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Fernsprecher 951 und 952.
Set khauvinirmur Regt!
Der vereitelte Wettflug Paris-Berlin.
Die französischen Chauvinisten haben eine Heldentat vollbracht: Sie haben (tote wir schon telegraphisch berichteten) den geplanten Wettflug Paris-Berlin zum Scheitern gebracht. An sich brauchte man darüber kein Wort zu verlieren: denn ob diese dem Re- flamebedürfnis eines Pariser und eines Berliner Blattes entsprungene sportliche Veranstaltung zustandekommt oder nicht, hat so wenig ein politisches Interesse, tote es die zum höheren Ruhm eines Newyorker Verlags unternommenen tragikomischen Lust- und Ozeanfahrten des Managers Wellman hatten. Die Franzosen haben es indessen verstanden, in diese rein geschäftlich-sportliche Angelegenheit politische Momente hineinzutragen. Eine französische Flugmaschine und ein französischer Flieger sind bekanntlich von allen Schätzen dieser Welt das Vollkommenste und Herrlichste: Jeder echte Franzose vergießt beim Anblick eines französischen Fliegers (namentlich wenn er eine Uniform trägt) Tränen der Rührung; Menschen, die sich in ihrem Leben nie gesehen haben, umarmen sich auf der Straße, Greise werden wieder jung und Säuglinge pfeifen die Marsaillaise. Es ist hiernach klar, daß man einen solch herrlichen Anblick
auf weiteres in dem schönen Wahn wiegen, in der Beherrschung der Lust .unerreicht" dazn- tehen: Der Chauvinismus siegt und die Logik verhüllt verschämt ihr alternd Haupt. An sich hat ja die ganze Affäre für uns nur das Interesse, das man als Zuschauer empfindet, wenn unverständige Leute sich mühen, die Oefsentlichkeit durch kleine Scherze auf die Beträchtlichkeit ihres bescheidnen Jchs aufmerksam zu machen. Die beiden Blätter, die für den Flug das »Stipendium" aufgebracht hatten, mögen freilich ein wenig enttäuscht sein: Der Flug wäre eine Reklame-Gelegenheit internationalsten Sttls gewesen und die Hunderttausende, die kluger Geschäftssinn großmütig opferte, hätten sich tausendfach verzinst. Nun ist der prächttge Plan gescheitert und mit ihm allerlei ergötzliche Träume und Kalkulationen, die rührige Leute bereits in allen Phasen sorglich ausgeklügelt hatten. Es ist nicht schade drum: Die „Völkerversöhnung" wird weder durch Gastmahlreisen, noch durch Frie- densschalmeien, noch durch Lustspuk vorbereitet, sondern sie muß sich aus den realen Notwendigkeiten politischer Arbeit ergeben, und .von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, kann man auch Bethmann Hollweas gestrige Philosophenrede über Friedenstraum und Weltversöhnung verstehen und würdigen.
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nicht an Unwürdige verschleudern darf.
Wer französische Flugmaschinen in der Lust bewundern totff, muß sich eine solche Gunst erst durch besondere »Bravheit" verdienen. W a- r e n aber die Deutschen brav? Kann man zu ihnen überhaupt das Vertrauen haben, daß sie die Ehre zu würdigen w.sser-, die ihnen durch den Anblick französischer Flieger zuteil werden würde? Jenseits des Vogesenlochs sagt man mit Groll und Inbrunst: „91 eilt!" und das Weitere ergibt sich dann von selbst. Und nicht etwa ohne Grund: Hat man doch in Deutschland jüngst erst über die Fremdenlegion, die einzige Institution, die (obwohl zum größten Teil „made in germany“) der französischen Flugkunst zur Not zur Seite gestellt werden kann, allerlei schnöde Bemerkungen gemacht. Man könnte stellich auch eine andere Begründung für die plötzliche Absage finden: Trotz der stolzen Worte, die noch jüngst der Kriegs- minister Berteaux dem französischen Flugwesen gewidmet hat, scheint man sich ho<* nicht ganz sicher zu fühlen. Man fürstet die deutsche Konkurrenz, auf die man im vorigen Jahr noch so stolz herabsah. Es ist freilich nur Vogel- strautzpolitik, wenn man meint, durch die Ausschaltung der deutschen Sttecke und damit auch der deutschen Flieger den „deutschen Wettbewerb" hintanhalten zu können, denn der deutsche Fliegererfolg wird von dem deutsch-französischen Reklameprojekt sicher nicht Mtttjtmt, und um die verlornen Hunderttausende braucht man schließlich auch noch nicht Tränen zu weinen, denn sie sind (klüglich) noch nicht verausgabt!
