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schloffen!

Etwas Mädchenhaftes liegt auf ihren ab­gezehrten Zügen, die auch jetzt noch von einem onnigen Lächeln verklärt sind, während die Augen sich oft nach oben richten, und dann voll überirdischen Glanzes zurückkehren. Dünn und nrblos ist das Haar geworden . . . das Hand­gelenk so schmal wie das eines Kindes.

Lange hält er ihre Hand zwischen seinen beiden kräftigen und füblt, wie ihr die Wärme wohl tut. Zu sprechen vermag er nicht.

Denkt er denn, daß sie . . . einst . . . sein Frühling war? Sieht er im Geist das frische, wählende Weib, das er in seinen Armen ge­halten. Denkt er an das Geheimnis der Schöp­ferkraft, die Jugend und Schönheit fordert, um neues Leben zu schaffen . . .?

„Sei mutig, mein Lieb," tröstet er, seine Gedanken ablenkend, „die Sonne muß den schrecklichen Winter ja endlich besiegen. Noch ein paar Wochen . . . dann hülle ich dich in Pelze und fahre mit dir ins Hochgebirge.."

Sie läßt zwar ihre Hand in bet seinen, aber sie wendet das Gesicht ab.

Nr. 71.

Erster Jahrgang

Frühlingssonne scheint, will ich mit meinen Kindern wandern, fo weit . . . so weit mich meine Füße tragen." Ein neuer Hustenanfall, der sie erschöpft. Bis dahin . .. Geduld!

Aber der Winter ist schwer und lang, die Schneefläche wächst, und die Eisblumen klet­tern bis zu den oberen Scheiben empor. Dazu geht ein schneidender Nord-Ost, fo daß selbst sie Knaben auf ihre Schlittenfahrt verzichten.

Mama sitzt in Decken gewickelt am Ofen, und als sie eben aus einem ihrer schwachen Augenblicke erwacht, hört sie die tiefe Stimme ihres Aeltesten:

„Und dräut der Winter noch so seh,r mit trotzigen Gebärden, streut er auch Eis und Schnee umher . . ."

„Es muß doch Frühling werden!" fällt die leise Frauenstimme ein.

Während sie drüben die Ohren spitzen, denn seit Monaten haben sie Mama nicht mehr singen hören, bringt es wie zitternder Jubel zu ihnen . . . Muttis Stimme: „Es muß doch Frühling werden!"

Flugs stecken sie die Köpfe durch den Tür­spalt und im Sturmschritt geht es auf sie zu: „Freust du dich auf den Frühling, Mutti?"

„Ihr fragt noch," wehrt sie voller Liebe, „wißt ihr denn nicht daß ich nach einem biß­chen Sonne . . . schmachte? Wer krank und elend ist, Kinder, und vom Frühling Heilung erwartet..."

Nun singens die Kleinen mit den Gro­ßen und legen all ihre treue Kinderzärtlichkeit hinein! Tagaus, tagein, früh und spät singen sie Mamas Lieblingslied.

AIS der Schnee gerade am tollsten treibt, und kleine Eiskristalle nadelscharf gegen das Fenster ticken, stürmt lachendes Leben ins stille Krankenzimmer ... Klein-Rudi mit einem blühenden Mimosen-Strautze!

„Ich bringe dir den Frühling, Mutti!"

Lachend drückt sie das Kind an sich, um ihm zuzuflüstern: „Das ist der italienische Frühling, lieber Junge; der deutsche läßt noch auf sich warten, der kommt, wenn die Veilchen blühen. Habt Geduld, die Zeit kommt auch heran."

Ehe aber die Veilchen blühen, muß bet Aelteste ein Telegramm nach Holland senden, und Papa eilt auf schnellstem Wege heim. Er kommt noch zur rechten Zeit, um feiner schwer- kranken Frau die Hand zu drücken.

L Beilage.

