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114.

Tsffrler Wenll-eitung

hessische Abendzeitung

Fernsprecher 951 nnd 952.

Mittwoch, bett IS. April 1911

Fernsprecher 951 und 952*

laß zur Betrübnis gibt. .

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Petersburg, 18. April.

Den letzten Depeschen aus Lharbin zu-

sollte, daß auch der deutsche Botschafter in «folge sind dort zuverläffige Nachrichten eittgfr Wachmglon, Graf von Bernstorff, fein Ab-, soffen, aus denen hervorgeht, daß die Cen-

schiedsgefuch eingereicht habe. Die Nachricht ist

Will China den Krieg?

Die Kriegsoorbereitungen Chinas. (Telegramm unseres Korrespondenten.)

friedlichen) des fernen Ostens durch die gelbe Rasse. Und zwar hat man in Wladiwostok die Versteigerung der Fischereidistrikte beendet: Von insgesamt hundert verpachteten Distrikten, in denen es den Pächtern gestattet ist, dem Fisch­fang nachzugehen, fielen nur sieben den Russen zu, die übrigen wurden von den Japanern ge­pachtet. Die Aufregung in Wladiwostok ist in­folgedessen nicht gering, da das Resultat der Verpachtung den vollständigen Untergang der russischen Fischerei in jenen Gewässern bedeutet, die damit der gelben Rasse ausgeliesert ist.

Di, fedjägefpattene Bette für einheimische Beschatter» W Inserate 2- PK Reklame,eil, für einheimische <3e> auswärtige so Pf. S-schüstSstells- Kölnische Ltraße ch Berliner Vertretung: 8W, Friedrichstraße 18, Telephon: Amt IV, 678.

der Union in allen fünf Erdteilen wertvoll und nützlich geworden ist. Das weiß man in Was­hington auch gebührend zu schätzen, und eben darum ist anzunehmen, daß eine Kraft dieser Art für die politische Zentrale der'Union zu gewinnen versucht wird, wo sie dem Ster­nenbanner wertvollere Arbeit leisten kann, als im Kanzleiwerk der Berliner Botschaft.

Von besonderm Interesse ist die Frage, wer Hill's Nachfolger in Berlin werden wird. Amerika ist nicht sonderlich reich an bedeuten­den Diplomaten, was darauf zurückzuführen ist, daß man in Amerika bei Besetzung der Bot­schafter- und Gesandtenposten weniger auf eine geeignete Vorbildung, als auf die Zugehörig- keit zur Partei des jeweiligen Präsidenten sieht. Die meisten Diplomaten haben ihren Befähigungsnachweis zudem durch klingende Münze während der Wahlkampagne erbracht. So sehr man nun auch in Berlin bei einem Botschafter einen großen Geldbeutel zu schätzen weiß, so genügt doch das Geld allein nochnicht, um einen verantwortungsvollen Posten erfolg­reich auszufüllen, und man darf deshalb ge­spannt darauf sein, wer als Hill's Erbe in das Botschaftshotel der Union einziehen wird. Mr. Charlemagne Tower, der vor David I. Hill in Berlin die Vereinigten Stalen vertrat, verfügte über Millionen, und im diplomatischen Zunft­bereich tursierte zu seiner Zeit ein gepfefferter Witz, der als schroffste Kontraste auf dem Erd­rund die Qualität der Tower'fchen Soupers, und die Vortrefslichkeit der diplomatischen Pra­xis des Botschafter-Millionärs nannte. (Mr, Lowers Souper-Kunst war damals in Berlin als der Gipfel kulinarischer Wissenjchaft- ticyteit geschätzt!) Dennoch trauerte man an oer Spree, als der Dollarfurst, der Not gehor­chend, nicht dem eignen Triebe, von Lannen ging, unv der »Mann mit dem schmalen Wech­sel" an seine Stelle trat. Sicher wird man jetzt in Washington bemüht sein, in der Wahl des RachsotgerS Hill's auf die Eigenart des Ber­liner Milieus gebührende Rücksicht zu nehmen, damit derschmale Wechsel" nicht wieher An-

lons,Zwickau",Dresden",Augu­st a" undP eg n i tz" mußten entleert werden, weil sich einige Maschen ihrer Netze für so star­ken Wind nicht tragfähig genug erwiesen. Der BallonRübezahl" stieg alsdann, von Hauptmann Barmann abgelassen, tadellos auf. Es folgte sodann

der BallonNordhausen".

