Einzelbild herunterladen
 

Casseler Neueste Nachrichten

u vermehren, und zwar soll das neue Re-

z

MeiitioeSiiimiM umWlO Seiten.

Letzte Telegramme.

jNach Schluß der Redaktion eingegangen.)

12 Der „bröckelnde" Vesuv. Wie heute aus Rom berichtet wird, dauert der E i n - stürz an der Krateröffnung des Ve­suvs fort, begleitet von unterirdischem Ge- töse. Das obere Ende des Bahnhofs der Draht­seilbahn ist stark beschädigt. Der Sturm, der auf dem Vesuv wütet, verhindert seismische Beobachtungen.

iS Baron Paterno im Gefängnis. Baron Paterno, der Mörder der Gräfin Trigone, ist (einem Telegramm aus Rom zufolge) setzt völlig genesen und nach dem Gefängnis Reginaceli gebracht worden. Der Leutnant

A Das neue Regiment für Cassel. Vor einiger Zeit schon konnten die „Casseler Neueste Nachrichten" darüber Mitteilung machen, daß bei der Heeresleitung die Absicht besteht, die Garnison der Residenz st adeCassel

-L Kleine Chronik. Wie aus Peters­burg telegravbiert wird, bat die dortige Aka­demie der' Künste den Prinzreaenten von Bayern tum Ehrenmitglied der Akademie gewählt. — Aus Berlin wird uns gemeldet: Die gestrige Berliner Erstaufführung von „Glaube und Heimat" von Karl Schön­herr im Lessingtbeater erzielte bei guter, doch nickst hervorragender Darstellung einen sich sei­gernden starken und berzlichen Erfolg. Der Dichter wurde oft gerufen.

g im ent in einen Vorort von Cassel gelegt werden. Wir wir nun in Erfahrung bringen, ist durch eine Verfügung des Kriegsministe­riums das Fußartillerie - Regiment General-Feldzeugmeister Bran­denburgisches Nr. 3, das zurzeit in Mainz in Garnison liegt, hierfür in Aussicht genommen. Die Verhandlungen wegen Errich­tung der Kasernements sollen soweit gediehen ein, daß cs nur noch der Bewilligung der er- orderlichen Mittel durch den Reichstag bedarf.

A Cassel als Kongreßstadt. Die nächste Haupt - Versammlung des Hessischen Volksschullehrervcreins sindet im Herbst dieses Jahres in Cassel statt. Aller Voraussicht nach dürsten wir also in diesem Jahre mit einem größeren Fremdenverkehr ne­ben der großen Landwirtschaftsausstellung zu rechnen haben, da bekanntlich auch schon an­dere Korporationen Cassel als nächsten Kon­greßort bestimmt haben.

A Das Schwurgericht. Die gestrige Ver­handlung gegen den der Körperverlet­zung. mit Todeserfolg angeklagtcn Italiener Pietro E l m i, der an der Edcr- talsperre seinen „Schwiegervater" erschossen und dessen Frau schwer verletzt hatte, endete mit der Verurteilung des Elmi zu vier Jahren Gefängnis. Der Staatsanwalt hatte sechs Jahre Zuchthaus beantragt. — Außer den bereits mitgeteilten Anklagesachen sind dem Schwurgericht noch die beiden fol­genden Straffälle zur Erledigung überwiesen worden: Donnerstag, den 16. März, vormit­tags 9 Uhr: gegen Elise Sand aus Cassel wegen wissentlichen Meineids; Frei­tag, den 17. März, vormittags 9 Uhr: gegen den Hilfsweichensteller Emil Maulhardt aus Witzenhausen wegen vorsätzlicher Brand­stiftung. Weitere Anklagesachen gelangen in der diesmaligen Schwurgcrichtsperiode nicht zur Verhandlung.

A Militär gegen Zivil. Wie erst heute be­kannt wird, entstand in der Nacht zum Mon­tag in einem Lokal an der Hohenzollernstraße eine schwere Schlägerei zwischen Mili­tär- und Zivilpersonen. Von den letzteren wur­den einige erheblich verletzt, einer so stark, daß die Sanitätskolonne in Anspruch ge­nommen werden mußte. Ein Musketier vom 83. Infanterie-Regiment erhielt einen schweren Messer st ich in den Unterleib, sodaß seine Ueberführung ins Garnisonlazarett erfor­derlich wurde.

