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Nummer 97

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Fernsprecher 951 und 952.

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Dienstag, den 28. März 1911

$et Kanzler-Gmeral.

Wilhelm der Zweite und sein Kanzler.

Mit einigem Staunen hat am Sonnabend die Welt vernommen, daß Herr Theobald von Bethmann Hollweg, der bisher Mit Stolz und Würde den Majorsrock der ersten Gardedragoner trug, zum General- Major befördert worden ist, ohne vorher erst Oberst gewesen zu fein. Das Staunen über .die Tatsache ist auch nicht ganz unberechtigt, -denn die Beförderung bedeutet eine Auszeich­nung besonderer Art, und anfangs war (das (ist in politischen Kreisen ein ziemlich öffent­liches Geheimnis) das Verhältnis zwischen hem Kaiser und seinem ersten Ratgeber doch bedenklich kühl. Das ist auch nicht verwunderlich: Der impulsive, oft Auaenblicksregungen fol­gende Monarch und der zurückhaltende, alles sorgsam wägende Kanzler sind zwei verschie­denartige Naturen, die nicht gut zueinander paffen. Es ist auch ganz sicher, daß beim jähen Fall des Fürsten Bülow der Kaiser nnr der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe, Herrn von Bethmann Hollweg zum Kanzler ernannt hat. Die innere Lage war damals so schwierig und verworren, daß schließlich keine andre Wahl blieb, als den bisherigen Haupt- mitarbeiter Bülows zu dessen Nachfolger zu küren Die Methode des neuen Mannes, still und zögernd die innere Politik Schritt um Schritt fortzuführen/ nüchtern und streng fach­lich zu reden, und alles dekorative Beiwerk beiseite zu lassen, gefiel zunächst ^^»'-lich dem Kaiser ebenso wenig wie der öffentlichen Mei­nung. Erst langsam und allmählich gewöhnte sich der Monarch an die besondere Art des fünften Kanzlers, den er dann aber umso auf­richtiger zu schätzen lernte.

Wenn Wilhelm der Zweite zu seinem fünf­ten Kanzler wahrscheinlich auch niemals in so intime Beziehungen treten wird, wie zu dem Fürsten Bülow, den er duzte und mit dem Vornamen anredete (man erinnert sich, daß unmittelbar nach dem Ohnmackttsanfall, den Bülow während einer Rede erlitt, der Kaiser mit dem Ausruf:Ich will meinen Bernhard sehen!" alsbald im Reichstag erschien), so hat doch auch sein Verhältnis zu Herrn von Beth­mann Hollweg mit der Zeit wahrhaft herzlick-e Formen und einen hohen Wärmegrad aufrich­tiger Wertschätzung angenommen. Davon neuerdings für weitere Kreise die Tatsache Zeugnis abgelegt, daß der Kaiser den Reichs­kanzler damit betraute, beim Stapellauf des jüngsten deutschen LinienschifssKaiser" in Kiel die Taufrede zu halten. Wie man hört, hat die kurze, markige Ansprache des Kanzlers auf die dortige glänzende Verfammlung einen starken Eindruck gemacht. Namentlich in Ma­rinekreisen hat der Satz:Führt Dich der Gott, der über Wind und Wetter gebietet, der die Schlachten lenkt, in Gefahr und Not, dann bleibe Deine Mannschaft noch in letzter Stunde des Namens eingedenk, den Du tragen sollst . . .* als eine unverkennbare Anspie­lung auf das heldenmütige Verhalten der Mannschaft des untergegangenenIltis", sehr sympathisch berührt. Der Kaiser selbst soll die­sen Empfindungen mehrfach Ausdruck gegeben und Herrn von Bethmann Hollweg in Kiel ungewöhnlich ausgezeichnet haben. Er teilte ihm auch (wie in eingeweihten Kreisen errählt wird) persönlich mit, daß er »ihn zum Gene­ralmajor befördert habe.

