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Nr. 109. 1. Jahrgang.

Casseler Neueste Rachrichte«

Dienstag, 11. Avril 1911.

und Kurverwaltung des Bades H o m v u r g im Taunus soeben beschlossen, ein Modell des für die neu erbohrte Kaiserin Augusta-Viktoria- Quelle bestimmten Pavillons auf der Hy- gicneausstellung in Dresden auszustellen. Der Pavillon, eine römische Kapelle darstellend, wurde vom Kaiser entworfen.

Französische Millionen-Schätze. Wie uns ein Privat-Telegramm aus P a - r i s meldet, hat der am vergangenen Freitag verstorbene, bekannte Künstler de Campon - d o seine Gemäldesammlung, die einen Wert von zwanzig Millionen Franken reprä­sentiert. der französischen Regierung hinterlassen und die einzige Bedingung gestellt, daß die "Ge­mälde im Louvre ausgestellt würden.

-L Die Ehe auf sieben Jahre. Man schreibt uns: Eine Ehe auf sieben Jahre, die nach Ab­lauf dieser Zeit wieder aufgehoben oder ver­längert werden kann, wird als Allheilmittel gegen die in Amerika grassierende Ehtzschei- dungsepidemie von der bekannten Mrs.Harhet Holt Dey empfohlen.Ich gründe meine För­derung für einen siebenjährigen Ehevertrag auf die Tatsache, daß die menschlichen Verhält- nifle innerhalb von sieben Jahren eine deut­liche Veränderung erfahren." so erklärte die kühne Ehereformatorin.Man kann während der ersten Zeit der Ehe wahnsinnig ineinan­der verliebt sein, und schließlich bodr in dem Resultat kommen, daß Mann oder Weib durch­aus nicht den Hoffnungen und Träumen einer glücklichen Ehe entsprechen. Wird aber ein Vertrag auf Zeit unterzeichnet, der nach Ver­lauf von sieben Jabren jedem Teil die völlige Freiheit läßt, die Ehe wieder aufzugeben, so wird das von sehr günstiger Wirkung sein. Beide Ehegatten werden auseinander die nö­tige Rücksicht nehmen, um die vorläuk'" nur Provisorische Ehe zu einem dauernden Bunde gestalten zu können. Die Kinder aber werden nickt dem Skandal eines Ebesckeidungsprozes- ses ausgesetzt sein, wenn eine Trennung nack sieben Jahren als etwas durchaus Vertrags­mäßiges und Vorausgesehenes erscheint. Mein Plan unterscheidet sich durchaus von dem der -Versucksehe". Ich will nur eine genüaende Probezeit schaffen, in der sich zwei Menschen, «ne eine so enge Beziehung eingehen sollen, auch genügend' kennen lernen, und will der Gewohnheit der Scheidung entgegenarbeiten."

Erwerbs- und Wirt-

-ss-

SieMWummetumfäBtl2 Seiten.

A DerWecken"-Tieb vom Kirchweg.

daß durch die Beratungsstellen der Geschmack des Publikums wieder in normale Bahnen ge­lenkt wird, er schreibt:Einen kurzen Ueber- gang nur aus der alten in eine bessere, ge­sundere Zeit bedeutet nun die Existenz der Bauberatungsstellen! Diese sollen in der Haupt­sache nur zur Gewohnheit verhelfen einer ge­sunden Ausgestaltung und eine st i l i st i - sche Ausgestaltung erleichtern durch den Hin­weis auf hergebrachte bodenständige Kunst­weise. Die Entwicklung einer Kunst wird na­türlich nach wie vor in ganz anderen Händen liegen bleiben. Es kann jedoch gehofft wer­den, daß die führende Rolle der großen Archi­tekten unseres Landes durch die aufklärende Arbeit der Bauberatungsstellen noch stärker wird, und diese Architekten mehr und mehr noch Lehrer des Volkes werden können.

Hausern bestohlen oder ganz fortgenommen werden. Heute morgen mußten besonders die Bewohner des Hauses Oberer Kirchweg 74 wieder diese unangenehme Entdeckung machen. Emer der Bewohner jenes Hauses ist willens, auf die Ergreifung desWecken"-Diebes eine Belohnung auszusetzen.

A Das Geld auf der Straße. Heute vor­mittag fand ein Invalide auf der Friedrich­straße ein Sparkassenbuch über drei­zehnhundert Mark auf den Namen einer Frau von außerhalb lautend. Der Finder brachte das Buch zur Polizei, die das Weitere veranlaßte.

