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I. Jahrgang.

Nummer 87.

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» hessische Jbencheitung

Casseler pbradzeitung

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 und 952.

Donnerstag, den 16. März 1911

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Irussischen Blättern erschütternde Einzelheiten gemeldet, aus denen hervorgeht, daß insgesamt dreiundneunzig Menschen, meist Kin-

Kriegsgewölk überall!

Neue MarokLo-Abertteuer?

Hiobspost vom Goldkien Hom

n B r i a n d,

Vielleicht begegnet er unterwegs irgendwo sei­nem bisherigen MinisterkollHei

DU«affelCT Reuest-Nachrichten" erscheinen Wöchenwch sechsmal und zwar abend». Der«bonnementSrreiS beträgt monatlich SO Pfg. bei freier Zu- pellun, MHau». Druckerei, «erlag u. Redaltwn: Echlachthosstrabe 28/30. Berliner Vertretung; SW. Friedrichs!rabe 16, Telephon: Amr IV. 676.

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der in kurzem mit einigen guten Freunden an Bord einer Jacht eine Mittelmeerfahrt antre­ten wird. Die Seefahrt ist dem gewesenen Mi- niüervrändenten von den Aeriten dringend an-

Re ostafiatische Sphynx.-Die Russen kriegsbereit vor Kuldscha. - Kriegs-Präludium. Der The-rterkrisg" der Union. Eine Revolte in Verner«,. Die Amerikaner mit Dhnamit- Bomben.Marvkkana" und kein Ende. Am Vorabend eines Albaner-Putfches?

Der Theaterkrieg der Union.

Eine Revolte in Veracruz.

(Eigene Drahtmeldung.)

Einem Telegramm aus San Antonio (Mexiko) zufolge ist man in amerikanischen Kreisen erbittert und entrüstet über die Hal­

tung des Kongresses und hofft aus eine Neu­ordnung, der ein Ernstfall zum Ver­hängnis werden würde. Daß eine b e - sondere Absicht bei der Mobilisie­rung erfolgt ist, wird täglich deutlicher. Die Trw'ven erhalten kriegsmäßige scharfe Ladung. Biele hundert Eisenbahnwagen wurden hier­zu Lieferungen an die Truppen für längere Dauer bereit gehalten. Ein weiteres Spe­zialtelegramm berichtet uns aus

Newyork, 15. März:

der, der Katastrophe zum Opser gefallen find. In der verhängnisvollen Vorstellung waren insgesamt zweihundert Eintrittskarten verkauft worden, darunter mehr als die Hälfte Kinder­karten, sodaß der Saal stark überfüllt war. U n - ser Petersburger'Korrespondent gibt nach den Berichten der russischen Presse folgende Schilderung der Katastrophe:

Minister zu Hause.

Frankreichs Ex-Minister und Minister.

(Von unserem Korrespondenten.)

Paris, 13. März.

Die RKffen vor Kuldscha.

(Privat-Telegr am m.)

Nach einer uns aus P e t e r s b u.» ,u- gehcnder Drahtmeldung ist die russische Antwortnote an China, die in sehr entschiedenen Ausdrücken gehalten ist, bereits abgegangen. Rußland werde unbedingt seine Rechte wahren, falls China nicht zur Einsicht gelange. Im niorgigen Ministerrat sollen wei­tere Schritte erwogen werden. In insormierten Kreisen verlautet, daß die Besetzung Kuldschas nunmehr wahrscheinlich fei;, die nötigen Vorbereitungen seien bereits getroffen. In Bestätigung di,ser Nachricht meldet uns ein eigener D r -.'h t b e r i ch t aus

Paris, 15. März:

Herr Pichon, der bisherige französische Minister des Aeußern, will jetzt, wo er aller Amtspflichten ledig ist, einen seiner Lieblings­wünsche zur Ausführung bringen: Er wird demnächst mit seiner Gattin eine für längere Zeit berechnete Reife nach Italien antreten und in kleinen Etappen bis nach Sizilien pilgern.

Ein Albaner-Putsch in Sicht?

