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den

im Fall der Ciasto«

Im Königreich Krupp

übermütig und

ntl

Wir bitten den Minister, dieser bedenNichen. Erscheinung auf den Grund zu gehen. (Hort,

zu kokettieren."

Rasch treten die Masken aus dem Hinter-

Aufmerksamkeit schenken.

Minister von Dallwitz entgegnet, daß von

Deutschland zur See.

ReichstagS-Titzung vom 15. Februar.

reaktionären Kreise zu bekämpfen. So werden auch wir den Wahlkampf hier im Osten führen, in der Ueberzeugung, daß unser Weg nach oben führt. Ich habe die Ueberzeugung, daß dem liberalen Gedanken, dem gemäßigten Li- beralismus die Zukunft gehört. Die Rede machte großen Eind ruck und wurde mit türmischem Beifall ausgenommen.

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ber Insel Fehmarn acht Monate lang mPo- lizeibaft gehalten wurde, ohne daß irgend etwas gegen sie vorlag. Aus welche Weise das Mädchen schließlich doch entlassen worden sei, stehe immer noch nicht fest. Der Minister möge der vernachlässigten Änsweisungspolizcr meh?

Abg. Korfanty (Pole): Das Veremsrecht wird in den polnischen Gebieten durch die Landräte und Amtsvorsteher mißachtet Ber uns ist der Landrat noch nicht einmal Kreis-! tiesvater, sondern der Feind des Kreises.

Abg. Liebknecht lSoz.) behauptet, daß der Berliner Polizeipräsident von Jagow bjw Ver­kehr hemme Es sei nicht möglich, .den Minister dahin zu bringen, daß er denpflichtw rd ri- gen Berliner Polizeipräsidenten rektifiziere. (Präsident von Kröcher ruft den Redner zur Ordnung.) Das Volk, das hinter uns steht» wird

einen unbotmäßigen PolizeiprLfidonten in seine Schranken zurückzuweisen wissen.- (Heiterkeit.)

Minister von Dallwitz: Ueber die VcrdA^ tigunaen des Berliner Polizeipräsidenten durch den Vorredner brauche ich kein Wort zu verlieren. Ein Verbot der sozialdcmokrcttischmr Jugendorganisation ist notwendig, Werl diese Vereine in die jugendlichen Gemüter das Gift des Klaffenhasses hineintragen. (Sehr rrchtig! rechts). Das Haus vertagt sich hierauf. Außer­halb der Tagesordnung bemerkt

Abg. Dr. von Heydebrand ikons.) in Bezug auf die Erklärung des Abg. Dr. Friedberg zu Beginn der Sitzung, daß er einen wesentlichen Unterschied zwischen dem, was Dr. Frredberg heute und er gestern sagte, nicht erkennen könne und so leider nichts zuruckzunehmen habe.

Nächste Sitzung und Weiterberatung: Don­nerstag. Vorher sollen noch einige Anträge erledigt werden.,

Der schlanke, zierliche Page deutet «regt auf zwei Masken, die sich Mhern: .Schau Käthe, dort kommt Dein Doktor Elfenbart am Arme der glutäugigen Spanierin. Sür meinen Geschmack wäre die Dame etwas zu stattlich, aber'sie ist eine imposante Erscheinung und ver­steht es meisterhast, mit dem prachtvollen Facher

in Betracht kommenden Bestimmungen über die ausländischen Saisonarbsiter nicht abge- gangen werden könne. Was amÄlcherseus ur der Angelegenheit habe geschehen müssen, fcr bereits erfolgt.

Abg. Leinert (Soz.): Es gibt keine« Land­rat der aus Handwerkerkreisen, geschweige denn aus Arbeiterkreisen stammt. Die Land­räte haben sich eine Macht angeeignet, auz dre sie keinen Anspruch haben. Von ihrem Terrorismus könnte man Bände schreiben.

Stog' Dr. von Woyna (fk.>: Unser Volk leidet nicht unter der Fuchtel der Landräte» andern unter der der Sozialdemokra­tie. (Sehr richtig! rechts.) Eine betrübliche Erscheinung ist es, daß die Sozialdemokraten in Hannover an amtlichen Stelben Zuträger besitzen, die ihnen unter grob« Pflichte«-' letzung

amtliches Material liefet«.

