Rrmnner 116. x 1* Jahrgang.
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Fernsprecher 951 und 952.
Freitag, den 21. April 1911.
Fernsprecher 951 «nd 952.
messne gewachsen, und der politische Kampf hat Marschroute ihm Vom Weißen Haus Vorge
schrieben wurde. Der Stein kam erst ins Rol-
Dinge zu Verwenden, die ihm, ihrer ganzen
lärm'. Gewiß: Die Unzufriedenheit der Massen
Einzelheiten:
Berlin, 20. April:
der Vorlage die Schuld trage.* Unser Berliner Bureau erfährt darüber folgende
Geht Valentiul um?
Nach Delbrück : Schorlemer-Lieser? (Von unserm Berliner Bureau.)
daß „nur sein untaktisches Verhalten bei der Beratung des Verfassungsentwurfs für die Reichslande an dem voraussichtlichen Scheitern
gerettet hatte, war man in politisch informierten Kreisen überrascht, daß man den Bewährten in der Stille des Ackerbaumini st eriums vergrub. Er war überhaupt als Moltkes Nachfolger im Ministerium des Innern ausersehen, bis sich im letzten Augenblick andere Dispositionen als erforderlich erwiesen und Herr von Dallwitz ins Polizeiministerium aufstieg. Damals wurde indessen Herrn von Schorlemer die Zusage erteilt, daß er ehestens „ein politisch ausgedehnteres Arbeitsfeld erhalten* werde. Und der Moment, in dem sich dieses Versprechen erfüllen soll, scheint nun gekommen zu sein. **
len, als der Botschafter auf seiner Amerikareise an der Columbia-Universität jene, jetzt vielerörterte Vorlesung hielt, in der er das Gottesgnadenprinzip der europäischen Monarchien einer außerordentlich scharfen Kritik unterzog. Die Meldung darüber verstimmte in Berlin ungemein und es wurden dieserhalb auch im Weißen Haus vertrauliche Vorstellungen erhoben, von denen Hill amtlich Kenntnis gegeben wurde. In den Verhandlungen über diese Angelegenheit soll sich dann Hill jede Beschränkung seiner persönlichen Meinungsfreiheit verbeten und erklärt haben, daß er entschlossen sei, seinen Berliner Posten, aus dem er sich n i e s o n d e r- lich wohl gefühlt habe, aufzugeben. Die Folge der darüber entstandenen Auseinandersetzungen war dann das offizielle Rücktrittsgesuch des Botschafters, das Präsident Taft mit Rücksicht auf die Lage der Dinge auch sofort genehmigte. Der Rücktritt Hills war durch den deutschen Botschaster beim Weißen Hause bereits zweiTage früher nach Berlin gemeldet worden, bevor die Oeffent- lichkeit Kenntnis von dem Abschiedsgesuch erhielt.
Das von Herrn von Bethmann Hollweg geplante „Lebenswerk*, die Schasfung einer Versassungsreform für Elsaß- Lothringen, droht schon während des Baues einzustürzen. Aber nicht den eigentlichen Baumeister, den Reichskanzler, soll das Wan-
Mexiko und Marokko.
Kriegsnachrichten aus zwei Erdteilen. (Telegraphische Meldungen.)
London, 20. April.
Die aus Washington hier eingetroffenen Telegramme besagen, daß die Situation in Mexiko nunmehr als bedeutend günstiger angesehen werde. Der Führer der Rebellen, der „rote Lopez", kam mit einer Anzahl seiner Leute über die Grenze und ergab sich dem amerikanischen Kommandanten. Danach zu schließen, wären also die gestrigen Alarmnachrichten der Londoner Blätter von einer neuen Niederlage der Bundestruppen falsch, und man hätte vielmehr mit einem Sieg der Bundestruppen zu rechnen. In einem in Washington veröffentlichten Telegramm des Präsidenten Taft an den Gouverneur von Arizona heißt es, daß Präsident Taft nur dann intervenieren würde, wenn der Kongreß die Verantwortung für ein Einschreiten Nordamerikas in Mexiko übernehmen werde. Der amerikanische Gesandte in Me- riko erklärte, er habe Informationen erhalten, die ihn zu der Ueberzeugung brachten, daß Präsident Diaz nunmehr bereit sei, von seinem Posten zu scheiden. Dieser Schritt sei jeden Augenblick zu erwarten. Die Rebellen sollen versprochen haben, ihre Operationen einzustellen, sobald die Abdankung des Präsidenten Diaz bekannt geworden sei. Den letzten Depeschen aus Mexiko zusolge erwartet man heute den entscheidenden Schritt des Präsidenten, worauf dann sosort die F r i ed e n s- verhandlungen ausgenommen werden sollen.