(Eigene Drahtmeldung.)

Aus Konstantinopel wird uns depe­schiert: Da in sämtlichen hautptstädtischen Poli- zcistationcn die berittenen Polizeipatrouillen verstärkt wurden, zirkulieren hier allerhand unkontrollierbare Gerüchte über an­geblich drohende Unruhen. Man fürch­tet einen Putsch der Albaner, die wegen des tätlichen Angriffs aus Ismail Cemal sehr erregt sind. Auch unter der Studenten­schaft herrscht graste Gärung, weshalb die Re­gierung beschlossen hat, die graste medizinische Schule vonHaidar-Pafchamach Vera zu verlegen.

Die Lage autzerordentlich kritisch!" (Telegramm unseres Korrespondenten.)

Paris, 15. März.

Aus den sich widersprechenden Berichten aus Marokko läßt sich ein Bild von der wahren Lage noch nicht gewinnen. Nach den Berichten, die die Regierung erhalten hat, nimmt die Anarchie derart zu, daß alle Postverbindungen gestört sind. Jedenfalls ist es unrichtig, daß die Truppen des Sultans den Rebellenstämmen gegenüber einen namhaf­ten Erfolg erfochten hätten. Innerhalb des Kabinetts herrscht nach wie vor heftiger Wi­derstand gegen die Absendung von Verstär­kungstruppen. Der aus Marokko heimgekehrte Konsul Gaillard bezeichnet die Situation im Lande als außerordentlich kritisch; er habe noch niemals einen derart ausgedehnten Auf­stand gesehen und es gewinne den Anschein, daß die Rebellen zum Aeutzersten entschlossen seien.

Petersburg, 13. März.

Als die Katastrophe sich ereignete, sollte gerade ein Zusammenstoß zweier Eisenbahn­züge demonstriert werden, und der Besitzer des Kinematographentheaters wandte sich an das Publikum mit der Aufforderung, sich kei­ner unnützen Aufregung hinzugeben, da die Demonstrierung des Bildes des großem Effekts wegen mit einer Explosion ver­bunden fein werde. Als dann die verhäng­nisvolle Explosion erfolgte, dachten alle, es handle sich um die soeben angekündigte. Das Publikum blieb ruhig auf seinen Plätzen, auch als der Besitzer des Kinematographen­theaters plötzlich rief:Bitte sich nicht aufzu-- regen, es ist ein Brand entstanden, der aber gleich gelöscht werden wird", wurden diese Worte int Publikum mißverstanden, da man der Ansicht war, daß sie sich auf die angekün­digte Bilderdemonstrierung bezögen. Plötz­lich zeigten sich F l a m m c n, und aus den Hintern Reihen ertönten die Schreckensschreie: Wir brennen, rettet euch!" Es ent­stand eine schreckliche Panik. Der Be­sitzer des Stationsbüfetts, Tautkowa, ein Mann von athletischen Körperkräften, fchlug einen Fensterladen ein und sprang ins Freie; er wollte trotz der erlittenen Brandwunden umkehren, um seine beiden Kinder, die sich mit der Wärterin im brennenden Gebäude be­fanden, zu retten, und man mußte ihn ge­waltsam daran hindern; da an eine Rettung nicht mehr zu denken war. Die Kinder und die Wärterin kamen in den Flammen um. Es sind ganze Familien buchstäblich verbrannt, da viele Eltern ans der Umgegend mit ihren Kindern zu der Vorstellung gekommen wa­ren. Zwei Ehepaare mit fünf und vier Kin­dern wurden als verkohlte Leichname unter den Trümmern hervorgezogen. Soviel bis jetzt feststeht, sind der Katastrophe dr e i u n d- neunzig Menschenleben zum Opfer gefallen: (Rach den letzten Angaben sogar hundertachtzig), hiervon zwölf Angestellte der Bahn und etwa dreißig Kinder von Bahnangestellten. Die Szenen, die sich bei der Erkennung der Leichen abspielten, waren selbst für Leute mit eisernen Nerven unerträglich. Der Besitzer des Kinematographen und sein Bruder sind auf schreckliche Weise ums Leben gekommen, als sie die brennenden Dekoratio­nen und Kulissen zu löschen versuchten. Von den Leichen konnten bis jetzt vierundachtzig erkannt werden; im Krankenhause befinden sich noch neun Leichen, die aber gänzlich un­kenntlich sind. Aus Petersburg findet eine ganze Wallfahrt nach Bologoje statt, da viele Einwohner der Residenz ihre Angehörigen in Bologoje haben, über deren Schicksal sie in nervenzerrüttender Ungewißheit sind.

