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Casseler Neueste Nachrichten

Freitag, 24. Mürz 191f.

den

Ae heutige ülummer umW 12 Seiten

worden sein. Man rechnet auch mit Arbeiter­entlassungen.

Die neuesten Gruben-Katastrostheu.

(Eigne Drahtmeldung.)

Beuthen, 23. März.

I« der Hewigwunsch-Grube fiel einem Bergmann ein Holzstempel auf den Kopf und verletzte ihn derartig, daß er bald darauf starb. In derselben Grube und in der Con­cordia-Grube wurde ie ein Hauer von herab- türzenden Kohlenmaffen getötet. In der Paulusgrube wurde ein Hauer durch vorzei­tiges Losgehen eines Svrcngfchuffes getötet. In der Donnersmarck-Grube stürzte ein Sou» chlosser vom Fördergerüst und erlitt schwere Verletzungen, an denen er alsbald verstarb.

A Rechnungsrat August Froeb -J-. Eine in weiten Kreisen unserer Residenz bekannte Per­sönlichkeit, Provinzialschulsekretär A u g u st Froeb, ist gestern nachmittag nach kurzem Krankenlager im Atter von 54 Jahren plötzlich gestorben. Der tückische Scharlachbazillus hatte in seiner Familie Einzug gehalten, hatte die beiden jugendlichen Söhne ergriffen, doch wurde die Krankheit nach wenigen Tagen durch Arzteskunst gehoben, und schließlich den treusorgenden Vater selbst aufs Krankenlager geworfen, von dem er nicht mehr auflteben sollte. Der Verstorbene (der übrigens auch als Dichter hervorgetreten ist) hat se<s>sund- zwanzig Jahre hindurch den Posten eines Pro- vizialschulsekretärs mit großer Pflichttreue ver­waltet. Der Charakter als Rechnungsrat wurde ihm in Anerkennung seiner amtlichen Verdienste vor einigen Jahren verliehen.

" A Aus dem Hoftheater. 'Wie uns von der Intendantur mitgeteilt wird, ist Fräulein Jähnert erkrankt, und wird ihre Rolle der Märchenfee in der Ballett-Feerie „Das Bilder­buch" (die morgen abend im Hoftheater zur Darstellung kommt) Fräulein F r a e d r i ch aus Berlin übernehmen.

A Kleine TageSchronik. Der bisherige Kaflenanwalt der Ruhegehattskaffe jür Lehrer und Lehrerinnen an den öffentlichen Volks­schulen des Regierungsbezirks Cassel, Geheimer Negierungsrat von Dehn-Rotfelser, ist vom Landesausschuß für die am 1. April 1911 begiunende neue sechsjährige Amtsperiode wieder gewählt worden. — Die dies­jährigen Manöver des 11. Armee­korps finden in den Kreisen Wivenhausen, Heiligenstadt, Worbis, Mühlhausen, Langensal­za. Weißensee, Sangerhausen, Nordhausen, Ebeleben und Sondershausen in der Zeit vom bis 20. September statt. — Auf dem Graben kam es gestern abend zwischen mehreren Zivi­listen und einem Urlauber wegen eines Mäd­chens zu einer S ch l ä g e r e i, bei der eine Per­son so verletzt wurde, daß sie die Hilfe der Sa­nitätswache in Anspruch nehmen mußte. — Am Holländischen Platz fuhr gestern mittag ein Automobil gegen einen Radfahrer, der bei dem Sturz unverletzt blieb, während das Rad aber beschädigt wurde. '

Jas Neueste aus ssassel.

Wie kastel spart.

Jeder dritte Bürger ein Sparer.

Das Sparen ist eine schöne Sache, schon um deswillen, weil man in der Not „etwas hat". Diese schöne Sache habe ich jetzt in unserer Re­sidenz konstatieren können, ich habe es schwarz auf weiß gelesen: Die Casselaner sind sparsame Leute. Es steht in dem dicken Buch mit den vielen Zahlen, das dieser Tage das städtische Statistische Amt herausgegeben hat (und das in allen Buchhandlungen zu er­halten ist). Das heißt, es steht eigentlich nicht drin, denn mancher wird vergebens die- Blät­ter des Buches ein-, zwei- und auch mehrere Male herumschlagen, und es nicht finden. Zwi­schen den Zahlenreihen muß man lesen, wenn man diese Entdeckung machen will.

