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Tie »Lasseler Neueste Nachrichten" erscheinen wöchentlich sechsmal und zwar abends. Der SbonnementSpreiS beträgt monatlich Sv Pfg. bei freier Zu- stellung inS Haus. Dructerei, Verlag n. Redaktion: Echlachthofstratze 28/30. Berliner Vertretung; SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

Fernsprecher 951 und 952.

Sonnabend, den 25. Marz 1911.

Fernsprecher 951 vnd 952.

Men-Rausch.

Die Fließer-Katastrophen der letzten Tage.

Seit der Märzmitte vierzehn zum Teil schwere Katastrophen, bei denen die Wagemutigen dicht am Tod vorüberglitten, zwei von ihnen die Lustfahrt mit jähem Ende büßten und die Gefährte der Höhen in Atome zersplitterten: Das ist das Fazit des uns am nächsten liegenden Zeitabschnitts lust-sport­licher Rekordjagd. Selbst für das Kind­heit- ichd Entwicklungsalter des jüngsten Sports eine befremdlich hohe Ziffer und genü­gend Anlaß, die Frage der Ursachen einmal leidenschaftslos und ohne Vorurteil zu prü­fen. Erst bei derDüsseldorfs-Katastrophe ist von fachkundiger Seite darauf hingewiesen Worden, daß imgrunde ttut die Unerfah­renheit des einen Fahrers das Unheil ver­schuldet hat, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel, und dessen Nachwirkungen ein andres für immer ans Siechenlager fesseln. Aehnliche Be­gleitumstände waren bet den Fliegerkatastro­phen der letzten Zeit wiederholt festzustellen; es scheint indessen, daß weder Wille noch Neigung besteht, aus bett Tatsachen die gegebene Nutz­anwendung zu ziehen. Wäre es der Fall, dann wäre der Luftsport, der zurzeit noch unter al­len Sportbestrebungen die größten Gefah­ren für das Leben der ihm Huldigenden in sich birgt, sicher längstreglementiert- (um mich amtlich- auszudrücken), und es würde Vor­sorge getroffen sein, daß Kühnheit und Wage­mut auch dann nicht die gebotnen Grenzen überschreiten, oder die nötigen Vorsichtsmaß­regeln außeracht lassen, wenn der Flieger nur sein eignes Leben wagt.

Man erschrecke nicht: DerRuf nach der Po­lizei-, der in unsrer hastenden Zeit die Leute fo rasch nervös macht, richtet sich nicht gegen den Sport als solchen, soll auch den Taten­drang kühner Pioniere nicht in die Fesseln philiströser Engherzigkeit schlagen und die Un­ternehmungslust weder auf die Ofenbank nie­derzwingen, noch sonst Betrübliches bezwecken; es handelt sich lediglich um die Erfüllung einer im allgemeinen Interesse wünschenswerten und im Kulturstaat unerläßlichen Sicherung gegen Unvorsicht und Unbesonnenheit, deren Schuld- konto die Luftschisfahrt schwerer belastet als irgend einen andern Sport. Bei der Katastro­phe des BallonsHildebrandt- war es über­spannter Wagemut, gepaart mit mangelnder Vorsicht in der Form der Vorbereitungen, der die Tragödie heraufbeschwor, und in ernsten luftsportlichen Kreisen hat man es damals scharf mißbilligt, daß die Fahrt, die zwei Men­schen in den Tod trug, überhaupt zu g elas­sen worden war. Wie indessen die Erfahrun­gen neuester Zeit beweisen, schreckt das tragische Verhängnis der Opfer nicht nur nicht ab, son­dern es scheint für die Nacheiferer sogar ein Ansporn zu noch verwegnern Leistungen zu sein. Das Resultat verzeichnet die Unglücks­chronik der Tagespresse in erschreckend häufigen Dramen, und es ist also, schon rein mensch­lich betrachtet, Notwendigkeitsgebot, das Uebel an der Wurzel zu fassen.

