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Die Parlamente.

Drei Woche« vor ßertettbeghm.

(Sun imfetm parlamentarische« Mitarbeiter.)

2. Beilage.

Sonntag, 19. MLrz 1911.

Rach de« nunmehrigen Vereinbarungen wird der Reichstag am 6. April in Me Se­rie« gehen, die bis Anfang Mat dauern sollen. Er hat also biS dahin nur noch drei Wochen 1 für die Beratungen zur Verfügung und nach dem bisherigen Tempo der Verhandlungen siebt eS nicht so auS, alS wenn in dieser Zeit gar zu viel fertig werden könnte. Vor allem hat es nicht den Anschein, als wenn der Etat bis zum ersten April oder vielleicht überhaupt bis zum Ferienbeginn fertiggestellt werden wird, sodaß man Zuflucht zu einem N o t g e- setz wird nehmen müssen. Die parlamentari­sche Arena soll zwar den Resonanzboden für die Volksstimmung abgeben, aber die Vertre­ter des Volkes müssen hierbei auch mit den gegebenen Umständen rechnen und sich sagen, daß sie die Gesetzesarbeit in einer Weise zu erle­digen haben, daß keine Stockungen eintre- ten. Man wird nun nicht behaupten können, daß der Zustand, wie er gegenwärtig im Reichstag sich offenbart, ein idealer sei, im Ge­genteil ist bei der Etatberatung (bei der man von je aus dem Hundertsten ins Tausendste kam) noch nie so gesündigt worden wie diesmal. Besonders beim Etat des Reichsamts des Innern macht sich diese üble Gepflogenheit in der unerquicklichsten Weise breit, mit dem Erfolg, daß die Erledigung der parlamentarischen Geschäfte eine beträchtliche Hemmung erfährt. Wo soll es hinführen, wenn über die verschiedensten, oft herzlich unbedeu- ienden Gegenstände in der breitesten Ausführ­lichkeit gesprochen wird und wenn ein Redner aach dem andern fast dasselbe sagt, nur damit die einzelnen Parteien zeigen, daß sie „zur Stelle sind" und .für die Interessen ihrer Wäh­ler energisch eintreten"? Diese Wahlreden, die sich jetzt ganz besonders bemerkbar machen, sind in der Hauptsache an diesen Stockungen schuld, und es ist in hohem Maße bedauerlich, daß das Plenum des Reichstags für derartige Zwecke benutzt wird. Es wäre dringend zu wünschen, daß die einzelnen Parteien einmal ihren eigenen Angehörigen nahelegten, nur un­ter wirklich zwingenden Umständen zu sprechen und es zu vermeiden, durch die seit Wochen . üblichen „Reden zum Fenster hinaus" auch fer­nerhin den Gang der Verhandlungen zu er­schweren. Angesichts der ganzen gegenwär­tigen Geschäftslage ist es völlig ungewiß, wel­schen Gang die Dinge nehmen werden. Wann man eigentlich Schluß machen will, weiß in Wirklichkeit niemand, wahrscheinlich selbst die Regierung nicht, trotzdem angeblich noch eine stattliche Anzahl „besonders wichtiger Vorla­gen" vom gegenwärtigen Reichstag erle­digt werden soll. Wann und wie dies ge­schehen kann, wissen zurzeit freilich nur die

Nr. 90.

Erster Jahrgang.

Die Schule im Landtag.

Abgeordnetenhaus-Sitzung vom 17. März.

Am Ministertisch: von Trott zu Solz^ Die zweite Lesung des Kultusetats wird bei den „Höheren Lehranstalten" fortgesetzt.

Der Antrag des Aba. Fritsch (nl), die Ste- noaravhie als fakultativen Unterrichtsgegen­stand in den Lehrplan der höheren Schulen auf­zunehmen, wird auf Antrag Zedlitz zurückge­stellt.

Aba. Siebert (kons.): Das humanistische Gvmnasium muß in der bestehenden Form er­halten bleiben. Man

hüte sich vor dem Exverimentieren.

