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Lsflelrr Mueste Mschrichtrn

Nr. 66

Sonntag, 19. Februar 1911.

L1

Erster Jahrgang.

Um zwei schöne Augen.

31)

In, deutsche Szean-Lustschiss

gut1

Äuge in Auge standen Lothar und Heinz, in Bruder, fern Feind, den er hochte—-haßte

mit dem

x

i

Die Gondel deS Oceanlustschiffes „Suchard .

das Leben und fühlten sich als Herren der Welt. Er hätte zu ihnen stürzen mögen, in ihre Mitte hinein:

„Da laßt mich stehen, wieder unter euch, denn euch gehöre ich zu'."

Und dort unten stand, mit Melanie Elsen- hofer am Arm, wieder sein BruderLothar. Und neben ihnen — nein,, das war sie nicht! Das war doch nicht Herta Ellgenrodt, so sah sie doch nicht aus!

Warten

~ Wie schwarze Schatten fielen über Adelens

Roman von H. Abt.

(Nachdruck verboten.)

Sein Bruder, fern Feind, den er yaxre — yayie — mit einem blutroten Haß. der sich hatte auf ibn stürzen mögen, ihm auf dem glatten Gesicht das verächtliche Lächeln hätte erwürgen mögen, ihn selbst erwürgen! . , ... _,

Steif hatte Lothar mit seiner Gattin^,sich herumgewandt und schritt mit ihr tn den saal

^Madame Nadine aber blickte an sich hinab, ruckte die Schultern, warf den Kopf tr.-.t dem sunkelndem Brillantdiadem in den Nacken und sagte: „Pah, und wenn ich Ware in Stucken ge­rissen von oben bis unten, was macht es mrr

Wichtigkeit. Wenn die kühnen Luftschiffer ge­zwungen sein sollten, während der Reise au den Spiegel des Meeres hinabzusinken, dann wird ihnen ihre Gondel die Dienste eines vollkommen seetüchtigen Motor­bootes leisten. Die beiden Motoren, bte während des Fluges die Propeller antreiben, können dann als Bootsmotoren dienen. Das Luftschiff kann eine Nutzlast von 6000 Kilo­

gramm mitnehmen; 1500 Kilogramm Benzin werden als Vorrat für den Betrieb der Mo­toren dienen. Die Fachleute halten „Suchard" für sehr leistungsfähig und einen Erfolg seiner gefährlichen Expedition für wahr­scheinlich.

ÖU 68 war ihr ganzer Dank Kr Adele. Auch für Heinz hatte sie keinen Blick, als sie an den beiden botbct totcbcr in den SäüI rauschte, in dem die Militärmusik ihre Wersen ° Ueber^den zweien, die einsam zurückblie­ben, hing atemstockendes Schweigen VouAde- les Lippen kam zuerst em Laut tote ein krank- W'.oÄW'W’S d°« -»«-Ich-«-»

Die hohe, schlanke Dianengestalt rn dem wunderbaren, von Silberglanz überharAten, lichtblauen Gewände, das weich fiel tote Samt- qewebe, und zart sich schmiegie wie duftige Schleier, um den m seiner leichten Hagerkeit so stolz und edel wirkenden Nacken bte Doppel­reihe herrlicher Perlen, bie auch bas auf dem Wirbel ausgenestelte lichtblonde Haar.burch- schlangen. Unb jeher Zug des femgeschnittenen Gesichtes vornehme Schönheit.

Herta Ellgenrobt, sie war es unb war s boch nickt Ober er sah, erfaßte sie nur heut zum ersten Male. -Stein Spielzeug Ur einen Kna­ben — keine Puppe, aber ein Werb, das den I Wert des Mannes hinaufhebt, der sie sich zum

TaS kleine Mädchen fühlte den Blick, hob bett ihren, ließ ihn starrend auf beit bet» bett ruhen, erkannte die eine, erriet wer bet an­dere war, schnellte vom Boden empor, hatte es nicht acht, daß Nadel und Faden, bte Je zwi­schen ben Fingern hielt, in das zarte Spitzen- getoebe Hineinriffen, und Madame Nadme rief in zorniger Selbstvergeffenheit: . .

