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Fernsprecher SSI und 952.

Sonnabend, den 22. April 1911.

Fernsprecher 951 und 952.

Steile Abenteuer?

Frankreich marschiert gegen Marokko!

Madrid, 21. April. (Privat-Te- legramm.) Rach Beendigung des gestri­gen Ministerrats teilte Ministerpräsident Canalejas den Vertretern der Preffe mit, daß sich die peffimistischen Gerüchte über die Lage in Marokko zu bestätigen schei­nen. Der vom spanischen Konsul in Fez entsandte Eilbote mutz ermordet worden sein, da er nicht in Tanger angekommen ist. Alle Meldungen aus Marokko scheinen zu bestätigen, datz Fez vondenRebellen erstürmt ist und zahlreiche Euro­päer dort umgebracht worden sind. Was wir jüngst in unserm LeitartikelMa- rokkana" voraussagten, hat sich erfüllt; rascher, als es nach den schwichtigenden Depeschen fran­zösischer Pressemanager aus den letzten Tagen anzunehmen war: Die Sturmwellen der Revo­lution schlagen über MuleyHafids Haupt- zusammen, in Fez herrscht die Anarchie mit Feuer und Schwert, und Frankreich, das den Augenblick gekommen erachtet, die blutig heran­gereifte marokkanische Ernte einzuscheuern, be­eilt sich, Trupen und Kriegsmaterial ins Mau­renland zu werfen, um im geeigneten Moment durch die Gewalt der Waffe» seine Herrschaft über Marokko proklamieren zu lassen. Dreitau­send Mann ausgewählter Truppen und Kriegs­material für einen auf Monde berechneten Feld­zug sind (Depeschen aus Marseille zufolge) be­reits nach Philippeville abgegangen und in aller Hast wird die Entsendung weiterer Trans­porte vorbereitet. Dies alles hat sich in wenig Tagen abgespielt: Noch in den Ostertagen be­richtete die französische Regierungspreffe von den Erfolgen der Sültantruppen gegen die Rebellen, und von der sichern Aussicht, daß es gelingen werde, die Ruhe im Lande wieder herzustellen, ohne daß Europäerhände ins Kriegsspiel einzugreifen brauchten. Vorgestern noch hieß es, Wuley Hafids Mahalla mar­schiere siegreich zum Entsatz von Fez vor; zwei Tage später hört das verwunderte Europa, daß Frankreich Truppen nach Marokko schickt!

Daß die Lage im Scherifenreich seit Wo­chen bedrohlich war, ergab sich aus privaten Meldungen, die, von französischem Interesse ungefärbt, die Situation im bedenklichsten Lichte erscheinen ließen. Am Quai d'Orsay in Paris war man dagegen emsig bemüht, durch Leruhigungsdepeschen die Aufmerksamkeit arg­wöhnender Nachbarn vom Marokko-Spiel abzu­lenken, und es scheint auch tatsächlich, daß dies der Kunst der Pariser Aktionsstrategen gelun­gen ist, denn die plötzliche Kunde von der Ein­schiffung französischer Truppen nach Casablanca hat allgemein verblüfft. Am meisten ist Spa­nien überrascht, das durch die raschen Maß­nahmen der Republik seine marokkanischen Interessen bedroht steht, und deshalb ebenfalls Anstalten trifft, aktiv in den Kampf um Muley Hafids Glück und Ende einzugreifen. Die wei­tere Entwicklung der Dinge kann nicht zwei­felhaft sein: Die Marokkaner-Revolution ist em­porgewachsen aus dem Haß der Mauren wider die Franzosen und aus der Erbitterung über die völlige Abhängigkeit des Sultans von fran­zösischem Einfluß und gallischem Gold, und wenn jetzt Frankreich .zur Widerherstellung der Ruhe und Ordnung im Lande" seinerseits zu den Waffen greift, um die Revolution nie­derzuschlagen, so kann es sich dabei nur um einen Kampf um Marokkos Selbständigkeit bandeln, der von den Mauren mit dem Mut und der Kraft der Verzweiflung, von Frank­reich aber mit allen Mitteln moderner Kriegs­technik und entsprechend dem auf dem Spiel stehenden politischen Interesse geführt werden wird. Wer in diesem Ringen am Ende Sieger bleiben muß, ist nicht schwer zu erraten: Frank­reich hat dann erreicht, was es seit Jahren klug und geschickt vorbereitet!

