Nr. 118
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Erster ZahkMang.
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Sie Strandung der „Prinzeß Stene
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Die Rettung der Passagiere: Tas Rettungsboot bei der Arbeit.
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Lotte hörte jedes lobende Wort, doch still und stumnl ging sie neben der Mutter her. Die alte Dame sah ihre Tochter von der Zeile prüfend an, sie ahnte wohl, was in der Seele ihres Kindes vorging, doch sie wagte nicht zu fragen, sic wußte ja aus eigener Erfahrung, daß
sich in geradezu m u st c r h a f t c r Ordnung. Innerhalb nur fünf Stunden brachte man die Personen an Bord des Passagierdampfcrs „Prinz Friedrich Wilhelm", der die Schiffbrüchigen unter den Klängen der Schisfskapelle nach Rewvork brachte. Der Llovddampfer „Prinzeß Irene" konnte tags darauf wieder flott gemacht werden. So hat dieser Unfall, der leicht eine große Katastrophe hätte werden können, weder den Passagieren noch dem Schiffe wesentlich geschadet. Daß die vielen Zwischendcckpassagiere nicht von einer Panik erfaßt wurden, ist der ruhigen Energie der Schiffsoffiziere zu verdanken.
1. Beilage.
Sonntag, 23. April 1911.
wgs, wenn sic auf sich angewiesen war, dann erlag sie oft den auf sic einstürmcnden Fragen und Gedanken und wußte nicht aus noch ein.
Es feblte ibr etwas, das fühlte sie.
Und so begann sie zu sinnen und zu grübeln.
Lin Spruch für unfrrr frantni
Bor der Mtz oyae firrn.
Vor dem Sjiinnirf ohne Strrn,
Vor der freu ohne
Mmächtign . . behüte! a. s.
Stille Helden.
Roman einer jungen Ehe, von Paul Blitz.
. 27» (Nachdruck verboten.)
- ' Es kam manchmal das brennend heiße Verlangen in ihr auf, doch auch wieder vinauszulaufcn in das Leben, in das schöne wilde Leben, und untcrzutauchen in dem Strudel, selbst auf die Gefahr bin, darin untergehen zu müssen. Aber dann blickte sie in die lieben treuherzigen Augen ihres Mannes, und dann verschwand diese Anwandlung ebenso schnell wieder, wie sie gekommen war, und alles blieb hn alten Gleise.
Auf einmal aber, wie sie so aufhorchcnd zu Gert hinblickte und int stillen sich darüber freute, wie stattlich und vorteilhaft er in der schmucken Uniform aussah. auf einmal kam ihr ber Gedanke: wie mag cs eigentlich in seiner Seele aussehen? Wenn er dich damals geliebt hat, dann wird er dich dock auch heute noch sieben! Sicher, es mußte ja so sein! Denn solche Liebe verflog doch nicht von beut auf morgen! — Und dennoch ließ er nichts davon merken. Das rückte ihn in ihren Augen no '- zohcr. Es freute sic, daß auch er all seine Gefühle so in der Gewalt hatte, daß er mit keinem Wort, mit keinem Blick verriet, was er für sic empfand und was in ihm vor zlng: das brachte ihn ihr in diesem Moment aoch näher.
Nach Tisch wurde wieder musiziert und man blieb plaudernd dann noch ein Stündchen zusammen.
Und eben, als man sich zur Ruhe begeben »Düte, kam eine unvorhergesehene Störung
Ein Meldereiter brachte Order vom 'Kommandeur.
- Gert las den Befehl und sagte dann- „Meine Herrschaften, es tut mir unendlich leid aber ich muß schon morgen früh meine Zette wieder abbrechen."
Erstaunen und Bedauern der Wirte.
„Tie Uebung ist um einen Tag verkürzt, wir sollen schon morgen vor den Feind kommen" Lächelnd zuckte Gert die Schultern.
„Das tut mir aber wirklich leib!" rief Berlow ausrichtig.
„Und mir nicht minder!" erwiderte der Maler ebenso aufrichtig.
' «Ach hatte mich noch auf einige interessante Abende gefreut!"
„Und ich erst! Aber was Hilsts, ein Soldat hat eben zu parieren!"
Lotte sagte nichts, aber das Herz war ihr -cbwer, zum Sterben schwer.
Ta der Aufbruch schon sehr früh erfolgen sollte, so sagte man sich schon jetzt adieu. Es war ein herzlicher Abschied. Als Halbfremder war er gekommen und als Freund ging er fort.