Sonnabend, 28. Februar 1911.

aufrechterhalten, weisen wir entschieden zuruck. Der Redner wiederholt feine Bemängelung . aus der Kommission bezüglich des ungünstigen i Verhältnisses, das sich für Bayern dadurch er­gebe, daß der Stärke der Armeekorps die Be- völketungsziffer zugrunde gelegt werde, und ] wünscht eine Aenderung dieses nut auf ct-ie: provisorischen Vetfaffungsbestimmung d:m- - henden Verhältnisses.

Die Budgetkommiffion beantragt hierzu eine Resolution, die den Reichskanzler um sie erforderlichen Maßnahmen ersucht, um btc Verteilung des Ersahbedarss für das Landheer und die Marine in gleichmäßiger Weise nacy der Zahl der tauglichen Militärpflichtigen für alle Kontingente hetbeizufiihten. In zwei weiteren Resolutionen ersucht die Budgetlom- miffion um möglichst wohlwollende Behand­lung der

Gesuche um Befreiung Militärpflichtiger vom aktiven Dienst aus Billig leit s- gründen, sowie die Aenderung des Mili- lätgesetzes dahin, daß bei Billigkeitsgrü-iden die Befreiung Militärpflichtiger durch Ueber- weisung zum Landsturm ersten Aufgebots sowie die vorzeitige Entlassung be­reits dienender Mannschaften durch die Erfatz- behötde dritter Instanz zu verfügen ist. Die andere Resolution verlangt unter Bezugnahme auf eine Reihe gleichartiger Reichstagsbe­schlüsse früherer Tagungen die Reform des gesamten Militär st tafrechts, beb Beschwerderechts und deS ehrengerichtlichen Verfahrens gegen Offiziers

Abg. Speck (Ztr.) erklärt zur HeereSvor- lage: Auch wir wünschen eine Verständigung auf dem Gebiete der Rüstungen. Leider ist noch wenig zu hoffen. Meine Freunde werden viel­leicht mit wenigen Ausnahmen dem Gesetz­entwurf zustimmen.

Abg. Stückten (Soz.): Wir lehnen die Vor­lage ab, weil wir in dem Militarismus eine kulturfeindliche Einrichtung sehen.

Wir wollen eine Volkswehr.

Kein Staat hat daS notwendige Geld zur Kriegsführung. Eine solche Militärfreundlich­keit wie im deutschen Reichstage gibt eS in keinem Parlament der Welt.

Abg. Baffermann (nl.): Wir stimmen den Beschlüssen der Budgetkommiffion und auch den Resolutionen zu. Die RüsMngen lasten schwer auf dem Volle, aber sie sind notwendig im Interesse des Friedens. Wir haben m den vierzia FriedenSjahren bewiesen, daß Heer und Flotte JnstrumentedeSFriedens sind. Trotzdem mutz unser Heer im vollen Matze schlagfertig erhalten bleiben. Die neuen Maschinengewehre tun unsermHeere bitter not. Die verabschiedeten höheren Offiziere muffen das Recht haben, in der Presse ihr Urteil ab­zugeben. Wir akzeptieren grundsätzlich keine Ausgaben ohne Deckung. Aus Ver­mögens- und Erbschaftssteuer kann man die etwa notwendigen Mittel schaffen. In den jüngsten Balkanwirren haben wir gesehen, daß der Weltfrieden nur erhalten blieb, weil wir unser scharfes Schwert in die Wagschale wer­fen konnten. Wie leicht kann die zarte Pflanze, die

in der Potsdamer Entrevue gepflanzt wurde, wieder vernichtet werden. Auch die Revancheidee kann wieder aufflam­men. Für alle diese Eventualitäten müssen wir ein starkes Heer haben. Der Friede der Welt beruht auf den deutschen Bajonetten. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Wiemer (Vpt.): Die Söhne beS Lon­des müssen die besten Kanonen und die besten ; Gewehre haben. Von einem näheren Anschluß . der Sozialdemokratie an die bürgerliche Linke : ist mir nichts bekannt. Darüber hat die So- i zialdemokratie zu entscheiden, ob sie sich mt«

Ja . . . Lorchen, das süße Ding, daS von den fünf Knaben mit Jubel begrüßt wurse, hatte der Mutter beinahe daS Leben gekostet.

