Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Caflrlrr Mrnllzrttung

Dt»toffeler Reuest« Rachrtchtm- erscheinen wöchenlltch sechsmal und zwar adend». DerAbonnementzpretS beträgt monatlich SO Pfg. bet freier Zu. stellung ins HauL Dru-teret, Verlag u. Redattton: Schlachttzofftraße 28/30. vttOux Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon Amt IV. 676.

WWMU

hessische UbenüMung

JnsertionSprets«: Die sechSgespaltene Zeil, für einheimische Seschäfte» Bf, für auswärtige Zuferate Ä RellamezeU» für einheimisch, Ge­schäfte 40 Pi, für auswärtig« 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Vertretung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

Fernsprecher 951 trab 952*

Dienstag, den 21. März 1911.

Fernsprecher 951 trab 952.

Sie Wm non MM

SerE entkernen Spion" und seine Helfer. Bier Werstangestellte al» Spionage-Komplizen.

Sa»private gntereffe" an Kriegsschistbanteu. $n»Archiv" der Spione. Ser Engländer ott» Southampton.

Ser Traum des Friedens.

Am Wendepunkt der Weltgeschichte?

Seit Eduard der Siebente sein Haupt zur Ruhe niederlegte, hat sich im Land der Angel­sachsen mancherlei geändert, und just in diesen Frühlenztagen klingen über den Kanal die Osterglocken des allgemeinen Weltfrie­dens zu den östlichen Gestaden, im Reich der Vattern berechtigt und verständlich Staunen weckend. Und seltsam: Während im Parlament der Milliarden-Etat der britischen Flottenrü­stung im Vordergrund der Debatten stand, und Englands Suprematie auf den Meeren als For­derung nationaler Ehre mit leidenschaftlichem Eifer verfochten ward, sprach an friedlicherer Stätte Sir Edward Grey, des Britenreichs viel- gewandter Außenminister (und schon zu Eduards Zeiten dem Steuer englischer Welt­politik am nächsten stehend) goldne Worte über die völkervereinende Sehnsucht des Friedens, über, das internationale Schiedsgericht-Ideal und die Wege, die zur Erlösung der Welt vom lähmenden Druck der Rüstung führen können. Worte, die wie ein Lichtstrahl über den Erdball blitzten und die in der alten und neuen Welt Hoffnung und Begeisterung geweckt haben, weil sie das Sehnen von Millionen zur bestimmten Idee formten und dem Menschheitverlangen das Ideal des Friedens näher vors Auge rück­ten. Worte, die wie Befreiungskunde klingen; wie Erlösung aus zwängender Feffel, und die darum auch auf dem Erdrund ein gewaltigers Scho gefunden haben, als es seit Jahrzehnten der Stimme eines Sterblichen beschieden war.

Ueberm Atlantic, im Land der un­begrenzten Möglichkeiten wo das Cana- da - Problem und hie Sorge nnd die Gelbe Gefahr das Mißtrauen gegenüber Eng­land stets wach und aufmerksam erhalten haben, wird Sir Edwards Schiedsgcrichtsplan begei­stert als das Wichtigste und Bedeutsamste ge­feiert, daS in den letzten zwanzig Jahren im Interesse des Weltfriedens geschehen sei, und in England selbst hat ein Mann von der politi­schen Gewichtigkeit und besonnenen Ueberle- gung des Lordkanzlers in öffentlicher Ver­sammlung erklärt, man stehe an einem bedeu­tungsvollen Punkt der Weltgeschichte und die Hoffnung der Menschlichkeit scheine der Erfül­lung nahe zu sein. Sogar die britische Kirche bat dem Zauber des Friedenstraums ihre sonst so würdige Nüchternheit geopfert und den dritten Sonntag im Lenzmond zum allgemei­nen FriedenS-Sonntag proklamiert, und es ist charakteristisch, daß die Begeisterung für den Frieden alle sonst im Britenreich bestehenden religiösen und konfessionellen Gegensätze wie mV einem Zauberschlag verscheucht und die Ge­samtheit der Seelen in ihren Bann geschlagen bat. Wie eine große Flutwelle wälzt sich die Friedensbewegung über ganz England, und oaß diese Entzündung einer tief in die Seelen greifenden Volksstimmung durch die nüchternen, sorglich abgewognen und wohl temperierten Worte eines einzelnen Mannes hervorgerufen und die Explosion eine ganze starke Nation er­schüttern konnte, beweist, wie elementar der Friedensdrang selbst in diesem Volk und in diesem Lande kühler Geschäftspolitik ist.