Ms er Lotte die Hand reichte, dachte er an den Blick von gestern abend, und deshalb sah er ne fest und scharf an, um sich Gewißheit zu ver- ,-Waffen: als sie ihn aber ruhig und freundlich ansäb und weder zitterte noch zuckte, da war auch et beruhigt, denn er sagte sich, daß er sich Zettern wohl geirrt haben mußte.
M, V’a> ruhig, freundlich und fest stand sie vor ihm. Nichts an ihr verriet, welchen Kampf sie innerlich durchgemacht hatte, feilt Zeichen zeigte, was in ihrer Seele vorgegangen war: Sie wollte sich durch ibn nicht beschämen lassen, so stark und sicher tote er toar, so wollte auch sie fein.
Und so gingen sie voneinander. * * *
Als Lotte am andern Morgen erwachte, war Gert schon lange fort. Aber ihre Gedanken iolgten ihm. Und sie fühlte, daß ihre Gedanken von nun an immer bei ihm fein würden.
Bertold toar noch ganz begeistert, als er von tbttt sprach: „Wie sehr er sich zu seinem Vorteil verändert hat, riesig gefreut bat mich das. Wie ein ganz anderer kommt er mir vor. Man sollte gar nicht denken, daß man sich in so kurzer Zeit jo direkt auffällig verändern kann."
Lotte nickte und pflichtete ihm bei.
.Offen gestanden," fuhr er fort, „zuerst hatte ta> ein wenig Ana st, daß das Zusammenleben sich steif u. peinlich gestalten würde, aber gottlob ist es nun gerade umgekehrt gekommen."
Gan, harmlos fragte sie: „Weshalb denn petNiich? Wie haben uns doch nichts getan."
.Nun, ich dachte eben, er hätte sich damals 6te eadje mit dir mehr zu Herzen genommen." _®’-e erbedie leise, doch ruhig antwortete sie: »Ach, das hat er wobl längst schon vergessen."
Lächelnd nickte er: „Jetzt glaupe ich das auch. FZ wird wobl nur so ein Strohseuer gewesen sein, das wieder leicht verpufft: nun u. er ernster und reifer geworden, und nun wird er wohl über das ganze Erlebnis lä- cheln. Waubst du das nicht auch?"
Grauenvoll, schaudervoll waren diese Qua» len.
Schneller als sonst kam der Winter näher und näher, schon wurden die Tage erheblich kürzer, und schon kam die Zeit, da die Dämmerung mit langem Schatten hereinbrach.
Aber dennoch blieb Lotte, sobald die häusliche Arbeit getan war, ihren liedgewordeneu Spaziergängen treu, denn im Haus vor den so ernst fragenden Blicken der alten Fran hielt sie cs nicht lange aus.
Eines Tages kam Bertold zu ihr und brachte einen ganzen Arm voll Musterbücher und Stoffproben mit; nun sollte es an die Umgestaltung der Jnnenräume gehen. Und da war es dann mit ihrer Grübelei vorerst vorbei. Stundenlang saßen sie und sahen sich die Vorlagen an und traten sorgfältig ihre Wahl. Endlich war alles fo weit erledigt bis aus den Plafond im Speisezimmer.
Und da sagte Bertold eines Tages: „Was meinst du dazu, wenn wir versuchten, Henn Rossow dafür zu gewinnen, daß er uns den Plafond malt und arrangiert?"
Sie toar einen Moment lang ganz sprachlos vor Erstaunen, dann aber huschte ein Sonnenschein der freudigen Erregung über ihr Gesicht.
„Run, wärst du damit einverstanden?" fragte er.
Und jetzt erwiderte sie: „Ach gewiß. Aber wenn nur Herr Rossow dafür Zeit haben wird." „Also, versuchen wir es eben. Gleich heute werde ich ihm schreiben."
Mit großen freudeschimmernden Augen sah sic ihm nach. — Also sie sollte ihn Wiedersehen, hier ihn Wiedersehen! — Wie ein Traum war es, wie ein herrlicher, einzig schöner Traum. — Doch auf einmal kam die mahnende Stimme des Gewissens. Und nun fühlte sie, daß es nicht geschehen dürfe; — nein, nein, er durfte nicht kommen! Um keinen Preis der Welt durste er nochmals hierher kommen! — Und sic sprang aus und wollte zu ihrem Mann hineinlaufen und ihm alles gestehen, ihm alles beichten, was in ihrer Seele lebte, — alles, alles sollte er erfahren und dann sein Urteil fällen! — Aber, als sie schon den Türgriff in der Hand hatte, fühlte sie, daß sie das entsetzliche Wott niemals würde aussprechen können, und deshalb ging sie nicht.
