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Casseler Neueste Ralyriqre«

Sonnaocnv,. yrvruar 1911

ge­lbe Ge-

A Eine Flutwelle der Fulda. Eine Flut­welle der Fulda erreichte gestern das Casse­ler Gebiet. Das Wasser der Fulda stieg wäh­rend des Tages, erreichte in der N a ch t seinen Höhepunkt und fiel bis heute morgen um 24 Zentimeter, worauf ein Stillstand eintrat. Infolge anhaltender Niederschläge ist es jedoch nicht ausgeschlossen, daß abermals ein beträchtliches Steigen des Was­sers eintritt. Durch das einsetzende Hochwasser sind die Arbeiten zur Fuldaregulierung unliebsam unterbrochen worden, und haben gestern eingestellt werden müssen. Die Fuhr­leute machten sich sofort daran, ihre Wagen aus dem immer höher steigenden Wasser her­auszubringen, wozu es (da das Wasser be­reits die Achsen umspülte) mehrfacher Pferde­kräfte bedurfte. Sämtliche Ausschachtungen gleichen einem kleinen See, und es wird wohl eine längere Zeit dauern, bis die Arbeiten wieder voll und ganz ausgenommen werden können. Auch die Schiffahrt hat ein Ende genommen; sämtliche Nadeln haben sich von ihren Wehren trennen müssen, sodaß der kleine Strom freie Bahn hat.

A Die kommende Landwirtschaftliche Aus­stellung. Die im Sommer in Cassel stattfindende Landwirtschaftliche Ausstellung wird einen großen Fremdenzufluß nach Cassel bringen. In dieser,Voraussicht hat man zeitig die Organisation für die Vorarbeiten eingeleitet. Hauptsächlich war zu erwägen, wie und wo die vielen Fremden unterzu­bringen sein werden und auch die Le­bensmittelversorgung für die tau­ende von Fremden muß vorher geregelt wer­den. Die Erledigung dieser Fragen hatte man bekanntlich vor einiger Zeit dem Casseler Fremde nverkehrsverein übertragen, der zu diesem Zwecke einen Wohnungsaus­schuß für die Landwirtschaftliche Ausstellung unter dem Vorsitz des Stadtrats Stippich bil­dete. Dieser Wohnungsausschuß hat nun seine Arbeiten ausgenommen und der Vorsitzende wird in der am Freitag, den 3. März, abends

Uhr im Kausmannshause stattfindenden Hauptversammlung des Fremdenverkehrsver­eins über das bisherige Ergebnis der Vor­arbeiten Bericht erstatten. Ueber den Woh­nungsnachweis wird Herr Verkehrsinspektor Weber berichten. Beide Vorträge beanspru­chen das besondere Interesse der Bürgerschaft und sollten alle als Lieferanten für die Aus- tellungsbesucher in Betracht kommenden Ge­schäftsleute und die Zimmervermieter die Ge­legenheit zur mündlichen Information nicht un­benutzt lassen und in der Versammlung erschei­nen.

A Aus dem Leben eines Abenteurers. Ernst R. war von Hause aus Kutscher und stammte aus Braunschweig, hatte aber >erhältnismäßig wenig Gelegenheit, seinem Berufe nachzugehen, weil er infolge Konflikts mit dem Gesetz lange Zeiten hinter Zuchthaus­mauern zubringen mußte. Im November des vergangenen Jahres war R .wieder einmal aus dem Zuchthaus Wehlheiden entlassen worden und mit Wonne sog er die Luft in der Freiheit ein. Um sich Geld zu verschaffen, suchte er die Tochter eines Fabrikarbeiters auf (den er im Zuchthaus kennen gelernt hatte) und stellte sich alsB ureauvorsteher eines hiesigen Rechtsanwalts vor, der einen Kostenvor- chuß einkassieren müsse, der für die bevor- tehende Entlassung des Fabrikarbeiters aus dem Zuchthaus notwendig würde. Das Mäd­chen gab demBureauvorsteher" denn auch 29,30 Mark und mußte nur zu bald erfahren, daß es einem Schwindler in die Hände ge- allen war. Alsdann mietete sich R. bei einer Witwe in der Hohenzollernstraße als Patent­anwalt und Ingenieur ein, engagierte sich eine Schreibmaschinendame (von der er aber eine ' Kaution nicht erreichen konnte) und verschwand nach einigen Tagen wieder. -Tas Evangelische 1 Vereinshaus beherbergte für einige Tage den ' Abenteurer, aus dem er auch bei Nacht und Nebel unter Zurücklassung der Schulden flüch- i tete. Jetzt fand R. als Chauffeur Stellung bei