A Aus unserer Garnison. Am 25. März wird das zweite Bataillon des Infanterie-Re­giments Nr. 83 eine größere Gefechts­übung im Gelände von Hessisch-Lich­te n a u abhalten. Zu diesem Zwecke wird das gesamte Bataillon in einem Militär-Sonder- zuge um acht Uhr vormittags von Bettenhausen nach Fürstenbagen befördert. Mit der Hebung ist ein großes, kriegsmäßiges Abkochen auf der Heide bei Eschenstruth verbunden. Der Rück- mgrsch erfolgt zu Fuß. Für die Bewohner je» ner Gegend wird das militärische Schausviel sicher ein Ereignis bilden, umsomehr, als schon seit Jahren größere militärische Uebungcn dort nicht flattgcsunden haben.

A Ter Rücktritt Professor Kotitz'. Die von den „Casseler Neueste Nachrichten" bereits im Februar gebrachte Meldung, daß der Direktor der königlichen Kunstakademie in Cassel, Professor L. Kolitz, zum Kerbst dieses Jahres z u r ü ck z u t r e t e n gedenke, wird jetzt b e st ä t i g t. Wir haben bereits in der Num­mer vom 21. Februar einiges aus dem Leben dieses Mannes und bedeutenden Künstlers mit- getcilt.

A Ein Casseler Schneiderftreik in Sicht? Die Schneidergehilfen von Cassel hatten be­kanntlich einen neuen Lohntarif an die Arbeitgeber gelangen lassen, der eine Erhö­hung der in Kraft befindlichen Lohnsätze enthielt. Der von den Arbeitgebern vorgelegte Lohntarif wurde kürzlich in einer hier abgehaltenen Mitgliederversammlung der Filiale Cassel des Deutschen Schneiderverban­des endgültig a b g e l e h n t und zwei De­putierte für die schiedsgerichtlichen Verhand­lungen in Frankfurt am Main gewählt. Die Schied sgerichtssiyung hat nun dieser Tage stattgcfunden, jedoch konnte eine Eini­gung nicht erzielt werden. Aller Vor­aussicht nach werden die Gehilfen nunmehr in einen Streik treten, während die Arbeit­geber mit einer Aussperrung zu antwor­ten beabsichtigen. In Cassel sollen etwa 250 bis 300 Gehilfen betroffen werden A»-r> in

Dar Neueste aus kastel.

Sie Landwirte in Gaffel.

Eine Sitzung in der Landwirtschaftskammer.

Der Vereinsausschuß der Land­wirtschaftskammer hielt heute vormit­tag im Saale des Lescmuseums seine Winter- Generalversammlung ab. Nach Erösfnung der Sitzung teilte der stellvertretende Vorsitzende der Landwirtschaftskammer, Rittergutsbesitzer Maertens-Sieberhausen, mit. daß der Vorsitzende der Kammer, von Stockhausen, verhindert sei, die Verhandlungen zu leiten, da er in Berlin geschäftlich zu tun habe. Zur Teilnahme an der heutigen Versammlung seien der Oberprästdent, der Regierungspräsident und der Konsistorialpräsident cingeladen worden. Altem Brauch gemäß wurden die Verhandlml- gcn mit einem

dreifachen Hoch aus den Kaiser eingeleitet. Der Regierungspräsident Graf Bernstorff und Oberpräsident Hengstenberg waren inzwischen erschienen und wurden von der ganzen Versammlung lebhaft begrüßt. Dann wurde in die Erledigung der Tages­ordnung eingetreten. Die bestimmungsge- mäß ausscheidenden Vorstandsmitglie­der wurden wiedergewäblt. Dr. Sprenger erstattete sodann den Jahresbericht über die Tätigkeit des Bereinsausschusses. Die Tä­tigkeit der Deckkommission, der Molkerei-, der Geflügel- und der Ackerbaukommission wurde vom Referenten eingehend dargelegt. An die- en Bericht schloß sich eine längere Diskussion, n welcher über die Verhältnisse in dem Dillen­burger Landesgestüt verbandelt wurde. Allge­mein wurde der Ansicht Ausdruck gegeben, daß im Gestüt zu wenig decksähiae Hengste vorhan den seien, um den Bedürfnissen der- Landwirt- schast im Regierungsbezirk Cassel zu genügen. Anaereat wurde die Errichtung genügender Deckstationen im Lande. Auch über die Sim- mcntaler Rindviehzucht wurde lange Zeit de­battiert.