Man weiß, daß der Kaiser grabe auf der­lei .militärische Dinge auch Zivilbeamten ge­genüber den höchsten Wert legt, und grabe ba­nnt ganz besonders sparsam verfährt. Des­halb wird man wohl darin einen allgemeinen Vertrauensbeweis des Kaisers für seinen ersten Ratgeber erblicken dürfen, umsomehr, als der Kanzler dabei zwei Militärchergen übersprungen hat. Ter Vorgang hat eine be­sondere Bedeutung: Bis vor kurzem wurde auch in sonst gutunterrichteten politischen Krei­sen Herr von Bethmann Hollweg für eine Art Platzhalter des künftigen Kanzlers gehal­ten. Man nahm mit ziemlicher Sicherheit an, daß er nur kurze Zeit auf seinem Posten blei­ben und bei erster Gelegenheit genötigt wer­den würde, einem bereits seit längerer Zeit in Aussicht genommenen Nachfolger den Platz zu räumen. Insbesondere ging die vorwiegende Annahme dahin, daß er den Ausfall für die Regierung ungünstiger Reichstags- Wahlen als Kanzler nicht lange überdauern werde. Man wird diese weitverbreitete An­nahme jetzt kaum noch aufrechterhalten können. Sollte es demnach Herrn von Bethmann be- fchieden kein, sich längere Zeit an der Spitze

tt Sn* im WomM.

Ein Maffenunglöck in Newyork. Feuer im Menschenleben als Lpfer der Katastrophe.

Berzweistungssprung in den Tod.

Newyork, 27. März. (Telegramm.) In einem zwölfstöckigen Jndustriegebäube am Washingtonplatz, in dem sich eine Zel- luloidfabrik befindet, brach am Sonnabend abend ein Brand aus. Man schätzt die Zahl der Personen, die durch Heradspringen ans den Fenstern oder durch daS Feuer den Ton gefunden haben (meist junge Mädchen) auf mindestens hundertfünfzig. In der Fabrik waren gegen fünfzehnhun­dert Personen beschäftigt. Das Ge­bäude ist bis auf die Mauern ausgebrannt. Hebet die furchtbare Katastrophe werden uns ans Newyork telegraphisch folgende schrecklichen Einzelheiten berichtet: Der Brand der Blusen- und Zelluloidwarensabrik in Greenstreet am Washingtonplatz war eine der furchtbarsten Katastrophen feit dem Brand des Dampfers Slokum. Das Feuer brach bei Geschäftsschluß wahrend der Lohn­zahlung aus. Achtzig Mädchen, die sich im ach­ten, neunten und zehnten Stockwerk aufhielten, wurden von einer fchtecklichen Panik ergrif­fen. Die eine Notleiter an der Rückseite des Ge­bäudes war den meisten Mädchen unbekannt. Die Mädchen krochen deshalb in ihrer Angst teils auf die schmalen Vorsprünge und Simse; sobald ihre Kleider Feuer fingen, fprangen sie auf die Straße hinab. Die Rettungsnetze er­wiesen sich als wertlos, weil zu viele Personen gleichzeitig fprangen und infolgedessen eine sorgfältige Handhabung der Netze unmöglich tuar. Die Brandstätte zeigt furchtbare Bilder. Ganze Reihen von Leichen junger Mädchen und Männer liegen auf den angrenzenden Straßen. Die Nachricht von der Katastrophe verbreitete sich mit Blitzesschnelle, sodaß Scharen von Angehörigen der Toten den um die Brandstätte gezogenen Polizeikordon bestürmten. Viele der Opfer sind dadurch umge­kommen, daß sie bei dem (Sprung aus der gro­ßen Höhe die von der Feuerwehr ausgebreite- len Sprungnetze durchfchlugen und auf dem Pflaster zerschmetterten. Neber den Hergang der Katastrophe wird folgendes be­kannt: Sobald sich infolge des Brandes eine starke Rauchentwicklung zeigte, eilten die Arbei­ter und Arbeiterinnen in den oberen Stockwer­ken zu bett Feuernotleitern. Viele ret­teten sich auf diesem Wege, doch erwiesen sich die Leitern bei dem Andrang als unzureichend und von den vielen hundert Arbeitern und Ar­beiterinnen der Fabrik, die gerade ihren Lohn erhalten hatten und sich anschickten, fortzugehen, gerieten viele in eine entsetzliche Panik, die zu einem wilden Gedränge auf den Feuer­leitern führte und die Meufchen schließlich het- abspringen ließ. Die HnglückSstätte wird von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge umlagert, unter der sich die furchtbarsten Ser» zweiflnngsszenen abspielen, da die mei­sten von ihnen den Tod oder die Verletzung von Angehörigen zu beklagen haben.