Wlber was sind Sie ungeschickt und ruinie­ren mir mehr, als Sie haben gemacht wieder

Er nahm ihre Hand nicht gleich, sah sie nur an — groß — groß!

Dann hatte er tief auf ihre Hand hmab seine Lippen geneigt „Herta!"

lieber fein gesenktes Haupt hinab blickte sie auf Adele, bie sie anschaute mit einem hpitzen, berzklopfenben Fragen: „Wer bist denn du? Was geht er dich an?" .

Was Heinz Wemeburgk sie anging? Das grausame Freudenlodern flammte wieder in Herta empor. Und wenn er sich verloren hatte an diese da, in diesem Augenblick war er ja boch ber Ihre!

Fest schloffen ihre Finger sich um seine Hand.

Langsam hob sich toieber ein geneigter Kopf, unb er gewahrte, wie Lothar unb Me­lanie in fassungslosem Staunen sich wieber herumgewanbt. Es kam Heinz kaum zum Be­wußtsein. Er empfanb nur Herta — nichts an­deres als nur sie. Auch baß Abele an seiner Seite stanb, baß et nun wohl seine Frau Herta Ellgenrodt vorstellen müsse, daran dachte er nicht.

Groß — groß! Nur immer bas eine dachte er und blickte zu Herta empor, fühlend, wiffend, daß es ein Emporblicken war, daß sie hoch dro­ben stanb über allem, was je burch sein Leben gegangen war.

Da klang wieder HertaS Stimme. Sie sprach zu Abele, sagte klar unb ruhig:

„Also Sie ftnb feine Frau." Unb langsam hob sie noch einmal bie Hand, streckte sie Abele entgegen.

„Rühre ihre Hand nicht an, lauf vor ihr bavon, reiß ihn mit bit fort von ihr!" — so rief es wohl in Adele, aber sie hatte nicht den Mut, dem zwingen^ »n Rufen zu folgen, mit den Spitzen ihrer ier berührte sie die dar- gebotene Hand unb gab die Antwort:

„Ja, ich bin feine Frau." Sie meinte, es müßte hell und laut von ihren Lippen klingen,

war jene nicht! Und sein Glück führte Heinz Werneburgk nicht am Arme!

Immer näher kamen sie heran. Drei Augen­paare schauten ihnen entgegen. Frau Mela­nies grünlich-graue Pupillen hatten ben front* melnben Ausdruck sittlicher Entrüstung, wie sie im Eisenhoserschen Hause sich übte. Lothars stechender Blick schleuderte ihm ein „Schamlos ! entgegen. In Hertas Augen stanb toteber das

Am fünfzehnten Februar hat in der Luft- schiffhalle des Verein für Motorlustschisfahrt m der Nordmark zu Kiel in Anwesenheit des Prinzenpaares Heinrich von Preußen bte Saufe des Luftschiffes der deutschen transatlantischen Expedition stattgefunden, das im April von ben Kap-Verbischen Inseln aus seinen Flug nach Amerika antreten soll. Der Lenkdallon, der von bei Prinzessin auf ben Namen „Suchard" getauft wurde, ist (wie wir fchon mitgeteilt haben) für diese Fahrt nach ben Plänen des Münchener Lustschissers Dr. H a n s Fabrizi und des Amerikaners Brücker gebaut. Er ist 60 Meter lang, 16 Meter breit und faßt 8250 Kubikmeter. Die eigenartige Konstruktion ber Gondel ist von. besonderer

bleiches Gesichtchen bie langen Wimpern. Heinz blickte starr gerabeaus. Ein Schritt noch, dann mutzte er an ben breien vorüber. Da drehte ostentativ Lothar sich herum, dem Bruder den Rücken kehrend. Des Gatten Beispiel ahmte Frau Melanie nach.

Im nächsten Augenblick stand mit ausge­streckter Hand vor Heinz Hetta Ellgenrodt: „Willkommen, Heinz!"

Weide gewinnt."

Seine Augen brannten, er zog Adele mit sich weiter voran, dorthin, wo im Gespräch nut Lo­thar unb Melanie Herta stand unb neben ihr, lächelnb, in Haltung unb Miene bie große Dame markierend, bie jebe Mutmaßung irgend einer Art von Dienstbarkeit weit von sich weist die Baronin Schärmtz. Auf Adeles Gesicht kam und ging wie ein Fieber die Farbe. Sah er denn nicht dort die beiden? Schritt er denn immer weiter? Wollte er sich noch einmal die Begegnung antun, ihr das antun ?