Währung von Land an Arme erzielten Erfolge, wurde im Jahre 1907 in Straßburg (Elsaß) damit begonnen, Gemeindeländereien in der Größe von etwa dreihundert Quadrat­metern zur Nutzung an ortsarme kinder­reiche Familien abzugeben. Die überaus günstigen Erfolge und die lebhafte Nachfrage veranlaßten dann die Stadt, auf diesem Ge­biete immer weiter vorzugehen, so daß jetzt hundertfünfzehn Parzellen an unterstützungs­bedürftige Familien abgegeben werden können. Fast gleichzeitig mit Straßburg ging Posen (seit 1908) in dieser Richtung vor und erzielte

Letzte Telegramme.

(Nach Schluss der Redaktion eingegangen.)

neuen Schlafgenosscn in der Person des H a u s b u r s ch e n. Als dieser eines Nachts allein in dem gemeinsamen Schlasraum war, entwendete er den Gesellen einen Ueberzieher einen Anzug, eine silberne Uhr nebst Kette, so­wie bares. Geld, und flüchtete nach Frankfur am Main, wo seine Verhaftung alsbald er­folgen konnte. Die Strafkammer verurteilt« den Dieb heute zu neun Monaten Ge­fängnis.

A Aus Cassels Theatern. Im H o f t h e a- ter gelangt heute abend WagnersSieg­fried" zur Aufführung. In der Rollenbesct- zung ist. eine Aenderung eingetreten, da Frau R i l b a (die den Waldvogel singen sollte) er­krankt ist. Ihre Rolle ist von F.r a u von Knorr-Jungk übernommen worden. Fm Sonntag nachmittag 2 Uhr zeigt das Hofthea­terAlt-Heidelberg" und für abends 6% Uhr Wagners OperTannhäuser" an Am Montag abend gehtDer Barbier von Se Villa" in Szene. Das Programm des Resi­denztheaters für Sonntag ist folgendes: Im Stadtpark abends 8% UhrDie Lieder des Musikanten"; im Residenz-Theater abends 8% Uhr: Bunter Abend mit an­schließendem Ball.

Var Neueste aus Kassel.

3m Zeichen der Humanität.

Land als Armen-Unterstützung?

Von geschätzter Seite wird uns schrieben: Angeregt durch die in Frankreich sonders in Nancy und Sedan) mit der

Weisen von Jaßnaja Poljana zu beten. Einer dieser Anhänger von Tolstois Lehren streut all­abendlich eine Handvoll Getreidekörner aus das Grab; wenn dann am Morgen die Sonne em­porsteigt, flattern von allen Seiten die Vögel herbei, um von Tolstois Grab ihr Futter zu holen. Den ganzen Tag bleiben sie dann in der Nähe und von allen Bäumen tönt das Ge­zwitscher dieser gefiederten Totenwächter. Schon spinnt der Aberglaube des Volkes seinen Legendenkranz um die stille Stätte. Man will am Abend, nach Eintritt der Dunkelheit, oft nne schwarzverschleierte Frau gesehen haben, oie am Grabe niederkniete und betete. Und das märchenhungrige Volk raunt sich zu, daß dies eine Verehrerin des großen Weisen sei, eine Dame aus der höchsten russischen Gesell­schaft, die ihren Schmerz um den Toten nicht öffentlich bekunden dürfe, und nun im nächt­lichen Dunkel sich herbeischleiche, um an dem Grabe des großen Dichters zu weinen . . .

