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Wummer 119. 1. Jahrgaus.

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Dienstag, den 25. April 1911.

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Sicher de» Kulissen.

Mathias Erzberger, der Geheime Säckelmeister.

Als die Finanzgeschäfte des Reichs noch in den Händen des etwas trocknen, aber hervorragend korrekten Freiherrn von Thiel- mann lagen, schwammen wir im Golde, trotz­dem dieser der Arbeit etwas abgeneigte Staats­mann sich vom Reichstag nur höchst widerwil­lig neue Steuern aufdrängen ließ. Es waren im Verhältnis zu dem rasch steigenden Bedarf nur unbedeutende Summen, und bald zeigte sich, daß die Reichsfinanzen in weit größenn Zuge würden reformiert werden müssen. Thiel- mann ging und Stengel kam. Die politischen Verhältnisse im Reich waren wenig erfreulich, und der Reichstag war nicht so geartet, daß man von ihm eine großzügige Steuerbewilli­gung hätte erwarten können. Bülow hatte sich auch seinerseits noch nicht zur rechten Energie aufgerafft; und wenn er auch Herrn von Sten­gel berufen hatte, um mit ihm möglichst um­fangreiche Steuergesetze durchzuführen, so wollte er sein eignes Schicksal doch nicht vom Zufallspiel dieser Steuergesetze abhängig ma­chen und ließ Stengel in seinen Röten so sehr allein, daß diesem nicht einmal die offiziöse Presse zur energischen Vertretung seiner Pläne zur Dersügung stand! Dann änderte sich die politische Lage: Der Erfolg der Blockwahlen gab dem Fürsten Bülow neue Energie und neue Hoffnung, und endlich erkannte er, daß es seine Aufgabe sei, sich mit allen Kräften und mit aller Verantwortung einzusetzen für eine wirklich großzügige, auf längere Zeit hinaus die ewigen Nöte bannende Rpichsfinanzreform. Mit dem Block wollte er sie machen, und Herr Sydow kam an Stengels Stelle als Reformator der Reichsfinanzen ins Schatzamt.

Als die Reichsfinanzreform dann auch Wirklich angekündigt wurde, stand das Zentrum noch grollend abseits, und Fürst Bülow unter­ließ die gewohnten parlamentarischen Abende, weil fast der halbe Reichstag die Abgabe der Karte bei ihm unterlassen hatte. Die Minister und Staatssekretäre der Block-Aera wurden vom Zentrum geschnitten, und es herrschte all­gemein dieStimmung des Unbehagens. Da aber begab es sich, daß Herr Matthias Erz- b e r g e r gegen die Gesetze des Konvents der Zentrumssenioren verstieß: Persönlicher Ehr­geiz, überall als Hauptmacher dabei zu sein, und die Erkenntnis, daß nur die Reichsfinanz­reform Gelegenheit bieten könne zur Wiederein­führung des Zentrums in die parlamentarische Macht, vereinten sich in ihm, trieben ihn nach der von seinen Fraktionskollegen ängstlich ge­miedenen Wilhelmstratze, und in Shdows Ak­tenschränken häuften sich bald die Steuervor­schläge Erzbergers, der schon in den ersten vor­bereitenden Stadien der großen Reichsfinanz­reform in die Rolle des heimlichen Säk- kelmeisters aufrückte. Anfangs zwar vex- kündete er in der Presse mit Emphase, die Be­darfsberechnung Shdows nicht anzuerkennen, und in allen möglichen Organen führte er un­ausgesetzt denNachweis", daß statt der gefor­derten fünfhundert Millionen höchstens einige dreihundert nötig feien. Während er aber vor der Oeffentlichkeit in dieser Weise gegen Sydop Oppositton machte, arbeitete er im stillen Kämmerlein einen Steuervorschlag »ach dem andern aus.

