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Abg. Ahlhorn (Vp.) verlangt die Schlie­ßung der Verkaufsstellen des Wohlfahrtsver­eins in Wilhelmshaven. Die Geschäftsleute werden durch diesen Verein schwer geschädigt.

Staatssekretär von Tirpitz: Es handelt sich um einen privaten Verein, auf den wir keinen Einfluß haben.

Abg. Bebel (Soz.): Die Marineverwal­tung soll ihre Finger von Dingen lasten, die sie nichts angehen. ES gab mal eine Zeit, wo auch die Liberalen auf demselben Stand­punkt in der Konsumvereinsfrage standen wie wir. Das war zu einer Zeit, als ich auch

hinter Schulze-Delitzsch dreinlies, und gegen Lassalle war. Schulze-Delitzsch würde sich im Grabe umdrehen, wenn er die rückstän­digen Anschauungen des jetzigen Liberalismus hören würde. Auch die Agrarier haben Kon­sumvereine. Was ihnen recht ist, ist den Ar­beitern billig. (Beifall.)

Rach weiterer unwesentlicher Debatte wird sodann der Marine-Etat erledigt, und das Haus vertagt sich sodann aus Freitag. Es stehen an diesem Tag der Justiz etat und der E tat für Kiautscho u auf der Tages­ordnung. Wahrscheinlich wird gelegentlich der Kiautschou-Debatte auch eine Regierungs-Er­klärung über die Pestgefahr im Schutzge­biet abgegeben werden.

Die Privtztbeamteu-Dersicheruug.

(Telegramm unseres Korrespondenten.)

Aus Berlin wird uns depeschiert: Der Hauptausschuß für die staatliche Pensions­versicherung der Privatangestell- t e n wird am nächsten Sonntag, 11% Uhr vor­mittags, in der Reuen Welt in der Hasrnheide bei Berlin einet: dritten deutschen Privat­beamtenlag abhalten, bei dem der neue Ent­wurf betreffs Privatbeamtenversicherung zur Besprechung gelangen wird.

Sie Politik Des Soges.

Der Professoren-Krieg.

(Eigene Drahtmeldung.)

Wie uns aus Berlin depeschiert wird, bringt die neueste Nummer der Finanzzeit­schriftPintas- sensationelle Ent­hüllungen zum Berliner Profes­sorenstreit, nach denen es den Anschein gewinnt, daß in die ganze Streitaffäre peku­niäre Momente mit hineinspielen. Es handelt sich um folgende Vorgänge:

Im vergangenen Jahre hatte Profes­sor Bernhard dem Professor Seh­ring gegenüber die Absicht geäußert, über praktische Nationalökonomie zu lesen, ein Colleg, das Herr Sehring selbst las. Herr Sehring, dem Bernhards Konkurrenz unan­genehm war, versuchte deshalb, diese Kon­kurrenz auf seinen Kollegen Wagner ab­zuschieben, indem er Herrn Bernhard vor­schlug, er möge doch lieber über Finanz- Wissen schäft lesen, ein Colleg, das in jenem Semester Adolf Wagner las. Die Be­denken Bernhards, mit seinem alten Lehrer in Konkurrenz zu treten, suchte Herr Seh­ring zu zerstreuen durch die Erklärung, daß bei Wagners Entschließungen die Geld­frage eine entscheidende Rolle spiele. Wag­ner würde seine Vorlesungen abtretcn, wenn man ihm ein Honorarvon3000Mark dafür biete. In diesem Sinne verhandelte Sehring mit Wagner, jedoch ohne Er­folg. Er erklärte Herrn Bernhard, daß Wagner sich auf nichts einlaffen wolle, daß er aber am Ende doch nachgeben werde, wenn man ihm statt dreitausend fünf­tausend Mark für die Abtretung seines Collegs über Finanzwistenschaft anbiete. Er

(Sehring) werde sich alsbald ins Kultus. Ministerium begeben, um dort ein, Entscheidurrg durchzusetzen. Im Ministerium erklärte man sich in der Tat bereit, den: Professor Wagner die Collegeinnahmen in Höhe von 3000 Mark zu garantieren, falls er durch eine gleichzeitige Vorlesung Bern­hards über dasselbe Thema Einncchmeaus- fälle haben sollte. Herr Sehring aber war der Meinung, diese Garantie der Collegein- nahme genüge nicht, sondern es sei notwen­dig, an Wagner ein ganz bestimmtes Ho n o r a r zu zahlen, damit er fein finanz- wiffenschastliches Colleg an Bernhard gänz­lich abtrete.