Am Schauplatz der Katastrophe.

(Eigne Drahtmeldung.)

Newyork, 27. März.

NiindcstenS hundertfünszig Per­sonen sind durch Brand oder Sturz umgrkom- inen. Hundertachtundvierzig Leichen wurden bis zur Nacht geborgen. Die Opfer sind größtenteils italienischer Nationali­tät. Wenige Augenblicke nach der Fcucrmel- bimg stand das ganze Gebäude in Flammen. ES hat zwei je hundert Fuß lange, nach zwei paral­lelen Straßen gelegene Hauptseiten. Fcuerwehr- leftern vesanden sich nur an den Ncbcnsei- t e n. Ehe die fünfzehnhundert Menschen diese Feuerleitern erreichen konnten, war das Haus ein Flammenmeer vom Keller bis zum Dach. Die grauenhaften SzetXN, die sich absptelten, fpotten ieder Beschreibung. Don den beiden Fahrstühlen im Gebäude war der eine im Augenblick überfüllt und geriet außer Betrieb. Der 7-ahrstuhlsührer sagte aus: Ich sah in den Korridoren der oberen Stockwerke Vicht gedrängte Menschenmassen in wahnsinniger Angst miteinander kämpfen, um in den Fahrstuhl zu springen, während der Fahrstuhl vorübersauste. An den vorder» und Hintern Fenstern rangen Män­ner und Frauen, um beranrukominen und

zwölfstöckigen Wolkenkratzer. Dreihundert Schreckensfzenen an der UnglücksstStte. Der

Die Urfache noch unermittelt.

in den sichern Tod hinunter zu springen. Die Fahrstuhlfchächte waren mit Leichen voll­gepfropft, da die verzweifelten Opfer sinn­los in die Tiefe sprangen, um den sic umzin­gelnden Flammen zu entgehen. Zwanzig Mäd­chen lagen als Leichen übereinandergcschichtet in dem engen Lichtschacht. Wie ein Polizei­beamter erklärte, liegen unter den Brand-Trüm­mern noch zahlreiche Leichen, und man schätzt die Gesamtzahl der Toten nach beit neusten Feststellungen auf mindcstcns drei­hundert. Die Bergung der Leichen dauert fort. *

Spfer des Leichtsinns?

(Eigne Drahtmeldung.)

Newyork, 27. März.

Die Brandkatastrophe wird allgemein fre« velhafter Nachlässigkeit zugeschrieben. Das Ge­bäude war für feuerfest erklärt worden und man hatte deshalb unterlassen, die beiden Hauptfeiten mit Feuerleitern zu versehen. Nur an den Nebenseiten waren Leitern angebracht, und diese waren für viele unerreichbar. Der Chef der Feuerwehr erklärte, das Unglück ent­spräche genau seiner Voraussage. Er habe fortwährend Feuerleitern an den Außenseiten solcher Gebäude verlangt. Der gegenwärtige Verlust an Menschenleben sei die Folge gro­ßer Nachlässigkeit. Zwanzig Mädchen lagen auf einem Haufen auf dem Boden eines Lichtschachtes, in den sie ans dem neunten Stock hinabgestürzt waren. Sie hatte« sich zu­erst auf einen schmalen Vorsprung oben am Schacht vor der Hitze zu retten gesucht, dort waren sie von nachdrängenden Mädchen her­untergestoßen worden und in Gruppen von zweien oder dreien abgestürzt. Eine An­zahl andrer Mädchen versuchte, an einem star­ken vom neunten Stock aus zum Nachbarhaus hinübergefpannten elektrischen Kabel entlang zu klettern. Das Seil riß aber, und die Un­glücklichen Mrzten sämtlich auf die Straße, wo sie zerschmettert liegen blieben. Wie es heißt, ist das Feuer durch Defektwerden einer Dynamomaschine entstanden, doch ist die Untersuchung Über die Ursache des Bran­des noch nicht abgeschlossen. Bis heute mittag waren insgesamt hundertzweiundfech- zig Leichen geborgen.

