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Fernsprecher 951 «ad 952.

Sonnabend, den 4. März 1911.

Fernsprecher 951 und 952.

IReguta toeti.

An den Herrn Profeffor Fritz Regel!

Bei der Nniverfltätsfeier in W ü r z - bürg zu Ehren des neunzigsten Ge­burtstags des Prinzregenten von Btycrn brachte der außerordentliche Professor Dr. Fritz Regel, Vorsteher des Geo­graphischen Instituts, das Kaiserhoch aus, bei welcher Gelegenheit er eine der­art scharfe Kritik an der Person des Kai­sers übte, daß ein Skandal nur mit Mühe verhindert werden konnte.

Geschätzter Herr Professor!

SchonHiob hat davon gesprochen,daßS chwei- gen weise sei, und Sie werden vermutlich die Wahrheit des Satzes noch zu kosten haben. Daß Sie Ihr Herz im Kreise der Auguren ausschüt- teten, war nicht klug, und Sie hätten stiglich, wenn der Drang zur Rede stärker war, als die Zügelung der Zunge, tiefer ins Bayerland hinein wandern sollen. Hinter Bratentellern und funkelnden Römern nimmt sich die histori­sche Kritik etwas seltsam aus, und wirkt in dem Rahmen wie Schlagsahne und Metzelsuppe. Ein guter Magen verträgts zwar, aber wenn das Würzburger Zentrumsblatt, das über das Intermezzo berichtet, der Wabrbeit getreu er­zählt, dann haben Sie schon mit der Küche Pech gehabt. Herr Professor! War Ihre Seele von der .Finsternis" beschattet (von der im Früh­herbst an Bord derHohenzollern" an einem regentrüven Sonntag-Dormittag gepredigt ward, daß siedas Land bedecke"), als Sie zum Mahle gingen, und hielten Sie's etwa für nützlich, den Derdauunqsprozeß der Feierge­nossen gewalttätig stören? Zeit und Gele­genheit waten schlecht gewählt und von Ihrem Männerstolz bleibt nichts zurück, als ein wenig Erregung und (wenn das Geschick sich reckt) ein Mahnbrief der Obern, der in der acta pergo- nalia fortleben wird, solang das Produkt pa- pierner Ordnung dem Nagezahn der Zeit trotzt.

Sie haben es (immer vorausgesetzt, daß das Würzburger Organ für Wahrheit. Freiheit nnd Recht Ihre Worte zutreffend erlauscht bat) .als lästigen Zwang bezeichnet, eine Per­son hochleben zu lassen, an der Sie, Herr Pro­fessor. viel auszusetzen haben." Daß Sie das erzählten, batte mit Magenfrage und Festrede wenig zu tun: wenn Sie aber von der Rot- wendiakeit überzeugt waren, .Männerstolz vor Königsthronen" zu offenbaren, dann wäre dazu Zeit und Gelegenheit gewesen, ehe Sic den Festfrack anzogen. Mildernd kommt aller­dings in Betracht, daß der Festausschuß Ihre Eigenarten nicht gebührend gewürdigt hat: hätte er's, dann wäre der Mitwelt ein pein­liches Intermezzo, den Feiergenossen ein Attentat auk's vatriotische Gewissen und Ihnen selbst eine Reihe unruhiger Tage erspart ge­blieben, und Ihr Name, Herr Professor, würde im Meyer und Brockhaus dennoch in Papier verewigt worden sein. Sie sind offenbar zum Geburtstagmahl akademischer Honoratioren ohne dasseelische Feiertagkleid" gekommen, und die Nebelschwaden des Hornungmonds hotten Ihr Herz verfinstert, sodaß Mocturtle und Trüffeln eindruckslos an den Saiten Ihres professoralen Empfindens vorüberglit­ten. Wär's nicht besser gewesen, Sie hätten vom Festesabcnd einen kleinen Magenklaps heimgetragen, als diesen fatalen lapsus lin- guae. dessen Nachwirkungen noch Ihre Greisen­tage mit dem Kummer schlafloser Rächte ver­bittern werden?