Letzte Telegramme.

(Nach Schluß der Redaktion eingegangen.)

der sogenannten Bauberatungsstelle, vorgelegt werden müssen, die das Projekt einer Prüfung zu unterziehen hat. Ueber das kom­mende Ortsgesetz, wie auch über die Bera­tungsstellen hielt vor einiger Zeit bekanntlich Regierungsbaumeister Dr. H o l t m e y e r im Stadtverordnetensitzungssaale einen instruktiven Vortrag, und dieCasseler Neueste Nachrichten" nahmen Veranlassung, einige interessierte Kreise um ihre Ansicht über die Neuerungen zu befragen. Die Antworten ha­ben wir sofort veröffentlicht, und sie sind als willkommenes Material zu der Frage entgegen­genommen worden. Wie aber

alle Neuerungen lückenhaft

sind, also wird es auch mit der Baubera­tungsstelle sein. Cassel ist aber nicht die erste Stadt, die eine solche Beratungsstelle einführt, andere Städte sind bereits mit solchen Maß­nahmen vorangegangen. Wir können daher aus der Technik dieser bestehenden Beratungs­stellen lernen. Just in diesen Tagen veröffent­licht nun ein Regierungsbaumeister I a k st e i n von der Altonaer Baupolizei in derNeuen Hamburger Zeitung" einen längeren illustrier­ten Artikel über die Technik der Baube­ratung. Jakstein stellt den eingereichten Bauzeichnungen diejenigen der Bauberatungs­stelle gegenüber, und beim Betrackten dieser Beispiele muß man zugeben, daß die getroffe­nen Aenderungen

dem Bau zu Gute kommen

werden. Die Bauberatungsstelle in Altona be­steht seit einem Jahre und ist der Baupolizei angegliedert worden. In Altona wird, so führt Regierungsbaumeister Jakstein aus. zu je­dem projektierten Bau ein Rat erteilt, nicht nur von feiten der Bauberatung beziehungs­weise seiner architektonischen Ausgestaltung, sondern auch oft seilens des Jngenieurwesens beziehungsweise der ganzen Anordnung seiner Gruppierung, seiner Lage zum Grundstück und zur ganzen Straße. Dadurch wird bedingt, daß eine ganze Reibe von Persönlichkeiten, von Kommissionen, schließlich auch vom Magistrat und der Bürgerschaft Stellung zu einem Bau genommen werden muß, lediglich in der Ab­sicht, durch diesen Bau das Stadtbild möglichst günstig zu beeinflussen. Das ist ja auch früher Wohl oft "genug vorgekvmmen.

Die moderne Baubcratung,

Petroleumlampe in Flammen auf. Man erzählt, daß mehr als zweihundert Per- s o n e n lebendig verbrannt seien.

zz Die Grubenkatastrophen in der Union. Einem Telegramm aus London zufolge wird demObserver" aus N e w y o r k gemeldet, daß wenigstens dreihundert Menschen bei den zwei großen Bergwerkskatastrophen in der Union getötet worden seien. Bei der Ban­ner Kohlengrubenkatastrophe war die Luft in der Kohlengrube so stickend, daß die Rettungs­mannschaften nicht bis an den Ort der Katastro­phe Vordringen konnten. Die Bergung der Leichen dauert fort. Der Führer der Rcgie- mngsrettungsmannschasten, Evans, kam bei den Rettungsarbeiten um. Eine Untersuchung soll eingeleitet werden, da behauptet wird, daß die Ausrüstung des Rettungskorps mangelhaft ge­wesen sei.

rrr Das Elternhaus alsGefängnis". Ein Spezialtelegramm meldet uns aus Mailand: In Roctordo wurde in einem Bauernhause ein zweiunddreißigjähriger Bauer mit Ketten gefesselt aufgefunden. Der Unglück­liche wurde in diesem Zustande seit drei.. Jah­ren von seinen Verwandten verborgen. Er nährte sich von Kräutern und schmutzigem Was­ser. Bart und Haare waren lang gewachsen, die Augen voller Schmutz. Er mußte in das Irrenhaus gebracht werden. Sein Vater und seine Schwester wurden verhaftet und sagten aus, daß sie den Aermsten wegen seiner Geistesgestörtheit gefangen gehalten hatten.

