Nr. 109.
Erster Jahrgang.
Csflelrr Muestk Machrichten
1. Beilage.
Dienstag, 11. April 1911.
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Stumm und starr, mit tränenleeren, glanzlosen Augen, faß sie da und blickte vor sich hin.
Aber da auf einmal, mitten hinein in all diese Trostlosigkeit, da schimmerte es wie ein kleiner, schwacher Lichtschein. Und es glimmte doch noch eine Hoffnung auf.
Sie dachte an ihren Mann. An ihn, der
Sie richtete sich auf und schüttelte alle Weichheit ab. Etwas Ernstes, fast Hartes, kam über sie. Nun kannte sie ihre Pflicht- ^te ernste und gewissenhafte Erziehung, die der alte pflichtgetreue Vater ihr gegeben hatte, die war ihre Rettung, die führte sie wieder auf I den rechten Weg.
in so reiner, vertrauender Liebe neben ihr lebte. Und sie dachte an das, was sie ihm gelobt hatte.
Eine Scham, eine ehrliche, tiefe Scham kam über sie: wie klein, wie erbärmlich kam sie sich dieser großen, edlen Seele gegenüber vor!
Nein, sie wollte ihn auch in Gedanken nicht btrügen! Nein, man mußte sich frei ins Auge sehen können!
Und plötzlich ward ihr klar, welchen Weg sie nun zu gehen hatte; plötzlich schimmerte es ihr ' wie ein Trost in all dieser Trübsal entgegen: es gab etwas, das ihr ein fester Halt sein würde, und das war die Pslichter- füllung! Ihr gegebenes Wort mußte sie halten, alle Erinnerungen an die Vergangenheit mußte sie begraben, denn die Zukunft gehörte dem Mann, dem fie gefolgt war, — ihr gegebenes Wort mußte sie halten! Das war es.
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Nun, nun erst war sie reif für den Ernst des Lebens, das fühlte sie---
Gegen Abend kam Bertold aus der Stadt zurück. Die Geschäfte hatten sich glatt abgewickelt, und so war er in vortrefflicher Laune.
„Was ist mit dir, mein kleines Frauchen?" fragte er voll zärtlicher Besorgnis. „Du stehst heute ernster aus als sonst."
Lotte legte den Arm um ihn und erwiderte mit leichtem Erröten: „Laß mich nicht so lange allein! Wenn du wieder in die Stadt mußt, dann nimm mich mit! Ja, willst du?"
Da nickte er glückselig, zog sie an sich und küßte sie.
Zum Abendbrot erschien auch Frau Sabine. Ihr Zustand hatte sich gebessert, und so ließ es ihr oben allein nicht mehr Ruhe: Sie mußte beobachten!
Mit den scharfblickenden Augen der Mut
terliebe suchte sie zu ergründen, was die Schwiegertochter vor ihr verbarg.
Doch Lotte war harmlos und lustig und plauderte ganz unbefangen von allen möglichen Dingen, nur von ihrem Gang mit Doktor Wart sagte sie nichts.
Und das machte die alte Frau stutzig, so daß ihr Mißtrauen wuchs und sie sich vornahm, von nun an erst recht die Augen offen zu halten, um über das Wohl ihres Einzigen zu wachen.
Zehntes Kapitel.
Es war plötzlich bitterkalter Winter geworden. Wie über Nacht war der gestrenge Herr mit starkem trocknem Frost eingerückt und hatte alle Gewässer mit einer dicken Eisschicht über- zogen.
Im Walde knallten hell dir Schüsse und lustig ertönte das Horn der Jäger.
Und während auf den Feldern nun das Leben erstarb, erwachte es in neuer Gestalt in den Häusern und auf den Höf^n.
In jeder Woche gab es ein paar Gesellschaften; Mittagessen, Abendessen, Bälle, Kon- zerte und Liebhaber-Ausführungen, alles in bunter Reihenfolge; von einem Hof ging es zum andern, und jeder bestrebte sich, den Nam. bar an Glanz und Ueberraschungen zu überbieten. Die ganze Gegend war plötzlich mobil geworden.
Bertold und Lotte waren natürlich überall dabei. Man war neugierig, die junge Frau näher kennen zu lernen. Und der Gatte, im Vollgefühl seines stolzen Glücks, war froh, daß er feiner Frau endlich einmal etwas Abwechslung bieten konnte. So fuhren sie von einem Fest 3um andern, und überall war Lotte der Gegenstand zahlreicher Aufmerksamkeiten.