Irgend ein ganz Höflicher am Sttand der Seine hat zartsinnig erklärt, die Meidung deutscher Erde bei dem geplanten Rekord- und Reklameflug sei deshalb notwendig, um die beträchtlichen und sorglich in Watte eingebauschten „Geheimnisse der französischen Flugtechnik" dem mischen Späherauge nicht zu offenbaren. Der Satz, der die grobe Chauvinistenfaust mit dem Glace-Handschuh gallischer Höflichkeit ziert, ist indessen merklich töttcht, denn um die französischen Flugmaschinen in allen ihren technischen Einzelheiten kennen zu lernen, braucht man nicht erst abzuwarten, bis französische Flieger nach Deutschland kommen. Gerade bei Flugmaschinen ist eine Geheimhaltung der Konstruktion völlig ausgeschlossen, und der Patentschutz versagt hier, da die meisten Stott* struktionsteile nicht schutzsähig sind. Es ist auch offenbar viel weniger die Furcht, daß die stan- zösischen Flugmaschinen (deren Konstrukteure übrigens be den Gebrüdern Dright zum Teil recht ansehnliche Anleihen gemacht haben) von deutschen Technikern nachgeabmt werben könnten, als vielmehr die Besorgnis, daß die stanzösischen Flugleistungen von deutschen Konkurrenten übertroffen werden könnten. Und rine solche Niederlage (vierzig Jahre nach der »Erniedrigung Galliens durch die östlichen Barbaren") würde Frankreichs Eitelkeit mehr kränken als eine politische Schlappe.
Man fühlt am Strand der Seine instinktiv, daß die Vorherrschaft Fransteichs in der Lust bedroht ist, und hält es deshalb mit dem bessern Teil der Tapferkeit, indem man vorsichtig einer Entscheidung aus dem Wege geht. Au diese Weise kann man sich wenigstens.noch bis
Hamburg-Berlin im Aeroplan.
Die Rückfahrt des Militär-Aeroplans. (Telegraphische Meldungen.) Die beiden Militärflieger Leutnant E r l e r und Leutnant Mackenthum haben gestern nachmittag bereits von Bremen auS die Rückfahrt nach Döberitz über Hannover angetreten. Der Doppeldecker stieg nachmittags um vier Uhr achtzehn Minuten auf und landete um halb sechs Uhr auf einer Wiese bei V e r d e n an der A l l e r. Ueber die Ursachen dieser Zwischenlandung, die nicht beabsichtigt war, berichtet uns ein Telegramm unsres Korrespondenten aus
Verden, 31. März.