Also wurde der Brief noch am selbe« Abend ab geschickt.
Und nun vergingen ihr die Tage wie Ewigkeiten. Sowie sie den Postboten auf den Hof kommen sah, erbebte sie heimlich, und wenn es unauffällig geschehen konnte, war sie die erste, die unter den neu eingegangenen Postsachen Nachschau hielt. Aber fünf Tage lang suchte sic umsonst und marterte sich in qualvoller Ungewißheit. Am sechsten Tage endlich kam ein Brief von Gert.
Bertold las ihn lächelnd und reichte ihn dann seiner Frau bin
Bebend vor verhaltener Angst und Freude durchflog sie den Inhalt, — also er kam! — Sie atmete auf! — Zu Beginn des Frühlings, Anfang Mai, habe er Zeit, den Auftrag cms- znfübren, dann würde er kommen. Mit Augen, aus denen die helle Freude'strahlte, gab sie ihm den Brief zurück.
Ms er ihr sonniges Lächeln sah, sagte et heiter: „Jetzt bin ich direkt stolz auf meine Idee, denn wie ich sehe, habe ich dir diesmal wirklich eine Freude bereitet."
Da fuhr sie leicht zusammen, verbarg wieder ihr wahres Gesicht und entgegnete scherzend: „Vielleicht uns beiden, denn so viel ich weiß, warst ja auch du ebenso entzückt vov seinen Bildern, — stimmt das nicht?"
Fröhlich nickte er ihr zu und küßte sie.
Als dann Frau Sabine von dem neuen Plan erfuhr, konnte sie ihre Verwunderung nicht mehr unterdrücken, und ganz offenherzig sagte sic zu ihrem Sohn: „Mir scheint, lieber Bertold, du tust deiner Frau zuliebe doch manchmal ein wenig zu viel."
Mit heiterem Erstaunen sah er sie an.
„Aber, Mutting, was heißt denn das mm wieder?"
„Diese Einladung des Malers geschah doch selbstverständlich auf Wunsch deiner Frau."
Sein Erstaunen wuchs. Und lustig antwortete er: „Selbstverständlich, ist gut. Wieso ist denn das so seibstverständlich?"
Fragend, ernst, halb erschrocken, stand sie da.
„Oder hast du ihn vielleicht aus eigenem Antrieb eingeladen?" fragte sie endlich.
Belustigt nickte er: „Natürlich hab' ich das!"
Das begriff sie nicht. Der Boden unter ibr begann zu wanken. Sie mußte sich setzen. Wie war so etwas nur möglich?
Von dem Augenblick an stand es bei der Mutter fest, daß sie vorerst alle die geplanten Umzugsideen aufgab, — jetzt mußte sie hier bleiben, jetzt durste sie den Hof nicht verlasse«, denn jetzt mußte jemand da sein, der die Ange« offen hielt. Die Liede ihres Einzigen $n feiner jungen Frau war ja fn groß, daß er fbt blind vertraute. Run aber mußte jemand da feie, der mit schärferen Äugen sah, und bei vorüber wachte, daß mchrs geschah, was einen Makei auf den Namen des Hanfes brach«, mtb dafür war sie da, sie ’triJtbe von nun an wachen!
(Fortsetzusg folgt)
Die Strandung des Dampfers „Prinzeß Irene" des Norddeutschen Llovd hat für die über siebzehnhundert Passagiere des Schiffes keine Gefahr gebracht. Die „Prinzeß Irene" geriet (wir wir schon telegraphisch berichtet ha ben) infolge des Nebels auf eine der der Insel Fire Island bei Newyork vorgelagerten Sandbänke. Die Passagiere bemerkten zuerst nicht, daß das Schiff feftlag; als sie es aber erfuhren, blieben sie guten Muts. Von der Küste kamen sofort Rettungsboote und Schleppdampfer zu Hilfe. Da man die Hoffnung, das Schiff sofort freimachen zu können, bald aufgeben mußte, entschloß man sich, die Passagiere zu landen. Die Landung vollzog
es richtiger war, wenn man solche Seelenkämpfe sich still und allein austoben liefe.