Ein Dorfmuseum in Hermannsburg. Tiner uns zugehenden Meldung aus Her­mannsburg zufolge soll dort am ersten März das neue Museum, ein rich- !iges Dorfmuseum, eingeweibt werden, zu welchem Zweck ein altes Bauernhaus abge­brochen und neu errichtet worden ist. Neben »em Missionsmuseum, das im alten Gebäude bleibt, wird dies neue Museum alle auf die Entwicklung Hermannsburgs bezüglichen Al­tertümer beherbergen. 1

As Kleine Chronik. Karl Schönhcrrs Tra­gödieGlaube und Heimat", die gegen­wärtig vom hiesigen Residenztheater aufgefübrt wird, ist in Buchform (gediegen ansgestattet) im Verlag von L- Staackmann -Leipzig er­schienen. Melchior Lengyels (der Autor des auch in Cassel vielgegebencn StückesTaifun") neues SchauspielDer Prophet" kommt gegen Ende dieser Wockc in Budapest in ungarischer Sprache zur Auffüh ning. Anna Iudic, die bekannte Pa­riser Soubrette, ist in Paris schwer erkrankt. Die Künstlerin leidet an Atemnot mit hefttgcn Erstickungsanfällen. Aus New Orleans meldet uns ein Telegramm: Auf Einladung der "äilain-Univcrsirät hielt der deutsche A u s- 'anschprofessor Dännel unter großem leifakl der Zuhörer feinen Vortrag über die IPfattoattiMif Lage Europas und DeutschlandL

den geriebenen und rückfälligen Schwindler zu zwei Jahren Zuchthaus und fünf Jah­ren Ehrverlust.

AEs lag kein Wassermangel vor." In den Berichten über den Brand bei Schmidt und Keerl ist darauf hingewiesen worden, daß die Feuerwehr mit Wassermangel zu kämpfen gehabt hätte und ocr Truck nur ungk- nügcnd gewesen sei. Dies nahm in der gest­rigen Sitzung der Stadtverordnetenversamm- lung der Stadtverordnete Wieder zum An­laß, eine Anfrage an den Magistrat zu richten. Bürgermeister Io ch m u s beantwortete diese sofort, indem er ausführte:

Ich habe heute früh mit dem Branddi­rektor darüber gesprochen. Der Branddirek­tor stellt entschieden in Abrede, daß ein Wassermangel vorgelegen habe. Wasser wäre reichlich vorhanden gewesen. Wenn man aber mit drei Dampfspritzen arbeite, sei es selbstverständlich, daß der Druck bis- auf das äußerste ausgenutzt würde und für einige Zeit die umliegenden Anwohner kein Wasser haben konnten. Wäre wirklich Wassermangel eingetreten, fo hätte man die kleine Fulda öffnen können, und man hätte wieder neues Wasser gehabt.

. .Der Bürgermeister fügte hinzu, daß gegen­teilige Berichte unzutreffend seien, er nahm aber leider keine Veranlassung, auf die von den Anliegern im Vudviertel geäußerten Klagen einzugeben, daß das Wasser aus der Leitung am Tage nach dem Brande schmutzig-gelb gewesen ist. Bekannt mußte diese Tatsache dem Bür­germeister dock, r-in. Viell-icht äußerte er sich in der heutigen Sitzung darüber.