ZZ Der Polizeichef als Mörder. Einen« Spezialtelegramm aus Konstanti­nopel zufolge beging der Polizei-Vizechef der serbischen Hafenstadt Pender-Buschier einen Mord und flüchtete darauf in das türki­sche Konsulat. Eine rasende Menge folgte ihm und tötete den Beamten und zwei Kon­sulatsdiener. Die serbische Regierung-versprach weitgehendste Genugtuung.

XXPrinzeß Irene" wieder flott! Einem Spezialtelegramm aus Newyorck zu­folge ist der DampferPrinzeß Irene" gestern nachmittag 3 Uhr wieder flott geinächt. Die Beschädigungen, die er erlitten, sollen nicht ern­ster Natur sein.

Knechtschaft befreit, und die letzten Erden­ziele des Menschengeschlechts, die Errichtung des Jdealstaats, erreicht werden. Der Kampf der Gewerkschaftsbewegung sei in seinen wirt­schaftlichen Forderungen materiell, aber ideal in seinen Menschheitszielen. Der Redner kam auf den Verkauf des Gewerkschafts­hauses zu sprechen und sagte,ein edler Wohltäter habe das Haus zu Wobltätigkeits- zwecken gekauft; der Wohltäter habe aber im Auftrage und unter dem Einfluß der kapitali­stischen Macht gehandelt. Um die Organisierten obdachlos zu macken, habe man diesen neu­esten kapitalistischen Trick ersonnen. Das aber müsse die Masse gewaltig aufrütteln."

A Feuer in der Ziegengaffe. In der Nacht zum Sonntag brach im Hause Ziegengasse 32 in der Küche des zweiten Stockwerks Feuer aus. Wie man vermutet, sind von der Koh­lenfeuerung einige Funken durch eine defekte Herdstelle gefallen und haben danebenliegende Kohlen- und Holzvorräte in Brand gesetzt. Von einem in der Morgenfrühe über beit Hausgang des dritten Stockwerkes gehenden Hausgenossen wurde starker von unten kom­mender Brandgeruch wahrgenomemn, der sich verstärkte, als man sich der verschlossenen- ckentür im zweiten Stockwerk näherte. Es wurde sofort die Feuerwehr an der Mauergasse alarmiert. Inzwischen brannte das Feuer die ganze Küche aus, und verbreitete sich nach dem Treppenhause. Die Feuerwehr erschien mit der Dampsspritze und setzte sie sofort in Tätig­keit. Da die Gefahr groß war, mußten auch dte beiden anderen Wachen herangezogen wer­den. Nach etwa zweistündiger Tätigkeit war dre Gefahr beseitigt. Die Feuerwehr hatte tapfer gearbeitet, drei Kinder mußten aus dem vierten Stockwerk mittels der Rettungsleiter geholt werden. Die Mutter der Kinder wurde von zwei Wehrleuten durch das veraualmte Trevpenhaus in Sicherheit gebracht. Die be­troffene, in ärmlichen Verhältnissen lebende und mit neun Kindern gesegnete Famflie hat durch den Brand (da sie unversichert ift) erheb­lichen Schaden erlitten.

A Die Weserfahrt desDelphin". Heute vormitag fand mit dem MotorbootDelphin" eine Befahrung der Weser von Münden bis Veckerhagen statt, wo eine Besichtigung der letz­ten H o ch w a s s e r s ch ä d e n des Hemelbaches durch den Vorstand des Wafferbauamts Cassel- Hannover in Cassel, Baurat B r a u e r und Re- gierungs- und Baurat Hennings vom Me­liorationsbauamt in Cnssel stattsindet.

A Eine peinliche Affäre. Aus dem Leser- kr e i s e geht uns folgendes Schreiben zu, in dem von einem peinlichen polizeili­chen Mißgriff die Rede ist:

Gestern abend kehrten von einer Hoch­zeitsfeier in der Nähe von Hannoversch- Münden eine gut bekannte bürgerliche Fa­milie (Braut, Bräutigam und Schwiegermut­ter), sowie ein junges Ehepaar nach 'Cassel zurück. Die Leute wollten auf dem Bahnhof Cassel-Oberstadt das Abteil verlassen, wur­den aber von zwei uniformierten Polizeibeamten zum allgemeinen Er­staunen und Entsetzen der noch in dem Zug mitfahrenden Zahlreichen Casseler Touristen in auffallender Weise verhaftet. Die Verhaftung erfolgte auf Grund eines von Hannoversch-Münden von einem gewissen Breuer aufgegebenen Telegramms. Breuer ist jedoch den Schutzleuten, sowie der Bahn­behörde vollständig unbekannt. Als Verhaf­tungsgrund hatte der Fremde Mädchenhandel angegeben. Die Leute wurden zur Wache ge­bracht, wo sie sich legitimieren konnten, sodaß ihre Freilassung sofort erfolgte.