Dieses Verlangen scheint indessen den Ge­heimräten int Kultusministerium zu weit gegangen zu sein, und auch Professor Adolf Wagner hat es abgelehnt, sich auf den we­nig erfreulichen Handel cinzulassen. Das Ende vom Lied war dann: Skandal, und die weitern unerquicklichen Ereignisse, mit denen sich zurzeit das preußische Kultusministerium als vorgesetzte Dienstbehörde zu beschäftigen hat.,

Rußland» Ultimatum an Shiva.

(Eigene Drahtmeldung.)

Wie uns ein Privattelegramm aus Petersburg meldet, hat die russische Regierung die Regierungen von England, Frankreich und Japan davon verständigt, daß sie beabsichtige, ein Ultimatum an China zu richten, weil durch China die Be­dingungen des Handelsvertrages von 1881 neuerdings verletzt worden seien. Die russische Regierung droht, bei Nichterfüllung ihrer Wünsche eventuell Turkestan zu beset­zen. Gleichzeitig hat die russische Regierung ihren Gesandten in Peking beauftragt, eine Note zu überreichen, in der es heißt, daß die russische Regierung zu der Ueberzeugung gelangt ist, daß das Fortbestehen der bisher bestehenden freundschaftlichen Bande zwischen Rußland und China bei einem solchen Verhal­ten der chinesischen Regierung zu dem Vertrage von 1881 unmöglich sei.

Rußland ersucht die chinesische Regie­rung, unaufschiebbar ihr Einverständnis zu bekräftigen, bestimmte Punkte, die in strikter Uebereinstimmung mit den Stipulationen des Handelsvertrages von 1881 stehen, und die den russisch-chinesische« Be­ziehungen zugrunde liegenden Prinzi- zipien zu beobachten. In der Rote bean­sprucht Rußland das Recht, selbständige Einfuhr- und Ausfuhrtarife an der chinesischen Grenze festzusetzen, und die russischen Untertanen sollen im ganzen chine­sischen Reich das Rechtder eignen Ge - richtsbarkeit genießen. Für die Mon­golei verlangt Rußland für seine Unterta­nen das Recht der Freizügigkeit, des Aufenthalts und des zollfreien Handels und des Grundstückserwerbs. Darüber hinaus soll die russische Regierung berechtigt sein, Konsulate zu errichte«, die von China onzuerkenne« find.

In der Rote heißt es zum Schluß weiter, die russische Regierung halte es für ihre Pflicht, die chinesische Regierung zu benachrich­tigen, daß sie die Weigerung als einen Be­weis der Unnachgiebigkeit betrach­ten würde, mit Rußland freundnachbarliche, auf Verträge begründete Beziehungen zu un­terhalten. In einem solchen Falle behalte sich die russische Regierung vor, zur Wiederherstel­lung der von China verletzten Vertragsrechte die von ihr hierfür als notwendig be­fundenen Maßnahmen zu ergreifen. Wie uns hierzu ein Tel eg ramm unsers Berliner Bureaus berichtet, erachtet man es in amtlichen deutschen Kreisen als

Rr. 65. - 1. Jahrgang.

Casseler Neueste Nachrichten

Den letzten Depeschen aus Petersburg zu­folge sind in der Kirgisensteppe tat Gouver­nement Astrachan und in sechs Ortschaften zwischen der Wolga und dem Uralfluß m den letzten Tagen dreißig Personen an der Pest gestorben. Die Gefahr der Pesiver- schleppung nach dem Westen wird dadurch immer größer, zumal auch durch den Pelz- Handel und die Ausfuhr infizierter Felle die Gefahr der Seuchenausbreitung erhobt wird. Die russischen Behörden haben infolgedessen die Abstterrungsmaßregeln noch bedeutend ver­schärft.

Sie Parlamente.