A Einedles Freundepaar". Der Kauf­mann Paul G. aus Leipzig, und der stel­lenlose Bürogehilfe Carl Schn, aus Essen lernten sich in Hamburg kennen und be­trieben nun gemeinschaftlich umfangreiche Schwindeleien. So schlugen sie im Juli vorigen Jahres ihr Arbeitszelt auch für einige Tage in Cassel auf und mieteten sich unter falschen Namen in hiesigen Hotels ein. Die Briefbogen mit gedrucktem Kopf dieser Gasthäuser benutzten sie unter Fälschung der Unterschrift des jeweiligen Eigentümers zur Erlangung von Waren-Auswahlsendungen hie­siger Optiker und Waffenhändler. Die auf diese Weise erlangten Feldstecher und Browning- pistolen wurden bei Althändlernversilbert" und mit dem erzielten Erlös gute Tage gelebt, von hier zogen die Gauner nach Hannover, wo ihre Verhaftung erfolgte. Die Strafkammer, vor der sich heute die beidenFreunde" zu ver­antworten hatten, erkannte auf Zusatzstrafen von zehn bezw. sechs Monaten Gefäng­nis.

A Des Lebens müde. Eine mit ihrem Bruder zusammenlebende Dame der Ge­sellschaft hat sich heute vormittag in ihrer in der Kölnischen Straße belrgenen Wohnung zu vergiften versucht. Der Selbki- mordversuch wurde jedoch sofort bemerkt und ein herbeigerufener Arzt pumpte den Magen der Dame aus, sodaß sie dem Leben er­holten werden konnte. Das Motiv der Tat soll in Zwistigkeiten zu suchen sein.

A DieVisitenkarte des Pennbruders". In einer leerstehenden Wohnung eines Hauses an der Gneisenaustraße fand der - Be­sitzer eines Morgens eine . . . Schnapsflasche vor, die einPennbruder" zurückgelassen hatte Der Hausbesitzer stellte fest, daß ein Fremder durch ein Fenster eingedrungen war, und in der Wohnung sein Nachtlager aufgeschlagen hatte. Seinen Ausweg hat der Obdachlose Pater durch die Tür genommen, die er von innen öffnen konnte. Um solchesvorüber­gehendes" Bewobnen von leerstehenden Woh­nungen zu vermeiden, wird man gut tun, alle Fenster fest verschlossen m halten.

A Ter Galizier mit dem Messer. Der beim Bahnbau beschäftigte Galizier Franz E. kam am Abend des 14. vorigen Monats mit einigen seiner Landsleute in eine Wirtschaft in Corbach und suchte mit den deutschen G ä - t e n Streit. Von dem Wirt wurde E. deshalb vor die Türe gesetzt, worüber der Galizier derart in Wut geriet, daß er m i t g e z ü ck t e m Messer wieder in die Gaststube herein- türmte, blindlings um sich stach und dabei den Wirt und einige Gäste leicht verletzte. Wegen dieser Körperverletzungen hatte sich der seit Mitte vorigen Monats in Untersuchungshaft befindliche E. heute vor der Strafkammer zu verantworten, die ihn im Hinblick auf die Gemeingefährlichkeit seiner Handlungsweise zu einem Jahre Gefängnis verurteilte.

A Wenn die Rot am größten. . . Im Anschluß an ein unter dieser Spitzmarke ver­öffentlichtesEingesandt" teilten wir gestern die uns übermittelte Zuschrift eines angesehe­nen Mitbürgers mit, der die Rot der in der Fliegengasse?, iTr., wohnenden Familie L. H. bestätigte und besonders die Armen-Di- rektion auf die Bedürftigen aufmerksam machte. Von der Armen-Direktion wird uns nun heute gescbrieben:Die Ehefrau H. befand sich vom 30. Mai 1910 bis 4. Februar 1911 auf Armenkosten in der Landesheilanstalt Marburg, von wo der Ehemann sie unge­heilt abholte. Im Interesse der Kranken batte es gelegen, wenn sie bis auf weiteres in der Anstalt verblieben wäre. H. hat nach Rück­kehr seiner Frau die Armenpflege n i ch t in An­spruch genommen. H. bezieht übriaens auch eme monatliche Invalidenrente in Höhe von 15 Mark 10 Pfennigen."