Die verehelichen Leser werden höflichst ersucht, sich ibe» Einkäufen auf die Inserate in den »Casseler Neueste Nach­richten" zu berufen. ::

Staatssekretär von Tirpitz: Der Marine­verwaltung ist es weder quantitativ noch qualitativ möglich, in alle diese Einzelheiten hineinzusteigen. Wir können doch Unmöglich alle Werke und einzelnen Werkstätten kontrol­lieren. Auch würden wir da auf ungeheuren Widerstand der Industrie stoßen. Mein persönlicher Eindruck ist der, daß wohl kaum eine Firma so viel für die Verbesserung der Wohnungsverhälmtffe und der fozialen Lage ihrer Arbeiter getan hat, wie die Firma Krupp. (Sehr richtig! rechts.) Wenn wir un­seren Lieferanten so weit gehende Verpflichtun- gen auferlegen wollten, würden die Preise wesentlich steigen. Die Firma Krupp bezieht

ihre großen Einnahmen

zum allerwenigsten aus den Marinelieferungen. Wir gehen über einzelne Forderungen des An­trages schon hinaus und verlangen nicht bloß die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften über die Arbeitsbedingungen, sondern auch eine gewisse Sicherheit für die Erfüllung bet Verpflichtungen. Die Wünsche der Arbeiter­ausschüsse werden berücksichtigt. Zum Abschluß von Tarifverträgen kann ein einzelnes Ressort nicht Stellung nehmen.

Abg. Giesberts (Zentr.): Der Antrag der Sozialdemokraten geht uns zu weit. Wesent­liche Punkte des Antrages haben ja schon Er­füllung gefunden. (Während der Rede des Ab-

scherzend.

»Aber sag' Männchen, wie konntest Du eS übers Herz bringen, mich mit dieser Spanierin zu hintergehen?" schmollt Frau Käte.

Da lacht Doktor Reimer übermütig und

~ seiner Dame, die den Pagen sucht, laut zu: tte, Max. komm doch schleunigst mal her!

Die Spanierin nähert sich mit zierlichen

Sie Parlamente.

Ernst Baffermann auf bet Wanderfahrt. (Vonunserm Korrespondenten.) Fast zur selben Zeit, da im preußischen Abge­ordnetenhaus durch Herrn von Hevdebrand das Tischtuch zwischen Konservativen und Rationalliberalen endgiltig zerschnit­ten worden ist, hat ber Abgeordnete Basser­mann in Ostpreußen eine Rede gehalten, die üb« das zukünftige Verhältnis zwischen den ge­nannten beiden Parteien keine Unklarheit mehr läßt. Es werden uns darüber folgende Ernzel- beiten berichtet: _ _

Lyck, 15. Februar.

hört! rechts.) Der Landrat soll über den Parteien stehen. Das kann er, soweit nicht das Staatsinteresse eine andere Haltung erfordert. Jnbezug auf die Sozialdemokratie gibt es nur einen Standpunkt: Gegen sie!

geordneten Giesberts erleidet einer der am- iierenben Reichstagsstenographen einen Ohn­machtsanfall unb muß aus bern Saal getragen werben.) Die Sitzung wirb beshalb auf kurze Zeit unterbrochen, lieber die Resolution ber Sozialdemokraten wird

am Dounttstag namentlich abgestimmt.

Abg. Dr. Struve (Bp.): Ein K a st e n g e i st besteht in ber Marine im allgemeinen nicht. Freilich würbe einmal ben Zahlmeisteraspiran-- ten unb Ingenieuren verboten, bessere Plätze tat Theater zu nehmen.

Staatssekretär von Tirpitz: Das war kein Kastengeist, es machte sich ein gewisser Rekord geltend, sich an Ausgaben zu überbieten. Ich bitte doch, nicht in die Marine Unzufrie­de n h e i t hineinzutragen. _

Abg. Struve (Vp.) bemängelt dre Erhö­hung der Reisezulagen für Offiziere. Bei die­sen beschränkten Mitteln, bei denen man den Heizern ihre 20 Pfennige nimmt, bringt man es fertig, den Offizieren 117000 Mark m C MzcadmUal' Capelle: Dr. Struve irrt sich. Die von ihm bemängelten Erhöhungen bet Reisezulagen einzelner Offiziere stnb ja nicht in bern Titel „Reisezulagen" bestritten worben, fottbern

aus einem Spezialtitel.

(Abg. Dr. Struve: Das ist ja noch schö­ner!) Die Zulage selbst ist in einer bestimm­ten Höhe gesetzlich festgelegt.