Aber am Nachmittag, als Bertold schnell noch eine geschäftliche Angelegenheit erledigen wollte und sich für eine Stunde entschuldigte, da enffchlüpsie auch Lotte, um eine Freundin zu besuchen. Doch sie unterliefe den Besuch und ging noch einmal zu Schulte.
Und wieder saß sie in stummer, heißbeglück- ter Andacht vor den Bildern.
Still und bedrückt ging sie dann nach Hause.
„Run, Kindchen, wie war es? Hat sich Elsbeth nicht sehr gewundert?" fragte die Mama ganz harmlos.
Da sah Lotte wie entgeistert auf und antwortete: „Ich war nicht bei Elsbeth."
„Richt?" — Weiter sagte die alte Dame nichts, aber ihre Blicke ließen die Tochter nicht im Zweifel."
„Ja," entgegnete Lotte fast herb, „ich toar noch einmal bei Schutte."
Kein Wort Wetter fiel. Aber die Augen redeten eine wohlverständliche Sprache.
Und plötzlich lag die Tochter am Herzen der Mutter und weinte bitterlich ——----
Am andern Morgen dann überraschte sie ihren Mann'mit der Bitte, daß man mit dem nächsten Zuge wieder heimsahren möge.
Bertold^war mehr als erstaunt.
„Aber Schatzi, ich denke, du willst ein paar Tage Großstadtleben genießen? Und nun hast du die Sache schon nach dem ersten Tage so satt^daß du wieder ausreißen willst?"
Sie aber bat flehentlich: „Laß uns fahren! Es toar ein Irrtum von mir. Ich weiß jetzt, I daß ich mich in Buchenholm doch am wohlsten Mhle."
Das Wort tat ihm gut. Deshalb lächelte er. ihr stillbeglückt zu und erfüllte ihren Wunsch.
Und erst als sie wieder daheim war und in den herbstlich stillen Parkgängen einsam umher- toanbcln konnte, da erst sand sie Sammlung und Ruhe, nm nun über die Bilder Gert Ros- sows Nachdenken zu können. Aber da erkannte sie auch flar und bestimmt, daß nicht die Sehnsucht nach dem wogenden Leben allein sie hin- ausgezogen hatte, sondern, daß es allein nur @ert Rossow toar, der ihr jetzt so schmerzlich fehlte, — ihn, ihn suchte sie! Er toar ihr ganzes Lehnen gewesen! — Und als sie dies erkannte, kam von neuem diese nagende Angst vor der Zukunft über sie.
Sie liebte ihn, ihn nur allein! Sie hatte ihn, immer nur ihn geliebt!
Mit grausamer Wollust riß sie die Wunde von neuem immer wieder auf.
Und wie schwer hatte das Schicksal sie für den Fehltritt, den sie au ihrer Liebe begangen, nun gestraft! Welche unsagbaren Qualen mußte sie nun heimlich mit sich herumfchleppe»!
Zur Komödiantin wurde sie, -- falsches «Piel mußte sie ihrem eigenen Mann Vorspielen, denn sie durfte ihm doch nicht zeigen wie es in ihrem Herzen aussah! Sie, die so schlicht und.wahr erzogen war. deren Vater das personifizierte Pflichtgefühl war, sie lernte nun zu heucheln, lernte nun zu lächeln und treuherzig auszuschauerc, während in ihrer Seele etwas anderes, etwas ganz anderes lebte! In Gedanken betrog sie schon jetzt ihren Mann, der so volles Verrrauen zu ihr hatte! — So hatte das Schicksal sie gestraft, — fo tief war sie gefunfen!
und deren haben wir uns binnen kiirzefter Frist viele Tausende er- worben, richten wir die höfliche Bitte, die Casseler Neuesten Nachrichten in Bekanntenkreisen empfehlen zn wollen. Die Neuesten Nachrichten bieten für den verschwindend geringen Preis von 50 Pfg. monatlich (frei ins >)aus geliefert) eine reiche Fülle von Llnterhaltungsstoff. — Be- V stellungen werden fortgesetzt von allen Trägerinnen und unserer Ge- ■ schäftsstelle lColnischestr. 5> gegenüber derSpohrstr.) entgegen genommen.
