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Es klang wie ein

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(Fortsetzung folgt.)

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todblasses Gesichtchen, und Augen sahen ihn an.

.Ich liebe meine Frau!"

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Ein Ruf nach Hilfe vor

Die Trepven zu Heinz Werneburgks Atelier stieg Herta hinan. Wozu sie am verwicken-u

.Ich habe Ihre Antwort verstanden und nehme sie mit mir und das Wissen: Ich bin nickt vergeblich hier gewesen."

Sic war zur Tür hinübcrgegangen. Rieten sie seine Auacn zurück, wollten sie nicht neben lassen, sich festbalten? Roch einmal umfatzte ihr Blick den Mann der reglos nach ihr 6in« starrte, dann hatte sie hinter sich die Tür gc-

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_______ ____ ... sich selber.

Hertas Lippen spielte ein triumvhierendes 01:» aerlächeln. Langsam löste sie ihre Hände von seinen Schultern.

Abend die anstürmende Leidenschaft hinge­drängt, das hatte sich in den wache« Stunden der Nacht ihr zum unerschütterlichen Enstchluß gefestigt. Seiner Blindheit Binde wollte sie ihm lösen, und seiner Schwachheit wollte sie den Weckruf der Kraft bringen.

Sie stand droben vor der Tür, die sein Na­mensschild trug. Auch jetzt kein letztes Zaudern und Schwanken mehr. Mit fester Hand klopfte sie an. Von dttnnen kam ein Hereinruf. dem rasche Schritte nachklangen, die sich der Tur näherten. Bevor Heinz dieselbe erreicht, hatte Herta bereits geöffnet und trat über dte Schwelle.

Mitten im Schtttt swckte ihm der Fuß, wie ihm der Atem stockte. Dann ein Ruf fassungs­losen Unglaubens: »Herta — Sic!“

»Ja, ich komme zu Ihnen".

Sie war vollends in das Atelier eingetteten, stand vor ihm und sah ihm ins Gesicht — feind, selig, fast voller Hatz.

Was hatte er ihr wieder angetan in diesen letzten Stunden.

Heinz fand noch immer nicht die Form, sie zu begrüßen Seine in jäher Freude sich ihr entgeqenstteckenden Hände zuckten wieder zurück vor dem Ausdruck in ihren Zügen. Nein, sie kam nicht, um ihre Freundschaft zu bringen, wie er einen Augenblick lang gewähnt. Ganz anderes batte sie, die hochmütig Stolze, dazu gebracht, so alles vergessend aus freien Stücken ihn aufzusuchen.

.Ich meinte. Atelierbeluche wären nichts so Ueberraschendes für Sie.“

Feindlicher noch als zuvor ihr Blick, eis­kalt ihr Ton, er aber hatte plötzlich seine Hal­tung zurückgewonnen. Wollte sie. daß er ihr Kommen so nahm, wünschte sie Fragen zurück­zuweisen, seinem Ton ihr gegenüber die Richt­schnur zu geben? Die Sorte, die er nun sprach, klangen gewandt und unbefangen. Während es fortgesetzt in ihm fragte und grübelte: Was lag ihrem Hiersein wirflich zugrunde? — gav er sich den Anschein, als glaube er, daß sie ihm nur einen Atelierbesuch habe machen wollen, weil sie sich für seine Malerei interessiere, meinte, ihm selber werde es besonders wertvoll fein, ihr kunstverständiges Urteil, das er immer sehr hoch geschätzt, zu hören. Viel Besonderes sei freilich nicht hier zu fehen, ein paar Bilder habe er jüngst verkauft, was er hier ihr zeigen könne, feien meistens nur Skizzen, aber immer­hin, wenn sie sich der Mühe einer Besichtigung unterziehen wolle —

Sie unterbrach ihn mit keiner Silbe, trat, während er redete, zur Wand hinüber und Ve­gan« der Reihe nach die Skizzen zu betrachten. Immer gefpannter hing fein Blick an ihr, forfchte nach irgend einem Eindruck in ihren Zü­gen, laufchte auf irgend eine Aeußerung, die ihm dte Frage beantwortete: Warum hatte sie ihn ausgesucht? Doch ihr Gesicht war in Unbe­weglichkeit wie erftarrt. So stand sie nun vor seiner jüngsten Arbeit, dem angefangenen Bilde auf der Staffelei.

