künstlerische Kraft (deren weitere Entfaltung mit größtem Interesse zu verfolgen wäre- verrät.
Klar in der Intuition, sicher in der Linie und Farbe sind Dora Wohlbrücks Bilder, in denen eigentlich keine Nuance den weiblichen Künstler ausdeckt. Energisch, kräftig ist das Gemälde: „Der Mann im Pelz", das ein wenig im archaisierenden Stil gehalten ist. Ausgezeichnet sind die „Aepfelbäume im Frühnebel", die phantastischen Baumkronen in verhauchenden Schleiern der Luft. Auch die „Weiden" sind zu rühmen. Weniger will mir das „Stilleben" gefallen, schon wegen der banalen Konventionalität des Sujets. Auch vor dem Dresdner Künstler Adolf T h a m m, der die Bilder .Tauwetter", „Tal der Reuß in der Schweiz", „Frühlingsanfang", „Baumblüte in Böhmen", „Schächental in der Schweiz" usw. ausstellt, wird man gern verweilen, desgleichen vor Walter Kühnes „Alte Kiefern", .Erntetag", „Herbstluft", Schönes Wetter" und „Oktobertag". Zum Schluffe sei noch auf W i l- helm Neumanns Bronzebüste aufmerksam gemacht. Die geschmackvollen Tapeten für die Zimmer, die derart reichhalttg und anregend sind, wurden von der hiesigen Firma Rauer & Horn geliefert. Sch.
Kleines Feuilleton.
üJi Die kommende Frankfurter Universität. Wie uns aus Frankfurt a. M. berichtet wird, ist den Stadtverordneten nunmehr die Universitätsvorlage des Magistrats zugegangen. Es wird die Errichtung einer Stiftungsuniversität »■ Zusammenschluß der städtischen Kliniken und wissenschaftlichen Institute vorgeschlagen. Der Jahresbedarf wird auf rund Zwei Millionen Mark angenommen. Die Universität wird keine theologische Fakultät erhalten, sondern nur eine juristische, philosophische und medizinische.
Der Neubau des Berliner Opernhauses. Wie uns ein T «! e p r a m u- aus Ber
lin berichtet, werden die Kosten für den Neubau des Kgl. Opernhauses von der Regierung auf insgesamt einundzwanzig Millionen Mark veranschlagt.
Der Tag der Hochschullehrer. Wie uns aus Gießen geschrieben wird, trat dort auf Einladung verschiedener interessierter Vereine und Verbände dieser Tage hier der Erste Deutsche Hochschultag zusammen, um zu der Frage einer Regelung des Akademischen Ehrenschutzes Stellung zu nehmen. Die meisten deutschen Hochschulen hatten offizielle Vertreter entsandt. Die Verhandlungen wurden durch Professor Dr. Mittermaier eingeleitet, der sich in längeren Ausführungen über die Bestrebungen der Tagung verbreitete. Nach eingehender Debatte wurde ein Antrag von Dr. von Hofmannsthal angenommen, wonach die Gründung von Ehr en- schutzausschüssen an allen deutschen Hochschulen beschlossen wurde, die ihrerseits wieder die Organisierung von Ehrenräten in die Hand nehmen sollen. Es wurde betont, daß diese Ehrenräte unbedingt paritätisch sein und jeden Gewissenszwang gegen Duellgegner wie -Anhänger vermeiden müßten. Der nächste Deutsche Hochschultag soll in G ö t t i n g e n abgehalten werden.
:=2= Hauptmanns „Ratten" in Krefeld. Wie uns ein Privattelegramm ans Krefeld berichtet, erzielte Gerhart Hauptmanns Tragikomödie „Die R a t t e n" bei der ersten Aufführung im dortigen. Stadttheater trotz verhältnismäßig guter Darstellung nur einen schwachen Erfolg. Die ersten drei Atte, in denen das Humoristisch-Episodische überwiegt, wurden mit fröhlicher Heiterkeit ausgenommen, während erst die beiden letzten Akte dank der wirkungsvollen thcairalischen Technik die Zuschauer in Spannung hielten.
