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Stummer 115

! Jahrgang

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Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, den 20. April 1911

Fernsprecher 951 und 952.

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desDaily Telegraph" behauptet, das blu­tigste des ganzen Aufstandes gewe­sen sein. Wie gemeldet, beschloß die mexikani­sche Regierung sofort, die ihr von den Rebellen entrissene Stadt Agua Prieta, hart an der nordamerikanischen Grenze gelegen, wieder zu­rück zu erobern. Sie entsandte mittels Eisen­bahn eine 1000 Mann starke Abteilung nach Agua Prieta, während die Aufständischen min­destens 2000 Mann zählten. Der Kampf be­gann gleich nach Tagesgrauen; um halb sieben Uhr war er bereits im vollen Gange. Auf bei­den Seiten wurden Maschinengewehre gebraucht. Der Kampf begann mit einem über­raschenden Angriff der Regierungstruppen auf die von den Aufständischen besetzt gehaltene Stadt Agua Prieta. Die Ausrührer antworte­ten sofort mit einem heftigen Gewehrfeuer und viele Geschosse schlugen wieder in dem amerika­nischen Städtchen Douglas ein, wo gestern ver­schiedene Personen getötet worden sein sollen. Die Regierungstruppen standen unter dem Oberbefehl eines Sohnes des Präsiden- ten der Insurgenten zahlreiche Nordameri- ten der Insurgenten zahlreiche Nordamei- kaner kämpften. Die Verluste auf beiden Seiten waren groß, doch ließ sich die Zahl noch nicht genau feststellen. Neunzig vom Hundert der Bewohner von Douglas sind entschieden aufSeitender Rebellen und bereit, die­sen zu helfen. Verschiedene englische Zeiiungs- berichterstatter, die die Grenze überschritten hat­ten, hielten sich in nächster Nähe der kämpsenden Parteien auf und melden, daß sich die Regie­rungstruppen sehr gut gehalten, haben, und auch tapfer kämpften, aber schließlich, von der entschiedenen Uebermacht zurückgeschlagen wur­den. I» den Reihen der Ausständischen sollen sich auch viele Frauen als Kombattanten befunden haben.

gnfertiottSpteife: Die sechsgespaltene Seile für einheimisch- SeschSstelS Pf. für auswärtige Inserat- 2z M Netlamezeile für einheimisch- S-. rqäfr- 40 Pf für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnisch- Straße 5. Berliner Vertretung: sw, Friedrichstraße IS, Telephon: Amt IV, 676.

London, 19. April.

Das Gefecht, das am Montag zwischen den mexikanischen Regirrungstruppen und den In­surgenten stattfand, und das mit der Niederlage der ersteren endete, soll, wie der Korrespondent

DieCasseler Neueste Nachrichten- -rsch-in-n wöchentlich s-chSmal und zwar abends. D-rAbonn-m-ntSpr-iS beträgt monatlich SvPfg. bet freier Zu- st-llung ins Hau«. $ruderet, 8erlag u. Redaktion: Schlachthofstrab- 28/30. Berliner Vertretung: SW Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

Sie Helden von Agva Priets.

(Privat-Telegram m.)

Ernennung Tscharykows nicht zu erwarten. Immerhin aber darf man annehmen, daß Tscharhkow die Fragen des nahen Orients doch weniger stiefmütterlich behandeln würde, als dies gegenwärtig geschieht. Dementsprechend könnte man also im Fall seiner Ernennung mit einer etwas größer« Zurückhaltung Rußlands in Ostasien rechnen, was sicher dazu beitragen dürfte, die allgemeine politische Spannung zu mildern.

