Lsssrlrr Krueste Kschrtchten
trotz d«S verschiedenartigen Temperamentes, meist gut mit dem Detter vertragen Hane, heute wohl zum ersten Male fühlten sich die
geflochtenen Zöpfen, so ganz anders, fo . . .
Roman einer jungen Ehe
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Familiennachrichten
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2 her^b,C« = »i 16, März 1911. t Laüen-GlaajchrSnke, 3 m hoch^
Cassel, 16. März 1911.
Justus Brehm und Frau, geb. Brückmann.
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Konfirmanden-Uhren.
Mni|s1tro6e 12.
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Am 15. März entschlief nach langen und schweren Leiden, im 83. Lebensjahre, das Ehrenmitglied des deutschen Kriegerbundes,
!♦ Benage.
Sonntag, 19. März 1911.
kehrtsein, sie hätten eS nicht über sich gewonnen, in die lärmende Fröhlichkeit der animierten Lischaet--'•‘<‘Mt einzustimmen. Besonders bei dem unbändigen Knaben war dies befrem- dend, und der Vater versuchte durch allerhand Neckereien die Stimmung seines so veränderten Sohnes zu verbessern. .Bist ja heute ein echter Trübetümpel, Hans, tust, als ob dir die Felle weggeschwommen wären, da komm her, trink ein Glas Sekt, das wird dir die Lebensgeister wieder auffrischend Der Knabe setzte den Trunk an die Lippen, plötzlich erhellten sich seine Mienen, und mit einem einzigen Zuge trank er das Glas leer.
.Hat's geschmeckt, Junge, möchst noch eins?"
Der Bube nickte nur stumm, und in einer seltsamen Wildheit stürzte er auch daS zweite und dritte Glas herunter. .Nun ist'S aber ge- nua, Hans, sonst gibt es einen Schwips. . . . Schade, es hatte doch so wunder. . . wunder- schön geschmeckt, und wie das auf der Zunge prickelte und perlte, und wie daS in den Adern quirlte und rumorte, so eigen, alS ob ihm unvermittelt ein dichter, düsterer Schleier von den Auaen gefallen wäre, und nun plötzlich Licht um" ihn war, grelles, flimmerndes, rosenrotes Licht. Aber das Licht blendete ihn derart, dass er es nicht zu ertragen wähnte, und ohne auf die lärmende Tischaesellschast zu achten, stürmte er wie ein Besessener hinaus in den Gatten. Hier suchte er sich einen abgelegenen versteckten Winkel aus und die Hände inS Gesicht vergraben, kauerte er sich wie ein scheuer Vogel auf den keuchten Erdboden nieder.
beginnt an einem der nächsten Tage in den „Casseler Neueste Nachrichten." :: :: ~ u
.Ja aber, HanS, waS starrst du mich denn so an?-
.Ich weiß nicht, List, du kommst mir heute
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&r schreckte auf, die Cousine stand vor ihm.
.Was machst du denn hier, Hans?"
.Was ick hier mache . . . ja, siehst du, ich weiß es nicht ... iS konnte es Plötzlich nicht mehr da drinnen aushalten, das ist alles so eng . .. und das blendete so . .. und da mußte ich hinaus ins Freie . . . und 5= ’*"s
NtlllNIM Stoffe. Suiten, WMieotel, ----- Mer — kaust
Konfirmation.
Sie waren zusammen in die Gemeinde der Christen ausgenommen worden, der schwarzlockige, heißblütige Knabe und das zarte, gold- mäbnige Cousincken. Nun gingen st- Hand in Hand nebeneinander her, die jungen Kopse ae- senkt. wortlos und still, ganz durchdrungen von der Weihe der Stunde. Das iunge Mädchen hatte in früher Kindheit die Eltern verlogen und weilte nun seit längerer Zeit imMuse des Onkels, wo man sie als liebe Tochter und Gespielin des wilden Buben gern und freudm ausgenommen hatte. Und wenn sie sich auch.