Dieser Ballon wurde in Anbetracht der Wind­stöße sehr leicht abgewogen. Auch wurde der Füllansatz aus Vorsicht zeitig geöffnet, so daß alles zum Aufstieg fertig war. Eine plötzlich einsetzende Böe erfaßte indessen den Ballon in dem Augenblicke, als das KommandoLos" er­folgen sollte undwarfeineAnzahlSol- d a t e n z u B o d e n, die infolgedessen die Seile loslicßen. Da der Rest der Bedienungsmann­schaft den Ballon nicht mehr festhalten konnte, stieg er auf. Der Vorsitzende des Fahrtaus­schusses, Fabrikbesitzer Otto Korn- Dresden, ließ in der Absicht, den Ballon doch noch zurückzuhalten, im Bewußtsein sei­ner Pflicht nicht los und wurde, sich an den Korbrand anklammernd, mit emporgeris-

en. Dies war

das Verhängnis des Aufstiegs.

Da die Möglichkeit, Korn in den Korb herein­zuziehen, für die Korbinsaffen ausgeschlossen

Madrid, 18. April.

Die letzten, hier aus Marokko eingetroffe- uen Nachrichten über die Lage im Jemen sind ehr ernster Natur. Die Beni Mtier sol­len einen letzten Angriff gegen Fez

Sine neue Ballonlataftrophe.

Der BallonNordhausen" verunglückt!

(T el e g r a p h i s ch e Meldungen.)

Dresden. 18. April. (Telegramm.f Bei dem Ballon-Wettfliegen des Sächsischen Vereins für Luftschiffahrt, das am ersten Oesterfeiertag hier stattfand, riß sich der Bal- lonNordHausen" vorzeitig los und wurde von dem starken Wind gegen das Gebäude der Gasanstalt geschleudert. Bei dem Anprall stürzte der Fabrikbesitzer K o r n aus vierzehn Meter Höhe herab und trug einen Beinbruch davon. Der Ballon trieb sodann gegen einen Blitzableiter, wo­bei das entweichende Gas sich an den Fun­ken der Gasanstaltsesse entzündete. Der Korb stürzte mit den vier Insassen her­ab, durch schlug zum Teil das Dach der Gasanstalt und blieb in der Erde stecken. Die Insassen wurden schwer verletzt.

Ueber die Katastrophe geht uns aus Dres­den folgender telegraphische Bericht unsers Korrespondenten zu: Das am ersten Osterfeiertag auf der Rennbahn in Reick von dem Sächsischen Verein für Lustschiffahrt abgehaltene Nationale Ballonwettfliegen war zwar vom schönsten Wetter begünstigt, hatte aber unter einem starken Gegenwinde, der sich zum Sturm steigerte, zu leiden. Vier Bal-

tralregierung in Peking die Reorganisa- tion der Armee mit beunruhigender Schnelle betreibt. Etwa dreihundert Offiziere wurden allein in den letzten Tagen zur Disposition ge­stellt. Die chinesische Armee besteht gegenwär­tig aus 308 Bataillonen Infanterie, 62 Regi­mentern Kavallerie und 172 Batterien. Die Zahl des Militärs, das kriegsbereit ist, kommt 325 000 Mann gleich. Außerdem besteht noch die sogenannte Landesvetteidigung zu 150 000 Mann Infanterie und 75000 Mann Reiterei. Im Sinne des Projekts, das der Kriegsminister entwarf, beabsichtigt man, im Jahre 1914 die Anzahl der Truppen auf 52 Divisionen zu brin­gen, mit je 17 000 Mann Soldaten aller Waf­fengattungen. Der chinesische Gesandte in Wien erklärte in einem Gespräch, daß sogar er. der doch den höheren chinesischen Regierungs- sphären nahestehe, nicht genau wisse, wieviel Militär China besitzen könne.