Daß Graf Aehrenthal am Ende seiner Tage stehe, haben wir erst jüngst in unserm Leitarti­kel:Für st en fahrt" angedeutct, und die Entwicklung, die die Dinge inzwischen in der Donau-Monarchie genommen haben, bestä­tigen diese Annahme. Im Habsburger Land hat sich in den letzten Jahren (seit die Annexion der Balkanprovinzen Oesterreichs Aktivität weckte und stärkte) überhaupt eine beachtliche Wandlung vollzogen, und man merkt in man­cherlei Geschehnissen deutlich die kraftvolle und stark zugreisende Hand des Thronfolgers, dessen Einfluß im Habsburger Regierungsgeschäft von Tag zu Tag fühlbarer wird. Franz Ferdinand hatte die Notwendigkeit einer Versöhnung mit Rußland schon erkannt, als Lexa Aehrenthal noch mit Kanonen nach dem Osten schoß, und es steht außer Zweifel, daß die letzte Begeg­nung des Deutschen Kaisers mit dem Thronfol­ger der Donau-Monarchie der Verwirklichung dieser Idee Wege gewiesen hat, in die idem Kundigen deutlich erkennbar) Oesterreichs Poli­tik inzwischen sacht und bedächtig eingeschwenkt ist. Mrd Aehrenthals Platz für einen Mini­ster ruffenfreundlicherer Stimmung frei, dann ist der Versöhnungspolitik der Weg geebnet und dieFrucht von Potsdam" kann sich dann ungestört entwickeln. In Zusammenhang da­mit darf auch das bevorstehende Fürstenrendez­vous in Wilhelmshöhe als politisches Ereignis bedeutsamster Art gewürdigt werden, das möglicherweise die Potsdamer Entrevue ergänzen, und der europäischen Friedens­politik Richtlinien zuweisen wird, an die in den Tagen des siebenten Eduard von England auch der Kühnste nicht zu denken wagte! **

Stern und Band en gras.

Der französische Ordens-Skandal.

(Telegraphische Meldungen.)

Unter den Pariser Skandalen, die beute die Morgenblätter füllen, ist die Geschichte des Ordenslieferanten Valensi. die am meisten interessante. Der Name eines früheren Ministers und einer Anzahl sozialistisch-radika­ler Deputierter wurde bereits in der Angelegen­heit genannt und dasEwig-Weibliche" spielt in der Komödie eine Rolle, wie sie ihr nur in

Paris, der Stadt der Frauen und der Freude, zuteil werden konnte. Ein Privat-Tele-- gramm berichtet über die Affäre folgende charakteristischen Einzelheiten:

Paris, 19. April.

Der Ausgangspunkt der Untersuchung war das ganz ordnungsmäßig ausgestellte Diplom derA k a d e m i s ch e n P a l m e n ", das der Avokat Valensi an den Kaufmann vanHoven verkaufen wollte. Das Diplom trug die Unterschrift des früheren Unterrichts­ministers Doumergue. Da es nicht an- zunehmcn war, daß Herr Doumergue selbst mit Valensi oder seinem Freunde Elementi in Verbindung gestanden, bemühte sich der Untersuchungsrichter, die Abkunft des Di­ploms aufzuklären und erfuhr von Elementi, daß es von einem Fräulen Juliette stammt. Fräulein Juliette war eine blonde Schönheit, die eine Zeit lang das leicht emp­fängliche Herz Doumergues in Flammen ge­setzt haben soll. Auf eine bisher noch geheim­nisvolle Art gelang es ihr angeblich, einige Blankowechsel auf Orden und Ehren in ihre zarten Hände zu bringen, und als schlechtere Zeiten kamen, wußte sie sich dieses Besitzes zu bedienen, um neue Freunde zu erwerben. Das ist die Geschichte des Fräulein Juliette. E l e m e n t i, der der eigentliche spiritus rector in der Ordensge­schichte gewesen zu sein scheint, rühmte sich auch noch der Bekannt schaftvonPar- lamentariern. Sicher ist daß eine An­zahl von Briefen im Besin Valensis gefun­den wurde, in denen Deputierte d -rch seine Vermittlung den Orden des tunesischen Ri- schan Jstikar für einflußreiche Wähler erba­ten. Sogar ein sozialistischer Abge­ordneter wi''d als Bekannter Valensis genannt. An einem Sommeriage neunzehn­hundertneun empfing der Maire voy Jvrh eine Sendung aus Tunis, in der s e ch s O r - d e it des Nischan Jftikars mit den gestempel­ten Diplomen enthalten waren. Ein Brief lag dabei, der dem verwunderten Maire mit­teilte, daß die bunten Schmuckstücke für seine Freunde bestimmt seien. Ge­nauere Erkundigungen zeigten, daß der Se­kretär des Bürgermeisters die Gesuche nach Tunis geschickt hatte. Der Sekretär war mit Valensi befreundet und von diesem selbst zum Offizier des Nischan Jstikarernannt" worden. Der Sekretär erzählte, daß Valensi durch eine sehr e x o t is che Dame auf die schiefe Ebene gekommen ist. Die Schöne führte den schwungvollen Namen E h a r - lotte de Eures de Eogolin und ist die Tochter eines höheren Beamten. Valensi trennte sich um ihretwillen von seiner Frau. Das sind einige Gestalten aus der Komödie vomRoten Halbmond von Marokko", als dessen Pariser Vertreter Valensi sich ausgab. Die Untersuchung erstreckt sich inzwischen auf eine Reihe von neuen Spuren, und es ist wahrscheinlich, daß noch eine ganze Reihe von bekannten Persönlichkeiten in die Affäre hineingezogen werden wird. Valensi hat den Orden- und Diplomhandel förmlich e n g r o s be t r i e b e n, und der Untersuchungsrichter hat bereits eine stattliche Liste von Personen anf- stellen können, die von Herrn Valensi mit dem Roten Halbmond von Marokko" und anderen schönen Sachen beglückt worden sind. Daß sich darunter auch zahlreiche mittlere und höhere Beamte befinden, gibt dem Skan­dal einen besonderen Reiz!