Wir unterbreiten diesen Brief der Oeffent- lichkcit, ohne zunächst dazu Stellung zu nehmen. Die eingeleitete Untersuchung muß erst das Nähere ergeben. Vor allem muß es ja darauf ankommen, den Absender des Telegramms aus- indig zu macken, durch das ehrbare Leute in eine peinliche Situation gekommen waren.

ADie Knechtschaft des Arbeiterftandes." In einer vom Deutschen Holzarbeiterverband einberusencn öffentlichen Holarbeiterveriamm- lung sprach gestern im Gewerkschastshaus Karl Schreck aus Bielefeld. Der Vortragende gab der Ansicht Ausdruck, daß die Kampfmittel der Arbeitgeber gegen die organisierte Arbeiter- chaft diese wohl zeitweilig habe lähmen kön­nen, aber nicht das erreicht hätten, was man mit ihnen habe erzielen wollen^ die Organi­sation habe sich nicht unterdrücken lassen. Habe nan auch nicht denAchtstundentag" durchzu- etzen vermocht, so sei man doch, schon in der Holzindustrie zu einer Verkürzung des Arbeits­tages auf neun Stunden gekommen, und er ei fest davon überzeugt, daß er auch noch die Verwirklichung des Achtstundentages erleben werde. Die Gewerkschaftsbewegung setze sich durch, wenn die Arbeiterschaft einmütig und isielbewußt zusammenstehe. Sie wolle dem Arbeiter nicht nur gute Arbeits- und Existenz­bedingungen schaffen, sondern den ganzen Ar­beiterstand heben und idealisieren. Durch sie olle die Arbeiterschaft aus der

Die Schlichting-Tragödie.

Hamburg, 10. April. (Eigene Drahtmeldung.) Die Leiche des Oberst­leutnants von Schlichting, der kürzlich in Konstantinopel ermordet wurde, wird mit dem Hamburger DampferSamos" voraus­sichtlich am 23. in Hamburg eintreffen. Es ist eine große militärische Trauerfeier beabsichtigt, die bei der Landung der Leiche in einer Halle der Levanielinie stattfinden wird.

Die Fahrt der Tertianer.

Fiume, 10. April. (Eigene Draht- Meldung.) Zwei Untertertianer aus Sprottai«, die flüchtig geworden waren, weil sie nicht versetzt worden sind, haben sich hier der Behörde gestellt. Den Jungen war das Oklb ausqegangen und so mußten sie ihre Reise, die nach Afrika führen sollte, vorzeitig aufgeben.

A Raufbolde im Cafe-Haus. In der ver­gangenen Nacht kamen mehrere Leute in am- ____ ____ ____ _______

mierter Stimmung in ein hiesiges Cafö-Haus Dom Kirchweg gehen uns wieder Klagen

Das neueste Attentat.

(Eigene Drahtmeldung.7

Paris, 10. April.

Nach einer Depesche desNcwyork Herold" aus Hongkong ist der kommandierende G n e r a l von Kanton, der von dem Flugseldc nach seiner Wohnung zurückkehrte, von einem fanatischen Gegner der Mandschudynastie er- mordet worden. I« dem Hause des Gene, rals kam es zu einer Panik, in deren Verlaus sogar die Leiche des Generals ge­stohlen wurde. Der Polizei gelang es erst nach langem Suchen, den Mörder zu verhaften. Die Mordtat hat in der Stadt große Erregnnk hervorgerufrn. Man erzählt, daß der Belage­rungszustand über Kanton verhängt tv-rt-rr soll.

