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I. Jahrgang

Nummer 106

Hessische pbencheitung

Laflrlrr Mruchrttung

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Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 «ad 952.

Freitag, den 7. April 1911

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geschäftigem Tun . . .

Blatt schreibt:

Dortmund, 6. April.

Kasseler Sozial-Studien.

Was unsre Haushaltungen kosten.

Ein Mann der Feder schrieb mir einmal trefsend, als er mir seine bevorstehende Verlo­bung anzeigte: .Bald werden süße kleine Fin» gcr in meinem Journalistenportemonnaie her- umkrabbeln, und die Gelder siir meinen Durst in angemessener Weise kürzen." Doch nicht nur für den Durst dürfte diese .Kürruna" später zu

Es ist anzuerkennen, daß eine ganze Anzahl Zeitungen das Vorhaben der Schul­behörde sehr mißbilligt. Auch im preu­ßischen Landtag ist der Fall durch Professor Eickhoff als ungehörig zur Sprache ge­kommen. Mirus ist nicht der Mann, der ge­brochenen Mutes zu Kreuze kriecht. Das Ver­fahren gegen ihn wird zeigen, aus welchen Gründen die Jmpfgegner ihre Agitation für. berechtigt und notwendig halten: Nicht nur aus Privatinteressen, sondern auch (und vor allem) aus Staatsinteressen. Staatliche Gesetze und Einrichtungen müssen geachtet und befolgt werden. Wir wissen jedoch auf Grund persönlicher Kenntnisse und langjähriger Erfahrungen, daß Oberlehrer Mirus nicht allein durch seinen Beruf als Jugendbildner, sondern (und das noch viel mehr) durch seinGcwissensich verpslich- tct und gedrungen fühlt, ein Verteidiger und Wahrer der bestehenden Ordnung zu sein. Aber gerade dieses tiefe Pflicht- und Verant- wortlichkeitsbewußtsein veranlaßt ibn. gegen die nachgerade unhaltbar gewordenen und zum Himmel schreienden bö­se n Z u st a n d e auf dem Gebiete des Impf­wesens mit stetem Pflichteifer anzukämvfcn, damit endlich ein' wohltätiges und gutwir kendes Gesetz an die Stelle des jetzigen un­heilvollen und volksverderblichen Gesetzes gebracht werde.

Wir haben kürzlich in unferm Leitartikel .Wohltat oder Plage" die Affäre Mirus erör­tert, und man muß zugeben, daß das schul­disziplinarische Verfahren gegen den Vorsitzenden des Impfgeaner-Verbandes »um!

selbst dem öden Dornenacker der Baissezeit von I heute abzuringen, werden angesichts des na­henden Wahltermins immer drängender, und diese Erkenntnis (der sich auch die Parteien im wohlverstandnen Mandats-Interesse nicht ver- chlicßen können) bietet Herrn von Bethmann eine schätzenswerte Handhabe, das schon früher proklamierte Sammlungs-Ideal der Verwirkli­chung näher zu bringen.

Auch scheint sich derweil hinter den Ku- lassen Einiges zugunsten des Kanzlers gewan­delt zu haben: Im preußischen Oberhaus ist's gestern (trotz des wilden Aprilsturms draußen) mild und friedlich geblieben, und Bethmanns .Extratour" in der reichsländischen Verfas- sungsfrage fand milde Richter. Und man hatte doch vernommen, daß die Pairs entschlossen eien, reisig auf die Schanzen zu steigen, und dem Freund und Kollegen Heydebrand vom Unterhaus wuchtig zu sekundieren. Ehegestern tagte der Hohe Rat dererlauchten, edlen und geehrten Herren" hinter verschlossenen Türen, nm den Schlachtplan zu beraten: es scheint in­dessen, daß zwischen Abend und Morgen sich der Groll gesänftigt und lohende Preußen-Ent­rüstung sich gekühlt hat. Es hieß zwar gestern im Oberhaus, Familientrauer verwehre es dem Kanzler und Premierminister, an altgeliebter Stätte im Kreis der Erlauchten und Edlen zu erscheinen, um pflichtgemäß Rechnung zu ge­ben von eiligem Tun: Kundige wollen in­dessen wissen, daß der fehlende Philosophenkopf Bethmanns beim gestrigenEtatgeplauder imHer- rcnhaus das Ergebnis sorglicher Regie war. und im übrigen auch den gewünschten Zweck leicht erstreiten ließ: Der gefürchteteReichs- land-Sturm" im Kreise der Borussen blieb aus, und man scheint geneigt, sich zu versöhnen. Dadurch wird auch dem Zentrum eine quälende Sorge vom mitfühlenden Herzen genommen und der Bestand deskleinen Blocks" von Hey­debrand bis Erzberaer ist fürs erste gesichert. Die Großblockarbeit kommt erst im zweiten Akt, wenn der Mai ins Land zieht und nach der Ostervause im Parlament der Rede Bäch­lein wieder fröhlich rinnt. Bis dabin aber kann noch viel geschehen, und hinter den Ku­lissen winkt emsigen Händen Gelegenheit zu

