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Fernsprecher 951 und 952.

Sonnabend, den 8. April 1911.

Fernsprecher 951 und 952.

Jas deutsche Problem.

. Ursachen und Wirkungen.

Hermann Bahr erzählt imMärz" vom deutschen Problem", und er kommt dabei zu dem Schluß, daß die große Mehrheit des deutschen Bürgertums sich deshalb vor der Politik abwende, weil sie ihm ideell und praktisch zu wenig Anregung biete und weil das Parteigetrieb dem eigentlichen Da­seinsempfinden der Volksmehrheit fremd blei­be. Nach Hermann Bahr empfindet der deut­sche Durchschnittsmensch die heutige Welt als ungerecht und er hat in ihr keinen Platz für seine Sittlichkeit. Worauf ihm dann die Libe­ralen erklären: Es geht eben nicht anders: es wird immer so sein! Und die Sozialdemokra­ten: Bevor nicht der große Zusammenbruch kommt, kann es nicht besser werden. Wann: Morgen, übermorgen? Wer weiß es? Und so kehre sich der biedre Bürger von aller .Politik ab und ziehe es vor, mit einer so üblen und zweifelhaften Sache, wie die Politik im Urteil der Denkenden es nun einmal zu sein scheine. Hand und Kopf nicht in Berührung zu brin­gen. Das (erklärt Bahr) ist heut in Deutsch­land das innere Verhältnis der meisten anstän­digen Bürger zur Politik, die ja nun doch ein­mal Das, worauf es ankommt, nicht anzufassen wagt, und daß trotzdem dierote Flut" nicht noch höhere Wellen schlägt, liegt imgrunde nur daran, das Das, was zum Bürgertum gehört, und für sich also ein sicheres Stück Gegenwart besitzt, dieses nicht einer ungewissen Zukunst opfern mag, die man ihm nicht mal in festem Gefüge zu offenbaren vermag, sondern nur im lo,en Bau geheimnisvollerEntwicklungsten­denzen" von ferne zeigt. Infolgedessen reizt weder Rechts noc^Lstcks: .das Spiel verliert an Interesse, und btt Zahl der Jndifferentistcn wächst wie der Sand am Meer.

Bahn spricht vomdeutschen Problem", und er redet doch eigentlich nur von einer deutschen Schwäche, von einer Zeitkrankheit und von einem Mangel kraftfrohen Idealis­mus, der in unserm politischen Leben immer deutlicher erkennbar wird und dem es auch zu danken ist, daß das Interesse an der Politik einer lauen Gleichgültigkeit wich, die niemand mehr begeistern und kein Ideal mehr beleben kann. Die Politik an sich ist daran aber nicht schuld, denn die Staatsklugheit und ihr Prin­zip sind geblieben» was sie waren: Variable Tbeorien der Nützlichkeit, vom Augenblick be­stimmt und geformt, und dem Bedürfnis des Moments angepaßt. Auch hat sich die Notwen- bWeit politischer Arbeit nicht vermindert, ist vielmehr dringender geworden als je, und die Interessen, die heut die Wagschale des Kampfs beschweren, berühren Volkswohl und nationa­les Gedeihen weit unmittelbarer als früher, wo der Radius der Ziele sich bescheidner wölbte. Dennoch ist die Tatsache unbestreitbar, daß die Politik im Volk beträchtliche Svmpathien ein­gebüßt hat und infolgedessen auch ihrerseits der Berührungspunkte verlustig gegangen ist, die sich bei größerer Jnteressenwärme zwischen Ar­beit und Zielobiekt von selbst ergeben. Es braucht also auch nicht zu befremden, daß der Mangel an Persönlichkeiten" im polff'^en Leben unsrer Zeit immer fühlbarer wird und daß demgemäß auch der Parlamentarismus des Reizes neuer und großer Wegziele erman­gelt, in wenig ertragreicher Alltagswerkelei seine Kraft zersplittert und seinerseits das po­litische Leben kaum noch zu befruchten vermag. Die Reihen der Großen. Führenden und genial Kämpfenden lichten sich; der Nachwuchs ist dürftig und epigonenhaft und der nationale Idealismus wird seltner noch als der Män­nerstolz vor Königsthronen.

