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Casseler Neueste Nachrichten

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Der Eilzug im Sturm.

Wie aus

ger gestalten können.

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ten obliegt dem Hofbaurat Professor Ziller, die Oberleitung und Verwaltung des Geheimen Hofrat Büro-Berlin, unter dessen baulicher Oberaufsicht sämtliche kaiserlichen Schlösser ste­hen. Man hat wiederholt die Frage aufgewor­fen, ob der kaiserliche Besitz als solcher bei ver­hältnismäßig so kurzem Aufenthalt die riesi­gen Kosten rechtfertigt. Diese Frage wird jeder bejahen, der einmal hier sich aufhielt. Denn hier lebt man (es ist nicht zuviel gesagt) auf einem der schönsten Fleckchen Erde unsrer Welt und das Achilleion darf (auch ästhetisch genommen) als ein wahrhaft kaiserlicher Besitz gelten. Dr. F. A.

obersten Stockwerk und durch das neue Kava­lierhaus nebenan neue Räume geschahen sind. Ein wahres Glück war es, daß nach fast ver­zweifelten Bohrversuchen endlich ein artesischer Brunnen gefunden wurde, der gutes, felsen­frisches Wasser, liefert. Vorher mußte alles Wasser von einem kilometerfernen Brunnen herbeigeschafft werden.

Die Badehäuser für die kaiserliche Familie sind unten am Strande hergerichtet und ein prächtiges Eisentor schließt den Park gegen Eindringlinge auch von der Seeseite ab. Eine weiße Mole ragt weit in die See hinaus und an ihrem Ende empfängt ein marmorner Del­phin: „Der lachende Philosoph des Meeres" (wie Kaiserin Elisabeth ihn nannte), die anlan- dendcn Gäste. Das Schloß ist mit der Stadt Korfu (anderthalb Stunden Wagenfahrt) nicht nur telephonisch, sondern neuerdings auch durch einen Telegraphendraht verbunden. Elektrische Beleuchtung batte das Schloß schon zur Zeit der Kaiserin Elisabeth, aber bei der Besitzübernahme durch das Hofmarschallamt des Königs von Preußen fanden sich die Leitungen in zerstörtem Zustande vor und mußten durch neue ersetzt werden. Ueberhaupt, was mußte nicht ersetzt werden, und welche Riesen- summen hat dieser „hellenische Traum" nicht schon gekostet! Die erste Einrichtung ver­schlang 22 000000 Drachmen, 17 000 000 Mark, also weit mehr als die gesamte Bausumme für den Berliner Dom. Dabei dürfte es wohl für viele etwas neues sein, daß das Achilleion vor zweiundzwanzig Fahren nicht „autochthon" entstand, sondern auf den Trümmern eines al­ten venetianischen Bauwerks, der Villa Braila, errichtet wurde.

Siebzigtausend Drachmen jährlich hat die Erhaltung des Achilleion früher gekostet. Wo­für diese Summen ausqeaeben wurden, ist nicht klar, und ist jedenfalls für einen Bausachver­ständigen unverständlich. Tenn als das Achil­leion Hohenzollerngut wurde, hatte es zwölf Fabre mangelhaftester Pflege durchgemacht. Eine Million Mark zahlte der Deutsche Kaiser dafür, und das war ein höchst ..könialicher" Preis. Ein Privatmann hätte es wohl um achthunderttausend Mark bekommen. Alles, was sich jetzt an Einrichtung im Achilleion be­findet, ist neu. aber auch das Gebäude selbst mußte vom Keller bis mm Dache eigentlich noch einmal „durchqebaut" werden, da das ur­sprüngliche Material sehr viel zu wünschen übrig ließ. Die Ueberwachung der Baulichkci-

Kleiner Feuilleton.

Die Ergebnisse der Herzog-Adolf-Frie­drich-Expedition. Wie aus Frankfurt a. M. berschtet wird, sind im dortigen Senckenber- gischen Museum die ersten Sendungen der zen­tralafrikanischen Exvedition des Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg eingetroffen: Mehrere hundert wertvolle Vogelbälge, die Professor Reichenow-Berlin bearbeiten soll, und eine Menge seltener Säugetiere, darunter auch das Skelett und die Haut eines Okapi, des erst vor wenigen Jahren entdeckten giraf­fenähnlichen Wiederkäuers aus dem Kongo- Urwald. Tas Skelett des Okavi wurde iui Lichthof des Museums neben dem dort be­findlichen Giraffenskelett aufgestellt.

ufL; Die soziale Lage der Schauspielerinnen. Die Genossenschaft deutscher Bühnenangehöri­ger wird in Gemeinschaft mit dem Verband

Kasseler Kirchenkonzerte.