Ueberhaupt dieses Buch! Als es mir aus meinen Schreibtisch gelegt wurde, bekam ich einen heittosen Schrecken, denn als ich hinein­guckte, sah ich Zahlen und immer wieder Zah­len. Anfangs wollte mir die Galle überlaufen, daß man mir eine Besprechung des Buches ,u- mutete, aber als ich sah, daß das Statistische Amt mich von dieser Arbeit entbunden hätte, glätteten sich die Wogen meines Redakteurher- ;enS und ich erinnerte mich des Ausdruckes eines guten Freundes, der mir in seiner ihm eigenen dozierenden Weise erklärt hatte: Mit ■ Zahlen läßt sich am besten ein wirtschaftlicher

Vorgang umfassen.

* . Tie Ziffern über den Geschäftsverkehr der städtischen Sparkasse fesselten zuerst mein In­teresse, waS Wohl daher kam, daß „Gegensätze" sich bekanntttch anziehen. Zuerst starrte ich auf die fein säuberlich über- und nebeneinander ge­stellten Zahlenreihen. Mon Dien, dächte ich, wie muß eS den, Leuten im Kof wirbeln, die tag­aus, tagein nur immer arabische Zahlen schrei­ben müssen. Und mit dem Zeigefinger meiner reckten Hand tippte ich an meinen Verstands­kasten, schlug eine ergötzliche Lache au und sagte: Natürlich, nur Zahlen können die Be­amten noch schreiben, daher ist auch ihre Un­terschrift selten zu lesen . . . Dann nahmen die Zahlen Gestalt an: Vor dem Auge stieg manch alteS Mütterlein auf, das ihren zu- rückgelegten „Groschen" der Sparkasse anver­traute, oder die angehende Braut, oder der Bräutigam, die für die Aussteuer zu Sparern geworden waren. Alle sehen wohl voller

; Freude deS Tages entgegen, wo der Sparkas­senbeamte die Dividende in Gestalt der

Zinsen in dar Sparbuch einträgt.

Die städtische Sparkasse ist die sicherste Anstalt für Verzinsung von Kapitalien. Aber wenn ich den hunderttausend Mark betragenden Hauptgewinn der jetzt in Berlin zu Ende ge­gangenen Geldlotterie (der leider auch an mir vorübergegangen ist) erhalten hätte, würde ich doch schwankend geworden sein, ob ich „mein Geld" einer mehr Zinsen tragenden industriel­len Gruppe anvertrauen sollte, als der Wohl nie über vier Prozent Zinsen kommenden Spar­kasse. Darin liegen die Vorteile des Nichttapi- talisten, daß er in dieser Angelegenheit sich keine Kopfschmerzen zu machen braucht. Doch zurück zu den Zinsen: Die städtische Sparkasse hat deren im Jahre 1908 (bis zu welchem die Sta- ttstiken reichen) beinahe Dreiviertel­millionen Mark gutschreiben müssen. Ein­gezahlt wurden in diesem Jahre 6 855 288 Mark auf 75 213 Posten, zurückgezahlt wurden 6 334 862 Mark auf 44 530 Posten.

Die Statistik geht bis zum Jahre 1882 zu­rück. Verfolgt man hier die Zahlenreihen von unten an, so findet man mit dem Wachstum der Bevölkerung auch ein Steigen der Sarsum- men an sich. Während 1882 nur 14 759 Einle­ger ein Guthaben von 1 683 855 Mark hatten, waren 1908 fast viermal so viel Einleger vor­handen mit fast fünfzehnmal höherem Gutha­ben, während die Einwohnerzahl kaum um das Dreifache gestiegen ist. Die eine über­raschende Tats-che machte ich: In Cas­sel kommt auf 2Vt Menschen ein Sparer. Im Jähre 1908 waren 59 290 Spareinleger zu verzeichnen, die ein Einleger­guthaben von 23 600 472 Mark hatten oder im Durchschnitt auf ein Einlaqebuch 398,05 Mark. Das ist wahrlich ein anständige Summe und stellt der Sparsamkeit der Casselaner ein recht gutes Zeugnis aus. Wobei ich denke, daß gute Beispiele böse Sitten vertreiben . . . ",

Walter Kaylfusg.

Russische Kabalen.

z (EigneDrahtmeldung.>

Petersburg, 23. März.