Set kommende Rundflug.

Cassel als Flug-Station.

(Von unserm Korrespondenten.»

Die Ausschreibung für den Deutschen R u n d f lu g 1911 um den B. - Z. - P r e i s der Lüfte von 100 000 Mark ist jetzt fertig­gestellt und dem Deutschen Luftschifser-Ver- bande zur Genehmigung unterbreitet worden. Ter B.-Z.-Preis der Lüste soll für die beste Gesamtflugleistung während des ganzen Rund­fluges gegeben werden, und zwar in ackt Un­terpreisen, deren erster 40000 Mark beträgt. Falls nicht acht Flieger den gesamten Rundflug absolvieren sollten, werden die auf diese Weise nicht zur Verteilung gelangenden Preise nach der größten Zahl der zurückgelegten Kilometer verteilt, wobei die mit Passagieren durch­flogenen Strecken höher bewertet wei»en sollen als die ohne Passagier ausgeführten. Die Ver­teilung der Etappenpreise, die von den verschie­denen von dem Fluge berührten Städten zur Verfügung gestellt werden, ist folgendermaßen vorgesehen. " Zunächst soll ein erheblicher Teil, voraussichtlich 40 Prozent jedes Etappenpreise» von vornherein an alle Flieger verteilt werden, die vor Schluß der Kontrolle das Ziel der be- tresfcnden Tan'ksireckc erreicht haben.

Das Kaiserpaar auf Korfu.

Die alt-griechischen Ausgrabungen.

(Eigene Drahtmeldung,)

Korfu, 19. April.

Der Kaiser verweilte gestern von zwölf Uhr mittags bis nachmittags vier Uhr bei den Ausgrabungen in der Nähe von Garitza, die Kaiserin etwas kürzere Zeit. Zugegen wa­ren dort auch Professor Dörpfeld und Mister Armour, der mit seiner Jacht in Korfu einge­troffen ist. Der Leiter des deutschen archäolo­gischen Instituts in Athen, Proseffor Dr. Dörp­feld, der gestern früh hier eintraf, äußerte sich über die Bedeutung der Funde, er habe es während seiner fast dreißigjährigen Ausgra­bungstätigkeit als Archäologe in Griechenland noch nie erlebt, daß auf einem so kleinen Raum so viele und so guterhaltene Altertümer gesun­den worden seien. Dörpfeld ist überzeugt, daß die ganze Gegend bis hinauf zu dem jetzigen Schlöffe und dem Park Monrepos, wo sich das alte Karkyra befindet, voll wertvoller Kunst­schätze liege und er erwartet von einer syste­matischen Grabung in großem Maßstabe eine außerordentlich große Ausbeute. Die bisher gefundenen Giebelskulpturen ge­hören seiner Ansicht nach zu einem Tempel, der mindestens aus dem siebenten Jahrhundert vor Christi Geburt stammt. Professor Dörpfeld nimmt an, daß der Tempel ebenso nut erhalten sei, wie sein Giebel, und daß es gelingen werde, ihn gänzlich freizulegen.