Aber während Bertold sich freute, daß fein Frauchen allenthalten mit offenen Armen empfangen wurde und daß alt und jung ihr huldigte, fühlte sich Lotte in all dem bunten Trubel durchaus nicht wohl, denn nur zu bald hatte sie erkannt, wie oberflächlich und gültig fast alle biefe Menschen waren:” alles drehte sich bei ihnen um Essen und Trinken, um Lebensgenuß und gesellschaftliche Prahlerei; und wenn man schon mal in eine angeregte Unterhaltung kam, dann ging es über den lieben Nächsten her, denn an Klatsch und an kleinen Sensatiönchen war hier ni# Mangel.
Da blieb sie denn doch lieber in ihrer Einsamkeit. saß bei der Arbeit, oder las in einem guten Buch, das befriedigte sie mehr.
Doch das war nicht gut möglich, wenigs stens jetzt noch nicht, denn im ersten Jahr konnte man sich nicht gleich so isolieren, wen« man es eben nicht mit der ganzen Nachbarschaft verderben wollte.
Also mußte sie ihrem Mann das Opfer bringen und all diesen Trubel über sich ergehen lassen.
Doktor War! hatte gar bald gemerkt, toi« es um Lotte stand, und als man sich eines Abends wieder int Ballsaal traf, zog er sie ein wenig auf die Seite und fragte in feiner bekannten spöttelnden Manier: „Nun, hatte ich vielleicht zu sehr grau in grau gemalt, als ich Ihnen unsere liebe Nachbarschaft schilderte? Es sind doch herzige Menschen, nicht wahr?« " Aber sie wollte ihm nicht recht geben, absichtlich widersprach sie: „Natürlich haben Sie wieder übertrieben! Wie gewöhnlich! ES sind alles sehr brave und gute Menschen, die in ihrem Berus aufgeben. Daß sie anders sind, wie Sie und ich, dafür können doch die Leute nicht; sie sind eben das Produkt ihrer Umgebung; wenn wir hier erft zehn oder zwanzig Jahre leben werden, dürfte es um uns wohl kaum anders stehen, das können Sie getrost glauben." (Fortsetzung folgt.)
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eP Metallguss
p für alle Zwecke, roh und bearbeitet g g Lager-Weissmetalle A dP in sämtlichen Legierungen.
| „Glückauf“, | g Metallgiesserei, Armaturen- und g g Maschinen-Fabrik Cassel-R., g # Fernspr. 1096. Wolfhager Str. 177. <>
Sie Newporter Brand-Katastrophe
den Flüchtenden einstürzte.
Eines unserer Bilder zeigt diese Unglücksleiter, das andere schildert eine der rührenden Szenen, die sich nach dem Brande in der Morgue, dem Totenschauhause, abspielten, wohin man die zum Teil völlig verkohlten Leichen der Verunglückten gebracht hatte. Das junge Mädchen auf dem Bilde fand ihre Schwester, die sie seit der Katastrophe vermißt hatte, plötzlich unter den entstellten Leichen wieder und verließ halb ohnmächtig die Morgue. Nicht alle Opfer hatte das Feuer getötet, sehr viele waren bei dem Sprung in die Rettungsnetze der Feuerwehr ums Leben gekommen.
Die Notleiter, die mit
Der furchtbare Brand in der Blusen- und Zelluloidfabrik in der Newyorker Green Street ist noch in der Erinnerung aller. Bekanntlich kamen bei der Katastrophe gegen hundertfünfzig Personen ums Leben, und es kam zu unerhörten Greuelszenen. Das der Brand so viele Opfer gefordert hat, erklärt sich aus der Konstruktion des riesigen Fabrikgebäudes, das nur eine einzige eiserne Notleiter an der Rücksseite hatte. Das Vorhandensein dieser Leiter war den meisten Arbeitern und Arbeiterinnen unbekannt, und auch diejenigen, die sie benutzten, kamen ums Leben, denn die Leiter brach unter der Last der Flüchtenden.
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Ja ieht'gab es kein Entrinnen mehr, tetne Hoffnung mehr auf Besserwerden, jetzt waren alle Brücken hinter >hr abgebrochen. ______
Suchen Sie etwas zu kaufen,
Haben Sie etwas zu verkaufen,
Suchen Sie eine Wohnung,
Haben Sie eine Wohnung zu vermieten. Wollen Sie irgend etwas der Oeffent- lichkeit übermitteln, — —
Stille Helden.
Roman einer jungen Ehe, von Pm» -Slitz.
18) (Nachdruck verboten.)