mindesten seltsam und befremdlich erscheint, denn in der Geltendmachung fion Anstauun­gen und Meinungen an sich kann man doch noch kein Vergehen gegen die Autorität des Staats erblicken. Man darf unter diesen Um­ständen auf den Ausgang des Verfahrens ge­spannt sein.

Das Kronprinzenpaar in Nom.

Römische Fest- und Feiertage.

(Eigene D r a h t m e l d u n g.) t Rom, 6. April.

Das seit gestern in der italienischen Haupt­stadt weilende Kronprinzenpaar hat sich im Fluge die Herzen der Römer gewonnen. Wo gestern die königlichen Wagen mit dem Kronprinzenpaar vorüberfuhren, stürmte die Menge jubelnd hinterher oder suchte durch Ne­bengassen Platz zu gewinnen. Vor dem Qui- rinal nahmen die Eviva-Ruse kein Ende. Um halb vier Uhr nachmittags stattete das Kron­prinzenpaar der Königin-Mutter einen Besuch ab, dann fuhren die Herrschaften ins Pantheon, um prachtvolle Kränze auf den Kö­nigsgräbern niederzulegen. Später begab sich das Kronprinzenpaar zu der deutschen Bot­schaft, wo es von deutschen Schulkindern, die wacker im strömenden Regen ausgehalten hat­ten, mit Hurrarufen begrüßt wurde. Die Kronprinzessin besuchte das deutsche Hospital und ließ sich das Kuratorium und die Schwe­stern vorstellen. Der Kronprinz ließ sich in­zwischen die Herren der Botschaft, sowie die Spitzen der deutschen Kolonie vorstellen. Das Prinzenpaar nahm den Tee beim Botschafter ein und gab beim Für st en Bülow seine Karten ab und fuhr hierauf zum Quirinal zu­rück. Wie verlautet, beabsichtigt der König, heute dem Kronprinzen die r ö m i s ch e n T r u p £ e n vorzuführen und mit den Gästen Automobilausflüge in die Albaner Berge zu unternehmen. Der Kronprinz und die Kron­prinzessin waren über den ihnen gestern berei­teten enthusiastischen Empfang sichtlich gerührt. Trotz des bedeckten Wetter- bieten die Stra­ßen vom Bahnhof bis zum Quirinal ein un­gemein festliches Bild. Alle öffentlichen Ge­bäude und die meisten Privathäuser haben ge- I flaggt und die Straßenverkäufer treiben einen schwunghaften Handel mit kleinen Fahnen in den italienischen und deutschen Farben. Die römische Presse erörtert den Besuch des Kron­prinzenpaares in den herzlichsten Worten und feiert in Leitartikeln die freundschaftlichen Be­ziehungen zwischen den beiden Verbündeten Reichen.