Schon streifte sie der Tod mit grauem Fit­tich .. . aber sie raffte sich noch einmal empor, und nahm schleppenden Schrittes ihre Pflich­ten auf. Dann fühlte sie, daß es „da brinr.cn" nicht mehr wie sonst war .. . Stiche . .. Atem­not . . . und eine überwältigende Mattigkeit, die stärker wurde, je tapferer sie dagegen kämpfte. .

„Lungenspitzen-Katarrh!" hatte der Arzt gesagt. „Ist in den Anfängen zu beiten!" Hatte sie eS zu leicht genommen, sich zu sehr um die Pflege des Jüngsten gemüht? Oder war es noch etwas .. . daS an ihrer Kraft zehrte? ,,.

Das Leiden wuchs.

Gerade damals bemühte sich ihr Mann um den Posten eines Erporteurs. Zwar hatte er sich als Provinzreisender sehr gut gestand-n, aber eS kam ihm prötzlick zum Bewußtsein, daß seine Sprachkenntniffe und seine ungewöhnliche Routine ihn auch zi» dem Auslandsposten be­fähigten.

Mußte er nun auch monatelang seinem Hause fernbleiben . . . darüber schien er letzt leichter hinwegzukommen . . . und die krän­kelnde Frau hatte in der Vorortvilla alles, was sie brauchte, reine Luft, Licht, Sonne.

Das Geben ist ihr längst eine Qual. Sie sitzt niemals müßig, denn die flinken Hände finden stets Arbeit. Aber wenn die Augcn- blickssckwäche sie übermannt und ihr fast bas Bewußtsein raubt, lehnt sie sich in den altmo­dischen Stuhl zurück, der mit weichen Kiffen gepolstert ist, und blickt schwermütig über die weiten Felder, die jetzt der Schnee deckt.

Lustiges Leben blüht dort unten. „Paß auf, Mutti, wie wir vom Berg herunterjagen! Sie mal untere famosen Schleuderbogen," ru­fen sie und klatschen in die Hände, während sie leicht mit dem Finger droht: „Nicht so wild Kinder!" ,

Alle fünf auf dem kleinen Schlrtten hok- kend, die Mützen schwenkend, sausen sie von der Anhöhe hinab: „Glück auf! Glück auf!" Es find ihre Jungen ... die kräftigsten und schön­sten von her Kinderschar dort unten, prächtig gewachsen, frisch und rotwangig.

Sie sieht ihnen zu, bis es dämmert. Dann denkt sie . .. still ergeben in ihr Schicksal: „Der Winter mutz ja bald weichen. Unb wenn die

Sie Parlamente.

„Militär-Premiere" im Reichstag.

(Von unserem parlamentarischen Mitarbeiter.)