Das alles dünkt indessen noch nicht der Uebcl größtes: Auch früher war der Begriff poliff- fck'.r Arbeit kein einheitlich Grundprinzip, sondern ebenso wandelbar und im gleichen Maße den Einwirkungen der Tagesstimmung unterworfen wie heut. Nur die Arbeitsform und der Rahmen der Betätigung haben sich verändert: Ter Parlamentarismus von heut beruht im wesentlichen auf der Kraftäußcrunq parteilicher Interessen, deren Geltend­machung im Wettbewerb der Parteien unter­einander jene Leidenschaft erzeugt, die die Po­litik mit den Schroffheiten eines erbitterten und meist wenig erbaulichen Kampfs erfüllt, und es ästhetischem Empfinden kaum wünschenswert erscheinen läßt, in diese wildbcwegte Arena der PaiHeienhast und des Parteienzanks hinabzustei- gen. Daneben regiert der Doktrinaris­mus die Stunde. DieTheorie" und die »Tendenz" sind alles, die praktische Ärbeit im

Bereich nächstliegender Notwendigkeiten tritt in den Hintergrund, das Ideale wird vom Geist der Phrase entweiht, und das Nützlichkeits­prinzip unterliegt den Kursschwankungen par­teilicher Opportunität. Jst's ein Wunder, daß derunpolitische Durchschnittsmensch" (wie Bahr den Mehrheitsthp deS deutschen Bürger­tums nennt) diese Flut der Leidenschaften und Kleinlichkeiten nicht als Produkt ernster politi­scher Arbeit zu würdigen vermag, sondern ge­neigt ist, unser ganzes öffentliches Wesen als auf Unsittlichkeit u. Ungerechtigkeit beruhend", peinlich zu meiden? Derunpolitische Durch­schnittsmensch" empfindet eben, daß ein Staat, der nicht dafür sorgt, daß, wer Arbeit sucht, auch Arbeit findet, und der es zuläßt, daß dem Arbeiter ein Teil seiner Arbeit entwendet wird, um andern ein arbeitsloses Einkommen zu sichern, allen unfern sittlichen Begriffen wider­spricht, und so denkt br, daß jede Politik damit zu beginnen hätte, hier abzuhelfen, uns von dieser tiefen Unsittlichkeit zu heilen und eben an diesem wunden Sündenpunkt Gerechtig­keit zu schaffen.

Kein Parteiprogramm berücksichtigt diese Saite in der Psyche des Durch­

schnittsmenschen": Die Einen verteidigen den heutigen Bestand unsres öffentlichen Wesens mit all seinen Schwächen und Aermlichkeiten als das mit Mühe und Schweiß erkämpfte Ideal einer leidlich erträglichen Weltordnung, die dem Fleißigen Brot, dem Armen Hilfe und der Gesamtheit Sicherheit und Ordnung bietet. Sie ünd dieRealpolitiker", die das Nützlich­keitsprinzip und den natürlichen Egoismus im ersten Satz ihres Programms als aller Arbeit selbstverständlichsten Gehalt proklamieren. Die Andern schauen das Bild der politischen Ge­genwart zwar mit bewußt kritischem Auge, erklären aber, daß das Uebel leider un­abwendbar sei, und daß nur in einem allmäh­lichen Umwandlungsprozeß die steile Bahn zum Ideal den Sterblichen zugänglicher werde. Die Dritten endlich verdammen alles Heute von Grund aus, erblicken in der sozialen und politischen Ordnung die Wirkungen jahrhun- dertlanger Ungerechtigkeiten und Brutalitäten und trösten ihre Gläubigen mit dem Hinweis auf das Einst, das kommen wird, wenn das Weltgebäude der Ungerechtigkeit in tausend Trümmern liegt. Und alle diese Apostel der Volkbeglückung machen kein Hehl daraus, daß sie des Andern Ueberzeugung als das Ver­hängnis des Irrwahns verdammen und sich berufen fühlen, mit Feuer und Schwert der alleinseligmachenden Wahrheit" den Sieg zu erstreiten. Schon beim Zuschauen erfaßt einen das Gruseln! Und derpolitische Durch­schnittsmensch", der nur das Leben auskömm­lich und sein Recht im Staat erträglich gestaltet wissen will, verzweifelt an der Möglichkeit wahrhafter Gerechtigkeit und kehrt sich ab von einem Kampf, der ihn (da er meist fruchtlos ist) im Innern kalt läßt, und dessen Form ihm Un­behagen verursacht. Also nichtProblem", sondern Krankheit und Schwäche, Verkümme­rung und Indifferentismus: Symptome einer politischen Degeneration, die aus den Sünden der Zeit emporgewachsen ist, und deren Wir­kungen erkennbar werden, wenn die Parteien ihren Heerbann mühsam zur Urne treiben.