Abg. Dr. Leonhard (Vp.): Im Kieler Werftprozetz hat der Staatssekretär eine Bestrafung der schuldigen Beamten.zugesagt. Nun ist in der Hauptsache gegen bte Fabri­kanten eingeschritten worden, die im Prozeß ungünstig ausgesagt haben. Die jungen Her­ren waren eben erst von der Schulbank in den Werftdienst übergetreten. Sie konnten nicht ahnen, daß ihre Vorgesetzten „keine reine Weste" hatten. Ihre Beschwerden sind trotz­dem summarisch ohne Nachprüfung verworfen to0rat6g. Dr. Weber (nl.) kritisiert, daß bei Rettungsarbeiten für das gesunkene Untersee­boot „U. 3" die Hilfe zweier Privatwerf- t e n abgelehnt worden ist.

Nachdem Staatssekretär von Tirpitz zuae- sagt hat, in der Angelegenheit eine Untersu­chung einleiten zu lasse«, vertagt das HauS die Weiterberatung auf' Donnerstag.

„Nun, ist das am Rosenmontag etwa eine Sünde, Du Schäfchen!"

„Und wenn ich sie wieder geküßt habe

'So war das als galanter Page Deine ^^“aber^bie spanische Dame hat sich ihre« Schnurrbart rasieren lassen; ich spurte es und bin überzeugt, daß sie ein verkleideter Herr istz

Madel, Du hast wohl etnen Schwips?

'Ach nein, liebe Käthe, die falsche Betrü­gerin, die übrigens sehr lustig zu plaudern ver­steht, hat die Flasche fast ganz allein geleert

„Na, das ist eine nette Bescherung", sagt Käthe seufzend, „ich hoffe, Du hast Dich ge- ^^Jn diesem Augenblick ruft Doktor 6ifenbort vergnügt: „Da sind ja die beiden hjchschenT^- ferteurfnnen!" Und zuKäthe gewendet: , Mein liebes, girrendes Täubchen, ich habe Dich gleich elIa"$8ie ist das möglich?" fragt Käthe erstaunt.

„Unser Friseur hat Dich verraten."

'Hast Du es gehört, Elsbeth? Sollten wir diesem Schwätz« nicht einen losen Streich sp,e- Ien’.@r hat es wahrlich verdient. Wir wollen ihm einen Maulkorb anlegen," droht Elsbeth

Nach dem Sturm.

Abgeordnetenhaus-Sitzung vom 15. Februar.

Im Abgeordnetenhause hatte man sich heute auf eine Fortsetzung des Diens­tag-Duells zwischen den Konservativen und Nationalliberalen gefaßt gemacht, und die Tribünen wiesen denn auch eine starke Beset­zung auf. Es gab indessen eine g r o ß e E u t- täuschung. Anfangs schien es zwar so, als ob die Fehde von neuem losgehen sollte. Der nationalliberale Führer Abgeordneter Fried­berg begann vor Eintritt in die Tagesord­nung mit einer gestern von uns bereits tele­graphisch mitgeteilten Erklärung gegen die Ausführungen des Herrn von Heydebrand, der den bekannten Ausdruck Bassermanns über den

„Beutezug ber Grotzbrenncr"

Gottes Willen, Käthe, wie siehst Du aus! Ist Dir ein Unglück zugestoßen?"

Frau Reimer reicht der fröhlichen Schwä­gerin matt die Hand und spricht in dumpfem feierlichen Ton: „Liebe Liesbeth, wenn Du je­mals heirate« solltest, obgleich ich nicht dringend genug vor der Falschheit der Männer warne« kann, dann wähle nicht einen Frauenarzt."

Elsbeth entgegnet erstaunt: „Weshalb ben« nicht? Das sind doch meistens kluge, lie­benswürdige Herren."

„Leider zu liebenswürdig!" spricht Käthe herb unb wirst einen wütenden Blick aus das vNhängnisvolle Papier. „Ist es Dir denn noch gar nicht ausgefallen. daß mein Mann stotz fei­ner Jugend als Arzt so begehrt ist? Die Da­men reißen sich um ihn, und feit heute morgen weiß ick daß mein Gatte mich beirügt."

Elsbeth liest die Depesche und sagt dann erregt: „Ra wart', mein Brüderchen! Den Spaß wollen wir Dir versalzen."

„Wie burschikos diese Person sich ausdrücki; ich sehne mich nach Dir, Du Heber Kerl!... ist das nicht empörend?" klagt Käthe. _

Elsbeth sucht die saffungslose Schwagerm zu beruhigen und spricht: .BitteärgereDich nicht, das ist dieses treulose Mann«geschleckt gar nicht teert; auch bekommt man vom Aerger nur Runzeln und Faltern Laß uns lieber be­raten, tote tetr diesen Durchgang« entlarven und strafen können."