Zu Beginn des Monats Februar be- merkte der damalige Minister des Auswärti­gen, Pichon, daß diplomatische Dokumente von höchster Wichtigkeit, die namentlich die Orient-Angelegenheiten betrafen, verschwanden, und später in irgend einer Form in den Zeitungen auftauchten. Der Minister ließ sofort eine Untersuchung einlei­ten und übergab die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft. Das gesamte Personal wurde durch Geheimpolizisten überwacht, deren Verdachtsmomente schließlich immer mehr auf den zweiundzwanzigjährigen Be­amten Rene Rouet hindeuteten, der das Dezernat der politischen und kommerziellen Angelegenheiten aus dem Orient zu bearbei­ten hatte; et war außerdem in der Abteilung für ausländisches Schulwesen und ferner mit der Registratur der Depeschen und der Kor­respondenzen mit den ausländi- schon Vertretern Frankreichs beschäf­tigt. Rouet wurde nun scharf überwacht und man hatte bald die Gewißheit, daß er mit einem Engländer, namens Bernhard M a i m o n, der längere Zeit in Konstantino­pel und Kleinasien gelebt hatte, in Verbin­dung stand. Der Engländer ist ein englisch- arabischer Publizist, der auch mehrere For- schungsreisen in Arabien unternommen hatte. Von Paris aus unterhielt er hieraus Be- ziehungen zu zahlreichen ottornanischen und griechischen Kreisen. Der Engländer hatte seinerzeit eine Konzession für eine Bahn von Homs nach Bagdad erlangt, die ihm aber (angeblich auf Verlangen deS Deutschen Kaisers) durch den Sultan Abdul Hamid wieder entzogen worden war. Er soll unter dem Regime Abdul Hamids eine hervorragende S t e 11un g am Hofe in Konstantinopel eingenommen haben.

Die Vermittlung zwischen Rouet und Maimon besorgte der Sekretär Maimonß, P a l l i e z. Alle drei Personen wurden in der Nacht zum ersten April verhaftet: doch wurde die Sache streng geheim gehalten, bis sie in der letzten Nacht offiziell kaunt gegeben wurde. Welche Toki^ mente unterschlagen sind, weiß man noch nicht, und man ist dabei vollständig auf das Geständnis der Angeschuldigten angewiesen. Eine höhere Persönlichkeit aus dem Mini­sterium des Aeußern gab noch in der Nacht die Erklärung ab, daß die Affäre augen­blicklich sich noch in den Händen des Ju- stizminifters befinde, und daß ohne Schwä­che und mit der größten Energie gegen die Schuldigen vorgegangen werde.

Bei den drei beschuldigten Personen vorge­nommene Haussuchungen haben, wie verlautet, ihre Schuld hinreichend erwiesen, so­daß die Klage wegen Hochverrats erhoben werden kann. Wie die Morgen-Blätter bemer­ken. ist es das erstemal, daß eine Hochverrats­affäre aus dem Ministerium des Aeußeren die Gerichte beschäftigt. Rouet, der eigentlich Hauptschuldige in der Affäre, erfreute sich des größten Vertrauens seiner Vorgesetzten und er erhielt deshalb auch Einsicht in die gebeimsten Staatsdokumente. Man befürchtet mit Rücksicht darauf den Verratwichtigerdiplom a- rischer Geheimnisse.

Mrm« der Zmpf-Feind.

Die Schule gegen die Jmpfgegner.

(Von unferm Korrespondenten.)

Gegen den Vorsitzenden des Deutschen Jrnpfgegnerverbandes, den Oberlehrer Mirus in Dortmund, ist (wie wir schon mft- teilten) vorn Provinzialschulkollegium in Mün­ster ein Disziplinarverfahren wegen Bekämpfung des Jmvfgesetzes eingeleitet wor­den. Das offizielle Organ der deutschen Jmpf- gcgnervereine, derJmpfgegner", nimmt jetzt zu der Angelegenheit scharf Stellung, indem er darauf hinweist. daß das Vorgehen gegen Mi­rus aller gesetzlichen Handhaben mangele. Das

Set Traum vom Block-

Herr von Bethmann und die Parteien.

