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studierend, später auf der ' Königlichen Hoch­schule musikalischen Studien oblag, und als­dann Anstellung als Universitäts-Musiklehrer und Organist in Bonn, Dirigent des Musikver­eins in Bielefeld und Lehrer für Theorie und Orgel am Kölner Konservatorium, fand. Außer einigen Opern fchuf er auch mehrere Chorwerke, von denen das gestern gehörte nach Anlage und künstlerischem Vermögen mit zu den besten Eingebungen des Komponisten zählt. Der tertliche Ursprung des Werkes greift auf ein altes phantastisches Märcken. „Sonnerats Reise nach Ostindien und China" zurück, dessen Stoff teilweise wiederum von Goethe zu einer Dichtung voll tiefer Weisheit und Symbolik verarbeitet worden ist, welche die Gegensätze der wohlhabenden und streng rechtlich gesinnten Brahminen-Kaste und der für unrein gehalte­nen und darum verachteten untersten Volks- klaffe der Parias zum Inhalt hat. Sie besteht aus 3 Teilen: Gebet der Paria, Legende und Dank der Paria.

Obwohl Mendelsohn in dem Paria ein fes­selndes, interessantes Werk geschaffen hat, ent­spricht anderseits doch die besonders in der Le­gende zutage tretende, zu breiter musikalischer Entfaltung hindrängende verwickelte Stimm­führung nicht immer der mehr mystischen Ge­fühlswelt des Gedichtes. Am treffendsten ver­tont sind die mehr lyrisch gehaltenen Außen­sätze, Gebet und Dank der Paria. Die Haupt­aufgabe der Solisten des Abends war Frau Margarete Preußcj-Matzenauer, Kgl. baver. Kammersängerin (Münchens, zuge­fallen. die die Partie des Orpheus sowie die Altsolis in .Patria" vertrat und außerdem noch die Arie des Adriano aus der Oper „Rienzi" von R. Wagner zu Gehör brachte. Wir lern­ten in Iran Matzcnaucr eine gottbegnadete Künstlerin kennen, die über außergewöhnliche Stimmittel verfügt. Das Organ besiyt nicht nur eine überwältigende Kraft und Fülle, son­dern ist auch von hervorragender Schönheit. Mair dürfte einer so stimmbcgabten Künstlerin nicht so leicht wieder begegnen. Zu diesen na­türlichen Vorzügen 3e* stimme kommt eine cinwandsfteie Schulung, sowie Hobe künstle­rische Intelligenz, wodurch sie mit ihren Vor­trägen eine hinreißende Wirkung erzielt. Das Publikum gab seiner Begeisterung auch so lvontanen Ausdruck. daß Fra» M-chenans

den einen Teil der Adriano-Arie wiederholen mußte.

Die Tenor- und Baß-Solis in „Paria* hat­ten Herrn B a l d s z u n (Cassel) Tenor, u, Herr Rich. Schmi d t (Hannover) Baß. übernom­men und führten die verhältnismäßig kleinen Partien mit musikalischer Sicherheit und stimm­lichem Wohlklang aus. Nächst dem Dirigenten. Herrn H a l l w ä ch s, dem für die künstlerische Einstudierung und sichere Leitung der nicht leichten Werke volle Anerkennung gebührt, ver­dienen auch Chor und Orchester lobende Erwäh­nung. Während im Orpheus der Chor stellen­weise mehr hervortretrn durfte, löste er seine schwierige. Aufgabe in Paria aufs beste. Die Einsätze waren präzis, und auch die Klang­schönheit ließ nichts zu wünschen übrig. Die Kapelle der 167er war mit großer Hingebung an der Gesamtleistung des Abends beteiligt, besonders zeugte die Wiedergabe der Ouvertüre von sicherer Routine und musikalischer Diszi­plin. Das letzte Konzert hatte eine besondere Anziehungskraft ausgeübt: denn Saal und Ga­lerie waren dicht besetzt. -e-

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Das sechste Abonnements-Konzert.

In dem zum Besten der Pcnsionsan- stalt des Königlichen Theaters veranstalteten ftckisten Abonnements - Konzert wird die Königliche Kapelle im ersten Teil die vierte Symphonie (E-moll) von Brahms und im . zweiten Teil die große Leo­nore» - Ouvertüre (Nr. 3 C-dur) von Beetho­ven zur Aufführung bringen. Der Gast des Abends ist der berühmte Violinvirtuose Pro­fessor Willy Heß (von der Königlichen Hochschule für Musik in Berlin). Seine Vor­träge sind: Violinkonzert Nr. 3 (D-moll) von Bruch und Jntroduction und Rondo caprie- cioso von Saint Säens.