und darauf möge hier besonders hingewiesen werden, braucht also nicht lediglich Arbeit eines einzelnen, etwa für diese Zwecke angestellten Beamten zu sein, sondern Arbeit eines großen Teiles der Behörde und der Bürgerschaft. Die Technik der speziellen Bauberatung gibt den Kreisen, welche die Gcsamtfrage zurzeit behan­deln, die Befürchtung, durch allzu intensive Be­arbeitung der Projekte allzu große Eingriffe in die Privatinteressen der Architekten, Bauherren usw. zu verursachen. Von der Annahme aber ausgebend, daß es ohne ganz gewaltige Ein­griffe in die private Bautätigkeit nach jeder Richtung hin heute nickt mehr abgeht, wenn überhaupt irgend etwas erreicht werden soll, möge ferner bedacht werden, daß keine Institu­tion sich schneller in sich selbst ändern dürste und schneller (hosfentlich wenigstensj

von der Oberfläche verschwinden

wird, als eben diese bauberatende Arbeit. Das wird auch schon allgemein in Deutschland er­kannt, und es sollte Mut geben, bei Beginn, bei Einsetzung einer solchen Tätigkeit sich von allzu I großer Rücksichtnahme auf das Publikum nicht beeinflussen zu lassen. Es wird sich immer nur um eine Uebergangszeit handeln, bis das Pu­blikum von selbst die angebahnten Wege be­schreitet, scklimmstcnfalls noch einige Zeit unter Polizeiauflicht". In Altona ist nun an Tech­nik ungefähr alles versucht worden, was sich auch anderweitig als nötig erwiesen bat. Auf eine allgemeine Raterteilung, dir stellenweise als mildeste und daher als empfehlenswerteste Form der Bauberatung hingestellt wird, ist in erster Zeit gar nicht eingegangen worden. Im Gegenteil,

es wurde bald notwendig,

daß die Stelle sich selbst Rat aus den Fachkrei­sen dieser Stadt holen mußte oder jedenfalls bereitwilligst entgegennehmen mußte, da die klimatischen Eigentümlichkeiten in dieser Hin­sicht für einen nicht Ortsvertrauten erst selbst technisch ein Studium boten. Daß die Bauberatung sich mit technischen Dingen, d. h. mit den zu verwendenden Materialien, sehr eingehend befassen muß, ist längst Tatsache. Man denke an die Forderung nach Materialge- rechtigkeit, in einer Zeit, in welcher es beliebt ist, jedes Material durch andere nachzumachen. Man denke ferner daran, daß unsere Zeit, un­sere Handwerke eigentlich lediglich in einer gro­ßen Jmitationskunst befangen sind. Der Ver­fasser des Artikels

kommt zu dem Schluß,

seit längerer Zett agitierten, um den mit Kindern gesegneten Familien Steu­ererleichterung zu verschaffen. Der Einberufer dieser nicht vorher angemeldeten Versammlung, Kapitän a. D. Maire, wurde verhaftet, doch ertmrkte eine Abordnung, die beim Ministerprä­sidenten erschien, nicht bloß Maires Freilassung, sondern auch das Versprechen, daß im Wege der Gesetzgebung für jene Kategorie notleidender Familien das Möglichste geschehen soll.

ZZ Ei« Drama auf dem Festplatz. Einem Spezialtelegramm aus London zu­folge wird derTimes" aus Bombay gemel­det, daß nach dort eingetroffenen Nachrichten sich am letzten Freitag in einem Dorfe in der Nähe von Wadgaon im Ponnabezirk ein schwe­res Unglück ereignete. Eine Menge junger Leute befanden sich in einem provisorisch herge- ftchteten strohbedeckten Zeltlager, um das Ram- navtsest zu feiern. Das Gebäude ging in­folge des Herunterfalleris einer brennenden

schaftsgenossenschaften) wird unter dem Vorsitz seines Direktors, des Geheimen Regierungs- rats Dr. Schröder, seinen diesjährigen Ver^ bandstag im'Juli in Cassel abhalten.

A Der Taschendieb auf der Fuldabrücke Einer Bauersfrau, die sich am letzten Markt-, tage auf dem Heimweg befand, wurde auf der Fuldabrücke, als sie sich in eine Gruppe von Müßiggängern gemischt hatte, die auf den Fluß hinabstarrten, in dem zuvor ein junger Mensch durch Unvorsichtigkeit ein unfreiwilli­ges Bad nahm, das Portemonnaie entwendet. Als sie den Langfinger mit seiner Beute ent­schwinden sah, klagte sie den Umstehönden jammernd, daß nun ihr ganzer Markterlös, fünfunddreißig Mark, dahin fei. Leider ver­mochte ihr niemand mehr zu helfen, da der Dieb bereits einen zu großen Vorsprung hatte.

A Das Wetter am Dienstag. Der amt­liche Wetterbericht sagt für den morgigen Dienstag für Hessen-Nassau folgende Wit­terung voraus: Vielfach wolkig, trübe, et­was kältere nordöstliche Winde, zeitweise Niederschläge.