Die Stimmung aus dem Petersburger Ni- kolaibahnhos und im Zuge ist eine äußerst ge­drückte; auf allen Stationen strömen die Pasta- giere aus den Waggons, um gierig die neuesten Nachrichten aus Bologoje zu erlangen. Einige baben sich noch einen Schimmer von Hoffnung bewahrt: Es sind ja nicht alle umgekommen, vielleicht befinden sich die ihrigen unter den Geretteten. Eine Frau, deren Kinder bei der Katastrophe verbrannt sind, verspätete sich zum Zuge nach Bologoje; sie brach in ein herzbewe­gendes Weinen aus und schrie verzweifelt, man möge den Zug anhalten: Der Maschinist durste aber nicht länger halten, und so dampfte -er

PMMum?

(Eigene Drahtmeldung.)

Aus Petersburg meldet uns ein Privqttelegramm: Im Ministerium ecS Aeußeren wird Beitritten, daß die in Peking überreichte russische Note ein Ultimatum fei. Die Note sei zwar etwas schärfer als die erste gehalten, doch habe die russische Regie- rung allen Grund anzunehmen, daß die Regie­rung Chinas nunmehr auf die Forderung Rußlands eingehen werde, da man sonst 'n Peking wisse, daß Rußland entschlossen sei, entgegengesetztenfalls die entschiedensten Schritte zu unternehmen. Der russische Ge­sandte in Peking hatte gestern mit den leiten­den chinesischen Staatsmännern eine längere Konferenz, in der die Forderungen Ruß­lands erörtert wurden.

Z3ug ab, die verzweifelte Mutter auf dem Bahn Hof zurücklassend .... K G

Ser gauber des Verbrechens.

Randbemerkungen zum Prozeß Knitelius.

Als vor den Schwurrichtern von Magdeburg der Verbrecher Knitelius um fein arm­selig Dasein rang, und die tiefsten Tiefen menschlicher Leidenschaften und sittlicher Dege­neration dem Auge unverschleiert sichtbar wur­den, sah man den engen Zuhörerraum dos Ge- richtshauses vollbesetzt mit Damen aller Gesell sch aftsklassen, die mit bren­nendstem Interesse den Phasen des forensi­sche Schauspiels folgten und jedeSensation" in diesm Kampf um einen Kopf gierig ausso­gen. Es ist in dem Siebentageprozeßö aller­dings nicht (wie es in andern Fällen geschehen ist) im Zuhörerraum zu ärgerniserregenden und ordnungstörenden Szenen gekommen, ober die Magdeburger Presse hat sich dennoch verpflichtet gesehen, die Tatsache, daß der weit­aus größte Teil der Zuhörer int Knitelius- Prozeß aus Damen bestand, zum Anlaß einer scharfen Kritik zu nehmen, bereit Spitze sich mit Recht gegen die Sensationslüsternheit unsrer Zeit richtet und gegen denZauber des Ver­brechens", der anscheinend gerade auf die Frauenwelt eine bedenkliche Wirkung ausübt. Im Magdeburger Prozeß sah man morgens beim Beginn der Verhandlungen die Tore des Gerichtshauses bereits in aller Frühe von der Frauenwelt belagert, und es spielten sich an einiaen Tagen um die Plätze int Zuhörerraum förmliche Kämpfe ab, sodaß der überwachende GeUchtsdiener wiederholt gezwungen war, als weiser Salomo denFrauenkrieg" zu schlichten.