sich derart zugespitzt, daß man nur mit begründetem Bangen an die Tage denken mag, in denen die Entscheidung über des neuen Reichstags Sein und Art fallen soll. Ueberall Nervosität, Ruhelosigkeit, Kampflust und Groll: rechts und liills leidenschaftdurchglühte Agitation, grimme Befehdung des politisch Andersdenkenden und eine Gewissensweite in der Wahl der Kampfmittel, die ernstliche Sorge weckt. Das alles sind Momente, aus denen Unruhe und Unzufriedenheit von selbst emporwachsen, und die schließlich in der natürlichen Entwicklung der Dinge dazu führen, daß grade den Besten und Tüchtigsten im Volk die Freude an der Polittk und an allem, was mit ihr in Zusammenhang steht, vergällt wird. Daß es so gekommen ist, haben alle Parteien ohne Unterschied der Couleur verschuldet, und da Herr von Schwerin-Loewitz als Präsident des deutschen Volksparlaments über den Parteien steht, ist anzunehmen, daß auch seine Kritik am Wesen der Volksverhetzung sich nicht gegen eine einzelne Partei, sondern gegen die Auswüchse der Parteileidenschaftlichkeit überhaupt richtet.
Was soll nun der Staatsbürger, der nicht Neigung verspürt, sich in den Parteienkampf einzumischen, tun? Er findet weder rechts noch links auf der Walstatt des Haders verwandte Interessen; schaut überall dasselbe unerfreuliche Bild und empfindet schließlich eine erflär- liche Abneigung gegen Alles, was sich seinem Empfinden als Politik offenbart. Darin, liegt eben die Gefahr der Dinge: Das politische Interesse flaut ab, der unabhängig Denkende wird es müde, seine Aufmerksamkeit auf
Wie in Kreisen, die der Wilhelmstraße nahestehen, erzählt wird, soll Staatssekretär Delbrück die Karte zu früh gezogen haben, auf der die Gewährung von drei Stimmen für Elsaß-Lothringen im Bundesrate stand. Als die Arbeiten der Reichstagskommiflion unterbrochen wurden, um dem Bundesrat Gelegenheit zu geben, zu dem kritischen Punkt Stellung zu nehmen, ob dem Reichsland schon jetzt die Befugnisse eines vollberechtigten Bundesstaats zu gewähren seien, trat Staatssekretär Delbrück sofort mit der Ankündigung hervor, daß Preußen damit einverstanden sei, wenn Elsatz-Lothrin- gen drei (stimmen im Bundesrate erteilt würden. Trotz Abraten des Kanzlers soll es Delbrück auch gelungen sein, mit seiner Ansicht durchzudringeu, und somit eine wichtige Kompromißkarte aus der Hand zu geben. Erst bei einer etwaigen Krisis der Vorlage im Reichstag aber hätte Delbrück das Zugeständnis machen dürsen, um den Entwurs in den sicheren Hafen zu bringen. Durch die Konzession Preußens wurde bekanntlich ein heftiger Widerspruch des Herrn von Heydebrand und der Konservativen hervorgerufen, der dem ganzen „Lebenswerk* des Kanzlers gefährlich zu werden droht, denn ohne Zustimmung der Konservativen scheint die Regierung die Re- sorm nicht durchsetzen zu wollen. Da der Kanzler seine Stellung hüten will, so scheint es, daß der Staatssekretär von den Trümmern der Vorlage „erschlagen* werden soll. Bisher galt Delbrück stets als der „Minister der glücklichen Hand", der sich auch der ganz besonderen Huld des Kaisers erfreute. Ob Delbrücks eventueller Rücktritt auch mit der Abberufung Hills und den mißlichen Statt» Verhandlungen mit Amerika in Verbindung zu bringen ist. wird zurzeit in politischen Kreisen ebenfalls lebhaft erörtert, und es ist auch nicht von der Hand zu weisen, daß derartige Möglichkeiten bestehen. Als Nachfolger Delbrücks nennt man vertraulich bereits den jetzigen Landwirtschastsminister Herrn von Schorlemer-Lieser.
