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Rr. 85. L Jahrgang.

Caffeler Neueste Nachrichten

Dienstag, 14. März 1911.

Erhöhung der Zahl der Todesopfer um 6000 gegen die Vorwoche bedeutet. Am meiste« sind von der Seuche die Provinzen Punjah und Bengalen heimgesucht. Die Stadt Bombay steht vor dem Beginn einer der furchtbarsten Epidemien, die sie bisher je heimgesucht har.

Jas Neueste mts Kassel.

Der Kampf um die Arbeitsordnung.

Eine Versammlung städtischer Arbeiter.

Im Gewerkschaftshause fand gestern Nach­mittag eine Versammlung der städtischen Ar­beiter statt. Der Verbandsvorsitzende Mohs- Berlin erstattete das Referat. Die Arbeitsord­nung (so führte ^r aus) fehle immer noch in den städtischen Betrieben, trotzdem man sie seit Jahren anstrebe. Die Lohnfrage sei nach sangen Kämpfen erledigt, aber zur Einführung »er so unbedingt notwendigen Arbeitsordnung habe man es noch nicht gebracht, und nunmehr sei es höchste Zeit, daß sie erstritten werde. Es sei jetzt immer noch den einzelnen Dezernenten und den ihnen untergeordneten Organen über­lasten, die Arbeitsverhältniffe so zu gestalten, wie sie wollten. Urlaubsbewilligungen,

die Länge der Arbeitszeit, Neberstunden und anderes würden nach Will­kür gehandhabt, es gehe darin lediglich nach Laune und Gunst. Es sei notwendig, daß diese Verbältniffe aufhören und bestimmte Richt­linien geschaffen würden. Die übermäßig lan­gen Schichten, .Anschnauzen" vor versammelter Mannschaft und andre Unzuträglichkeiten seien nicht notwendig und durch die Arbeitsordnung zu verhüten. Die Arbeitsordnung. solle ein Vertrag sein zwischen Arbeitgeber und Arbeit- iwhmer. Dieser Arbeitsvertrag sei so zu ge­stalten, daß er den Bestimmungen des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches und der Gewerbe- »rdnung entspreche. Vielfach glaube man,.

der Arbeiter habe nichts zu sagen, er habe schweigend alles hinzunehmen, wie und was man ihm biete. Das sei aber falsch, die Gemeindearbeiter wollten auch ihre Meinung t'.nd ihre Wünsche zur Geltung bringen und durch eine den gesetzlichen Bestimmungen ent­sprechende Arbeitsordnung zum Ausdruck ge­bracht haben. Die Arbeiterorganisation werde als eine politische bezeichnet, und zwar fälsch­lich, um Handhaben gegen sie zu bekommen, während sie in Wirklichkeit mit Politik nichts zu tun habe und nur ihre wirtschaftliche Bester- siellung erstrebe. Sie wolle nur als Kontra­hent im Arbeitsvertrage gehört und berücksich­tigt werden. Die Arbeitsordnung dürfe nicht nur

einseitig von der Behörde

festgestellt, sondern sie müsse von beiden Seiten sestgestellt werden und den Pflichten der Ar­beiter auch deren Rechte gegenüberstellen. Die Neberstunden müßten bezahlt, die Löhne zeitge­mäß, den jetzigen Teuerungen entsprechend, ge­staltet werden, die Arbeitszeit geregelt und eine anständige Behandlung gewährleistet werden. Bei der Ausgestaltung, des.Arbeitsvertrages sei es von besondrer Wichtigkeit, -die Arbeitszeit festzulegen. Durch die technischen und maschi­nellen Neuerungen würden zahlreiche Arbeiter überflüssig und auf das Pflaster geworfen. Um mehr Kollegen Arbeit und Brot zu gewähren, kei der - . - -

Acht- und Neunstundentag

zu fordern. Natürlich sei für den verkürzten Arbeitstag derselbe Lohnsatz zu zahlen, wie für den seitherigen, da ja die Aufwendungen des Arbeiters zur Erhaltung seines Lebens diesel­ben seien und blieben. Auf sozialem Ge­biete sei das hiesige städtische Regiment sehr rückständig, andre Stadtverwaltungen seien da­rin w e i t s i ch t i g e r. In vielen Kleinstädten sei der Achtstundentag eingeführt, und in Ber­lin und andren Großstädten bestehe er auch für die Arbeiter des Reinigungswesens. Um eine Arbeitsordnung, wie sie den Bedürfnissen der Arbeiter entspreche, zu erhalten, müssen die städtischen Arbeiter eine straffere Organisation berbeiführen. Dann wurde über die dreischich­tige Arbeitszeit im