Die Herren von Heer unb Marine haben im Reichstage Glück. Herr von Trrpitz er­hielt ein glänzendes Vertrauensvotum, und ebenso schneidet Herr von H e er in ge n recht gut ab. Der Zentrumsredner Speck betonte gestern die Notwendigkeit der Heeresverstarkung unb hatte im übrigen nur einige bayrische Spe- -ialwünsche in Erinnerung zu bringen. Htn- hchtlich der Abrüstung hat Redner wenig Hoff­nung Eine Unterbrechung fand die Reihe der justimmenden Redner durch den Genoffen Studien, dessen Partei die Vorlage „aus prinzipiellen Gründen" ablehnt. Umso inten­siver trat der nationalliberale Führer Bas­se r m a n n für die HeereSvorlage ein, der be­tonte daß Deutschlands Rüstung notwendig sei: Der' Friede der Welt beruhe auf unseren Ba­jonetten" Auch die Fortschrittspartei stimmt der Vorlage zu, allerdings nicht (wie Herr Wiemer betonte) „in Hurrastimmung". Der Redner wünscht eine Verminderung der Ka­vallerie von der aber der später antwortende Kriegsminister nichts wissen will. Diese Baffe könne speziell für den Aufklärungsdienst niemals entbehrt werden, denn ihre Arbeit könnten Suftschiffe niemals leisten. Im übrigen (hebt der Minister hervor): „Die Militärvor­lage bringt nur das, waS im Rahmen der fi­nanziellen Möglichkeit geleistet wer­den tarnt! Mit den Genossen rechnete, tote tm- jner, General Siebert ab, der Vorsitzende des vielgehaßten Reichsverbandes, ebenso der kon­servative P u t l i tz, der unter anderem noch be­merkte daß die Abrüstung in die Rumpelkam­mer gehöre. Nachdem der Pole K o r f a n t y das übliche „Nein" abgegeben Jatte, trat auch Herr Liebermann von Sonnenberg empfehlend für die Vorlage ein, während ihn Wiederum der sozialistische Sachverständige N o s k e ablöste, der sich Herrn von Siebert vor­nahm und sich einen Ordnungsruf in feiner Po­lemik zuzog. Seine Ausführungen zur Sache klangen in ein ausgedehntes Pläidoher für bie Friedens- und Abrüstungsidee aus. Im allge­meinen darf man also fagen, daß auch Herrn von Heermgen die Sonne des Glücks freundlich lächelt; denn, daß die Kritik beS Parlaments an der HeereSvorlage noch irgenb etwas „ab- Inabbern" wirb, erscheint so gut tote cmsge-

Armee und Parlament.

Reichstags-Sitzung vom 23. Februar.

Am Tische des Bundesrats: Freiherr von fgeringen. Auf der Tagesordnung steht ie HeereSvorlage. Der Beratung des Mitt- täretatS geht dieQüinquennatsvorlage voraus. Berichterstatter ist Abgeordneter von Byern (kons.). . , ... ,

Abg. Speck (Ztr.): Dte Vorlage ist not­wendig, um die Schlagfertigkeit der Armee aufrecht zu erhalten. Selbst die Soztaldemo- kraten haben das anerkannt. Die vertrauli^en Erklärungen in der Kommission über dte aus­wärtige Sage und die Formationen anderer Staaten haben uns überzeugt, daß wir

auf alle Fälle gerüstet sein

Müssen. Wir drängen die Heeresverwaltung nicht, sie wird schon daS Nötige anforbetn. Die Kritik in bei Fachpresse, baß totr bu Schlagfertigkeit des Heeres nicht ausreicheno

Wickeln will. Wir werden für bie Vor­lage stimmen, wenn auch nicht in Hurrastlin- mung. Für die Zukunft binden totr uns nicht. Wir fürchten freilich finanzielle © $tot e- rigkei ten für bie nächsten Jahre. Heden- alls bürfen bie Veteranen nicht,zu .urz kommen. Etwaige Vorschläge über Emsch-on- kung der Rüstungen sollten jedenfalls ntcyt *u4l sichelnd abgelehnt werden. Wir stimmen auch den Resolutionen zu, verlangen aber auch eine Beseitigung der unberechtigten

Zurücksetzungen und Bevorzugungen.

Abg. Gans Edler zu Putlitz (kons.): Auch wir Deutsche müssen uns die technischen yon- chritte zunutze machen. Wir vertrauen dem Kriegsminister, daß er bie Höhe ber Forde­rung so eingerichtet hat, daß unser Heer stets in Ehren bestehen tarnt. Die Abrüstung gehört in die alte Rumpelkammer.

