1. Jahrgang
Nummer 67
hessische Abrnüieitung
Cssseler flbenüieitung
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Fernsprecher 951 mrd 952.
Dienstag, den 21. Februar 1911.
Fernsprecher 951 und 952.
tig: Das erste Opfer ist vielmehr der Landrat Graf Wartensleben, der (wie uns ein P ri v a t-. telegramm meldet) bereits seinen Abschied eingereicht hat. In unterrichteten Kreisen bringt man dieses Abschiedsgesuch in direkten Zusammenhang mit der Goltz-Assürc, und es ist wahrscheinlich, daß dies Abschiedsgesuch des Landrats auch genehmigt werden wird, trotzdem die Eingeseffenen des Kreises seit Monaten bemüht sind, ihren Landrat durch Petitionen beim Oberpräsidenten und beim Mi- riister des Innern zu stützen. -er-
(Telegraphische Meldungen.)
Im Hafen von Antwerpen ereignete sich am SpäNrachmittag des Sonnabends, , ein schwerer Unglücksfall: Seit einigen Jahren ist die Firma Dickerhof & Widmann aus Bibrich dort mit dem Bau eines Trockendocks beschäftigt, das eine Fortsetzung des Bassins
Erdbeben und Wintergewmer.
Unglücksnachrichten aus aller Welt.
(Telegraphische Meldungen.)
Der gestrige Tag war. trotzdem er in Rudolf Falbs Unglücksregister nicht als „kritischer Tag" bezeichnet ist, ein Tage des Unglücks, denn er hat für viele Gegenden schwere Naturkatastrophen gebracht, die erheblichen Schaden angerichtet haben. Aus Italien und Asien werden Erderschütterungen berichtet und in andern Gegenden I sind schwere Wintergewitter niedergegangen. Wir lassen nachstehend die uns vorliegenden telegraphischen Meldungen folgen: Jngcnheim, 20. Februar. (Privat-Telegramm.)
In der Nacht zum Sonntag wurde auf der hiesigen Erdbebenwarte ein st a r k e s Fern- beben registriert, das um 7 Uhr 49 Min.
' 30 Sek. begann. Der Herd des Bebens ist etwa 5050 Kilometer entfernt. Die Anfänge eines zweiten sehr starken Erdbebens wurden um 5 Uhr 35 Min. registriert. Die Entfernung beträgt etwa 1500 Kilometer.
Köln, 20. Februar. (Spezialtelegramm.)
Gestern nachmittag entlud sich über dem Wupper-Tal und dem Niederrhein ein heftiges Gewitter, das von orkanartigem Sturm begleitet war. Stellenweise gingen schwere Hagelschlossen nieder, wodurch in den Dörfern und Ortschaften großer Schaden angertchtet I wurde. Die Wintersaaten sind von dem
Hagelschlag fast gänzlich vernichtet worden.! Stellenweise zündete der Blitz.
Rom, 20. Februar. (Telegramm.)
In Rom und der Umgebung wurde gestern ein heftiges Erdbeben verspürt, dessen Wirkungen in einem Umkreis von etwa 100 Kilometern wahrnehmbar waren. JnCeseva I wurden mehrere Häuser beschädigt. Die Erd- erschütterung wurde ferner in Faenza, Venedig, Siena, Florenz, Spezia, Ravenna und Rimini wahrgenommen. Schaden ist in diesen Städten nicht angerichtet worden. Aus der Provinz fehlen noch nähere Nachrichten.
Eine Hafen-Katastrophe.
Wassereinbruch im Antwerpener Trockendock.