Der Zug des Todes. AuS Berlin meldet uns ent Privat-Telegramm: Der berühmte Chemiker und Professor an der Berliner Universität, Geheimrat I. H. v a n' t Hofs, ist im 611er von 59 Jahren in Steglitz einem langjährigen Lungenleiden erlegen. — Einer Meldrvhg aus Jena zufolge, ist Exzellenz Dr. HettitAch von Eggeling, Ehrenbürger der Sächä Jena, gestern abend a e st o r -
den. v. Eggeling war von 1884 bis 1909 Kurator der Universität Jena.
Ein Abend in Paris. Aus P a r i s berichtet uns ein Telegramm: Gestern abend kam es wieder zu lärmenden Kundgebungen vor dem Theätre frangaise, die bis gegen 1 Uhr nachts andauerten. Die Zahl der Ruhestörer wuchs im Laufe des Abends auf mehrere tausend Menschen an. Bei den Zusammenstößen mit der Polizei wurden sieben Personen verletzt.
£s Der blaue Vogel. Man schreibt uns aus Paris: Maeterlincks „Blauer Vogel" übte bei der Generalprobe im Thesitre Rsjane in Paris eine tiefe Wirkung aus. Es war endlich einmal ein echter Erfolg, bei dem es nichts zu kritteln und vorzuhalten gibt. Die Dichtung wurde durch Bühnenbilder Wladimir Egorows vom Moskauer Künstlertheater und durch eine glänzende Darstellung gestützt. Den Knaben Tyltyl spielte ein wohlgebildeter Zwerg, der bekannte Sänger Delphin. Der Mimiker Severin Mars machte aus dem Hund eine künstlerische Schöpfung, die auch Goethe auf der Bühne geduldet haben würde, und Madame Leblanc-Maeterlinck, die als Licht nicht viel zu reden hatte, glänzte als Meisterin der Jnizemerung. Der Jubel war groß, und der tiefere sinn der Dichtung ging nicht verloren. Das Thssttre Rejane, das seit zwei Jah- ren um fern Bestehen kämpfte, hat jetzt den „Blauen Vogel" des Glücks endlich gefangen. ~ sps •8’oanjig Millionen für eine Erfindung. Aus N cwyork wird berichtet: Mr. Jomes
• I® Salford hat foeben zwan
zig Millionen für eine Erfindung bekommen, bte, wie er versichert, die gesamte Salzindustrie revolutionieren wird. Seine Anlage besieht aus drei bedeckten und vier unbedeckten Pfannen, die alle von einem einzigen Feuer erhitzt werden, anstatt wie bisher von sieben peuern. Tiefes Feuer wird von dem Hodgkin- sonschnt Patentheizer reguliert, derart, daß es möglich ist, automatisch eine bestimmte gleichmäßige Temperatur herzustellen. Der Stärkegrad des Feuers kann kontrollmäßig so reguliert werden, daß alle Sorten Salz und Kristalle m allen Größen gleichzeitig durch das eine »euer erzeugt werden können.
Nr. 77. — 1. Jahrgang.
Casseler Neueste Nachrichten
Somiabciw, 4. w,arz 19u.
Las Programm der neuen Männer.
■- (Privat-Telegramm.)
Paris, 3. März.
liebet das neue Regierungsprogramm wird berichtet, daß die neuen Minister entschlossen sind, das Gesetz über die Rückwirkung der Altersversorgung und der Pensionen für die Eifenbahner beizubehalten, desgleichen das Gesetz über die Sabotage durchzuführen. Die Regierung wird fernerhin sich vor der Kammer verpflichten, bei den Eisen- bahnverwaltungen einzuwirken, damit diese soweit als möglich gegenüber den gemaßregelten Eisenbahnern Entgegenkommen zeigen, die wegen Streikvergehens verabschiedet worden sind. Das Gesetz über die Vorherrschaft der Weltlichkeir inbezug auf die Kongregationen soll energisch durchgesührt werden, ebenso das Gesetz betreffend die Verweltlichung der Schulen. Die Wahl- und Steuerreform foll ebenfalls zur Durchführung gelangen, und das Kabinett foll es sich weiterhin angelegen fein lassen, das Budget baldigst zu beendigen. Bezüglich der auswärtigen Politik wird die neue Regierung sich verpflichten, ihren Bündnissen mit anderen Mächten und ihren Verpflichtungen treu zu bleiben. Im Senat wird am Montag der Senator Gaudin de V i l l a i n e die Regierung über die a u s w ärtigePolitik interpellieren. Präsident Fälliges wird heute noch die E r n e n n u n g s d e k r e t s für die neuer. Minister unterzeichnen.