Dabei ist derTraum des Friedens" nicht einmal neu: Hunderte der Besten und Größten baben ibn vor uns geträumt, und Millionen haben ibn für ibres Lebens Dauer tief im Her­zen getrogen, ohne indessen zu seiner Verwirk­lichung mehr beitraaen zu können, als den ehr­lichen Willen, das Ideal zu beseelen. Auch die Schiedsgerichtsidee ist nicht von heute oder ge­stern, und wenn auch das stille Prunkbaus im grünen Haag bisher nur ein kalt-steinernes Denkmal des Friedens geblieben ist, und bis zur Stunde mehr Kriegslärm als Friedensge­läut in seinen Hallen zu hören war. so darf dock nicht vergessen werden, daß schon im alten Jahrhundert des Russenzaren Friedensbotschaft dir Welt durcheilte und die Divlomatie von fünf Erdteilen zu überlegnem Lächeln reizte. Was damals tastend angedeutet ward, hat beut William I. Taft, der Vereinigten Staaten klar- schaueuder Präsident, in festere Form gefügt, und Sir Edward Greys begeisternde Beredsam­keit hat den Gedanken lichtfunkclnd interpretiert. Das Bedeutsame erscheint erst in den Sympto­men, die das Einst und Jetzt umrahmen: Vor anderthalb Dezennien Staunen, gemischt mit mitleidigem Lächeln; höfliche Aufmerksamkeit, der Ueberzeugung vom Wertmangel der Idee mühsam abgerungen; heute nationenbewegende Begeisterung, die Achtung vor der Gewalt des menschheitbefreienden Gedankens und die Er­kenntnis des natürlichen Bedürfnisses. daS

Die Verhaftung der Spione

Hamburg, 20. März. (Privai-Te- legramm.) Wie wir schon durch Aus­hang berichtet haben, verhaftete die Hamburger Kriminalpolizei am Sonn­abend abend einen Engländer und vier Hamburger Personen, die unter dem dringenden Verdachte stehen, Spio­nage betrieben zu haben. Die Verhaf­teten sollen nämlich versucht haben, nähe­res über die in der Bremer und Hambur­ger Werft im Bau befindlichen deut­schen Kriegsschiffe in Erfahrung zu bringen.

Ueber die smsationelle Affäre werden uns in einem Privat-Telegramm aus Hamburg noch folgende Einzelheiten berichtet: Wie in­zwischen festgestellt worden ist, hat der verhaf­tete Engländer, der sich bereits seit drei Monaten in Deutschland aufhält, fortgesetzt Fahrten zwischen Hamburg und B remerh a v erss unternommen und in bei­den Hafenstädten versucht, Anschluß an Ange­stellte der großen Werften zu erlangen, die zur­zeit Kriegsschiffe in Bau haben. Dies scheint ihm aber nur in Hamburg gelungen zu fein, denn gleichzeitig mit ihm wurden vier Ange­stellte einer großen Werft unter dem dringenden Verdacht der Spionage verhaftet. Seit acht Tagen wurden die Verdächtigen Tag und Nacht von der politischen Abteilung der Polizei be­obachtet, bis am Sonnabend so viel Verdachts­material zufammengetragen war, daß man zur Verhaftung schreiten konnte. Alle fünf Verhafteten wurden fofort einem mehrstündi­gen Verhör unterzogen. Der Engländer gab an, daß ihn lediglichprivates Interesse an Kriegsfchifsbauten" dazu getrieben habe, Daten darüber auf deutschen Wersten zu sammeln. Er will diese Daten indessen nicht weiter gegeben haben. Man fand aber bei ihm sowie bei sei­nen Mitschuldigen eine gdnze Anzahl Daten über noch im Bau befindliche und eben erft vom Stapel gelaufene Kriegsschiffe, die jedoch alle ziemlich belanglos sind und nicht geeignet fein könnten einer fremden Macht, Einblick in die militärischen Geheimnisse unserer Kriegs­schiffe zu geben. Allerdings ist die Polizei der Meinung, daß wichtigere Daten vielleicht schon an die unbekannten Auftraggeber abgesandt worden sind wenn auch sowohl der Engländer wie die beiden Deutschen bestreiten, wichtiges Material tn Händen gehabt zu haben. Im In­teresse der Landesverteidigung kann zur Stunde über die Untersuchung noch nichts wei­teres bekanntgegeben werden. Der verhaftete Engländer will aus Southampton stam­men und zum Besuch von Geschäftsfreunden nach Deutschland gekommen sein; die Polizei ist indessen überzeugt, daß es sich um einen Spion handelt, der während der ganzen Zeit seines Ausenthalts planmäßig gearbeitet hat.