städtischen Gas- und Elektrizitätswerk, verhandelt. Der Redner, der Vertreter der hie­sigen Gasarbeiter, sprach über die Notwendig­keit, für die Ofenarbeiter und Kesselwärter im Gas- und Elektrizitätswerk die achtstündige Ar­beitszeit einzuführen. Die jetzige Zwölfstunden­schicht mit ihrer schweren physischen Arbeits­leistung stelle zu große Anforderungen an die Arbeits- und Körperkraft der Leute. Die Ver­kürzung der Arbeitszeit herbeizuführen, müsse der Selbsterhaltungstrieb des Arbeiters, sein. Neber fünfzig Gasstellen hätten die Arbeitszeit auf acht Stunden reduziert, und was in andern Städten eingeführt, sei auch hier durchführbar.

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Kassel Kirchditmold-Harleshausen.

Die gleislose Straßenbahn gesichert.

Die .Casseler Neueste- Nachrich­ten" berichteten vor einigen Tagen über das Projekt betreffend den Bau einer gleislosen elektrischen Straßenbahn von Cassel über Kirch­ditmold nach Harleshausen, und daß in einer in Harleshausen abgehaltenen Jnteressenten- Versammlung bereits 70 000 Mark für das Pro­jekt sicher gestellt worden sind. Zur Verwirk­lichung des Projekts soll eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung geblldet werden, deren Betriebskapital 210 000 Mark betragen soll. Am Sonnabend nachmittag fand nun in Cassel (im Kaufmannshause) eine Versammlung von diesen Interessenten statt, über die folgendes zu berichten ist:

Die von annähernd achtzig Inter­essenten besuchte und von Regierungsrat Goldschmidt geleitete Versammlung be­schäftigte sich mit der Förderung obigen Pro­jektes durch Entgegennahme weiterer Zeich­nungen. Nach eingehender Darlegung des Projektes und seiner Rentabilität durch Re­gierungsrat Goldschmidt, beleuchtete er auch die Frage der finanziellen Lösung des Projektes. Die erforderliche Gesamt­summe in Höhe von 210 000 Mark ist bereits in annähernd zwei Drittel Höhe gezeichnet. Hiervon entfallen auf die Bewohner der ßa$teafiiafct_ß8iltä6attie« JZÜ ooa Mark und

auf die .Köhlers Bahnpatente-G. m. b. H." weitere 50 000 Mark, die zugesagten oder in Aussicht gestellten Zeichnungen der politischen Gemeinde Harleshausen, des Landkreises und der Stadt Cassel stehen vorläufig noch aus. Mit warmem Appell an die anwesen­den Interessenten, das Unternehmen durch rege Zeichnungen der Verwirklichung ent­gegenzuführen, schloß der Referent seine Ausführungen. Rechtsanwalt und Notar Hahn von hier nahm alsdann die Eintra­gung der Zeichnungen in eine notarielle Ur­kunde entgegen. Es wurden insgesamr 185 000 Mark von etwa fünfzig Interessenten gezeichnet. Das ganze Projekt kann nun als gesichert angesehen werden. Die fehlenden 25 000 Mark sind von den Korporationen, Behörden und Privaten sicher zu erwarten. Eine weitere Versammlung in den nächsten Tagen wird sich mit der Konstituierung und der Abfassung der Statuten der neuen G. m. b. H. beschäftigen. Erwähnt sei noch, daß der ursprüngliche Plan insofern eine Aenderung erfahren hat. als die Endstation der durch Zehn-Minuten-Verkehr aufrecht zu erhaltenden 10 Pfennig-Strecke vom Amrliner Platz bis in die Mitte des Stadtteiles Kirch­ditmold verlegt wurde.

Auf der sieben Kilometer langen Strecke sollen fünf Wagen verkehren. In beteilig­ten Kreisen rechnet man nach einem vorsichtig ausgestellten Voranschlag mit einer Verzin­sung des Gesellschaftskapitals von 4 P r o - zent. Die Gesellschaft Köhlers Bahnpatente in Bremen, die selbst mit einem großen Kapi­talbetrag als Gesellschafter in das neue Unter­nehmen eintritt, garantiert denjenigen Gesell­schaftern, die Geschäftsanteile von 500 Mark (das ist der gesetzliche Mindestbetrag) oder ein Vielfaches davon, bis einschließlich 5000 Mark übernehmen, eine 3 prozentige Verzinsung auf die Dauer von 3 Jahren. Dte Geschäftsanteile können mit Genehmigung der Gesellschaft ver­äußert werden. Da die Bauarbeiten für die Bahn in verhältnismäßig kurzer Zeit (es ist ja nur die elektrische Oberleitung zu legen) vollendet werden können, so ist zu hoffen, daß diese für Cassel wichtige Bahn in nicht zu fer­ner Zeit über die Kölnische Straße fahren wird. -xyz-

Die Bayern in Kassel.