Der Fall bietet an sich ja nichts Neues: Im Allensteiner Prozeß war's schon schlimmer; int Essener Knabenmordprozeß wird soeben wieder der Tempel der Gerechtigkeit von Frauen be- laaert; in den Sensationsprozesten der lebten Zeit haben wiederholt ernste Gerichtsleiter die Frauen im Zuhörerraum dringlich zur Beach­tung der Ordnungsvorschriften ermahnen müs­sen und ein Verhandlungsvorsitzender war so­gar einmal gezwungen, den Angeklagten v>r den aufdringlichen Operngläsern schöner Zu­hörerinnen in Schutz zu nehmen und Verwah­rung dagegen einzulegen, daßdie Damen in den Gerichts.saal gingen wie zu einer inter­essanten Vorstellung im Theater, bewehrt mit Lorgnette und Opernglas, und bemüht, keine Nuance des Menschendramas zu übersehen." Brüher war die Frau im Gerichtssaal eine un­bekannte Erscheinung und erst die Sensations­prozesse der letzten Jahrzehnte (die jetzt förm­lich mr Alltagserscheinung geworden sind) lockten auch die Frau aus dem engen Kreis häuslicher Pflichten hinaus auf den Kampf­platz der Gerechtigkeit. Zuerst War's die vor-, nehme Welt von Berlin-'Wi, die sich durch die Justiz-Sensationen den Appetit zum Diner rei­zen ließ, aus Mangel an nützlicherer Tätigkeit der Sensationsgier zum Opfer fiel und den eleganten Typ der modernenKriminalstu­dentin" schuf, der heut das charakteristische, aber am wenigsten erfreuliche Moment aller Sen- fationsprozesse darstellt.

Leider ist Berlin-lV. auch auf diesem üblen Wege derPionier der Mode" gewesen: Die Frau im Zuhörerraum der Strafgerichte ist zur Begleiterscheinung der modernen Justiz- dramen geworden und die Sensationsgier feiert düstre Triumphe. Tie Ursachen der Erscheinung sind (wenn man von der allgemeinen Zeitströmung absieht, die die Sensation mit besondrer Vorliebe kultiviert) nicht recht klar, denn die ganze Struktur der weiblichen Psyche widerstrebt doch eher dem Anblick eines Menschenkampfs um Sein und Leben, und die im Interesse der Gerechtigkeit erforderliche rück­sichtslose Entschleierung der Tiefen menfchlicher Verirrung und verbrecherifcher Triebe wirkt doch grabe auf das zartere Empfinden der Frau abschreckend und ästhetisch quälend. Es ist auch nicht die Freude am Ringen um ein Menschenschicksal, oder etwa die brutale Lust, die in Spanien bei den blutigen Stierkämpfen die Massen zum Schauplatz des Mordspiels treibt, die die Frau in denZauberbann des Verbrechens" zwingt, sondern offenbar die Jagd nach dem Nervenkitzel, nach der prickelnden Seelen-Sensation. de­ren aufpeitschende Wirkung die Pulse schneller fliegen und den Atem stocken läßt: Jenes gru­selnde Erschauern, das angesichts der. ern Tragik eines Menscheuschicksals die Seelen durchzittert und des Dafens Wert im Vollge­fühl unangetasteter Sicherheit wieder süß und beglückend erscheinen läßt.

Eine Entartung bleibts indessen trotz­dem, und wer einmal sah, wie in einem Sen- sationsprozeß Frauen aller Klassen, eng zusam­mengepfercht im engen Raum hinter der Barre des Gerichts, vor Erregung fiebernd sich rcck-

t as Drama von Bologoje.

Dreiundncunzig Menschen Opfer der Flammen.

(Von unserm Korrespondenten.)