Havre, 20. Februar:
Im hiesigen Bahnhof brach gestern abend gegen elf Uhr ein gewaltiger Brand aus. Zur Zeit steht der Güter- bahnhof in Flammen, ferner brennen achtzig Güterwagen, die mit Waren aller Art beladen sind. Die gesamte städtische Feuerwehr befindet sich an der Brandstätte. Das weithin sichtbare Flammenmeer hat eine große Anzahl Neugierige aus der ganzen Umgegend von Havre angelockt. Der bisher durch das Feuer verursachte Schaden wird aufsechsMillionenFranken veranschlagt. DaS Feuer wütet noch fort. Ueber die Ursache des Brandes sind die verschiedensten Gerüchte im Umlauf. EL steht bisher noch nicht fest, ob es sich uto einen Unfall handelt oder ob das Feuer von böswilliger Hand angelegt worden ist. Die Gerüchte von einer Brandstif- tung wollen indessen nicht verstummen, und in der Bevölkerung ist man überzeugt, daß cs sich um einen Aktvon Sabotage handelt. Die Eisenbahnbehördc steht ebenfalls auf diesem Standpunkt und hat bereits eine darauf bezügliche Untersuchung cingeleitet.
Von heute mittag meldet uns ein weiteres Privat-Telegramm: In den Vormittagsstunden ist es den vereinten Bemühungen der Feuerwehr und der aufgebotencn freiwilligen Rettungsmannschaft gelungen, den Brand zu lokalisieren, sodaß eine weitere Ausdehnung des Feuers ausgeschlossen erscheint. Sechs Feuerwehrleute haben bei den Löschungsarbeiten schwcreVerletzungen erlitten. Das Feuer hat den Hauptgüterbahnhof gänzlich eingeäschert und annähernd hundert beladene Güterwagen zerstört. Es scheint jetzt als sicher, daß der Brand von v erb re- cherischer Hand angelegt worden ist.
strophe heimgesucht worden: Gestern abend entstand aus bisher unbekannter Ursache tm Bahnhof von Havre, in dem riesige Warenmengen zur Verladung für den Schiffsverkehr aufgestapelt lagen, Feuer, das in wenigen Stunden einen auf Millionen bezifferten Schaden anrichtete. Ein eigener Drahtbericht meldet uns darüber:
Das Duell fand (wie wir bereits mitteilten) am neunzehnten Dezember zwischen dem Herrn von Bethmann Hollw eg, Rittergutsbesitzer auf Runow im Kreise Wir-1 sitz, einem Vetter des Reichskanzlers, und I dem Grafen von der Goltz statt, der ebenfalls im Kreise Wirsitz angesessen ist. Die Ursachen des Duells bildete bekanntlich der Beschluß des Kreistags von Wirsitz, den Grafen von der Goltz der Standesrechte für verlustig zu erklären, weil er sich in einer Vermögensangelegenheit „unfair" benommen habe. Die Folge war eine Forderung des Grafen Goltz an verschiedene Mitglieder des | Kreistags, die jenen Beschluß herbeigesübrt hatten. Abgesehen von Herrn von Bethmann Hollweg lehnten aber die Geforderten den Austrag des Ehrenhandels ab, bevor sich der Graf nicht von jenem Vorwurf gereinigt haben würde. Wenn Herr von Bethmann Hollweg trotz des Abratens der obersten Instanz in Ehrensachen, des Freiherrn von LYncker, dennoch das Duell ausfocht, so geschah dies, weil Herr von Bethmann Hollweg als Alter Herr eines studentischen Kvrps sich für verpflichtet hielt, unter allenUm- ständen Satisfaktion zu geben. Uebri- gens wird auch die Austragung des Zweikampfes zwischen Herrn von Bethmann Holl- weg und dem Grafen von der Goltz in h o - hen Offizierskreisen und in den adligen Kasinos viel besprochen. E-I wird als erwiesen behauptet, daß ei« von dem Grafen zum Unparteiischen gewählter russischer Graf gegen die Vereinbarung falsch gezählt habe, und daß beim »werten Gange die Kugel des Herrn von Bet.)- mann Hollweg den Grafen wobl getroffen, aber merkwürdigerweise keine Verwundung hervorgerufen habe. Man weist aus die sonderbare Tatsache hin, daß ein preußr-1 scher Edelmann in einem Ehrenhandel ausge-1 rechnet einen russischen Gras en zum Unparteiischen wählt, und deutet an, daß dieser Unparteiische bei der Prüsung der Waffen die Pulverladung verringert haben könne. Das sind nicht etwa Phantasien, die in später Abendstunde im Schwange sind, sondern das wird ernsthaft geglaubt, und zwar von ernsthaften Männern. Wo bleibt hier die Königliche Staats-
Der Havrer Bahnhof in Flammen.