Das dünne Algeciras-Pergament- ch e n steht der Verwirklichung gallischer Pläne zurzeit allerdings noch hindernd im Wege, und es ist auch anzunehmen, daß der rasche Ent­schluß der Pariser Marokko-Männer die euro­päische Diplomatie unsanft aus dem Schlum­mer ausrütteln wird. Daß aber von irgend einer Seite ernstlich Schwierigkeiten bereitet werden könnten, wenn Frankreich über das nie­dergerungene Maurenland seine Hand ausrek- ken wird, steht nicht zu erwarten: Die Spuren von Algeciras schrecken! Allenfalls wäre an Spanien zu denken, dessen Ministerrat die ganze vergangene Nacht damit verbracht hat, die glücklichste Lösung des plötzlich wieder aktuell gewordnen Marokko-Problems zu er- Lrübel». Spanien, (dessen König im Früb-

lenz erst die mauretanische Interessensphäre in- svizierte) will? Frankreichs Beispiel folgen und auch seinerseits Tmppen nach Marokko entsen­den, um sich ebenfalls an der .Wiederherstellung der Ruhe und Ordnung" tatkräftig zu beteili­gen. Zwischen den beiden Interessengruppen lauert die Gefahr: F r a n k r e i ch, das sich mit Spanien in die Ausübung der Polizeirechte im Scherifenland teilt, wird nicht geneigt sein, seine Pfade vom schwächern Nachbar störend kreuzen und die sorglich kalmlierte marokka­nische Rechnung infrage stellen zu lassen; Spanien wiederum erblickt in der plötzlichen Kriegsaktion des Partners eine ernste Gefähr­dung wichtiger Interessen in einem Lande, des­sen Unterwerfung unter Frankreichs Herrschaft für Spanien bedenklich sein müßte, und wird deshalb bemüht sein, zu retten, was noch zu retten ist. Viel wird's freilich nicht sein: Ma­rokkos Selbständigkeitnahtihrem Ende, und was sich in der weitern Entwick­lung der Dinge noch an Ereignissen ergeben kann, sind Abenteuer, deren politische Be- deuttmg sich heut noch nicht abschätzen läßt.

F. H.

Die Franzosen marschiere«!

(Telegraphische Meldungen.)

Aus Marseille berichtet uns ein P r ft vattelegramm: Die Regiemng hat außer demVin-Long" noch zwei weitere Dampfer gechartert, die bereits nach Philippeville abge­gangen sind, wo sie dreitausend Mann Truppen, fünfhundert Pferde und entspre- chendesKriegsmaterial an Bord nehmen werden. Nach den letzten Meldungen aus Marokko hat die unter dem Kommando Remonds stehende Mahalla, die am zwölften. April viertausend Rebellen mit erheblichen Verlusten zurückschlug, mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Sie befindet sich gegenwärtig etwa vierzig Kilome­ter nördlich von Fez. Ein weiteres Telegramm berichtet:

Paris, 21. April.

Ueber die Operationen in Marokko wird offiziös gemeldet: Die voni Schauja- gebiet nach Fez marschierende Harka wird etwa zweitausend Mann stark sein und von einem Cadre algerischer und französischer Instrukteure, sowie von mehreren Ar­tillerieabteilungen begleitet sein. Die Ver­stärkung der militärischen P o st e n auf dem rechten Ufer des Mulujafluffes soll die Ruhe aufrechterhalten. Die Regierung habe General Toutö Freiheit gegeben, über seine gesamten Streikräfte zu verfügen, um die Sicherheit des Grenzgebietes zu gewähr­leisten. In politischen Kreisen beurteilt man die Lage in Marokko als autzerordent- l i ch ernst, und es ist deshalb anzunehmen, datz die militärischen Matznahmen Frank­reichs viel umfangreicher find, als offiziös zugestanden wird. Sicher ist jedenfalls, datz der Plan der Truppen-Entsendung viel w e i t e r g e h t, als in der offiziösen Kund­gabe angedeutct ist.