Die Notwendigkeit, den Gefahren irgendwie zweckdienliche Maßnahmen entgegenzustellen, hat mau auch in Sportkreisen erkannt: Die Er­teilung der Piloten-Zeugnisse und die damit verbundnen Prüfungen sind wesentlich ver­schärft, die Flugvorschriften selbst sorgfältiger geordnet und die technischen Erfordernisse be­trächtlich erweitert worden; alles Maßregelli, deren Notwendigkeit sich aus der Entwicklung des Luftsports von selbst ergibt, deren Erfolg aber bis heut noch nicht ausreichend ist, um weiter ausgreifende Maßnahmen über­flüssig erscheinen zu lassen. Es ergibt sich aus der Erkenntnis all dieser Dinge fürs erste das zwingende Erfordernis, durch eine einheit­liche Ordnung der für den Luftsport in Betracht kommenden technischen Vorschriften Extravaganzen Einzelner vorzubeugcn und die Ausübung des Lufffports von der Erfüllung bestimmter,die Sicherheit desUnternehmens nach Tunlichkeit gewährleistender Bedingungen ab­hängig zu machen. In welcher Form dies geschieht: Ob die sportlicheGerichtsbarkeit" eine freiwillige oder behördlich ge­ordnete sein soll, erscheint an sich nicht von we­sentlichem Belang; bleibt aber die Kontrolle der Lustschiffahrt sportlichen Instanzen überlassen, dann mutz zum mindesten Gewähr gegeben werden, daß die erlassenen Vorschriften in vollem Umfang iorgfältige und ordnungs­mäßige Beachtung finden.

Unbeschränkt in der Freiheit des Willens, wie es das Reich der Lüste in der Weite des Raumes ist, darr der Luftsport mit seiner er­

schreckenden Gefahren-Häufung jedenfalls nicht bleiben, denn die Unglücksziffer hat sich nicht etwa im Verhältnis zur Ausdehnung der Sportbetätigung erhöht, sondern ihre Begleiterscheinungen lassen deutlich erkennen, daß die Sucht, bisherige Leistungen zu über­trumpfen und die Rekordziffer auf schwindelnde öde hinaufzutreiben, im Luftsport einen un- " unden und in seinen Wirkungen höchst be­denklichen Wettbewerb großgezüchtet hat, auf dessen Sündenkonto auch die Mehrzahl der Katastrophen zu buchen ist. Hier ist der Punkt, wo ordnend, mäßigend und reformierend ein­gegriffen werden muß, und dieDeutsche Sportbehörde für Luftschiffahrt- würde hier Gelegenheit haben, manches Uebel zu beseiti­gen und manches Unheil besonnen zu verhü­ten. Wir danken dieEroberung der Lust" zwar in erster Linie dem kühnen Wagemut verwegner Pioniere, aber es kann darum doch nicht j e d e r, der in die Gondel eines Lufffchifss steigt, oder am Steuer eines Aeroplans sitzt, gleich ein neuer Held und Rekordbezwinger sein, sondern nachdem das Problem an sich ge­löst ist, handelt es sich darum, in verständiger Entwicklungsarbeit die einmal gebahn­ten Wege zu erweitern, nicht aber um eine Konkurrenz totverachtender Verwegenheit, de­ren Wert zur Zahl der Opfer in gar keinem Verhältnis steht. Die vierzehn Fliegerkata­strophen der letzten Tage reden eine ernste und eindringliche Sprache und es wird Zeit, endlich aus dem Taumel desHöhenrausches- zu er­wachen. F- H-

Herr Schultz aus England.

DasGeheimnis" des Hamburger Spions.

(Eigne Drahtmeldungen.)

DasGeheimnis" der Hamburger Spio­nage-Affäre ist nun wenigstens zum Teil entschleiert worden: In dem verhafteten Engländer will man einen Herrn Schultz aus Southampton ermittelt haben, der dort ein Schiffs-Agentur-Geschäft betreiben soll. Ob die Annahme tatsächlich zutrifft, ist aller­dings noch nicht einwandfrei festgestellt, und es ist auch einigermaßen befremdlich, daß ausge­rechnetHerr Schultz aus England" auf den Ge­danken gekommen sein füllte, an der deutschen Wasserkante Spionage zu treiben. Ueber die bisherigen Ermittlungen berichtet uns ein Te­legramm unseres Korresponden­ten aus .