Abg. Dr. Heß (Ztr.): Dem Kultusminister stimmen wir in den meisten Schulfragen zu. Dem humanistischen Gymnasium darf man durch die Realanstalten keinen Abbruch tun. Reue Fächer sollten auf den höheren Lehran­stalten nicht eingeführt werden, mit Ausnahme vielleicht der Stenographie. Wir wünschen, daß die höheren Schulen auf einem demütig-gläu­bigen Christentum aufgebaut werden. (Beifall i. Zentr.)

Abg. Dr. Maurer (»11.): Wir wünschen Freiheit der Entwicklung im höheren Schulwe­sen Die höheren Lehranstalten sollen keine Dressuranstalten sein. Der Minister hat es in der Kommission als unbedenklich bezeichnet, daß Lehrer, die

den Modernisteneid geleistet

bisher vergeblich auf VerbeflerungSvorschläge der Sozialdemokraten gewartet.

Abg. Dr. Semler (nl.): Ich bi» enffchie- den für das Ueberwachungssystem; aber em taatliches Ueberwachungsshstem brauchen wir nicht. Wir bitten das Reichsamt dnngend, uns unsere Selbstverwaltung zu> lassen. , Der Redner verliest aus einer englischen Zei­tung eine längere Kritik zugunsten der Seebe- rufsgenoflenschaft.

Vizepräsident Schulze unterbricht ihn aber, da im Reichstag nur deutsch' gesprochen wer­den dürfe. (Heiterkeit.)

Beim Statistischen Amt empfiehlt Abg. Frhr. von Gamp (Rp.) ein wirksames Zusam­menarbeiten des Reichs-Statistischen Amts mit den Statistischen Aemtern der Einzelstaaten tm Interesse der Vereinfachung des Betriebs und der Sparsamkeit. , ,

Abg. Dr. Rösicke (kons.) fordert eine indu­strielle Produktionsstatistik, damit man den ir­rigen Angaben in den Flugblättern desHansa- bundes entgegentreten könnte. Wenn die Pro- dutionsstatistik richtig geführt werde, so werde sich Herausstellen, daß die

Landwirffchast bedeutendere Werte produziere als die Industrie.

Abg Dr. Doormann (Vp.) wünscht eine beschleunigte Feststellung und Mitteilung der Ergebnisse der Betriebszählung hinsichtlich der Beiträge zur Invalidenversicherung, da sie sonst für die Reichsversicherungskommission zu spät kommen würde.

Staatssekretär Delbrück und Ministerial­direktor Casvar erklären, daß die Statistik schon jetzt nach Möglichkeit vereinfacht werde. Es müsse aber vermieden werden, in die Selb­ständigkeit der Landcsverwaltungen ein­zugreifen.

Das Saus beschließt, die Kali-De­batte erst am Dienstag stattfinden zu las­sen, und vertagt dann die Weiterberatung des Etats auf Sonnabend.

art, die lateinisch«, genügt vollkommen. Man würde dann Zett gewinn«, um die 0t* nographie zu pflegen.

Abg. Viereck (ft): Die BerechtiaungSfragi ist ein Schaden für die höhere« Lehranstalten, sie drängt die Bestrebungen auf sachliche Bll- düng zurück. Der Redner begründet einen An­trag aus Anrechnung der HUfslehrerdienstzeii auf das Pensionsdienstalter der Oberlehrer.

Kulturminister von Trott zu Solz: Die Zu­nahme der Realghmnaste» hat wohltuend auf die humanistischen Gymnasium etngewirkt Wisf müssen an den

einzelnen Typen der Lehranstalten festhalten. Direktoren sollen nicht bei jeder Ge­legenheit den Lehrern gegenüber den Vorgesetz­ten hervorkehren, sondern den Kollegen. Die Berechtiqungsfrage der einzelnen Schularten ist in der Tat sehr schwierig. Für die körperliche Pflege sind entsprechende Einrichtungen getrof­fen.

Abg. Eickhoff (Vp.): In der Frage bei Schulreform beginnen sich die Ansichten allmäh­lich zu klären. Unsere industrielle, finanzielle, kommerzielle und technische Entwicklung ver­langt moderne realistische Bildungsanstalten.

Abg. Stvczynski (Pole) beklagt, daß den polnischen Gmnasiasten der Religionsunterricht nicht in polnischer Sprache erteilt wird.

Nach weiterer unwesentlicher Debatte Wird ein Schl"ßantraa angenommen. Ebenso der Antrag Vierecke über die Hilfslehrerdienstzeit.