Wie Leutnant Mackenthum erklärt, machte gleich hinter Bremen einheftigerGegen- wind den Fliegern viel zu schaffen. Der Wind sei immer heftiger geworden; in der ersten Flugstunde seien deshalb nur zweiund- dreißig Kilometer zurückgelegt worden. Der Führer steuette den Doppeldecker bis zu d r e i- hundert Meter Höhe: da aber auch in dieser Höhe die Windverhältnisse nicht besser waren, beschlossen die Offiziere, in Verden zu landen und dott zu übernachten. Vom hiesigen Arttllerie-Regiment wurde den Avia- tikern ein Zelt zum Eindecken des Apparates für die Nacht zur Verfiigung gestellt und ein Wachtkvmmando beim Aeroplan belassen, Die Ofliziere wollen heute mittag, wenn die Witterungsverhältnisse es gestatten, die Weite'rfahrt nach Hannover antre- ten, hier eine Stunde Station macken, um die Benzinvorräte zu ergänzen und noch einer Schleifenfahtt über Hannover die Reise nach Braunschweig und Magdeburg fort- setzen. Abends gedenken sie wieder inDöbe- ritz einzutreffen. Heute morgen haben sich indessen die Witterungsverhältnisse verschlechtert; es weht starker Wind und ein dichter Rebel lag über dem Gelände. Der Doppeldek- ker hat sich auf der Fahtt vorzüglich bewähtt und bei schärfstem Gegenwind gute Leistungen erzielt. Die beiden Ofliziere planen für die nächste Woche einen neuen Ueber- landflug, der eine noch wettere Strecke beschreiben soff. Leutnant Erler erklärte, die Fahtt Berlin-Hamburg sei nur ein „Probe- flug" gewesen.
Ein weiterer Flieger-Erfolg wird aus Frankreich gemeldet: In CharlevMe unternahm gestern (wie uns ein Privat-Tele- gramm aus Paris berichtet) der Flieger Sommer auf seinem Zweidecker mit acht Personen einen eineinhalbstündigen Flug und legte bei durchschnittlicher Geschwindigkeit von fünfundsechzig Kilometern in der Stttnde hundert Kilometer zurück. Er hat damit einen neuen Weltrekord ausgestellt. Die Fahrt ging glatt vonstatten, und der Zweidecker bewegte sich auch bei statter Luftströmung mit vollkommener Sicherheit.
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Serben, 31. März. (Eigne Drahtmeldung.) Die beiden OflizierSpiloten, Oberleutnant Erler und Leutnant Mackenthum sind heute früh mit dem Aweidecker „Albatros" zur Weiterfahrt nach Hannover aufgestiegen. EL herrschte starker Wind. Um acht Uhr hatten sie in der Rühe von Eystrup eine
Zwischenlandung, da sich ein leichter Motordefekt herausgestellt hatte. Dieser war aber bald behoben, und kurz nach 10 Uhr stiegen beide Flieger wieder auf und verschwanden in der Richtung auf Hannover. Bei Nienburg wurde um elf Ühr abermals eine Zwischen- landung erforderlich, weil sich neuer Mo- tordefett einstellte. Um zwölf Uhr stiegen die Flieger wieder auf, um die letzte Strecke bis Hannover zurückzulegen.
bin Triumph der Technik.
Der Durchbruch des LSflchberg-Tunnels. (Telegraphische Meldungen.)
Wie uns aus Bern gemeldet wird, waren im Lötschbergtunnel bei dem ge- trigen Nachmittagsschichtwechsel nur noch acht Meter durchzuschlagen, sodaß auf den Durchbruch heute früh zwischen zwei und vier Uhr gerechnet wurde. Die Nord- und Südseite arbeiteten zusammen. Affe vier Stunden wurden auf die Miriute genau auf beiden Seiten gleichzeitig Sprengschüsse abgegeben. Heute früh ist dann der Durchbruch glücklich vollendet worden. Ein Telegramm berichtet uns darüber:
Kandersteg, 31. März.