Katheder-Mitten.

Heiteres aus Caffcls höheren Schulen.

Ländliches Stimmungsbild. Das Land trägt einen grüneren Charakter als bei uns. Der Reiz der Landschaft liegt in den schönen Kulturbildern, die sich um den See herum- schlä-ageln. Dl« bunt durcheinander wogenden XnasnasfieitiMbe ctfctätn üch bis an.das. Meer

hinaus. Und überall dazwischen, die malerisch angeklebten Ortschaften!

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Der Reichtum hat sich in beschränkten Kreisen gewaltig angesammelt. Die Arbeit konzentriert sich auf eine kleine Zahl von Köp­fen, in deren Händen liegt die Regierung.

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Herzog Moritz von Sachsen, den ich soeben ernannt habe, starb zwei Tage an einer Wunde, die er sich im Kampfe zugezogen hatte.

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Rach einigen Jahrhunderten wanderte der Lorbeer mit Venus aus Kleinasien nach Norden. ., . , -Ss-

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,LM Millionär und Sängerin.

Das Ende einer Ehe.

(Von unferm Korrespondenten.)

Man schreibt uns aus Ncwyork: Tie oft besprochenen ehelichen Zwistigkeiten der bekann­ten italienischen Sängerin Lina Cavalieri und ihres Gatten, des Millionärs Robert Chanler, werden voraussichtlich demnächst mit einer Scheidung der Ebe endigen. Die Cavalieri hat sich verpflichtet, selbst den Schei­dungsantrag zu stellen, ohne die Durchführung des vor der Hochzeit aufgesetzten berühmten Scheickungsvertrages zu verlangen. In dem Vertrage gab Chanler kund und zu wissen, daß er seiner Frau alle seine Liegenschaft t e n, die Millionenwerte darstellen sollten,' schenke und außerdem noch eine jährliche Rente von 20 000 Dollar zusichere. Später koll sich dann herausgestellt haben, daß Ch-irlcr mehr verschenkt hatte, als er überhaupt je besessen haben konnte. Jetzt beißt es, daß der Millionär als ein sehr exzentrischer Herr geschildert wird, seiner schönen Frau für den Verzicht auf die Fortsetzung der Che und auf die Schenkungsakte eine einmalige Abfindungs­summe von 50 000 Dollar zu zahlen qedcicke.

Wenn man Chanlcrs Freunden Glauben schenken darf, wäre der Gatte der Cavalieri so­zusagen überrumpelt worden, als er die Schon- kungsurkunde unterzeichnete: „Ich hatte,* ft soll er selbst erzählt haben, „niemals die Ah Lcht..meftleu ganzen. Besitz aus der Hand :tz

Nr. Ira. — 1. Jahrgang.

Caytter Neueste Nachrichten

ch3 Das Verhängnis im Osten.

(Pri

vat-Telegramm.)

In Ergänzung un-

E. G.

Menge.

lin, persönlich übernommen.

611-

hörte vierzig Jahre lang ununterbrochen dem Parlament an.

Nach einer Depesche auS Budapest sind im Laufe der Delegationssession dis jetzt fünfzig Prozent der aus Wien angckom- menen Delegierten und Rcgierungsvertreter an Influenza erkrankt.

Wie aus Washington berichtet wird, hat, der Senat den Antrag, P e a r y wegen seiner Verdienste um die Entdeckung des Nordpols zum Kontreadmiral zu ernennen, abg e- lehnt.

Einer Depesche aus U e s k ü b zufolge wurde in Ak-Belen ein-gewisser Zivko, der Haupt­zeuge in dem Prozeß gegen die Mörder des montenegrinischen Majors Mitwoitch, ermor­det aufgefunden. Mau glaubt, daß dieser neue politische Mord auf das Konto desselben Ge­heimkomitees zu setzen ist, das in letzter Zeit schon mehrmals die Ermordung montene­grinischer Emigranten veranlaßt hat.