Der Hansabund.

(Eigene Drahtmeldung.)

Wie uns aus Berlin depeschiert wird, trat dort heute vormittag im großen Saal des Langenbcck-Hauses der Gcsamtausschuß des H a n s a b u n d c s zu einer zweiten Tagung zusammen. Auf zehn Uhr war der Beginn der Tagesordnung angesctzt. Aber schon einige Zeit vorher war der Sitzungssaal saft ganz besetzt. Wenige Minuten nach zehn Uhr eröffnete der Präsident die Sitzung, und brachte das K a i s c r h o ch aus, in das die Versammelten begeistert einstimmten. Ueber die Ziele des Bundes referierte der zweite Präsident des Hansabundes, Landrat a. D. R o e t t g e r, in längerer Rede. Präsident Richter teilte sodann mit, daß das Direktorium gestern beschlossen habe, im Laufe der nächsten Zeit nach Berlin den ersten allgemeinen deutschen Handelstag einzuberufen. Der Ernst der Zeit (führte der Präsident aus) hat uns dazu veranlaßt. Ich bin überzeugt, daß diese Versammlung getragen sein wird von demselben Geist der Einmütigkeit, wie die Verhandlungen vom 12. Januar 1909, von einem bewußten Ernst, wie ihn der Kauf­mann hat und haben muß, und auch von ov- ferwilliger Begeisterung für unsere Sache.

Eine neue Katastrophe?

(Eigene Drahtmeldung.)

Aus Brüssel wird uns depeschiert: Der Gouverneur der Kongokolonie berichtet über ein starkes Erdbeben, das von Dar-es- Salaam bis zum Tanganjika verspürt wurde und das erheblichen Schaden, insbesondere in der Kongostation Baudoninville, angerichtet haben soll. Nähere Mitteilungen fehlen noch. Man befürchtet den Verlust zahlreicher Menschenleben.

A Der Fünfzehnjährige alsSportsman". Ein jugendlicher Fahrradd i e b stand beute in der Person des 15jährigen Arbeiters Wil­helm W. von hier vor der Strafkammer. Er batte in Erfahrung gebracht, daß der im glei­chen Hause wohnhafte Maurermeister A. in der Bodenkammer ein Fahrrad aufbewahrte, und so faßte er den Entschluß, sich in den Besitz dieses Stahlrosses zu setzen. Er erbrach die Bodenkammer, nabm das Rad und fuhr darauf m dem schönen Auepark umher, bis ihn die Von,ei als Dieb ermittelt hatte .Das offene Geständnis des Angeklagten:er habe nur gern einmal Rad fahren und das Rad alsdann sei­nem Eigentümer zurückbrinqen wollen," be- timmte das Gericht zur Milde, und so kam der unge Mann mit einem Monat Gefäna- n i s davon.

ebenfalls sehr guten Erfolg. Neuerdings folgt auch Frankfurt (Main) diesen Beispielen.

Nur wenig dürfte es bekannt sein, daß bie geschilderte Art der Armenpflege in Cassel schon seit langer Zeit besteht, dank der hochherzigen Stiftung eines unserer frühe­ren Mitbürger. Am 2. Oktober 1853 stiftete der inzwischen verstorbene Rittergutsbesitzer Hans Wilhelm Jäckel der Stadt Cassel den Betrag von 3000 Talern zum Ankauf von Land, zwecks Usoerweisung an unbemittelte Familien, unter vorzugsweiser Berücksichtigung solcher, die mit Kindern reich gesegnet sind. Das Geld gelangte 1855 zur Auszahlung und es wurde alsbald Gelände gekauft, das den Armen zur Nutzung überwiesen wurde. Aus dieser Stiftung sind gegenwärtig vorhanden: ein Grundstück am Goldberg. 23,158 Qua­dratmeter groß, eingeteilt in 52 Parzellen, und ein Grundstück am Rotenberge, 9498 Quadrameter groß, eingeteilt in 27 Parzellen. Jede Parzelle umfaßt also im Durchschnittt etwas über 400 Quadratmeter,