Es gibt nur einen Weg. diesen Schelm auf frischer Tat zu ertappen" sagt Käthe mit drohend geballter Hand, -wir muffen uns eben­falls vermummen und bte Reboute besuchen.

Das ist ein famos« Plan", rubelt bte Schwägerin; „well dies jedoch eine Dame am Rosemnontag nur in Herrenbegleitung tun darf, so werde ich mich in einen schmucken Pagen ver­wandeln und Dein Stabalter fein. Ich iah noch diesen Morgen im Schaufenster «nes Magazins das prächtigste Pagenkoftüm Die Verkäuferin sagte mir. es sei billig zu haben, well es zwar bestellt, aber nicht abgeholt worden sei Du ab« nimmst das polnische Edelfranletn!

Die retchgeschmückten Säle durchflutet ein Meer von Licht. Rauschende Musik entzückt den hin- und herwogenden Schwarm ber Maske«. Der Duft von frischen Frühlingsblumen mischt sich mit feinen Parfüms und wirst b«aufche«d. Elektrisch erleuchtete, farbenbunte Glühlampen funkeln wie große Edelsteine durch das üppige Grün ber Blattgewächse, die lauschige Grotte« beschatte«, in welche« schwellende Polsterbanke , aur Ruhe einladen.

F In einem solchen traulichen Versteck mustert em anmutiges Paar die Vorüberwandelnden.

sehe es übel aus. Die Industrie habe bte ganze Gegend ausgepreßt tote eine Zitrone und nur die Großunternehmer hätte« davon pro- fitiert.

Am Tische des Bundesrats: Großadmiral von Tirpitz. Die Beratung des Marineetats wird fortgesetzt und ohne Debatte das Gehalt des Staatsfekretärs gegen Polen unb Sozial­demokraten bewilligt.

In namentlicher Abstimmung wird sodann ber Antrag ber Volkspartei unb ber Sozial­demokraten auf unverkürzte Wiederherstellung der Heizerzulagen mit 162 gegen 155 Stimmen bei 4 Enthaltungen abgelehnt. Es verbleibt somit bei dem Kommissionsbeschluß, wonach die Heizer die Zulage an den Tagen «halten, an denen sie als Heizer Dienst tun. Es wird

eine Resolution der Kommission angenommen, die bei den Reichsbehörden eine genügende einheitllcheArbeitszeitder Beamten und durch anderweitige Organisation eine Verbilligung^der Kanzleiarbeiten fordert.

Abg. Hue (Soz.) begründet einen Antrag der Sozialdemokraten, wonach Arbeiten und Lieferungen nur an solche Firme« vergeben werde« sollen, die in Bezug auf die Arbetis- bedingungen die gesetzlichen Vorschriften etn- halten und sich verpflichten, auf den Abschluß von Tarisverträgen hinzuwirken. Ferner soll die Marineverwaltung die Arbeitsbedingungen unter Mitwirkung der Arbeiteraus­schüsse regeln. Der Redner verweist auf bte Zustände bei der Firma Krupp, die ja in «st« Linie von Staatsaufträgen lebe. Das Reichs- marineamt sollte im Interesse des Etats aus die Exportpolitik dieser Firma achten.

halt.

Der Page begrüßt die stolze Sevtllanestn durch zierliche Verbeugung, küßt ihr artig die Hand und flüstert: „Liebreizende Tochter aus dem Lande Don Quixotes und b« gebratenen Kastanien, gestatte, daß ich Dich bem langwei­ligen, verstaubten Pillendreher entführe, mich dürstet nach Deinem schwellenden Lippenpaar."

„Du bist unverschämt, allerliebst« Jüng­ling," entgegnet die Tochter des sonnigen Sü­dens, unb gibt dem Pagen einen liebkosenden Schlag mit dem Fächer; „aber ich folge Dir gern an ein verschwiegenes Plätzchen, denn am Ro­senmontag dürfen alle Bande gelöst werden, und mich dürstet nach süßem Sekt." Bald steht eine Flasche Schaumwein vor dem Pärchen und die spanische Dame zecht wie ein alter Student,

Auch das polnische Edelfräulein ist nicht blöde. Käthe streichelt dem Doktor Effenbart zärüich die Wange«, schnurrt wie ein verliebtes Kätzchen und svricht nut tiefer Altstimme: „Du gefällst mir, hochgelahrt« Herr! . . Sage, lie­ber Freund, besitzest Du unter Deinen Arzneien ein wirksames Mittel, um ungetreue Ehemän­ner z« strafen und zu bessern?"