Ueber die Maul- und Klauenseuche

bielt sodann Professor Balkas ein längeres Referat. ' Seit etwa dreißig Jahren werden btc Viehseuchen bei uns durch gesetzliche Maßnah­men bekämpft und zwar in äußerst erfolgreicher Weise. Indessen wird immer wieder der An- steckungsstoff aus dem Auslande cingeschleppt. Für achtzig Millionen Mark Vserde werden pro Jabr in Deutschland eingeführt und diese aus­ländischen Pserde brinaen uns den Rotz. Auch die Maul- und Klauenseuche, von der Deutsch­land. dank der gesetzlichen Maßnahmen, lange fast frei gewesen, ist im Voriahre aus Rußland eingeschleppt worden und hatte weite ländli­chen Gebiete verseucht. Die Krankheit ist in 350 Kreisen ausgetreten und bat nabezu 6000 Ge­höfte infiziert. Die veterinärpolizeilichen Be­stimmungen. die im allgemeinen sehr unbeliebt sind, werden zu unzulänglich gehandhabt sei­tens der Tierhalter, sind auch sehr erweite­rungsfähig. Hoffentlich wird

das neue Seuchengesetz

dir Lücken der seitherigen gesetzlichen Maßnah­men füllen. Allerdings können die besten gesetz­lichen Vorschriften nicht helfen, wenn sie nicht gewisienbaft befolgt werden. So wird die An­zeigepflicht in der Reael zu spät beachtet. Der Redner geht nun speziell auf die Maul- und Klauenseuche ein und äußerte sich über d,e Kennzeichen und den Verlauf, sowie über die Behandlung der Krankheit, der in Deutschland jährlich für ungefähr 8 0 0 0 0 Mark K lauen- v i e h zum Opier falle: er verbreitete sich sodann über die Maßnahmen, die der Landwirt er­greifen muß. nm seinen Tierbestand vor Infek­tion möglichst ireizuhalten. Auch über die künst­liche Immunisierung der Tiere sprach der Red­ner ausführlich und äußerte sich über d,e Me­thode des Professors Löffler, der durch seine Se- rnmbebandlung die Tiere unbedingt unem­pfindlich aeaen den Krankheitsstosf machen ;« können erklärt hat. " -,z"

Ser Landauer Mord tiorm Schwurgericht Das Drama im Ratskeller.

Unter der schweren Anklage, den Muske­tier Carl Nolte vom 83. Infanterieregiment (3. Bataillon) in Arolsen durch einen Mes­serstich derart schwer verletzt zu haben, daß der Tod alsbald eintrat, bat sich heute der Landwirtssobn Heinrich Merten aus Landan (Kreis Twiste) vor dem hiesigen Schwurgericht zu verantworten. Merten hatte bis zum Kerbst vorigen Jahres mit Marie G. seinem Mädchen aus dem gleichen Ortet ein Liebesverhältnis, das dieses aber gelöst hatte, als Merten sich gelegentlich eines Tanzvergnü­gens im Oktober aus Eifersucht dazu Hinreitzen ließ, seiner Geliebten eine Ohrfeige zu geben. Beim nächsten Vergnügen am zweiten Weih­nachtstage hat dann auch die G. nicht wieder mit Merten getanzt, sondern sieb ausschließlich dem auf Urlaub in Landau weilenden Mus"c- tier Nolte gewidmet. Als sich nach dem Tanze das Pärchen auf den Heimweg begab, ist Mer­ten, von der Eifersucht getrieben, demselben ge­folgt und hierüber von dem Musketier Nolte zur Rede gestellt worden. Das Mädchen ist dann aus Furcht vor dem bevorstehenden Streite allein nach Hause aeaangen, sodaß die hitziaen Gemüter sieb allmählich beruhigten.

Ein ähnlicher Vorfall wiederholte sich am Abend des achten Januar aus gleichen Anläs­sen. Diesmal schlugen die beiden Rivalen mit Knüppeln aufeinander ein. Acht Tage darauf sollte sich das Drama ereignen. Am 14. Tanuar fand eine Versammlung der BurlÄen-Vereini-

behandelt das Gefängnispersonal mit der größ­ten Verachtung. Er droht mit seiner „hohen Protektion". Die Erinnerung an den Mord, den er aus dem Gewissen hat, macht auf ihn keinerlei Eindruck.

iS Jin Expreßzug überfallen. Aus Lon- don wird unr gemeldet: Auf der Bahnfahrt von Breston nach Kindvall wurde eine Dame im Expreßzug von einem Unbekannten angesallen und nach heftigem Kampfe während der Fahrt aus dem Fen st er ge­worfen. Sie erlitt verhältnismäßig wenig Verletzungen. Der Täter sprang auf der an­deren Seite aus dem Zuge und entkam.

