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Csssrirr Abendzeitung

Fernsprecher 951 und 952.

Fernsprecher 951 ««- 952.

Sonntag, den 5. März 1911

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Zagow bleibt!

Polizeipräsident und Schauspielerin. (Telegramm unsers Korrespondenten.)

Freude roch einmal bis zur Neige geleert hatten, und dann im Dämmern der Ernüch- trung gewahr wurden, daß die Brücken zurück zum Leben des Alltags hinter ihnen zusam­mengebrochen waren.

Die Freude der Harmlosigkeit in Ehren: Es mag wirklich nützlich sein, einmal in den dreihundertfünfundsechzig Sorgentagen des Jahrs die drückenden Pflichten des grauen All­tags als.lachender Philosoph" zu bespötteln und des Daseins stark gemischte Freude lustig aus der Larvenperspektive zu betrachten. Die Erfahrung zeigt indeflen, daß die Aus­wüchse der Faschingsfröhlichkeit den Karne­val des ursprünglichen Charakters fast gänzlich entkleiden, und daß auch dort, wo man die Pflege lustger Narretei mit Liebe und Andacht übt, die Schattenseiten des Brauchs sich immer reinlicher merkbar machen: Die Roheitsdeliktc mehren sich, und da, wo sonst der Humor koste, ährt heut die Rauheit mit geballter Faust hernieder. Es mag sein, daß auch im Faschings­treiben die allgemeine Verschärfung des Le­benskampfs sich im ungestümem Ausbruch der Leidenschaften äußert, und daß diesem Umstand auch die teilweise Verrohung alten und ur- prünglich harmlosen Brauchs im wesentlichen zuzuschreiben ist. Die Gefahr wird aber nicht dadurch beseitigt, daß man ihre Ursachen auf­deckt, sondern sie muß bekämpft werden. Alljährlich, wenn aus dem Dollarland die Nach­richt zur alten Welt herüberklingt, daß beim Jahresfest der Unabhängigkeitserklärung der Union .auch diesmal wieder" der Zahl der Opfer der Nationalfreude in die Hundert reiche, grausts hierzuland den biedern Bürger und der Amerikanismus" hört sein herbes Urteil. Ein Blick auf die Opferziffer des deutschen Fa- chings darf uns jedoch noch ernstlicher zu denken geben, und es erscheint auch Denen, die ihre Stimme für die Erhaltung des alten Volksbrauchs erheben, geboten, mit wirksamen Mitteln dem Unheil des Faschings-Nachtbilds entgegenzuarbeiten, denn es handelt sich hier um Schäden, die den Volkskörper in Mitleidenschaft zieh», und deren weitem Wir- kungen vorgebeugt werden muß. Der Fasching soll fröhlich, aber nicht roh fein, und er oll Freude und Lust, aber nicht Tra­gödien und Verbrechen bringen!

Lhne Marke.

Lust, nicht Tollheit, Frohsinn, nicht Rohheit!

Nun sehen wir Welt und Menschen wieder dhne Larve, atmen die Märzenlust der Fasten und fühlen, wie die Aschermittwoch- Stimmung noch die Seele beizt. Der Fa- schingsflitter liegt knittrig und verblichen am Boden und ... die Staatsanwälte machen sich eben daran, das Fazit der Rechnung zu ziehen. In einer einzigen tollen Nacht int Reichsbezirk dreizehn Tote, noch mehr Verletzte und eine Unzahl vom Verhängnis leichter Gestreifte: Man darf finden, daß das Opfer etwas reich­lich ist, und daß der Taumel einiger flüchtiger Narrensttlnden zu teuer bezahlt ward. Und das Schlimmste ist, daß von Jahr zu Jahr die Opferziffer sich erhöht und der Kreislauf des Unheils sich weiter: Es scheint fast, als ob unterm Larventuch die Leidenschaften sick ele­mentarer regten, und die durch die Tamkappe der Narrheit der Konttolle bürgerlicher Moral Entrückten den Drang spürten, am Toreingang zurstillen Zeit" noch einmal recht tief und gie­rig aus des Lebens schäumendstem Becher zu schlürfen. Das Privilegium, einmal im Jahr der Narrheit unbeschränkt, und durch kein finstres Wächterauge gestört, Tribut zu zollen, ward offenbar aus der Notwendigkeit geboren, dem Ueberschwang der Leidenschaften für alle Fälle ein Not-Ventil zu erhalten, durch das in mäßigen Intervallen der unterm Druck der Temperamente zittemde Kessel der Volksge­meinschaft die überschäumende Kraft abzischen Tann. Das Ventil der Narrheit dankt also irn- grunde Weiser Fürsorge sein Dasein und seine Erfinder haben sogar an dienatürliche Hem­mung" gedacht, indem sie der tollsten Stunde des Jahres unmittelbar dasmemento mori! des Aschermittwochs anreihten. Und dennoch...