Mich dünkt, Herr Professor, Sie hätten sich damit glücklicher verewigt, und wär's nötig gewesen, hätten ein paar Blatte Aloe schätzbare Dienste geleistet. Nun gibts statt der Aloe-Blätter Berge von Aktenpapier und das Räderwerk der Gerechtigkeit setzt sich knarrend und ächzend in Gang . .. Daß Sie an der Person Wilhelms des Zweiten mancherlei auSzusetzen haben, spricht für die Schärfe Ihres kritischen Blicks, und da Sie außerordentlicher Professor sind, kann die Billigkeit nicht von Ihnen verlangen, daß Sic als Barde des Zollernrnhms durch die Lande ziehn. Auch daß Sie's als lästig empfinden, durch die Ueberfülle der Toaste trau­liche Tasclsreuden gewalttätig zu stören, geht noch an: Sic sind (wie ich vermute) ein Aesthet und schauen in der üblen Vermengung von Genuß und Phrase ein dem guten Geschmack widersprechendes Bild. Ich teile Ihre Auffas­sung durchaus, verehrter Herr und Extraordi- aarius, und auch der Arzt wird's bestätigen, daß der Brauch vom Uebel ist. Ich finde nur, daß es n o ch übler war, das alles den Leuten am Iubiläumstisch zu erzählen und die Poesie des vom lichten Glanz moderner deutscher Hel­densage umrahmten Professorenabends aus dem HauS zu jagen. Gewiß ist'S schade, daß der Deutsche Kais« ei trotz ernstlichen Mühens

noch nicht vermocht hat, ein Mann nach Ihrem Herzen zu werden, geschätzter Herr Professor; ich weiß zwar nicht, wie Sie sich den idealen Germanenkaiser Vorsteven, aber da Sie in den klassischen Wissenschaften zu Hause sind, ahne ich's wenigstens in den Grundrissen. Entschul­digen Sie deshalb, wenn ich Ihnen wider­spreche: Ein Kaiser Ihr er Schule würde sicher noch mehr Tafelredner beunruhigen: voraus­gesetzt natürlich, daß dieStimme des Volks" zwischen Braten und Käse (Ihr Gebrauchs­muster, Herr Professor!) noch etwas populärer wird.

Ich stelle Sie mir vor als einen Mann wuch tigsten Bayuvarentyps, steifnackig und breit­brüstig, im Gegensatz zum Kollegenmit der Schuppenkette unterm Kinn" mit breitem Hut auf breitgcstirntem Haupt (August Scherls un­vermeidlicheWoche" wird der Zeitgenossen­schaft hoffentlich bald Ihre nähere Bekannt­schaft vermitteln), und gerüstet mit allen vor­trefflichen Gaben, reichend vom Asop an der Mauer bis zur Ceder auf dem Libanon. Sie sehen, Herr Professor, ich schätze Sie nicht noch dem Maßstab der Oberländer-Professoren, und darf es wohl auch nicht, da aus Ihrem Fest­mahlspruch hervorgeht, daß Sie nicht zur Herde" gezählt zu werden wünschen. Ich würde sogar herzhaft einen Toast auf Sie aus-- ; ringen und es nicht mal als lästig empfinden, trotzdem ich mir noch kein Urteil darüber bilden kann, was an Ihnen (außer der Zungenschnelle sonst noch) auszu­setzen ist. Da im Land der Maßkrüge die Bierbankpolitik schon von Haus aus lebhaftere Form und hitzigeres Temperament ge­winnt, darf man das Geplauder wohl auch in Ihrem Fall nicht allzu trooisch nehmen, und es braucht die Hoffnung noch nicht aufgegebcn zu werden, daß trotz Ihres Festmahlprotests das Deutsche Reich vorerst doch noch in den Fugen bleibt. Wilhelm der Zweite aber wird (ich hoffe es zuversichtlich, Herr Professor!) seinem Volk und der Welt auch ohne Ihre Gebrauchsanweisung wert­voll und schätzbar bleiben, und es ist nur noch zu wünschen, daß die Würzburger SalateKritik sonst nichts Schlimmes angerichtet haben möge. Denn das wäre tragisch. Und das Intermezzo spielt doch im Fasching . . .! F. H.