F. H.

bin deutscher Dampfer gestrandet!

Der LloybdampferPrinzeß Irene" gefährdet.

(Eigene Drahtmeldung.)

Newyork, 7. April. (Privat-Te- legramm.) Der LloybdampferPrin­zeß Irene", mit etwa tausend Passagie­ren an Bord, ist zehn englische Meilen öst­lich von der Feucrinsel gestrandet. Er befindet sich indessen nicht in gefährlicher Lage und man erwartet, baß er bei Eintritt der Flut wieder flott werden wird. Schlepp­dampfer liegen bei ihm. Ter Dampfer kam vom Mittelmeer und fuhr nach Newyork. Die Ursache der Strandung ist noch nicht er­mittelt.

Weitere Depeschen aus Newyork berich­ten uns: Es ist zu befürchten, daß es längere Zeit dauern wird, bis der bei der Feuer-Insel gestrandete deutsche DampferPrinzeß Irene" wieder loskommcn wird. Auch der vor einigen Jahren an derselben Stelle gestrandete Dampfer St. Paul" hat zwölf Tage lang dort festgeses- scn. Es herrscht sehr starker Nebel. Die Passagiere wurden gestern abend von Schlepp­dampfern nach Newyork gebracht. Die Sandbank, auf die der Dampfer aukgelauken ist, ist ein meilenweiter Ausläufer der Feuer- iniel, auf dem bereits zahlreiche Fahrzeuge zer­schellt sind. Tie Lage derPrinzeß Irene"

könnte nur im Falle eines plötzlichen See­sturms gefährlich werden. An Bord ereig­nete sich gestern ein unangenehmer Zwischenfall: Während der Reise war ein Amerikaner wahnsinnig geworben. Er glaubte sich von der Schwarzen Hanb verfolgt, stürzte sich auf einen bet Schiffsärzte und brachte ihm mit einem Messer eine tiefe Wunde bei. Der Arzt wurde nach dem Krankenzimmer des Schiffs gebracht, wo er schwer verletzt darniederliegt. Der Amerikaner hatte eine Kabine zweiter Klasse gemietet. Er wurde in sicheren Gewahr­sam gebracht, da er Symptome von Tobsucht zeigte. Die See geht ziemlich hoch, doch ist es bisher micht möglich gewesen, den Dampfer wieder^rei zu machen. Sollte dies auch bis heute abend nicht gelingen, dann sollen Hilfs- schifse beordert werden.

Sturm auf der Adria.

(P r i v a t - T e l e g r a m m.)

Pola, 7. April.

Auf der Adria wütet seit gestern ein s ch w e- rer Orkan. Der Schiffsverkehr ist stark ge­hemmt. Der DampferS en j", der gestern nachmittag hier fällig war, ist noch nicht einge­troffen. Die Temperatur ist stark gesunken. Die Eisenbahnzüge treffen mit Schnee bedeckt ein, da in den letzten Tagen in den Küstengebieten starke Schneefälle niedergegangen sind. Der Orkan hält noch an und zahlreiche kleinere Fahrzeuge, die sich auf See befanden, habe» schwere Beschädigungen erlitten. Auch wird der Verlust von Menschenleben gemeldet.