ping des Städtchens Landau im Ratskeller tatt, wobei es unter Verzapfung von drei Fäß­chen Freibier feuchtfröhlich herging. Bei dieser Gelegenheit saßen stch die Nebenbuhler einan­der gegenüber. In der Küche des Ratsekellers (in die sich einige Teilnehmer, unter ihnen auch die beiden Feinde, begeben hatten) kam es zu allerlei Sticheleien, die zu Tätlichkeiten ausar­teten. Der Angeklagte hat stch im Verlaufe derselben von seinem Gegner, dem Musketier Nolte, durch ein Messer bedroht geglaubt, des­halb selbst das Messer gezogen und mit of­fener Klinge zugestochen. Hierbei hat er unglücklicherweise die Schlagader am Halse getroffen, sodaß der Tod des Nolte alsbald eintrat. Am anderen Tage erfolgte die Ver­haftung des Merten. Eine umfangreiche Be­weisaufnahme (es sind dreiundzwanzig Zeu­gen geladen) bestätigt im wesentlichen die An­gaben des Angeklagten, der vollauf g e st ä n - d i g ist.

Die Geschworenen bejahten die Schuld- frage nach gefährlicher Körperverletzung, und billigten dem Angeklagten mildernde Umstände zu. Das Urteil lautete auf zwei Jahre Gefängnis. Von der Strafe sollen zwei Monate als durch die erlittene Untersuchungshaft verbüßt be­trachtet werden.

Ser „Theaterkrieg" der Union.

(Telegraphische Meldungen.) Washington, 15. März.

Das Kriegsdepartement gibt bekannt, daß fcinS der in Texas mobilisierten Infanterie- rcgimenter an die mexikanische Grenze gesandt werden soll. Dagegen sollen sieben weitere Kavallerieabteilungen die drei be­reits an der Grenze patrouillierenden Abtei­lungen ergänzen, um dem Waffen- und Muni­tionsschmuggel ein Ende zu machen. Einem Telegramm aus Tokio zufolge erklärt das Regierungsblatt „Kokumin" das Newyorker Gerücht von einem G e h e i m b ü n d n is zwi­schen J"pau und Mexiko sowie von der Anwe- enheit von 50 000 Japanern in Mexiko für ..völlig unbegründet". (Siehe auch die Depeschen auf der ersten Seite.)

Frankfurt im Landtag.

Berlin, 15. März. (Spezial-Telegramm.) Dem Abgeordnetenhaus ist ein Antrag zugegaugen: Das Haus wolle beschließen, die königliche Staatsregierting zu ersuchen, die Errichtung einer nicht staatlichen Universität in Frankfurt am Main nicht anders als auf Grund eines Gesetzes zu genehmigen. Ein zweiter, dem Hause zugegan- gcner Antrag besagt: Die Regierung zu erbt- dien, einen Gesetzentwurf über die Befrei­ung der Dissidentcnkindcr vom Re­ligionsunterricht die vcrfassungsinä- ßigc Zustimmung zu erteilen.

Die Reichsland-Vcrfaffung.

Berlin, 15. März. (Telegram m.) Die RrichStaaskommiffion für die elsaß-lothrin­gische Verfafsungsreform hat heute den Zen­trumsantrag, wonach der Statthalter die Mi­nister ernennen und entlassen soll, mit 13 gegen 13 Stimmen des Zentrums, der Sozialdemo - kraten und Polen abgelehnt. Der Rest des Paragraphen zwei wurde nach der Regierungs­vorlage angenommen.

Der „Lorrain sportive"-Prozesr.

Straßburg, 15. März. (Vrivat-Telegramm) Die Verhandlungen gegen den Verein ,.L o r - raine sportive", der sich in Metz die viel besprochenen Ausschreitungen mit politischem Einschlag zuschulden kommen ließ, wird noch in diesem Monat, wie verlautet, in den letzten Ja­gen, vor der Metzer Strafkammer vor sich ge­hen. Die Verhandlungsdauer wird auf drei Tage berechnet.

Die Tragödie des Arztes.

Paris, 14. März. (Svezialtele- qramm.) Gestern hat sich hier ein erst 25 Jahre alter deutscher Arzt. Dr. Georg Kermann Pohl-Graiahn, in seiner Wohnung mit Zyan­kali vergiftet.

Journalist und Offizier.