Auch jetzt noch kein Wort. Da lachte et, gestachelt von ihrem beharrlichen Stummfein, kurz auf:

»Es liegt eine vernichtende Kritik in Ihrem Schweigen/

Sie fagte noch immer nichts und in ihm be­gehrte es auf, als müsse er sich zur Wehr setzen gegen sie. Herausfordernd fah er sie an.

»Sie hatten immer den Mut der Wahrhett, warum tagen Sie nickt auch jetzt Ihre Meinung ehrlich heraus: .Das alles hier ist nickt der Farbe wert, die daran verschwendet ist.!“ ?’

»Das alles hier ist nicht der Farbe wert, Sie daran verschwendet ist/ Seine eigenen Worte, die auf ein Widerlegen warteten, sprach sie ihm nach und blickte ihm in die Augen dabei.

zum Dolmetsch gemacht? Er stand ihr gegen­über, als gält's einen Kampf auf Leben und Tod.

.Roch einmal, Herta, ich gestatte keinem, so von der Frau zu reden, die ich liebe/

.Das ist nicht wahr!" Wild klangen ihre Worte, fanatisch in ihrer eifernden Leidenschaft. .Ich glaube nicht an Ihre Liebe, Sie selber glauben nicht mehr daran. Nein, netn, glauben nicht länger daran. Und wenn Sie mit noch drohender Schweigen gebieten, und wenn Sie auf Ihre Liebe tausend Eide schwören, in Wahrheit glauben Sie doch nicht mehr da­ran ! Sehen Sie n:ich nur immer an wie einen Feind, ich frage nichts nach Ihrer Feindschaft, wenn ich Sie nur sehend mache. Ich will re­den, ich hab' mir mein Recht dazu teuer genug erkauft. Ich glaube nicht an Ihre Liebe! Blicken Sie auf Ihr Leben, was es war und was es geworden ist, blicken Sie in die Zukzmft hin­ein, wie es noch weiter werden wird, und wie­derholen Sie's noch einmal, daß Sie diejenige noch immer lieben, die Schuld daran tragt, daß Sie alles verloren haben und sick felbst dazu/

.Ich liebe meine Frau und bitte Sie, diese Szene jetzt zu beenden, falls Sie mir nichts anderes mehr zu sagen haben/

Eine eisige Starrheit war über ihn gekom­men, aber das Flackern seiner Augen verriet, wie es unter der aufgezwungenen Kälte brannte und wühlte.

.Sie weisen mir die Tür, doch ich gehe nich'. Als ich hierher kam. da hatte ich mir's geschwo­ren: Ich gehe nicht eher wieder fort, als bis ick's weiß, ich hab' Sie wockgerüttelt. Und ich hab's ja schon getan, .ick sehe ja doch in Sie hinein, sehe, daß Sie sich nur noch gewaltsam festklammern an Ihrem Irrtum, aus verzwei­feltem Trotz, weil Sie's nicht vor sich und an­deren eingestehen wollen, daß Sie sich an ein wertloses Nichts verspielten. Ick habe ja doch dje Frau gesehen, die Sie zu lieben vorgeben, habe Sie selbst an ihrer Seite gesehen und hab' in Ihrer Seele gelesen. Sckwören Sie es mit zu, daß ich falfck gelesen habe. so. Auge in Auge schwören Sie's mir zu, und ich will Ih­nen glauben!“

Auf seinen Schultern lagen ihre Hände. ■ in seinen Blick hinein flammte der ihre, flammte die lodernde Fackel ihrer Siebe, die von sich die Hülle getogrfen hatte.