Er glaube auch nicht daran, daß die chine­sische Regierung sich aufrichtig nach den For­derungen Rußlands zu richten wünsche, denn dies wäre gleichbedeutend mit Selbst­mord. Den aus dem Vaterland empfange­nen Informationen nach zu schließen, ist der chinesische Gesandte denn auch der Ansicht, daß der Krieg unvermeidlich ist, und, wenn ihn nicht die Regierung erklärt, werde ihn das Militär beginnen, das sich auf unbesiegbare Kräfte stütze: Auf das Volk. Falls jedoch der Krieg wider den Willen der Regierung beginnen sollte, werde die D y n a- stie gestürzt werden, denn das Voll ver­trage keine Erniedrigung, wie sie Rußland ihm zumute.

Ungewöhnlich charafteristisch ist auch die Nachricht, die soeben russischen Blättern aus Wladiwostok zugeht: Danach haben viele von den verschickten Chinesen an ihre russischen Bekannten Schreiben gerichtet, in denen sie ihnen mitteilten, daß d e r K r i e g m i t R u tz- land in Kürze beginnen werde. Eine zweite, gleichfalls aus Wladiwostok stammende Nachrichten, die sich zwar nicht auf den russisch- chinesischen Streit bezieht, zeugt gleichfalls von der Eroberuna (vor der Land allerdings einer

zwar prompt dementiert worden, aber man weiß: Offiziöse Dementis wiegen nicht schwer, und es liegt die Vermutung nahe, daß dieser eventuelle Doppelrücktritt auf eine gemein­same Ursache zurückzuführen ist. Man wird auch kaum in der Annahme fehlgehen, daß die Kali frage hierbei ein gewichttg Wörtlein mitgesprochen hat. Im engen Zusammenhang damit steht die künftige Gestaltung der Han­delsbeziehungen zwischen Deutschland und Amerika. Offenbar hofft Taft, daß es Hill eher als Knox gelingen dürfte, von Deuffchland eine Auslegung oder Anwendung des Kaligesetzes zu erlangen, die den in ihm enthaltenen Schlag für die amerikanischen Interessenten etwas ab­schwächen könnte. Durch eine solche Konzession würde Taft vielleicht den Widerstand der Ta­rif-Chauvinisten gegen eine Herabsetzung der Einfuhrzölle brechen können, womit wiederum Deutschland gedient wäre.

_ Neben diesen wirtschaftspolitischen Fragen dürften aber auch Gründe, die in der hohen Politik zu suchen sind, Taft wünschen lassen, einen Mann wie Hill an der Spitze des aus­wärtigen Amts zu sehen: Trotz aller Dementis kann kaum noch ein Zweifel darüber bestehen, daß ein Geheimvertrag zwischen Japan und Mexiko, wenn nicht besteht, so doch geplant war, und unter diesen Umständen kann die Entwick­lung der Dinge in Mittelamerika die Regie­rung in Washington jeden Tag vor entschei- dende Fragen stellen. Die reichen Erfahrungen und das diplomatische Geschick Hills aber kön­nen hier Taft wertvollere Dienste lefften, als in Berlin, und es würde also nur natürlich fein, wenn man im Weißen Haus in Washington den Wunsch verspürte, einen Mann von den Hirn- gualitäten und Erfahrungen David I. Hill's als klugen Akteur in nächster Nähe zu haben. Der scheidende Botschafter ist ein Mann ausge­prägt politischen Talents, und was er in ver­hältnismäßig jungen Jahren erreicht hat, grün­det sich nicht (wie bei vielen seiner Kollegen) auf Protektton oder Goldesmacht, sondern auf den Erfolg praktischer und tüchttaer Arbeit, die

S?11* "achrlchtm* erscheinen wöchenMch sechsmal und ,war abendl. ®«r LbonnnnentSpretS beträgt monaMchso Pfa bet freier Ru.

«er Vertretung, Friedrichstraße Ich Telephon: Amt IV, 676.

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Petersburg, 18. April. (Privat-Tele- g r a m m.) In der hiesigen chinesischen Ge­sandtschaft verlautet, daß der Generalgou­verneur des Jligebietes, der wegen der Miß­verständnisse mit Rußland nach Peking zur Be­richterstattung zittert worden war, den Ab­schied erhalten, und daß an seine Stelle General Ksi-Zei, bisher Kommandeur der Bannertruppen in Peking, ernannt worden ist. Eine Bestätigung der Meldung steht allerdings noch aus.