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Sekaffe, der Anferstandene.
(Eigene Drahtmeldung.)
London, 3. März.
Tas neue französische Kabinett wird von der amerikanischen und engIif jcn Presse nicht sonderlich günstig beurteilt. So schreibt die „Daily Mail": Die Anwesenheit Delcassss im neuen französischen Kabinett ist für uns allerdings eine Garantie für die Fortfetzung der Entente-Politik, aber sie beweist auch, daß die Republik entfchlossen ist, inbezug auf die Verteidigung zur See die größten Aufwendungen zu machen. Es ist natürlich unmöglich, daß Delcassä auf seinen ehemaligen Posten im Ministerium des Auswärtigen zurückkehren könnte, aber die Tatsache, daß Monis Delcaff^ ein so wichtiges Portefeuille, wie das der Marine anvertraut hat, ist ein Beweis dafür, daß Telcaffs sich aus den „Befehlen ans Berlin" absolut nichts gemacht hat.
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Doch ein Opfer der „Fürstenfahrt"?
(Eigene Drahtmeldung.)
Nach einem uns aus Wien zttgehenlen Telegramm unseres Korrespondenten hält das „Neue Wiener Journal" über den bevorstehenden Rücktritt des Ministers des Aeußern, Grafen Aehrenthal, aufgrund sicherer Informationen, die Nachricht aufrecht, daß der Rücktritt Aehrenthals feststehende Sache sei. Er werde nach Ablauf des Urlaubs sormell noch ein ober zwei Monate das Bureau besuchen, dann aber vom Amte zurücktreten. Der Nachfolger werde Graf P a l l a v i c i n i fein, der schon jetzt die Geschäfte des Ministers des Aeußern vertretungsweise führe.
Vie PolM der Tages.
s Vom Kampfplatz der Arbeit. (Telegramm unseres Korrespondenten.)
Nach einer uns aus Bochum zugehenden Drahtmeldung sind auf Schacht II der Zeche „Germania" die Schachthauer in den Ausstand getreten, weil ihnen die wegen ungesunder und nasser Arbeit geforderte sechsstündige Schichtzeit trotz wiederholter Versprechungen nicht bewilligt worden ist. Auf der Zeche „Bergmann" bei Witten streiken seit gestern früh hundertsechzig Mann der Belegschaft wegen der von der Verwaltung verfügten Lohnreduzierung. Voraussichtlich wird indessen der Streik schon heute heigelegt werden können.
tsp Die Privatbeamten-Bersicherung gescheitert? (Telegramm unsers Korrespondenten.) Die „Rheinisch-Westfälische Zeitung" will von unterrichteter parlamentarischer Seite erfahren haben, daß das Privatbeamtengesetz heute fchon als gescheitert anzusehen sei, ehe es überhaupt zur Beratung im Plenum gelange. Gleich nach Erscheinen des von der Regierung ausge- arbeiteten Entwurfs habe eine derartige A g i- tation für und gegen das Gesetz eingesetzt, daß hierdurch schon eine Gefahr für den Entwurf entstanden fei. Im Laufe der Zeit hätten sich dann die zur Versicherungsordnung geäußerten Wünsche und Abänderungsanträge derartig gehäuft, daß die Regierung zu der Erkenntnis gekommen ist, daß angesichts solcher Uneinigkeit in den interessierten Kreisen eine Uebereinfümmung auf einer für die Staatsleitung annehmbaren Grundlage gänzlich ausgeschlossen erscheine.
Sturm im Unterhaus. (Tele- gram m.) Einem Telegramm aus London zufolge kam es gestern im Unterhaus zi einer lebhaften Szene, als Balfour erklärte, die Regierung beabsichtige, dem Land durch einen Betrug Homerule aufzuerlegen Das Wort „Betrug" wurde mit lauten wiederholten Zurufen „Zurückneh- meit!" von feiten der Ministeriellemmnd Nationalisten aufgenommen. Auf eine ^Anfrage erklärte der Sprecher, wenn das Wort Betrug aus eine Partei angewendet werde, so fei das keine Beleidigung. (Gelächter.) Balfour setzte seine Rede fort mit der Erklärung, daß er das Wort Betrug nicht zurücknehme. Die zweite Lesung der Veto-Bill wurde schließlich mit. 368 gegen 243 Stimmen angenom- m e n, das Arnandernent Chamberlains dagegen mit 365 gegen 244 Stimmen abgelehnt.