*

Wien, 19. April. (Eigene Draht­meldung.) Tas österreichische Geschwader wird nach kurzem Aufenthalt in Zante am 24. April in Korfu eintreffen. Für den Fall, das, der Kaiser und der König von Griechenland an diesem Tage nicht von Korfu abwesend sind, meldet sich der Kommandant des Geschwaders, Kontreadmiral von Sunsti, bei den Majestä­ten. Besondere Festlichkeiten sind aus diesem Anlaß nicht vorgesehen. Es ist anzunehmen, daß der Deutsche Kaiser dem Flaggschiff des österreichischen Geschwaders, das den Namen des Thronfolgers führt, einen Besuch abstatten wird.

Der Theaterkrieg in Mexiko.

Die Schlacht bei Agua Prieta.

(Telegraphische Meldungen.)

Nach einem in Newyork aus Douglas (Mexiko) eingetrofsenen Telegramm dauerte die Schlacht zwischen Rebellen und Regierungs­truppen bei Agua Prieta bis gestern mittag. In der Stadt Douglas selbst wurden sechs Personen getötet und viele Häuser be­schädigt. Auf Vorstellungen der Lokalbehörden von Douglas bei Präsident Taft hat die ame­rikanische Regierung sich ernstlich mit der Frage einer Intervention beschäftigt. Die An­gelegenheit geht nunmehr an den Kongreß, der in der Jnterventionsfrage das letzte Wort sprechen soll. Immerhin erregt in Washing­toner Kreisen die bevorstehende Intervention große Bedenken, namentlich wegen der eventuellen Haltung Mittelamerikas. Ein wei­teres Telegramm meldet:

Wie aus Washington gemeldet wird, ist dem Rebellenführcr Madero eine letzte Rote zugegangen, in der ihm mitgeteilt wird, daß, wenn nicht binnen kürzester Frist der Friede zwischen den Insurgenten und den Regierungstruppen nicht wiederherge­stellt sei, die amerikanische Regierung unbe­dingt intervenieren müffe. Es hängt nun­mehr von dem Verhalten Maderos ab, ob ein solches Vorgehen der Vereinigten Staa­ten notwendig wird, oder vermindert werden kann.

Aus Newyork liegt von heute mittag folgendes Telegramm vor: Depeschen aus Douglas zufolge räumten die Rebellen in der vergangenen Nacht Agua Prieta, und die mexi­kanischen Bundestruppen besetzten den Ort. Dies bedeutet das Aufhören der Gefechte an der Grenze. Die Nachricht erregt in Washing­ton lebhafte Ueberraschung, da noch gestern abend die Notwendigkeit einer Intervention der Union als unerläßlich bezeichnet wurde. Es heißt, daß zwischen Präsident Diaz und dem Rebellenführer Madero Friedensver­handlungen angebahnt sind, die voraus­sichtlich zum Ziel führen werden. Seit gestern abend haben neue Kämvfe nicht mehr stattge­sunden.

Kommende Männer.

Auf den Pfaden der Bersöhnungspolitik.

Petersburg, 19. April. (Privat- Telegrarnm.) Wie hier verlautet, wird der feit Wochen an den Folgen einer Lun­genentzündung leidende Minister des Aeutzeren, Ssasonow, nach dem Aus­spruch der Aerzte auch, falls er gänzlich ge­nese» sollte, großer Schonung bedürfen und einen längeren Aufenthalt int Süden neh­men müssen. Es mutz daher über kurz oder lang mit feinem Abschied von der diplo­matischen Laufbahn gerechnet werden. Wie man hört, ist zu seinem Nachfolger der rus­sische Botschafter in Konstantinopel, Tscharhkow, ausersehen.