Recht so", raunte er ihr ins Ohr, „noch mehr ! bie verprügelte Armesündermiene".

I „O Heinz." — Ihr gesenkter Kopf zuckte em­por und sie lächelte. .

I Das Lächeln sah Herta Ellgenrodt auf Ade- topfirht. unb eine wilde, grausame Freud«

daß sie die Seine war, wie er bet Ihre, daß sie sich ihres Rechts auf ihn bewußt war unb keiner ihr rühren sollte an bieses Recht — unb war boch nur ein kleines, ängstliches Sümmchen, das bie Worts flüsterte.

Klein — so klein — baß bie Größe baneben nur boppelt groß erschien!

Sprachen benn seine Augen so beutlidje Sprache, daß Hetta Ellgenrobt bie Worte bet» tanb unb sie ihr blinkten wie ein Rus. nach Hilfe, baß er nicht in all der Kleinheit versank, verkam — Hilfe, ihm — von ihrer Hand?!

Sie rebete irgenb etwas, ein Paar gesell* «stattlich gewanbte Floskeln von bem wohlge­lungenen Feste, er gab in gleicher Weise Ant­wort. Selber Werneburgk unb seine Frau wa­ren baöongegangen. Die Baronin Schärmtz hielt sich lächelnb ein wenig zur Seite. Etwas weiter zurück standen ein paar Damen des Fest­komitees und in ihrer Mitte die Baronin Bir­kenfeld, Werten, schauten herüber, schienen ir­gend etwas unglaublich, unmöglich zu finden.

Herta Ellgenrodt neigte lächelnd gegen Heinz unb seine Frau das Haupt. „Ich stehe heute abend etwas mit im Dienste der Wohl­tätigkeit und bars mich meiner Pflicht nicht län­ger entziehen. Auf Wiebersehen!"

Sie schritt zu ben Basarbuben hinüber.

Abele starrte ihr nach. Keiner hatte ihr gesagt, wer bas war, keiner es für nötig ge­halten. Jetzt klammerte sich ihre Hand plötz­lich an ihres Mannes Arm fest.

„Heinz — wer war das?"

Auch sein Blick war Herta nachgefolat, nun kehrte er langsam zu Adele zurück.

„Wer das war? Herta Ellgenrodt —: einst meine Braut.",

„Das — das war deine Braut?"--

Kein Wort weiter zwischen den beiden. Jedes stand schweigend sür sich. Dann nah­men sie, ohne sich erst darüber zu verständigen, ihren Weg aus dem Saal hinaus in den Gar­berobenraum.

XVIII.

Sie waren wieber baheim. In bet Wohn-

"^Ungeschehen", er sah sie an, «och bas« Fun­keln des Haffes in ben Wen. — .Was?

E^lacht^ganz"leA „AUs? Sieh einer ' $ RS aÄrbe^eb^e,anbUe?9e§babÄ ntot betratet? Ja, ber Mißgriff ist nun aber mal gescheben, da heißt's, das Beste draus machen Komm, kleines Mädchen, dem weißes Bollsähnchen soll doch wenigstens, in eins zu seinem Rechte kommen. Da drinnen ftdeln sic, wir wollen tanzen". -

Um ihre Taille ben Arm schlingend, zog er sie zuin Saaleingang hinüber, boch an ber Schwelle ma*dj tanze nicht mit bir, Heinz — jetzt nicht. Laß uns nach Hause gehen. Wenn du mich ft geliebt hast, geh jetzt mit wir nach Hause

