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i. Jahrgang.

Nummer 109.

,, Hessische Ddencheitung

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Fernsprecher 951 und 952.

Dienstag, den 11. April 1911

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dessen Eigenart parlamentarische Kompromiß- arbeit kaum liegen dürfte. Umso bedauerlicher, daß der ehemalige Leiter der deutschen Sozial­politik, in dessen Hirn sich die soziale Gesetz- gebungs- und Reformarbeit von zwei Jahr­zehnten konzentriert, an der Arena parlamen­tarischen Wirkens nur flüchtig als Zählkaadi- dat vorüberhuscht. Er könnte dem Reich als vom Volk Erwählter sicher nützlicher sein, wie als Domherr in der einsamen Pfründe am Saalestrand.

Es fehlt wirklich an zugkräftigenAttrak­tionen" für den nahenden Wahlkampf: Unter den tausend Anwärtern auf die dreihundert­einundneunzig Lederpfühle im Kuppelhaus am Berliner Königsplatz befindet sich manch ucht- iarer und politisch schätzenswerter Mann, des- en Verdienste nicht bekrittelt werden dürfen, aber das Gros ist doch Verlegenheitsprodukt und ermangelt der Zugkraft und des Massen­effekts. Darunter leidet naturgemäß auch das politische Leben, und es ist also gewissermaßen schon ein Gebot kluger Notwendigkeit, durch einigeAttraktionen" bescheidne Abwechslung ins eintönige Bild zu bringen. Unsere mini­steriellen Pensionäre und sonstigen Funktionäre im Ruhestand derDisposition" könnten Reich und Land noch recht nützliche und ersprießliche Arbeit leisten, wenn sie's ihren Kollegen in parlamentarisch regierten Ländern nachtun und nach dem Heimgang aus der Amtsstube den Exzellenzenstuhl mit der P a r l a m e n t s t r i - büne vertauschen würden. DieScheu vorm Redehaus" ist unberechtigt und auch das amt­liche Interesse würde nicht gefährdet, wenn der scheidende Minister später im Parlament seine Erfahrungen am Regierungsttsch zum Besten der Gesamtverwaltung nutzbar machte. Daß« die Menge Kraft und Erfahrung -meist un­fruchtbar bleibt, wenn derblaue Brief" das amtliche Dasein geendet hat, ist im Interesse des Reichs und der zu meist unfreiwilliger Muße Verdammten zu bedauern, und bedauer­lich ist's auch, daß Gras Posadowsky-Wehner es von sich weist, einem Rufe Folge zu leisten, der ihm zum mindesten beweist, daß in der Oeffentlichkeit sein Andenken noch in guter Er­innerung ist und daß auch in der Verborgen­heit des Saalestädtchens die Schätzung seiner Persönlichkeit nicht geringer geworden ist: Als Domherr wirbt er dem Vaterland keine neuen Werte, alsparlamentarische Attraktion" würde er für Reich und Volk hoher Gewinn sein!

Hauses verweilte.

Kaiser »nd Kronprinz.

Die Ankunft der Gäste.

Pünktlich um vier Uhr zwanzig Minuten fuhr der Sonderzug mit dem kronprinzlichen Vaare unter den Klängen der Nationalhymne in die Halle. Kaiser Franz Josef war der Kronprinzessin Eccilie, die als erste den Wagen verließ, beim Aussteigen behilflich und begrüßte sie mit herzlichem Händedruck. Die Begrüßung des Kaisers und des Kronprinzen, der die Uni­form seines österreichischen Husarenregiments trug, war überausherzlich, sie küßten ein­ander zweimal auf die Wangen. Der Kaiser stellte hierauf ".nächst die Kronprinzessin der Erzherzogin Maria Annunizaia vor und so­dann dem Erzherzog, worauf der Kronprinz die Mitglieder des Kaiserhauses begrüßte. Wäh­renddem die Konprinzessin Cercle hielt, schrit­ten der Kaiser und der Kronprinz die Front der Ehrenkompagnie ab, worauf der Kronprinz die Meldung des Ehrendienstes entgegennahm. Nachdem das kronprinzliche Paar die Aufwar­tung der übrigen zum Empfange erschienenen Damen und Herren entgegenaenommen hatte, bot der Kaiser der Kronprinzessin den Arm und aeleitete sie aum Wagen; ihnen folgten der Kronprinz mit der Erzherzogin Maria Annun­ziata und die übrigen Herrschaften. Als das Publikum vor dem Bahnhof des Kaisers und der hoben Gäste ansichtig wurde, ertönten brausende Hochrufe, die sich auf dem ganzen Weae während der Fahrt zur Hofburg