Abg. Siebert (Rp.): Die Vorlage ist ein Ereignis, das auch im Auslande Eindruck macht. Das richtige Maß ist allerdings ein« gehalten. Gegenüber den dunklen Machinati­onen der Umsturzpartei wäre die strenge Durchführung der allgemeinen Wehrpflicht sicher gut.DieSozialdemokraten beschimpfen und beschmutzen unser Herr. (Die Sozialdemokraten rufen: Schwindel, Un­wahrheit!) (Von rechts wird Pfui geru­fen!) Präsident Graf Schwerin rügt bie Zwi­schenrufe der Sozialdemokraten. Sic wollen den Soldaten daS Vaterland verekeln, daS wer­den wir nicht dulden.

Kriegsminister von Hecringen: Mit der Aufnahme, die die Militärvorlagc bei allen nationalen Parteien gefunden hat, kann daS deutsche Volk zufrieden fein.

Ein schlagfertiges Heer

ist für die Machtstellung Deutschlands eine u n - bedingte Notwendigkeit. Die Mili­tärverwaltung bringt das. was im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeit von uns ge­leistet werden kann. Eine Verringerung der Kavallerie infolge der Luftschiffe kann ernstlich nicht in Frage kommen. Die Verhinderung der feindlichen Aufklärungsarbeit können die Lust- fchiffe nie leisten. Sollen wir bei Nebel oder Wind zum Feinde sagen: Heute geht'S nicht, heute spielen wir nicht mit? (Heiterkeit.) Die Kosten für das Heer betragen nur 15^ Pro­zent ber Gesamtausgaben, ein günstiges Ver­hältnis besonders im Vergleich zu Frankreich. Die Ausgaben für die deutsche Wehrmacht sind eine Art Versicherungsprämie. Ein unglücklicher Krieg würde heute fünfzig Milliarden kosten. Von den Aufwen­dungen für das Heer gehen nur 1% Millionen Mark in bas Auslanb, alles andere bleibt dem deutschen Volke erhalten. Das deutsche Heer ist also gewissermaßen nur ein Durchgangsposten, (Heiterkeit), er bringt Gesundheit inS Volk. Wir bringen

Treue, Gehorsam und Vaterlandsliebe

inS Volk und stärken die geistige Spannkraft und Energie. Die großen Fortschritte Deutfch- lands auf allen Gebieten danken wir der allge­meinen Wehrmacht. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Korfanty (Pole): Wir l e h n e n b i e Vorlage ab. Von Rußlanb, Englanb unb Frankreich haben wir nichts zu befürchten. Auf das Versicherungsgeschäft beS Kriegsministers lassen wir uns nicht ein.

Abg. Liebermann von Sonnenberg (Wirt- schaftl. Vgg.): Die Vorlage ist ein K o m p r o - miß zwischen Kriegsministerium und Reichs- . schatzamt, ein glückliches Kompromiß. (Abg.

Ledebour ruft: Also lehnen Sie ab!) Seien Sie doch nicht so ungeduldig, Sie sind doch i nicht mehr fo jung! Es scheint ein Zwist : zwischen KriegSmini st erium und ; S ch a tz a m t zu bestehen. Die Nationallibe- - raten haben in der Kommission förmlich nach . neuen Ausgaben gelechzt.

Das Reich der Eisenbahn.

Abgeordnetenhaus - Sitzung vom 23. Februar.