Präsident Graf Schwerin-Löwitz hat den R e i ch s b o t en für die Osterferiengute Erho­lung von den Anstrengungen der letzen Wochen" gewünscht, und wenn auch kein Anlaß vorliegt, den magern Ergebnissen der zeitraubenden Ver­handlungen ein hohes Lied zu fingen, so hat es doch an Arbeit und Aufregung im Reichstag feit den letzten Novembertagen nicht gefehlt, und die oft bis Mitternacht erhellten Fenster unter dem vergoldeten Kuppeldach am Königs- platz ließen auch die Vorübergehenden erken­nen, daß die Götter nach altgriechischem Princip vor die Tugend immer noch den Schweiß setzen. Auf eine reale Belohnung mit Universitäts­denkmünzen und neuen Hundertmarkscheinen werden die eifrigen Parlamentarier gewiß nicht rechnen, zumal durch die humoristifch-satirische Kritik, die noch am letzten Tag vor den Oster­ferien die Lachmuskeln der Abgeordneten in Bewegung setzte, jeder Anspruch auf derartige Preise verwirkt wurde. Aber noch ist nickt alle Hoffnung aufgegeben, daß ein idealer Lohn für die unermüdliche Tätigkeit durch die erfolgreiche Verabschiedung der wichtigsten Gesetzesvorlage dieser letzten Session des schicksalreichsten Reichstags doch noch gewonnen wird: Das Zustandekommen der geplanten neuen Reichs­versicherungsordnung wird von den Parteien der Liberalen, der Konservativen und des Zentrums mit gleicher Entschiedenheit er­strebt, und da die Sozialdemokratie das Gesetz in der wahrscheinlich gewordnen Fassung unter allen Umständen verhindern will, so zieht ein verderbliches parlamentarisches Kriegsmittel: Tie Obstruktion, drohend herauf. ,

Des Kanzlers Traum von einem G r o ß - block von Erzberger bis Naumann scheint also Leben zu gewinnen, und Herr von Bethmann Hollweg hätte demnach die Feld- berrnkünste des Quintus Fabius Maximus (Sunctator nicht erfolglos zu üben versucht, wenn es ihm dock noch gelänge, wenigstens in einer innervolitischen Frage von großer Trag­weite eine breite,gefamtbärgerliche Front" gegen die Sozialdemokratie zu bilden. Diese Partei beabstcktigt nämlich, das mit einer Last von siebzehnhundertvierundfünfzig Paragra­phen beladene Sckiff der Versicherunasreforn dadurch zum Scheitern zu bringen, daß es au die Redeklippen gestoßen werden soll. Es sollen soviel Abänderungsanträge und Zusätze auf den Reichstag niederregnen, und fo viel Gesckästs- ordnungsdebatten eingefügt werden, daß die im wunderschönen Monat Mai beginnende Früh- lingskampagne (und auch die Sommer- und Herbstsession) restlos aufgezehrt werden, ohne daß es vor den Neuwahlen zu einer Schlußab­stimmung kommt. Schon jetzt (vor den fröh­lichen Öfterfeiertagen) macht man in den libera­len Parteien mobil, um der Sozialdemokratie die Gefahren der Obstruktion von fernher zu zeigen. Es wird an Eugen Richters Reichs­tagsrede vom Dezember neunzehnhundertzwei erinnert, in der er anläßlich der geaen den Zoll­tarif gerichteten Obstruktion unter anderm ausführte:Das müßte eine jammervolle

Set neueste Elundul.

Verschwundene Ministerial-Dokumente.

(Eigene Draht Meldungen.)

Man depeschiert uns aus Paris: Aus Grund einer vom ehemaligen Minister des Auswärtigen, Pickon, im Februar bei bei Staatsanwaltschaft erhobenen Klage hatte de, Staatsanwalt eine strenge Untersuchung emge- leitet wegen Unterschlagung und Veröffentli­chung vertraulicher Schriftstücke aus dem Ministerium des Auswärtigen. Diese Affäre erregt heute ungeheure Senfa- tion, denn in der letzten Nacht wurde bekannt gegeben, daß auf Grund der Feststellungen bei Staatsanwaltschaft unb bet Geheimpolizei be­reits am letzten Märztage bet Konsulats-Aspi­rant Rene Rouet, Attachee im Ministerium des Aeußeren, sowie ein Engländer, namens Bernhard Maimon und dessen Sekretär P a l l i e z verhaftet worden sind. Ein e i g e« n er Drahtbericht meldet uns über die fen* ationelle Affäre folgende Einzelheiten:

Paris, 6. April.