Und wieder fühlte sie, tote fein Ton in ihrer Seele ein Echo fand. Ja, es gab etwas, daß sie in all ihrer Einsamkeit der Seelen einander innerlich näher brachte! Jetzt fühlte sie es ganz deutlich. Und diese Erkenntnis ließ eine helle sonnige Freude in ihr auffeinten. Jetzt wußte sie, daß es hier ein Herz gab, das in Freundschaft für sie schlug, und das machte sie glücklich, ehrlich glücklich.
Ein sonniges Lächeln lag auf ihrem Gesicht. Sie nickte ihm treuherzig zu und sagte: „Noch einmal bitte ich Sie um Verzeihung, daß ich all diese Erinnerungen heraufbeschworen habe. Es war gewiß nicht pure Neugier. Und zum Beweis dafür bitte ich Sie nun: verscheuchen Sie die grauen Gedanken und bauen Sie sich ein neues Leben auf, denn auch für Sie wird es ja noch ein neues Glück geben."
Sie reichte ihm die Hand, die er, ganz froh von der unerwarteten Wendung des Gesprächs, still und beglückt an die Lippen zog.
Langsam gingen sie weiter. Um sie herum leuchtete der bunte Herbst in allen Farben. Und die heitere, helle Sonne spann feine goldne Fäden von einem Baum zum andern. Und es war still und feierlich wie in einer fast märchenhaften Einsamkeit--------
Am Ausgang des Parks verabschiedete sie sich. Mit ins Haus zu kommen, lehnte er ab, da man ihn auf feinem Hof erwartete. Als gute Freunde gingen sie voneinander.
Und gerade, als er ihr galant die Hand küßte, trat die alte Frau Sabine oben in ihrem Zimmer ans Fenster. Erschrocken trat sie zurück und verbarg sich hinter der Gardine.
Was war denn das?! Wie kam denn ihre Schwiegertochter mit diesem Lebemann zusammen? Und so ganz allein die zwei im einsamen Park?
Das beunruhigte sie ernsthaft, und sie nahm sich vor, von nun an die Augen offen zu halten. . ,
Indessen schlüpfte Lotte leicht und behend ins Haus und suchte sofort ihr Zimmer auf.
Jetzt wollte und mußte sie allein fein.
Seine Worte übet Siebe und Ehe brannten ihr in der Seele, und erst jetzt, nun sie sich unbeobachtet wußte, wagte sie es, darüber nachzudenken.
Wie eine Mahnung, wie einen Vorwurf, fo fühlte sie feine Worte: ihr Leben, ihre eigne Ehe zog sie als Beispiel heran.
Hatte denn nicht auch sie eine Ehe ohne die rechte innige Liebe geschlossen? War ihr Herz damals nicht dem jungen Maler mehr, viel mehr zugetan gewesen? Ja und tausendmal ja!" Jetzt erst, jetzt erst sah und fühlte sie es klar.
"Ein Schauder überlief sie.
Aber wie denn? War sie denn allein die Schuldige? Hatte nicht der Papa 'fo auf sie eingefprochen, daß sie gar nicht anders konnte, als den besser situierten Mann zu nehmen?!
Ja, man hatte sie in diese Ehe hineinge- brängt!
Und fast wie ein Haß gegen ihren Vater keimte es in ihr auf.
Doch nein, sie durfte dem alten Herrn keinen Vorwurf machen! Er hatte ja nur ihr Bestes gewollt, indem er ihr eine sorglose Zukunft zu schaffen gedachte.
Nein, nicht ihren Vater, sich selber mutzte sie anklagen! Sie allein traf alle Schuld! Sie hatte nicht der Stimme ihres Herzens geachtet, sie war kleinlich genug gewesen, allem nur das Vorteilhaftere, auf das man sie aufmerksam gemacht, in Betracht zu Ziehen, ste hatte ihr Herz, ihre Seele dem kalten Mammon geopfert, - sie hatte sich versündigt gegen das Hehrste, gegen das Heiligste, das die Natur dem Menschen ms Herz gelegt hatte, - sie, sie ganz allein traf alle Schuld!
Grell und hell stand ihr Leben vor ihr
Nie, niemals war ihr fo klar zum Bewußtsein gekommen, was sie damals, halb im dämmerhasten Zustand, getan hatte. Jetzt erst lag alles in schonungsloser Helligkeit vor ihr. Und nun war es zu spät, — nun war es
zu spät! m ,,
O, dies furchtbare Wort!
Unter der Last her Selbstanklagen sank sie nieder und preßte in heller Verzweif-ung beide Hände ans Gesicht.
Zu spät! Zu spät! - . .
Ja, jetzt gab es kein