Die Polizei schweigt!

(Telegramm unseres Korrespondenten.) Hamburg, 20. März.

Tie Polizei schweigt sich über die Spio­nage-Affäre, die in Hamburg das Tages­gespräch bildet, hartnäckig aus und verweigert eoi'che Mitteilung an die Presse. Es heißt in­dessen, daß die Nachforschungen nach den Ver­bindungen der Verhafteten noch fortgesetzt wer­den und daß weitere Verhaftungen wahrscheinlich sind. Die in Hast Befind­lichen sollen nämlich noch eine ganze Reihe an­derer Personen in den Kreis ihrer Bestrebun­gen hineingezogen haben, ohne daß diese Per- oiien allerdings um den Zweck der von ihnen erbetenen Mitwirkung wußten, Im Lauf des gestrigen Tages wurden die Verhafteten wie­derholt vernommen, und der Hauptschuldige, der angebliche Engländer aus Southampton, soll sich hierbei in auffällige Widersprüche verwickelt haben. Seine angeblichen Helfershel­fer blieben bei ihrer früheren Aussage, daß sie von den Spionageabsichtcn des Engländers nichts gewußt hätten und lediglich aus freund­schaftlichem Entgegenkommen ihm einige Da­ten mitgeteilt hätten. Ter Name des Englän­ders wird von der Polizei noch geheim gehal­ten. Es heißt, daß die Unlcrsuchungsbehörde neue Spuren verfolgt, die wahrscheinlich zur Verhaftung weiterer Schuldi­

gen führen werden, da der Verdacht besteht, daß außer dem verhafteten Engländer no ch andere Ausländer an den Spionagc- vcrsuchen beteiligt gewesen find.

Der Gentleman Spion.

(Von unferm Korrespondenten.)

Berlin, 20. März.

Von hochgeschätzter Sette gehen mir aus politischen Steifen zur Hamburge r Spionageaffäre folgende Mitteilungen zu:Im Interesse der Landesverteidigung" hielt es die Hamburger Polizei für angebracht, über die Verhaftung von Spionen in Hamburg zunächst nichts bekannt zu geben. Es ist aber schon so­viel darüber bekannt geworden (durchaus nicht zum Schaden der Landesverteidigung, son­dern im Interesse der öffentlichen Auf­klärung), daß man den Unterschied dieser neuesten Affäre von dem Fall der englischen Offiziere Trensh und Brandon Ende des vori­gen Jahrs genau feststellen und gewisse po­litische Konsequenzen daraus ziehen kann. Die beiden Offiziere waren Gentlemen- spione und wurden vorn Reichsgericht in Leip­zig ebenso wie der preußische Leutnant Helm in England als ©entfernen behandelt. Sie hatten nicht versucht, Angehörige des Landes, das sie ausspionierten, zu Schuftereien zu verführen, sondern trügen lediglich ihre eigene Haut zu Mar». Sie erhielten dieehrenvolle Haft" der Festungsstrafe und werden wohl ihre vier Jahre so wenig ganz durchhalten müssen, wie seinerzeit die beiden französischen Offiziere Du­bois und Daquet, die vor achtzehn Jahren in Leipzig wegen Spionage ebenfalls vier Jahre zudiktiert erhielten und schon nach einem halben Jahre anläßlich der Beisetzung des ermordeten Präsidenten Carnot vorn Kaiser begnadigt wurden.