Die Unglückschronik des Aschermittwoch-Tags war mit Mut geftäntt, die Selbstmordziffer er­stieg eine beängstigende Höhe und die Katastro­phen der Liebe erschreckten durch Zahl und Tragik ärger als sonst im Kampf deS Tags. Sogar der Bulgaren junggekrönten Zaren hat in der Narrheit Heimat des Faschings Ver­hängnis ereilt, und die Studenten von Erlan­gen, die der Baflan-Majestät Speisewagen- Frieden durch der Larven Schrecken gröblich störten, werden sicher noch in einem hochnot- yeinlichen Verfahren fröhlichen Jugendübermut zu büßen haben. Ferdinand der Erste, Peter Karageorgiwitschs königlicher Nachbar, versteht keinen Spaß, hat einmal sogar eines Kaisers muntern Scherz mit brüskem Wort sich verbe­ten und wird sicher auch geruhen, das Fa­schings-Attentat im deuffchen v-Zug allergnä- digst nicht ungerochen vorübergehen zu laffen. So reiht sich ein Unheil ans andre und das Sündenkonto des Mummenschanzs wird im­

mer größer. Das den Bluttaten der Rosen­montag- und Aschermittwochzeit bie,Zufällig­keit der Ereigniskomplikation" anhaftet, erflärt noch nicht die Häufung der Opfer; cs scheint vielmehr, daß menschliche Leidenschaften in ihren aktiven und paffiven Aeußerungen stets dann am bedenklichsten wirken, wenn (bei ren E i n e n) die Entfeßlung von den Banden gemeinhin geltender Sittengesetze das Tempe­rament in feiner natürlichen Urwüchsigkeit und ungezügelten Rauheit zum Durchbruch kommen läßt, oder wenn (bei den Andern) der jabe Uebergang vom tollsten Lebensgenuß zur- stern Erkenntnis der Daseinsnot jenen Ueber- druß am Sein erzeugt, in dessen Bann die schwache Hand der Aschermittwoch-Schwermur dann zu Sttick und Waffe greift.

Jedenfalls darf's als erwiesen gelten, daß die Opfer des Mummenschanzs nicht geringer sind, als diejenigen andrer .Volksfreuden", gegen die schon vor Jahr und Tag die sorgende Obrigkeit mit Paragraphen und Sttafmanba- ten zu Felde zog. Es ist auch zweifellos als eine nationalwirtsch aftliche Gefahr zu betrach­ten, wenn in den Faschingswochen die Schul­den des Leichtsinns sich häufen und nach dem Larventaumel dann die Rot am Herde lauert. In der rheinischen Hochburg derNarretei" sucht man dieser Gefahr feit langer Zelt da­durch zu begegnen, daß aufgrund ortsobrigkct.- licher Verfügung vor Beginn der eigent­lichenHochsaison" die Leih- und Pfandhäuser ihre gastlichen Pforten schließen, um sie erst in der Fasten düster« Tagen wieder zu offnen. Natürlich ist damit praktisch garnichts er­reicht: Der Leichtsinn steht nur etwas früher auf, und der Aschermittwoch bleibt grau und sorgenschwer, wie rr's schon immer war. Die Konsequenzen ofenbaren sich denn auch letzt wieder in der Ziffer der Tragödien und tat Schicksal der.Freiwilligen des TodeS", die aus der Wett schiede«, nachdem üe den Becher der

Berlin, 4. März.