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über ... und er, gefesselt, angefchmiedet an hie andere, die er nicht liebte, die ih« anwiderte mit ihrer dürftigen Gestalt, mit ihrer stumpfe^ geisttötenden Philisterhastigkeit. Warum mutz es so weit kommen, ja warum? ES war daS unselige Blut, das in seinen Adern tobte, daS ihn von Genuß zu Genuß, von Begierde zu Begierde taumeln ließ. DaS Spiel, daS Weib und der Wein, vor allem der Wein, der machte ibn sinnlos und raubte ihm daS letzte bißchen Willensfreiheit. So hatte er fein Vermögen vergeudet, das henlichste Mädchen verloren und zum Schluß sich an die erste beste verschachert, !,le gerade imstande war, einen möglichst hohe« Kaufpreis zu erlegen.
Der alte Onkel, der auch die schwungvolle Rede gehalten, llopfte ihm leise auf die Schulter:
„ES ist Zeit, HanS, wenn Ihr noch mit dem Zug mit wollt.-
Der junge Ehemann schaute auf daS Weib an seiner Seite. Ein qualvoller Ekel schnürte ihm fast die Kehle zu. Dann griff er zu seinem Sektglas und stürzte hintereinander acht brs zehn Gläser hinunter.
.Nun komm, Margarethe-
Tod.
Mo am Ende! Vor ihm die blitzende Wa'ke. Noch zwei, noch fünf, noch zehn Minu- ten, je nachdem sein Herrschetwille darüber be» stimmte. Nur heute noch mußte eS geschehen. Morgen schon war es für ihn zu spät. Und ''st. wenn das Undenkbare möglich wäre, wenn sich noch in letzter Stunde jemand fände, der seine Ehrenschuld begleichen wollte, er mochte nicht mehr, er hatte das Leben satt bis zum Ekel. Was war er denn noch? Ein bet- brauchtet, zermürbter, elender Geselle, ohne Illusionen, ohne Ehre, ohne sttllichen Halt. Und weil er nun gerade einmal dabei war, daS Fazit seines Lebens zu ziehen, waS hatte es ihm eigentlich gegeben? Nun ja, er hatte genossen, wie man zu sagen pflegt. Genossen? Laut und höhnisch lachte er auf. Gab es überhaupt in seinem Dasein eine einzige Stunde wirklichen Genusses. Gab es etwas ReineS, etwas Echtes und Erhabenes, was nicht in feinen Hän. den zu Schmutz geworden wäre?
Und vor seinen Blicken tauchte die Gestalt des Weibes auf, das er geliebt, und daS seine Erbärmlichkeit in den Tod gettieben hatte. Ach nein, nicht denken, nicht denken an den unglückseligen Tag, her seinem HochzeitSabend gefolgt war. Warum überhaupt noch denken? Was scherte ihn die Vergangenheit? Vor ihm lag der Zauberer, der allem Schmach und allem Elend ein Ende bereitete. Und er griff zur Waffe und hielt sie an die schweißbedeckte Stirn. Aber mit einer Gebärde des Abscheus schleuderte er sie wieder von sich. Nein, so nicht. Nicht in dieser grauen, nüchternen All- tagsstimmung wollte et aus der Welt scheiden. Sterben wollte er, wie er gelebt, im Rausch, in der Betäubung. Er ging zum Schrank, holte eine Flasche Sekt heraus und trank sie, ohne abzusetzen, bis zur Hälfte leer. Dann schleuderte er die Flasche mit nerviger Faust gegen die Wand, und die goldenen Schaumperlen vermischten sich mit dem Blut des gerichteten Mannes . . .
Sekt.
Vie Geschichte eines Lebens, von «. I. Wolff. Geburt.
Ein Junge, Herr Doktor, ei» Junge!-
*ein Junge?' Wie ein brausender Jubel kam es von den Lippe» deS ManneS. .Ein 3u$?rofent>er Hast stürmte er a» der Wär- ♦«ritt vorbei, und mit einem jauchzenden fturra" öffnete er die Tür deS Wohnzimmers. Än der Schwelle stockte fein Fuß. Ein eigenes, nie gekmntes Gefühl dämmte Plötzlich die laute Fröhlichkeit zurück, und mit fast ehr- furchtsvoller Scheu näherte er sich dem Lager der jungen Mutter.
Mein Weib, mein geliebtes Weib, wie hast du mich glücklich gemacht!' Demuttg kniete er am Bette nieder und in lautloser Ergriffenheit küßte er die blassen Hände der Wöchnerin. . .
.Nun aber zu dem Jungen!"