Auch am Donnerstag ging es im Abge- orbnetenbauS noch immer um das Wohl und Wehe der kleinern Beamten und Arb-iter: Man merkt, daß bie Wahlen be­vorstehen. Zwar weist jede Partei es weit von sich, nur aus Gründen der Parteitaktik dabei zu bandeln, aber... die Auguren lächeln. We­sentliche neue Momente brachte die Debatte am Donnerstag nicht: Einmal wurde wieder» holt dem Minister bedeutet, daß eS „verdammte Pflicht und Schuldigkeit der Abgeordneten" fei, sich über die Wünsche der Eisenbahner zu in» formieren; auf der anderen Seite rechnete der christliche Arbeiterführer GieSberts vom Zentrum mit dem Genossen Leinert ab. dem er unter die Nase rieb, daß er (GieSberts) mit sei­nen Parteifreunden Beyer und GronowSki ;ah« relang in Eisenbahnwerkstätten gearbeitet habe, während Herrn Leinert diese praktische Erfahrung fehle, sonst würde er anders reden. Die Worte GieSberts waren wohlgefällig ttt den Augen deS Herrn Ministers, der begreif­licherweise noch mehr solcher Arbeitervertreter wünschte. Endlich kam man mit diesem Kapitel zum Schluß unter Annahme eines nationalli­beralen Antrages auf Gleichstellung der Batznassistcnten in. Preußen und i m R e i ch. Im weitern Verlauf der Bera­tung red-Hctc der Konservative vonPappen- b e t m den Hessen vor, welch reiche Einnahmen sie durch ihre Beteiligung an der Eisenbahnge- meintoaft hätten, ohne auch nur einen Finger zu rühren. In Geldsachen höre aber die Ge- mütilchkeit auf. und die Konservativen seien sü derartige BetriebSgemeinschasten nicht mehr zu haben. Der Minister gab zu, daß Hessen bei dem Vertrage sehr gut weggekommen sei. Beim Titel „Einmalige und außerordentliche Aus­gaben" regnete eS Lokalwünsche, aber man er­ledigte trotzdem den ganzen Eisenbahnetat. Am Freitag stehen kleinere Vorlagen auf der Tagesordnung. Das Herrenhaus ging am Donnerstag wieder bis Ende März in die Ferien: Die drei BeratungStage hatten die Herren offenbar sehr angestrengt. Man erle­digte gestern die bannoverfche Sanbgemeinbe- orbnung sowie eine Reihe kleiner Sächelchen.

Maiensonnenschein! Eine Fülle von Licht unb Dust unb Wärme waltet über den stillen Wegen deS Friedhofes. ^>änbe ber Liebe schmücken ein frisch aufgeschuttetes Grab, lok- kern bie feste Erbkrustc unb pflanzen weiße Primeln unb bunte Tausendschönchen ein.

So emsig sind sie bei der Arbeit... bie fünf Knaben . . . baß sie kein Wort sprechen. Nur manchmal wischt einer mit bem Rockärmel über bie Augen.

Jetzt tritt ber Aelteste zur Seite, klammert sich an einen Baum fest unb preßt bas Gesicht schluchzenb gegen bie harte Rinbc. Wenn er boch allein wäre . . . stöhnen . . . fchrcicn bürste!

Nun klopfen bie anderen den Sand von den Händen und treten ein wenig zurück, um ihr Werk zu betrachten. Dann zieht der eine, darauf der andere baS Taschentuch hervor, unb brückt sich mit seinen Tränen beiseite.

Tenn Klein-Rubi soll'S nicht sehen!

Der aber hat sein Blonbköpfchen achtlos auf bie jungen Pflanzen gelegt unb guckt nach- benklich in die Sonne, die fo hell auf Mamas Hügel scheint, und flüstert dann geheimnisvoll in bie Erdschollen hinein: „Warum kommst bu nicht, Mutti? Es ist doch Frühling ge­worden . . .!*

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Abg. Roske (Soz.) erwidert auf die Aus- führungen deS Abgeordneten v. Lieber!: Wenn Herr Siebert hier Zitate über die Sozialdemo­kraten vorbringt, fo muß man sich bet ihm mehr als bei jedem andern fragen, ob von dem, was er vorbringt, der größere Test oder auch nur ein Wort wahr ist. (Särmende Zustim­mung der Soz.) Herr v. Siebert hat außerhalb beS Hauses bireft unb bewußt

bie Unwahrheit über bie Sozialdemokratie gesagt. (Präsident Graf Schwerin rüst den Redner zur Ordnung.) Redner halt bann eine FricbenS- unb Abrüstungsrede.