Schließlich wird uns noch telegraphisch aus Madrid gemeldet: Obschon die pessimistischen Nachrichten aus Marokko längst erwartet wa­ren, machten sie hier doch tiefen Eindruck. Alle Präfekten und Militärbehörden bestäti­gen. daß der Aufruhr allgemein ist. Man glaubt annehmen zu dürfen, daß alle Euro­päer in Fez umgebracht sind. Mini­sterpräsident Canalejas erklärte gestern Inter­viewern, Spanien werde sich an keiner kriege­rischen Aktion beteiligen, aber es f$t möglich, daß Spanien Vorsorge treffe für etwaige Rückwirkungen, die die Ereignisse aus­üben könnten. Das heißt mit andern Worten: Das Vorgehen Frankreichs wird auch Spanien zu entsprechenden militärischen Maßnahmen veranlassen.

Ter Kaiser als MSceu.

Die Ausgrabungen auf Korfu.

(Eigene Drahtmeldung.)

Korfu, 21. April.

Der Wunsch des Kaisers, die Leitung der Ausgrabungen in Garitza persönlich zu übernehmen, ist dank dem Entgegenkommen des Königs der Hellenen und der griechischen Regierung erfüllt worden. Gestern abend traf König Georg von Griechenland am Schauplatz der Ausgrabungen ein und überbrachte dem Kaiser persönlich die Mitteilung von seiner und der griechischen Regierung Entschließung, dem Kaiser das Ausgrabungsrecht in Korfu zu überlassen. Damit ist dem Kaiser die oberste Leitung bei den Grabungen und der deutschen

Wissenschaft erneut ein Gebiet reicher Betäti­gungsmöglichkeit zugefallen. Um die Arbeiten sofort in großem Maßstabe in Angriff nehmen und möglichst persönlich fördern zu können, wird der Kaiser die nötigen Gelder zur vor­läufigen Weiterführung der Arbeiten bereit stellen. Im Auftrag des Kaisers übernimmt Professor Dörpfeld mit einem Stab deut­scher Gelehrten die Ausgrabungen, die sofort in großem Maßstabe ausgenommen werden sol­len. Die bisherige Ausbeute bei den Ausgra­bungen berechtigt zu dem Schluß, daß das ganze Gebiet, in dessen Bezirk dem Kaiser das Ausgrabungsrecht übertragen worden ist, außerordentlich reiche Schätze alt- griechischer Kultur birgt, die nun durch die Ausgrabungen der deutschen Wissenschaft zugänglich gemacht werden sollen.

Die Winzer von der Pfalz.

Der Kampf um die Winzerfreiheit. * (Eigene Drahtmeldungen.)

Die pfälzischen Winzer sind mit der Regie­rung unzufrieden, die ihnen in der Hanhabung der Rebschädlinge-Bekämpfung Vor­schriften aufgenötigt hat, in denen die Winzer eine Beschränkung ihrer Freiheit und einen Zwang erblicken, den sie nicht dulden wollen. Es ist deshalb vor einigen Wochen bereits im Gebiet der pfälzischen Hardt zu ernstlichen Un­ruhen gekommen, die es der Regierung geboten erscheinen ließen, Maßnahmen zur Beruhigung der erregten Gemüter in die Wege zu leiten. Es gelang auch, die Ruhe wiederherzustellen, doch scheint der eigentliche Grund der Erregung nicht beseitigt worden zu sein, denn am Mitt­woch abend und gestern ist es abermals zu Un­ruhen gekommen. Ein Privat-Tele- gramm berichtet uns darüber aus

Neustadt a. H., 21. April.