Heber das furchtbare Brandunglück in dem Kinematographentheater im russi­schen Städtchen Bologoje (über das wir be­reits telegraphisch berichtet haben) werden jetzt

Hier eingcgängenen Depeschen aus M c - xiko zufolge soll gestern morgen in Vera­cruz eine schwere Revolte ausgebrochen sein, wobei ein Amerikaner getötet und sechs Polizeiagenten verletzt wurden. Die Tore des Gefängnisses wurden erbrochen und sieb- zig Gefangene in Freiheit gesetzt. Heute früh ist ein französisches Kriegsschiff in den Hasen eingefahren, um die Interessen der be­drohten Ausländer zu schützen.

Ein Newyorker Blatt berichtet, daß sich un­ter denJnsurectos" viele Amerikaner befan­den, die wie Tiger kämpften und Dynamit-' bomben schleuderten, die sie kaltblütig mit ihren Zigarren angezündet hätten. Weitere amerikanische Schauergeschichten und märchen­hafte Heldentaten schließen sich an den Bericht an. Der ganze Train derJnsurectos", zwan­zig Wagen, fiel in die Hände der Regierungs­truppen. Unter den getöteten Aufständischen wären sechzehn Amerikaner.

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Nach einer Depesche desNewyork tze- rald" aus Petersburg hat ein aus Kavallerie und Artillerie bestehendes russisches Trup- pcndetachement Befehl erhalten, au' 5a3 erste Signal hin die chinesische Grenze in der Rich­tung von Kuldscha zu überschreiten. Diese Maßnahme der russischen Regierung soll da­zu dienen, die Aktion des russischen Gesand­ten in Peking nachdrücklich zu unterstützen, der (wie bereits gemeldet wurde) Instrukti­onen erhalten hat, der kaiserlichen Regierung in Peking ein neues Ultimatum zu überrei­chen. Tie russischen Truppen besinden sich gegenwärtig in Margelan, sechzig Meilen von Kuldscha entfernt. Sie bestehen aus zwei Brigaden Infanterie, acht Batterien Artil­lerie und zwei Bataillonen Jäger und vier Kofalcnschwadronen.

Ein weiteres Spezialtelegramm berichtet uns aus Wien: Gegenüber einem SHtcrbeiterVerNeuen Freien Presse" äußerte sich der hiesige chinesiche Gesandte über den russisch-chinesischen Konflikt folgenderma^ ßen: Er habe zwar keine Informationen über die russische Note, man könne aber annehrncn, daß es sich um die Beilegung gewisser Miß­verständnisse handle. Der Fassung der russischen Note sei zu entnehmen, daß sich eine Lösung in freundschaftlichem Sinne finden lassen werde.

ten, um auch nicht das winzigste Bild der Schreckensszene vorm Forum zu überseben; wie wehende Straußenfedern und kostbare Spitzenpracht das düstre Bild strafender Ge­rechtigkeit gespenstisch rahmten und der bleiche, angstschlotternde Sünder auf der Verbrecher­bank von Hunderten von erregung-glühenden Augenpaaren förmlich durchbohrt ward, tret wird wünschen müssen, daß Mittel und Wege gefunden werden, die Oessentlichkeit (und na­mentlich die Frauenwelt) vor der vergiftenden Wirkung dieser Seelenpcitschung nach Möglich­keit zu bewahren. Das Strafgericht ist kein Theater, in dem die Neugier und die Sensa­tionslust ihren Trieben frohnen dürfen und cs mindert den Ernst und die sittliche Würde der strafenden Gerechtigkeit, wenn ihr hartes Werk wie eine Brettlpremiere bestaunt und belagert wird. Daß die Frauenwelt sich zu den Dramen der Gerechtigkeit am stärksten drängt.

ist eine bedauerliche Erscheinung, die sicher mit der Entwicklung der Frau zur Mitstreiterin im öffentlichen Leben nichts gemein hat, und die am erfolgreichsten dadurch bekämpft wird, daß die ernste Frau den Platz hinter der Barre des Gerichts Denen überläßt, die sich der e d l e r n Aufgaben des Frauendaseins leichtfer­tig entäußern und deren Empfindungsleben mit dem Wesen ernsten Frauentums nur noch oberflächliche Berührungspunkte hat.

F. H.