Skandale und kein Ende!

Französische Ordens- und Diplomschwindler.

(Telegraphische Meldungen.)

Depeschen aus Paris zufolge hatte der Justtznunister gestern eine Besprechung mit ei­nem Vertreter der Staatsanwaltschaft über ei­nen drohenden Skandal wegen Verkaufs von Ordensauszeichnungen. Nach dieser Besprechung wurde ein Rechtsanwalt namens V a l e n c i verhaftet, bei dem mehrere Diplome für die akademischen Palmen gefunden wurden, die er zu verkaufen versuchte, und die ihm (wie er behauptete) eine politische Persönlichkeit, de­ren Namen er nannte, übergeben hatte. Ueber die Affäre werden uns in einem Privat- Telegramm folgende sensationelle Einzel­heiten berichtet:

Paris, 18. April.

Die Polizei verhaftete am ersten Oster­feiertag den Neffen des Generals Valenci, der seit längerer Zeit einen umfangreichen Handel mit Orden und Diplomen betrieb. Die Verhaftung wurde erst nach län­gerer Konferenz, die zwischen dem Justtzmi- nister Perrier und Unterstaatssekretär Melvy, dem Generalprokurator und dem Prokurator der Republik vorausging, beschlossen. Der Verhaftete ist der Advokat V a l e n c i; er

Mttl 3. Hill.

»Der Mann mit dem schmalen Wechsel."

Di« Gastrolle, die Herr David Jahne Hill als Boffchafter der Union am Berliner Kaiserhof gespielt hat, ist aus; später, als man einst anzunehmen sich berechtigt glaubte. Als Hill im Jahre neunzehnhundertacht sein Amt antrat, weissagten ihm die politischen Auguren bereits ein baldiges Ende seines Botschafter­seins, denn über seiner Berufung schwebte so etwas wie ein Unstern. Wie noch erinnerlich sein dürfte, war seine Ernennung auf gewisse Widerstände gestoßen, weil man in den maß­gebenden Berliner Kreisen befürchtete, daß Da. vid I. Hill, der von Hause aus vermögenslos ist, mit den verhältnismäßig geringen Mitteln, die die Vereinigten Staaten ihren diplomati­schen Vertretern gewähren, nicht den hohen Re­präsentationspflichten seines Amts gerecht zu werden vermöge. Diese Bedenken, die auf Jn- triguen des früher» Botschafters Charlemagne Tower zurückgeführt werden dürfen, wurden natürlich nicht offiziell erhoben, und da die amerikanische Regierung durch Nichternennung Hills indirekt zugegeben haben würde, daß sie ihre Diplomaten in der Tat ungenügend be­solde, so wurde die Ernennung trotz der an der Spree aufkeimenden Bedenken vollzogen. Hill, der zu den begabtesten Staatsmännern der Union gehört und speziell die deuffchen Ver­hältnisse eingehend studiert hat, wußte auch bei seiner ersten inoffiziellen Begegnung mit dem Kaiser alle Bedenken zu zerstreuen, gleichwohl erhielt sich das Gerücht, daß Ame­rika bei der Erumnung Hills nur seinen Standpunkt habe wahren wollen, und die erste Ielegenheit ergreifen Zierde, um Hill durch eine .zahlungsfähigere" Persönlichkeit zu ersetzen.

Schon als Taft fein Amt als Präsident an- krat, glaubte man diese Gelegenheit gekommen: Es hieß, Hill sei zum Staatssekretär des Aus­wärtigen für Tafts Kabinett ausersehen, und werde seinen Berliner Posten ehestens verlas­sen. Diese Voraussage erfüllte sich indessen da­mals noch nicht. Erst jetzt tritt Hill zurück, um die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten Amerikas zu übernehmen. Vielleicht glaubte man in Washington, eine gewisseAnstand- frift wahren zu müssen, indessen scheint der Rücktritt Hills im gegenwärtigen Augenblick noch eine weitergehende Bedeutung zu haben, namentlich, falls die Meldung sich bestätigen

Der Marokko-Krieg.