Wenn wir uns recht entsinnen, ist in Sy- dows Gesamtplan von den Anregungen des heimlichen Säckelmeisters nur die Elektri- »itätssteuer ausgenommen worden. Viel­leicht war auch die Jnseratensteuer auf Matthias Erzberger zurückzuführen. Jedenfalls imd indessen in der Angelegenheit seinem Hirn nur diejenigen Vorlagen entsprungen, die der Reichstag später verworfen hat. Die meisten seiner Vorschläge aber haben gar nicht einmal das Licht der Oeffentlichkeit erblickt, wenigstens nicht im Rahmen der amtlichen Steuervor- Ichläge. Die größte Rolle spielte darin die Verstaatlichung der Feuerversiche­rung, die zugleich in der Richtung des Ver- sichrrungszwanges ausgebaut werden sollte, und von der Erzberger sichgoldne Berge" ver- wrach. Die weiteren Vorgänge sind bekannt: 2us der privaten Mitarbeit Erzbergers an den Vorarbeiten für die Steuervorschläge wurde tc offizielle Mitarbeit des Zentrums mit al­lem, was dazu gehörte. Die Gestalt, die das Zentrum den Steuergesetzen geben half, veran­laßte dann den neuen Wechsel im Reichsschatz ami: und es erscheint nur erklärlich, daß nach ittem Wechsel Erzberger sich noch viel mehr als geheimer .Säckelmeister fühlen konnte. In

bezug auf das rücksichtslose Gebot der Spar s a m k e i t (die im Hinblick auf die Zukunst in vielen Punkten doch schließlich eine recht un­rationelle Sparsamkeit ist, für die Gegen­wart aber den Schein erwecken soll, als ob die Steuergesetze taffächlich auskömmliche Erträge lieferten) ist Erzberger mit Herrn Wermuth ein Herz und eine Seele. Beständig ermunternd steht er hinter dem offiziellen Reichssäckelmei- ster und unterstützt ihn auf das emsigste in dem Streben nach Sparsamkeit um jeden Preis.

Noch dieser Tage wieder verkündete er, man sehe erst schüchterne Versuche zur Sparsamkeit und es sei damit noch lange nicht auf der Höhe angelangt. Die einzelnen Ressortchrfs, die nicht aus noch ein wissen, denken darüber nun frei- lich ganz anders. Sie sehen sich gezwungen, die Vorarbeiten für den neuen Etat noch früher vorzunehmen als in alten Zeiten, um in mo­natelangem Mühen die Wege zu finden, den Ansprüchen des allmächtigen Schatzmeisters ge­recht zu werden. Unmittelbar nachdem der Reichstag den Etat für 1911 verabschiedet hatte, haben bereits die Etatsvorarbeiten für neun­zehnhundertzwölf begonnen, und zwar ist den Ressortchefs im wesentlichen die Aufgabe ge­stellt, die Ausgaben nicht über das Maß des Etats für neunzehnhundertelf anwachsen zu lassen. Da nun aber in allen Ressorts der Auf­gabenkreis und das natürlich eBedürfnis der Ausgabenentwicklung beständig wächst, so muß ür neunzehnhundertzwölf an allen Ecken und Enden wohl noch größere Einschränkung geübt werden als für neunzehnhundertelf, und es ist unvermeidlich, daß Ausgaben zurückgestellt werden, die sich in der Folgezeit viel höher teilen werden, als wenn man die betreffenden Arbeiten rechtzeitig in Angriff zu nehmen ver­möchte. D i e fePolitik! der Sparsamkeit" ist nichts weniger als weitschauönd, und sie wird uns über kurz oder lang sicher recht teuer zu tehen kommen. Der ganze Ehrgeiz Erzbergers geht offensichtlich dahin, dermaleinst ganz die Herrschaft über die Reichsfinanzen in die Hand zu bekommen, und wie's dann kommen wird, läßt sich einigermaßen ahnen, wenn man dieSteuersindekunst" des ruhigen Herrn aus Herrn Dokwr Shdows Kummerzeiten sich in der Erinnerung zurückruft. DerWirkliche Ge­heime Säckelmeister des Reichs" spinnt Riesen- iläne und mann kann's verstehen, daß es sogar Herrn Wermuth in der Nähe eines so unheim­lich produktiven Steuersuchers einigermaßen schwül wird . . **

Hamond, Maimon und ßornp.