immer wieder erneuerten. Im ersten Wagen nahmen der Kaiser und der Kronprinz Platz, im zweiten die Kronprinzessin und die Erzher­zogin Maria Annunziata, in den folgenden die Erzherzöge, die Suite des Kronprinzenpaares und der Ehrendienst. Um sieben Uhr sand bei dem Kaiser eine Familientafel statt und gleichzeitig eine Marschalltafel, an der das Ge- olge des kronprinzlichen Paares sowie der Ehrendienst teilnahmen.

Willkommen in Wien!

Die Stimmen der Presse.

Die Wiener Blätter begrüßen das Krork« orinzenpaar auf das Herzlichste. Sie weisen darauf hin, daß der Kronprinz, der Repräsen­tant der vierten kaiserlichen Hohenzollern- Generation, für sie kein Fremder und sein erster Wiener Ausenthalt in sympathischer Er­innerung sei. Die Kronprinzessin, die zum ersten Male nach Wien komme, werde durch ihren Charm und bestrickende Liebenswürdig­keit die Herzen der Wiener gewinnen. Das offiziöseFremdenblatt" schreibt: Man wird in dem Besuche und in den Begrüßungen nicht bloße Akte sreundlicher Courtoisie, sondern das Zeichen einer außerordentlichen Intimität zwischen den Herrscherhäusern erblicken. Der Auswusch von Herzlichkeiten zwischen den beiden Monarchen und ihren Fa­milien gibt neuerlich einen ersreulichen Be­weis von einem innigen freundschaftlichen Verhältnis, das dem politischen Bündnis einen gut versöhnlichen und Gemütsinhalt gibt. Diese herzliche schöne Freundschast der Kaiserfamilien steht in Uebereinstimmung mit der se st en Freundschaft der Völkerfa­milien.

Sie Tragödie« der Fugend.

Schülerselbstmorde und kein Ende.

(Von Professor Dr. Otto Hesse.) Berlin, 10. April-

Kaum haben die Osterferien angefangen, da beginnen auch schon wieder die Nachrichten über Schülerselb st morde durch die Zei- tungen zu lausen. Als erste liegen dieses Jahr zwei Meldungen vor, die aus Ratibor kommen, wo sich der Obertertianer Janetzki vom Realgymnasium und der Obertertianer Gu- der vom Gymnasium getötet haben, weil sie nicht versetzt wurden. Janetzki Hat mit seinen Mitschülern nach Aushändigung der Zeugnisse das Klassenzimmer verlassen, ist aber kurz dar­auf dorthin zurückgekehrt und hat sich in dem leeren Zimmer eine Kugel in die Schläfe' ge­ll gt. Auf dem Transport nach Hause ist er gestorben. Guder ist nach dem Schulschluß nach Hause gegangen und hat sich >

im Elternhause erhängt.

Man hat sich fast daran gewöhnt, mit Beginn der Osterferien alljährlich Zeuge solcher trauri­gen Vorgänge zu werden. Vielleicht stehen die beiden ersten Ereignisse in dem Zusammen- hange, daß es sich um ein befreundetes Schü­lerpaar handelte, das verzweifelt den gleichen Entschluß faßte und den Aerger der Eltern über langsames Fortkommen in der Schule, und das Bedauern ihrer Lehrer über die man­gelhaften Leistungen in Entsetzen und Trauer verwandelte. Die Selbstmordseuche unter der deutschen Schuljugend ist erschreckend und man hat viel davon auf das überreizte Nervensystem der Schüler geschoben. Hier bandelt es sich aber nicht einmal um Groß­stadtkinder mit mehr oder weniger überreizten Nerven. Eine ausfallend