Sechs Millionen Franken Schaden.
(Eigene Drahtmeldungen.)
Frankreich, das in letzter Zeit von so vielen folgenschweren Unglücksfällen betroffen worden ist. ist abermals von einer schweren Kata-
$as Gespenst im Mn.
Die russisch'chinesische KonfliKSgefahr.
Im fernen Osten steigt blutroter Wetterschein auf, von dem sich drohend die schwarze Silhouette des russischen Doppelaar S, der die gebrochenen Schwingen von neuem spreizt, abhebt. Deutlich merkt man jetzt, daß wieder faktische diplomattsche Energien au der Newa in Aktion trete«, die diesmal von rechnerischem Geist reguliert werden. Ein überraschendes Phänomen, das das politische Welttheater jetzt in heftigere Wallung versetzt, und in erster Linie auf einen Personal- wechsÄl zurückzusühren ist: Herr Iswolski, der die internationale Politik Rußlands in ein destruktives Spiel persönlicher Kabalen aus- Me, ist kürzlich durch Herrn Sasanow, dem talentiertesten Diplomaten des heutigen Rußland, im Ministerium des Aeußern abgelöst worden. Und schon versucht der neue Mann (in sehr kluger, entschlossener Taktik) eine Aera der politischen Resultate für die Romanows zu inaugieren. Rach einem Lustrum der I Innern Zerrissenheit und der äußern Schmach, der vollkommenen Ohnmacht Rußlands!
Wenn auch von einer wirklichen Konsolidierung der russischen Ratton im Augenblicke noch nicht die Rede sein kann, und die ru^b schen Verhältnisse im Grunde sich größeren Projekten der äußern Petersburger Politik entgegenstellen, so ist die Plattform der Sasanow- schen Pläne, die sich heute zu entschleiern beginnen, doch überaus geschickt gesichert worden: Auf dem Londoner Umweg hat sich Ruh- land mit Japan über das ostasiatische Problem geeinigt, über Berlin hat Herr Sasanow die Verbindung mit Wien wieder in verläßlichere Funktion gebracht, und die Potsdamer Entrevue hat vor allen Dingen dem Zarenreich die wirksamste Rückendeckung gebracht! Nun zeigen sich die Folgen des deutsch-russischen Abkommens in immer hellerem Licht: Rußland fühlt wieder Aktionskraft und zögert keinen Moment, die Schlappen vergangener Tage mutig auszuwetzen. Der energische Schritt gegen den schlafenden Drachen Chinas im fernen Osten ist das erste, deuttich erkenn-
anwaltschaft, die durch die Zeitungen von dem Duell Kenntnis erhielt, aber sich bisher weder um die strafrechtliche Verfolgung, noch! um die Vorgänge bei dem Duell gekümmert hat. . .?
Soweit die unserem Korrespondenten zugegangenen Informationen, die (wie hm nochmals betonen) aus einer, Quelle stammen, die jeden Zweifel ausschließt. Verschtedentlich wurde in der letzten Zett behauptet, daß als erstes Opfer der Duellaffäre der Regterungs- präsident von Posen, Dr. v o n G n n t h e r, fallen werde. Das ist indessen mckt aam rich-
Am Sonnabend spätnachmittags drang abermals Wasser durch die Kaimauern ein, und die Bruchstelle erweiterte sich zusehends. Die zuständigen Hasenbehörden wurden sofort benachrichtigt, und die innerhalb des Trok- kendocks beschäftigten Arbeiter wegen der drohenden Gefahr angewiesen, das Dock unverzüglich zu verlassen. Bald darauf gab das Mauerwerk nach, und es ensstand eine Oeffimng von ca. 20 Quradat- metem, durch die das Wasser aus dem anstoßenden Bassi« Lefebre mit furchtbarer Gewalt in das etwa 12 Meter tiefe Trok- kcndock stürzte. Glücklicherweise waren die in dem Bassin Lefebre liegenden Schiffe rechtzeitig gewarnt worden, sodaß" keins von ihnen in Gefahr geriet, von der gewaltigen Strömung mit fortgerissen zu werden. In kurzer Zeit war das Trockendock mit 70000 Kubikmetern Wasser angefüllt, wodurch eine neue Gefahr entstanden ist, die augenblicklich noch nicht beschworen werden konnte. Die Mauer nämlich, die gegenüber dem Polda „Ferdinand" liegt, droht nunmehr ebenfalls nachzugeben, wodurch eine ganze Anzahl Wohnungen und ein großes Terrain unter Wasser gesetzt werden würden.