Die Pariser Skandalaffäre«. sPrivat-Telegramm.)

Paris, 24. April.

Ser Untersuchungsrichter Boucard nahm am Sonnabend wieder die Untersuchung in der Spionageaffäre im Ministerium des Aeußern vor. In Gegenwarat M a i - mons wurden alle bei ihm beschlagnahmten Papiere geöffnet. Maimon gestand ein, daß ihm diese Papiere sämtlich von dem Konsulatsschü­ler R o u e t übergeben worden seien, und daß er sie nur für seine Zeitung gebraucht habe. Rouet hat dem Untersuchungsrichter einen Brief überreicht, worin er mitteilt, daß er der Einzige gewesen, der Nachrichten befördert habe. Er ge- stand ferner ein, die Nachricht über das rus­sisch-deutsche Abkommen in Potsdam an Maimon übermittelt, sowie Berichte ange­fertigt zu haben, die Einzelheiten über die Ei- senbahnfrage in Asien enthielten. Maimon und Rouet sind somit des Verrats überführt.

Ein neues SensatiSvchen. sPrivat-Telegramm.)

Paris, 24. April.

Eine neue peinliche Affäre, die mit den Machenschaften im Ministerium des Aeu­ßern im Zusammenhang steht, beschäftigt die Blätter. Es handelt sich darum, daß um den geringfügigen Preis von fünfhundert Francs eine Konzession in Tunis vergeben wurde, und zwar durch den Einfluß eines ber- vorragenden Politikers. Nachträglich stellte es sich heraus, daß diese Konzession Millionen wert war. Der erste Konzessionär aber stützte sich darauf, daß die ihm zugestandenen Rechte in aller Form verliehen wurden, und strengte eine Klage gegen jenen aktiven Politiker an. Das Gericht wird nun zu enffcheiden haben, inwieweit jener Polittker berechtigt war, im Namen des Staates die Konzession zu verlei­hen. Man erwartet sehr interessante Enthül­lungen. da in die Anaeleaenbeit auch noch an­

dere bekannte Persönlichkeiten verwickelt sein sollen.

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Hamonüs Bekenntnis.

((Privat-Telegram m.)

Paris, 24. April.

Gestern wurde der wegen der Betrügereien im Auswärttgen Amte verhaftete Finanzchef Hamond einem Verhör unterzogen. Am Schlüsse des Verhörs fragte ihn der Untersu­chungsrichter, ob er außer den siebenundsiebzig­tausend Francs aus der Kasse des Auswärtt­gen Amts noch andere Summen unter­schlagen habe. Nach längerem Zögern gestand Hamond ein, daß er insgesamt zweihun- derttausen Franks sich angeeignet habe, die eine private Person für Konsulate im Orient gestiftet hatte. Dann versicherte Ha­mond, hiermit habe er alles gestanden; sonstige Verfehlungen habe er sich nicht vorzuwerfen, und es würde auch nicht möglich gewesen sein, ihm die Unterschlagung der zweihunderttausend Franks nachzuweisen; er wolle durch ein offe- rres Geständnis aber sein Gewissen erleichtern.

Russische Intimitäten.

Graf Witte kontra General Kuropatkin. (Von unserem Korrespondenten.)

Petersburg, 22. April.

Der Konflikt, der soeben zwischen dem Grafen Witte und dem General Ku­ropatkin ausgesprochen ist, hat ein Vor­spiel in einer Affäre, die bereits vor einem Jahr die Petersburger Gesellschaft in lebhafte Aufregung versetzte. Damals war zwischen dem Generaladjutanten Kuropatfin und dem Grafen Witte eine Verstimmung eingctre- ten, die auf folgende Ursache zurückzuführen war: Graf Witte hatte in der Nikolai-Jnge- nieur-Akademie einen Vortrag gehalten, in dem er gegen den General Welitschko wegen gewisser Aeußerungen, die dieser in einem Vortrag getan hatte, polemisierte. Graf Witte chloß mit folgenden Worten:

Wenn somit unsere arme Heimat nicht imstande ist, mit irgend etwas fertig zu wer­den, fe liegt es nicht an den Finanzen, son­dern an etwas anderem: Vor allen Dingen an unserer Unausgeglichenheit, zu­weilen am Mangel von Heroismus, nicht nur des kriegerischen, sondern auch des bür- gerlicken Mutes. So verfügten unsere größ­ten Feldherren Ssuworow und Kutosow nicht nur über militärischen Heroismus, son­dern sie besäßen auch bürgerlichen Mut, der sich auch darin äußerte, daß sie schwei­gend die Widerwärtigkeiten des Schicksals er­trugen, ohne ihre Mißerfolge auf andere zu wälzen.

General-Adjutant Kuropatkin erblickte nun in den letzten Worten eine persönliche Beleidigung und sprach auch dieses in ei­nem Brief aus. den et dem Generalleutnant Welitschko zur Beförderung übergab, indem er gleichzeitig Rudanowski ersuchte, an bett Un­terhandlungen teilzunehmen. Graf Witte be­vollmächtigte nach dem Empfang des Briefes den General-Adjutanten Swjatopölk-Mirski zu den Unterhandlungen mit Kuropatkin. Die Ge­neralleutnants Welitschko und Rudanowsfi, Generaladjutant Fürst Swjatopolk-Mirski er­klärten nun, daß sie es vor allen Dingen für ihre Pflicht hielten, festzustellen, ob eine per­sönliche Beleidigung vorliege.

Einerseits könnten die eingangs erwähnten Worte zu Annahmen Anlaß geben, die für General Kuropatfin beleidigend sind; ande­rerseits sei ein Name nicht genannt worden, und da der Redner zweimal das Fürwort unser" gebraucht habe, sähen sich die Bevoll­mächtigten genötigt, den Grafen Witte um die Erklärung feiner Worte zu bitten und ihn aufzufordern, er möge, wenn er feine Worte nicht persönlich gegen den General-Ad­jutanten Kuropattin gerichtet, diese kategorisch erklären. Auf dieses Ersuchen, teilte Gras Witte mit, daß er die Behauptung, er habe an bürgerlichem Mut in der Epoche der Wir­ren gefehlt, auf alle, sich selbst nicht ausge­nommen, bezogen.

Aus diesem Grunde, schloß Graf Witte feine Erklärung, bedauere ich aufrichtig, die Worte gebrochen zu haben, weil sie persönlich auf- gesüßt worden sind. General-Adjutant Kuro­pattin erklärt sich durch diese Worte für befrie- dtgt und auch die Bevollmächtigten bezeichneten die Affäre als beigelegt. Trotzdem hat Gene- ral Kuropattin auch aus anderen Wendungen des Grafen Witte fchfießen dürfen, daß er bei dem damaligen Vortrage besonders auf Ku­ropatkin abgezielt habe. Der Gegensatz zwischen den beiden Männern blieb latent, bis er jetzt von neuem zum Ausbruch aekommen ist

und jedenfalls auch nicht wieder beigelegt wer­den kann, bis der eine von ihnen die Waffen streckt -eg-

Sie neueren Katastrophen.

Ein Grubenunglück in Westfalen.

(Eigene Drahtmeldungen.)

Wie uns aus Dortmund depefchiert wird, ereignete sich gestern abend auf der ZecheL u* k a s" ein folgenschweres Grubenunglück. Soweit bis jetzt festgestellt, wurden durch gif­tige Gase fünfzehn Bergleute be­täubt. Einer ist bereits tot, bei mehreren anderen liegt Lebensgefahr vor. Die Dort­munder Feuerwehr wurde fofort benachrichtigt und rückte mit Krankenwagen und Bahren aus. Es gelang ihr auch, die Bedrohten aus der Grube zutage zu bringen. Ein weiterer Draht­bericht meldet uns über das Unglück folgends Einzelheiten:

Dortmund, 24. April.