Am Mittwoch abend und im Laufe des gestrigen Tages kam es in dem Winzerstädt­chen St. Martin zu einem ernsten Zusam­menstoß zwischen Winzern und der Ab - r e i b e k o m m i s sio n. Es sollte ein Wein­berg zwangsweise abgerieben werden, wogegen die Besitzer protestierten. Auf das laute Schreien kamen weitere Leute herbei und unterstützten die Winzer in ihren Protesten, Die versammelten Winzer nahmen eine drohende Haltung ein gegen etwa drei­ßig Frauen, die die Abreibearbeit vornehmen sollten. Unterdessen kam eine Truppe Kon- trollpflichttger des Weges. Diese schlossen sich den protestierenden Winzern an. Es wurden Rufe laut: .Macht, daß Ihr herauskommt; Ihr habt hier nichts zu suchen usw." Ein Mann griff sogar zum Messer. Einer der beiden herbeigeeilten Gendarmen zog hierauf seinen Revolver und ttat dem jungen Manne entgegen. Schließlich kam es so weit, daß die dreißig Frauen, cingeschüchtert, da­vonliefen und die Arbeit somit unter­blieb. Ein Obstbaulehrer, der die Aussicht führte, wurde bedroht und mutzte vor der er­regten Menge fliehen» die drohte, ihn zu lyn­chen, wenn er auf seinem Posten ausharren werde. Die paar Mann Gendarmerie erwie­sen sich der Menge gegenüber als vollständig machtlos und es wäre sicher zu verhäng­nisvollen Ausschreitungen gekommen, wenn es nicht einigen besonnenen Mitgliedern der Abreibe-Kommission gelungen wäre, die Leu­te durch güfliches Zureden zu beruhigen und zum Auseinandergehen zu bewegen. Da die Regierung auf dem Abreiben der Rebstöcke besteht, drohenneueUnruhen und die Erregung der Winzer ist aufs höchste ge­stiegen.

Die Abreibungen der Rebstöcke, die zuerst den Winzern aufgegeben worden, oon diesen aber nicht ausgeführt worden waren, sollen jetzt zwangsweise auf Kosten der Winzer vorgenommen werden, und diese Anordnung der Regierung hat die Winzer aufs höchste erbittert. In verschiedenen Orten des pfälzischen Weinbaugebiets, in denen Frauen zur Vornahme der Abreibungsarbeiten von den Behörden eingestellt worden waren, wurden die Arbeiterinnen von den Winzern mit Mitz- handlungen bedroht, und weigerten sich deshalb, die Abreibungen vorzunehmen. Tie Winzer erblicken in der angeordnetcn Abreibung der Rebstöcke eine schikanöse Maßregel der Regierung, von deren Zweck und Notwen­digkeit sie nicht zu überzeugen sind.

München, 21. April. zTelearammun- sers Korrespondenten.) Die Lage des pfälzischen Weinbougebiets wird besonders da­durch erschwert, datz einzelne Bürgermei­ster, die mit den Maßnahmen der Regierung nicht zu frieden find, ihre Ehrenämter nied erleg en. So bat beute wieder der

Bürgermeister von Heinfcld, Josef Klein, sein Rücktrittsgcsuch eingereicht. Die Königliche Regierung will, eingedenk der französischen Winzerunruhen, mit aller Strenge vor­gehen. Sie hat bereits die weitgehendsten Matznahmen getroffen, und gegen eine Reihe von Winzern wird die Anklage wegen Landfriedensbruch erhoben werden.

Skandale en grar.

Lj... Pariser Moment-Bilder.

(Von unserm Korrespondenre«.)

Paris, 19. April.

Es ist wirklich eineEpidemie der Skandale* in Frankreich ausgebrochen: Skandal bet der Polizei, Skandal in einem Ministerium, Spio­nage-Skandal und Skandal um Stern und Band! Die Häufung der Sensationen rüttelt auch die Schläfrigsten aus jahrelanger Lethar­gie auf, und man sieht mit einem Male, datz im Verwaltungsbetrieb der Republik nicht nur manches, sondern erschrecklich vieles faul un- korrupt ist. Erstens: Der Polizei-Skan- dal! Er förderte zutage, datz einer der an­gesehensten Sicherheitsinspektoren, Gasto» War- , der ost von der Direktion der Geheimpoli­zei mit wichtigen Missionen betraut wurde, niemand anders war, als der in der Pariser Verbrecher- und Apachenwelt wohlbekannte Nick Carter",

ein Dieb und Mörder"!