Die Luitpold-Feier im Stadtpark.

Eine heitere, festfrohe Menge füllt den wei­ten, hellerleuchteten Saal des Stadtpark-Re­staurants; auf allen Gesichtern Freude, Son- nenfchein. Aus dunklem Grün leuchtet die Weiße Büste des Prinzregenten, und fast schien es, als lächle das Antlitz, als gewinne es Leben beim Anblick all der Fröhlichen. Und lag nicht in der Tat der Geist des freundlichen fernen Greises über dieser Festversammlung, nicht al­lein über dieser, nein über allen, die gestern in deutschen Landen ftattfanben. Hier in Cassel ist anscheinend die Gemeinde der Bayern und ihrer Freunde recht stattlich, der weite Saal des Stadtparks vermochte die Menschenmenge kaum zu fassen. Den Vorsitz des Festabends führte der Ehrenpräsident des Bayern-Vereins, Graf von Holnstein in Bayern. Glänzend war das Bild der Festversammlung, das durch zahl­reiche Uniformen belebt wurde. Da waren er­schienen die Spitzen der staatlichen und städti­schen Behörden: Oberpräsident Hengsten­berg, Regierungspräsident Gras von Bernstorfs, Polizeipräsident Frhr. von D a l w i g k - Lichtenfels, Oberpostdirektor Ge­heimer Postrat Hoffmann, Eisenbahnpräsi­dent Vollgold, Graf BYlandt-Rheydt und andere.

Die Bayern sind halt gemütliche Leute, denn nett war's, furchtbar nett und gemütlich, dank der Bemühungen des Festkomitees, das für alle Wünsche aufs beste gesorgt hatte. Ein ansprechendes Programm wies der offi­zielle Teil des Festes auf, ansprechend für anspruchslose und auch für anspruchsvolle Gäste. Gewiß hörten unsre Musikfreunde gern die ausgezeichneten Vorträge der Kapelle der 83 und stürmischen Beifall fanden die eingeleg­ten Lieder und Dellamationen scherzhafter und ernster Art, die von einigen Mitgliedern der Königlichen Schauspiele vorgetragen wurden. Wahre Lachsalven entfesselte Herr E b e r l e mit feinem drolligen Ständchen und den übrigen köstlichen Liedern. Frau Hertzer-Deppe, Herr Bartram und Herr Eh kl durften sich gleichfalls vielmals dankend berneigen. Aber man war nicht nur fröhlich. In all das Lachen und Scherzen tlang auch manch ernster Ton.

Da denke ich besonders an die trefflichen Worte des kommandierenden Generals von Scheffer-Boyadel, der auch das Kaiser­hoch ausbrachte, und an die Festrede des Pfar­rers Dr. P reg er, dessen Worte mit tiefet Bewegung aufgenommen wurden. Mit sichtli­cher Freude stimmte man in das Hoch auf den greifen Regenten ein. So wechselten Frohsinn und Ernst, bis schließlich doch das Lachen der Sieger blieb und der Jugend Frohlaune ge­wonnen hatte. Dann ging's zum Tanz: Wal- zerflänge lockten verführerisch und bald fchwebte man durch den Saal. Die Mütter aber saßen u. freuten sich der tanzfroben Jugend, waren sie doch auch einmal jung. Und das Töchterchen kam und bat so flehentlich: .Nur noch ein Weilchen, 's ist grab so nett." So kam ein Weil­chen zum anbem, unb man erstaunte, als bes Lichtes Strahlen sich mit bem Grau des herein- brechenden Tages vermischten. Da brach man gitf und warf noch einen Blick zurück, bin zu der Büste des Mannes, die immer noch mit dem scheinbaren Lächeln aus bem Grün ber Pflan­zendekoration hervorlugte... M. M.