23ie ich erfahre, ist das Unglück dadurch entstanden, daß ein Flöz in Brand ge­riet; bei dem Versuch, den Brand durch Errichtung von Mauern abzudämmen, wur­den die Leute durch die Rauchschwaden be­täubt; es mußte die Feuerwehr alarmiert werden, die nach und nach, bis gegen zwei Uhr nachts dreißig Betäubte aus der Grube nach oben brachte. Von diesen sollen zwei gestorben feilt. Eine unzählige Menschenmenge drängte sich die ganze Nacht hindurch auf dem Zechenplatz, um Näheres über das Unglück zu erfahren. Zwei Aerzte waren anwesend, um den Kranken die erste Hilfe angedeihen zu lassen. Unter den Toten befindet sich auch Grubeninspettor Lim- berg, der sich am Rettungswerk Beteiligt hatte, und selbst ein Opfer der Katastrophe wurde. Bei dem Rettungswerk verunglück­ten auch zwei Feuerwehrleute; sie wurden in äußerst bedenllichem Zustande inS Krankenhaus gebracht, und es ist kaum Aus» sicht vorhanden, sie am Leben erhalten zik können.

Ein anderes Grubenunglück wird uns tele­graphisch aus Paris gemeldet: In der Grube der GesellschaftE s c a m p e" bei Douay wur­den durch einen plötzlich eingetretenen Erdrutsch zwei Bergleute getötet, drei andere lebens­gefährlich verletzt. Es ist ein glücklicher Zufall zu nennen, daß nicht noch mehr Bergleute ver­unglückt sind, da sich der Erdrutsch zu einer Zeit ereignete, als mehrere hundert Arbeiter sich in der Grube befandet-

Die Katastrophe von Grahamstown.

(Privat-Telegramme.)

London, 24. April.

Wie aus Kapstadt telegraphiert wird, stürzte ein Zug der Kowie-Eisenbahngefell- ch a f t mit sechzig Passagieren von der in bet Nähe von Port Alfred bei Grahamstown ge- egenen Blaukranzbrücke, die eine tiefe Felsen- chlucht überspannt. Die Lokomotive und die Tender stürzten nicht mit. Zahlreiche Personen wurden getötet und viele andere mehr oder minder schwer verletzt. Der Schauplatz der Ka­tastrophe liegt in der Division Bathurst der Britisch-südasrttanischen Kapkolonie, östlich von der Algoa-Bai. Ein neueres Tele­gramm gibt von der Katastrophe folgende Schilderung:

Als der von Port Alfred nach Grahams- town fahrende Zug gestern vormittag über die Blaukranzbrücke fuhr, stürzte diese ein, und der, die Passagiere enthaltende Teil des Zuges siel (wie bereits gemeldet) in die Schlucht. Nur die Lokomotive und zwei Güterwagen entgingen dem Absturz. Ein Rettungszug mit Aerzten und Ambulanzen wurde von Grahamstown abgeschickt. Die Brücke überspannt einen zweihundertfünfzig Fuß tiefen Abgrund in einem Bogen und war baukünstlcrisch die eleganteste Brücken- anlage in der Kolonie. Die Anzahl der To- ten wird mit zwanzig, die der Verwunde­ten mit fünfunddreistig angegeben. Unter den Toten sowohl roic unter den Ver­wundeten befinden sich viele Frauen und Kinder. Ter Schaffner sprang vom Zuge und enttarn unversehrt. Man glaubt, daß noch mehrere Europäer und Eingeborene un­ter den Trümmern liegen, die schnell fortge­räumt werden.

Eine weitere Unglücksnachricht geht uns aus Wittenberg zu: VVn einem Zug» wurde gestern nachmittag aus dem Niveauüber­gang der Chaussee Gräfenhainichen-Bitterfelb bas dem Landwirt Wilhelm M ü l l e r in Grö­bern gehörige Fuhrwerk überfahren und daher die In,assen, der Besitzer und fein sieb- zehniahnger Sohn, getötet. Das Gespann