„Wenn ich dich ,e geliebt babe — bm, wer weiß wohl so ganz zuverlässig in sich selber B.- scheid. Aber beim gehen wir noch nichsi das Fest bat ja kaum erst begonnen, unb feine Haupt- ^'E^erta^ftine ^verschmähte Braut, bie mußte boeb auch noch auf ber Bilbfläche erscheinen unb ihren Part übernehmen in seinem Triumph- ^'Fast^gew?ltsam zwang er Abele nut sich vor-1 wärts. In dem Zuge der Nichtraucher began­nen sie langsam den Saal zu umfebretten. >rnr sie die fühlte. Wie es in Heinz aussah war e^ tote ein Wandeln auf glühenden Steinen, .chm waren alle Sinne bis zum Aeußersten geschärft. Wo immer ein Blick Adele stteifte wo immer iwei in flüfternbem Gespräch Zufällig nach ihr hinschauten, war's ihm wie em.flüsterndes Nonnen? Du — wie kommst du hierher? — I Tort aber war ein Paar, das ganz unverkenn­bar eine beifällige Bemerkung über sie aus­tauschte Zwei Künstler waren's, von den sogenannten großen. Unter bem einen ber Professor an ber Kunstakademie war. batte er snrtiae Lehrzeit absolviert. Heber Heinz kam ein EmhMn als tue in einem dunklen 'Raume fid) plötzlich vor ihm eine helle Tur auf. 'T'ort in den Kreisen ber Künstler, die nicht eng- herzi'g klein erst lang nach Stand und Herkunft fragten, wenn sie ben Menschen nahmen, bort ^^Ebatten Ä?zwÄhre Aufmerksamkeit ihm selb7rVu°g.ewanbt,)nd ba batte= bat»I les«7^ '^wilbe7"grÄfcLöZrmds

Boden fallen läßt. Die Zahne gruben sich »hm tief in bie Lippe hinein. So also sah bte Kehr- r-:^ sülcbatttc ! Wo tridtt ftd) nnHr »««'■ »-»»>

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Teufel nach Talent unb Nicht-Talent, nahmen

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n. L n

ftube schritt Heinz hin unb her, Abele war in bas Schlafzimmer gegangen, sich auszukleideu. So oft er im Aus- und Nieberwandern an ber geschloffenen Tür vorbeikam, blieb er stehen, wie im Uebetlegen, ob er eintreten solle. Dann schritt er wieber weiter. Jetzt aber zuckte seine Hand nach ber Klinke, drückte sie geräuschlos nieder, unb burch ben Türspalt sah er Adele. Sie war noch völlig angefleibet, stanb unbe­weglich vor dem Spiegelschrank und schaute hinein. Jrn Glase konnte er ihr Gesicht sehen. Es war ganz farblos, und so ein starrer, su­chender Ausdruck war in ihren Augen. Was

achten sie denn? Das kleine Mädchen, um ,as er eine Herta Ellgenrodt verschmäht? ,

„Das — das war deine Braut?!--Ö,

er war nicht taub gewesen für das Schwan­ken in ihrem Ton und konnte sich's so unge­fähr denken, was auch ihr der Abend angetan hatte, unb hätte ihr's gern wieber gutgemacht, wenn er nur gewußt hätte, wie. Wenn er nur etwas gewußt hätte, baß es ihm felber wieder gutmachte.

Auslöschen, erdrücken, ersticken und betau« ben!

Weit aufgeriffen hatte er plötzlich bie Tür, unb Abele schreckte zusammen, fuhr mit hasti­gen Hänben an ihrem Kleid herum, als wolle sie sich ben Anschein geben, sie sei bamit be­schäftigt gewesen, dasselbe abzustreifen.

„Zieh dich nicht aus!" rief er ihr zu. „Wir wollen ganz für uns noch eine Festnachtfeier halten. Du hast's ja selber gewollt, nur ganz allein für mich schön sein. Nun sei's!"

Er hielt sie umschlungen, küßte sie auf ben weißen, schimmernden Hals. Sie zuckte zurück von ihm, als hätten seine Lippen sie verbrannt. Was war denn das für eine neue, verzwei- feite Stimmung? Seine Zärtlichkeit jetzt, die war ja doch nicht wahr!

Er zog sie mit sich vorwärts. „Komm! Es war ein trockener Abend bis jetzt, wir wol­len ihn feuchtfröhlich machen. Dein Sekt vom Weihnachtsfeste ist noch da. Von dem sollen nun bte Pfropfen springen."

In bie Küche war er hinausgeeilt. Da la­gerten int Luftspind noch bie beiben Flaschen Sekt, bie Abele ihm, der ben schäumenden Trank so liebte, zum Weihnachten aufgebaut,

(Fortsetzung folgt.)

el- iet tg

A.

n- h-