Der Expreßzug verunglückt!

Zwanzig Passagiere ertrunken. (Privat-Telegramme.)

Newyork, 27. März.

Der Expreßzug der Atlantic-Küsten- linie, der viel von Floridareisenden benutzt wird, stürzte gestern bei Ocilla (Georgia) in bc.n Alaphafluß, da die über das Wasser füh­rende Hängebrücke eingebrochen war. Zwanzig Passagiere fanden nach den bisherigen Berich­ten den Tod. Nach einer anderen Meldung ist der Zug nicht in den Fluß gestürzt, fonbern infolge Bruchs der Brücke entgleist. Die ersten Passagiere des verunglückten Zuges wurden in ihren Schlafkojen unter Wasser ge­rissen. Die meisten von ihnen ertranken oder wurden zerschmettert. Viele Personen wurden schwer verletzt, doch wird die endgültige To- desliste eine noch größere Zahl von Opfern aufweisen, da noch zahlreiche Passagiere ver­mißt werden, und die Befürchtung besteht, daß sie bei der Katastrophe ebenfalls umge­kommen sind.

Nne Tragödie aus See.

Dvs DampfschiffRcthcl" gescheitert.

(Spezial-Telegramm.)

AnS Newyork wird uns telegraphisch berichtet: Das DampfschiffRethel", das zwi­schen Vancouver und der Küste verkehrte, ist gestern nacht gescheitert. Die Zahl der Toten beläuft sich auf vierzig, etwa zwanzig Pas­sagiere werden noch vermißt und werden je­denfalls auch ertrunken sein. Das Dampftchiff, das den Küstenverkehr vermittelte, legte sich in dem herrschenden furchtbaren Sturm auf die Seite und lief voll Wasser, ehe an Rettung zu denken war. Unter den Toten und Vermißten befindet sich die gesamte Schisfsbesatzung ein­schließlich des Kapitäns,

der deutschen Reichsgeschäfte zu halten, als man noch vor kurzem glauben konnte, so wäre das für ihn vielleicht von größter Bedeutung, denn damit wären ihm Entwicklungsmöglich­keiten gegeben, deren ein Mann von seiner Eigenart mehr als ein anderer bedarf.