Aus New York meldet ein Telegramm: Nach mehreren hier eingettoffenen Meldungen sind in Managua fünsundvierzig Personen we­gen Teilnahme an einer Verschwörung gegen die Reaierung zum Tode verur­teilt worden, unter ihnen angeblich ein deut­scher Arzt. Der Gesandte von Nicaragua be­zeichnet indessen diese Meldung als unrichtig.

feier gestrigen Mitteiungen über die drohende Gefahr eines neuen Boxer-Aufstandes in China wird uns aus Petersburg depeschiert: Aus Wladiwostok wird berichtet, das der Ausbruch eines Boxeraustandes täglich befürchtet wird. Die gesamte Ausländische Presse Ostastens emp­fiehlt den Regierungen ihrer Länder, Maßre­geln zum Schutz ihrer Untertanen zu treffen. In Mulden wurde» Proklamationen »erteilt, in denen aufgefordert wird, die Ausländer umzu­bringen, oder aus dem Lande zu vertreiben.

6 Lar Neueste ans staffel.

Gaffel als Aasstellungsstadt.

" Ein Abend im Fremdenverkehrsverein.

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus! Unsere Residenzstadt Cassel steht der einem bedeutsamen Ereignis: Vor der großen Jubiläumsausstellung der deut­schen Landwirtschastsgesellschast,

rtr Die Tragödie im Stadtwald. Ein S p e zialielegramm meldet uns aus Essen: Gestern morgen wurde der zwanzig Jahre alte Hochbautechniker Reil im Stadtwalde aus der Landstraße von Rellinghausen nach Bredeney ermordet aufgesunden. Die amt­lichen Ermittlungen haben bis jetzt ergeben, daß der Ermordete, der aus Worms stammt,

Neues vom Tage.

Der Bürgermeister in ... der Heilsarmee.

(Von unferm Korrespondenten)

Leipzig, 4. März.

Der Badeort K ö s e n besitzt in der Person des Bürgermeisters Kretschmar ein Stadioberhaupt, das sich seit längerer Zeit of­fen zu den, Lehren der Heilsarmee be­kennt. Es ist bekannt, daß Kretschmar bereits bei der vorjährigen Geburtstagsfeier des Kaisers durch seine Rede Anstoß erregte, wes­halb die diesjährige Feier unter gewissen Miß- helligkeite» zwischen Bürgermeister und Stadt­verordneten zu leiden hatte.

Nunmehr ist Herr Kretschmar auch in einer hiesigen großen Versammlung der Heilsarmee als Redner aufgetreten. Die äußere Aufma­chung der Veranstaltung war die übliche: Auf der Straße luden Männer und Frauen zum Besuch der Versammlung ein. Im Saale er­klangen die religiösen Lieder nach flotten Marschweisen oder auch nach bekannten Lieder- melodien. Großes Hallelujah-Rufen erhob sich, »als Bürgermeister Kretschmar zu reden begann, der übrigens in seiner Erschei­nung den ehemaligen preußischen Leutnant nicht verleugnen kann. Er legte das übliche S ü n d en b ek e »nt nis der Heilsarmeeanhänger ab und erzählte dann, wie er durch die Gnade des Erlösers gerettet wor­den sei, und wie glücklich er sich jetzt fühle, trotzdem ihn seine Feinde verfolgten und be­schimpften. Nach weiteren Gesangs- und Mu- sikvorträgen durch die „Hauskapelle* der Heils­armee ertönte die Aufforderung, zur Bußbank zu.kommen, welcher Aufforderung zwölf Persorten-nachkamen. Eine Anzahl Stadt­verordnete aus Bad Kösen hatten mit gro­ßem Interesse den Ausführungen ihres Ober­hauptes gelauscht, sodaß dessen Extratour nach Leipzig wohl noch in der Stadtverordnetensit- zung zur Sprache kommen dürften Die Leitung der Leipziaer Versammlung hatte der Komman­dant für Deutschland, Oberst Martin aus Ber-

Ise Politik des Tages.

'as3 Der Kampf um Kempten-Jmmenstadt. (T e l c g'ra m m.) Wie aus I m m e n st a d t im' Allgäu -berichtet wird, hielten dort gestern die fozio.tdcmokratischen Vertrauensmänner des Wahlkreises K e m p t e n - I m m e n st a d t mit Den -Vertretern des Landcsvorstandes der Par­tei estw Kouftreuz ab) in der beschlossen wurde, in der Stichwahl am kommenden Dienstag f ü r d ck na t i on al liberale» Kandida­ten zu stimmcu. Dieser hat sich verpflichtet, gegen jede Verschlechterung des Reichstags- Wahlrechts, gegen jeden Eingriff in die Koali- lionssretheit, /gegen Ausnahmegesetze und ge­gelt' jegliche Einschränkung bei Selbstveiwal nmg bei der.sozialen Gesetzgebung zu stimmen.