Geistliches Bolkskonzert des St. Martin-Chors.

Daß das gestrige Volkskirchenkon­zert des St. Martinskirchenchors einem Be­dürfnis entsprach, konnte uns das dichtbesetzte Gotteshaus bestätigen. Das reichhaltige Pro­gramm hatte Chöre der ältesten, wie auch neu­erer Komponisten berücksichtigt. Von Claude Lejeune (1550—1611), einem Zeitgenossen des Orlandus Lassus, von seinen Landsleuten „Phönix" unter den Komponisten genannt, hör­ten wir „Herr Jesu Christ, mein's Lebens Licht" und „O Christe, der Du uns zu gut", die Melodie: „Böhmische Brüder" (1566), Tonsatz von F. Riegel, dann „O Haupt voll Blut und Wunden", Melodie von H. L. Haßler (1604). Tonsatz von Schein (1627), „Wenn ich einmal soll scheiden" von I. S. Bach, weiterhin noch: „Ehre sei Dir, Christe", von A Klein, „Dank sei unserm Herrn" von H. Schütz, und zum Schluß des Konzerts: „Ich bin die Auferstehung" von Herzog.

Der gutgeschulte, namentlich in den Män­nerstimmen über schönes Material verfügende Cbor. bewährte sich unter der sicheren Leitung des Herrn A. Klein in allen Liedern aufs beste. Die Intonation war durchweg tadellos rein, die verschiedenen Stimmen sind gut ausgegli­chen und klangschön, nur hätten sie stellenweise mehr Kraft entfalten dürfen, und der Vortrag konnte in fast allen Chören eine Nuance wär­mer sein. Als Solisten batten Frau Konsiito- rialrat Stamm und die Herren Konsisto- rialrat Stamm, Oberleutnant Merkel und Organist H. Erbe ibre gütige Mitwirkung zu- aesagt. Frau Konsistorialrat Stamm sang die Arie „Des Christen Her, auf Rosen geht" für Sopran mit obligater Violine, von A. Becker,

Sos Schloß am Meer.

Das Kaiserpaar im Achilleion.

(Von unserm Korrespondenten.)

Korfu, 25. März.

.Der Kaiser wünscht wegen Erholungs­bedürftigkeit der Kaiserin und wegen eige­ner Erkältung schleunigste Instandsetzung des chchilleion!" Fieberhaft wurde hier gearbei­tet und . . . alles ist fertig. Aber von den Schwierigkeiten einer kaiserlichen Hofhaltung auf der angeblichen Phäakeninsel macht man sich in der deutschen Heimat sicherlich nicht die richtige Vorstellung. Sämtliche Kulturpro­dukte, Werkzeuge, Maschinen und Komfortar- ttkel müssen ja importiert werden und ein phantastisch hoher Zoll ist auf alles und jedes, was hereinkommt, gelegt, da man auf Korfu keine Steuern, sondern nur Zölle zahlt. Was wir hier an brauchbarem Material haben, ist aus Triest. Venedig, Brindisi und Athen: Wa­ren wie Menschen. Das korsiotische Arbeiter­material aber ist unglaublich indolent, faul und ungeschickt. Man möchte sagen, daß nicht nur die griechische Zeitrechnung um dreizehn Tage .nachhinkt, sondern vieles andere ebenso rück­ständig ist. Post. Telegraph und Verwaltung leben in einem südlich - ewigen dolce far niente. Telegramme vertraut man besser dem englischen Privatkabel nach Athen als dem griechischen Amte, Geldbriefe und Postanweisungen am be­sten . . . niemandem an.

