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Fernsprecher 951 «nd 952.
Freitag, den 10. März 1911
Fernsprecher 951 und 952.
Süden transportiert worden.
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London, 9. März.
Hiesige Blätter berichten aus New York, daß die Schisse des atlantische« Ge
schwaders «nd des Geschwaders des Stillen Ozeans sich mit Kohlen verproviantieren, um in den nächsten Tagen nach der Küste von Mexiko abzudampfen. Die amtliche Mitteilung über die Ursache dieser Kreuzfahrt werden zumeist mit Vorbehalt ausgenommen; allgemein ist man überzeugt, daß die Lage in Mexiko nicht so befriedigend ist, wie dies die mexikanische Regierung darzustct- lcn bemüht ist. Die Informationen, wonach der englische Gesandte in Washington erklärt haben soll, England werde in Mexiko intervenieren, falls die Vereinigten Staaten dies unterlaffen sollten, ist bisher nicht bestätigt. Seit letzten Montag gehen aus alle« großen amerikanischen Garnison-Orten Truppen in voller Kriegsrüstung nach Texas ab; bisher sind 13 000 Mann nach
Ma« beschwichtigt!
(Eigene Drahtmeldung.) Newyork, 9. März.
Präsident Taft hat gestern dem mexi- nischen Botschafter, sowie den sich
nicht vermindert werden kann, daß man aus gegnerischer Seite in der Ermannung des Aufflackern der Kampflust zu schauen vorgibt. Friede, nicht Kampf ist die Losung und in diesem Streben ist nur Der erfolgreich, der stark und männlich seine Sache führt. Womit man nun (nach hinlänglichem Zögerns in Preußen den Anfang zu machen sich anschickt.
Wer indessen, nach dem Zweitag-Turnier, nun schon Sturmglocken läuten hört, irrt sich: Politische Wirkungen wird der parlamentarische Kulturkampf-Abglanz nickt haben; wenigstens nicht, soweit das Verhältnis zwischen dem Zentrum und den Konservativen und zwischen Zentrum und Regierung in Frage kommt. In den Bänken der Porsck-Herold- Partei befleißigte man sich am Dienstag und Mittwoch einer sorgfältig gekühlten Mäßiguna, und selbst das Bekenntnis des Herrn Vorsck, daß „das Zentrum lediglich die Wiederherstellung derjenigen Zustände erstrebe, die vor dem Beginn der siebziger Kulturkampfs ahre bestanden." war kunstgerickt eingeschacktelt in dos Wattebauschchen klug abgewogner Eventualitäten. Auch Herr von Betbmann wird nicht als zürnender Gott finster überm Heerlager der Spahn-Armee schweben, denn die Zeit drängt, der „Tag von Philippi" rückt mit Riesenschritten näher und das befreiende Wort der stämme-einigenden Wahlparole ist noch immer ungesprochen. Zum Grollen also just das schlechtste Wetter! Bleibt demnack noch, wenn man das verbrämende Beiwerk abtrennt, das bescheidne Zweitage-Intermezzo: Nicht das Gespenst eines „neuen Kulturkampfs"; keine Kriegserklärung an Rom, Spahn und Porsch; kein Kreuzzug wider den „Geßlerhut des Mo- dernisteneids" und kein Guerillakrieg im nahenden Wahlkampf! Eine erfreuliche einmütige Kundgabe religiösen Friedenswillens, sonst nichts! Und das darf man (dunki uns) erfreulich nennen. Mögen auch di« Schwarzseher darüber greinen! F- H»
Sie Union Flotte unter Dampf! (Eigene Drahtmeldung.)
gegenwärtig in den Vereinigten Staaten aufhaltenden mexikanischen Finanzmini- t e r empfangen und mit diesen beiden Herren über die Situation in Mexiko konferiert. Es wurde über Maßnahmen beraten, um die Ausländer vor den Angriffen der revoltierenden mexikanischen Truppen zu schützen. Der mexikanische Finanzminister erhöb Einspruch gegen die über die Situation in Me- xiko verbreiteten alarmierenden Gerüchte. Rach seiner Meinung fei die Jnsurektion lediglich auf den einzigen Distrikt von Chihuahua beschränkt. Die mexikanische Regierung erkenne das System eines Kriegszustandes nicht an, und eine Intervention der Vereinigten Staaten erscheine durchaus nicht gerechtfertigt. Die letzten Depeschen aus Mexiko lassen indessen im Gegensatz zu diesen Erklärungen die Lage als äußerordentlich bedenklich erscheinen. Die Maßnahmen der Vereinigten Staaten haben unter i>er mexikanischen Bevölkerung große Erregung hervorgerufen.