Ein neuer Boxerkrieg?

Hiobsposten aus dem Reiche der Mitte.

(S p e z i a l - T el e g r a m m.)

Petersburg, 3. März.

Hiesige Blätter bringen äußerst besorgniö erregende Meldungen über einen drohenden, neuen Boxer-Aufstand in China. ES wird darin auSgeführt, daß das chinesische Reich tatsächlich am Vorabend einer neuen folgen­schweren Aufstaudsbewegung der Boxer stehe, die sich nicht allein gegen die Dynastie, son­dern auch gegendie Prinzen richte. Die Vertreter der auswärtigen Mächte haben beson­dere Schutzmatzregeln für ihre Staatsangehö­rigen verlangt, da die Gefahr von Stunde zu Stunde wächst und jeden Augenblick mit dem Ausbruch des offenen Aufstandes ge­rechnet werden mutz.

*

Im Zusammenhang mit dieser Meldung steht eine andere, die uns ein Sveztal-Te- legramm aus Newyork übermittelt,und nach der es den Anschein gewinnt, daß der Auf­stand bereits begonnen hat. Es heißt darin:

Newyork, 3. März.

Die gestern hier eingetroffenen Passagiere eines direkt aus China kommenden Paffagier­dampfers berichten von ernsten Un­ruhen in der Umgegend von Schanghai. Eine Boxerbandc von etwa fünfhun­dert Mann hat die Dörfer durchzogen, sic ausgeraubt, die Bewohner ermor- det und die Häuser dann in Brand ge­steckt. In Kun-schan, in der Nähe von Schanghai, sei die Baude dann von Truppen umzingelt worden und habe sich in einem Dorfe verbarrikadiert, das von den Truppen inBrand gesteckt wurde. Sämtliche fünf­hundert Räuber und eine große Anzahl von Geiseln, die sie aus den Dörfern mitgenommen hatten, seien in den Flam­men umgekommen.

Unser Berliner Bureau, das heute in der chinesischen Botschaft in Berlin um Auskunft über die neuen Alarmnachrichten ersuchte, erhielt dort die Mitteilung, daß bis­her keinerlei amtliche Nachrichten über die angeblichen Borerunruhen vorlägen. Allerdings sei wiederholt über das Auftreten

von Räuberbanden in letzter Zeit berichtet wor­den, doch habe dies mit der Boxerbewegung nichts zu tun. Auch an amtlicher deutscher Stelle liegen (wie uns ein Telegramm unseres Berliner Bureaus meldet) bis zur Stunde keinerlei Nachrichten über den Ausbruch neuer Unruhen i" China vor.

An Interview mit Grade.

Hans Grade über die Flieger-Katastrophen. (Von unserm Korrespondenten.)

Hans G r a d e, der bekannte deutsche Flug­zeugführer (wie die Verdeutschung fürAviati­ker" neuerdings lautet) weilte dieser Tage in C h e m n i tz, um dort einige Flugvorsührungen zu unternehmen. Er hat bei dieser Gelegenheit einem ihn besuchenden Pressevertreter fhr in­teressante Mitteilungen über einige mit dem Flugwesen verbundene Fragen gemacht. Uebcr die Ursache der Todesstürze äußerte sich Grade nach dem Brief unsers Korre­spondenten wie folgt:

Chemnitz, 3. März.