Die Winzernot im Landtag.

fVon unserm parlamentarischen Mitarbeiters

Bevor man gestern in der Beratung des Etats des Ministeriums des Innern fortfuhr, beschäftigte man sich nochmals mit der Wrn- zernot. Rach kurzer Debatte wurde gegen die Rechte einem Kommissionsantrage zuge­stimmt, der den betroffenen Gemeinden 60 M pro Morgen zugewiesen wissen will. Der Landwirtschastsminister von Schorlemer hatte sich (wenn auch unter Anerkennung der guten Absicht) gegen den Antrag als »zu weitgehend­gewandt. Dann ging die Debatte beim Kapitel Berliner Polizeiverwaltung weiter, wobei es in der Hauptsache zu einem Geplänkel fortschritt­licher Vettreter Berlins mit Herrn von Zedlitz kam, das zeitweise nicht ohne Schärfe verlief. Herr R o s e n o w erteilte dem Polizeipräsiden­ten ein Mißtrauensvotum und fragte erneut nach den Gründen der Ablehnung der Uebertragung polizeilicher Befugnisse an den Berliner Magistrat. Rach einer kurzen Ant­wort des Ministers von Dallwitz, der wiederum die Polizei in Schutz nahm, hielt Herr von Zedlitz seine Abrechnung mit der Berliner Stadtverwaltung, die nicht auf der Höhe der Zeit stehe und sich in der Angelegenheit des Tempelhofer Feldes »un st erblich bla- m ie r t- habe. Eine Bemerkung des Redners, daß man der Stadt weitere Polizeibefugnisse nicht erteilen könne, da der Oberbürgermeister abhängig von den Stadtverordneten sei, brachte den zweiten Vorsitzenden des Berliner Stadt­väter-Kollegiums, Herrn Cassel auf den Plan, der es entschieden zurückwies, daß Berlin feine Beamten nach politischen Rücksichten aus­wähle. Bei dem folgenden Kapitel »Polizei­verwaltung in den Provinzen- wurden einige Wünsche für Oberschlesien vorgebracht. Als dann der Genosse Stroebel unter dem Deck­mantel einer Geschäftsordnungsbemerkung B die Handhabung des Vereinsgesetzes po- eren wollte, erhielt er einen Ordnungsruf, bis ihm schließlich auch das Wort entzogen wurde. Nachdem dann noch beim Kapitel: »Zuchtanstalt für Polizeihunde-, der Zehn- §ebote-Hoffmann- durch einige Witze zur Er- eiterung des Hauses beigetragen hatte, wurde für sieben Uhr eine Abendsitzung angesagt, in der indessen die Beratung auch noch nicht zu Ende gesührt werden konnte, so daß am Frei- a g die Debatte weitergeht.

Tirpitz erlöst.

Die Beendigung der Marine-Debatte.

In der Donnerstag-Sitzung des Reichs- sags sah man am Tisch des Bundesrats, allein in einsamer Größe, Herrn von Tirpitz, der schon eine Woche hindurch »im Feuer- stand, and heute endlich erlöst ward. Das Haus fährt in der zweiten Lesung des Marine- Etats fort.

In namentlicher Abstimmung wird mit 240 gegen 101 Stimmen die Resolution der So­zialdemokraten über die Vorschriften an die Lieferungsfirmen betr. Tarifverträge und Ar- heiterausschüsse angenommen (gegen die Rechte), ebenso eine Resolution Giesberts

(Ztr.) und Behrens (Wirtsch. Vgg.), die den Ausbau der Arbeiterausschüsse

fordert und gegen Rechte und Rattonalliberale eine weitere Refolutto« Giesberts über Tarif­verträge.

Staatssekretär von Tirpitz verliest in Be­antwortung der gestrigen Anfrage des Abge­ordneten Weber (nl.) folgendes Telegramm des Admirals Lanz: »Weder ist von Privat­firma noch von Privatfirmen ein Angebot für die Bergung von »II. III- gemacht worden, noch sind Firmen am Orte oder sonst vorhan- ibctt, die ein Angebot stellen konnten, das der

i^Hilfe der Marine vorzuziehen wäre. Das Ganze ist eine dreiste Erfindung.'

Abg. Dr. Struve (Vpt.): Die Unzufrieden­heit der Arbeiterschaft über den Werftdirektor Kapitän Jsendahl ist groß. Das System, einen Kapitän ohne jede fachliche Vorbil­dung zum Leiter eines so großen Jndnstrie- unternehmenS zu machen, hat

elend Fiasko gemacht.

Staatssekretär von Tirpitz: Die Arbeiter­organisationen werden nicht verhindert. Wir lassen uns aber nicht vom Metallarbeiterver­band majorisieren. (Beifall.) In sämt­lichen Marinen der Welt stehen Offiziere an der Spitze der Werften und das mit Recht, weil immer das militärische Moment im Vordergrund stehen muß. Die Oberwerftdirek­toren haben alle eine besondere fachliche Aus­bildung genossen.