Die Bemühungen der Behörden gehen jetzt dahin, die neue, drohende Katastrophe zu verhindern. Mehrere hundert Arbeiter ftnb an der Befestigung dieser Stelle beschäftigt, und man hofft, daß es gelingen wird, die vom Wasser bereits unterspülte Mauer zu sichern. Gelingt dies nicht, dann droht dem ganzen Hafenviertel die Gefahr einer Ueberschwem- mung, und die Folgen würden dann unüber* . sehbar fein.
Forli, 20. Februar. (Telegramm.) beschäftigt, das eine Fortsetzung des Bassins
Gestern vormittag gegen neun Uhr wurde Lefebre bilden soll. Seit einigen Wochen be> hier eine starke Erderschürterung retts konnte man feststellen, daß Wasser drnch von sieben Sekunden Dauer verspürt. Viele d'- Kaimauern sickerte Witter Sm
Häuser wurden leicht beschädigt, eine Anzahl Dmck des Wassers des Bassins Le-
Schornsteine sind emgesturzt. Zwei Personen sxb^ nachgeben werde. Am Sonnabend nachwurden leicht verletzt, unter ihnen ein In- mittag ist die Katastrophe denn auch wirklich genieur, der zu den Ueberlebenden der Kara-1 eingetreten. Ein Privattolegramm strophe von Messina gehört. Auch die Ort- berichtet uns darüber:
schäft Theodorano erlitt Schaden. Bei Antwerpen, 20. Februar:
dort die Ueberreichung der russischen Note I peinliches Aufsehen erregt. Ma« erblickt darin den ersten aggressiven Akt Rußlands, den man indessen seit dem Abschluß des russisch-japanischen Abkommens erwartete. Ma« hat in Peking die Ueber- zcugung, daß das ruffisch-japanische Abkommen eine geheime Klausel über eine militärische Aktion beider Länder in der Mandschurei und der Mongolei enthält. In China eregt es großen Unwillen, daß Rußland feine Aktion gerade in einem Moment zu unternehmen sich anschickt, wo China unter der Pes. schwer zu leiden hat und mit den übrigen Machten in wichtigen Unterhandlungen steht. Die Petersburger Regierung ihrerseits hat erklärt, tzaß sie die letzte Rote an China noch nicht als Ultimatum betrachte. Werde China jedoch nicht einlenken, so werde innerhalb dreier Wochen ein regelrechtes Ultimatum erfolgen. Sollte dieses nicht befriedigend beantwortet werden, so werde Rußland mit weiteren Maßregeln hervortrete«, die jedenfalls in der Besetzung chinesischen Gebietes bestehen würden.
Grünewald-Geheimnisse.
Der Vetter des Kanzlers im Duell.
(93on unferm Korrespondenten.)
Die mhsteriöse Duellangelegenheit, die im Dezember vorigen Jahres die Berliner Bevölkerung erregte, und zu eifrigen, aber ergebnislosen Nachforschungen seitens der Berliner Kriminalpolizei führte, gestaltet gch immer sensationeller, und zieht beretts so hochstehende Persönlichkeiten in ihre Kreise, daß es nicht mehr angängig erscheint, den aeheimnisvollen Schleier weiterhin über der Angelegenheit zu erhalten, der sie bisher noch in vielen Punkten bedeckte. Unser Berliner Korrespondent erhält von zuverlässiger Seite über die aufsehenerregende Affäre folgende Mitteilungen:
Berlin, 20. Februar:
einem Hauseinsturz wurde« fünf Personen verletzt.