Siebzig Personen hat das Achilleion zu be­herbergen, nämlich den Kaiser, die Kaiserin, die Prinzessin Viktoria Luise, das Kronprin­zenpaar (von Aegypten kommend), über ein Dutzend Gäste und fünfzig Köpfe Personal Kaiserin und Prinzessin bewohnen wieder im obern Stockwerk die-Gemächer, die einst von Elisabeth von Oe st erreich benutzt wur­den. Für den Kaiser ist im untern Stockwerk alles nach seiner Bequemlichkeit und Gewohn­heit hergerichtet. Die Decke zwischen dem ersten und zweiten Stockwerk ist durchbrochen, um Platz für «ine Treppe zu gewähren, auf der der Kaiser in die Gemächer der Damen gelan­gen kann, ohne über die große „Staatstreppe" gehen zu müssen. Das Kronvrinzenpaar muß bereits in Gastzimmern des Schlosses unterge­bracht werden. Um cs offen auszusprechen: Tos Achilleion ist immer noch für den kaiser­lichen Haushalt und Hofstaat zu klein. Im­mer noch: Obwohl durch den Aufbau über dem

Reue? vom Lage.

.Sie Tragödie der brasilianischen Meuterer.

Schon als der Telegraph die seltsame Nach­richt von dem Erstickungstod brachte, dem die begnadigten Meuterer der b r a s i l i a n i s ch e n

Die übrigen wurden am folgenden Abend in der Heimlichkeit bestattet .

welch letztere Herr Konsistorialrat Stamm mii schönem Ton und großer Anpassungsfähigkei'. durchführte, sowie: „Ich weiß, daß mein Erlöse, lebt" aus Messias von Händel. Frau Stamm verfügt über eine nicht sehr große, aber sym­pathische Sopranstimme, deren Tongebung in der Höhe jedoch manchmal etwas gedrückt klingt. Die Dame müßte darauf bedacht sein, den Ton noch mehr nach vorne zu bringen. Der Vortrag war dem Stimmungsgehalt der Werk- entsprechend.

Die Herren Konsistorialrat Stamm und Oberleutnant Merkel boten das Andante und Allegro aus der G-Moll-Sonate für zwei Vio­linen von Händel und das wunderbare Largo aus dem Doppelkonzert von Bach. Beide Her­ren verfügen über einen schönen Ton und wa­ren mit löblichem Gelingen um die stilgerechte Wiedergabe der beiden Werke bemüht. Die Begleitung der Solonummern hatte Herr Or­ganist Erbe übernommen. Es führte sie in diskreter Weise und mit guter Anpassungsfä­higkeit durch. Er steuerte auch zwei Solonum­mern zu dem Programm bei. Einleitung zu Graun's „Tod Jesu" für Orgel von Ernst Köh­ler und Präludium und Fuge F-Moll von Händel. Herr Erbe ist auf seinem Instrument heimisch und verstand es, durch geschickte Regi­strierung wirksame, vorteilhafte Klangwirkun­gen zu erzielen. Der Vortrag hätte sich in sei­nen Stücken jedoch noch ergreifender und innk

. W. — 1 yahrgaus.________________

anfang an die Hamburger Spionage-Affäre sorgfältig mit dem Schleier des Geheimnisses umkleidet hat. Man darf nun erwarten, daß irgend eine amtliche Erklärung erfolgt, tkNN Schweigen hat doch hier keinen Zweck.

Lorraine sportive.

Dte „Franzosen von Metz" vor Gericht.

(Von unserm Korrespondenten.)

Metz, 27. März.

tzn den nächsten Tagen beginnt vor der hiesigen Strafkammer die weit über dte Grenzen des Reichslandes hinaus mit Span­nung erwartete Verhandlung wegen der fian- dalösen, den Charakter des Aufruhrs anneh­menden Vorgänge, die sich im ersten Drittel des Januar an das Verbot eines Konzertes des französisch gesinnten, vorgeblichen Sportvereins „Lorraine sportive" knüpften. Der genannte Verein, der unter dem Deckmantel, Sport zu treiben, eine umfangreiche franzosen­freundliche z

Agitation gegen Deutschland

treibt, trägt Uniformen, die denen der fran­zösischen Armeee angepaßt sind, hat ein eignes Musikkorps, das mit Vorliebe franzö­sische Marschweisen zum Vortrag bringt, und steht unter dem Vorsitz eines Herrn Alexis Samain, eines Führer der verbissensten Deutschenhetzer. Das polizeiliche Verbot des Konzerts, das im Hotel Terminus stattfin­den sollte, war ergangen, weil die Polizei aus früheren Erfahrungen fürchtete, daß es sich wie­der um eine politische Demonstration handeln sollte. Den Konzertbesuchern wurde das Ver­bot am Eingänge zum Hotel mitgeteilt. Als die Leute doch in das Hotel eindringen wollten, ließ der Besitzer die Türen schließen. Inzwi­schen hatte sich aber eine