Es ist aber ein ganz gewaltiger Unterschied, ob ausländische Offiziere auf deuffchem Boden sich Kenntnis solcher Dinge verschaffen, die für den Ausgang eines etwaigen Krieges von Belang werden können, oder ob deut­sche Reichsangehörige von einem fremdländi­schen Agenten (fei es in bestellter oder unbe- austragter GefchästSführung) dahin gebracht werden, ihr eigenes Vaterland zu verraten und sorgsam gehütete Geheimnisse, die ihnen viel­leicht nur auf dem Dienstwege zugänglich wa­ren, einer fremden Macht auszuliefern. In die­sem Falle wäre es sehr unangebracht, vor- nehme M i ld e walten zu lassen, sondern hier muß die ganze Wucht unserer Gesetzgebung einsetzen. Unsere beutfdje Gesetzgebung ist viel schärfer, als bei der letzten Spionageaffäre er­kennbar wurde. Wenn der jetzt in Hamburg verhaftete Engländer behauptet, daß ihn ledig­lichprivate Interessen an Kriegsschiffbauten" dazu getrieben haben, Daten darüber auf deut­schen Werften zu fammeln, und daß er diese Daten nicht weitergegeben habe, so schließt das eine energische Strafverfolgung wegen Spio­nage Weden gegen ihn noch gegen feine Helfers­helfer aus; mögen diese auch noch so lebhaft bestreiten,wichtiges Material" in Händen ge­habt zu haben.

Eben weil das deutsche Strafgesetzbuch, das außer der Veröffentlichung von geheim zu hal­tenden Dingen nut deren Mitteilung an eine fremde Regierung mit Strafe be­droht, sich als unzureichend erwiesen hat, wurde unser besonderes Svionagegesetz vom dritten Juli 1893 geschaffen. Dieses Gesetz ist nicht strenger als die enffprechenden aus­ländischen Gesetze. ES ist auch nicht etwa einer besonders kriegerischen Laune auf deutscher Seite entsprungen, sondern ngch dem Vorbild anderer Staaten (insbesondere nach dem stan- zöfischen Gesetz vom achtzehnten April 1886) gehalten. Unser Spionageaesetz bedroht schon die einfache nackte .Ausspähung", also das Sichverschasfen des Besitzes oder der Kenntnis militärischer Geheimnisse, flam abgesehen vom Verrat, mit harter Strafe. Schon der Ver­such der Anssväbuna ist strafbar, und der Be- weaarund bleibt dabei gam gleichgültia. Die Hamburger Verhafteten erklären, die bei ihnen voroeinndenen Taten über noch im Ban be­findliche und eben erst vom Stavel aelaufene Krieasschiffe feienbelanglos", feien alfo keine militärischen Geheimnisse. Selbst wenn dies aber der Fall fein sollte, wird dadurch die Straftat an sich im Sinne des Gesetzes nicht gemildert, und nach der Erfahrung, die man erst kürzlich mit derSpionage, von Borkum" machen mußte, darf man Wohl erwarten, daß im neuen Hamburger Falle die ganze Sckärfe des Gesetzes zur Anwendung gelangt.

-er-

Schicksal der Völker auf sicherere Grundla­gen, als auf die Spitze der Bajonette zu gründen.