Durch die Gewährung von Land zur Nutzung wird den bedürftigen Familien eine große Wahltat erwiesen, die den Vorteil der Gewährung von Geldunterstützungen sehr über- wiegt. Ist es doch den Familien auf diese Weise möglich, sich einen wesentlichen Teil der Lebensbedürfnisse selbst, zu ziehen. Daneben ist der wohltätige Einfluß der Feldarbeit auf die Gesundheit nicht zu unterschätzen. Auch hier in Cassel sind mit dieser Art der Armenpflege so gute Erfahrungen gemacht worden, und die Nachfrage nach Parzellen hat Orfi so gesteigert, daß die Armendirektion wei­teres Gelände gepachtet hat, das rund 22.740 Quadratmeter groß ist und teils in der Feld­mark Wehlheiden, teils vor dem Leipzigertor liegt. Es können also weitere 57 Parzellen am 1. Oktober 1911 und vom 1. April 1912 ab an bedürftige Familien abaegeben werden, so daß dann 136 Familien die Wohltat der Aus­nutzung von Land genießen können. -m-

MMeMinM mW 12 geilen.

Die Reichsland-Berfafsung.

Berlin, 24. Februar. (Telegramm unsers Korrespondenten.) Wie ich zuverlässig erfahre, finden gegenwärtig Ver­handlungen zwischen den Berliner Zentralstel­len und den Bundesregierungen darüber statt, inwieweit den Wünschen des Reichstages über den Rahmen der elsaß-lothringischen Ver­fassungsfrage hinaus entgegenge­kommen werden könne. Die Verhandlungen gestalten sich flcherm Vernehmen nach recht schwierig, und es ist voranszusehen, daß eine Entscheidung hierüber nicht sobald erfol- Die ungültige Landtagswahl.

Berlin, 24. Februar. (Spezialtc- l e g r a m m.) Die Wahlprüfungskommiffion des Abgeordnetenhauses beschloß in ihrer heutigen Sitzung, die Wahl des national- liberalen Abgeordneten Dr. Wendland für ungültig zu crklkäreir. Der Grund bet Ungültigkeitserklärung liegt in dem Eingrei­fen des Landrats in die Wahlbewegung.

Der rabiate Gatte.

Berlin, 24. Februar. (Spezialte­legramm.) Vor dem Schwurgericht steht heute der Gastwirt Gawolczik wegen Mordversuchs. Es handel; sich um ein Attentat, das der Angeklagte im Dezember vorigen Jahres in dem Saal des Gerichtsgc- bäudcs Neue Friedrichstraße begangen hat. Gawolczik führte ein sehr unglückliches Ehe- leben und lag mit seiner Frau in Scheidung. Bei einem Termin in der Neuen Friedrich­straße soll er, laut der Anklage, nach einer für ihn ungünstigen Vernehmung auf den am­tierenden Richter. Assessor Wiese, einen geladenen Revolver ange­schlagen haben.

November-Wahlen?

Breslau, 24. Februar. (Privatte­legramm.) Die sozialdemokratischeVolks- wacht' meldet: Einer der Hervorragendstert Führer der deutsch-konservativen

c.1' $er om ätzten Sonnabend feinen

Wahlkreis besuchte, machte den Führern seiner Organisation die vertrauliche Mittei - lung, daß der Termin der allgemeinen Rcichstagswahlen entgültig auf Montag, den 2 7. November festgesetzt worden seien, und spornte sie im Hinblick auf diese Tatsache zu reger Wahlarbeit an.

Nr. 71. 1. Jahrgang.__

der letzten Tage Hochwasser und überflutet stellenweise weite Uferstrecken.