Hierzu ein paar Worte: Als Herr von Schorlemer-Lieser beim letzten großen Minister^ Revierement ins Bethmann-Kabinett berufen wurde, nachdem er nicht lange vorher die Wahlrechtspolitik des Kanzlers im preußischen Herrenbaus klua und ae!---nd« den Klippen
Fez von Rebellen geplündert!
(P r i v a t - T e l e g r a m m e.)
Wie aus Tanger berichtet wird, sind dort Gerüchte verbreitet, die von einer Empörung der Einwohnerschaft von Fez wissen wollen. Die Stadt sei von der wütenden Volksmenge geplündert worden und es sei den Sultanstruppen nicht möglich, die Ordnung wiederherzustellen. Eine Bestätigung der Meldung liegt allerdings noch nicht vor. Die letzten authentischen Nachrichten, die aus Fez vorliegen,datieren vom zwölften April und besagen, daß sich in der Stadt starker Wohnungsmangel bemerkbar mache, der in den niebern Volksschichten große Erregung Hervorrufe. Bemerkenswert ist, daß auf Anordnung der marokkanischen Behörden in Fez alle dort lebenden Europäer die landesübliche maurische Kleidung tragen müssen, woraus hervorzugehen scheint, daß man sich in Fez jeden Augenblick auf die Entscheidung über das Schicksal der Hauptstadt gefaßt macht. Seit fünf Tagen sind in Fez alle Läden geschlossen und die Europäer können ibre Häuser nicht verlassen. Alle Straßen nach Fez befinden sich in den Händen der Rebellen, so daß es schwer ist, von der Hauptstadt aus an die Küste zu gelangen.
XJtnge zu verwenoen, ore ryui, wjw -uuumt-vv-v*,
Wesensart nach, gleichgültig sind, und fc MW lende Gemäuer unter sich begraben. sondern ctnbifferenti8muS, der der einen „Handlanger*. Gegen den Staatssekretär ^innnihnritH^n Arbeit aeiäbrlicher werden im Reichsamt des Innern, den Staats- nationalpolttischen Arbeit gefahrilcherweiwen m {ltift er $ eIb IÜ wird in den Amtsstuben in der Wilhelmstraße der Vorwurf erhoben,
ist eine bedauerliche Erscheinung im politischen Leben der Gegenwart, und Diejenigen, die sie schüren, laben eine schwere Verantwortung auf ihre Schultern, und eine Schuld, von der sie niemand lossprechen kann. Aber gleich bedenklich ist sicher auch das Erkalten des politischen Interesses im Volk und das Schwinden jener Arbeitsfreudigkeit, aus der allein der Erfolg positiven Wirkens sprießen kann. Beide Uebel, die dem Auge immer deutlicher erkennbar werden, sind die natürliche Folge des wilden Parteienkampfs, der einerseits die Massen zum Fanatismus aufstachelt, andrerseits aber grabe bie besten Kräfte ber Volksgemeinschaft ber politischen Arbeit entfremdet. Wenn Graf Schwerin dieses Erbübel deutscher Politik in seinem „Ostergruß ans deutsche Volk* hat geißeln wollen, dann darf man ihm vorbehaltlos zustimmen und mit ihm die „Forderung des Tags" erheben: Einttacht, nicht Zwietracht! **
Warum ging Hw?