eZ3 Ein Opfer des Nationalitäten-Kriegs. (P i i v a t-T c l eg i am m.) Aus Wien wird uns berichtet: Der hier weilende Rektor der tierärztliche» Hochschule in Lemberg, Hof- rät Dr. Jo's-cph Szpilmann, hat gestern in.einem hiesigen Hotel sich mit Zyankali zu vergiften versucht. Ten rasch herbeigerusene»

Acrzte» ist es aber gelungen, Szpilmann zum Bewußtsein zu bringen und die Folgen der Vergiftung zu beseitigen. Der Gelehrte mott- viert den Selbstmordversuch mit den unleidigen Zuständen, die gegenwärtig an der Lemberger tierärztlichen Hochschule herrsche» und mit den nationalistischen Reibungen zwischen Polen und Ruthenen, die zu fortwährenden Zusam­menstößen und Unruhen unter den Studenten führten.

as3 Spanien und der Vatikan. (Privat- t e l e gi a m rn.) Aus Madrid wird uns de­peschiert: Das Verhältnis Spaniens zum Vatikan hat durch die scharfe Sprache der letzten römischen Note (wie vorauszüsehe» war) eine bedeutende Verschlechterung erfah­ren. Dir Ministerkrise ist vorläufig beigelegt, da der Finanzminister mit der Haltung Cana- lejas in der religiösen Frage einverstanden zu sein scheim. Die Antwortnote der Regierung auf die Beschwerde des Vatikans erklärt ener­gisch und bindend, Spanien beanspruche das Recht, sich ohne äußere Einmischung Gesetze zu geben. Der König hieß die Vorlage des Dei- einsgejeyes gut, sie wird noch im Laufe dieses Monats in den Cortes eingebracht werden. Tie Umänderung des Concordates soll unverzüglich vorbereitet werden.

eS3 Monis' „Zwischenakts-Ministerium." (Spezial-Telegramm.) Nach einem uns aus Paris zugehenden Telegramm wird all­gemein angenommen, daß das Ministeri­um Monis die Sommerferien nicht erle­ben wird. Die gesamte maßgebende Presse protestiert gegen Delcasss's Minister­schaft. Man wirft dem Präsidenten Falliöies vor, den Eintritt Delcassös nicht verhindert zu haben. Auch die F i n a n z k r e i s e sind mit der neuen Regierung sehr unzufrieden, da Cail- laux als Hauptgegner der Eisenbahngesellschaf­ten gilt.

cs3 Der neueste Skandal. (Spezial- Telegramm.) Depeschen aus Bordeaux zufolge ist dort ein großer Skandal aufgedeckt worden, durch den ein Beamter die Hydrau­lisch e n Werke in Rochefort kompromittiert ist. Dieser Beamte, der gleichzeitig Unterdirek­tor des Werkes ist, wird beschuldigt, große Un­terschlagungen begangen zu haben. Ein Haft­befehl gegen ihn ist bereits erlassen worden. Mit ihm wird auch ein Lieferant gerichtlich ver­folgt. Beide sollen sich nämlich verständigt ha­ben, die Preise für die Lieferungen bedeutend in die Höhe zu schrauben.

von einigen Neugierigen beobachtet wurde: Eme der am meisten in Anspruch genommenen Kirchen wurde von der Polizei gesperrt, als eine elegante Brautequipage heranrollte, und Braut und Bräutigam entließ. Das Ehepaar, das eben „eins* werden wollte, hatte natürlich die Absicht, mit den Angehörigen das Gottes­haus zu betteten, als em Wächter der öffent­lichen Ordnung ihnen den Weg sperrte, und erklärte, niemaVo dürfe mehr in die Kirche hin­ein. Die Braut rang verzweifelt die Hände. Was follle man tun? Sie war zu dem Trauungsakt auf ein Uhr bestellt tvorden, und die'Möglichkeit, den Zeitpunkt ihrer Eheschlie­ßung inne zu halten, schien ihr plötzlich genom­men. Der Schuhmann aber wußte Rat: Mit echt wienerischer Gemüttichkeit forderte er die Neuzuvermählenden auf, mit ihren Angehöri­gen