Hamburg, 24. Marz:

Bei dem in der Spionageaffäre verhaf­teten Engländer kann es sich nur um den in Southamvton ansässigen Inhaber der Firma SchultzLEo., WilliamSchultz, han­deln. Schult, ist in England geboren. Sein Vater ist in den sechziger Jahren aus Nord­deutschland in England cingewandert und hat sich später naturalisieren lassen. Er gründete in Southampton eine Schisfsmak- lerfirma, die sich eines guten Rufes erfreute. Der junge Schultz fuhr auf englischem Damp­fern als Schiffsoffizier; Marineoffi­zier ist er nie gewesen. Ta er ein sehr zuvor­kommendes Wesen hat, verstand er es, sich in hohen Kreisen Zutritt zu verschaffen. Auch in London verkehrte Schultz mit einfluss­reichen Persönlichkeiten. Schultz weilte bereits Anfang Januar in Hamburg, wo er in einem erstklassigen Hotel in der Nähe des Hauptbahnhofs abgestiegen war. Er verkehrte viel in Restaurants und Nacht- rafös, ist etwa füufunddreissig Jahre alt und spricht fliessend Deutsch. Ende Februar kehrte Schultz nach kurzer Abwesenheit nach Ham­burg zurück und nahm in demselben Hotel Wohnung, wo er dann auch am zehnten März verhaftet wurde.

Es gewinnt den Anschein, datz Schultz von Hamburg aus die Reisen nach Bremen und Kiel unternommen hat, wo er mit ,den Ange­stellten der dortigen Privatwersten in Verbm- bitng trat. Die Polizei <bic im übrigen in der Spionage-Affäre offiziell nach wie vor streng­stes Ztillschweiaen beobachtet! vermutet aller- diüa«, daß Sckuttz iitzwisckcn auch einmal nach England zurückgereist und auf dieser Reise mög­licherweise das von ihm inzwischen gesammelte Ma teti sl nach England in Sicherheit gebracht bat. Tie Nntersuckungsakten sind nm Mittwoch abend mir allen Unterlagen und Beweisstücken an das Reichsgericht -in Leipzig abgegangen.

Familie PfeL und fein Ende.

Ter Rattenkönig der Pfeil-Prozesse.

«Von unfern* Korrespondenten.)

Die Ehetragödic der Gräfin Pfeil t'.nd Klrm-Ellguth, bC schließlich die Verab­

schiedung des Grafen Pfeil und eine große An­zahl Strafprozesse gegen diesen zur Folge hatte, zieht noch immer ihre Kreise. In dem Streit um die Auslieferung ihrer Kinder, die sich trotz der gegen den Grafen Pfeil ergange­nen Entscheidungen, noch immer in der Obhut des Landtagsabgeordneten von Richthofen-Mertschütz befinden, waren feinerzeit von dem Vormundschaftgericht in Graudenz gutachtliche Aeußerungen verschiede­ner Vorgesetzter des Grafen Pfeil über dessen Lebenswandel und dienstliches Verhalten ein­gezogen worden, die in dem Prozeß um Die Kinder eine große Rolle spielten, und die jetzt zu weiteren Gerichtsverhandlungen führen werden. Es wird uns darüber berichtet:

Berlin, 24. März.