Die Weiterberatunq wird sodann bis abends sieben Uhr vertagt und in der Abend- sitzung dann der Kultusetat erledigt,

Sie Lsterfest-Resolution.

(Telegramme unseres Korrespondenten.)'

Wie uns aus dem Reichstag berichtet wird, hat die Petittons-Kommission dem Reichskanzler eine Petitton betteffend die Fest­legung des Osterfestes zur Erwägung überwiesen und eine Resolution angenommen. Iin der der Reichskanzler ersucht wird, durch geeignete Maßnahmen dahin zu wirken, daß enffprechend den Beschlüssen des Handwerker­und Gewerbetages und des deuffchen Handels­tags die großen zeitlichen Schwankungen d e s O st e r f e st s b e s e i t i g t und daS Oster- fest auf einen bestimmten Sonntag fest­gelegt werde. Die Kommission war der Mei­nung, daß es zweckenffprechend sei, die Schwan« hingen des Osterfestes zu beseittgen, nachdem die kirchlichen Behörden erllärt hätten, gegen eine solche Maßregel nichts einzuwenden zu haben. Durch die Schwankungen des Oster- fests seien Mißstände entstanden, die im Schulwesen, auf wirtschaftlichem Gebiete, in Industrie, Handel und Verkehr, in der Land- wirtschaft und beim Wohnungs- und Gesinde- Wechsel immer lebhafter empfunden würden.

Abg. Schwarz-Lübeck (Soz.): Das Alter eines Schiffes ist nickt ohne weiteres für die Fraae der Seetüchtigkeit maßgebend. Meist ist die Besatzung zu schwach und minderwerttg wegen der geringen Löhnung.

Abg. Kirsch (Ztr.) weist die Behauptung zurück, daß die Slomandamvfer im wesentlichen seeuntüchtig sind. Jedenfalls soll man das Er­gebnis der amtlichen Untersuchung über die letzten Unfälle erst abwarten.

Abg. Heckscher (Vv.): Die schwer kränken­den Angriffe aegen die Slomanlinie sind unbe­rechtigt. Allerdings steht die Reederei in dem begründeten Ruf, bei Ausgaben überaus ängst­lich zu sein. Jedenfalls wäre es fluchwürdig, wenn eine Reederei absichtlich seenntüchtiae Schiffe hinausschicken würde. Ich könnte mir

nichts Niedrigeres und Gemeineres denken.

Abg. Mottenbuhr (Soz.): Unsere Ankla­gen richten sich nicht gegen die Seeberufsge­nossenschaften, sondern gegen die Untätig­keit der Reichsregierung, die sich um die Verhütung von Unfällen zu wenig küm­mert.

Abg. Hormann (Vp.): Wenn man Jahr für Jahr von sozialdemokratischer Seite solche Ein­zelheiten aufgebauscht bekommt, kann man die Erregung des Reaierungsvertreters wohl ver­stehen. Das Schisfahrtsaml in England hat sich durchaus nickt so gut bewährt. WaS soll man im Auslande darüber denken, wenn hier immer gegen unsere Schiffahrt so geredet wird. Die gegenwärtige Aufsicht genügt. Wir haben

Italien. (Lebhafter Beifall. Die Abgeordneten haben sich bis auf einige der wenigen anwe- senden Zentrumsmitglieder von ihren Plä^n erhoben^) DaS deutsche Voll wird an dieser Feier drS ihm verbündeten und besteundeten italienischen Volls den lebhaftesten Anteil neh­men. (Beifall.) Ich habe mir deshalb gestattet,

im Namen deS Deutschen Reichstags an den Präsidenten der italienischen Deputier- tenkammer ein Telegramm zu senden.

Es folgt sodann die Weiterberatung des Etats des Reichsamts des Innern. Abg. Severing (Soz.) spricht bei dem Titel „Beitrag für den Verband deuffcher Arbeits­nachweise" gegen die christlichen Gewerkschaf­ten und den Abgeordneten Giesberts. Der Red­ner bekämpft die Arbeitgeber-Nachweise mit ihren schwarzen Listen, die der schlimmste Herd der Beunruhigung im wirtschaftlichen Leben seien.