Wo war mit einem Male die ehrwürdige Ergriffenheit geblieben? * Wie ein Rasender tollte er mit dem kleinen Bündel im Zimmer umher, küßte Köpfchen und Händchen des wttt- -iaen Geschöpschens und führte gar seltsame Gespräche mit dem kleinen Weltbürger.
Du gähntet, süßer, herziger Fratz, was hast du doch für liebe, blaue Guckäugelchen und die drollige Stubsnase, und das komische Schnäbelchen, et, wie wird das erst mal ausschauen, wenn da so ein langer, schwarzer Schrmrrbart herumgewachsen ist, weißt du, Bengelchen. so ein ganz forscher, schneidiger, wie ihn die Madel so brennend gern küssen. Wirst s erleben, Bengelchen, wirst's erleben, bist ja Vaters Sohn. Werden noch manch tolle Fahrt miteinander ausführen, wir zwei, was Jungchen? Und noch manchmal mit einem dicken Brummschädel nach Hause kommen, hahahaha! Und plötzlich, in einer seltsamen Gedankenverbindung legte er das Bündelchen in die Kissen zurück und stürmte wie ein Freuden trunkener hinein ins Nebenzimmer. .Sekt her, schnell Sekt, aber vom besten!' . . In lauchzendem Ungestüm entkorkte er die Flasche , netzte die Finger mit dem schäumenden Naß und führte sie leise und behutsam in das geöffnete Kindermaul- cken. Trink, Junge, ttink!' Und mit entern Leuchten im Blick sich über die Wiege fernes Kindes beugend, flüsterte er bewegt: -Mögest du auch vom Trunk des Lebens stets nur das Edelste schlürfen, mein Sohn, heiße berauschende Wonne, junges, feuriges, uberschau- mendes Glück...!'
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heute woyl 3um afttuc ,—
beiden jungen Menschenkinder in ihrem Emp- so anderS vor mit dem langen Kleid und den finden ganz eins miteinander. ES lag über geflochtenen Zöpfen, so ganz anders, so . . . hrem Wesen so ein ttäumerischeS Jnsichge- schon.
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die darauf berechnet sind, s läj in der Residenz viele Q — taufend Leser zu finden, M sollte man in den Casseler
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Den Ferdinand von taM
Inhaber des eisernen Kreuzes und Ritter hoher Orden.
Wir werden das Andenken dieses um die Entwickelung des Kriegervereinswesens hochverdienten Mannes stets in Ehren halten.
Cassel, den 17. März 1911.
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Gott, Gott, wie sollte das noch werden? Da drüben saß das Weib, das er seit seiner vu M1UD„, Kindheit geliebt, das er noch heute mit allen und da . . und Fiebern begehrte, ihr goldenes Haar, ihr jung- utt | fraulicher Nacken lockte und ginte zu ihm hin-
„Aber Hans!'
„Sieht, wirklich, Lisi, du bist mir noch niemals so erschienen, und waS du für wunder- volle, blonde Zöpfe hast . . . ach, Lisi, laß mich nur einmal, bitte, bitte, nur einmal laß mich deine wunderschönen blonden Zöpfe berühren."
„Wie du komisch bist, Hans, darum brauchst du doch nicht erst groß zu bitten.'
Der Knabe war nun ganz nahe an die Eou- sine herangetreten, wie liebkosend glitten seine Finger über die seidigen, goldenen Haarwellen, da... da ... ein jubelnder Ausschrei. . . und in versengender Glut preßten sich die Lippen des Jünglings auf den weichen, unberührten Mädchenmund . . .
„HanS!'
„Lisi! Ach-du . . . du , , ,k
Hochzeit.
„Um nun also endlich zum Schluß zu kommen, meine verehrten Hettschaften, so bitte ich Sie hiermit, das Glas zu erheben, und mit mir anzustoßen auf das Wohl unseres jungvermählten, glücklichen Paares!"
Nun ein Schatten mit Stühlen, ein Rauschen der Schleppen, ein Klirren der Gläser, und dazwischen Hochrufe, lautes Lachen, wüster Lärm, mißtöniger Gesang.
„Willst du nicht mit mir anstotzen, Hans?"
Der junge Ehemann schreckte aus seiner Versunkenheit auf.
.Verzeih, Margarethe, aber ich war so zer- streut. * „
Nun standen sie sich gegenüber und ein angstvoller, forschender Blick der jungen Gattin streifte die verlebten Züge deS ManneS.
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