S Herr von Dallwitz und die Tschechen. (Privat-Telegramm.) Wie uns aus Prag berichtet wird, hatten die dortigen nationalen Tschechen für gestern abend eine Versammlung einberufen, in der gegen den jüngsten Erlaß des preußischen Ministers des Innern, betreffend die tschechische Einwanderung nach Deutschland protestiert werden sollte. Zuerst sprach der Redakteur eines tschechischen Blattes. Er übte in äußerst scharfer Weise an dem Erlaß Kritik und erging sich in Schmähungen gegen das Deutsche Reich und dessen Politik und gegen Oesterreich. Der nächste Redner beschimpfte die österreichischen Konsulate und erklärte, die Tschechen im Ausland sollten sich an ihre tschechischen Organisationen im Ausland wenden, diese würden ihnen bessere Hilfe leisten, als die österreichischen Behörden. Bei diesen Worten des Redners löste der Regierungsvertreter die Versammlung auf. Es erhob sich ein unbeschreiblicher Lärm und es kam zu einem großen Krawall, in dessem Verlauf der Regierungsvertreter von den Anwesenden sogar tätlich angegriffen wurde. Die Polizei verhaftete achtzehn Personen.
iS Ein Balkan-Krieg in Sicht? (Privat- Telegramm.! Aus Saloniki wird uns depeschiert: Im Sandjak Novi Bazar wurde die Bewaffnung der rno s lim i tisch en Bevölkerung beendet. Wie bekannt, hat man im vorigen Jahre die Christen gänzlich, dieMuselmanen aber nur pro forma entwaffnet.
In letzter Zeit sind nun die Musemanen mit neuen modernen Gewehren versehen worden. Man sieht in dieser Maßnahme Vorkehrungen für etwaige im Frühjahr dieses Jahres auf dem Balkan ausbrechende Kriegswirren.
S Die „Passionen" des Paschas. (Privat t e l e g r a m m.) Man depeschiert uns aus Paris: Gegen den hier wohnenden früheren türkischen Würdenträger Nofib Pascha wurde eine strafgerichtliche Untersuchung eingeleitet, weil er mehreren Personen Schmucksachen im Gesamtwerte von nahezu 600 000 Francs entlockt haben soll. Unter den Ge - schädigten befindet sich auch der - in der Affäre des Casimir Perier'schen Perlenkolliers vielgenannte Juwelier I a n e s i ch. Die Affäre erregt in Pariser Gesellschafts- und Diploma- tcnkrcisen das größte Aufsehen.
Politische Chronik.
Aus Berlin wird uns gemeldet: Gestern nachmittag sand die Einstellung des Prinzen Iöacyim von Preußen in das erste Garderegiment z. F. im Beisein des Kaisers statt.
Bei der Landtagsersatzwahl für den Wahlkreis Bielefeld-Halle-Herford für den verstorbenen konservativen Abgeordneten M e p e r erhielt der Malermeister L i e n e- w e g (tonf.) 484, Reichstagsabgeordneter Co nze (narl.) 203 Stimmen. 372 Wahlmän- ner (Sozialdemotraten und Christlich-Soziale» beteiligten sich nicht an der Wahl.
Wie aus Weißenfels gemeldet wird, hat der Zentralverband der Schuhfabrikarbeiter ebenfalls beschlossen, dem Ei- uigungsvorschlag der Schiedskommission int Schuhsabrikarbeiterftreik zuzustimmen, und die Arbeit am Montag wieder aufzunehmen. Damit ist der Schuhfabrikarbeiterstreil durch Vergleich beendet.
Die Erdarbeiter von Vigneux haben (wie ans Paris telegraphiert wird) die Arbeit wieder ausgenommen. Sie erklärten jedoch, daß sie wieder in den Ausstand treten würden, wenn ihnen bis Montag nicht eine Lohnerhöhung bewilligt worden sei.
Einer Depesche aus Konstantinopel zufolge ist der Deputierte von Bagdad Ismael Hakki, zum türkischen Unterrichtsminister ernannt worden.
