Nummer S6.
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Lt» jMIdec®*M»*SMttoten* exfdjttaen wöchmtüch sechsmal und zwar adend«. DerWonnementSpretr beträgt monatlich 60Sff g. bet freier Zu- ftethma tnl Hau«. Druckerei, «erlag u. Redaktion: Schlachtbofftratze 28/30. Berüner Berteetong; SW, «rtedrtch«ratz, 16, Delepbom Amt lV. 676.
heMchr jsibeultztltung
i. gayrgang.
kinsertionSorets« Die ««chSgespaltene Zeile für einheimisch« Deschäftelb Bf, für aurwärttae Znferate S $f; Reklamqeil« für einheimisch, «»• fAifte 40 M, Mr auSwEge «0 Pf. iSeschäftSstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, sfrledrichftraße 18, Telephon Amt IV, 676.
Fernsprecher 951 «nd 952.
Sonntag, den 26. Marz 1911
Fernsprecher 951 und 952.
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Nur fünfzig Pfennige
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ansehnliche Zahl andrer ergänzen, die alle dar-
mancher
Die .Casseler Neueste Nachrichten" bringen, täglich als Abendzeitung erscheinend, in jeder Nummer:
daß auch die Krone sich den Tatbeständen und Aristide Briand kämpfte mit Feuer und Schwert Möglichkeiten politischer Wechselfälle anzupaffen gegen den „Bürgerstaat", bevor er sich auf dem versucht und eine Regierung auf dem sichern Pfühl des Regierenden niederlietz und die Fundament der Volksstimmung erstrebt! Im Reihe der Beispiele ließe sich noch durch eine
. Wer der Oeffentllchkett dient, dient dem Volk: wer aber dem Volk und der Gesamtheit dienen will, muß unabhängig und frei von parteilichem EgoiL- mus fein .. .!"
Interessante Leitartikel, Die neuesten Depesche», Ausgewählte Romane, Feffelnde Skizzen, Ein interessantes Feuilleton,
Ein ausgedehnter, auss sorglichste organisierter Depesche», und Nachrichtendienst ermöglicht es den „Casseler Neueste Nachrichten", -alle Meldungen gleichzeitig mit der großen Berliner Presse zu bringen und in der „Handelszeitung" noch sämtliche Vorgänge an der Berliner Börse am gleichen Tage zu melden. Politisch unabhängig, keiner Partei dienstbar, aber auf streng nationalem Boden stehend, erblicken die „Casseler Neueste Nachrichten" ihre Ausgabe darin, ein Familien- «nd Heimatblatt in des Wortes bester Bedeutung zu sein. Dieses Prinzip wird auch den weiteren Ausbau unseres Blattes bestimmen.
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Einen reichen lokale« Teil, Nachrichten au»Heimat «.Reich, Eine aktuelle HandelSzeitung, Die «euesten Börsendepesche«, Die Kurszettel vom Tage.
in des Wortes bester Bedeutung zu sein. Die vielen, aus dem Leserkreis an uns gelangten Zuschriften glauben wir in dem Sinne deuten zu dürfen, daß wir mit unserm Programm, für die Residenzstadt Cassel
die moderne Großftadtzeituag
zu schaffen, ausgerüstet mit allen Vorzügen und Errungenschaften modernster Zeitungstechnik, uns auf dem richtigen Wege befinden und deshalb sagen dürfen, daß die „Casseler Neueste Nachrichten" schon jetzt
ein echt Kaffeier Familienblatt
geworden sind, das bei der Bürgerschaft der Residenz allgemein Anklang und Beifall findet. Die uns zuteil gewordene Anerkennung wird uns ein Ansporn sein, auf dem begonnenen Wege rüstigweiterzuschreiten, damit die .Casseler Neueste Nachrichten" das werden, was sie sein sollen:
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ramm berichtet uns aus
Petersburg, 25. März.