Der Riesenbrand in Kadikör. Dreihunbertfünfzig Häuser niebergebrannt. (Privat-Telegramm).

Konstantinopel, 6. April.

Der gestrige Riesenbranb in bet Vorstabt Kabikör hat viel größeren Schaben ange­richtet, als anfänglich angenommen würbe. Insgesamt würben dreihundertfüns- z i g Häuser ein Raub ber Flammen. Das Feuer brach int Hause bes reichen armenischen Kaufmanns Manukian, anscheinenb schon in ber Nacht aus, würbe aber von niemanb bemerkt, sodaß die Feuerwehr viel zu spät alar­miert wurde. Zudem wehte ein heftiger Süd­ostwind und (wie immer) fehlte es an allen Rettungsgeräten und an Löschmannschaften. Als die erste Hilfe eintraf, war es bereits zu spät. Die Einwohner ber Nachbarhäuser, durch den Brandgeruch aus dem Schlafe ge­weckt, hatten kaum Zeit, sich auf die Straße zu retten. Der Schaden wird auf fünf Milli­onen Mark geschätzt, dürfte aber viel grö­ßer fein. Vier Menschenleben sind dem Feuer zum Opfer gefallen und mehrere Per­sonen werden noch vermißt, von denen man annimmt, daß sie ebenfalls in den Flammen umgekommen sind. Unter dem Verdacht der Brandstiftung wurden fünf Griechen verhaftet, von denen einer beobachtet wurde, wie er einen schon brennenden Konak noch an einer anderen Ecke anzündete. Die Brandstätte selbst bietet ein grauenhaftes Bildder Verwüstung. Die meisten Konaks, aus Holz erbaut, brannten wie Zunder. Die be­rühmte Marmorvilla des Marineministers Mahmud Mukhtar konnte gerettet werden. Erst nachmittags gelang es, des Brandes Herr zu werden. Man nimmt hier an, daß das Feuer aus Rache gegen die Türken angelegt worden ist, und baß es sich imgrunbe um ein politisches Verbrechen handelt. Etwa fünfhundert Familien sind obdachlos und lei- I den unter ber Biet herrschenden Kälte enn'eulich.

Mehrheit sein, die sich einen solchen Obstruktions­feldzug gefallen ließe. Hiernach ist es nickt mehr ein Kamps um die Sacke, sondern um die Zeit. Wenn man einen auf fünf Jahre gewählten Reichstag achtzehn bis neunzehn Monate hindurch verhindern will, daß die Mehrheit ihren Willen zum Ausdruck bringt, so kämpft man damit gegen einen Grundgedanken des Varlamentarismus . . ."

Der Minderheit können allerdings die ver­fassungsmäßig gesicherten Reckte nicht genom­men werden, und fomit wird es auch schwierig sein, eine etwaige Obstruktion durch eine ver­schärfte Geschäftsordnung niederzuzwingen. Ein nationalliberaler Abgeordneter erhebt indessen heute seine warnende Stimme, indem er schreibt:Führt die Ausnutzung ber Minder- heitsrechte zur Aufhebung bes Parla­mentarismus, so wird man vor starken Mitteln nicht zurückweichen, die im Interesse der Würde des Reicksparlaments liegen!" Dürfte sich somit des Kanzlers Traum vom G-otzblock erfüllen? Der humorvoll veranlagte, einftige Parlamentarier Alexander Meyer pflegte öfters im Reichstag zu sagen: Es kommt immer anders! Und auch Wilhelm Busch, der Philosoph des Lächelns, erklärte überzeugt: Und gar manchmal überhaupt, kommt es an­ders, als man glaubt! Eins muß indessen trotzdem festgehalten werden: Die Notwen­digkeit positiver politischer Arbeit und das öebürfniä, sichtbare parlamentarische Erfolge