Eine Wiener politische Korrespondenz meldet aus Konstantinopel, daß die türkische '.Regierung entschlossen sei, zwei Pan- zerschiffe bei Armstrong zu bestellen. Bezüglch der Geschütze wird noch eine vergleichende Prüfung zwischen Armstrong, Creuzot und Krupp stattfinden. Man nimmt an, daß die Entschließung für Krupp ausfallen wird.
Neuesten Meldungen ans Sofia zufolge scheint es, daß der kürzlich gemeldete Grenz- zwischenfall an der rumänisch-bulgarischen Grenze, wobei 12 bulgarische Fischer von einer rumänischen Grenzwache erschossen wurden, Anlaß zu einem Konflikt zwischen den beiden Staaten geben wird.
Rems bem Zage.
2er „sprechende Hund".
(Von unf ernt Korrespondenten.)
Ter sprechende Hund „Don" aus der Letzlinger Heide, der sich gegenwärtig im Hamburger Zoologischen Garten zu Beobachtungszwecken befindet, wurde gestern von dem Direktor des Gartens einem größeren Kreise von Interessenten vorgeführt. Direktor Voffeler machte dabei über die eigentümliche Begahung des „Wunderhundes" unter anberm folgende Angaben: „Don" ist nicht auf das Sprechen dressiert worden. Was er spricht, lernt er nachahmend von sich aus.
Ganz gelegentlich wurde dann von der Familie des Eigentümers diese Eigenschaft in Hebung gehalten, ganz ohne Absicht, nur aus Liebhaberei. In der letzten Zeit hat das Tier ebenfalls wieder von sich aus zwei
weitere Worte yinzugelernt. Die, Voraussetzung für die richtige Wiederholung menschlicher Worte ist in erster Linie gutes Gehör, eine entsprechende Organisatioil des Kehlkopfs, bei Zunge, ber Lippen und des Gaumeris. Als Resonnanzapparat wirkt vorwiegend der Brustkorb mit. Der Klang und die Stimme sind naturgemäß anders als beim Menschen. Bemerkenswert ist, daß „Don" aus freien Stücken zu sprechen beginnt, sobald er sich die Erfüllung eines Wunsches davon versprechen kann. So zum Beispiel bettelt er essende Kinder auf der Straße an, und ebenso Wirts- hausgäste mit den Worten: „Don Hunger, Kuchen haben", während er das Wort „Ruhe" bei dieser Gelegenheit bis jetzt nicht gesprochen hat. Es ist also sicher, daß er sich der Wirkung feiner Worte bewußt ist. Ob er die Bedeutung jedes einzelnen Wortes genau kennt, ist eine andere Frage. Die Redseligkeit „Dons" ist von verschiedenen Umständen abhängig; ist er zum Beispiel nach einer Bestrafung niedergeschlagen, so spricht er kein Wort. Auch schlechtes Wetter oder schlechtes Befinden läßt ihn ebenfalls berftimmen, ober nur mit Mühe reben. Uebri- gens ist leicht zu beobachten, daß das Sprechen für den Hund eine ganz befonbere Aust r en g u n g bedeutet, denn nach mehrfach wie- derholter Uebung zeigt er sich sehr ermüdet. Was „Don" von allen anderen bisher bekannt gewordenen sprechenden Hunden aus- zeichnet, ist, daß er erstens vor jedem beliebigen Fremden mit seiner Kunst auftoartet und selbst vor einem großen Kreise Menschen keine Befangenheit äußert. „Don" ist der erste Hund, der mit einem Sprachschatz von sechs Worten einem großen Publikum vorgeführt werden und von der phonographifchen und akustischen Wissenschaft bearbeitet werden kann. Das ist auffallend, befonders bei einem Vergleich mit den niedersten Menschen, den Austral- negern, die nach neueren Forschungen nur einen Wortschatz von hundertfünfzig Worten beherrschen. Sogar ein Kulturmensch niederster Stufe foll nach den neuesten Forschungen mit einem Vorrat von zweihundert Worten sein Ausdrucksbedürsnis völlig decken, -er-
r? Sturmwetter am Rhein. Wie uns ein Telegramm unsers Korrespondenten aus Köln berichtet, haben gestern am mittleren Niede-rrhein überaus heftige Gewitter fchwere Schäden angerichtet. Auch sind zahlreiche Brandsälle durch Blitzschläge bekannt geworden. Ein Gewitter war von einem heftigen Hagelfchlag begleitet, wie man ihn feit Jahrzehnten hier nicht erlebt hat. Bei Mülheim wurde ein Mann (ber unter einem Baume Schutz gesucht hatte) von einem Blitz erschlagen. Unterhalb Duisburgs wollte eine Gesellschaft mittels Nachen über den Rhein setzen, als sie vom Unwetter überrascht wurde. Ein Blitzschlag traf den Nachen und betäubte drei Insassen. Ein vorüberfahrender Schlepper leistete den Bedrängten Hilfe.