Monastir. 20. Februar. (Telegramm.)
In der Nacht zum Sonntag hat ein Erdbeben in Starowo saft alle Häuser unbewohnbar gemacht. Eine Frau wurde getötet und zwei Personen verwundet. Auch in der Umgegend hat das Erdbeben, das etwa 20 Sekunden anbauerte, erheblichen Schaden angerichtet. Menschen sollen indessen, soweit bisher bekannt, nicht weiter zu Schaden gekommen sei«.
Algier, 20. Februar. (Telegramm.)
Bei einem heftigen Gewitter schlug gestern der Blitz in die Kaserne der dritten |
I Batterie des sechsten Artilleriebataillons in 1 Oran ein. Ein Soldat wurde getötet, ein anderer gelähmt. Es entstand eine Feuersbrunst, die jedoch bald gelöscht werden! konnte. Das Unwetter hat auch im Innern des Landes schwere Schäden angerichtet und zahlreiche Unglücksfälle verursacht.
In verschiedenen Gegenden Mittel- und Westdeuttchlands sind gestern ebenfalls zumleil schwere Gewitter niedergegangen, doch ist hier glücklicherweise kein größerer Schaden an- gerichtet worden. Es ist nicht ausgeschlossen, daß zwischen den Erdbeben im Süden Europas und den elektrischen Entladungen im Norde« ein gewisser Zusammenhang besteht
bare Lebenszeichen.
Der Schachzug ist nicht übel: Lediglich im I fernen Osten winken Rußland Anstedlungs- und Expansionsmö glichkeiten, die durch die I andern Mächte kaum mehr gefährdet sein dürsten, feit Japan feine Wirkungssphäre auf dem asiatischen Kontinent dem russischen Riesen ab- gerungen hat Diesem verbleibt nunmehr das westtiche Nord- und Mittelasien, und hier allein kann die Petersburger Regierung für die nächste Zukunft eine Politik des Erfolgs stabilisieren. Eine Erkenntnis, die der solide Sasanow feit langem hegte, und zu der Herr Iswolski (der vom fruchtlosen Balkantraum umnebelte Intrigant) wohl niemals gelangt wäre. Und die Stunde ist Rußland besonders hold, da Englands persische Politik soeben eine schwere Niederlage erlitten hat: Das britische Ultimatum hinsichtlich der südlichen Handelsstraßen Persiens wurde von der Regierung in Teheran (der Herr Sasanow brillant sekundierte) ignoriert, und in Downingstreet schäumt ohnmächtiger Groll .. .!
Vorstchttgerweise bleibt Herr Sasanow nur versteckter Drahtzieher der persischen Szene. Seine politische Aktivität richtet sich gegen das seuchengeschwächte China, I dem gegenüber es vollkommen freie Hand hat. In den letzten Tagen erst ist es klar geworden, daß Rußland jetzt allen Ernstes ans Werk geht, seine Absichten auf die Mongolei und auf Turkestan zu realisieren, wobei es auf den russisch- chinesischen Handelsvertrag von achtzehnhun- derteinundachizig gurüdgreift. Ein Vorwand, I der in keinem Verhältnis zu dem Ernst der Situation steht! Ein Ulttmatum ist von der Newa nach Pettng gezogen. Und die dortigen Funktionäre können der Tonart nicht mehr
D. » Elch-
iung für China unannehmbar ist, so tritt die provokatorische Absicht der P-t-rsburger Regierung klar hervor, der heute «»^ gelegener tarne, als ein Krieg mit dem Reichder Mitte, der für dieses unzweifelhaft katastrophal enden würde. Ein Sieg Rußlands aber würde der großen Slawennatton das ringe-1 büßte Prestige zumteil zurückerobern, und der Russenpolitik in Asien freie Bahn schaffen. Das „Gespenst des Ostens" ist also da, und die Möglichkeiten einer Katastrophe schlummern in mchster Nähe. , w-
Das Di-lomateuspiel.
(Eigene Drahtmeldung.)
AUS Lonb o n wird uns bctfefdfiert: Wie bet „Times" aus Peking berichtet wird, hat