einen Augenblick zu warten, fca.tr einige Schaulustige aus der Kirche entfer­nen wollte, um Platz für diejenigen zu machen, die doch eigentlich das erste Recht darauf hät­ten, die Kirche zu betreten. Nur wenige Se­kunden vergingen, und er trat.wieder heraus, gefolgt von etwa zwanzig jungen Mädchen, die verständig genug waren, die Plätze, die sie eingenomtneiL dem Brautpaar und der Hoch­zeitsgesellschaft zu- überlassen. Sehr feierlich wirkte, cs, wenn 'unmittelbar nach den jungen Ehepgareh die silbernen und goldnen Sraittbaare vor den Altar traten, um die Segnungen des Geistlichen entgegenzunehmen. Sa mancher sehnsüchtige Blick flog erinnerungs­reich. über eine anmutige Braut oder einen fe= scheu Bräuttstäm, so manche Erinnerung mag dieser und jener Silber- ober Goldbraut auf« gestiegen sein, wenn sie in das glückstrahlende Gesiebt einer jungen Frau schaute. Natürlich war in Wien

- am Tage dcr Massenhochzeiten rin ganz besonderes Treiben:- Die Fiakerkut­scher waren so in'Anspruch genommen wie seit langem nicht, und die großen Zuckerbäcker und Hoflonditoren vermochten kaum alle Bestel­lungen fertig zu stellen, die man ihnen in Auf­trag gegeben. Wien stand gewissermaßen unter dem Zauber eines ganz besonderen Festes. Und ist es nicht.auch fast ein soziales Fest zu ngnncn, wenn der Faschingssonntag aff »in nayezu »tausend Familien neubildet, und über zwcihiinoertmal- Mn Beweis erbringt, daß Ehe­paare funfund zw anzig Jahre lang und dreißigmal den Beweis erbringt, daß Ehepaare s ü.n s zig Jahre lang in Liebe und Treue bei­einander ausgehairt haben.? In Wien hat man diesen Somträg mit seinen achthundert grünen, Doiumstadt war am „Tag der Tausend" durch- zweihunde-rt silbernen und dreißig goldenen Hochzeiten jedenfalls so aufgefatzt, und die woge von einer, fröhlichen, glückstrahlenden

- - " Politische SöroniL

Wie uns aus Berlin gemeldet wird, statteten gestern nachmittag die von der rumä­nischen Regierung zum Studium des deutschen Flugzeuges entsandte Militärmifsion, be­stehend aus drei Stabsoffizieren dem Flug- plaa Johannisthal einen Besuch ab.

Einer Meldung ausF r ei s i n g zufolge starb dort gestern mittag nach mehrwöchigem Krankenlager Prälat Dr. von Datier, der ehemalige Präsident der zweiten Kammer des bayerischen Landtages und langjährige Führer der bayerischen Zentrums Partei im Alter von sechsundsiebzig Jahren. Taffer ge-

____________________Sonntag, 5, Marz 19U.

sich bis gegen ein Uhr nachts in Rellinghausen ausgehalten hat. Wahrscheinlich ist ihm ein Geldbetrag von sechzig Mark in Gold ge­raubt worden. Ungefähr fünf Mark Klein­geld fand man neben dcr Leiche verstteut. Die Leiche, neben der dcr zerfetzte Regenschirm lag, weift nur eine unerhebliche Wunde an der Schläfe auf, von der noch nicht feststeht, ob sie durch einen Schuß oder durch einen Stich verursacht worden ist. Unter der Leiche sand man eine Browning-Pistole. Die ganze Situa­tion läßt darauf schließen, daß zwischen dem Mörder und seinem Opfer ein verzweifel- ter Kampf st jtzefunden hat.

XX Zwei Wohltäter. Wie u»3 aus Ham­burg berichtet wird, hat der dortige Kaufmann Julius K r o n h e i m c r aus Anlaß seines achtzigsten Geburtstages in Gemeinschaft mit seinem Bruder Josef Kronheimer in Melbourne eine Stiftung von dreihundert­tausend Mark sür wohltätige Zwecke gemacht.

ix Der ab gestürzte Omnibus. Nach einer Depesche aus Bonn stürzte bet Röttgen in der Nahe von Bonn ein Omnibus infolge Scheuens des Pferdes eine zehn Meter tiefe Böschung hinab. Der Kutscher wurde getö­tet. Znm Glück war der Omnibus unbe» setzt.

xx Tie gefährdete Fabrik. Einer Meldung ans Bamberg zufolge haben die Erdnttscknn- gen. bei Schloß Banz gestern fortgedauert. Von der vierzig Meter langen Halle der Silbermann- schcn Porzellanfabrik wurde ein Teil von etwa fünfzehn Metern verschüttet. Tie her­zogliche Familie wird sortgesetzt über den Verlauf der Ereignisse in Kenntnis gesetzt.