Die Nachricht, daß Ministerpräsident S t o < l Y p i n im Amte verbleiben werde, beruht auf bisher unbestätigten Gerüchten, die allerdings wahrscheinlich find. Für heute werden wichtige Beratungen an leitenden Stellen, sowie eine Audienz Stolypins beim Zaren in Zarskoje- Selo erwartet. Der General-Gouverneur von Kiew, T r e p o w, hat Befehl erhalten, unver­züglich über seine Aeußerungen betreffs der Einführung von Semstwos nähern Bericht zu erstatten. Die Reichsräte Trepow und Dur­nowa hatten die Aenderung der Depeschen zu­gunsten der Semstwos als Fälschung Sto­lypins bezeichnet.

Freunde Stellung nehmen müssen. Sie be­trifft die Vertretung Preußens im Vundesrat bei der elsaß - lothringi- schen Verfassungsreform. Ich will nur kurz sagen, daß es nicht in unserer Absicht liegt, hier in irgend eine langwierige allgemeine Verhandlung über diesen Gegen­stand mit der preußischen Staatsregieruno einzugehen. Es liegt uns nur daran, unsere Meinung zum Ausdruck zu bringen. Es wird nicht bestritten werden können, daß die preußischen Stimmen im Bundesrat der jetzi­gen Gestaltung der Verfassungsvorlage zu- g e st i m m t haben. Wir haben von jeher den Grundsatz ausgestellt, daß dieAbgabevon Bundesrats stimmen ein Regie­rung s a k t ist irnd der Kontrolle u i ch t u n t e r l i e g t. Ich glaube nicht, daß darüber ein Zweifel besteht. Die Königliche Staatsregierung hat sich schon auf den Stand­punkt gestellt, daß es nicht angängig sei. Pie Tätigkeit des Landtags mit hinein zu ziehen, bevor ihre Bundesratsstimmen abgegeben waren. Ich bekenne offen, daß dies in bet Tat die Reichsgeschäfte erschwe­ren würde, wenn zuvor eine solche Erörte­rung stattfindet. Deshalb habe ich auch da- von Abstand genommen. Aber damit ist die Sache für uns nicht erledigt. Wir halten es für unsere Pflicht, unserer Meinung Ausdruck zu geben, ob die Vertretung des preußischen Staatsinteresses im Bundesrat genügend gewesen ist. Wir behalten uns vor, von der Regierung zur gegebenen Zeit eine Recht­fertigung zu verlangen. Im ge> genwärtigen Momente ist unser Landesinier- csse in erheblichem Maße berührt. Es han­delt sich um eine Frage, die für die S i ch e r - heit und das Bestehen des Deut­schen Reichs von großer Bedeutung ist. Schon bei der Gründung des Reichs ist der preußische Einfluß aufs Aeußer- ste eingeschränkt worden. Wir haben es für unsere Pflicht gehalten, die Stimmung im preußischen Volke der Regierung ernsthaft vor Augen zu hatten.

Der Rede Heydebrandö, der das Hans mit großer Aufmerffamkeit gefolgt war, folgte aut der Rechten lebhafter Beifall. Die Rede bedeutet einen scharfen konservati­ven Vorstoß in der reichSläudischen Verfas­sungsfrage und kompliziert die ohnehin schwie­rige Situation noch mehr. Nach Heydebrand kam der nationalliberale Abgeordnete Fried­berg zum Wort.

Sie Wohnungs Kündigung.

Wann müssen Wohnungen gekündigt werden?

Wer in diesen Tagen eine Wohnung kün­digen will, muß dies an ganz verschiedenen Tagen tun, je nachdem er eine Vereinbarung in dieser Richtung getroffen hat oder nicht. Ist nämlich über die Kündigung gar nichts verein­bart. fo gilt bei vierteljährlicher Mietzinszah­lung die gesetzliche Regelung, wonach späte­stens am dritten Werkta g d es Vier­teljahrs auf den Schluß desselben Viertel­jahrs zu kündigen ist. In diesem Jahr, in dem der zweite April ein Sonntag ist, müßte also in einem solchen Fall spätestens äm vierten April auf den ersten Jutt gekün­digt werden. Ist sowohl Kündigungsfrist tote Kündigungstermin genau vereinbart (bet« spielstoeise halbjährige Kündigung, aber stur am ersten April und ersten Oktober), so muß natürlich spätestens am vereinbarten Termin, also am ersten April getünbtgt wer­den. Ist aber nur eine viertel- oder halbjährige Kündigungsfrist, aber kein Kündigungster« m i n vereinbart, so könnte man annehmen, es gelte stillfchtoeigend der gesetzliche oder der ortsübliche Kündigungstermin als vereinbart, so daß man also evtl, noch am vierten April kündigen könnte. Die Praxis der Gerichte geht aber dahin, daß in einem solchen Fall pätestens am letzten Märztag ge­kündigt werden muß. Liegen also Zweifel vor, oh ein Kündigungstermin vereinbart ist, so muß man vorsichtigerweise schon am einundrei- figsten März kündigen. -e-