Die Annahme, daß die bekannteBrief­affäre" des Polizeipräsidenten von Jagow Anlaß zum Rückftitt Jagows von seinem Posten geben werde, scheint sich als ir- ftg zu erweisen. Der Wortlaut des Briefes, den Herr von Jagow an die Schauspielerin Frau Cassierer-Durieux geschrieben hat, soll (wie man hört) nicht zu der Deu­tung zwingen, die ihm von Denen beigelegt wird, die die Angelegenheit in die Oessentlich- keit gebracht haben. Es heißt auch, daß diese Auffassungan sehr hoher Stelle" ge­teilt wird. Mit anderen Wotten also: Es wird in der (immerhin seltsameti) Anfrage des Polizeipräsidenten an die durch Kunst und Schönheit gleichsam bekannte Frau Cassierer- Durieux,wann er sie besuchen dürfe" kein Ver­stoß gegen die vom obersten Polizeibeamten Berlins zu übenden Rücksichten erblickt; man ist vielmehr geneigt, die Affäre von der lusti­gen Seite zu nehmen. Jedenfalls werden Herrn von Jagow dienstliche Weiterun­gen aus der Angelegenheit nicht entstehen, und auch Herr Jagow selbst ist nicht gesonnen, die peinliche Geschichte tragisch zu nehmen. Die Meldung, daßder Polizeipräsident bereits fein Rücktrittsgesuch eingereicht habe", ent­spricht jedenfalls nicht den Tatsachen, und wie ich aus sicherer Quelle weiß, denkt Herr von Jagow auch gar nicht daran, die Briefaffäre zum Anlaß feines Rücktrttts vom Amte zu nehmen.

Der Kamps um eine Krone.

Tie Verschwörung der Monarchisten.

(Telegraphische Meldungen.)

Wie wir gestern schon kurz berichtet haben, istinRiodeJaueiro anscheinend auf Ver­anlassung des portugiesischen Gesandten eine Untersuchung gegen die Monarchisten eingelettet worden, die an einer Verschwörung gegen das- Lebe« der portugiesischen Republikaner in Ltffa- bon beteiligt sind. Das Hissen der Fahne der Monarchie ist untersagt worden. Die Mehr­zahl der in Brasilien lebenden Portugiesen ttt königstreu. es befinden sich ta der vortuaiesi-i

chen Kolonie aber zahlreiche Großkapitalisten, die entschlossen sind, für die Wiederherstellung der Monarchie in Portugal bedeutende Geld­mittel herzugeben. Ein weiteres Spezial- Telegramm meldet uns dazu aus

Lissabon, 4. März.

Bei dem gestrigen Journalistenempfang bestätigte der Minister des Aeutzern die Mel­dung von einer angeblichen in Rio de Ja­neiro entdeckten monarchistischen Verschwö­rung, wegen der von den brasilianischen Be­hörden zurzeit noch die Untersuchung wetter- gesührt werde. Man wisse aus guter Quelle, daß vor einigen Tagen ein Privatbrief in Lissabon eintraf, der dieses Komplott ent­hüllte. Die Affäre dürfte mit den Auswei­sungen der letzten Wochen Zusammenhängen, die bekanntlich aus gleichen Ursachen erfolgt sind. Es handle sich offenbar um ein weit­verzweigtes Komplott; die Regierung habe aber alles getan, um die Pläne der Ver­schwörer zu vereiteln.

Schließlich meldet uns noch ein P r iv at- Telegramm aus Lissabon: Durch ge- tern beim Ministerium des Aeußern etagelau« ene Privatbriefe wird die Meldung von der in Rio de Janeiro entdeckten Verschwörung der Monarchisten bestättgt. Das Haupt diesesKom- plottes scheint der kürzlich aus Portugal aus­gewiesene Exminister Castello Brauco zu fein. Minister Machato gibt offiziell bekannt, daß er die Untersuchung der Sachlage der brastliani- chen Polizei übergeben habe.

Die Sensation von Rom.

Die Liebestragödie Paterno-Trigona. (Te.legrupht.sche Meldungen.)