Im ersten Pfeil-Prozeß hatten der Kom Mandant des Truppenübungsplatzes Elfen­born, General von Briesewitz, und der damalige Kommandeur des 129. Infan­terie-Regiments in Graudenz, der jetzige Ge­neralleutnant z. D. von Otterstedt Er­klärungen an das Gericht gelangen lassen, die beleidigende Angriffe gegen die Gräfin Pfeil und deren Eltern, den Hofbau­rat Heim in Berlin und dessen Gattin ent­hielten. Es wurden in diesen Attesten die in den verschiedenen Gerichtsverhandlungen gegen den Grafen Pfeil ausgiebig erörterten Beschuldigungen wiederholt, daß die Gräfin Pfeil ihre Kinder mißhandelt habe, daß ihre Eltern von Bo sheit und Nie­dertracht gegen den Grafen Pfeil erfüllt seien, und daß der Kampf der Gräfin Pfeil um die Zurückerlangung ihrer Kinder, in Wirklichkeit nur ein Kampf gegen den Gra- fen Pfeil sei. Nachdem die Gräfin Pfeil von dem Inhalt dieser Atteste Kenntnis erlangt hatte, erhob sie gegen alle Gutachter, insbe­sondere aber gegen Herrn v. Briesewitz und Herrn von Otterstedt Privatklage mit der Begründung, daß Graf Pfeil längst der Verleitung der gegen sie, die Gräfin Pfeil, ausgetretenen Zeugen zum Meineid für schuldig, aber straffrei erachtet worden fei, und daß auch alle gegen ihre Eltern erhobe­nen Vorwürfe nach den Entscheidungen ge­gen den Grafen Pfeil nicht mehr ausrechter­halten werden könnten. Sie wie ihre Eltern hätten unter den strasbaren Handlungen des Grafen «freit bereits seit sieben Jah­ren auf das schwerste gelitten, und es sei daher Pflicht der frühern Vorgesetzten des Grafen gewesen, sich besser, als es ge­schehen sei, über die tatsächliche Lage der Verhältnisse zu unterrichten, ehe sie zu ihren unbegründeten Angrisfen gegen die Gräfin Pfeil und ihre Eltern vorgingen. Gegen den Generalmajor von Briefewitz wird demnächst vor dem Gericht des achten Armeekorps in Koblenz verhandelt werden. Herr v o n O t t e r st e d t, der inzwischen zur Disposition gestellt ist, hat sich am kommen­den Dienstag vor dem Kriegsgericht der Königlichen Kpmmandantur Berlin zu verantworten, und da zu diesem Termin der Graf und die Gräfin Pfeil, die Eheleute Heim, der Detektiv Gräger und andere Ak­teure der Pfeil-Affären als Zeugen geladen sind, so wird auch bei dieser Geleaenheir wieder die Oefsentlichkeit mit der Sache be­faßt werden.

Alle Bemühungen der Gräfin Pfeil, ihre in der Obhut des Landtagsabgeordneten von Nichthosen befindlichen Kinder zurückzuerhat- ten, sind bisher erfolglos gewesen, trotzdem das Gericbt der Gräfin die Kinder zugespro­chen hat Herr von Richthofen weigert sich, der Gräfin die Kinder zu übergeben, da er als gerichtlich beorderter Pfleger auf dem eotand- punkr steht, daß die Gräfin nicht in der Lage sei, die Kinder so erziehen zu lassen, wie es Die Familien- und Standesinteressen erforderten. Auch wegen dieser Angelegenheit schwebt zur­zeit ein Gerichtsverfahren, da die Gräfin auf der Auslieferung der Kinder besteht und mit allen Mitteln bemüht ist, ihr Ziel zu erreich:«. Tie nächste Zeit wird also wahrscheinlich noch eine ganze Reihe von neuen Pfeil-Prozessen bringen. =de<

NsvsMrm im Kerker.

Aufruhr im Gefängnis zu Przcmysl (Eigene Trahtmeldung.)

Wien, 24. März.

Im Gefängnis zu Przemysl (Galizien) kam es gestern zu einer schweren Revol­te. Ein wegen Diebstahls eingelieserter Ge­fangener warf sich mit gezücktem Messer auf einen Gefängniswärter und brachte diesem mehrere Stiche bei, worauf der Angegriffene feinen Säbel roa und den Täter schwer ver­

wundete. Der Verletzte schrie um Hilfe worauf die übrigen Sträflinge herbeiellten uni ich auf den Gefängniswärter stürzten. Erst M eine Abteilung der Mllitärpolizei mit aufge. pflanztem Bajonett in das Gefängnis ein­drang, konnte die Ruhe wieder hergestellt wer« den. Zahlreiche Sträflinge wurden schwer ver­letzt. Der überfallene Gefängniswärter hat ebenfalls fchwere 'Verletzungen davongetragen. Da neue Unruhen befürchtet werden, ist das Auffichtspersonal verstärkt und die Militär- wache in allen Abteilungen des Gefängnisses durch Doppelposten ergänzt worden, die mit aufgepflanztem Bajonett und geladenem G e w e h r auf den Korridoren patrouillieren.