9tr. 94. — 1. Jahrgang.

spekulant und war als Mann von vierzig Jah­ren seine zwanzig Millionen „teert". Nun widmete er sich hauptsächlich den Silber­bergwerken, und zwar mit solchem Erfolge, daß er bald allgemein der „Silberkönig" genannt wurde. Diesen Namen behielt er auch bis zu feinem Tode. Moffat war in geschäftlicher Hin­sicht ein verwegner Mann, der in schwie­rigen Fällen nie um Aushilfsmittel verlegen war. Er war überaus gewissenhaft in der Er­füllung seiner kontraktlichen Verpflichtungen, kümmerte sich aber nie und nirgends um das, was die „öffentliche Meinung" von ihm sagte. Als ihm einmal das Mandat eines Senators angeboten wurde, lehnte er dankend ab, indem er erllärte, daß es für ihn „wichtigere und vernünftigere Dinge gebe, als die Po­litik . . ." -SC^-

’ät Das Unglück auf der Straße. Aus Berlin meldet uns ein Spezialtele­gramm: Der frühere Kommandeur der ersten Fußartilleriebrigade in Berlin, Generalmajor z. D. Wehmeyer, ist gestern nachmittag das Opfer eines Straßenunfalles geworden. Als der General auf einen in Fahrt befindlichen Straßenbahnwagen aufspringen wollte, glitt er > aus und zog sich bei dem Sturz s ch to e r e V er« letzungen am Kops zu. Nach Anlegung eines Nytverbandes auf einer Unfallstation wurde der Patient, dessen Befinden zu Besorg­nissen Anlaß gibt, in ein Krankenhaus geschafft.

Das „Depot" des Defraudanten. Nach einer Depesche aus Halle wurde ge­stern im Kassenzimmer der Säch­sisch-Thüringischen Aktiengesellschaft für Braunkohlenverwertung ein versiegelter Bries mit 13625 Mark gefunden, den der Kassierer K ü h u e dort vor seiner Verhaftung versteckt hatte.

LT Feuer im Eifeldorf. Meldungen aus Trier zufolge steht das Eifeldorf B e r re­sch e i d bei Schleiden in Flammen. Bis jetzt sind neun Wohnhäuser mit Wirtschafts­gebäuden und eine Kapelle nieberge• brannt. Infolge des Wassermangels ist das ganze Dorf gefährdet. Ta in letzter Zeit in. der Nachbarschaft mehrfach Brände, ausge­brochen sind, wird allgemein angenommen, daß die Ursache des Riesenbrandes auf. Brand­stiftung zurückzuführen ist.

Die Pennäler von Hermannstadt. Nach einer Depesche aus Budapest sind in dem Gymnasium zu Hermannstadt auffallend viele Schüler unter Shphiliserscheinun- gen erkrankt. Der Unterrichtsminister, der sich darüber Bericht erstatten ließ, soll die Rele­gierung der meisten Erkrankten angeordnet laben.

Lx Wenn der Friede flieht . . . Meldungen aus Budapest zufolge e r f ch o ß in der letz­ten Nacht im Dorfe Barand der wohlhabende Landwirt Valentin Szakacs feine Frau und feine drei Kinder. Dann verübte er Selbst­mord. Das Motiv zu der Tat soll in Fa­milien st reitigkeiien zu fuchen fein.

Der Siegeszug des Aeroplans. Nach einer Depesche aus London haben sich der Er­finder Hiram Maxim, der Aviatiker Graham White und der französische Aviatiker Bls- r i o t vereinigt, um ein Syndikat für die Fa­brikation von zwei neuen Typs von Mili- tärflugapparaten zu bilden. Der eine Typ ist ein kleiner Apparat von großer Ge­schwindigkeit, der zu Erkundungen benutzt werden soll. Der zweite Typ ist ein großer Zweidecker, der imstande sein soll, fünfhundert Pfund Sprengstoff zu tragen.

Letzte Telegramme.

(«ach Schluß der Redaktion eiugegangen.)

Sie Konservativen ans dem Kriegspsad.

^Telegramm unsers Korrespondenten.)