„Mein süßes Schätzchen," entgeaenet Doktor Eisenbart schelmisch, »das beste Mittel, einen Gatten zu strafen, ber so viel Holdseligkeit tö­richt vernachlässig!, besteht darin, daß Du gleiches mit gleichem vergiltst. Bessern wirst Du ihn nicht können; denn das Wildern auf fremdem Revier ist gar zu verlockend, und glau­be mir, dem erfahrenen Arzte, daß die Ltebes- tränle zu allen Zeiten ein trügerischer Zauber waren."

Das Edelfräulein schmiegt sich kosend an den Wunderdoktor und spricht: „Gern lauschte ich noch länger Deinen Worten, aber hier beob­achtet man uns, bitte begleite mich in jene ein­same Grotte . .."

Eine schmetternde Fanfare d« Trompeten­bläser verkündet, daß die Stunde der Temas- tierting gekommen ist.

Wenige Minuten später begegnet der Page seiner Polin und spricht ganz verstört: „Denke Dir, liebe Käthe, welches Abenteuer ,ch er­lebte ... die Spanierin hat mich geküßt.«

Schritten. . _

„Hier, teure Gattin, stelle ist Drr meine« ehemaligen Leibfuchs Doktor Maria Stein vor; dieser treue Jugendfreund mimte auf der Aeb- haberbühne bei unteren tollen Stubentenfeiten stets die keusche« Jungfrauen; hat er nicht feine Rolle vortrefflich gespielt?" . . m m

.Ab« woher stammt der irreführende Name Maria

„Der ist in der Rheinprovinz bei Männer« nicht ungewöhnlich, gnädige Frau, als Beispiel zitiere ich Johann Maria Farina und den ge­nialen Komponisten des „Freischütz", Karl Ma­ria von Weber", bemerkt der junge Arzt unb wirft dem Pagen v«stoblen eine Kußhand zu.

Frau Käthe sieht es und spricht nedettb: „Es scheint, daß der lose Schelm, Gott Amor, an diesem Rosenmontag sein betörendes Spiel trieb unb gute Bente machte."

Diese Prophezeiung erfüllte sich, denn als die duftigen Veilchen wieder blühten, waren Dottor Maria Stein und Elsbetb Reim« ein glückliches Brautpaar . ..

Abgeordneter Bassermann führte ge­stern in einer hi« abgehaltenen großen Ber- fammlung aus. Wenn wir die Zeit­lage bettachten, müssen wir sagen:

Die Herrschaft in deutschen Lan­

den und im deutschen Parlament liegt heute in den Hände« des schtoarz-blauen Blocks. Wer herrscht heute im Reichstag? Es ist ber Zustand wieder hergestellt, der vor 1906 vorhanden war. Das Zentrum ist wieder zur ausschlaggebenden Par­tei geworden. Kein Gesetz ohne Zentrum, kein Gesetz ohne Zentrumsstempel, genau wie vor der Reichstagsauflösung. Und die Regierung trägt dies« Sachlage Rechnung. Im preußischen Landtag (darüber kann kein Zweifel sein), ist die ausschlaggebende Partei die konservative, die dort im großen unb ganzen über bie Geschicke bestimmt. Unb wenn totr bie Frage auftoerfen, ob bief« Zu­stand ein gut« ist, so möchte ich diese Frage verneinen. Ich meine, daß eine Herrschaft von Klerikal-Konservativen in Deutschland den Erfolg habe« muß, d« von den großen nationalliberalen Staatsmännern vorausge­sagt worden ist, daß sie zum Nachteil und schwerenUnheil für die deuffchen Lande gereichen muß. Wenn wir diese Herrschaft «ns ansehen, soweit der Reichstag in Frage konmit, so beruht sie im we­sentlichen auf der Wahlkreiseintei- lung. Aus der Statistik ergibt sich, daß nach ber jetzigen Wahlkreiseinteilung die Konservativen einschließlich bet Antisemiten im Reichstag einZuvielvon28 Man- batett zu verzeichnen haben, Zentrum mit Polen unb Elsässern haben ein Zuviel von 33 Manbaten. In all ben Wahl­kämpfen, bie uns bevorstehen, wird natur­gemäß die Reichssinanzresorm immer wieder zur Debatte stehen, wenn auch diese Debatte den Konservativen unb bem Zentrum noch so unangenehm wirb. So schnell ver­gißt bas deutsche Volk nicht. In jenen Tagen der Reichsfinanzreform haben die Konservativen unb bas Zentrum schwe re Sch ul b auf sich genommen. Unb wenn ich zurückblicke auf bie Veränberungen, bte gerabe in jener Zeit in ber deutsch-konser­vativen Partei vor sich gingen, so muß ich sagen: Schwere Schuld haben sonderlich au sich genommen die Führer des Bund es der Landwirte, bie in ber Frage ber Erb­schaftssteuer ben Geßlerhnt aufridjteten, vor bem bie konservative Partei ihre Reverenz bezeugt hat, vor dem bie nationalliberale Partei bie Reverenz zu erzeigen abge- lehnt hat.