Abg. Giesberts Ztr.): In die Arbeit des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise muß mehr System hineinkommen. Auch wir bedau­ern die Ausbreitung der Arbeitgeber-Nachweise.

Die Aussprache über den Kalifonds wird auf Antrag des Abgeordneten von Richt­hosen (kons.) auf Sonnabend vertagt. Beim Schiffsvermessungsamt fordert

Abg. Metzger (Soz.) staatliche Kontrolle der Seetüchtigkeit der Schiffe anstelle der pri­vaten durch die Seeberufsgenossenschaft

Direktor im Reicksamt des Innern Dr. von Joncquiäres: Man kann nicht verlangen, daß jedes Schiff von einem Mitglied der Seebe- rufsaenossensckaft vor der Ausfahrt von A bis Z. kontrolliert wird. Dann würde jeder Schiffsverkehr aufhören. Eine solche Kontrolle ist nur bei Auswandererschiffen vorgeschrieben, wo es sick um tausende von Menschenleben han­delt. Wir wollen die Ehre unserer deutscken Kauffabrteischfffahrt aufreckt erhalten. (Lede- bour: Das ist ja Unsinn!) Das mag für Sie Unsinn lein, für uns nicht. (Beifall.) Vi­zepräsident Schulz

rügt den Zwischenruf LedebourS.

Ansicht, daß man in der Jugend mit dem Be­treiben eines Sports beginnen müsse, daß daS Alter ausgeschlossen sei, die ist ein- sehr irrige. Der menschliche Körper bildet sich bis zum fiinf- zigsten Lebensjahre aus, also bis zu dieser Zeit kann man immer noch den Sport als Heil- und Vergnügungsmittel in Angriff nehmen. Es bedarf eines ehrlichen Enffchlufles, um alle Spannkraft des Körpers und des Geistes wie- derzugewinnen. — Zwar ist nicht jeder von Natur aus dazu geeignet, jeden Sport zu «ei­ben, wohl aber kann jeder in einer gewissen Weise den Sport treiben, der ihm zusagt, der sich für ihn am besten eignet. Schwächliche, bleichsüchtige und nervöse Personen dürfen nur sehr langsam und vorsichtig die Anstrengungen und Krafttibungen beim Sport steigern.

Selbstverständlich ist hier nur ine Rede von einem Sport, der im Freien ausgcfuhrt wird, denn ohne frische Luft ist keine vollständige Erholung und Kräftigung denkbar. Da wäre ganz besonders zu empfehlen: das Tennisspiel, der Radfahr- und der Rudersport. Die anstren­gende Arbeit bei diesen Sportübungen erfor­dert tiefes Atemholen, wobei die Brust erwei­tert wird und man sich am sichersten gegen Ka­tarrh und Tuberkulose schützt. Die Kräftigung und Gesundung aller Körpermuskeln und eine Steigerung des Appetits und des Wohlbefin- dens sind die ersten Wirkungen des Sports. Aengstliche Menschen halten den Rad- oder Wassersport für ein gefährliches Unternehmen, weil hier und da Unfälle vorkommen. Diese werden bei keinem Sport ausbleiben, aber die Ueberängstlichen sollten einmal die Summe von halb- und schwerkranken Menschen zusam­menzählen, welche jährlich durch den Sport wieder gesund und lebensfreudig werden, dann würden sie über die wenigen und Heinen Un- glückssälle nicht mehr viel reden.

Der Sport ist gerade für unsere Genera­tion ein unerläßliches Bedürfnis geworden, weil unsere ganze Lebensweise eine verweich­lichende und naturwidrige ist, wodurch unser Organismus im erhöhten Mabe allen Einflüs­sen der Schwächung und Erkrankung ausgesetzt ist. Selbstverständlich ist es am besten, wenn mit der Ausübung irgend eines Sportes schon in der Jugend begonnen wird. Das Kind zeigt bereits in seinen Spielen oder kleinen Raufe­reien de» nattirlickum Drang, sich körperlich iu