Der Arbeiter Josef N ei d e r 1 aus der Essiggasse 6 saß am Sonnabend abend in der in demselben Hause befindlichen Wirtschaft. Der Scheerenschleifer Förster, der mit sei­ner Schwester bei dem Gastwirt logierte, be­fand sich ebenfalls im Lokal. Man saß zu- fammen und machte allerhand derbe Späße, die das junge Mädchen in der Bierstim- mung (in der sich die männlichen Personen befanden) über sich ergehen ließ. Gegen %3 Uhr morgens entfernte sich Neidert aus dem Lokal, um in seine Wohnung hinaufzugehen. Förster war ihm nachgegangen, faßte den Neidert auf der dunklen Treppe von hinten und schlug ihm mit einem Hammer auf den Hinterkopf. Als Neidert bewußtlos zusam­menbrach, versetzte Förster dem armen Mann noch weitere Schläge auf den Kopf, so daß tiefe blutende Wunden entstanden. Ein Hammerschlag war ins Gesicht gegangen und hatte das linke Auge heraustreten lassen, so daß es auslief. Als Neidert wieder zu sich kam, schrie er um Hilfe. Die Sanitätskolonne wurde sofort alarmiert, die nach ihrem Ein­treffen einen Notverband anlegte und den Schwerverletzten, ins Landkrankenhaus brachte. Förster wurde alsbald verhaftet.

Der Verletzte ist Witwer und Vater zweier Kinder, er wird als ein sehr besonnener und ruhiger Mann geschildert. Wahrscheinlich ist im Laufe des Abends ein Wort gefallen, das ben Förster so gereizt hat, baß er sich zu ber schweren Tat hat hinreißen lassen.

A Eine Brandstifterin barm Schwurgericht. Heute begann am hiesigen Landgericht die erste diesjährige Schwurgerichtsperiode. Unter der Anklage der vorsätzlichen Brandstiftung steht die achtzehnjährige Dienstmagd Minna B ü ch l i n g aus Mar­burg. Die Angeklagte ist (nachdem sie auf ihrem Lebenswege schon verschiedentlich ge­strauchelt war und Besserung zugesichert hatte) von bem Pfarrer Hebebrand in Nordhauser: aus Menschenfreundlichkeit in seinen Haushalt als Dienstmädchen ausgenommen worden. Aber schon nach kurzer Zeit verfiel sie wieder ihrem alten Hang. Eine Schachtel mit Gold- und Schmucksachen im Werte von etwa 300 Mark eignete sie sich an, blieb auf eindringliches Ver­hör durch ihren Dienstherrn auch beim Leug­nen, sodaß ihr der Dienbstahl nicht nachgewie- fen werden konnte. Da eines Tags kam am Waschfaß das Gerede auf die zuverlässige Tä­tigkeit eines Polizeihundes, welche Unterhal­tung die Angeklagte zufällig mit antyörte und auf sie einen ganz eigenartigen Eindruck machte. Sie fürchtete nunmehr ihre Entlarvung als Diebin so sehr, daß sie um jegliche Spuren zu verwischen, am selben Tage die S ch e it n e mit­tels eines Petroleumlappens in Brand «eckte. Die Angeklagte ist in vollem Umfang geständig. Die Geschworenen bejahten nach kurzer Beratung die Fragen nach Schuld unb mildernden Umständen. Das Urteil lautete auf eine Gefängnisstrafe von zwei Jah­ren.

A Die nächste Stadtverordnetenversamm­lung. In der am Donnerstag nachmittag 6 Uhr stattsindenden Sitzung der Stadtverordne­ten werden zunächst die Ergänzungs­wahlen für die aus den Vororten gewähl­ten unbesoldeten Stadträten statt­finden. Sodann ist die Neuwahl eines b e- foldeten Stadtrats vorzunehmen und ein Beschluß über die Gültigkeit der Stadtverordnetenwahlen in den Vororten auszusprechen. Wetter soll über die Aufstellung einer Bedürfnisanstalt auf dem Play an der Leipziger-, Sandershäuser- und Nürnbergerstraße verhandelt und ein Be­trag von 4300 Mark für weitere Gasrohrverle- gungen in Niederzwehren bereit gestellt wer­den. lieber den Erfolg der Bemühungen we­gen der Weitergewährung des Los- Hol z e s in den eingemeinbeten Bezirken wird man vom Magistratstisch aus Bericht erstatten. Ferner sind einige Wahlen vorzunehmen unb eine Anzahl kleinerer Vorlagen zu erledigen.