Frankreichs neueste Sensation.

Die Ministerin!-Spione.

(Eigene Dra htmel,dungen.)

Tie Enthüllungen über die Spionage- Affäre im französischen Ministerium d-e s Aeußern haben in Frankreich große Bestür­zung hervorgerufen, und die Presse verlangt einstimmig die strengste Bestrafung der Schuldi­gen, die in gewissenlosester Weise das Vater­land in Gefahr gebracht hätten. Der verhaftete Engländer Ma i m o n war ehemals (wie ver­lautet) von Abdul Hamid beauftragt wor­den, in Paris die Jungtürken zu überwachen, und hatte den Versuch gemacht, sick> Jnformatio- nen über Fragen zu verschaffen, die den Gegen­stand internationaler Verhandlungen bildeten. Neber den Stand der Dinge berichtet uns ein Privat-Telegrammaus

Paris, 7. April:

In der Spionage-Affäre Verhalten sich die Richter und die beteiligten amtlichen Stel­len vollkommen reserviert. Seit drei Tagen sind in der Angelegenheit Verneh­mungen nicht mehr erfolgt. Die einzige Wir­kung, die die Affäre bisher ausgeübt hat, ist die, daß im Ministerium des Auswärtigen eine vollständige Aenderung des Dienstes vorgenommen wird. Es sollen nicht mehr junge Leute, wie der verhaftete Konsulats-Aspirant Rouet, zur Registratur so außergewöhnlich wichtiger Dokumente ver­wendet werden. Der Fehler ist (wie jetzt fest­gestellt erscheint) bereits von dreiIahren begangen worden, als sich der Minister des Aeußeren genierte, für das Ministerium einen Nachtragskredit zu fordern, um für diese wichtigen Posten gutbezahlte Kräfte anzustellen. Der verhaftete Mini- sterialbeamte Rouet behauptet nach wie vor, ein Opfer von Maimon zu sein, wäh­rend Maimon selbst mit großer Geschicklichkeit allen verdächtigen Fragen des Richters die Spitze abbricht. Der dritte Verhaftete, der Sekretär Maimons, P a l l i e z, scheint voll­ständig unschuldig an der Sache zu sein. Er ist offenbar nichts weiter als der Kopist der Dokumente gewesen und hat infolgedessen mit der eigentlichen Spionageaffäre nichts zu tun. Der verhaftete Ministerialbeamte Rouet stand schon durch Geburt und Ausbil­dung mit dem Orient in naher Verbindung. Er ist ein Sohn des srüheren französischen Konsuls in Bagdad. Obgleich erst zwei­undzwanzig Jahre alt, wurde.er vor zwei Jahren schon zum Vizekonsul ernannt und trat im Sommer des gleichen Jahres als Attachee in das Ministerium.

Eine erneute Haussuchung in den Woh­nungen der Verhafteten förderte verschiedene Schriftstücke zutage, die sich auf alle euro­päischen Mächte beziehen. Rouet gibt an, er habe keinen Verrat üben wollen, und nur Auskünfte über industrielle Angelegenheiten ge­liefert. Maimon verwahrt sich ebenfalls gegen die Beschuldigung der Spionage. Palliez sagt, er sei lediglich Mittelsperson aewei'en. und dies

scheint auch tatsächlich zuzutreffen, sodaß die Haftenlassung Palliez wahrscheinlich ist.

Irr Kronprim in Italien.

Die gestrigen Trinksprüche. (Telegraphische Meldungen.) Telegramme aus Rom bestätigen bett wav» men Empfang bes brutschen Kronprin­zenpaares seitens der Bevölkerung entge­gen den Nachrichten einiger Bläffer, die von einemkühlen Empfang" berichten. Das Zeremoniell beim Empfang des Kronprinzen­paares ist (wie unser Berliner Büro an zuständiger Stelle erfährt) ausschließlich vom italienischen Hof und selbstverständlich ohne jede Einwirkung aufgestellt wor­den und entspricht durchaus dem bei solchen Gelegenheiten lieblichen. Von irgend einer Beschränkung des Programms mit Rücksicht auf dieStimmung des Vatikans" kann demnach keine Rede sein. Gestern abend fand im Quirinal Galatafel statt, bei der der König und der Kronprinz herzlicheTrink- sprüche wechselten.