Grade erklärte:Nach meinem Dafür­halten sind sie vielfach in Rekordjägerei begründet, indem junge Flieger mit einem wahren Draufgängertum alle Rekorde über den Haufen rennen wollen, ohne genügend Erfahrung zu besitzen. Vielfach sind auch die Maschinen nicht stark genug ge­baut, denn beim Gleitfluge, wo der größte Druck auf die Flugflächen ausgeübt wird, ereignet sich ja die Mehrzahl der Unfälle, und eben dieser Umstand scheint darauf hin­zudeuten, daß auch die Schwäche der Maschi- nen-Konstruktion zum Teil für die vielen Absturz-Katastrophen verantwortlich zu ma­chen ist. Die Frage, ob Grade glaube, daß sich die Flugmaschine »n absehbarer Zeit zum allgemeinen Verkehrsmittel ent­wickeln werde, bejahte der Flieger. Die Be­triebssicherheit der Flugzeuge toM sich mit der Zeit immer mehr steigern, bTe Unfälle werden vermieden werden, und das Zu­trauen des Publikums wächst. Sind diese Vorbedingungen erreicht, dann gehört das Flugzeug der A l l g e m e i n h e i t. Als Ver­kehrsmittel hat die Flugmaschine bedeutende Vorteile, denn ganz abgesehen davon, daß es ein wunderbarer Genuß sein wird, im Flugzeug über Dörfer und Städte von einem Ort zum andern zu fliegen, spielt auch die Schnelligkeit eine große Rolle. Im Anschluß hieran verriet Grade noch, daß er sich mit dem Bau einer kleinen und außer­ordentlich schnellen Maschine befasse. Das Flugzeug habe bei 6.50 Meter Spann­breite 12 Quadratmeter Tragfläche und sei mit einem Motor von 24 bis 36 PS. versehen. Die Maschine werde eine Schnelligkeit von etwa hundertfünfzig Kilometern in der Stunde haben, während eS die bisherigen Maschinen nur auf etwa hundert Kilometer brächten. Die Maschine soll be­reits in den nächsten Wochen ihre Probeflüge machen.

Für die nächsten Tage ist Grade zu einer achtwöchigen militärischen Uebung nach Magdeburg einbetusen. Zu dem schon seit längerer Zeit geplanten Flug auf die Schneekoppe wird er Urlaub erhalten. Vom Observatorium auf der Schneekoppe wird der Flieger kur, vor dem Aufstieg über die auf der Koppe herrschende Windrichtung informiert werden und genau Bescheid erhalten, wie die Windverhältnisse jenseits der Koppe sind, da Grade (wie wir schon kürzlich mitgeteilt haben) die Absicht hat, die Schneekoppe mit der Flug­maschine zu umkreisen. -er-

Das Blut des Endens.

Eine italienische Liebes-Tragödie.

Rom, 3. März. (Telegramm.) Ge­stern nachmittag erstach hier im Hotel Re berchino der Kavallerieleutnant Baron P a t e r n o mit einem Jagdmesser die Gräfin Quilia Trigona, geborene Prinzessin Cuto, eine frühere Hofdame bet Königin, die seit einiger Zeit von ihrem- Gatten, dem Grafen Trijona, ge­trennt lebt. Baron Paterno schoß sich darauf selbst eine Revolverkugel in den Kopf und wurde schwerverwundet ins Hospital gebracht.

Mit diesem tragischen Schlußakt ist eine verhängnisvolle Liebesaffäre zum Ab­schluß gekommen, die in römischen Gesellschafts­kreisen seit längerer Zeit Gegenstand peinlich­ster Erörterungen war. Die Affäre erregt in Rom das größte Aussehen und am Köniqshof ist man über das tragische Schicksal der Gräfin Trigona tief erschüttert. 5?n einem Privat.

Telegramm werden uns über die Affäre noch folgende Einzelheiten berichtet:

Rom, 3. März.