DieDeutschland" in Frankfurt a. M.

(Eigene Drahtmeldung.)

Frankfurt a. M., 10. April.

Nachdem das LuftschiffDeutschland" einen kurzen Probeflug übernommen hatte, stieg cs heute früh um elf Uhr in Baden-Baden zur Fahrt nach Frankfurt a. M. auf, wo es ge­gen halb zwei Uhr eintraf und auf dem Fluggeländc glatt landete. Unabsehbare Men- schenmaflen wohnten der Landung bei und be- reiteten den Lustschiffern stürmische Ovationen. Graf Zeppelin, der das Luftschiff selbst steu­erte, wurde von der jubelnden Menge mit nicht endenwollenden Hochrufen begrüßt. Die Fahrt von Baden-Baden nach Frankfurt ging trotz des teilweise scharfen Gegenwindes glatt von tatten und dieDeutschland" entwickelte durch- chnittlich eine Geschwindigkeit ,von über hundert Kilometern.

3m Kamps mit Verbrechern.

(Eigene D r a h t m e l d ung.)

Beuten, O.-Schl., 10. April.

Neber den Kampf mit den Gendarmen, in dem der langgesuchte Raubmörder Ko- w o l l getötet und sein Komplize Walcrus schwer verwundet wurde. (Siehe: Das Neueste vom Tage) werden noch folgende Einzelheiten gemeldet: Der Raubmörder Kowoll suchte am Sonntag früh gegen sieben Uhr bei seinem Onkel in Roßberg bei Beuthen Unterschlupf. Dieser benachrichtigte die Polizei, die in Stärke von sechs Schutzleuten rintras. Ein Schutz­mann, der in die Wohnung eindrang, wurde von dem Komplizen des Kowoll angefal­len und gebissen. Der Schutzmann wehrte den Angreifer mit einem Schutz ab, während ein an- derer Schutzmann durch ein Fenster auf Kowoll schoß. Kowoll feuerte gleichfalls meh- reremale und verletzte mehrere Schutz­leute, darunter einen schwer. Er wurde durch zehnSchüsse getötet, während sein Komplize in das Gefängnis in Beuthen einge liefert wurde.

A Die Ausstellung im Orangerieschloß. Die Kolonialausstellung der Land­wirtschaftlichen Jubiläumsausstellung wird nach Schluß der letzteren noch längere Zeit im Lrangerieschloß verbleiben und dem Publikum zugänglich sein. Eine größere Zahl zugkräf­tiger Vergnügungen soll dabei veranstaltet werden, unter anderem will man auch ein großartiges Feuerwerk auf dem Bowliuggreen abbrennen.

und erregten durch ihr Benehmen den Un-1 darüber zu, daß die Brödchenbeutel in de« willen des Publikums. Der Wirt forderte die ---------- - -

Leute höflich, aber bestimmt aus, das Lokal zu verlassen. Da sie dieser Aufforderung nicht nachkamen, vielmehr einen Kellner angriffen, rtef der Inhaberalle Kellner au D e cf", um die Unholde mit vereinten Kräften an die frische Luft zu setzen. Aber so leicht war das nicht; die Störenfriede setzten sich energisch zur-Wehr und schlugen mit ihren, zum Teil recht wuchtigen Stöcken auf die Kell­ner los, wobei die beiden großen, einen Zen­timeter starken Kristallscheiben der Eingangs­türe mit den Stöcken absichtlich eingeschlagen wurden und ein Kellner durch die herumflie- genben Glassplitter im Gesicht eine Verletzung erlitt. Jetzt griffen an dreißig Gäste des Cafes zu ihren Stöcken und eilten damit auf die Straße, dem bedrängten Personal zu Hilfe. Hier erschienen auch einige Schutzleute, die drei der Burschen fest nahmen, wäh­rend die anderen entkamen.

A Cassel als Kongretzstadt. Der Ver­band der Baugenossenschaften- von Hessen-Nassau und Süd­deutschland (ein Unterverband des All­gemeinen Verbandes der auf Selbsthilfe be­ruhenden Deutschen Erwerbs- und Wirt-

Jas Neueste aus Kassel.

Kassels Bauberatungsstelle.

Ein Beitrag zu ihrer Organisation.

Unsere Residenz soll demnächst auch durch ein Ortsgesetz gegen die Verunstal­tung des Stadtbildesgeschützt" wer­den. Es werden daher in Zukunft Bauprojekte oder Abänderungsbauten einer Kommission,