A DerEinzug" des Hosenrocks in Cassel. Wie uns aus dem Leserkreise mitgeteilt wird, promenierten Ende voriger Woche ans der Königsstraße zwei Damen, die ben neuen Hosenrock trugen, und erregten allgemeines Aufsehen. Im Anschluß daran sei der Inhalt einer uns angegangenen Depesche aus Dres­den wiedergegeben: Der Operettensängerin Tilly Bauer vom Intimen Theater in Ham­burg, die augenblicklich in Dresden in einem Kabarett gastiert und allabendlich im Hosenrock auftrat, wurde das Tragen dieses Kleidungs­stückes jetzt vonderPolizeiuntersagt. In ber Begründung bes Verbots wird angege­ben, baß ber Hosenrock für bas Kabarett un­statthaft sei.

A Tic Geschichte einer Ehe. Wegen Kör­perverletzung hatte sich heute ber Arbei­ter B. von hier vor ber Strafkammer zu verantworten. Trübselige Eheverhältniffe wa­ren es, die zur Erörterung gelangten. Der Mann hatte in ber Wut seine Frau mißhan­delt, und mit schweren Gegenständen nach ihr geworfen, wodurch die Frau eine erhebliche Kopfverletzung erlitten hatte. Später batten sich die Eheleute wieder versöhnt. Der Mann war geständig. Er entschuldigt sich mit seiner heftigen Erregung. Daß er seine Frau am Kopse getroffen unb verletzt habe, sei von ihm nicht beabsichtigt gewesen, fonbem lediglich einem unglücklichen Zufall zuzuschreiben. Der Gerichtshof glaubte bem Angeklagten, sah den Fall mitbe an unb ließ es bei einer Geld­strafe von fünfzig Mark betoenben.

A Die Bluttat in der Sonntag-Nacht. In bet Nacht vom Sonnabend zum Sonntag spielte sich im Hause Essiggasse 6 eine verhäng­nisvolle Bluttat ab, die über zwei Familien schweres Unheil gebracht hat. Das Verbrechen ist unzweifelhaft' als Ausfluß übermäßigen Al- koholgenusses zu betrachten, da ber Täter so­wohl wie der ber Tot zum Opfer Gefallene bis gegen Morgen in einer Wirtschaft zugebracht bähen, lieber den Vorfall wird uns berichtet:

A Die Ausschreitungen im Tanzsaal. Ge­legentlich der Kirmes in Sterkelshausen (Kreis Rotenburg) lam es in einem Tanzsaal zu einer schweren Rauferei, bei ber einem ber Beteiligten das Portemonnaie mit Inhalt ge­raubt wurde. Unter bem Verdacht, die Tat ansgeführt zu haben, wurde ber Tienstknecht Georg L. aus Beenhausen verhaftet. Heute hatte er sich vor bem hiesigen Schwurge­richt deswegen au verantworten. Aufgrund

der Beweisaufnahme erfolgte aber in ber Sache des Raubes ein Freispruch, wegen Körper­verletzung würbe er aber zu einem Mo- nat Gefängnis verurteilt.

AIch will nach Hanse!" Aus einem S a na to rium in der Reginastraße wollte sich gestern mittag eine anscheinenb sehr kranke Fran heimlich entfernen. Einer Schwester, die ihr nachgeeilt war, war es alein nicht möglich, die Kranke zurückzubringen, unb erst als eine zweite Angestellte zur Hilfe kam, konnte mar, die Kranke, welche laut schrie. Ick will nach Hause" wieder in die Anstalt zurückbringen.

A Hinter verschlossenen Türen. Werten eines Verbrechens (das auf sittlichem Gebiete liegt) wurde der Arbeiter Grabe aus Wanfried von ber hiesigen Strafkammer heute zu einem Iahrunb einem Monat Gefängnis verurteilt. Zu ber Verhanblung (bie hinter verschlossenen Türen stattsanb) waren zwanzig Zeugen geladen.

A Aus dem Reiche der Polizei. Der Kö­nigliche Polizeirat Löhninger von Frank furt am Main ist zum 1. April als Polizeircn an die Königliche Polizeidirektion in Cassc! versetzt worden.