Er starrte sie an uno sah doch nicht eigent­lich Herta. Er sah sein Leben, wie es hätte sein können, wie es geworden wäre, wenn sie die Führung übernommen. Alles, was er tu jenem verlorenen Leben geliebt, woran sein Wesen gehangen, worin sein Sein gewurzelt, das borgte sich Hertas Gestalt, redete zu ihm mit ihrer Stimme. Der Druck ihrer Hände, ihr Atem, der heiß auf ihren Lippen bebte, gossen riefelndes Feuer in fein Blut, ein Wildes All- vergessen fchlng über ihm zusammen. Als wolle er gewaltsam Verlorenes sich zurückzwingen, so zuckten seine Arme empor, wollten Herta an sich reißen — und fielen ihm wie zerbrochen

Im zwei schöne Augen.

Roma« von H. A b t

(Nachdruck verboten.)

Der Wagen, der sie abholen sollte, war «och nicht wieder da. Zu Fuß eilte sie durch die stillen Tiergattenitratzen, kam auch durch jene, in der Heinz Werneburgk sein Atelier batte. Vor dem Hause blieb sie stehen und starrte hinaus. Alles war dunkel in den Ober­lichträumen im letzten Stock, aber mit grellem Schein sah sie vor sich die Helle des anderen Raumes, in dem zu dieser Stunde die andere faß, vielleicht auf feinem Schoß: feine Puppe, die er mit den Fetzen behing, die er mit fei­nem Manneswert und seiner Mannnesehre be­zahlte.

Zerbrechen die Puppe, mit diesen Hände» sie zerbrechens

Es war nickt bell in dem Raum, in dem Adele saß, und sie saß allein — hockte im Win­kel, wohin kaum ein Schimmer der verdunkel­ten Lampe sich stahl, und starrte in das Dunkel hinein — duckte furchtsam die Schultern ein und wußte nicht, wovor sie sich fürchtete, und fuhr empor mit einem Ausdruck ungläubiger Freude im Gesicht, als in bet toten Stille ihr Ohr von einem Hellen Klingelton getroffen wurde. War das nicht die Korridorglocke ge­wesen? Kam jemand, sie ;u besuchen — irgend jemand, mit dem sie sprechen konnte, der zu ihr sprach, anders als wir cs um sie her die Ein­samkeit raunte?

Von der Türklinke, die sie gefaßt hatte, glitt matt ihre Hand wieder herab. Es war ja nur Täuschung gewesen, das Klingeln ging sie nichts an. Auf der Straße hatte die elek- Irische Bahn das Zeichen gegeben. Wer auch sollte wohl zu ihr kommen, sie besuchen. Zn wem hätte sie selber gekonnt? Sie hatte ja keinen mehr auf der ganzen weiten Welt, kei­nen mehr außer dem einen, einzigen, der ein Unglücklicher geworden war um ihretwillen.

Nicht weinen! Sie weinte ja auch nicht, hatte so ein Entsetzen vor Tränen, seit sie in seinen Augen die brennenden Tropfen gesehen.

Den Schirm von der Tischlampe schob sie zurück, schraubte die Flamme höher, datz es hell wurde in den Ecken, in die hinein sich immer so ängstlich ihre Augen bohrten, als suchten sie bort nach den Gespenstern, die ihr nachschlichen auf Schritt und Tritt, die ohne Unterlaß flüsterten, fragten: Wie sollte es denn nun weiter werden, sein Leben und das ihre?

In der Stube begann sie hin und her zu gehen, trat auf die Schwelle feines Zimmers, und traute sich doch nicht hinein in den dunk­len Raum.

Wo er wohl heute abend war. Wo er all die Abende ber gewesen? In seinem Atelier oder dort bei denen, in deren Kreis sie nickt hineinpaßte? Wo et mit ihr zusammentraf, mit seiner einstigen Braut —, die er doch auch geküßt hatte, wie einer seine Braut küßt — und die beide daran denken mußten, wenn sie sich jetzt wiedersahen. —

Nun war sie doch drinnen in dem dunklen Raume, in dem noch sein Atem zu wehen schien, lag vor einem Sessel auf den Knien, hielt das Polster umflammert, als wäre er's felber, den fie hielt, nickt lassen wollte, den keine andere ihr

Jetzt fprang es feindselig aus den seinen auf fie ein, er stemmte sich ihr entgegen, lackte wieder, als könne ihre Wahrhaftigkeit ihm nichts anhaben.