Berlin, 23. März.

Im Abgeordnetenhaus begann heute die dritte Beratung des Etats. Bei der allgemeinen Besprechung nahm zunächst der Führer der Konservativen, Herr von Heyde- b r a n d, das Wort zu der von uns bereits an­gekündigten konservativen Erflärung in der rcichs ländischen Versassun(jsfra- 8 e. Herr von Heddebrand führte aus:

Wenn ich einen Augenblick Ihr Gehör erbitte, so ist es eine Angelegenheit von all­

Der Verein für Wohnungsreform wird (wie ans dem heutigen Anzeigenteil der „Casseler Neueste Nachrichten" ersichtlich ist) am morgigen Freitag abend im „Cas 4 Zeppe - l i n" eine Versammlung abhalten, in der über den in Cassel üblichen Mietsvertrag ein Vortrag von einem Juristen gehalten werden oll. Da das Thema allgemein interessieren dürfte, host man auf eine große Besucherzahl.

A Der Etat des Landkreises Cassel. Die Vertreter des Landkreises Cassel berieten ge« fern in einer Sitzung den Haushaltsplan ur das Jahr 1911. Die Etatssumme ist ge­genüber dem Vorjahre um etwas gestiegen, während er 1910 mit 166 100 Mark balanzierte, beträgt diesmal die Summe 177 900 Mark. Da die Ausgaben größere geworden sind, so muß auch eine entsprechend höhere Einnahme geschaffen werden, die man durch Erhöhung der K r e i s st e u e r von 15 auf 17 Prozent erzielen wird. Für die Unterhaltung der Landwege sind 55 000 Mark, für Pflaste­rungen 10 000 Mark ausgeworfen. Das Ar- menteefen beanfprucht 23 000 Mark, die Volksbücherei 300 Mark und die ländlichen Fortbildungsschulen 2000 Mark. Zum Projekt der Söhrebahn wurde mitgeteilt, baß bie von ber Stabt Cassel gemachten Schwierigkei­ten beim Grunderwerb in kurzer Zeit als be­hoben angesehen werden könnten und daß nach Abschluß aller Verhandlungen sofort mit dem Bau begonnen würde. Beschlossen wurde noch der Ausbau einer Reihe von Landwegen und die Kreishunde st euerordnung da­hin zu ändern, daß Hunde, die von könig­lichen, kommunalen oder Privat-Forstbeanüen, btoic von Polizeibeamten und Nachtwächtern gehalten werden, steuerfrei bleiben. Pie Ver­günstigung bezieht sich jedoch nur immer auf einen Hund. Anstelle des aus dem Vorstände der Kreissparkafle ausgeschiedenen Amtsxats G a b k e wählte der Kreistag Herrn Kirch­hof aus Wolfsanger. Als Ersatzmänner von Mitgliedern des Vorstandes wurden ferner Richard Creds-Niederzwehren und Müh­lenbesitzer Karl Landgrebe -Obervellmar gewählt. Zum Mitglied des Kreisausschusses anstelle des ausgefchiedenen Amtsrats Gable wurde Bürgermeister F ü r e r - Harleshausen gewählt.

A Schlechte Zeiten? Mit allem Vorbehalt geben wir die uns gewordene Nachricht wieder, daß die Firma Henschel und Sohn Be- triebseinschränkungen plant, die mit einer Reduzierung der Arbeitskräfte verbunden

A Ein Miffionsvortrag im Bereinshaus. lieber das Thema: „Die Bedeutung der ärzt­lichen Mission für unsere Schutzgebiete" wird am Montag, den 27. März, abends 8 Uhr, Dr. med. Olpp aus Tübingen im großen Saal des Evangelischen Vereinshauses (Kölnische Straße 17) einen durch Lichtbilder illustrierten Vortrag halten. Dr. Olpp war neun Jahre lang als Missionsarzt in China tätig, hat sich jetzt als Dozent für das Fach der Tropenmedi­zin an der Universität Tübingen habilitiert, und ist zugleich zweiter Direktor des dortigen deutschen „Instituts für ärztliche Mi«ion, also ein Mann, der aus persönlicher Erfahrung heraus reden kann. Vielen Casselanern ist er wohl noch in freundlicher Erinnerung durch den Vortrag, den er vor zwei Jahren über feine ärztlichen Erfahrungen in China hier hielt. Dieser Vortrag gab damals Anregung ju tatkräftiger Mitarbeit bei der Gründung des ärztlichen Instituts in Tübingen. Das „Casseler Zimmer" im Institut ist ein bleiben des Zeugnis dafür. Aus rein Humanitären und gesundheitlichen, aus kolonialpolitischen, kulturellen, wirtschaftlichen und wissenschaftki- chen Gründen ist die ärztliche Mission der För­derung wert. Das nachzuweisen, Wird die Aufgabe des Vortrags sein.