Die Rebellen vor Fez. (Privat-Telegramm.)

ausgeführt haben und zwar in dem Augen­blick, wo in der Stadt eine Meuterei aus­gebrochen war. Die Rückkehr der Mehalla, die bei dem Scherardas lagert, ist wegen des sünd- fluiarttgen Regens unmöglich. Wie das Blatt Jmpareial" berichtet, gestaltet sich die Lage in Fez immer schwieriger. An einem der letz­ten Tage bombardierte die Artillerie des Sul­tans unter Befehl des Obersten Mangin beim Morgengrauen die Angreifer. Die Beni Mtier plünderten das Gebiet des Stammes der Mta- ruladhamaa. Zahlreiche Eingeborene wurden getötet. Das Haus des Gouverneurs Bagda- dis ist in Brand gesteckt worden. Die Konsuln haben den Europäern untersagt, sich außerhalb der Stadt zu begeben.El Mundo" berichtet weiter, daß auch der Stamm der Uhagain, der bisher dem Sultan ergeben war, zum Feinde übergegangen ist und sich schon an dem letzten Kampfe vor Fez beteiligt habe. Die Lebens­mittel in Fez sind bereits knapp geworden und wenn die Belagerung durch die Rebellen nock- länger anhält, droht eine Hungersnot. Die Lage des Sultans gestaltet sich immer schwie­riger, da zurzeit drei Viertel aller einflußrei­chen Stämme gegen Mulay Hafid im Felde stehen.

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Die Kampfe in Albanien.

(Privat-Telegramm.)

Depeschen aus Cetinje zufolge soll btc Niederlage der Albanesen bei Kastrati nicht so groß sein, wie anfangs gemeldet wurde. Es verlautet vielmehr, daß die Türken ge­schlagen worden seien. Ueber tausend Auf­ständige aus Hetti und Salja haben die Trup­pen, die aus Skuiari zur Entsetzung des Forts Siptchanid herbeigeeilt waren, angegriffen. Auf Seiten der Truppen waren achtzig Tote und viele Verwundete zu verzeichnen. Auch bei Bczay hat ein Kampf mit den Rebellen stattge- funden, aus dem die Aufständischen als Sieger hervorgingen.

wurde in dem Augenblick verhaftet, als er mehrere akademische Diplome veräußern wollte. Eine dieser Urkunden hatte er soeben für 6000 Francs verkauft. Valenci erklärte, die Urkunden seien ihm von einer politischen Persönlichkeit, deren Namen er angab, über­geben worden.Petit Parisien" schreibt über die Angelegenheit: Valenci sei in Paris Vertreter einer internationalen Agentur, die sich mit Handel von Orden beschäftige, und deren Sitz dieser Tage in Hamburg entdeckt worden sei. Blätter­meldungen zufolge sind dieser Agentur für gewisse Orden und Diplome 50 bis 100000 Mark bezahlt worden. Die Angelegen­heit hat bereits weitere Kreise gezogen. Die Polizei nahm ferner die Verhaftung des Vor­sitzenden der Nationalen Humanitätsliga, Clemti, vor. Dieser wurde einem länge­ren Verhör unterzogen, verweigerte jedoch die Beantwortung der an ihn gestellten Fra­gen. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, ist Valenci auch des Hochverrats verdächtig, da er Geheimdokumente, die er sich zu verschaffen gewußt hatte, ins Ausland verkauft haben foll.

Wie ein weiteres Telegramm berichtet, ha­ben Valenci und Clemti nicht bloß gefälschte Diplome bestehender Orden, sondern auch voll- tändig erfundene Dekorationen unter dem NamenGoldener Halbmond von Marokko" undGoldenes Kreuz von Italien" verkauft. Die letztere Ordensauszeichnung verkaufte Va­lenci erst dieser Tage an einen Polizeikommis- ar in Lille, der dafür sechstausend Francs be­zahlte. Auch im Ausland hatten die Schwind­lerzahlreiche Abnehmer". Insgesamt sind bisher fünfhundertdreißig Fälle von Ordensschwindel sestgestellt.