Alle Md neue Wett.
Die Modernistendebattte im Landtag.
Daß man den Herrn Kanzler nach mondelangem Schweigen wieder einmal im Parlament sah, war an sich schon eine kleine Ueber- raschung. Die Ueberraschung aber ward zum Staunen, als am Dienstag Her Theobald von Bethmann aufftand von seinem Stuhl, und in einer wohltemperierten Rede (aus der enthusiastische Bewundrer des Kanzler-Philosophen das Klirren Bismarck'scher Kürassierstiefel-Sporen erlauscht haben wollen) der Welt Roms den „Krieg der neuen Zeit" erklärte. Weise, kluge und sorgfältig auf Wirkung berechnete Worte, deren Klanggehalt auch dann noch wertvoll ist, wenn wirklich (wie's heißt) der Kanonendonner mehr Bühnenzauber gewesen ist und im Zentrumstrüpplein keine Seele hat erzittern lassen. Als in den Sommermonden des letzten Jahres der Borromäusbrief im Preußenparlament zur Erörterung stand, horchte man am Regierungstisch kaum auf und Hackenbergs glänzende Protestantenrede sand nur spärliche Hörer. Die öffentliche Meinung hat dann später die Leute der Berliner Wilhelm- straße belehrt, daß die Brandfackel der Unduldsamkeit doch schimmer gewirkt hatte, als man am grünen Tisch es wähnen mochte, und auch der Königsprotest vom Sachsenland war für die Duldsamkeit preußischer Langmut ein ermunternder Rutenhieb, dessen Wirkungen nun offenbar werden!
Die Zentrumspresse schaut bereits Kulturkampfgewölk und am Tag nach der Kanzlerrede schrieb Herrn Bachem's Kölnische Volkszeitung in düstrer Unheil-Erkenntnis: „Wir sind gewarnt!" Nun, so schlimm war's offenbar nicht gemeint, und es wirkt, wenn man im Laude Umschau hält, einigermaßen erheiternd, ernsthafte Leute vom Heraufdämmern eines neuen „Kulturkampfs" reden zu hören. Zu Schicksalspielen dieser Art fehlt heute die Kraft und das Verlangen, und das Einzige, das als sehnlicher Wunsch die Herren erfüllt, ist: Friede! Daß dieser Friede durch das Borromäus-Pergament und durch die Gewissensfessel des Modernisseneids in den Grundfesten bedroht worden ist, hat das Auffchäu- men der Volkserregung bewiesen und die Bedrohlichkeit dieser Tatsache ist auch dadurch nicht gemindert worden, daß Roms Zungen behend erklärten, es liege der Kirche fern, das Empfinden der Andersdenkenden anzutaften: Wenn die Flamen überm Dach zufammenschlagen, hat man Anlaß, das kleine Unglücksfünkchen zu bedauern! Daß dies alles in der Zt^eitag- Tebatte im preußischen Unterhaus mit wohltönendem Nachdruck erzählt worden ist, darf als nützlich gefchätzt werden, und gerade das sonore Männerwort des Kanzlers nimmt sich angesichts frühem Geplauders recht stattlich und klangvoll aus. Aber es ist doch wohl verfrüht, darum fchon „Jupiters Zorn" zu fürchten.
Der Kanzler hat im Unterhaus erklärt, daß der Gesandte beim Stuhle Petrie angewiesen worden sei, die Kurie auf die wachsende Gefahr aufmerksam zu machen und sie auch auf diejenigen Punkte hinzuweisen, ans denen Konflikte zwischen Staat und Kirche entstehen könnten. Daß Herr von Mühlberg, der Geschäftsträger Preußens beim Vatikan, diesen Auftrag mit dem gebotnen Nachdruck erfüllt hat, darf als feststehend angenommen werden, wenn andrerfeits auch kein Grund vorliegt, des preußischen Vatikandiplomaten politische Energie und Beweglichkeit besonders hoch zu werten. Jedenfalls hat die Aktion bisher nur einen bescheidnen Achtungserfolg erzielt, und wenn Herr von Bethmann Hollweg am Dienstag darauf binwies, daß „der Papst friedliche Verhältnisse wolle, daß dieser Wille aber durchkreuzt werde durch friedenstörende Enunziationen," so hat er damit sicherlich das Richtige getroffen, und es bleibt nur noch ergänzend anzufügen, daß diefe friedenstörenden Enunziationen eben jenen Strömungen ihr Entstehen verdanken, in denen man (nicht ohne Grund' auch die Erzeuger jener schroffen Unduldsamkeit wittert, die die Konfliksge- sahr in den letzten Jahren (seit der staatskluge Leo der Dreizehnte die Augen schloß) schon so oft in nächste Nähe gerückt haben. Das: „Wir sind gewarnt!" des rheinischen Zentrumsblattes darf deshalb mit Fug und Recht bestehen bleiben, denn wenn der verständige Beurteiler der Dinge auch nur mit Unbehagen an das Gespenst des „furor protestanticns“ denken mag, so ist drum doch nicht zu verkennen, daß die wuchtige Kundgabe im Preußenparlament alS Ausfluß bewußten religiösen Friedenswillens einen starken moralischen Gehalt birst, dessen Schätzung auch dadurch
Auf dem Marsch zur Grenze.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 9. März.
