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hessische Dbencheitung

Feruspreche» 951 und SSL.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, den 16. April 1911

Nstrrn

schenherzen schlummert: Die Hoffnung auf des jener Mächte, die schützend übers Erdrund Schicksals freundliche Fügung, auf der Börse- ihre Hände breiten. Und auch in der kalten hung glückbringende Hand, und aus das Wallen Seele deS Berweltlichten flammt ein Strahl je.

Sttfertiottipreife Die IichSgespalten« geile für einheimische LeschLfte 15 Pf. für -uSwLrtige Inserate 25 M Reklamezeile für einheimische <3e. schäfte to Pf, für auSwrrttge 50 Pf. SeschästSsielle! »öwische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV. 676.

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Berliner Vertretung, SW, Friedrichstraße 16. Telephon: Amt IV, 676.

Frühlingrglocken.

Die neue Welt im jungen Lenz.

Osterfriede beschattet das Tal des Lebens; nach rauhen Kampfestagen voll Hader und Groll dämmert endlich der Morgen festtägigen Glücks, und in der Sterblichen Seele regt sich daS befreiende Empfinden des Ewig-Un­vergänglichen, dessen Ahnen uns geleitet von der Wiege bis zum Grab, und dessen see- lenbeglückenden Inhalt wir doch nie ganz erfas­sen. In den düstern Tagen der Wintersonnen­wende quält die Sehnsucht nach dem versöh­nenden Gottesfrieden die Herzen, nach jenem Frieden, der das Menschendasein verkläre» soll, und den doch nur Wenige auf der Lebensbahn erkämpfen, weil ihre Seelen sich nicht zu befreien vermögen vom Bann der Niederungen, der ihr Empfinden in den Sorgen des Alltags nieder­zwingt und die freie Entfaltung edlen Men­schentums an den Klippen der Daseinskümmer- niffe scheitern läßt. Durch den Nebeltag des Winters und die Eisnacht der Enttäuschung

trägt die Sehnsucht nach Frieden die Hoffenden auf schmalem, schwankenden Kahn dem Augen­blick der Erfüllung entgegen, und wenn dann im jungen Lenz der helle Sonnenstrahl sich die Herrschaft über des Winters Düster erkämpft, wenn aus dem Grab verblichnen Lebens des Daseins unvergängliche Natur mit neuer Kraft empor zum Lichte ringt, dann empfindet auch das harte Herz und die verfinsterte Seele den beglückenden Hauch ewigen Seins, und für kur­zer Augenblicke Dauer erhebt sich das Mensch­liche in uns zum hellen Jubel über des Lebens und der ew'gen Wahrheit Sieg.

Lichtvoll, wie der junge Frühlingstag, glänzt neue Hoffnung in den Seelen auf, und auch dort, wo des Schicksals Schatten des Lebens Pfad verdunkelten, blitzt'ein Strahl des Glücks durch der Sorgen düstre Unheilwolken und er­muntert die Müden zu neuem Streben. Es ist, als wenn Jahr um Jahr des ganzen Welten­daseins Rätel sich verjünge, und mit dem Kei­men neuen Werdens draußen in der Natur auch der Menschen Herz sich mtt neuer Kraft und neuer Hoffnung rüste, um die Tage kom­menden Sonnenscheins und drohenden Wetter­schlags mannhaft zu überdauern. Und es ist sicher auch ein Beweis tiefften Seelen-Empfin- dens unsrer Ahnen, daß sie dem Jubeltag der Wintersonnenwende, wenn das Licht sein strah­lend Antlitz wieder zur Erde wandte, und die bedrückende Nebelnacht langen Harrens über­wunden schien, das Freudenfest des Frühling» zaubers folgen ließen, wenn draußen auf grü­ner Flur sich neues Leben regte, und, von des Winters Banden frei, auch in der Menschen Herzen junges, neues Hoffen sproß. Der Zau­ber der Weltverjüngung zwingt die Herzen in seinen Bann, und aus der ewigen Seelensehn­sucht der Sterblichen quillt, hell und klar, der Born der Liebe, die im Nächsten den Mit­kämpfer um des Daseins kargen Lohn, den Mitleidenden und Mit st erblichen steht, dessen Erdenlauf nach kurzem Kampf ebenso am Grab der Hoffnung endet, wie alles Sehnen und Verlangen in der eignen Bru». Stein Tag im langen Erdenrahr, der der Men- fcyen Herzen so eng und innig verbindet, leine Stunde in heuen ooer düstern Tagen, die das Emplinden der Seelen so eint, wie der müßen- blici yeuigen Aticyauerns im uingeiicht des Wieoererivacyens ewiger Natur!