XX Nordböhmcn im Sturm. Wie uns ans Tetscken gemeldet wird, wurde durch einen in Nordböhmen wütenden orkanartige» Sturm die Elbschiffahrt stark behindert. Die Wälder an der sächsisch-böhmischen Grenze ha­be» große» Schade» erlitten.

xx Die Räuber mit dem Bank-Konto. Meldungen aus P a r i s zufolge stellte die Po- lizei fest, daß die Verbrecher Thomson und Seemann, die vor zwei Monaten im Eisen­bahnwagen dem Kassierer einer Pariser Bank- irma eine Ledertasche mit 262 000 Franken ent­wendeten, unter falschem Namen in den Stahl­kammern Pariser Großbanken einen Teil des Geldes deponiert haben. Die beiden Verbrecher solle» nach Deutschland geflüch­tet fein.

xx Ein Mörder-Trio? Nach einer Meldung aus Rom verhaftete die Polizei den Modelleur Elia vom Marineministerium, dessen Geliebte und den Bankbeamten Quandam, die ver­dächtig sind, bei dem kürzlich geschehenen Bank­einbruch die beiden Bankwächter ermordet zu haben.

rtr Unter Trümmern begraben. Wie uns aus Lissabon gemeldet wird, hat eine Feuersbrunst in Sampo Thiiso eine Spin­nerei zerstört. Der Bau stürzte zusammen und begrub unter den Trümmer» zahlreiche Arbei­ter, von denen zwei t o t und acht tödlich v e r»- letzt geborgen wurden.

~ Die grollende Erde. Aus Saloniki meldet ein Telegramm: In Serin (Florina), Kitchevo und Elbassan wurden gestern wieder mehrere E r d st ö ß e verspürt: sie rich­teten aber keinen erheblichen Schaden an.

Der dtatorienberein.

Das dritte Konzert im Stadtpark.

... Es waren erhebende Genüsse, die uns der O r at o r i c n p e r c i n mit seinem letzten Kon­zert am gestrigen' Abend bereitet hat. Jedes einzelne., der drei" gebotenen Chorwerke bean­spruchte uiiser ungeteiltes Interesse. Gleich das Erste: „Szene in der Unterwelt" aus dem 2. Akt der Oper „Orpheus" von Gluck, dem man die' Ouvertüre zu „Iphigenie in Aulis" als stilgemäße Einleitung vorangesetzt hatte, ist von cischütterndeUij- buchst dramatischem Leben er- süfftt Es' gibt in der gesamten Opernliteralur kaum eine Szcnd, in der mit so einfachen Mit­teln eine jo bedeutende Wirkung erzielt wor­den ist. Besonders kommt dies in den erregten Rvt'hmen der Furienchöre und ihrem kategori- fchen „Rein" zum Ausdruck, wodurch die ^Zu­rückweisung des an den Pforte» der Unterwelt Entlaß begehrenden Orpheus veranschaulicht wird. _ _ .

Tas nun -oigende „Sckicksalslied* von Joh. Brahms, für Cbor- und Orchester, on. 54, dar? zu den herrlichsten, tiefsinnigsten, sowie musikalisch gehaltvollsten Chorkompositionen unseftr Zeit gezählt werden. Die Hölderlin- sehc Dichtung stellt die ungettübte Ruhe und HcUerteit der Götter dem Kampf der sich int Dasein aufreibenden Menschen gegenüber. Brahms, in dessen Kompositionen sich sehr oft zwei miteinander ringende Gewalten oegen- übcrflebcn, hat es verstanden, auch diesen Ge­gensätzen liefinnige» und ergreifenden musika­lischen Ausdruck zu verleihen. Doch nicht wie Hölderlin läßt er die ungewisse Schicksalsfrage offen, sondern verweist mit dem am Schlüsse nochmals wssederkehrenden, schwärmerisch edlen Vorspiel im hell fttablcnoen C-dur auf die Ge­filde der Seligen. Aus diesem Grunde könnte titah. das Schicksalslied fast als ein deutsches Reguien- en « Hiaiuro bezeichnen, nur daß wir hier nickt, wie bei einem solchen wirklich in den Himmel emg-führ werden.

, 9.nt Vordergrur,' des Interesses stand das in jungiter Zeit > verschiedenen größeren Städten aufgeführte Chorwerk des gegenwär- ig tu Darmstadt lebenden Gymnasiai-Musik- .cyrets Professor Arnold Mendelsoh». der, ur- :VrnnaNa: <mf bet Berliner Uniberfttäf Fui-