AuS Charbin wird gemeldet, daß der große chinesische Geheimbund „Gelber H i m m e l". der wie einst „Die große Faust", die Austreibung der Europäer bezweckt, Agitatoren aussendet, und Proklamationen über das ganze Land verbreitet, in de- nen das Volk zum Kriege gegen Japan, Rußland und die übrigen Staaten aufgehetzt wird. In Shanghai fand eine Versammlung unter Teilnahme von dreitzigtausend Personen statt. Sie beschloß eine Petition zugunsten der Organisation einer bewaffneten Miliz in den Grenzstädten. In Charbin versuchten Chun- gusen, die Eisenbahnbrücke zu zerstören. Die Petersburger Regierung glaubt trotz alledem nach wie vor an keine ernsten Konflikte, rechnet aber mit kleinen Neberfäl-
Britenland wirkt seit Jahren der Genosse John . . _ _
Burns mit auch von den Gegnern anerkanntem auf hmdeuten, daß der „Zug der Zeit" das Gründ gewürdigtem Erfolg als Arbeitsminister, spenst der roten Internationale mancher ohne dem politischen Jdeenkreis seiner Arbei- Schreckniffe früherer Tage entkleidet hat und ter-Vergangenheit je untreu geworden zu fein, daß infolgedessen auch Italiens Zukunft nicht
bedroht ist, wenn Genosse Biflolatt dem König in grauen Handschuhen seine Aufwartung "^AlS vor nicht langer Zeit die badische» Hofgänger" im Großherzogpalais ihre- Karts abgaben, erhob sich diesseits und jenseits des Mains beträchtlich Unmut-Gemurmel,' und beim Herbstrendezvous der Genossen wurden die Märtyrer politischer Höflichkeit auf dem Scheiterhaufen der Kritik verbrannt. In Italien ist's keinem Denkenden im Lager der So- zialisten beigekommen, dem Genossen Bissolati aus dem Plauderstündchen beim König einen Vorwurf zu machen, oder aus den Begleitumständen der Visite den Tatbestand des „Verrats am politischen Ideal" zu konstruieren: Di- Presse der italienischen Sozialdemokratie feiert die Audienz des Arbeiterführers vielmehr als einen Triumph der Politik der Massen und als einen schätzbaren Erfolg ernsthaft strebender Parteiarbeit. Das ist das Trennende zwischen Nord und Süd: Hier die radikale Negation und die Ablehnung positiver politischer Mitarbeit, dort sozialistische Parteiarbeit im Rahmen parlamentarischer Ordnung und nationalen Entwicklungstrebens; hier die schroffe Abgrenzung der Ideen auch auf nichtpolitischem Gebiet und die planmäßige Verbreiterung der Gegensätze bis tief ins gesellschaftliche und soziale Leben hinein, d o r t die liberale Trennung zwischen Politll und Gesellschaft, Kampfinhalt und Kampfrssorm; hier die Furcht vorm „roten Gespenst", verstärkt durch die Abneigung gegen die Form der sich äußernden Gesahr, dort die fortschrittlichere Erkenntnis praktischer Arbeitsnotwendtg- keit, reguliert durch die anders gearteten politischen Daseinsbedingungen. Und doch: Der Mann mit den grauen Handschuhen sollte auch bet uns nicht als Schreckgespenst wirken und nicht Aergernts zu fürchten brauchen, sondern als Friedensbote in Schlapphut und Coutaway Verlöhnung künden dürfen . ,. F.H.
Sturm im Ästen?
Neue Konfliktsverschärfungen in Ostasien. (EigneDrahtmeldungen.)
Trotz der beruhigenden Erklärungen über die Beilegung des Konflikts zwischen Rußland nud China scheint die Situation in Ost- asten doch eine sehr kritische zu sein, und es besteht immer noch die Gefahr ernster Komplikationen. Charakteristisch ist, daß die Lage grade von Denen am pessimistischsten beurteilt wird, die die Dinge in Ostasten aufgrund eigner Erfahrung kennen und die Wetterzeichen zu deuten vermögen. Ein Spezial-Tele
monatlich beträgt der Abonnementspreis für die „Casseler Neueste Nachrichten", die durch eigene Trägerinnen den Lesern frei ins Haus -«gestellt werden. Für unsere Frauen bringen wir außerdem zwei besondere Beilagen: „Das Casseler Familienblatt" und „Die Mode für Alle^, deren Inhalt speziell dem Lesebedürfnis der Frau angepaßt ist. Unsere A«sk«nft-Stelle erteilt den Lesern der „Casseler Neueste Nachrichten" in allen Fragen rasch und zuverlässig Auskunft nnd beantwortet briefliche Anfragen auf schnellstem Wege.
len seitens der Chinesen.
Ein weiteres Telegramm berichtet uns aus London: Dem „Evening Standard" zu folge erhielt ein führendes Handelshaus der City gestern ein T e l e g r a m m a'u s Ostasien, in dem berichtet wird, daß man dort demnächst die Erklärung des Krieges zwischen Rußland und China erwartet. Zwei andere, mit Ostasten Handel treibende Cityfir- incn haben gestern ähnliche beunruhigende Telegramme aus Ostasien erhalten. Bei der Lloyd-Versicherungsgesellschaft stieg infolgedessen gestern die Versicherung gegen den Ausbruch von Feindseligkeiten zwischen Rußland und China während der nächsten vier Wochen von fünf auf zehn Prozent.
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Stolypin Triumphator.
(Privat - Telegramm.s Petersburg, 25. März.
Die Krisis ist beendet. Stolypin bleibt auf seinem Po st en. In seinem Hause fand gestern abend ein Mi nist er rat statt. Der Grund für sein Verbleiben im Amt liegt hauptsächlich in dem Ergebnis der gestrigen Abstimmuna im ReickSrat i»tu» w-
Nord und 68b.
Der Mann mit de« grauen Handschuhen.