Die Menscyenlleve, aus der auem ©teryncyen gemeiniamen «equiucht geboren, vernarr oas .yromye, ergebt oie vom xuuimei des Liutags oeorangien Herzen zu seiigiens- hogen uno gönnt fluoj Lern scrmen, dem Ant­ennen des istullS, oen unoment leloswelgegen- der yreuoe, der eine weite -spanne zuiuningin Sorgenwanoels mit dem Zauoer zroyen Atm» nein» oericyvnt, ;ooap aiio |ui des stncyrigen Äugenolills Lauer das L-eiheipungswoit vom Frreoensgiua aui Aroen zur ,onnigeii Lvtrtltm- kert wiro. Wie em mynen rraumyaft himmel- fernen islüas klingt s durch die Well, wie em Hoheneo der Seligen, das aus den Awigteiis- fernen goiMcyen uriedens einmal im Atoen- jayr das Ayr der Sierolicyen umicymeicyett, eine Summe aus lenen Hvqen, die uni re ^eere aynt» oyne ihr sein je ergrunoen zu tonnen. Der Osterrag oer anenitvetuiese juyrr den Geist empor, hoch ubers Biachield oergaugiicyer Kümmernisse, und ein Abglanz des hehren Gottesfriedens, den das Erbrund ersehnt, ver­klärt das Menschliche hinieden mit dem wär­menden Strahl liebender Verbrüderung in dem einen idealen Empfinden: Das Leben siegt und die Hoffnung der Welt mutz sich erfüllen!

In der Lsterstunde wird in den Seelen Lebendig, waS sonst tief verborgen im Men­

nes Empfindens auf, das die Menschheit schon in ihren Unschuldtagen zur Verehrung des göttlich Großen, ewig Ungekannten drängte, und das am Tag der Ostern sich int Jubel neuen Seins und im Glück des jungen Früh­lings offenbart! H.

Gotilod, nun ist drin Licht rntglllmmrn, Sas kosrnd in dir Leime dringt; Willkommen, König Lenz, willkommen Im Triller, Lrn dir Lrrchr singt, ßm Lirdchrn, das dir Drosseln flütrn, yrn ffinkrnruf und Amsrlschlag Willkommen! Ach, du warst vunnötrn Mit drinrm hrhrrn Feiertag I

Längst hobrn drine Schrlmeuwindr Des Schlummers Winterkecken auf, Lichtgrünr Kerzen treibt die Linde; Sie Krimri knospt am Lurlirnlauf; Tas Gold drr Tulprn lruchtrt prahlrnd Auf manchrn Lrnes Lirkripian, Doch alir Mütrn übrrstrahirnd flammt schon am Sain drr Löwenzahn!

Drr Weidenkronen Silhouetten Verhüllen sich in Schleiern frin; Drs wildrn Weines Sankenkrttrn Arnschirnrnettzart rin grüner Schein; Auch aus drs ffrühtau's Drmanttropfrn Liitzt froh rrwacht die schone Welt, Daß alle Herfen höher Klopfen, Von Lrbrnshoffnung frisch geschwelltl

Selbst über kahle Grabeshügel haucht tröstlich-sützrr Vrilchrnduft, And Wölkchen stehn, wie Lngelsflüge! So weiß, in blauer Himmelsluft!

Sun fern ein Glöcklern... Dann allmählich Maust voll der Lrz'uen feierklang; Lrlüste Herzen, jauchzt denn selig Der Gottheit euren Werdauk...!

Alwin Römer.

Sie SeuischlMd verunglückt!

Ein verunglückter Aufstieg.

(Telegramm unseres Korrespondenten.)

Düsseldorf, 15. April. (Privat - Te­legramm.) Beim Herausbringen aus der Halle wurde das LuftschiffDeutsch­land" gestern nachmittag vier Uhr zur Seite gedrückt. Dadurch wurden die Hülle eines Ballonetts und der hintere rechte Pro­peller beschädigt und das linke Seiten­steuer herabgerissen. Das Luftschiff mutzte in die Halle zurückgebracht werden, da der Aufstieg durch den Unfall unmöglich gewor­den war. Die Reparaturen werden etwa zwei Tage in Anspruch nehmen.