Rach hier eingegangenen Newyorker Depeschen erhielt gestern nachmittag der Kommandant des Ostdepartements der Vereinigten Staaten, General Grant, den telegraphischen Befehl auS Washington. alle disponiblen Truppen aus den Forts und den Häfen von Newyork zum Ausmarsch bereit zu halten. Die Truppen find gestern abend nach dem Fort Moeroe ab gegangen, wo zurzeit die Streitkräfte der Union konzentriert werden. Ferner erging gestern abend vom Staatsdepartement in Washington der telegraphische Befehl nach San Diego, die paeifische Torpedoflotte unverzüglich nach dem mexikanischen Hafen Tehuantopei zu dirigieren, wo der Kommandant weitere Befehle erhallen werde. Im Lauf des heutigen Tags werden weitere Schiffe nach den mexikanischen Häfen abgehn. Man ist in englischen politischen Kreisen überzeugt, daß die Bereinigten Staaten zu einem entscheidenden Schlag anshölen, und daß der Vorwand der „dringlichen Intervention in Mexiko" nur ein Scheinmanöver fei, um die Aktion wenigstens einigermaßen zu begründen. Man verfolgt hier mit großer Aufmerffamkeit die weitere Entwicklung der Dinge und ein aktiver Eingriff Englands liegt im Bereich naher Wahrfcheinlich- keit.
Die gelbe Gefahr.
Wie wir fchon telegraphisch gemeldet haben, hat der Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika in allen südlichen Landesteilen der Union eine Mobilmachung befohlen, angeblich, um die Behauptung zu widerlegen, daß „das Heer der Union auf einen wirklichen Krieg nicht vorbereitet fei". Nur um eine „Probe" soll es sich handeln, in Wirklichkeit aber bereiten sich die Yankees auf ernste Ereignisse vor, bei denen die Unruhen in Mexiko nur den Anlaß für die Truppenzüge in zentral- amerikanischer Richtung abgeben. Präsident Taft verhehlt dies auch nicht, trotzdem er vor aller Welt behauptet, daß et lediglich die Kriegsbereitschaft der unter feiner Oberhoheit stehenden Armee beweisen wolle. Um das „Bißchen Mexiko" (politisch betrachtet, nicht räumlich) würde die Union sicher nicht einen Lärm vemrsachen, von dem der ganze Erdball widerhallt; man hat vielmehr allen Grund zu der Annahme, daß es die Landenge von Panama ist, wegen der das Sternenbanner entrollt werden soll: Die Gegner der Kanalbefestigung sollen an der Kriegsbereitschaft der Union erkennen, daß die Gewalt der nordamerikanischen Waffen jedem Widerspruche begegnen will. Der Kampf um die Vorherrschaft auf dem Stillen Ozean wird zum Austrag gelangen, wenn der Union die Wege Monrotzs gekreuzt werden. Nachdem man in Washington zuverlässige Kenntnis von den Plänen Japans in Mexiko und in den kleinen, zentralamerikanischen Republiken erhalten hat, zögert die große nord- amerikanische Republik keinen Augenblick, mit der ihr eignen, bewundernswerten Tatkraft die Folgerungen aus den Vorgängen zu ziehen. Schon feit Monaten haben die Truppen der Union auf dem Isthmus Verstärkungen erhalten, und die Mobilmüchung im Süden der Vereinigten Staaten, sowie das Auslaufen einer starken Panzerflotte nach den mittel- amerikanischen Gewässern kündigt an, daß man gegen alle Ueberraschungen durch die Japaner gesichert fein will. Es wird jetzt auch klar, weshalb die Vereinigten Staaten die dem Panamakanal im Stillen Ozean vorgelagerten Galapagos-Jnfeln erwerbenwollen, und der Regierung von Equa- dor für diese recht wertlosen Erdenfleckchen bereits fünsunddreitzig Millionen Dollars geboten haben. In Erfüllung einer geheimen Abmachung mit Japan hat die mexikanische Regierung den Vereinigten Staaten den seit langen Jahren bestehenden Vertrag geftindigt, wonach die Amerikaner die Magdalena-Bai als Kohlenstation und Flottenbasis benutzen dürfen. Von dieser