Das Verhängnis einer Vorlesung? (Telegramm unseres Korrespondenten.)
Berlin, 20. April.
Von einer, Regierungskreisen sehr nahestehenden Seite werden mir über bie Grünbe des plötzlichen Rücktritts bes amerikanischen Botschafters Hill folgende zn- berläffigen Mitteilungen zuteil: Es trifft zu, daß Herr Hill bereits kurz nach seinem Berliner Amtsantritt in einem Schreiben an den Präsidenten ber Union ben Wunsch ausgesprochen hat, von feinem Posten zurückzutre- ten, doch war dieser Entschluß auf bie Preß- äußerungen zurückzuführen, bie in jenen Tagen wegen ber angeblichen Steuerungen bes Kaisers über ben „wenig vermögenden neuen Mann* bie Oeffentlichkeit stark beschäftigten unb Herrn Hill peinlich berührten. Dazu kam, baß auch in amerikanischen politischen Kreisen, angeregt durch Jntriguen des früheren Botschafters Tower, Bedenken aufftiegen, ob Hill tatsächlich ber geeignete Mann fei, bie Union am deutschen Kaiserhof toürbig unb erfolgreich vertreten zu können. Auf einen beutlichen Wink von Washington hin nahm Botschafter Hill bamals von einem offiziellen Abschiedsgesuch Abstand unb seine fernere Tätigkeit in Berlin gestaltete sich dann auch recht leidlich, bis in der K a l i f r a g e neue Schwierigkeiten auftauchten, denen Hill sich nur wenig gewachsen zeigte. Tas allein würde aber noch nicht ben Anlaß zu seinem Rücktritt gegeben haben, da Hills Tätigkeit im . Kalikrieg" durch bie Washingtoner Instruktionen genau feftaefegt war unb die eigentliche
Bor der Entscheidung.
(EigeneDrahtmeldung.)
Paris, 20. April.
Die heute früh hier aus Tanger vorliegenden Depeschen über die Lage in Marokko lauten außerordentlich beunruhigend, und es scheint, daß ein entscheidender Schlag bevorsteht. Der Sultan schickte durch einen einflußreichen Scheich bie Summe von zweihundert tau send Franken an die Führer der ausrührerischen Stämme, um sie zur Unterwerfung zu bewegen. Ter Scheich kehrt« aber unverrichteter Dinge mit der Antwort zurück, daß die Stämme das Geld z u r ü ck w e f ■ seu und erklären, sie würden sich auf keinen Fall ergeben, es fei denn, daß der Kroßvezier ihnen ausgeliefert, der Standzoll aufgehoben und alle Franzosen aus der marokkanischen Ar-
«nttacht. nicht Zwietracht! ,
Auch ein „Ostergruß" ans deutsche Volk.
„. . . Nichts wirkt auf die Vaterlands- ' liebe so tötend, und erscheint mit daher vom vaterländischen Standpunkt aus so ■ verwerflich, wie das fortwährende Schüren unbegründeter Unzufriedenheit zu parteipolitifchen Zwecken. Eine solche Spekulation auf feine Unzufriedenheit, die ihm die Freude am Vaterlande raubt, follte sich baS deutsche Volk endlich einmal gründlich verbitten!" (Reichstagsprästdent Graf Schwerin-Löwitz in seinem „Ostergruß ans deutsche Volk.")