„Man kann nicht aufrichtiger fein. Schade nur, daß ich nun vielleicht um ein gutes Ge­schäft komme, falls Sie sich mit der Absicht tru­gen, einem armen Teufel was abzukaufen/

„Nein, mit der Absicht kam ich nicht. Ver­kappte Wohltättgkeit zu treiben überlasse ich an­dern/

Das saß. Er zuckte zusammen und richtete sich drohend vor ihr auf.

„Herta !“

Sie aber preßte die Arme am Körper fest, bog den Kopf in den Nacken mit einem Aus­druck der Pein, als empfinde sie selber tauscnd- fgch, womit sie ihn traf. Und so rief sie:

„Ja, ja! Wohltätigkeit für einen, den Lste als Künstler verspotten und als Menschen miß­achten, und an dem man nichts weiter schätzt, als daß er sich amüsant zu machen weiß. Sie sollen es hören, was ich selber mita«hören mußte. Was sie mit Lochen und entwürdigen­dem Mitleid hinter Ihnen dreinreden, kaum daß Sic den Rücken gewandt, das sollen Sie wissen und sollen nicht mehr weiter gehen auf dem Wege, der nie ein Hinauf fein wird, nur ein Hinunter/

Sein blutleeres Gesicht hatte sich verzerrt, in seiner Stimme war ein würgend Heiseier Klang, in feinen Augen aber ein gieriges Warten, daß ihre graufamen Pfeile das mörderische Werk vollendeten.

„So reden Sie doch weiter/

Sie sah. was sie ihm zufügte, und wollte ihn noch tiefer treffen.

„Als ob ich's Ihnen noch zu fagen brauchte, als ob Sie's nicht felber fühlten, wüßten, daß Ihr ganzes Leben jetzt nichts weiter ist als eine große Lüge vor anderen und vor sich selber. Zu einem Beruf haben Sie sich bekannt, den Sie nur erwählten, weil et Ihnen der be­quemste schien. In einen Kreis lassen Sie sich hineinziehen, in dem Sie sich nicht gleickberech. tigt fühlen können: von einem halben Dutzend unbefchästigter Weiber lassen Sie sich zum Spielzeug machen, wo aber steht in Ihrem Le­ben ein einziger Mann? Wohin hat Ihre eigene Männlichkeit sich berieten?“

Seine Finger krampften sich zusammen, die Nägel schnitten in die Handflächen hinein.

„Sie nehmen grausame Rache, Herta“.

.Ich will mich nicht rächen, ich will Sie se­hend machen“.

„Und dann?“

Sie erbebte vor dem Klange dieses: „Und dann?“ In ihre Stimme kam ein Schwanken.

„Dann möchte ich Ihnen helfen können.“

.Helfen, womit? Möchten Sie mir die Pistole fchenken, die in ähnlichen Fällen wohl immer die radikalste Hilke bedeutet, oder wür­den Sic verfuchen, mit einem kleinen Darlehen meiner labmgewordenon Männlichkeit wieder auf die Beine zu helfen?“

„Helfen möcht ich Ihnen, daß Sie wieder der werden, der Sie einstmals waren.“

„Der von einst — ja freilich, das war auch ein rechter Held.“

.Und wenn's kein Held war? Sie waren dock Sie felber. Jetzt aber, was sind Sie jetzt? DaS Zerrbild Ihres eigenen Ich, zu dem eine andere Sie h-rabaezogen hat/

.Herta? Richt weiter in dem Ton? Die an­dere. die Sie meinen, ist meine Frau.“

Nickt um Haaresbreite wich sie zurück. ..Ans einem Wahnsinn heraus haben Sie sie zu Ihrer

aemacht. und längst fchon haben Sie den Wahnsinn erkennen und bereuen gelernt.“

Sich gegen sie vorbeugend, fah er sie mit düsterem Lauern an Alio darauf aing's hin­aus. auch bei ihr. Svrack b* nur eiaenes. o^er hatte vielleicht das Hous Werneburgk sie sich

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