A Aus dem Reich des Flügelrads. Für Bau ler Nebenbahn von Heiligenstadt nach Schwebdä wird zum 1. April d. I. eine Bau­abteilung mit dem Sitze in Heifigenstadt er eichtet. Zum Vorstand der Sauabteilung i der Kgl. Regierungs-Baumeister Schra­der, zum Streckenbaumeister der Kgl. Regie- rungsbaUmeister Ströhmeyer zu Cassel (ersterer nach Göttingen, letzterer nach Ers- haufen) versetzt. Der bei der Königlichen Eiseübahtt-Direktion in Cassel beschäftigte Eiseklbahtl-Obersekretär, Rechnungsrat Wick, ist unter Beförderung zum Rechnungsdi­rektor (kommissarisch) an die Königliche Eisenbahn-Direktion in Hannover versetzt. Aus Anlaß ihres Uebertritts in den Ruhestand wurden dem Bahnwärter 58 e d e r in Ihrings­hausen und dem Sattler S ch ö r I i n g in Cassel das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. Uebertragen wurde die vertretungsweise Ver­waltung der Bahnmeisterei 1 Cassel dem Bahn- meifterbiätar Sitte in Hünna. Versetzt ist Gütervorsteher S e ch st e d t von Nordhausen nach Cassel; Sahnmeister Zacharias von Cassel nach Paderborn. Die Prüfung haben bestanden: Die Ergänzungsprü­fung zum Eisenbahnsekretär: Gütervorsteher Nickel in Jesberg; zum Bahnmeister: Sahn­meisteraspirant Köhler in Cassel; zum Eisenbahnassistenten: Telegraphist Salz­man n in Cassel. Der beim Verkehrsamt Cas­sel beschäftigte Gütervorsteher Esser ist zum Zentralbureau der Königlichen Eisenbahn- -Direktion hier versetzt. — Regierungsrat Dr. Nundnagel (Dezernent der hiesigen Kö­niglichen Eisenbahndirektion) ist zum Ministe­rium der öffentlichen Arbeiten in Serlin versetzt worden.

Die Mecklenburger „Verfassung".

Schwerin, 23. März. (Telegramm) Ta mit den Ständen die Erzielung einer Eini­gung über die Aenderung der bestehenden L a n desverfaffung nicht zu erreichen war, v c r z i ch t e t e der Grotzherzog auf die mit dem Erlaß vom 18: November 1910 herauSgegebe- ne Vorlage und behielt sich in bezug auf die Vcrfaffungsreform freie Entschließung vor,

Großfeuer im Dors.

Könitz, 23. März. (Privat-Telegramm.) Im benachbarten Dorfe Brust brach gestern abend in einer Scheune des Stellmachers Klatt vermutlich durch Brandstiftung Feuer au§, durch welches zehn Wohnhäuser mit Nebenge­bäuden vernichtet wurden. 24 Familien sind obdachlos, es herrscht große Not.

Ein Drama auf der Straße.

Loudon, 23. März. (Privat-Tele» g t a m m.) Eine schwere SI u t tat ereignete sich heute früh mitten auf der Straße vor einem Ho- tel in Islington, einem Borort von Lon­don. Ei» Mann namens Surgeff hatte eben das Hotel in Begleitung feiner Frau und eines Kindes verlassen, als ein anderer Mann mit einem Revolver in der Hand den Dreien entgegentrat. „Beschützen Sie mich", rief die Frau ihrem Begleiter zu. Surgeff er­hob die Hand, aber fchon krachte ein Schuß und er fanl in den Kopf getroffen nieder. Hunderte von Menschen sammelten sich um die Gruppe, und mir mit Mühe gelang es der Po­lizei, den Täter vor der Wut der Menge zu chützcn. Es scheint sich um ein E i s e r s u ch t s- Drama zu handeln.

sein sollen. Einer Anzahl von Ingenieuren (die zum Teil mehrere Jahre int Dienste der Firma _

liehen) soll bereits die Kündiauna zugestellt t gemeiner politischer Bedeutung. iu der meine