große Zahl der Schülerselbstmorde entfällt nämlich «ttf einige Großstädte. Seit­dem Eulenburg im Jahre 1904 seine Ar­beiten überSelbstmorde im jugendlichen Al­ter" verösfentlicht hat, ist diese Krankheiiser- scheinung unserer Jugend oft und eingehend von Nervenärzten und Schulmännern behan­delt worden. Auch in den Verhandlungen des Reichstages und des preußischen Abgeordneten­hauses spielte sie ihre Rolle. Die Untersuchun­gen Eulenburgs schlossen mit dem Jahre 1903 ab; auf Grund des amtlichen Materials hat sie Gerhardt bis zum Jahre 1908 fortgesetzt. Als Ergebnis seiner Untersuchungen erfahren wir, daß der jährliche Durchschnitt der Schülerselbst­morde bezw. Selbstmordversuche 14,3 beträgt. Es läßt sich aber weder eine regelmäßige Zu­nahme des Selbstmordes unter unserer Jugend feststellen, noch auch eine stetige Abnahme. Auf ein Sinken der Zahlen ist wiederholt

ein schnelles Ansteigen erfolgt.

Unter den letzten dreißig Jahren hat bisher das Jahr 1908 mit feinen 28 Selbstmordsällen das weitaus größte Maß erreicht. In fehl vielen Fällen (fast in zwanzig von hundert) waren Gehirnkrankheiten, Geistes­störung oder erbliche Belastung ost schwerer Art bei den jugendlichen Selbstmör­dern erwiesen. In ebenso vielen anderen Fäl­len war in der Schule garnichts geschehen, was mit dem Selbstmorde irgendwie zusammen-

Das festlich geschmückte Wien begrüßte . stern die Gäste des Kaisers, den deutschen Kronprinzen mit Gemahlin. Der gan­ze Straßenzug, den die Herrschaften bei der Fahrt vom Südbahnhof nach der Hofburg pas- icrten, prangte in reichem Festschmuck. Beson­ders prächtig war die Ausschmückung am äuße­ren Burgtore; Girlanden zwischen den Flaggen­masten und kunstvolle Arrangements in beut» "eben und österreichischen Farben umsäumten den Festweg. Trotz des unfreundlichen kühlen Wet­ters hatten an dem ganzen Einzugsweg entlang große Menschenmengen Aufstellung ge­nommen und die an geeigneten. Plätzen und vor dem Burgtor errichteten Tribünen waren vom eleganten Publikum dicht besetzt. Auf dem prächtig gefchmückten Südbahnhof hatte' sich m Ankunft des Zuges eine glänzende Emp­fangsgesellschaft eingefunden; kurz vor dem Eintreffen des kronprinzlichen Zuges erschien der greise Kaiser Franz Josef in preu­ßischer Feldmarschallunisorm unter dem Jubel des Publikums und begab sich unter den Klän­gen der Volkshymne auf den Bahnsteig, wo er im Gespräch mit den Mitgliedern des Kaiser-

Attrattione« gesucht!

Posadowsky und Dernburg als Kandidaten.

Je näher derTag von Philippi" kommt, vmso verlegner wird man um zugkräftige 1 Attraktionen", und der sogenanntegute f Rat" wird immer teurer. Es kann also auch ' nicht befremden, daß im stattlichen Kranz der ' Kandidaten fürs kommende Wahltreffen (rund ' tausend Erwählte des Volkvertrauens zieren 1 bereits die Listen) hier und da Namen austau­chen, bei denen das flüchtige Augenblick-Inter­esse etwas länger verweilt, und bei deren' Klang man aufrichtig Bedauern empfindet, weil aufgezwungne Ruhe achtenswerte Kräfte taten- ' los schlummern läßt. Unter den die Durch- schnittslinie weit Ueberragenden sehen wir an erster Stelle den im Naumburger Doniherrn- stuhl sich langweilenden Grafen Posa­dowsky, dessen enorme Arbeitskraft als Po­litiker und Staatsmann im stillen Saalestädt­chen rastet. Dieser Tage kam vom Erzgebirge die Kunde, daß die Chemnitzer nationale Wäh­lerschaft den Plan hege, dem Grafen im Bart das Reichstagsmandat des sächsischen Man­chester zu übertragen, und soeben hört man, daß auch in der Mainstadt Frankfurt die Absicht be- steht, die Naumburger Exzellenz zum Kandida­ten zu proklamieren. Freilich würde in Frank­furt die Kandidatur Posas nur den Wert eines Zähl-Versuchs haben, da der Wahlkreis stark nach links gravitiert, und der ehemalige Staats­minister freikonservativer Konfession dem Gros der Frankfurter Wähler als Vertreter der Main-Metropole kaum erwünscht sein dürfte. Im übrigen geht der Gedanke einer Kandida­tur Posps auch tz'-n den Konservativen Frankfurts aus, und deren Lrüpplein ist nicht sonderlich imposant.