^lejtoang sich z.......... ....... —
unö trifte thnt zu. Aber innerlich empfand sie -.ine Worte tote einen schmerzeuoen Stich. —
- Und nachts lag sie wieder stundenlang mit »nette« Augen.aa, starrte in die Dunkelheit bin- ein und zermarterte sich das Hirn, was nun tocraen sollte: unr; wiesen immer wieder kam üe zu dem Ausgangspunkt zm-sick, daß es seine Rettung, feine Hoffnung für sie gab, daß sie ’iir immer an die> Fessel geschmiedet war, die sie Nch selbst erwählt hatre.
itürchterttch. graufig war das!
und dasselbe, dieselbe Ouul, vtefelben na- Äenöen Gedanken, Tag für Tag, Nacht für -vchl. — zum Verzweifeln war das!
20 jchlichen ihr die Tage dahin. Wenn es zu arbeiten gab, bann ertrug sie eS, bann ar« reiieie sie für zwei, nur um nicht von ihren Gedanken gehetzt zu werden. Aber uachmit-
groß war ihre Bewunderung, daß ihr jedes lobende Wott wie eine Entweihung erschienen wäre. Mit pochendem Herzen ging sie von Bild zu Bild, eine förmlich weihevolle Stirn« -nung kam über sie, alle Alltagsgevanken ichwauoeu dahin, denn das Hehre, das Heilige, das jede große Kunst auf fühlende Herzen ausübt, es kam anck über sie und schuf ihr Mimt- teu von nie geahnter Seligkeit.
Auf dem Heiutwege sprachen die beiden Herren noch immer von der interessanten Ausstellung.
Die beiden Damen gingen vorauf. Und
Plötzlich bann wußte sie, was ihr not tat. Ihr fehlte das Leben, das Leben von draußen!
Seit er hier gewesen war und einen Hauch von dem frisch pulsenden Leben da braufeen hier hereingebracht hatte, seitdem erst hatte sie erkannt, wie einsam und Weltfern man hier lebte. Und nun kam eine unbezwingliche Sehnsucht über sie: Ja! Sie mußte hinaus, um jeden Preis!
Mit diesem Gedanken trug sie sich nun Tag für Tag herum, sie kam nicht mehr los davon.
Und einmal, als sie es nicht mehr ertrug, trat sie' zu ihrem Mann und sagte: „Bertold/ ich habe eine Bitte!" . . '
Fröhlich antwortete er: „Sie ist dir bereits im Voraus gewährt!"
„Sei vorsichtig, die Bitte ist groß."
Und wäre sie noch so groß, ich erfülle sie dir doch."
Da erwiderte sie ein wenig zaghaft: „Ich möchte auf ein paar Tage nach Berlin. Ich möchte die Ausstellung von Herrn Rossow sehen."
Herzhaft, lachte er. „Und das ist alles? Ich dachte Wunder, was du fordern würdest! Natürlich, schon morgen fahren wir! Auch ich bin gespannt, zu sehen, was er jetzt kann!" — Und er zog sie an sich und küßte sie.
So fuhr das junge Ehepaar nach Berlin.
Geheimrats wären nicht wenig erstaunt, als sie die Kinder so unerwartet eintreten sahen. Der alte Herr bekam eine helle Freude und küßte fein Töchterchen ein halbes Dutzeudmal hintereinander ab. Nur die Mama, als sie von Bertold hörte, daß man hauptsächlich der Ros- sowschen Ausstellung wegen gekommen fei, erschrak heimlich; doch viel größer wurde noch ihr Erstaunen, als der Schwiegersohn von dem unerwarteten Wiedersehen mit dem Maler erzählte.
Bei der ersten Gelegenheit nahm sie die Tochter unauffällig beiseite und sah ihr prüfend ins Gesicht.
Lotte fühlte sofort, was dieser Blick ergründen sollte, doch sie wappnete sich auch hier mit aller ihr zu Gebote stehenden Kraft, denn selbst die eigene Mutter sollte nicht ahnen, was in ihrer Seele vorging.
Noch am selben Tage gingen alle vier in den Schutteschen Kunstsalon. Die Erwartung war groß, aber das Erstaunen war noch größer, denn was man da an Bildern von Gert Rossow sah, das übertraf selbst die kühnsten Hoffnungen. Sogar der Geheimrat, der doch nie ein Freund des Malers gewesen toar, gab rückhaltlos zu, daß aus diesen Arbeiten ein ganz enormes Talent spräche.
Lotte war ganz sttll. In stummer Andacht
an. so
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