nach Tausenden zählende Menschenmenge angesammelt, die die Türen einfach auf­brach und den Eintritt mit Gewalt er­zwang. Das Musikkorps nahm auf dem Po­dium Platz und begann zu spielen. Die we­nigen anwesenden Polizeibeamten waren machtlos, die Musik kümmerte sich absolut nicht um den Befehl, mit dem Spielen aufzuhören. Als weitere Polizeibeamte erschienen, wurden sie mit Hohn- und Spottrufen emvfanqen. Gftnc Aufforderung an den Vorstand des Vereins, er möge die Versammlung bezw. das Konzert des Vereins für geschlossen erklären, wurde nicht beachtet. Als es der Polizei endlich gelungen war, den Saal mit Gewalt zu räumen, wälzte sich die Menge durch die Straßen und begann die in Lothrinoen verbotenen französischen Lieder zu singen, darunter

auch die Marseillaise

und den Sambre et Meuse-Marsch. Die Poli­zei nahm zahlreiche Exzedenten fest. Als einige von den Festgenommenen nach der militäri­schen Hauptwache gebracht worden waren, nahm die Menge eine drohen de Haltung gegen die Wache ein. sodaß diese unter Gewehr treten und die Bajonette ausvflanzeu mußte. Nach den Krawallen war es erste Sorge der Vereinsleitung, die Mitaliederlisten zu ver­brennen, um diese nicht in die Hände der Po­lizei gelangen zu lassen. Doch ist es dieser ge­lungen. die Namen aller Mitglieder festzustel­len. Die Fahne des Vereins wurde über die Grenze nach Frankreich „gerettet". Der Verein ist de vorläufigen Auflösung verfallen, und zwar mit der Begründung, daß „Lorraine sportive" den Zweck verfolge, unter der lothrin­gischen Bevölkerung, vor allem der Jugend,

Stimmung für Frankreich zu machen und sie dem Deutschen Reiche zu entfremden. Maßgebend war ferner, daß der Verein sich

Sie Politik der Lager.

„u. III." in Reparatur. (Tele­gramm unsers Korrespondenten.) Wie uns von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, waren die Bechädigungen, die das U n - terseeboot „U. III." bei seinem Unfall im Januar im Kieler Außenhafen erlitten hat, doch e r h eb l i ch e r, als ursprünglich ange­nommen wurde. Das Unterseeboot ist deshalb auch heute noch nicht gebrauchsfertig. Ganz be­sonders haben unter den Einwirkungen des Wassers die elektrischen Anlagen des Schiffes gelitten; sämtliche Drahtspulen mußten abge- wrckelt und verschiedene andere elektrische Teile erneuert werden. Alles in allem dürfte die Reparatur des Schiffes noch mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

Italiens neues Kabinett. (Tele­gram m.) Depeschen aus Rom zufolge wird das neue Kabinett sich voraussichtlich wie folgt zusammensetzen: Präsidium und Inneres @t- olitti, Aeutzeres San Giuliano, Justiz Finocchiaro, Krieg Spingardi, Ma­rine Cattolica, Ackerbau Bissolati, öffentliche Arbeiten Sa echt, Finanzen Fac­ta, Schatz Tedescho oder Avignente, Unterricht C r e d a r o, Post und Telegraphen P u z z i. Eine definitive Entscheidung ist aller­dings auch heute noch nicht zu erwarten.

cZo Die Bergarbeiter von Wales. (Pri- Vat-Telegramm.) Nach einem uns aus London zugehenden Telegramm begehen die streckenden Bergleute in Südwales ernste Ausschreitungen. In Blaen-Clydach wurde das Haus eines Metzgers demoliert und in Brand gesteckt. Die Streikenden behaupten, der Besitzer oder ein Mitglied der Fancilie habe der Polizei einen Weg über die Berge gezeigt, um die Streikenden verfolgen zu können. Da­durch seien die Arbeiter dann in die Enge ge­trieben worden. Die Trümmer des niederge­brannten Hauses wurden geplündert. Gestern sind Verstärkungen an Polizeimannschaften und

Füsiliere, die im benachbarten Tal in Garnison lagen, rns Aufruhrgebiet abmarschiert.