bewegen, sich genügend Leibesübungen zu ver- schaffen. DaS geht so bis zum Ende der soge­nannten Flegeliahre. Dann kommt gewöhnlich eine klaffende Lücke und zwar gerade in dem. wichtigsten Lebensalter. Gerade in der Gym­nasialzeit und in den Studienjahren wird bei uns der Sport noch zu sehr vernachlässigt. Das ist in Amerika und England ganz anders, in diesen Ländern treibt der überwiegende Teil der Studierende» Sport, bei u»S aber höch­ste»- fünf Prozent. Alle jungen Leute die nichts für ihren Körper tun, die ihren Geist auf Kosten ihres Körpers ausbllden, die werden in väteren Jahren Hypochonder, Melancholiker, oder Neurastheniker. Wer leider auS irgend einem triftigen Grunde keinen Sport treiben kann oder darf, der mache sich wenigstens die nötige Körperbewegung durch Spazierengehen in frischer Luft, aber nicht in den Straßen einer Stadt, sondern draußen ganz im Freien.

Das Fußwandern ist der billigste, na­türlichste und einfachste Sport, und keine Jah­reszeit ist zum Beginnen desselben geeigneter als das Frühjahr. Aber auch dieser einfache Sport muß richtig betrieben werden, ohn, Hast und ohne Lässigkeit, denn nur so werden alle Muskel» gleichmäßig und heilsam in Tätigkeit gesetzt. Man fange nie zu schnell an und halte mäßigen Schritt. Man atme stets kräfttg mit geschlossenem Munde durch die Nase. Beim Atmen durch den Mund wird die Kehle leich­ter trocken, und man ist auch leichter einer Er­kältung der inneren edleren Organe ausgesetzt. Beim Atmen durch die Nase erwärmt sich die Luft und regelt den so wichtigen Feuchttgkeits- gehalt. Kann ein Großstädter sich keinen täg­lichen Spaziergang in Gottes schöner, freier Natur gönnen, so verschaffe er ihn sich wenig­stens so oft wie möglich, die menschliche Natur verlangt es unbedingt zu ihrer vollen Gesund­heit, sie warnt und mahnt auch eirfbringlid) ge­nug. Schon der Umstand, daß man im Ge­fühle der Körperkälte eine immer wärmere Stu­benluft verlangt, daß man sich reizbar ödes schwer im Kopfe fühlt, ist ein warnendes Zeh eben, daß die Haut bereits die nervösen Kenn­zeichen der Verweichlichung kundgibt. Dez Frühling ist da, und wer es gut mit sich meint, eile hinaus ins Freie und beginne so bald wi< möglich mit der Ausübuna eines Sports.

Dr. W. Schütte.

arbeitet schneller und kräftiger und treibt fein Blut rascher und leichter durch die Adern. Wem aber das Blut leicht durch die Adern rollt, der ist gesund an Leib und Seele, der fühlt sich glücklich, denn Gesundheit hat stets Arbeits­und Lebenslust im Gefolge. Der Schweiß, der im Beginn der Sportübung ausbricht, der ist unbezahlbar, denn er schwemmt allerlei Krank­heitsstoffe fort.

Jede Art von Sport ist gesund, wenn er auf eine vernünftige Weife getrie­ben wird. Jeder mit Ausdauer und Vorsicht betriebene Sport hat seine großen Vorzüge, denn er bringt stets eine Anzahl von Muskel­gruppen in Bewegung und steigert fo de» Blutunttauf und den Stoffwechsel. Der Sport­treibende wird nie über die kleinen Gebrechen zu klagen haben, die den meisten Stubenhockern das Leben verbittern. Er kennt keine kalten Füße, keinen heißen Kopf, er weiß nichts von Niedergeschlagenbeit, Appetitmangel und Le­bensüberdruß. Der Sport ist jedem Menschen zu empfehlen, namentlich aber den vielen Fett­süchtigen, denn seine Ausübung vermindert den Wassergehalt im Körper. Fette Mensche» haben weniger gutes Blut als die mageren. Zhr Blut enthält zu viel Wasser. Ist aber der Wassergehalt der Organe zu groß, so vermin­dert sich auch die Leistungsfähigkeit derselben, namentlich die Schnelligkeit. Das gilt sowohl von körperlichen wie auch von geistigen Arbei­ten Wer bei der leichtesten Anstrengung in Schweiß gerät, dessen Blut hat zu viel Wasser. Wir können den normalen Wassergehalt unse­res Blutes wieder erlangen, indem wir oft körperliche Bewegungen bis zum starken Schweißausbruch machen und darauf, um Er­kältungen vorzubeugen, mtt leichteren Bewe­gungen sortfahren, bis das Schwitzen aufhort. Je stärker das Muskelsystem eines Menschen ff: desto weniger leicht gerät er ms schwitzen.