Abg. Schirmer (Ztr.): Durch eine größere Berückstchttgung süddeutscher Gewerbe­treibender bei der Vergebung von Lieferungen würde auch im Süden das Verständnis für die Flotte erheblich gefördert werden.

Abg. Severing (Soz.) erörtert nochmals die Beschwerden gegen den Kapitän Jsendahl. Die Arbeiter sind

in hinterlistiger Weise behandelt worden. Das ist blamabel für die ganze Ma­rineverwaltung. (Vizepräsident Schulz rügt den Ausdruck.)

Geheimer Admiralitätsrat Harms erwi­dert auf eine Bemerkung des Abgeordneten Schirmer, daß die Löhne bei den Reichswerf­ten etwa s höher feien als bei den Privat­werften, und daß süddeutsche Geschäftsleute nach Möglichkeit herangezogen werden.

Abg. Dr. Weber (nl.): Herr Severing sollte mit seinen Kleinigkeiten das Haus nicht stun­denlang aufhalten. Außerdem hat Herr Se­vering alles falsch verstanden. Auf unserer Revisionsreise haben wir festgestellt, daß bei­spielsweise die hygienischen Einrichtungen viel besser sind als in den Privatbetrieben. Unsere Anregungen sind dankenswerterweise vom Staatssekretär in die Praxis umgesetzt worden. Das sagen wir, um dem verantwortlichen Mann

den Rücken zu stärken gegenüber dem Personal, und um die anderen Ressorts anzuregen, mit gleichen Reformen vorzugehen. Ich stelle fest, daß es auf unseren Werften durchaus nicht so schlecht steht, wie die Sozialdemokraten immer be­haupten. (Lebhafter Beifall.)

Abg. Severing (Soz.): Richt ich habe die Reise der Abgeordneten bekrittelt, Dr. We­ber hat den Schinken angeschnitten, er war dar Karnickel. Seine dialektischen Künste in Ebren, aber vom Werstbetrieb hat er keine Ahnung. Gewiß sitzen in Kiel nicht bloß Man­darinen mit dem Zopf, sondern auch ttichtige Techniker, aber viel zu wenig.

Abg. Erzberger (Ztr.): Alles muß ein Ende nehmen, auch die Werstdebatte. (Zuruf: »Darum nahmen Sie das Wort!') Man hat hier alles Mögliche bemängelt, aber

keine positiven Anträge gestellt.

Die Debatte wird sodann geschlossen und die Resolution der Budgettommission, die für das Jahr 1910 eine kaufmännische Bi­lanz über die Werften in Wilhelmshaven for­dert, wird angenommen.

Sonnabend, 18. Februar 1911.

Sos Deutsche Museum.

Museum für Technik und Naturwissenschaft.

(Von unserm Korrespondenten.)

München, 16. Februar.

Auf der Münchener Kohleninsel, umrauscht Son den raschen Wellen der Isar, also an einem Oft, wie man ihn landschaftlich sich nicht schö­ner denken kann, wachsen jetzt schon mächtig und hoch, fast bis zum Dachgesims, die Riesen- mauern des Deutschen Museums für Technik und Naturwissenschaff zur Höhe. Und da es sich hier nickt um eine einsei­tige Münchener oder bayrische Angelegenheit handelt, sondern um einen Bau und ein In­stitut, das den Fortschritt und die Höhe der g e- samt-deutschen Industrie, der Technik und oer verwandten Zweige dokumentieren soll, wird man auch außerhalb Jsarathens gern Näheres über den Stand der Bauten Horen wollen. Am 28. Juni 1903 wurde durch Baurat von Miller die Idee und der Verein zum Bau dieses gewaltigen Unternehmens geboren, und dank der rührigen Mithilfe aller Kreise steht der Bau heute schon halbvolleuvet da. Daß es sehr schwer war, ein solches Riesengebäude, das in feiner Grundlage ganz anders als an­dere Bauten geartet fein muß, auch nur zu ent­werfen, kann man fchon aus dem Umstand er­sehen, daß von dem ersten Entwurf, der bett oerbienten Baukünstler Gabriel von Seidl zum Vater hat, eigentlich jetzt (ba der Bau einer Hälfte schon bis zum Dachstuhl gediehen ist) fast nichts mehr übrig geblieben ist.