Der Rebner schloß: Es geht ein s t i s ch es Leben durch unser Volk, unb bie Erkenntnis wächst, baß es gilt, bie finstern Gewal­ten des Klerikalismus und b« verbündeten

wieber falsch zitiert habe. Herr v. Hehdebranb antwortete indessen nicht, unb man ging als­dann zur Besprechung des Kapitels „Sanbräte" über. Zunächst begann man mit einigen Pa- ritätsklagen von feiten des Zentrums, unb bann nahm

Abg. Xtaeger (Fr. Vpt.) das Wort, der nochmals den Fall des polnischen Mädchens Josepha Ciaston zur Sprache bringt, die auf

Rosenmontag.

Faschings-Humoreske von Bernhard Ohrenberg.

Die Sprechstunde ist vorüber. Der junge, bielbeschästigtc Frauenarzt Paul Reimer nimmt Abschied von seiner Gattin, um im Auto bei ben zahlreichen Patientinnen die Runde zu ma­chen. Da überreicht ihm die alte Dienerin ein T^Rachdem der Arzt hineingeblickt hat, steckt er das Papier in die Seitentasche keines lieber« rockes mit den Worten: „Ein junger Kollege aus Main; benachrichtigt mich von seiner An­kunft hier in Köln unb bittet daß ich ihn auf bem Bahnhofe empfange; es handelt sich um eine wichtige Beratung, denn es ist ein schtoie- riger Fall. Der Vorsicht halber will ich dar Etui mit den wichtigsten Instrumenten gleich

Zärtlich sagt die Gattin: „Ohne AbschiedS- kuß willst Tu Dich fortstehlen? . . Daraus wird nichts . . .gleich kommst Du herein! Unb im Ueberrock miUfiTtu Dich tn das Auto setzen? Als ich das Fenster öffnete, um ben Spatzm ein paar Krumen zu streuen, traf mich ein eis­kalter Windstoß. Net«, lieber Männchen, er­kälten darfst Du Dich nicht! Deine Patientin­nen würden untröstlich Jein, wenn sie auf Deine Besuche verzichten müßten . .."

Mit Sinnen und Gebrumme vertauscht d« Arzt seinen Ueberrod mit dem Pelz, küßt sein hübsches Frauchen auf den schwellenden Mund unb fährt davon. Als das Schnaufen des Au­tos verhallt ist, entnimmt die junge Frau ver­schmitzt lächelnd dem erbeuteten Ueberrock die Depesche und flüstert übermütig: „so. die hatte ich ihm glücklich abgejagt! . . . Wie sorglos doch die Männer in rede Falle gehen!

Aber bald verschwindet Frau Köche» sieg­haftes Lächeln, als sie folgende Zellen liest: .Lieber Paul! Bitte, halte fiir mich am Rosen­montag ein elegantes Damenkostüm bereit, ich sehne mich nach Dir, bu lieb« Kerl! Wir WoT len glückliche, fidele Stunden miteinander v«- ieben. Es grüßt Mari a..*

Die junge DoktorSftau sinkt kraftlos ta bic Polster der ©aufeufe, und ihren zitternden Hän­den entfällt das Telegramm. Jetzt hört sie im Vorzimmer bie wohlbekannte Stimme ihrer stets heiteren, hübschen Schwägerin: „Guten Morgen, Susanna!... Ist Frau Käthe zu fpre- fcen?"

„Aber gewiß, Fräulein, spazieren sie nur hinein." 1

Rach ben ersten herzlichen Worten b« Be­grüßung ruft die Schwägerin bestürzt: „Um