Als im vorigen Jahr Mephisto-Jswolski öon der Leitung des russischen auswärtigen Amts zurücktrat, bedeutete dies einen Wende­punkt der russischen Politik. Seiner deutschfeickdlichen Tradition getreu, hatte Is­wolski bis zum letzten Augenblick eine Begeg­nung des Zaren mit dem Deutschen Kaiser zu verhindern gesucht. Als ihm dies nicht gelang, nahm er seinen Abschied, und wenige Wochen darauf fand die Potsdamer Entrevue tatt, in der sich der Bruch mit der Jswolskischen Politik vollzog. Die Verhandlungen in Pots- bam bildeten gewissermaßen das Gesellenstück seines Nachfolgers Ssasonw, dessen for­melle Ernennung zum Minister des Aeußern erst einige Wochen später erfolgte. Dem neuen Leiter der russischen Politik war es indessen nicht vergönnt, diesem vielversprechenden An­fang weitere versöhnende Schritte folgen zu lassen: Wenige Monde, nachdem er fein Amt angetreten hatte, warf ihn eine schwere Lungen­entzündung aufs Krankenlager, und wenn auch zu hoffen ist, daß er die Krankheit überwinden wird, so ist doch zu seiner völligen Genesung ein längerer Aufenthalt im Süden und vor al­lem auch Ruhe nötig, wie sie ihm sein Amt nicht gewährt. Unter diesen Umständen scheint denn In nächster Zukunft ein abermaliger Wechsel im russischen Ministerium des Aeußern unvermeid­lich, und man nennt bereits mit größter Be­stimmtheit als Ssasonows Nachfolger den jetzi­gen Botschafter in Konstantinopel, Tscharh­kow, einen Diplomaten achtenswerten politi­schen Talents, den man an der Newa schon lange alskommenden Mann" wertete.

Aber wenn auch die Personen wech­seln: Dur Kurs wird diesmal doch der alte bleiben müssen. Ssasonow hat seine Aufgabe erst zur Hälfte erfüllt, und zwar blieb noch der schwierigere Teil übrig, denn die Annäherung Rußlands an Deutschland bleibt nur Stückwerk, solange die Spannung mit Oesterreich fyrt- besteht. Hier wird also der künftige Lenker der russischen Politik einzusetzen haben, und es Wird dabei von größter Bedeutung sein, mit wem er in Wien zu tun haben wird. Bekannt­lich ist auch der österreichische Minister des Aeußern, Graf Aehrenthal, krank, und die Gerüchte, die von seiner bevorstehenden Demis­sion sprechen, wollen nicht verstummen. Daß zu seinem Stellvertreter der Botschafter in Kon- - stanteinopel, Markgraf P a l l a v i c i n i, er­nannt wurde, läßt darauf schließen, daß man in ihm den nächsten Anwärter auf Aebrenthals Erbe zu erblicken haben wird. Es wäre in der Tat mehr als bloßer Zufall, wenn gleichzeitig in das russische und in das österreichifche Mini­sterium des Aeußern ein Exbotfcbafter vom Goldnen Horn feinen Einzug hielte. Der Orient ist offenbar die beste Schule für Diplo­maten: Wurde dock auch der deutsche Botsckaf- ter in Konstantinopel, Frhr. von Marsckall. frü- ' her bei jeder Kanzlerkrisis als Prätendent ge- ( nannt, und auch Herr von Kiderlen-Wackter bat seinen Befähigungsnachweis für Pie Leitung : des Auswärtigen Amts zwar nickt in Konstan­tinopel. wobl aber in Bukarest erbracht, wo auch L manck wirrer Faden orientalischer Politik ge­sponnen wird.

Tie nahen persönlichen Beziehungen, die i Tscharhkow und Markgraf Pallavieini in Kon- | stantinopel angeknüpst haben, könnten natürlich nicht ohne Einfluß auf das ruffisch-österreichi- ° sche Verhältnis bleiben, falls Beide in der Tat bie Leitung der auswärtigen Politik überneh­men, und der Ausgleich würde sich in diesem Falle ungleich glatter vollziehen, als wenn : Gras Aehrenthal in feinem Amte bliebe, da an seinen Namen sich zu viele für Rußland schmerzliche Erinnerungen knüpfen. Wahrend Ssasonow mit der Politik Iswolskis Deutsch­land gegenüber radikal gebrochen hat, wandelte er in der ostasiattschen Politik noch ganz in den Spuren seines Vorgängers. Eine völlige Aen- fccrung in dieser Hinsicht wäre auch bei der