2- Im Sturm getötet. Wie uns au- Bebra berichtet wird, wurde auf der Fahrt nach Eisenach ein Schaffner eines Eisen­bahnzuges vom Sturm a bg e w e h t und g e - tötet.

L- Die neueste Eifenbahnkatastrophe. Aus Düren meldet uns ein Spezialtele­gramm: Gestern nachmittag fuhr auf dem Gelände des hiesigen Bahnhofes eine Loko­motive mit Packwagen einem von Neuß kom­menden Güterzug in die Flanke. Die Maschine

des Güterzuges wurde schwer beschädigt drei Wagen zertrümmert. Der Verkehr wurde durch Umleitungen aufrecht erhalten. <

22 Die Genickstarre in der Kaserne. Aus Darmstadt wird uns gemeldet: In der Ka­serne des Feldartillerie-Regiments Nr. 25 sind gestern zwei Mann an G e ni ck st a r r c ähn­lichen Erscheinungen gestorben. Weitere Mannschaften sind erkrankt. Die Kaserne ist ab­gesperrt und alle V or s i ch t s m a ß r e g c I n sind getroffen worden.

22 Die Mordtat eines Neunjährigen. Einer Meldung aus Neapel zufolge geriet ,in neunjähriger Knabe, dem während des Spiels von einem Kameraden die Mütze ent­wendet worden war, hierüber in solche Aufre­gung, daß er ein Messer zog und den Kamera­den erstach. Die angesammelte Volksmenge drohte den jungen Mörder zu lynchen. Nur nach vieler Mühe gelang es den Polizisten, ihn in Sicherheit zu bringen.

2Z Feuer im Kino. Aus Rouen meldet uns ein Spezialtelegramm: Gestern abend brach in einem Kinematogra- phentheater während der Vorstellung in dem Dorfe Marchienne ein Brand aus; von hundertundzwanzig Personen, welche der Vorstellung beiwohnten, wurden dreißig ver­letzt; darunter mehrere schwer.

22 Der Zug des Unglücks. Nach einer Meldung aus M.o s k a u b.rach in der vergan­genen Nacht in einem von Arbeitern bewohn­ten Hause Feuer aus, das schnell um sich griff. Die Bewohner sprangen zu den Fen­stern hinaus, wobei acht Personen schwer und siebzehn leicht verletzt wurden. Unter den Trümmern des eingestürzten Hauses fand man fünf verkohlte Leichen.

SX Der Balkan im Schnee. Depeschen aus Konstantinopel zufolge ist ein Haus in Bittis unter der Schneelast zusammenge­brochen und hat 29 Personen un­ter sich begraben. Fünfzehn von ihnen wurden getötet. Arbeiter der Bagdadbahn gerieten bei Sonia unter eine Lawine. Ein Arbei­ter wurde tot herausgezogen, die anderen ge­rieten in so große Aufregung, daß sie die Bahnbeamten überfielen, die nur durch herbeieilende Truppen geschützt werden konnten.

Kasbah von den Franzosen besetzt?

Madrid, 24. Februar. (T e l e g r a m m.) DemCorreo cspagnol" zufolge geht in Me­li l l a das OkriW. daß zur Unterstütmug einer auf die Besetzung TazzaS abzielcnden Be­wegung der Franzosen eine Kolonne von 15 000 Mann (die vier Kolimeter südlich von Zeluan in der Richtung nach Tazza liegen) K a's bah besetzt habe.

dem auf der Flucht befindlichen Postdefrau­danten Goldschmidt, mit dem er im Automobil in der Welt umherreiste, bis ihn in Königs-! Wenn man Stblafgenossen hat... < berg i Pr. der Arm der Gerechtigkeit erreichte. Zwei Gesellen eines Metzqermeisters in der Die 6iefiae Strafkammer verurteilte LeuteiLoLenzollemÜraLc erhielten eines Taaes eincal