Gras Schweriu-Lcewitz.ber im deutschen Reichshaus bie Präsibentenglocke mit achtenswerter Umsicht schwingt, leistet auch als Schriftsteller Beachtliches unb seine „Öfter« grüße ans deutsche Volk* erfreuen sich besondrer Wertschätzung. Aus der diesjährigen Osterkundgebung des Grasen zitieren wir im Eingang des Artikels den Schlußpassus, der bie österlichen Betrachtungen des Reichstagspräsi- benten in eine Mahnung zusammenfaßt, bie gehört zu werden verdient. Ans wenige Worte gebracht, sollen die Sätze wohl heißen: „Parteipolitische Verhetzung trägt die Schuld an der schwindenden Vaterlandsliebe!" Sun ist es allerdings sicherlich mindestens ftaglich, ob wir ein Recht haben, von abnehmender Vaterlandsliebe im deutschen Volke, zu reden. Es ist wahr, daß die Zahl der politisch Verdrossnen ständig wächst. Es kann auch nicht geleugnet werden, daß die Art und Weise, wie sett Jahr und Tag die Parteien der Rechten und der Linken Agitation treiben, zahllosen Staatsbürgern die Freude am Parteileben vergällt, sodaß sie politisch heimallos werden. Schließlich muß auch zugegeben werden, daß das Vertrauen in die Autorität der Regierung feit den Kämpfen um die Reichsfinanzreform bedenklich erschüttert ist, unb bie Zahl ber sozialdemokratischen Milläufer bei allen Nachwahlen seitdem beständig anschwoll. Aber was hat das alles mit dem Gefiihl der Vaterlandsliebe zu tun? Ist diese erbitterte Betelligung an den Wahlen im Lager der äußersten Opposition nicht gerade ein Zeichen dafür, daß Tausende von Zeitgenossen auf diesem Wege unb durch diese Betätigung wenigstens noch etwas zur Gesundung der vaterländischen Verhältnisse beitragen wollen?_
Völlige Teilnahmlosigkeit dagegen wäre sicher ein viel bedenklicheres Symptom abnehmender Vaterlandsliebe. Auch die Abkehr von den alten Parteien bedeutet noch keineswegs einen Verzicht auf jede Mitwirkung an ber politischen Gestaltung der vaterlärtdischen Geschicke. Nur frei vom Parteiegoismus und Parteischematismus wollen bie mobernen Staatsbürger werden, unb es sind häufig die Besten und Einflußreichsten, die das erstreben. Gleichgültigkeit gegen das Vaterland liegt ihnen durchaus fern; eher könnte man fagen, daß sie sich aus besorgter Vaterlandsliebe von der Parteischablone emanzipieren, weil sie erkannt haben, daß auf den aus- getretnen Pfaden ber Parteipolitik keine durchgreifende Besserung für bas deutsche Volk geschaffen wird. Die Elemente, die sich zu dieser Erkenntnis durchgerungen haben, sind sichex nicht bie Erreger ber Unzufriedenheit, von denen bet Präsident bes Reichsparlaments sagt, daß es an ber Zeit sei, sich ihre Wühlarbeit enffchieben zu verbitten. Die Schürung ber Berbrossenheit unb Erbitterung wurzelt vielmehr im Parteigetriebe selbst, unb bie letzten Jahre haben ja auch hinlänglich erwiesen, wie weit es in dieser Hinsicht bei uns gekommen ist. Partei kämpft gegen Partei mit einer Erbitterung, als gelte es, ben Erbfeind nationaler Art unschädlich zu machen, und selbst im Lager derjenigen politischen Interessengruppen, die auf nationalem Boden stehen, verschärfen sich die Gegensätze in bedenklichster Weise, sodaß der Staatsbürger, der nicht im Bann eines engen Parteiprogramms befangen ist, sich besorgt fragt, ob denn unser politisches Leden wirklich so verseucht ist von Egoismus und Jnteressenllüngelei, wie es sich im Bild des Parteienkampfs darstellt.
Jst's ein Wunder, daß angesichts dieser Dinge die Freude an der politischen Arbeit immer geringer wird, und überragende Geister sich mit Händen und Füßen dagegen sträuben, in die Arena des Parteienkampfs hineinge- brängt zu werden?. Seit bie Reichsfinanzreform unter Ach unb Weh leiblich eingescheuert worben, hat ber Haber keinen Augenblick geschwiegen: Rechts unb links sind bie Erbitterung unb bie Leidenschaftlichkeit ins Unge-