Die Gräfin Trigona hatte sich entschlossen, sich von ihrem Gatten zu trennen und ihren Geliebten a u f z u g e b e n, um sich der Er­ziehung ihres Töchterchens zu widmen. Baron Paterno erbat ein letztes Zusammen- sein mit ihr. Die Gräfin willigte ein, weil der Baron versprach, er werde Rom nach der Zusammenkunft verlassen. Das Stelldichein fand in einem vornehmen römischen Hotel statt, wo dann das Verbrechen begangen wurde. Die Gräfin hatte am letzten Dienstag den Dienst als Hofdame aufgegeben. Als der König und die Königin die Nachricht erfuhren, waren sie tief ergriffen. Der Zustand des Barons Paterno ist sehr ernst, aber nicht hoffnungslos. Zwischen dem Baron und der Gräfin bestand seit längerer Zeit ein Liebesverhältnis, auf Grund dessen Graf Trigona gegen seine Gattin ein Scheidungsverfahren cin- geleitet hat. Der Gräfin Trigona wurde darauf­hin vom Hosmarschallamt bedeutet, ihr Ehren­amt als Hofdame der Königin nie- derzulegen. Gestern mittag hatte sich die Gräfin zum Hosmarschallamt begeben, um ihr Abschiedsgesuch einzureichen. Kurz danach traf sie sich mit dem Grafen Paterno in einem Hotel am -Bahnhof. Das Paar hatte sich kaum in feine Zimmer zurückgezogen, als man den Knall von drei Schüssen hörte. Das Hotelpersonal stürzte herbei, man erbrach die Tür des Zim- nlers und fand die Gräfin tot, den Leutnant röchelnd am Boden liegend. Die Leiche der Gräfin wurde von der Staatsanwaltschaft be­schlagnahmt.

$as Kabinett Monk.

Frankreichs neues Verlegenheits-Ministerium.

(Eigene Drahtmeldung.)

Nachdem Ribot, Poincar^ und De« velles gestern definitiv abgelehnt haben, in das neue französische Ministerium einzutreten, bat Monis seine Ministerliste anderweitig er­gänzt, und sein Kabinett fetzt sich nunmehr wie folgt zufammen:

Vorsitz und Inneres Monis, Justiz Antoine Perrier, Acutzeres Cruppi, Krieg Berteaux, Marine Deleasss, Finanzen Caillaux, Unterricht Steeg, Öffentliche Arbeiten Dumont, Handel Massch Ackerbau PamS, Kolonien Mes- simy, Arbeit und soziale Fürsorge Paul B o n c o u r.

Wie uns ein Telegramm unseres Pariser Korrespondenten meldet, ha­ben Ribot, PoincarS und Develle ein Porte­feuille im Kabinett Monis deshalb ausgeschla- gen. weil sie den Eintritt Delcass^s in das Ministerium für einen schweren Fehler halten. In revublikanischen Kreisen ist diese Meinung vielfach verbreitet. Die Er­nennung C r u p p i s zum Minister des Aeußern überrafcht allgemein, da er ein N e u l i n g in der auswärtigen Politik ist. Die neuen Mini­ster übernehmen bereits heute die Geschäfte. Morgen findet ein Mini st errat statt.

*

Sie Stimmung in Pans.

(Eigene Drahtmeldungj

Paris, 3. März.

Die die heutigen Morgenblätter hervorhe­ben, umfaßt das neue Kabinett acht Radikal- Sozialisten, vier Radikale, drei Linksrepubli­kaner und einen fozialistischen Republikaner. Tie Anhänger der Verhältniswahlen weisen darauf hin, daß sich sieben Anhänger dieses Wahlsystems im Kabinett befinden. Sie betrachten daher die Durchführung die­ser Reform als gesichert. Eine Gruppe Radikaler, die gestern die Bildung des Kabi­netts besprach, war der Ansicht, daß die demo­kratische Linke bei der Verteilung der Portefeuilles geopfert worden fei, und daß das Kabinett wahrfcheinlich allzusehr nach links gravitieren werde. Aus diesem Grunde be­schlossen sie, einstweilen dem neuen Kabinett ge­genüber eine reservierte Haltung ein­zunehmen. Die Rational-Sozialisten begrüßen das Kabinett in günstiger Weise. Den besten Eindruck macht das Kabinett bei den Radikal- Sozialisten. Diese sind der Ansicht, daß das Kabinett die Meinungsverschieden­heiten innerhalb der Partei verscheuche und daß es ihm gelingen werde, alle Grnp- peu der linken auf sein Programm zu ver­einige«.