A Aus Cassels Theatern. Im Hofthea > ter gelangt heute abend 7 Uhr Hebbels 91 g n eS Bernau" zur Aufführung. Mor­gen abend 7/ Uhr geht die Hauptmannsche Komödie er Biberpelz" in Szene. Im Residenztheater: Heute abend 8JZ Uhr zum Einheitspreis von 55 Pfennig:T a b f it n'L

A Kleine Tageschronik. Auf der elektrischen Straßenbahn entstand gestern abend durch das Defektwerden eines Motors eine Betriebs­störung. Auf dem Forst wurde gestern nachmittag beim Fußballspiel ein jun­ger Mann am Bein erheblich verletzt, fodaß er nach Anlegung eines Verbandes in feine Wohnung gebracht werden mußte. In der Nacht zum Montag wurde in dem Kaffee- Spezialgeschäft Ritter-Ehrhardt (Hauptnieder- lage der Kaffee-Rösterei Uhlenhorst G. m. b. H. Hamburg) eingebrochen und bie vorhandene Wechselkaffe nebst verschiedenen Waren g eft o ty- len. Im zwölften Jugendkanzert werden diesmal außer dem K i n d e r ch. o r e die Solisten Frau Margarete Kahfe - Schn - st e r (Opernsängerin) und Herr A. Keim (Cel­list) wieder mitwirken. Die Freunde der Christlichen Welt seien nochmals hingewiesen auf den heutigen Diskussion?- abend, an dem auch Tagesfragen zur Bespre­chung kommen. Näheres ist aus dem Anzei­genteil ersichtlich. Die Krieger-Sani­tät s - K o l o nn e vom Roten Kreuz gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß ihr eine Verteilung des Aushängeschildes$ilfe bei Notfällen" an dem einen Sonntag nicht ge­lungen ist und bittet daher alle Haushaltungs­vorstände unb Geschäftsinhaber, bencn ein sol­ches Plakat nicht zugestellt würbe,, das Schili in ben eingerichteten Abgabestellen in Empfang zu nehmen.

Letzte Telegramme.

(Rach Schluß der Redaktion eingegangen.)

Der Essener Mordprozeß.

(Telegramm unsers Sorreftyonbenfen.) Essen a. R., 13. März.

Vor bem hiesigen Schwurgericht begann heute ber auf drei Tage berechnete Mordpro- zetz gegen ben 21jährigen Handlanger Wisbar aus Borbeck. Der Angeklagte hatte am 15. August vorigen Jahres den neunjährigen Kna­ben Walter in brutalster Weise durch zwölf Messerstiche in einem Haferfeld bei Borbeck er­mordet. Die Anklage nimmt an, daß Wisbar die Tat in einem durch übermäßigen Alkohol- genutz verursachten sadistischen Zustand began­gen hat. Sie lautet auf Mord mit Vorsatz unb Uebertegung. Die Unzurechnungsfähigkeit des auf seinen Geisteszustand beobachteten Auge- Nagten soll nach Ansicht der Gutachter nicht ausgeschlossen gewesen fein. Wisbar ist gestän­dig, leugnet aber bie Ueberlegung.

Mexiko im Kriegszustand.

(Telegramm unsers Korrespondenten.)

Newyork, 13. März.

In Mexiko ist nun offiziell ber Kriegszu­stand proklamiert worden. Diese Proklamation ist die Einleitung von energischen Maßnahmen, durch die die mexikanische Regierung die Re­volution zu unterdrücken hofft. Jedoch dürfte Porfirio Diaz den unzufriedenen Elementen ein Zugeständnis machen durch die Neuberu­fung des sehr populären ehemaligen Kriegs­ministers Bernardo Reyes, der zum Chef Der Föderalarmee ernannt werden soll. Man ver­sichert auch, daß der amerikanische Botschafter Wilson demnächst nach Washington zurückberu­fen und nicht wieder auf seinen Posten zurück­kehren werde. Die an der ganzen mexikanischen Grenze aufgestellten amerikanischen Truppen unterdrücken energisch den Schmuggel von Waffen und Lebensmitteln nach dem mexika­nischen Aufstandsgebiet.

Die Arsenalarbeiter von Brest.

Brest, 13. März. (Telegraphische Meldung.) Die aus Mangel an Beschäftigung erfolgte Entlassung von 500 Arbeitern des Arsenals hat hier große Erregung hervorgeru- feu. Eine Arb eiterversammlnng beschloß, den Minister telegraphisch zu bitten, von der beab­sichtigten Maßnahme Abstand zu nehmen, da sonst ernste Ruhestörungen zu befürchten seien. Ferner wurde beschlossen, an die Solidari­tät der Arsenal- und Hilfsarbeiter von ganz Frankreich zu appellieren.

Die Kämpfe b et Cafes Grandes.

Newyork, 13. März. (Telegraphische Mef- bung.) Nach der Mitteilung eines hiesigen Blak tes ans El Paso über das Treffen bei Cafes Grandes sollen fünfzig Mann auf feiten der Ausständigen getötet bezw. verwundet worder sein.

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