its Die Tragödie eines Stadtverordncten- vorsteherö. Wie uns aus H a l l e an ber Saale bepeschiert wird, beging der Chef des Bankhauses Gebier u. Co. in Zeitz, Hermann Gebier, gestern Se l b st m o r d, indem er sich in feiner Wohnung erhängte. Gebier bekleidete feit einer langen Reihe von Jahren in Zeitz das Amt eines Stadtverordnetenvorstehers. Die Veranlassung zu dem Selbstmord sind geschäftliche Schwierigkeiten, die schließlich dazu führten, daß das Bankhaus Gebier u. Co. vor einigen Tagen Konkurs anmelden mußte.
xx Das Ende . . . Aus München wird uns depeschiert: In einer hiesigen Pension brachte sich gestern ein feit wenigen Tagen in München wohnhafter dreißigjähriger Provinzredakteur drei Revolverschüffe in die Brust bei und starb nach einer Viertelstunde, lieber das Motiv der Tat konnte bis jetzt näheres nicht in Erfahrung gebracht werden.
Lr Schwarze Pocken und Typhus. Wie ein Telegramm aus Duisbifrg besagt,
Dar moderne Knnftgewerbe.
Die Ausstellung im Kunstverein.
Die Caffelaner sind dem Kunstverein zu großem Dank verpflichtet, daß er mit erfreulicher . Initiative für reichhaltige Abwechselung in seinen Darbietungen sorgt. Heute wird uns ein intimes, abgeschlossenes Bild von bett Errungenschaften des modernen Kunsthandwerks in ber Ktmsthalle am Stänbeplatz geboten. Die Interieurs stammen von ben Deutschen Werkstätten für Handwerkskunst, deren Tendenzen in jeder Hin- - sicht zu unterstützen sind. Entzückende Zimmer- / cinrichtungen, die feinster Geschmack entwarf, find zur Ausstellung gelangt. Farben und Li- . nien klingen harmonisch ineinander. Wir durchschreiten ein Eßz immer in dunkelgebeizter Eiche, ein Damenzimmer in hellgelbem . Natur-Mahagoni, das zu blauen Farben leb- ' haft kontrastiert. Ferner ein Schlafzim- • m e r in Lärche, das auf Lirchtwirkung fein berechnet worden ist, und fchlietzlich ein intimes Herrenzimmer in geschwärzter Eiche auf - Warmem Rot. Einfachheit der Form, Gedie- . genheit des Materials und Klarheit des be- ' wußten Stils sind die Prinzipien, die hier im modernen Kunstgewerbe vorwalten.
Neben dieser interessanten, lehrreichen Ausstellung betrachten wir noch eine Anzahl Bilder - — die Kollektiv-Aus st eil ung der - Gruppe Pankraz-Berlin. Sehr fein : sind ein paar farbige Zeichnungen (Trüber Tag, Meeresbucht in Dalmatien und Land- . ichaft bei Sorrent) von Friedrich von Khhnach. Sie zeigen Eigenart in der Na- turausfassung. Ein prachtvolles Stück ist Paul Schröters „Marktplatz", der stimmungsvolle Brunnen mit der Reiterstatue auf goldener saulc. die rote Blumen umgaukeln. Sein Ta- • t 'brüht auch in der „Sonnigen Straße", einem Miniaturgemälde, auf dem das flirrende n«. . Sträucher und Fensterläden wunder- ' > r°nll",ctt-. Feiner, faszinierender noch ist - ,./■ - die deutlicher Schröters Streben
~ offenbart und in der es-
Beherrschung des Grün, in der zar- ten Abstufung deS Lichts ebenfalls einheitliche