Das KrisenGespeuft.

Ministerkrisen in Nord und Süd.

(Telegraphische Meldungen.)

Depeschen aus Petersburg zufolge ist Ministerpräsident Stolypin gestern in Zarskoje-Sselo vom Zaren empsangen worb«» und hat seine Demission endgültig zurück» genommen. Es verlautete darauf gestern abend in Petersburger politischen Kreisen, daß nunmehr Kokowzew entschlossen sei, vom Amte zurückzutreten, doch heißt es, daß es sich bei dieser Nachricht lediglich um Gerücht, handle, die jeglicher Grundlage entbehrten. Von heute früh berichtet uns ein Privat-Tele«

gramm aus

Petersburg, 24. März:

Obgleich eine offizielle Bestäti­gung noch immer aussteht, wird doch alä festestehend betrachtet, dass Stolypin im Amte verbleibt. Wie verlautet, wird der Zar Stolypin sein Vertrauen in einem öf. fentlichen Manifest ansdrücke«. Die Haupt- gegner Stolypins im Reichsrat, Durno- wo und Trepow, werden einen längere« Urlaub erhalten. Der Zeremonienmeiste, Graf Hendrikow hat viel dazu beige­tragen, daß Stolypin im Amte verbleibt.

Stolypin hat Vertrauten gegenüber er­klärt, daß er sich zur Zurücknahme seiner De­mission nur erklärt habe, nachdem thm die Maßregelung seiner Gegner Trepow und Dur­nowa zugesagt worden sei. Die Jntriguen die­ser beiden im Reichsrat hätten ihm die Weiter­führung der Regierungsgeschäfte unmöglich ge­macht; er betrachte nunmehr aber diese Ge­fahr als beseitigt.

Krise» überall!

(Privat-Telegramme.)

Wien, 24. März.

Die parlamentarische Situation bleibt eine andauernd kritische, da die slavische Union auf ihrem oppositionellen Standpunkte beharrt und der deutsch-nationale Verband erklärt, an keiner Kombination teilnehmen zu wollen, durch die den Tschechen politische Konzessionen zum Nachteil der Deutschen zu­gestanden würden. Der Polenklub wird heute nochmals einen Vermittlungsversuch unternehmen.

Rom, 24. März.

Wie hiesige Blätter mitteilen, ist das neue Kabinett Giolitti bereits vollständig gebildet. Giolitti wird die neuen Kabinetts­mitglieder jedoch erst am nächsten Dienstag dem König offiziell vorstellen, angeblich, um den zurücktretenden Kabinetts­mitgliedern die Ehre zu belassen, am näch­sten Sonntag die1 Festlichkeiten aus Anlaß der fünfzigjährigen Wiederkehr der Eini­gung Italiens zu leiten.

Madrid, 24. März.

Die Blätter spiegeln die intensive Be­fürchtung einer partiellen oder totalen Mi - nisterkrise wegen der marokkanischen Angelegenheit wieder. Die Regiemng leug­net bisher beides. Eanalejas. erklärte, er werde keinesfalls ein anderes liberales Mi­nisterium unterstützen. Man erwartet eine cndgiltige Entscheidung erst für den Sonn­abend, da die gestrige Kronratssitzung noch keine Beschlüsse gesaßt hat.

Jar Fiasko der Mchftenliebe.

Eine verkrachte kirchliche Gründung.

(Von unserm Korrespondenten.) Klagenfurt, 21. März.

Rach mehrtägiger Verbandlung ist vor dem hiesigen Schwurgericht der Prozeß zu Ende ge- gangen, in dem sich der Monsignore Paul Kayser und der Holzhändler Nikolaus von P a l e s e wegen Betrugs und betrügeri­schen Bankerotts zu verantworten hatten. Kay­ser stammte ans Nagold in Württemberg und kam als junger Kaplan nach Kärnten. Ange­sichts der traurigen Lage vieler Waifenkin- d e r in Kärnten gründete er eine Anzahl von Waisenhäusern, deren Unterhalt durch milde