Wie uns aus Rom berichtet wird, bringt die gesamte hauptstädtische Presse sensationelle Be­richte über das (gestern von uns gemeldete) Sie« besdrama ta der römischen Hocharistokratie, dem die wegen ihrer Schönheit berühmte Grä­fin Trigona zum Opfer gefallen ist. Me jetzt bekannt wird, wurde Baron Paterno von der Gräfin am Donnerstag nachmittag in Ge­genwart ihres Anwalts empfangen und erbat eine letzte Zusammenkunft mit ihr. Die Gräfin willigte ein, weil der Baron versprach, daß er Rom nach der Zusammenkunft verlasse. Das Stelldichein fand in einem Hotel statt, in dem dann das Verbrechen begangen wurde. Man weiß nicht, ob zwischen dem Baron und der Gräfin ein Streit ausgebrochen ist, die Begleit­umstände der Tat scheinen aber darauf hinzu­deuten. Telegraphifch werden uns noch folgende Einzelheiten gemeldet:

Rom, 4. März.

Me ta unterrichteten Kreisen behauptet wird, war der Gräfin Trigona schon vor einigen Tagen die Ehescheidungsklage ihres Gatten zugestellt worden, in der aber Be­gründungen so folgenschwerer Natur detail­liert waren, daß gemeinsame Freunde sich ins Mittel legten, um den Ehegatten begreff- lich zu machen, es wäre besser, wenn sie auf gesetzliche Trennung verzichteten und sich mit spontaner Trennung begnügten, um nicht Dinge so delikater Natur der Oeffentlichkeit preiszugeben. Es scheine, daß beide Gatten diese Vorschläge angenommen hätten. Der Täter habe bereits früher feine Schulden be­kannt. Die mitleidige Dame habe ihm dar­auf einen fehr hohen Scheck gesandt, mit dem er seinem Hauptgläubiger, einem Wucherer, abzahlte. Der Wucherer wollte aber aus die­sem Papier noch mehr Kapital schlagen. Er präsentierte den Wechsel dem Grafen Trigona mit einem erpresserischen Ansinnen. So er­fuhr her Graf von der Verbindung seiner Frau mit Paterno und leitete sofort die Ehe- trennung ein. Viel schlimmer noch stellt der Messagero" die Sache dar. Danach sei der Leutnant di Paterno selbst ein gemeiner Zu­hälter und Erpresser gewesen. Er habe die Gräfin ermordet, well sie seine Schulden nicht bezahlen wollte. Selbst in den Quirinal sei er eingedrungen, um unter Androhung eines Skandals zwanzigtausend Lire von der Grä­fin zu erpressen. In das kleine Hotel habe er die Dame bestellt unter dem Vorgeben, ihr zum Abschied noch etwas sagen zu müssen. Als sie dann nicht zahlen wollte, sei er wild über sie hergefallen und habe sie erstochen.

Die Getötete ist die Gräfin Giulia Trigona, Tochter Don Lucio Tascas, Für­sten von Cnto, und Schwester des Deputierten Alessandro Tasea. Sie hatte zwei Schwestern, Gräfin Palma (Palermo) und Baronin Cian- eiafapa, die beim Erdbeben von Messina unter ihrem Hause begraben wurde. Giulia war seit fünfzehn Jahrey Palastdame der Prinzessin von Neapel und wurde später Hofdame, als die Prinzessin Königin wurde. Sie mußte indessen ibren Dtaukt auütUren. well ihr Verhältnis mit

dem Leutnant Paterno öffentliches Aergernis erregte. *

Das Lpftr eines Verbrechens?

(Privat-Telegramm.)

Rom, 4. März.

Es gewinnt taffächlich den Anschein, dass dem Liebesdrama Trigona-Paterno ein wohl­überlegter verbrecherischer Plan zugrunde ge­legen hat. Die Gerichtskommisston hat näm­lich in der Handtasche des. Barons einen an den Advokaten des Hauses "di Trigona gerichteten Brief gefunden, aus dem hervorgeht, daß Pa­terno das Stelldichein in der vorgefaßten Ab icht verabredet hatte, die Gräfin und sich zu töten. Der Brief schließt:Ich kann ohne meine Julia nicht leben, wenn Sie den Brief erhalten, ind wir tot. Dank für alles Gute. Paterno." Die Bekanntgabe des Briefes und der Einzel­heiten des Verbrechens erregt in Rom das größte Auffehen, und die Presse fährt fort, Paterno (dessen Zustand sich übrigens gebessert Hai) in der schärfsten Weise anzuklagen. Die Affäre droht sich zu einem regelrechten Skandal auszuwachsen.

3er Taz der Tausend.

Tausend Hochzeiten am Faschings-Sonntag.