Durch den Zweck, dem das Gebäude dienen soll, bedingt der Bau allein fchon einen ganz besonderen Grundriß. Hier waren eine Menge Fragen im Einzelnen zu lösen: Er mußte so­wohl den handlichen Kleinprodusten der Tech nik, der Uhr, den optischen Linsen, kleinen Sammlungen, als auch großen Gegenständen als Aus- und Ausstellungsraum dienen, und Lokomotiven, Lokomobilen und Lustschisse müssen barin einst Platz finden. Und wenn man die jetzt schon vorhandenen Sammlungen des Deutschen Museums in den beiden statt­lichen Bauten an der Maximilianstraße und an der Zweibrückenstraße durchwandelt, bte nut notburftige Unterkunftsräume bedeuten, bann erüebl unb ahnt man schon, welche schwierige Aufgabe die Schaffung tbealer Räume bedeutet. Im ganzen stellt der Bau annähernd (und sich dem Boden-der Jnkel «kpassend). «in Rechteck

bar, besten erstes Überdecktes Quadrat ben eigentlichen Museumsbau darstellt, während das anschließende Quadrat einen Hof enthält, um den sich Zenttale, Verbindungsbauten und der stattliche Bibliotheksraum als die vier Sei­ten herumlegen,

Aber auch im Material der Bauten soll jeder Fortschritt der Technik, hier der der Bautechnik, zum Ausdruck kommen. So ist es wohl in- tereffant, zu hören, daß nur Eisenbeton Kies und Holz als Material benutzt wer­den. Ziegel und Mörtel sind verbannt. Der Ausstellungsraum inmitten des mittleren ersten Quadrats wird 23 Meter hoch, 65 Meter lang und 20 Meier breit sein und hauptsächlich dem Schiffbau und den Lanbestransportmitteln die­nen. Für das Fundament dieses mittleren Tei­les des bis heute schon aufgebauten Museums waren allein 1500 Eisenbetonpfähle nötig. Zum ganzen Bau werden nicht weniger als 60 000 Kubikmeter Beton nötig sein. In Waggons um­gerechnet, sind dazu 16000 Waggons Zement nötig und 200 Waggons Kalk. An Eisen kom­men zweieinhalb Millionen Kilogramm zur Verwendung, außerdem erfordert der Bau 12000 Kubikmeter Holz. Die gesamten Mate­rialien zum Bau würden 22 000 Waggon fül­len, also eine Bahnlinie von etwa 200 Kilo­metern stellen: Das wäre die Distanz zwischen München und Nürnberg. Die Kosten des Baues werden sich auf acht Millionen Mark belaufen. Da aber die Stadt München und viele Private namhafte Spenden in Form von Geschenken an Material einefteiis, von Grattsabgabe an Wasser und Licht andererseits sckon zugesichert und auch geleistet haben, hofft man, zu den schon vorhandenen fünf Millionen Mark nicht mehr allzuvrel zu brauchen. Im näch­sten Jahre wird der Riesenbau vollendet sein, und die deutche Technik und Naturwissenschaft besitzt bann am Jsarstrand eine ihrer würdige Heimstätte. B. 8.

Frau hon Mel.

Die Geschichte dreier Herze«.

(Bon ««ferm Korrespondenten.)

Paris, 15. Februar.

In einer in Pariser Blättern dieser Tage Veröffentlichten Biographie des Grafen Axel v o n F e r s e n, der eine Zeitlang der platonische Liebhaber der unglücklichenKöniginMarie Antoinette von Frankreich war. wird

auch ein interessanter Abschnitt int Leben die­ses nicht alltäglichen Mannes erwähnt, der ihn in nahen Beziehungen zu Germaine Recker, der späteren Dichterfreundin Frau von Stasi sieht. Graf Arel Fersen war ein recht hübscher Mann von dreißig Jahren, blond, schlank, ernst und melancholisch. Er war der Königin in diskreter, treuer, nie bekundeter Liebe zugetan, und als die Hosschranzen trotz seiner Verschwiegenheit entdeckten, daß er die Königin verehrte, ging er, um seine Herrin nicht bloßzustellen. für längere Zeit nach Amerika. Nach seiner Rückkehr suchte er jedes Zusammen­treffen mit der Königin zu vermeiden; als er ihr aber trotz aller Vorsichtsmaßregeln zu­fällig einmal wieder begegnete, begann fein Herz von neuem heftig zu fchlagen. Um sich nicht zu verraten, begann er in ben Salons ber vornehmen Welt zu verkehren, unb fein Freunb unb Landsmann Stasi brachte ihn auch in bas Haus des Genfer Bankiers unb fpäteren Ministers 91 cd e r, besten Tochter Stasi ben Hof machte. Germaine Recker, ba= mais noch nicht zwanzig Jahre alt, war recht häßlich, aber wegen ihres Geistes unb ihrer Intelligenz fchon weit unb breit bekannt.