Daß sich in den verflossenen nah zwei Jah­ren das allgemeine Urteil über den fünften Kanzler in mancher Hinsicht zu seinen Gun­sten gewandelt hat, ist unbestreitbar. Wer kann heute Voraussagen, wie man über ihn urteilen wird, wenn er sich solange im Amte halte» sollte wie fein Vorgänger? Der stille Man» mit dem ernsten Philosophenblick und der schlichten Geste ist sicher keine Kraftnatur wie Bismarck, kein strammer Militär im Stil Ca­privis, kein Diplomat von der glatten List Chlodwig Hohenlohes und noch viel weniger der glänzende Causeur, der nach Onkel Chlod­wig im Palais der Wilhelmstraße residierte: Aber daß er ein ernst strebender Arbeiter, ein aufrichtigerKämpfer guten Willens" ist und eine starke Arbeitskraft ganz in den Dienst bet ihm" übertragnen verantwortungsvollen Auf­gabe stellt, können auch bie ihn Bckrittelnben nicht leugnen. Bismarcks wuchtige Reckcngestalt hat eben bgs Kanzlerbild deutscher Art für ewige Zeiten geprägt und im Schatten jener Größe dunkelt bescheidneres Licht, und die Vier, die nach ihm am Steuerruder des Reichs,qiffs standen, haben sämtlich amVerhängnis des großen Vordermanns" zu tragen gehabt. Theo­bald von Bethmann war der lächelnden Welt bisher nur im grauen Alltagsrock und in dem (nach seinem eignen Zeugnis)schon etwas ab­getragnen Mantel des Philosophen" vertraut, und Bismarckscher Küraflierstiefel schienen für diesen Dragoner-Major nie geschaffen. Nu» ist auch er als General von Kiel heimgekommen, und cs liegt nah, anzunehmen, daß bie roten Generalstreifen auch politisch nicht ganz bedeu­tungslos stnb: Sie scheinen zu künben, baß zwischen Kaiser uttb Kanzler bas einför- mig-graue Einst bem lebhaftem uttb vertrau­tem Jetzt gewichen ist . . .!

Spione beim Reichskanzler?

Berliner Sensationsgeschichten. (Privat-Telegramme.)

Die Berliner Morgenpost bringt in ihrer heutigen Montag-Ausgabe bie Übetraschenbe Nachricht, baß es sich bei der Verhaftung deS englischen Spions Schulz in Hamburg nicht nm die Spionage von Geheimnissen unseres Schiffbaues handelt, sondern vielmehr um die Entwendung von diplomatischen Schriftstücken großen Wertes aus dem Reichskanzlerpalais in Berlin. DaS Blatt versieht die Meldung indessen mit einem Vorbehalt und wir schlie­ßen uns dieser Einschränkung an. ES soll sich um folgende Vorgänge handeln:

Berlin, 27. März.

Die Verhaftung in der Hamburger Spionage-Affäre, die die Polizei von Anfang an nicht wahr haben wollte, und über die die Oeffentlichkeit in völligem Dun- fei gehalten wurde, scheint auf ganz anderer Grundlage erfolgt zu fein, als man zuerst annahm. Es foll sich nämlich herauSgestellt haben, daß die Verhaftung des englifchen Schiffsmaklers Schulz nichts mit Werstspio- nage zu tun hat, daß sie vielmehr mit dem am zehnten 'März entdeckten Juwelen- d i c b stahl im Berlin er Reichs­kanzlerpalais im Zusammenhang steht. Bei dieser Gelegenheit sollen Schrift­stücke von hohem diplomatische« Wert entwendet worden fein. Schulz, bet aus einer norddeutschen Familie stammt, ist, wie bereits gemeldet, naturalisier­ter Engländer. Er unterhält mit vie­len deutschen Marineoffizieren gesellschaftliche Beziehungen, und dadurch ist wahrscheinlich der Verdacht entstanden, daß die Verhaftung wegen Spionage auf de» Werften erfolgt sei. Von einem Diebstahl im Reichskanzlerpalais erfuhr bie Oeffentlichkeit zuerst am zehnten März. Damals hieß es, bet Diebstahl sei schon vor einigen Tagen verübt worben, die gestohlenen Schmuckgegenstände hatten nur ge­ringen Wert gehabt und feien das Eigentum der Schwägerin des Reichskanzlers. Als der verhältnismäßig geringe Wert der Schmuck­stücke auffiel, hörte man, das gestohlene Gut gehöre einem Bediensteten des Reichskanz­lerpalais. Dann hörte jede Nachricht über bie Polizeilichen Ermittelungen auf.

Dies unb bie Begleitumstände der Dieb- stahlsaffäre fcheinen die jetzt auftauchenden Ver- mutunacn zu bestätigen. Die Berliner Polizei beobachtet über alle Einzelheiten bet Angele­genheit hartnäckiges Sch weigen, ebenso tote die Hamburger Polizei, die non