Heute früh Punkt halb vier Uhr erfolgte der D n r ch s ch l a g im Lötschbergtunnel. Tie Arbeiter trafen von beiden Seiten unter großer Begeisterung zusammen. Der Lötschberg tunnel bedeutet eine wichtige Zufchrtstraßc zum Simplon. Die Tunnelarbeite» wurden am fünfzehnten Oktober neunzehnhundert- sechs in Angriff genommen. Die Länge des Tunnels beträgt rund sechzehn Kilometer DaS Nordportal befindet sich bei Kandersteg •4m' Berner Oberland, das Südportal bei Goppenstein im Kanton Wallis. Die Bahn berührt bei Brieg die Simplonbahn. Trotz großer Schwierigkeiten erfolgte der Durchstich vor der vertraglich scstgesetzten Zeit, da man noch im letzten Stadium der Arbeiten mit beträchtlichen technischen Schwierigkeiten gerechnet und deshalb den Vertragstermin hinauLgeschoben hatte. Der Moment des Durchschlags des Tunnels von beiden Seiten war für die Arbeiter und Ingenieure ein Augenblick größter Begeisterung. Schon seit den letzten Stunden vor Mitternacht waren die beiden Arbeiterabteilungen in der Lage, sich durch den letzten Rest der noch stehenden Tunnelwand zu verständigen. Um drei Uhr nachts wurde eine letzte Sprengung angelegt, die pünktlich um halb vier Uhr entzündet wurde und die letzte Trennunzswand auseinanderriß. Auf beiden Seiten blitzten dann Lichter auf und verstaubte Gestalten sanken jubelnd einander in die Arme. Der leitende Ingenieur wies in einer kurzen Ansprache auf die Bedeutung des technischen Erfolgs hin und nach einer kleinen stimmungsvollen Feier nahmen dann mit der Frühschicht die Arbeiten wieder ihren Fortgang.
Die vollständige Fertigstellung des Tun- nel-Jnnenbaus soll (tote uns ein weiteres Spezialtelegramm aus Bern meldet) bis zum Oktober dieses Jahres ermöglicht werden. Man hofft, daß bei dem Bau noch Ersparnisse gemacht werden können, da schon die Kosten der bisherigen Arbeiten nicht unwesentlich hinter dem Voranschlag zurückgeblieben sind. Die Terrainschwierigkeiten haben sich nämlich als nicht so erheblich erwiesen, wie man anfangs angenommen hatte. Anläßlich des Tunnel-Durchschlags soll in den nächsten Tagen eine offizielle Feier statt- finden.
An Drama auf See?
Der Dampfer „Cramford" verunglückt.
(Eigne Drahtmeldung.)
London, 31. März.
Nachdem biS heute mittag keinerlei Nachricht von dem Dampfer „Cramford" beim Lloyd eingegangen ist, hält man das Schifl für v o l l- ständig verloren. Ter Dampfer verließ Tine am zwölften Oktober mit der Bestimmung nach Italien. Er hatte zweiundzwanzig Mann Besatzung an Bord. Einige Tage nach der Abfahrt wurden die Leichen mehrerer Mttglieder der Besatzung bei Hattlepoole an Land geschwemmt, ebenso Telle der Ladung, sodaß die Annahme berechtigt ist, daß daS Schiff infolge Zusammenstoßes mit einem anderen gesunken ist. Der Kapitän des Dampfers unternahm feine letzte Reife an Bord des Cramford und wollte nun nach fechsuudzwan- Zigjähriger Dienf"eit nach dieser letzten Fgdtt
in den Ruhestand treten. Die letzte Reise ist. nun für ihn zur Todesfahrt geworden.
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London, 31. März. (Eigne Drahtmeldung.) Der große Schraubendampfer „Dundail" aus Newcastle strandete vorgestern abend bei dichtem Nebel und scharfen Winden auf den Klippen von N o r t h- C e t e e l un« weit Whitby. Das Rettungsboot ging dorthin ab, konnte aber den Dampfer wegen der hochgehenden See erst gestern erreichen. Es rettete die Besatzung und landete sie bei der Robin Hoods-Bucht. Die Leute hatten eine schreckliche Nacht auf dem Wrack verbracht, da die Brandung von affen Seiten über das Wrack hinwegschlug. Man hält den Dampfer sür verloren, da bei der noch immer hochgehenden See an eine Bergung nicht zu denken ist. Selbst die Rettung der Besatzung war nur unter Aufbietung aller Kräfte möglich.
Set letzte Pfeil-Prozeß.
Graf Pfeil vor dem Gouvernementsgericht. (Von unserm Korrespondenten.).