Die Zwanzigjährige verliebte sich in ben schö­nen Fersen, ber sie eines Tages in Tränen fand: Das kluge Mäbchen vertraute ihm unter dem Siegel ber Verschwiegenheit an, daß es so­eben einen Heiratsantrag William Pitts abge- lehnt habe, und daß es so sehr weine, weil es heimlich einen Mann liebe, der es durch feine Kälte zurz Verzweiflung bringe. Fer- fen wurde bei dieser Herzensoffenbarung ganz blaß, und die kokette Germaine beutete biefc Emotion zu ihren Gunsten: Fersen wagte als stets galanter Mann nicht zu wibersprechen, würbe von ritterlichen Skrupeln ersaßt .unb schrieb nach einer offenen Aussprache mit feinem Freunbe von Stasi an seinen Vater, ben Mar­schall von Fersen, um ihm mitzuteilen, daß er Fräulein Recker zu heiraten gedenke, wenn der Vater dageaen mchts einzuwenden babe. Bis zum Eintreffen der väterlichen Heiratserlaubnis sollte die Verlobung geheim gehalten werben, unb ber kühle Rorblänber gab sich in bieser Zeit bie größte Mühe, bie Liebesglut seiner Braut ein wenig zu dämpfen. Da gefchah es, baß ein Empfang bei Hof in Fersens Herz von neuem bie Liebe zur Königin ent« zünbete: es war ihm baher durchaus uicht un­angenehm, als bald darauf aus Schweden eine Antwort eintrat durch die ber alte Fersen

tunbtat, baß er nicht in ber Sage fei, den Hei­ratsplänen seines Sohnes beizustimmen. Ei­nige Monate später wurde Fräulein Recker,,, Baronin von Stasi...! Dr. Sch.

Kleines Feuilleton.

S Das Konzert ber Kinder. Zu betft Massenkonzert der 600 Schulkinder, das am Sonntag im »Stadtpark- stattfindet, ist noch zu bemerken: Nunmehr sind bie Rüstungen zu biefem noch nie bagetoefenen Erelg- n i s beettbet. Die abgehaltenen Proben ver­sprechen einen ganz hervorragenden Genuß, der durch die Darbiettingen von Frau Kahse- Sckuster noch gesteigert werden dürfte. Die geschätzte Opernsängerin singt Lieder von Cor­nelius, Brahms, Schumann. Pretzsck, Pittrich, Jüngst. Unser beliebtet Cellist, Herr A. Keim, trägt ein Adagio von Becker, ein Me­nuett von Popper unb das Wiegenlied von Keim vor. Der Kattenverkauf bei Freyschmidt findet bis zum Sonnabend abend statt (Sonn­tag geschlossen). Die Eintrittspreise betragen 3, 2 und 1 Mark (num.) Die sehr hohen Unko­sten können nur durch einen Massenbesuch ge­deckt werden. Der etwaige Reinertrag ist für die Ferienkolonie bestimmt.

Das Duell der Literaten. Wie uns aus Paris telegraphiert wird, wurde dort gestern zwischen zwei Autoren, dem Kftttker R i p und dem Dramattker d e F l e r s, ein Duell ansgefochten. Es fanden 13 Gänge statt, bei denen Rip wiederholt entwaffnet wurde. Schließlich wurde er von seinem Geg­ner am Handgelenk unb an ber Hanb ver­letzt. Das Duell ist aus eine Preßvolemik zurückzuführen.

Tu Cosima Wagner erkrankt! Aus Ra- pallo wirb telegraphisch gcmelbet: Frau Cosima Wagner habe einen bedroh- liche« Anfall von Herzschwäche gehabt, so­daß Professor Schönburg drahtlich an das Krankenbett der Herzleidenden berufen worden fei. Auf eine Anfrage in Bayreuth wurde ge­antwortet, Nachrichten von gestern vormittag aus Santa Margheftta zufolge gebe das Be­finden ber Patientin zu Besorgnissen keinen Anlaß,