen und selbst beim grei­sen Franz Josef resultatlos blieben, reichte Hötzendorff int Anfang des Märzmonds sein Abschiedsgesuch ein, auf das indessen eine Ent­scheidung bisher nicht erfolgt ist. Der Kaiser hat die Demission weder abgelehnt, noch akzep­tiert, und der Generalstabchef hat auf in­direkte Bemühungen, ihn dem verantwor­tungsvollen Amt des Armee-Organisators zu erhalten, erklärt, er fühle sichnicht bewogen, seine Demission zurückzuziehen." Wie die Dinge nun einmal liegen, ist also mit der na­hen Möglichkeit eines Wechsels in der Leitung der österreichischen Militär-Organisation zu rechnen, denn es ist kaum anzunehmen, daß die bestehenden Meinungsverschiedenheiten über die Bedürfnisse der Armee sich derart ausglei­chen lassen, daß der Erfolg den Forderungen des Generalstabchefs nahe kommt. Im Habs­burgerland hat die Amtsmüdigkeit Conrad von Hötzendorffs nicht geringe Bestürzung hervor­gerufen und man fragt sich bang, wer nach ihm die Rolle des österreichischen Moltke überneh­men soll.

Auch in Berlin hat man, peinlich berührt, aufgehorcht, als die Post von der Donau her­überkam, und es ist sicher mehr als bloßes Be­dauern über den Entschluß eines Wackern! Mannes, vom Schauplatz rühmlicher Tat hin- wegzuschreiten, was in deutschen politischen Kreisen die Gemüter bewegt: Hötzendorff ist der eigentliche Schöpfer der modernen österreichischen Armee, der scharssinnige und ideenreiche Kopf des ganzen Milirärwesens im verbündeten Reich und die Seele des

Franz Ferdinands nächster Besuch.

(Privat-Telegram m.)

Berlin, 27. April.

Wie hier zuverlässig verlautet, wird der österreichische Thronfolger Erzherzog FranzFerdinand auch in diesem Jahre an den deutschen Kaisermanövern teilnehmen, deren Schauplatz der südliche Teil von Schleswig-Holstein, die Großherzogtümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Stre- litz, sowie Teile von Hannover und Pommern sein werden. An den Kaisermanövern wer­den das zweite, drite und neunte Armeekorps teilnehmen. Es war ursprünglich geplant, daß auch der Chef des österreichischen Generalstabs, von Hötzendorff, an den Manövern teil- nehmen werde, doch ist dies durch den angeblich bevorstehenden Rücktritt Hötzendorffs wieder zweifelhaft geworden.

Set Notar von Kempen.

Notar Güntzrr vor den Geschworenen.

(Von unfernt Korrespondenten.)

D Krefeld, 27. April.

Unter großem Andranae des Publikums be- gann gestern vor dem hiesigen Schwurgericht die Verhandlung gegen denNotarWerner G ü n tz e r aus Kempen, der der Amtsunter­schlagung, der falschen Beurkundung und des Konkursvergehens beschuldigt wird. Die bei­den letzten Anklagepunkte sind die Harmlosern: Der Angeklagte soll, nachdem über sein Ver­mögen der Konkurs verhängt war, noch über­mäßigen Aufwand getrieben und ferner durch Angestellte Unterschriften haben einsammeln lassen, die er dann durch den nota­riellen Stempel als in seiner Gegenwart er- solgt beurkundete. Die Anklage betresfend Amtsunterfcklag»ng weist nicht weniger als hundertvierundzwanzig Fälle aus.

Tie inkriminierte,t Straftaten

erfolgten in der Wesse, daß Gütttzer die ihm anvertrauten Gelder unterschlug lind zu seinen Gunsten verwandte. Wenn ein Gläubiger zu

andere Affäre, mehr tragikomischen Charakters, berichtet uns ein Privat-Telegramm aus

6$ Petersburg, 27. April.

Der gefürchtete Revisor, Senator Ga­rin, der immer noch erfolgreich Rußland bereist, um Diebe am Staatsvermögen zu entlarven, war anfangs der Woche während dere russischen Ostern inkognito nach Nischninowgerod gefahren und gedachte von dort nach Kasan weiterzureifen, um die dortige Behörde mit einer Revision heimzu- fuchen. Des Eisgangs wegen war er aber gezwungen, für einige Tage in Nischninow­gerod zu bleiben und ein Hotel aufzusuchen. Natürlich wurde sein Patz verlangt. Ga­rin weigerte sich, den Patz vorzuzeigen, da sonst seine Ankunft sofort in den Polizeikrei­sen bekannt geworden wäre. Da es in Ruß­land zu den größten Verbrechen gehört, kei­nen Paß zu besitzen, schickte der Hotel-Por­tier darauf sofort zum Polizeimeister, der mit einem ft orten Aufgebot von Be­amten erschien, um dengefährlichen Ver­brecher und Hochstabler" zu verhaften. Der Senator sah sich nunmehr gezwungen, sein Inkognito zu lüften und die Polizei zog mit langen Gesichtern ab. Alsbald aber wurden die Kollegen in Kasan, wohin sich Garin wenden wollte, telegraphisch von der heranziehenden Gefahr benachrichtigt, und als Garin andern Tags tatsächlich in Kasan erschien, um die Revision vorzunehmen, war in der Zwischenzeit alles so schön geordnet und verschleiert worden, daß selbst des ge­fürchteten Senators scharfes Auge kein Fehl zu entdecken vermochte. Der enttäuschte Re­visor gedenkt nun in nächster Zeit Kasan abermals mit einem Besuch zu beehren und er hofft, da er alsdannunangemeldet" dort einzutreffen gedachte, von dieser zwei­ten Revision ein besseres Resultat, nament­lich im Hinblick auf die Tatsache, daß seit Monaten über die Verwaltungsbehörden Kasans Klagen bei der Petersburger Zen­tralstelle eingehen, die das Schlimmste befürchten lassen.

In Anschluß an die Kronstädter Verhaf­tungen wird uns telegraphisch aus Peters­burg gemeldet: Im Zusammenhang mit der Entdeckung des Kronstädter revolutionären Verbandes fanden hier in Petersburg bei den Mitgliedern der russischen Esperantisten- l i g a Haussuchungen statt, die zur V e r h a f - tung von zwei Herren und zwei Damen führten. Im Bureau der Liga beschlagnahmte die Polizei zahlreiche Schriftstücke kompromit­tierenden Inhalts und viele andere Papiere, die darauf schließen lassen, daß die Esperan­tistenliga in der Hauptsache revolutio­näre Propaganda betrieb und ein ärmliches Organisationsbureau unterhielt, das in einer Reihe von Provinzstädten Filia­len hatte.