S> „In Portugal ist alles ruhig .. !" (Telegramm unseres Korrespon- d ent en.) Madrider und Lissaboner Depe­schen melden übereinstimmend, daß die Ver­haftungen m den portugiesischen Städten andauern. Die Portugiesischen Verschwö- r e r, die auf spanisches Gebiet geflüchtet wa­ren, wurden aus dem Lande gewiesen, weshalb die Grenzen scharf bewacht werden. Da man neue Ansch.läge befürchtet, wurden strenge Sccherhertsmatzregnl emgeführt.

S> Friede im Osten? (Telegramm.) Wie aus Peking berichtet wird, hat das dortige Auswärtige Amt nach langen wichtigen Beratungen dem russischen Gesandten in Peking die Versicherung gegeben, daß China beute rück­haltlos die Forderungen Rußlands bewilligen werde. Man ist hier allgemein der Ansicht, daß China keine andre Wahl hat, weil es für einen Krieg gänzlich unvorberei­tet sei.

iS Carnegie als Friedensprediger. (Spe­zi a l t e l e g r a m m.) Aus Newyork wird uns berichtet: Der Multimillionär Carnegie hat eine Einladung angenomemn, auf dem vom Newyorker Presseklub am achten April zugun­sten , eines anglo - amerikanischen Schiedsvertrags abzuhaltenden Diner eine Rede zu halten. Carnegie erklärte bei der Annahme der Einladung, daß er „der Presse der gesamten Welt eine wichtige Ankün­digung zu machen habe". Da darf man also gespannt sein!

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Politische Chronik.

Meldungen aus Rom zufolge wurde um Mitternacht durch einen Kanonenschuß das Zei­chen zum Beginn der Jubiläumsfeier­lichkeiten gegeben. Eine freudig erregte Menschenmenge durchwogte die Straßen der festlich geschmückten Stadt. Erst bei anbrechen- dcm Morgen ließ der Jubel langsam nach.

In Pariser politischen Kreisen wird davon gesprochen, daß eine Annäherung zwi­schen Deutschland und England in positiver Form nahe bevorstehe. Einzelheiten sind nicht zu erfahren, doch scheint die Tatsache als sicher betrachtet zu werden.

Meldungen aus London zufolge haben die gallischen Grubenarbeiter der Bezirke Cam- brian und Rhonda mit siebentausendeinund­vierzig gegen dreihundertneun Stimmen die Fortsetzung des Ausstandes, sowie die Ablehnung der unterbreiteten Kompro- nnßvorschläge beschlossen.

Wie uns ein Telegramm aus New vor! meldet, wird der Rücktritt des mexikani­schen Ministeriums als unmittelbare Folge der Besprechung Limantours mit den Vertretern der Aufständischen angesehen. Limantour gilt nunmehr als Herr der Lage. Es geht das Ge­rücht um, Diaz verläßt Mexiko. Vertreter der Aufständischen erklären, Mädero werde die Feindseligkeiten jedoch vorläufig noch nicht ein­stellen.

Wie uns aus Bagdad gemeldet wird, herrschen dort seit der Entlassung des Walis Nazim Pascha Unruhen. Es kommen zahl­reiche Räubereien vor. In Kerbela, das von aufständischen Arabern umzingelt ist, herrscht Bürgerkrieg.

durch das Zurschautragen französischer Vereins. , Spielen französischer Signale und

französischer Marschmusik, sowie demonstrative Verherrlichung von Frankreich in Rede und Lied auf deutschem Boden sich einer dreisten Herausforderung Deutschlands schuldig gemacht und dem Geist des Aufruhrs den Boden bereitet hat. Gegen die Hauptbeteiligten an den Uruhen wurde Strafantrag gestellt. Neben dem Vorsitzenden handelt es sich noch um acht andere Personen. Der Vorsitzende Sa­main wird beschuldigt, daß er in die Geschäfts­räume und das eingefriedigte Besitztum des Ho­tels Terminus

widerrechtlich eingedrungen, daß er zum Ungehorsam gegen rechtsgiltige Verordnungen und Gesetze öffentlich vor einer Menschenmenge aufgefordert und schließlich ein offentlcches Konzert ohne polizeiliche Erlaubnis veranstaltet habe. Andere Angeklagte werden des Widerstandes gegen die Staatsge­walt, der Zusammenrottung, des gro­ben Unfugs, des Ausstoßens aufrühreri- Icher Rufe und anderer Delikte beschuldiqt. Die Verhandlungen dürften interessante Streiflichter auf die politischen Verhältnisse in Elsaß-Loth- rmgen werfen, und sie werden von den beson­neneren Elementen im Reichsland umso mehr bedauert, al§ sie in eine Zeit fallen, in der grade der Kampf um die r e i ch s l ä n d i s ch e Verfassung am lebhaftesten geführt wird, und weil zu befürchten steht, daß die Chauvini- sten-Krawalle auch politisch gegen Elsaß- Lothringen ausgenutzt werden können.