(Von unterm Korrespondenten.)

Wien, 3. März.

In der Kaiserstadt an der Donau merkt man noch, daß das Karnevalstreiben und bet Fasching reellen Hintergrund haben. Der F a - schingsfonntag liefert zugleich einen Be­weis gegen die Annahme, daß Bälle und Tanz- vergnügungen nicht mehr, wie ehedem, die hei­ratslustigen Herzen zueinander führen, berat nicht weniger als tausenb Trauungen waren in Wien am Faicbingssonntag zu ver­zeichnen. Allerdings hanbelt es sichnur" um achthundert grüne Hochzeiten, während zwei- hundett stlbeme Hochzeiten eingesegnet wurden. Es ist interessant zu erfahren, paß sich haupt­sächlich Männlein und Weiblein, die dem ar» beitenden Stande angehören, am Faschtngs- fonntag

die Hand zum Ehebunde reichen.

Trotzdem ta diesem Jahre der Karneval ttu< vierundsünfzig Tage dauerte, und man berück­sichtigen muß, daß für die arbeitenden Klassen als Vergnügungstage hauptfächlich der Sonn­abend und Sonntag in Betracht kommen, scheint Gott Amor doch ziemlich sicher gefchoflen zu ha­ben, berat bie Aufstellung aller Trauungen in bett verschiedenen Kirchen sind der Beweis da­für, daß diese Maflenheiraten nicht etwa der Phantasie eines Menschen enffprungen sind, sondern daß sie in Wirklichkeit stattgefun­den haben. In den Pfarrkftchen des dritten Bezirks in Wien, und zwar in der KircheHei- liger Peter und Paul", traten 30 Paare vor den Altar, inSt. Rochus" undSebastian" je 20. InSt. Othmar" wurden 16 Paare ge­traut; im vierten Bezirk segnete der Pfarrer in St. Karl" 18 Paare ein, in derPaulana- Kirche" 17; tat fünften Bezirk waren inSt. Florian" 27 Ehepaare, inSt. Joseph" 20; ta derNotkirche" unterschrieben

vierzig junge Frauen

zum ersten Male den Namen ihres Mannes, ttf derAlser-Kirche" antworteten 9 Paare mit bem vielversprechendenJa", in Breitenfeld waren es 10 Menschen, die ihren Bund besie­geln ließen, in der Liechtenthaler-Kirche 17, imJohannes von Nepomuk" sogar 60 Paare, inSt. Anton von Padua" 80. In der Kirche Heiliger Oswald" gingen 18 Bräute mit Mvrthenkrauz und Schleier vor den War, in derDreifaltigkeit" 15, imHeiligen Johann" 47, die Rheindorfer-Kirche sah am Sonntag 40 Brautpaare, derHeilige Rudolf" 29, bieHei­lige Maria vom Siege" 40, bieSchmerzhafte Mutter Gottes" 26, bieErhöhung des Heili­gen Kreuzes" 40, dieHeilige Familie" 45, Kalvarienberg-Kirche" 28,St. Laurenz und Gertrud" 12, dieHeilige Brigitta" 60 und die Allerheiligen-Kirche"

fünfzehn Neuvermählte Paare.

In den andern Kirchen zählte man am Fast* uachtssonntag durchschnittlich 5 bis 10 Hoch­zeiten, und in den Pfarrkirchen'des 21. Bezirkes waren mehr als 70 Stauungen. Natürlich wa­ren die Trauungsatte bei diesem Maffenange- bot nicht ganz leicht ausführbar, namenllich, da der Gottesdienst auch fönst keine Störung erleiden sollte. Es wurden mehrere Paare z u - a mm en getraut; vor einige Altäre traten bgar zwanzig Brautpaare gemein- am, und der Priester richtete an vierzig Mün­chen auf einmal die Frage, ob sie gewillt feien, in Liebe und Treue ihr Leben miteinander zu verbringen. Die Trauungsatte waren fo ori­ginell und unterschieden sich so lebhaft von den althergebrachten, daß immer größere Scharen von Zuschauern sich in bie Kirchen drängten, und die Gotteshäuser mußten

von Zeit z« Zett polizeilich gesperrt werden, damit nicht eine UeberfüKung ttatrefe. Sehr anlüstmt war ein ll-tner Vorgang, der