Ler König von Italien

brachte seinen Trinkspruch in italienischer Sprache aus und führte unter anderem aus:

Ich spreche Sr. Majestät dem Kaiser und König, Ihrem erhabenen Vater und meinem treuen Freunde und Verbündeten, meinen tiefempfundenen Dank aus, der Ew. Kaiserliche und Königliche Hoheit beauftragt hat, der italienischen Nation und mir seine herzlichsten Glückwünsche zu der glorreichen Jubelfeier zu überbringen, die Italien in diesem Jahre begeht und uns einen neuen Beweis seiner Gefühle und derjenigen des deuffchen Volkes gibt, die bas italienische Volk unb ich von ganzem Herzen er­widern. Der sehr angenehme Besuch Eurer Kaiserlichen unb Königlichen Hoheit und Ihrer Kaiserlichen und Königlichen Ho­heit der Kronprinzessin ist eine Kundge­bung und Unterpfand der intimen Beziehungen Italiens und Deutschlands, die durch so viele Erin­nerungen und durch die hohe Mission der Zi­vilisation und Kultur verbunden sind, die sie im Laufe der Zett erfüllt haben und die zu erfüllen sie in der Zukunft niemals unter- lassen werden. Nach den großen, unter sich eng verknüpften Ereignissen, aus denen die Einheit Italiens unb biejenige DeuffchlanbS hervorgegangen ist, hat sich eine internatio­nale Lage ergeben, bie durch diewirksame Mitarbeit des Dreibundes Europa eine lange Periode des Friedens gesichert, hat und noch sichert.

Der König trank dann auf bas deutsche Kai. serhaus unb das Gedeihen Deutschlands. Nach dem Trinkspruch des Königs spielte die Musik die deutsche National-Hhmne.

Kronprinz Wilhelm

erwiderte auf den Trinffpruch des Königs in deutscher Sprache und ttank auf das Haus Savoyen und das Wohl Italiens. Er führte aus:

Nach der Begegnung in Mailand im Jahre 1875 sandte mein Urgroßvater Wil- Helm dem* unvergeßlichen König Viktor Emanuel folgendes Telegramm: Unsere Begegnung war ein Ereignis von historischer Bedeutung, denn wir beide sind von Gott an die Spitze zweier Rationen gestellt, die nach langen Kämpfen ihre Einigung er., rangen haben. Wir und unsere Söhne müs­sen immer Freunde bleiben. Das prophetische Kaiserwort hat sich verwirklicht: Die Freundschaft zwischen den HerrscherhäusernundVölkernhat sich die Generationen hindurch erhalten und im Verein mit Oesterreich-Ungarn die Gestalt eines Bündnisses angenommen, bas seit län­ger als breitzig Jähren zur Aufrechter­haltung bes WeltfriebenS beige­tragen hat. Unb es ist ein neuer Beweis bie« ser Freundschaft, daß meine Frau und ich heute hier sind und Euren Majestäten die Grütze und Wünsche des Kaisers und der Kaiserin zur Feier des fünfzigjährigen Be- stehens des Königsreichs überbringen können. Diese Wünsche unserer hohen Eltern sind auch der Ausdruck der herzlichen Gefühle des ganzen deuffchen Volkes. Das deutsche Volk und sein Kaiser nehmen an bett Geschicken des verbündeten Italien aufrichtigsten Anteil und wünschen ihm auch in Zukunft eine lange Zeit des Gedeihens und Glük- k e s unter dem glorreichen Szepter des Hau­ses Savoyen.

Ein weiteres Privattelegramm be­richtet uns aus Rom: Die Erwäaunaen aus-