Mailand, 14. März. (SpezialtelB g r a mm.) Der Mord, den der Leutnant Pa­terno an der Hofdame Gräfin Trigona ver­übt hat, hat soeben in Florenz ein Nachspiel gezeitigt. Das Offizierkorps des dortigen Bersaglieri-Regiments fühlte sich durch einen Artikel der Zeitung „La Voee" schwer beleidigt. Ein Offizier wurde bestimmt, den Chefredak tcur des Blattes zu fordern. Er stellte ihn aut der Straße und gab ihm eine Ohrfeige.. Der Journalist wehrte sick, und c8 entstand eine re­gelrechte Prügelei, der Passanten ein Ende machten. Das Duell wird unter schweren Be­dingungen zustande kommen.

Im Reick der Pest.

Charbin, 15. März. (Telegramm.f Die Pest ist hier im Erlöschen. In der letzten Wocke sind hier vier und in Fudjadjan 14 To desfälle vorgekommen. Siebzehn Leichen wur­den gefunden. Im Innern bessert sich die Lage ebenfalls.

Abdul Hamid in der Zwangsjacke.

Saloniki, 14. März. (Spezialtele­gramm.) Die letzten Vorfälle in der Billa Allatini haben auf den Zustand des Ersultans Abdul Hamid sehr ungünstig eingcwirkt. Der Exsultan bekam Tobfuchtsansälle, zerschlug alle Möbel und stieß ununterbrochen die wildesten Flüche gegen das jungtürkische Regime aus. Ta die Wächter und Aerzte ihn nicht beruhigen konnten, wurde ihm schließlich die Zwangsjacke angelegt.

hingen über den Milzbranderreger, ferner die Untersuchungen über Krankheitserreger und Desinfektion im ersten Bande der „Mitteilun­gen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte" veröffentlicht sind, der im Buchhandel längst vergriffen ist. Die Ausgabe wird durch die Professoren Dr. G a f f k y und Dr. Schwalbe besorgt werden.

-2- Der „Rosenkavalier" in Paris. Wie aus Frankfurter. M. gemeldet wird, haben der Münchener Theateragent Gutmann und der Pariser Impresario Astruc die Neue Theateraktiengesellschaft in Frankfurt a. M. eln- acladen, den „Rosenkavalier" in Paris aufzu- sühren. Zu diesem Zwecke soll eine Gesellschaft gegründet werden, die das nötige Kapital für eine sechsmalige Aufführung der Oper in der Pariser Großen Oper und im Ebatclettheater aufbringt. Die Vorstellunoen sollen im Juni stattfinden. Wenn der Plan zustande kommt, würde der Intendant der Frankfurter Oper mit dem gesamten darstellenden Personal, dem Or­chester. den Dekorationen, Rcguisiten und dem technischen Personal in einem Extrazug nach Paris befördert werden.

Tie Sonnenfinsternis vom 28. April. Unser astronomischer Mitarbeiter schreibt uns: Am 28. Avril wird wieder einmal eine vollständige Sonnenfinsternis eintreten, aber unter recht ungünstigen Um­ständen. da ihre Sichtbarkeit auf eine verhält­nismäßig kleine Zone in der fernen Süd fee beschränkt fein wird. Der Gürtel der Verfin­sterung trifft keinen der fünf Erdteile, und nur einige Fnselaruvven werden den Vorzug haben, vom Mondschatten voll getroffen zu werden, nämlich die Tonga-Inseln. die Samoa-Inseln und die Tokelau- ober Union-Inseln. Die er­sten und letzten befinben sich bekanntlich in bri­tischem, die Samoa-Inseln teils in deutschem, teils in amerikanischem Besitz.

Nr. ST. — 1. Jahrgang.____________________

X Die „Ehrenrettung" des Hosenrocks. Wie die Dresdener Polizei mitteilt, ist die vor einigen Tagen von einem Depeschenbureau verbreitete Nachricht, der Polizeipräsident von Dresden habe einer Kabarettkünstlerin dis Auftreten im Hosenrock verboten, völ­lig unzutreffend, da behördlicherseits weder ein derartiges Verbot erlassen worden ist, noch überhaupt die Absicht besteht, durch polizeiliche Maßnahmen die Mode der Damen­welt zu bekämpfen.

iS Die neuesten Eisenbahnkatastrophen. Wie uns aus Duisburg gemeldet wird, stießen dort gestern vormittag zwei Güterzüge zusammen. Mehrere Wagen wurden dabei in­einandergeschoben und zertrümmert, während einige andere einen Abhang hinunterstürzten. Der Materialschaden ist sehr bedeutend. Per­sonen sind glücklicherweise nicht zu Schaden ge­kommen. — Aus Nantes wird berichtet: Bei der Station Le GLvre der Staatseisenbahn entgleiste gestern mittag ein Güterzug. Zwei Personen wurden getötet und eine ver­letzt.