ReichSschatzsckretär Wermuth erklärt, daß die Anforderungen aus der neuen Vorlage in baS Finanzprogramm der nächsten Zeit ausge­nommen seien und daß das Reichsschatzamt fest entschlossen fei, sich dabei auf die jetzt bestehen­den Deckungen zu stützen und keine neuen Steuern zu erheben. Nichts liegt mir ferner, als die Finanzlage im rosigen Sichte er­scheinen zu lassen. Der Schatzsekretär wieder­holt dann feine Erklärungen äuS der Budget­kommission, fügt aber jetzt ausdrücklich unter großer Heiterkeit beS HauseS ein „Aber" hin­zu. Wir wollen nicht eine obe ober negierenbe Sparsamkeit, fonbern eine kraftvolle, ziclbewußte am richtigen Platze.

Damit schließt bie Aussprache, unb cS fol­gen persönliche Bemerkungen. Die Abstim­mung über ben Paragraphen 1, bie namentlich sein wirb, wirb am Freitag erfolgen. Die übri­gen Paragraphen ber Vorlage unb bie bazu gestellten Resolutionen werden angenommen. Am Freitag wird die Beratung fortgesetzt.

6smu6hot65tüi)lingtoethen.

Skizze, von Zoe.

.. . . . Ein mehrmaliger Aufenthalt tm Süden wäre ja allerdings das beste für Sie," hatte ber Arzt im Weggehen gesagt, „aber (ein Blick auf bie lustige Kinderschar) „was nicht zu ermöglichen ist . ; . dann wollen wir Sie mit aller Schonung überwintern und An­fang Mai . . . Krurnrnhübcl!"

Sie nickt und ist froh, daß er nicht auf sei­nem Willen besteht. Im Mai kann sie viel­leicht bie beiben Jüngsten mitnehmen, Rudi, ben Herzensju'igcn, und das zweijährige Lor- chen. Wollte man sie jetzt aus ihrem trauten Heim herausreißen . . . von den Kindern tren- nen . . . sie stürbe an Heimweh.

Die Stimmen werden leiser, als der Arzt durch baS Kinberzimmer geht.

Dann eilt es auf schweren unb leichten Sohlen zur Mutter hinein. „Was hat er ge­sagt. Mutti? Bist du nun halb gesund? D risst du mit uns spazieren gehen?"

„Im Frühling." lächelte sie, „wenn die Sonne scheint," und streichelt dem einen die Wange, dem anderen daS Haar aus der Stirn, bindet dem Baby das Bändchen fester . . und sie sind alle beruhigt, denn so heiter laaelt doch keine kranke Mama! ...

Nur ber Eirotze, der tm Dezember zwölf Fahre geworden, blickt sie mit einem Gemisch von Angst und Wehmut an. Schon längst lieht er daß Muttis Wangen schmaler werden, daß ihre Augen, die beim Husten so eigentümlich flackern, sich tiefer in die Höhlen legen. Oft hat er sie beobachtet, ohne datz sie cS wußte ... unb bann sind ihm bie Tränen gekommen.

„Geht nun, Jungen, unb tummelt Euch iu3. Marie hat ben Schlitten vom Bobcn ge­holt. Schön . . . Ihr könnt Klein-Rubi mtt- tiebmen, aber fetb vorsichtig mit ihm . . •• lang­sam den Abhang hinunter! Munb zu, wenn es gegen den Wind gebt! Du hattest kürzlich erst »ine Halsentzündung, Gerd, Du solltest lieber

. . Ein Hustenanfall, den sie gewaltsam be­kämpft, läßt sie innehalten und . . . Abschied winken. _ . , ..

Ach, Mutti, wenn Du doch die Schlitt­schuhe anschnallen unb im Park mit mir laufen könntest, wie bamals," sagt bet Große, hanb streichelnd! „Das war vor drei Jahreil. als totr bas Schwesterchen noch nicht hatten.