Edward Grey (beim Bankett der Interna­tionalen Schiedsgerichtsliga):Wenn ei» Schiedsgerichtsvettrag zwischen zwei großen Ländern geschlossen wird nach den Grundlinien, wie sie der Präsident der Vereinigten Staaten als möglich entworfen hat, fo lassen Sie ihn von den beiden beteiligten Mächten ohne Hin­tergedanken abschließen. Die Wirkung des ge­setzten Beispiels auf der ganzen Welt würde unbedingt wohltätige Folgen haben müssen. Ein gutes Beispiel fetzen, heißt hoffen, daß Andere ihm folgen werden, jinb wenn andere Großmächte folgen, fo wird es schließlich etwas wie eine Friedensliga geben. Diese Dinge müssen sich jedoch ihren Weg durch ihr eignes Gewicht bahnen . . Die paar Worte repräsentieren den Kern einer weltum­spannenden Idee und die tiefste Wahrheit hei darin kristallisierten Gedanken offenbart sich in dem Satz, daß die Dingesich ihren Weg durch ihr eignes Gewicht bahnen müssen." Wenn man die Anfänge der Friedensbewe­gung und die Kindertage der Idee am h e u t i» gen Wertgehalt praktischer Friedensarbeit mißt, ist zu erkennen, daß das Gewicht der Tinge die Entwicklung tatsächlich bereits ein achtenswertes Stück Weg vorwärtsgedrängl hat, und daß auch die Wahrscheinlichkeit besteht, durch das natürliche Bedürfnis auf der Bahn dem Ziel noch näher gebracht zu werden. Diese Entwicklung wird sicher auch das alte Europa im Festlandbereich nicht unberührt las­sen, und es wird bann vielleicht doch einst bet Tag heraufdämmern, ber bet Welt die Erfül­lung eines langen Sehnsuchtstraums und die Erlösung von jahrhundertlangem Sorgendruck bringt! F. H.

ßnglMtzs Friedens-Sonntag«

(Eigene Drahtmeldung.)

London, 20. März.

Die Mehrzahl der Geistlichen nahm ge- stern die letzte Rede des Ministers des Aentze- ren, Sir Edward Grey, über die Frage des Ab­schlusses eines SchiedSgerichtSvertra- ges zwischen Großbritannien und den Ber­einigten Staaten zum Gegenstand ihrer Pre­digten. Man begrüße mit Freuden diesen demokratischen Zug zum Frieden und es sei di, Pflicht der Kirche, diese Bewegung mit aller Kraft zu unterstützen. Die Kirche« waren an­läßlich der allgemeinen Friedenspredigten (die vorher in allen Gemeinden sämtlicher Konfes­sionen angekündigt worden waren) Überfüllt, und nach den Gottesdiensten fanden im Hyde- Park große Stratzenansammlnngen statt, die sich zu gewaltigen Demonstrationen für die Friedensidee gestalteten. Die Redner, die die Rede Greys besprachen, wurden von der nach Zehntausenden zählenden Menschenmenge mit Begeisterung begrüßt.

Aus den Tiefen.

Bilder vom italienischen Camorra-Prozeß.

(Von unferm Korrespondenten.)

Viterbo, 18. März.

Das kleine, sonst den Schlaf der Erinnerun­gen tierträumenbe Eiruskerstädtche« Viterbo wat eine einzige Aufregung, benn es hatte sich auf eine Staffeneinquartierung von fünfzig Advokaten? vierzig Journalisten uni über zwei Dutzend Photographen, ei« halbes Regiment Infanterie (das das ständig garnifo- nietende Regiment verstärkte) und auf ein Ba­taillon, das aus Carabinieri, Schutzleuten und Geheimpolizisten zusammengesetzt war, ein- richten müssen. Morgens in aller Frühe wurde der schöne, stille Fontainenplatz, an dem das Barfüßerklostet liegt, das zumJustizpalast' umgewandelt worden, mit militärischen Spa­lieren bepflanzt, die den Andrang der Neugie­rigen abwehren sollen. Gegen acht Uhr beginnt das Hin- und Herfahren der grünen Eise« blechwagen, die

die sechsunddreißig Gefangenen abholen sollen, die im Hauptgefängnis S. Marii di Grado vor den Stadtmauern untergebracht sind, während die vier privilegietten Angeklag­ten, die in andern, Zwangswohnsitz gesickert sind, ber Priester Don Ciro Vitozzi, der Anklä­ger Abbiatemaggio und. zwei andere, im ge­schlossenen Landauer herbeigeholt werden. Ällk Delinquenten sind an den Armen gefesselt und dazu noch mehrere zusammen an langet Kette miteinander verbunden. In den Sicker- heitszimmern entledigt man sie ber Fesseln: bann werben sie in ben Sitzungssaal geführt, als welcher bie Klosterkirche bient, wo für die fechsunbreitziq ein riesiger Käfig hetge- richtet ist. während derSpion" Abbiatemaggio