Ein Telegramm unseres Düsseldor­fer Korrespondenten berichtet uns über den Unfall derDeutschland" noch folgende Einzelheiten: Ein sonniger Frühlingstag. Azurn der Himmel, und mäßige Windstärke: Für einen Ausstieg derDeutschland" die al­lergünstigsten Vorbedingungen. Leider wurde die Hoffnung vieler Tausende, die zur Golzhei­mer Heide hinausgepilgert waren, durch ei.it widriges Geschick zu Schanden. Der für den Vormittag geplante Ausstieg blieb aus, und die Fahrleitung hatte durch Anschlag bekannt gege­ben, daß nachmittags um vier Uhr die erste Passagierfahrt erfolgen sollte. Das zahlreiche Publikum kehrte deshalb ein wenig enttäuscht in die Stadt zurück und begab sich nachmittags in hellen Scharen aufs neue hoffnungsfroh zur Peibc. Die Wagen der Düsseldorf-Duisburger Kleinbahn waren vollbesetzt, die Automobile ratterten unaufhörlich, und dazwischen wälzte sich der Strom der Fußgänger. Kurz vor vier Uhr nachmittags bestiegen neun Passagiere die Kabine und in der vorderen Gondel nahm die Fahrtleitung Platz. Man sah Dr. Eckener und Oberingenieur Dürr. Ein kurzes Kommando, ein Pfiff, und 3.35-Uhr wird das Luftschiff in flottem Tempo aus der Halle gebracht. An der Spitze wird es von etwa 30 Mann gezogen. Das Publikum ist begeistert und will eben fei­net Stimmung durch ein freudiges Hurra Ausdruck geben, als das Unerwartete eintritt:

Als die Deutschland zu zwei Dritteln im Freien ist, wendet sich ihre Spitze nach rechts gegen den Wind, der nahezu abgeflaut war. Die Rechtsschwenkung erfolgt zu früh, denn der mächtige hintere Propeller ka­ramboliert mit dem Holzgebälk des Hallenrandes und wird dadurch krumm gebogen. Im gleichen Moment kommt der Schiffskörper ebenfalls mit der Wand der Halle in Berührung und einige starke Holz­splitter bohren sich tief in die Hülle. Sie zerreißt und dadurch wird etwa das zwölfte Ballonett bloßgelegt. Der starke Anprall hat zur Folge, daß auch das hintere Seiten­steuer an die entgegengesetzte Hallenwand gedrückt und infolgedessen total vernich- t e t wird. Es hängt in einer langen Fahne herunter. HUfsbereite Männer springen so­fort hinzu, um das kostbare Schiff nach bet Mitte zu drücken. Allein es ist zu spät: Nach­dem ein hinderlicher Holzbalken abgeschlagen war, wurde das Schiff langsam in die Halle hineingezogen und sofort verankert. Die Passagiere verlassen die Kabine und die Schar der Neugierigen stürmt die Halle.

Mit Bedauern besieht man den Schaden. Er ist an sich nicht groß, aber das Lufsschiff ist havariert und muß, um einige Tage seiner Bewegungsmöglichkeit beraubt, in der Halle liegen. Die Polizei läßt die Halle räume». Die nach Tausenden zählende Zuschauermenge verläßt langsam die Heide und flutet nach der Stadt zurück, wo durch Extrablätter die Kunde von dem Unfall schon bekannt gegeben ist. Tas Bedauern ist allgemein und wird nur gemildert durch den Umstand, daß die Havarie keinen all­zu großen Umfang angenommen hat. Uebet den Luftkreuzern des Grafen Zeppelin (so scheint cs fast) waltet ein Unstern: Nun ist auchErsatz Deutschland" schon verunglückt, be­vor das Schiff überhaupt die erste Düsseldorfer Fahrt angetreten hat. Zur Resignation und Verstimmung aber liegt trotzdem kein Anlaß vor. Ter Schaden wird schnell ausgebessert, und das Schiss bald wieder zur Fahrt bereit fein. Wir alle hoffen es und wünschen unserer Deutschland" glückliche Fahrt! .

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Sie Ursachen der Unfalls.

Die Meinungen und Beobachtungen der Zu» schauermenge über die Ursachen des Unfal­les waren natürlich sehr geteilt. Hervorzuheben 'ft, daß diesmal der höheren Gewalt keinerlei