Bai aus kann mau Flotten nach beiden Seiten leiten, auch vermag man in diesem Häsen ungestört Kriegsschiffe zu versammeln und von hier aus zu entsenden, ohne daß die übrige Welt davon erfährt. Um den Plänen der Japaner zu begegnen, die ohne Frage im Einverständnis mit England handeln: Darum rüsten die Vereinigten Staaten! Daß der Präsident von Mexiko, Por- firio Diaz, ein Schutz- und Trutzbündnis mit den Japanern für den Fall geschlossen hat, daß die Union Mextto angreift, ist (wie wir schon mitgeteUt haben) in Washington durch die Re- gierung von Kostarika verraten worden, die gleichfalls von Japan zu einem Bündnis bewogen werden sollte. Ein starkes japanisches Geschwader kreuzt feit einiger Zeit in den zentralamerikanischen Gewässern und dürfte dazu bestimmt fein, ein Durchfahren der atlantischen Union-Flotte durch den Panamakanal bei Ausbmck eines Krieges zu verhindern. Man darf also in den sich vorbereitenden Ereignissen kommende Dinge von weltgeschichtlicher Bedeutung sehen, und es gewinnt immer mehr den Anschein, daß der große Tag der Abrechnung zwischen Weiß und Gelb nahe ist . . . **
Mulay Hafid abgesetzt?
Die Wirren im Scherisenland. (Telegraphische Meldungen.) AuS Köln wird uns depeschiert: Rach einer, der „Kölnischen Zeitung" aus Tanger zugehenden Privatmeldung haben in Zentral Marokko die großen aufständischen Stämme ben Sultatt Mulay Hafid für abgesetzt erklärt. Eine Beftätigung der Meldung. steht noch aus. Jedenfalls scheint aber die Si- tuation in Marokko außerordentlich bedenklich zu fein, und selbst Frankreich hält es für geraten, feine Hand aus dem Spiel zu lassen. Em Spezial-Telegramm berichtet uns darüber:
Paris, 9. März.
In gewissen Kreisen ist der Wunsch ausgedrückt worden, die französische Regierung möge dem französischen General Moniere, dem Truppenbefehlshaber ^der Akttonstruppen in Casablanca, Verstärkungen zuschicken zwecks einer Aktion zur Bestrafung der Starleute, der Aufrührer, ir, deren Hinterhalt jüngst Leutnant Marchand, sowie vier französische Soldaten den Tod gefunden haben. Der „Matin" glaubt indessen mitteilen zu können, daß die französische Regierung im Augenblick nicht bereit fei, eine folche Expedition auszurüsten. Die Regierung fei der Ansicht, daß es die Aufgabe Muleh Hafids fei, die Schuldigen zu bestrafen und die Ordnung unter den maroffanischen Stämmen wiederherzustellen.
Ein weiteres Telegrammm meldet uns auS Paris: Der „Matin" hat einen Berichterstatter nach Saida in Algerien entfanbt, um eine Untersuchung über die Lage der Fremdenlegionäre anzustellen. Der Berichterstatter teilt unter anberm mit, daß die Zahl der Minderjährigen im zweiten Regiment der Fremdenlegion bei einem Mannschaftsbe- ftanbe von rund sechstausend hundertdreiund- siebzig beträgt, darunter zweiundvierzig Deutsche.
Aus Messina« Trümmer«.
Die neue „Stadt am Meer".
(Von unferm Korrespondenten.) Messina, ", März.
Die Hiobspost von der beinah völligen Zerstörung der zweitgrößten und regsamsten Handelsstadt Siziliens hatte auf mein Gemüt einen unauslöschlichen Eindruck gemacht, und meine Sehnsucht, die Stätte der größten Katastrophe, die mein Heimatland je betroffen, selbst zu fchauen, war unbezwinglich. Endlich konnte ich meinem Wunsche willfahren: Ich stehe aber nicht an zu erklären, daß die Vorstellung, die ich hatte, mit der Wirklichkeit nicht übereinßimmt daß diele Aeimaefuditefte aller
Warum rüstet Amerika?
Die Mobilmachung in den Seretoigten Staaten. — Sie Unruhen in Mexiko. — Der Kampf nm die Borherrfchast tot Stillen Szean? - Japan und die Union. - Das amerikanische Geschwader an Mexikos Küste. — Eine Sngland-Zntervention in Mexiko?