-12 Ter Ehemann als Raubmörder. Wie ein Telegramm aus Brandeis an bei Elbe metbet, eimoibete bort ein Zimmer­mann seine von ihm getrennt lebende Frau auf offenem Felde und beraubte sie. Der Täter konnte verhaftet werden.

2. Ein Drama auf dem Bodensee Ans Lindau wird uns depeschiert: Gestern nach­mittag herrschte auf dem Bodensee ein heftiger Sturm. Das Boot eines Damvfschissheizers ging unter. Der Heizer Fehle ertrank.

is Tragödie der Liebe. In einem Wie­ner Hotel hat stch in der vergangenen Nacht (wie uns ein Telegramm meldet) ein ele­gant gekleideter Mann und die in seiner Be­gleitung befindliche Dame erschaffen. Dir beiden hatten keinerlei Dokumente bei sich; man glaubt aber, daß sie ans Bitterfeld stam­men. Die Taschentücher weisen die Buchstaben „O. Z." und „E. Z." auf.

12 Lieber töt als ruiniert! Ueber einen aufsehenerregenden Selbstmord wird «Ns aus Wien berichtet: Der angesehene Hof- und Gerichtsadvokat Josef Lauter st ein hat sich wegen finanzieller Schwierigkeiten erschossen.

12 Die Opfer des Scharlachs. Wie aus Prag berichtet wird, sind in B a j a infolge einer dort wütenden Scharlachepidemie in der verflossenen Woche sechsunddrei- ßig Kinder und vier Frauen ge­storben.

12 Aus Gram in den Tod. Aus Meran wird uns telegraphiert: Der hiesige sehr be­kannte Antiquitätenhändler Franz Eder hat sich aus Gram über den Tod seiner Frau c r - hängt.

12 Frankreich im Sturm. Ein Telegramm aus Paris berichtet, daß in den letzten sechs- unddreißig Stunden in ganz Frankreich, be­sonders aber im Osten und Nordosten, einer der fürchterlichsten Stürme wütet, die seit Jah­ren beobachtet wurden. An vielen Orten war der Sturm von Frost und starkem Schneefall begleitet. Von der Küste zwischen Calais und Dünkirchen werden zahlreiche Schiffsunfälle ge­meldet.

Donnerstag 16. März 1" einer Reihe anderer Städte ist der Lohntarn zum 1. April gekündigt worben.

A Aus dem Reiche des Flügelrads. Wie bet Minister der öffentlichen Arbeiten bekannt gibt, ist durch Erlaß vom 30. Januar 1911 ge­nehmigt worden, daß die Lokomotivfüh­rer und die Zugführer zu den Subaltern­beamten zweiter Klasse gerechnet werden. Be­kanntlich haben diese beiden Beamtenklassen cbon seit einer Reihe von Jahren den Woh­nungsgeldzuschuß für mittlere Beamte er­halten.

A Cassels Detaillisten und die Zwangs­versteigerung. Wie aus dem heutigen Insera­tenteil der „Casseler Neueste Nachrich­ten" hervorgeht, erklären die im Detaille­ien - V e rb a n d für Hessen und Waldeck or­ganisierten Gesckäfte, daß Cassels Geschäftswelt mit der von Gerichtsvollzieher Hartung be­kanntgegebenen Zwangsversteigerung von ech­ten Pariser- und Orientteppichen nichts zu tur bat. Die Teppiche rühren (wie es in der Be­kanntmachung heißt) „aus dem unlauteren Trei­ben eines Konsortiums her, das in Berlin sei­nen Sitz hat."

A Die Milch auf der Straße. Auf der Holländischen Straße stand heute vormittag ein Hundefuhrwerk mit Milchkannen beladen. Aßs plötzlich zwei andere Hunde die Straße kreuz­ten, sprang der an seinen' Wagen gefesselte Hund mit einem Ruck auf, der Waaen geriet dadurch ins Schwanken und . . . kippte um. Die gefüllten Milchkannen fielen mit großem Gepolter auf das Pflaster, bei einigen öffnete sich der Verschluß und die schone Milch floß auf die Straße.