Nick Carter" rechtferttgte seinen Spitznamen! Er hatte eine Doppelexistenz, die gewiß viele Autoren von schauerlichen Kriminalromanen inspirieren" wird! Als Familienvater galt Warz6 für hochachtbar; als Geliebter des Apa- chenstäuleinsLilas" genoß er hohen Ruhm unter den Messerhelden von Belleville. Jüngst wurde ein Einbrecher verhaftet namens Iac - quin, dem man nachweisen konnte, an einem Bankraub in der Rue Vivienne teilgenommen zu haben; der verriet WarzH als den Haupt­mann seiner Bande, aus Rache, weilNick" das aufgefundene Bargeld, 15 000 Francs, für sich behalten und mit seinerLilas" vergeudet hat- te. Jacquin erzählte, datz WarzS sich als Schlosser verkleidet in das Bankgebäude Zulaß verschafft hatte; er machte auch Andeutungen, daßNick", der den Apachen wertvolle Mittei­lungen über die Pläne der Geheimpolizei zu­kommen ließ, nicht unbeteiligt am Morde einer Mulattin, Berthe Roubin war. Diese Berthe war die Geliebte eines gewissen Camille Oger, der mitNick" gemeinsam

manch einträgliche» Raubzug

verübt, und sich dann von der Mulattin ge* ttennt hatte. Um sich zu rächen, hatte Berthe Roubin damit gedroht, WarzS zu verraten, und in der Tat waren anonyme Briefe bet seiner Direktion eingelaufen, die zu einer strengen Verwarnung Anlaß gaben. (Die Sicherheits­behörde nahm an, daß Warze in seinem Eifer/ nützliche Beziehungen mit den Apachenkreisen zu unterhalten, zu weit gegangen sei!) I» der Nacht zum zwanzigsten März fand man die Mulattin im berüchtigten Marrais-Viertel tot auf der Sttaße liegen: Ein Messerstich hatte sie mitten ins Herz getroffen! Kurze Zett dar­auf verschwand auch der vortreffliche Jnspettor Warzö, und gewisse Anzeichen Leuten darauf hin, daß der Gentleman auch hier seine Finger im Spiel gehabt hat. Nach ein paar Wochen tauchtNick" wieder auf, wandert (durch eine Maske raffiniert verkleidet) zum Justizministe- riunt und stellt sich freiwillig der Behörde. Er behauptet, unschuldig wie ein Engel zu sein, und hat im ersten Verhör Andeutungen durch­blicken lassen, die wie Drohungen klingen, und aus denen man schließen darf, datz Nick-Warz6 von allerlei peinlichen Dingen weiß und ent- schlossen ist» von dieser Kenntnis rückhaltslos Gebrauch zu machen, falls es etwa jemand ein­fallen sollte, ihn beim Kragen zu fassen. Paris ist starr vor Staunen! Dann die

Unterschlagungen im Ministerium.

des Aeußern! Auch eine Geschichte zu ernst­lichem Nachdenken! Der Direktor der Finanz­abteilung, Hamon, hat viel bedeutendere Summen unterschlagen, als man zuerst an­nahm. Er hatte so viel Vertrauen gefunden, daß die Minister ihm ihre Geheimfonds anver­trauten: Ganze zweihunderttausend Francs! Davon fehlten bei der Verhaftung Hamons 73 000 Francs. Aber diese Summe bildet nur den kleinsten Teil der von dem Di­rektor veruntreuten Gelder. Hamon hatte eine sehr kompliziertedoppelte" Buchführung er­funden, die ihm erlaubte, gewisse Beträge zweimal zu vermerken und selbst Beträge in Höhe von 25 000 Francs und mehr einzustrei­chen. Bis jetzt gelang es noch nicyt, die Mit­schuld anderer Personen bestimmt nachzuwei­sen: jedoch sielen schon lange die außerordent­lich kostspieligen Bauarbeiten am Quay d'Orsay und in den ausländischen Botschafts- und Kon- sulatsgebäuden auf. Die Botschafter protestier­ten ost gegen die Umbauten, die der Architekt des Aeußernministeriums, Chödanne, ver­ordnete. und die nach ihrer Meinung durchaus