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Duisburg gemeldet wird, fuhr der Eilzug 2 Berlin-Köln am Sonnabend abend kurz vor dem Hauptbahnhof dem nach Mülheim-Ruhr ausfahrenden Personenzug 247 in die Flanke. Beide Lokomotiven und ein Wagen entgleisten. Personen sind nicht verletzt wor­den. Die Ursache des Unfalls ist ein Sig- naldefekt infolge des herrschenden Sturms. Ein Verschulden eines Bediensteten scheint nicht in Frage zukommen. Der Schaden ist unerheblich.

Lr Westdeutschland im Schnee. Nach einer Depesche aus Essen schlug nach einigen Frühlingstagen gestern das Wetter plötzlich um. In den heutigen frühen Morgenstunden herrschten im ganzen Rheinland heftige Schneestürme. Der Schnee liegt in den Außen­bezirken zehn Zentimeter hoch.

_________________Dienstag, 28. März ISIl.

Opfer gefallen waren, mußte der Verdacht rege werden, daß sich hinter diesem anscheinenden Zufall etwas versteckte. Französische Blätter bringen nun nach dem brasilianischen Blatt „Correio da Manha" folgende Schilderung, die die Pariser Temps Nouveaux wiedergeben: Die Strafe, die an den auf der Cobras-Jn- sel gestorbenen Soldaten vollzogen wurde, übersteigt alles, was die Phantasie an G r a u. samkeit auszusinnen vermag. Die „Solita- r as" sind Zellen, die bestimmt sind, einen ein- zigen Häftling aufzunehmen. Ihr Umfang ist so nein, daß der unglückliche Gefangene nicht einmal die Möglichkeit hat, sich der Länge nach auszustrecken. Im oberen Teil der Eingangs­tür befindet sich ein kleines Gitter, das eben noch groß genug ist, um etwas Luft durchzu­lassen. Im Inneren der „Solitarias" herrscht selbst mitten am Tage volle Dunkelheit. In zwei dieser Zellen wurden nun zwölf und vierzehn Häftlinge geworfen. Die letzten Ankömmlinge wurden mit der Türe hin­eingequetscht, die auf solche Art in ein Mar- terinstrument verwandelt wurde. Aneinander­gepreßt, unfähig, sich zu rühren, empfanden die Unglücklichen bald den Schrecken der Lage. Sie begriffen, daß da eine neue Form des Mordes auf sie angewendet wurde. Es war etwa acht Uhr abends, als man aus dem Inneren der „Solitarias" Flehen und Angstschreie vernahm: „Um unserer Fahne willen, der wir immer treu gedient haben! Haben Sie Mitleid mit uns. Herr Kommandant! Um Ihres Glückes wil­len! Um des Glückes willen aller derer, die Sie lieben, haben Sie Erbarmen!" Und die demütigen Bitten der Unglückseligen, die mit Grauen ihre letzte Stunde nahen scchen, dauerten inmitten der höllischen Qualen fort. Später traten an die Stelle der nutzlosen Bitten heftige Verwünschungen, Rufe der Revolte, Ausbrüche des Zorns: „Feiglinge ! Ihr seid geflohen, als wir Kanonen hatten und unsere Rechte verteidigten. Habt Ihr uns die Amne­stie bewilligt, um uns leichter töten zu kön­nen?" Ein diensthabender Offizier, der alles gehört hatte, wandte sich an den Kommandan­ten Marquis da Racha und stellte ihm die Lage der EingWhlossenen vor. Er erhielt aber die Antwort: „Lassen Sie die Dinge, wie sie sind! Ocffnen Sie die Türen der „Solitarias" nicht! . . . Gegen Mitternacht hörten die Rufe auf. Als man gegen acht Uhr morgens die Zellen öffnete, fielen die Leichen zu Boden. Die Unglücklichen, die vom Parlament eine vollständige Amnestie erhalten hatten, wa­ren erstickt. Joao Candido und einige an­dere waren noch nicht tot. Sie wurden aus den „Solitarias" herausgezogen und gerettet.