Berlin, 31. März. (Telegramm.) Hauptmann a. D. Graf Franz von Pfeil hatte sich gestern vor dem Kommandantur- Öt Berlin wegen Beleidigung und andlung eines Untergebenen und Wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt zu verantworten. Rach sehr eingehender Verhandlung, in der der Angeklagte sich namentlich über die jahrelange Verfolgung durch die Presse beschwerte, wurde der An- geklagte auf Antrag des V ertreters der Anklage und der Betteidigung von Strafe und Kosten freigesprochen.
In dem Rattenkönig der Pseilprozesse stand gestern abermals Termin zur Hauptver- Handlung vor dem Berliner Gouvernements- geeicht an, vor dem sich Graf Pfeil unter der Anklage der Mißhandlung von Untergebenen und des Mißbrauchs der Dienstgewalt zu verantworten hatte. Der Angeklagte Graf Pfeil war in schwarzem Gehrock in Begleitung seines Verteidigers Rechtsanwalts Barnau erschienen. Er äußerte sich zu der Anklage, die sich auf seinen früheren Burschen Günther bezieht, in ausführlicher Weise. Nach der Anklage soll er den Burschen dadurch beleidigt haben, daß er ihm zurief: „Sie sind ein ganz Gefährlicher"; die Miß- Handlung wird in einem Stoße erblickt, den e$ dem Burschen versetzt haben soll, und
die Ueberschreitung der Dienstgewalt darin, daß er das Spind des Burschen öffnen ließ, und nach einem etwaigen Briefwech. sel zwischen dem Burschen und dem Detektiv der Gräfin Pfeil, ©raget, suchte. Graf Pfeil behauptet, daß et zu dem Durchsuchen der Briefe berechtigt gewesen sei; von einem Stoß gegen den Burschen wisse er nichts. Leider werde in der Presse viel gegen ihn gehetzt, um ihn zu erdrücken; namentlich eine Korrespondenz habe viele falsche Nachrichten über ihn verbreitet. In der Beweisaufnahme bekundete der frühere Bursche, jetzige Schlächter Günther, daß her Graf einmal in der Erregung über zerbrochene Lampenglocken ihm zugerufen habe: Sie sind ja ein ganz Gefährlicher, und ihm dann einen Stoß mit der flachen Hand versetzt habe, sodaß er zurücktaumelte, allerdings mehr aus Schreck. Auch habe ihn der Graf in Verdacht gehabt, mit Personen zu verkehren, die
mit der Gräfin Pfeil in Verbindung standen und daher eine Untersuchung seiner Sachen vorgenommen. Er habe ihm auch gedroht, er werde ihn ein sperren lassen, wenn er nicht die Wahrheit sage. Der Zeuge hat dann den Detektiv Gräger kennen gelernt, dem er die Vorfälle schilderte. Gräger habe dabei einige Glas Bier bezahlt, ihm aber keinerlei Versprechungen gemacht. Verschiedene militärische Zeugen bekundeten, daß Graf Pfeil, wie man zu sagen pflege, ein „Herz für feine Leute" hatte. Er warf monatlich einen bestimmten Betrag aus. damit für die Leute etwas gekauft werden könnte, wenn sie besonders angestrengt wurden. Gestraft habe der Graf nur ungern. In seinem Plädoyer ließ der Vertreter der Anklage den einen Frll des Mißbrauchs der Dienstgewalt Überhaupt fallen, da der Angeklagte zu dem Durchsuchen der Briefe berechtigt war. Im zweiten Fall beantragte der Vertteter der Anklage ebenfalls Freisprechung, da
der Zeuge Günther keinen Glauben vcrdiens zumal er erst nach und nach mit seinen Bekundungen herausgekommen sei. Der Verteidiger plädiette auf Freisprechung und führte aus, daß die Prozesse gegen den Grafen vor feiner ersten Frau Stephanie geb. Heim ausgingen, die ihre dem Grafen zugechrochener Kircher haben wollte, aber nicht aus Mutterliebe, sondern damit sie für diese nich- ineßr zu bezahlen brauche. Rach kurzer Bera.