Der Vorgang ist politisch weniger durch die Tatsachenäußerung an sich, als infolge der Begleitumstände bedeutfam: Er offenbart fürs Erste die Erkenntnis, daß unser politisches Leben an einem empfindlichen Man­gel politisch überragender Persönlichkeiten krankt, und daß deshalb eine Attraktion von der Zugkraft einer Posadowskysschen Reichs­tagskandidatur grade in unsrer Zeit einen be­trächtlichen Erfolg haben müsse, und er cha­rakterisiert ferner die Stimmung des Bedau­erns im Volk über die erzwungne Ruhe er­probter politischer Talente, die in der Oeffent­lichkeit mit Recht als eine Schädigung der na­tionalpolitischen Arbeit empfunden wird, und deren Wirkungen man durch die Ueberleitung her ruhenden Kräfte auf ein anderes Betäti­gungsgebiet zu mildern fucht. Daß ein Manu vom Schlage Pofas der politischen Arbeit im Reich entzogen worden ist, darf ohne Uebcttrei« bung als eine erhebliche Krastfchwächung des nationalpolitischeu Fonds betrauert werden, und in einem Land parlamentarischen Re­gimes würde ein Abgehalsterter dieser Quali­tät sicher nicht auf dem Altenteil sitzen, sondern seine Kraft an andrer Stelle Land und Volk nutzbar werden lassen. Bei uns fühlt auch der Minister außer Diensten sich noch als Verpflichteter der Amtserhabenheit, der parla­mentarischer Arbeit nur selten zugänglich ut und (wenn nicht zuällig des Königs Gnade ihm im Oberhaus einen Stuhl zuwies) die Arena des politischen Kampfs ängstlich meldet. Das ist soTradition", und selbst ein so be­sonnener Mann wie Graf Posadowsky hat ka­tegorisch erklärt, er habekein Verlangen, im Parteienkrieg sich niederrennen zu lassen.

Der einzige Minister, der bisher selbst da>> Verlangen geäußert hat, nach der Amtsentlas- sung sich parlamentarisch nützlich machen zu können, ist Dernburg; aber er M« auch nicht zum traditionellen Typ des preußlscy- deutschcn Staatsmanns, ist vielmehr ai» Außenseiter" immer eigne Wege gegangen und war (auch nach der Einwärmung im Amtsstuhl) stets der störend empfundne Fremd­körper im Kollegium der Exzellenzen. Am~_ von Philippi" werden wir ihn mitten im Treffen sehen und sein jüngster literarischer Versuch, eine fcharse Kritik am Wesen der ge­genwärtig beliebten staatlichen Wirtschaftspoli­tik, läßt darauf schließen, daß er, wenn er wirklich ins Haus Wallots einzieht, nicht le­diglich als D e k o r a t i o n s st ü ck sich bemerk­bar machen wird. Schade, daß Graf ^o>a- dowsky nicht über dieselbe Beweglichkeit versügt: Er mit seiner reichen Erfahrung au; sozialpolitischem Gebiet, auch von den Geg­nern als Kapazität gewürdigt und geschätzt, könnte dem Reichsparlament ein noch stärkerer und nützlicherer Förderer sein als Dernburg,

Der Sturm aufs Arsenal.

Die portugiesische Meuterer-Affäre, (Privat-Telegram m.)