Rom, 25. März. (Eigene Drahtmeldung.) Das Einvernehmen Gioltt- tis mit den Sozialdemokraten scheint vollständig sicher zu sein. Die Sozmldemokra- i ten stellen drei Bedingungen für ihre Mitwirkung an der Regierung, nämlich eine Wahlreform aus breitester Grundlage, eure Steuerreform und einen einheitlich liberalen Charakter deS Kabinetts. Die Mrlrtar- ausgaben würden, wenn der Ministerpräsident diese Bedingungen erfülle, auch von den Sozialdemokraten bewilligt werden. Im Quirinal kehrte am letzten Donnerstag ein seltner Gast ein, um dem König von Italien seine Auswartung zu machen: Genosse Bissolati, der auf Viktor Emanuels persönlichen Wunsch gekommen war, um mit dem Träger der Krone über die Möglichkeiten der Neubildung des Kabinetts zu plaudern und gegebenenfalls selbst die Last eines Portefeuilles auf die breite Schulter zu nehmen. Genosse Bissolati ist der hellste Kopf unter den Sozialisten Italiens, ein Mann von weitem Blick und ausgesprochen politischer Befähigung, die auch dadurch nicht beeinträchtigt wird, daß er dem Hofmann, der ihm die Einladung zur Audienz überbrachte, kategorisch erklärte, er werde weder Gehrock noch Cylinder aufbieten, um seinen „Empfang bei Hofe" der Oeffent- lichkeit gegenüber nicht etwa als besonders merkenswertes Ereignis der Weltgeschichte erscheinen zu lassen. Ursprünglich wollte sich der Signor nicht mal zu Handschuhen verstehen, bis es schließlich der demosthenischen Redekunst des Kammerberrn gelang. Herrn Bissolati zum An- ftreifen grauer Hand- und Fingerschoner zu bewegen. Der Mann mit den grauen Handschuhen, im Coutaway und weichen Schlapphut, wurde im Palast vom König empfangen, nahm auf Wunsch der Majestät neben Viktor Emanuel auf dem Divan Platz und die Herren plauderten dann über die Politik des Vaterlands lange und angelegt und mit demselben Eifer, alS wenn an des König- Seite nickt der Genosse mit den grauen Handschuhen, sondern der Höchbbewürdete im Reick gesessen hätte.
Wäre der Schauplatz des Ereignisses unter nördlicher»! Himmelsstrich gelegen: Die Oeffentlickkeit würde ein gelindes Gruseln spüren und die Sorge um den Weltbestand, die schon früher durch die süddeutschen Hofgänger- Ersckrecknisse geweckt wurde, würde den Aengst- lickern unter den Zeitgenossen die pflichtgemäße Bürgerruhe rauben. Unterm sonnigem Himmel südlicher Welt hat das Intermezzo indessen kaum die Gemüter erreat: Lediglich die grauen Handschuhe des vortrefflichen Genossen Bissolati haben Anlaß zu einigem Staunen gegeben, denn man hatte erwartet, daß der Gentleman der Frühjahrsmode nicht die bescheidne Konzeffion versagen werde, glänzende Wildlederne übers Handaelenk zu streifen, als ex bei Majestät sich zur Visite melden ließ. Im übriaen aber erachtet man’8 als erfreulich und nützlich, daß der König sich in der Zeit der Krise bemüht, auch die „Stimme der Massen" zu hören und den Plan erwägt, durch die Ueber- nahme eines varlamentarisch bewährten Sozialisten ins Kabinett die Fühlung der Regierung mit den untern Schichten tu kräfliaen. Umbertos Sohn ersäbrt in der Aristokratie Italiens als der „demokratische König" manches derbe Urteil, seit er den Hof gewissermaßen „verbürgerlicht" hat und dem steifleinenen Zeremoniefl die greisessen Zövie abschnitt. In dielen Kreisen wird mans vermutlich auch nickt verstehen, daß der König mit dem Mann, der einst (an der Spitze der Arbeiterbataiflone durch die Straßen marschierend) „Nieder mit dem König!" rief, aanz ernfffmft öfter des Vaterlands Wohl und Wehe geplaudert und mit dem Träger der grauen Handschuhe Gruß und Handschlag getauscht hat.
Umso verständnisvoller würdigt man baS Ereignis im Volk: Nicht als Wunder des zwanzigsten Jahrhunderts, oder als Zeichen der beginnenden „Umwertung aller nationalen Werte", sondern als das Produkt einer verständigen, den natürlichen Bedürfnissen Rechnung tragenden Zeitströmung, die alle Vorurteile mildert und die engen Pfade früherer Daseins- und Weltauffaffung weitet. Italien ist das Land parlamentarischen Regimes und seine Geschicke werden vom Zufall der Parteienmehrheit bestimmt, der eines Tags in der Siebenhügelstadt ebensogut das Panier der roten Internationale entrollen kann, wie die Fahne der italienischen Einheit unierm Kreuz von Savoven. Was ist also natürlicher, als
Vier Monate hindurch hat nun die Bürgerschaft der Residenzstadt Cassel Gelegenheit gehabt, die „Casseler Neueste Nachrichten" zu prüfen und festzustellen, ob sie das, was sie bei ihrem Eintritt in die Oeffent- lichkeit versprachen, gehalten haben, nämlich
ein wirkliches Heimatblatt