So wohltätig der methodische und natur­gemäße Sport ist, so nachteilig ist der übertrie­bene, plan- und maßlose .Hierbei treten auf die Dauer unbedingt Herzfehler und Arterien- Verkalkung auf. Sport und Frühling wenden sich aber nicht nur an die Jugend, tote so viele Menschen glauben. Gerade dem reiferen Aller wollen sie ihre Wohltaten und Segnungen spende». Durch de» Sport wird das Marche» vom äungbrunne« imi ickönen Wahrheit. Dir

haben, lehren, denn sie feiert Ja an bett ftaatli- chen Lehrplan gebunden. Würde das allge­meine Auffassung, dann wäre es mit der Frei- heit der Jugenderzieher vorbei. Eine Schrift-

Frühlings-unVSpott-Beginn

Im Zeitalter der Sport-Kultur.

(Von unserem ärztlichen Mitarbeiter)

Ter Winter hat für uns „Moderne- zwar lange nicht mehr die Unannehmlichkei­ten und Schrecken, welche er unseren Vor­fahren zeigte, im Gegenteil, er bietet uns sogar recht viele Freuden im Ball-, Etz- oder Theater- Saal, aber alle diese Wintervergnugungen müssen in geschlossenen und geheizten Räumen genossen werden. Diese lange Stubengesan­genschaft und stete Heizungsluft sind aber der menschlichen Gesundheit wenig zuträglich, man fühlt sich unbehaglich, die richttge Lebens­freude fehlt, weil uns die frische Luft, ber not- wendige Stoffwechsel mangelt. „Die SSinter« monate mit ihren Festen, Vergnügungen, ver­mehrten Arbeitsstunden, durchtobten Nachten, die sind es, welche unsere Nerven verwüsten oder unsere Magen verderben und die Lun­gen schwächen. So ist es denn kern Wunder, wenn die Menschheit den Frühling herbeisehnt und dessen erste warme Tage mit großer Freude begrüßt.

Mit dem nahenden Frühling erwacht zum Glück auch die Lust am Sport, welcher in bett langen Wintermonaten bei den meisten ganz eingeschlasen war. Der Sport ist Millionen Menschen ein Bedürfnis geworden. Sie ha­ben eingesehen, daß sportliche Betätigung nicht nur ein Vergnügen, sondern eine Pflichterfül­lung ihrem Körper gegenüber fern mutz. Rttr her Sport zwingt uns Stubenmenschen zu je­ner ausgiebigen Bewegung, ohne die es keine vollständige Gesundheit, also auch keine richtige Lebensfreude und Arbeitslust gibt. Geregelte, schnlaerechte körperliche Bewegung erhöht vie Leistungsfähigkeit aller Muskeln und Organe. Wer aber diese stärkt, ber kräftigt auch seine Nerven. Sport und Nervenschwäche sind, zwei Feinde, welche nicht nebeneinander bestehen können Wahrend nämlich ein Mensch mit sie­zender Lebensweise seinen Lungen so wenig Luft zuführt, daß sie niemals in ganzer Aus­dehnung von ihr bestrichen werden, so ahne dagegen ein Radfahrer oder Ruderer: fünf- bW zehnmal fo viel Sauerstoff ein und Kohle,t- £ au». Da- Lerz des Sporttreibenden

Sechs Tage Sozialdebatte.

Reichstagssitzung vom 17. März.

Am Tische des Bundesrats: Dr. Del­brück.

Präsident Graf Schwerin-Löwitz: Heute vor fünfzig Jahre» ist der italienische nationale Einheitsstaat offiziell begründet worden, und das ganze italienische Volk feiert heute diese Bcgrunbung unb Vereinigung des Königreichs

Big große bewegende Ml

In Bezug auf die Reklame hat einmal ein berühmter Engländer den Ausspruch getan: :

„Reklame ist dem Geschäft, was der Dampf für die Maschine ist: die große bewegende Kraft.“ Nur wer seine Waren öffentlich anzeigt, kann erwarten,si e zu verkaufen.