Lissabon, 10. April.

Die Wahrheit über die am Freitag ausge- brochene Meuterei im Arsenal zu Lissa­bon wird wegen der strengen Zensur nicht recht bekannt. Wie verlautet, war die Meuterei aber viel erheblicher, als ursprünglich angenommen wurde, und auch weit ernster, als die amtlichen Berichte zugaben.. Die Meuterer waren mit Revolvern und Degen bewaffnet, und es standen ihnen zahlreiche Carbonari zur Seite. Ihre Absicht ging dahin, den Mari­neminister abzusetzen u.^ an dessen Stelle den Kapitän Fontes-Pereira zum Marineminister zu proklamieren. Dadurch, daß der Kommandant des KanonenbootesSan Rafaelo" den Meuterern den Schutz versagte und dadurch, daß die Flotte der Regierung treu blieb, mißlang das Unternehmen. Der Ministerrat war die ganze verflossene Nacht zusammen. Er beschloß, Maßregeln zu ergrei­fen, die Versuche dieser Art, die schließlich dem republikanischen Gedanken gefährlich werden könnten, im Keime zu ersticken. Die Arbeiter der Werkstätten des Arsenals arbeiten heute wie gewöhnlich. Eine Abordnung der Arbeiter begab sich zum Marineminister und erklärte ihm, sie ständen den Umtrieben der Gruppe fern und mißbilligten deren Vorgehen. Das Arsenal wird seit dem.Vorfall am Freitag von republikanischen Garden scharf bewacht.

Maimon, Ronet und 6omp.

Tie französische Aktendiebstahlsaffäre. (Telegraphische Meldungen.)

Wie aus Paris berichtet wird, hat der De­putierte Hubert nach Rücksprache mit Cruppi seine Anfrage wegen des Dokumente n- diebstabls verschoben, da einerseits die An- gelezeuheit gegenwärtig vor Gericht schwebe, andererseits der Minister bereits dafür gesorgt habe, daß vertrauliche Schriftstücke in Zukunft

Der Kronprinz in Men.

Wiener Fest- und Feiertage. (Telegraphische Meldungen.)

nur in die Hände erprobter Beamter gelangen, dn Privat-Telegramm berichtet uns über den Gang der Untersuchung in der Affäre folgende Einzelheiten: ,

Paris, 10. April.

Während des letzten Verhörs des verhaf­teten Ministerialbeamten Rouet versuchte der Untersuchungsrichter, von Rouet zu er­fahren, ob er im Auswärtigen Amte noch anbere Personen kenne, bie zu Maimon in Beziehungen stauben, und die diesem Do­kumente geliefert hätten. Rouet antwortete- . verneinend und erklärte, er habe immer geglaubt, sich nur mit Finanzsachen zu be­schäftigen ; niemals wäre der Verdacht in ihm aufgestiegen, daß Maimon ein Spion fei und einer fremden Macht Dokumente zu- stellen könne, bie in feinen Besitz gelangten. Nach BeenbiguNg bes Verhörs erfolgte eine Durchsicht der in der Wohnung Roueis be­schlagnahmten Papiere. Es wurden hierun­ter eine umfassende Korrespondenz entdeckt, die die Homs-Bagdad-Bahn Betraf, Abschriften von vertraulichen Brie­fen, die von französischen Vertretern im Ausland an den französischen Minister des Aeußeren gerichtet waren, sowie zahlreiche vertrauliche Instruktionen, die vom auswärtigen Amt an französische diplo­matische Vertreter gesandt worden waren. Die amtliche Petersburger Telegra­phen-Agentur bringt zu der Affäre fol­gende Erklärung: Niemals hat die deutsche Regierung dem Kaiserlichen Minister des Aus­wärtigen von dem Wortlaut geheimer französi­scher Dokumente Kenntnis gegeben. Es haben auch keinerlei peinliche Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Rußland stattgesunden während der ganzen Dauer der Verhandlungen über den Bau vo». Eisenbahnen in Kleinasien und Persien. Seitdem diese Fragen aufgetom- men sind, sind die russische und die französische Regierung in vollem gegenseitigen Einver­ständnis vorgegangen.