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Mittwoch, 15. Februar 1911;

Casseler Neueste Nachrichten

Nr. 62. —~CJahrgang.

man

E. G.

Neuling beim Genuß der stark geeisten Brau­sewässer befallen. Der Vorzug wird indessen besonders von der Polizei angenehm empfun­den, die nicht nötig hat, betrunkene Narren und Närrinnen auf öffentlichen Straßen und Plätzen aufzulesen, oder Messerhelden vor der Volksjustiz zu schützen. Die Polrzei feiert den Karneval, so gut es geht, mit; denn auch je- der Spitzbube, der noch ein bißchen auf sich hält, vermeidet es, an diesen Tagen seiner Ar­beit nachzugehen, sondern wirkt lreber in einem Karnevalszug mit, wo er uch der der Ausschmückung von Wagen oder der Zusam­mensetzung von Gruppen nützlich machen kann. Die Vorbereitungen für das Karnevalss^r nehmen in Rio de Janeiro den Teil des Jah­res ein, der zwischen dem Ende des alten und dem Anfang des neuen Karnevals liegt, und mehrere hundert große und kleine Gesellschaf­ten sammeln das ganze Jahr hindurch, um dem Prinzen Karneval einen würdigen Emp- ang zu bereiten. Es gibt Vereine, die im Laufe des Jahres einige hunderttausend Mark zusammenbringen, und andere, die mit wenigen hundert Mark auskommen müssen. Jede Straße aber und jedes Gäßchen hat sei­nen Karnevalsverein, der die Vorbereitungen ur das bedeutungsvolle Fest mit Umsicht zu treffen hat. Jeder Verein, der sich dem Prin­zen Karneval verschrieben hat, vollbringt an jedem Tage der dem lustigen Prinzen gewid­meten Zeit einen Umzug, er zieht so lange m den Straßen seines Reviers herum, bis . . . die Musikanten am Ende ihrer Kräfte ange­langt sind und keinen Ton mehr von sich ge-

Bai der Welt, bei ihrem Karnevalsfest ganz unter sich bleibt. Der Fremde, der nach Köln oder Nizza fährt, um dort die Freuden des Karnevals zu genießen, um für sein Geld Narrheit einzutauschen, ist in diesen Städten zumeist nur Zuschauer, nicht Mitwirkender. In Rio de Janeiro sehlt das zuschauende Publi­kum, dafür aber Wirkt ein jeder Einheimifcke kräftig mit, so daß während der Karnevals­tage die „Stimmung" nicht einen Augenblick verloren geht. Der Brasilianer ist unter den tributzahlenden Untertanen des Prinzen Kar­neval sicher der freigebigste und der opferfreu­digste. Die Liebenswürdigkeit seines Charak­ters, seine angeborene Sorglosigkeit, sein Sinn für Witz und Satire prädestinieren ihn , zum Untertan per exeellence seiner närrischen

Hoheit.

Im Feiern von Festen von frühester Ju­gend an geübt, ist der Brasilianer ein ausge- prochener Feind von sogenannten „störenden Elementen" bei diesem luftigsten aller Fron­dienste. Nie sitzt ein Ministerium fester tm Sattel als in den Zeiten des Karnevals, und der berufsfreudigste Revolutionsgewerbler tut gut, seinen „Thrannenhaß" während der Tage des Karnevals zu beherrschen. Eine Storung der Karnevalsfreuden würde ihm als grobe Taktlosigkeit ausgelegt werden und ihm für alle Zeiten das Geschäft gründlich Verderben Der Respekt, den der Brasilianer vor sich selbst in der Brust trägt, und die verständnisvolle Nachsicht, die er seinen Rebenmenschen gegen­über zu üben pflegt, bewahren ihn auch tm tollsten Karnevalstrubel vor Rüpeleien und bösartigen Ausschreitungen. Aber noch ein anderer Punkt spricht da mit, der für uns Deutfche ganz besonders lehrreich ist: Der Bra­silianer ist Abstinenzler und bedarf, um sich zu freuen, um lustig und ausgelassen bis zur Tollheit zu sein, nicht des Stimmungsma­chers Alkohol. Das klingt fast unglaublich, aber es ist wabr. Die ungeheuren Mengen von Bier und Wein, die auf der Oktoberwieie in München dazu dienen müssen, den Durst zu löschen, und den „Samur" zu wecken, würden bei einem Karneval in Rio de Janeiro ihren Beruf verfehlt haben. Dort trinkt man . . .

'^Die^ Schattenseite dieses Verfahrens liegt in den unheimlichen Maaenkrämvfen. die den

ben können.

O, diese Musikanten! Warum sind diese Leute so lungenkräftig, daß sie erst nach Mit­ternacht zusammenknicken? Es gibt lernen bes­seren Beweis für die gütige Nachsicht des Brasilianers gegen seine Rebenmenschen, alI seine engelhafte Duldung diesen Musikanten gegenüber. In Deutschland würde man solche gräßlichen Lärmmacher, die mit den Ohren ihrer Rebenmenschen so gar kein Mitgefühl haben, schonungslos an den Ohren aushan- qen. In Brasilien honoriert man die Leistun­gen dieser falschen Jünger Apollos noch n barem Geld. Die großen Vereine, die mit peu hunderttausend Marl in den Kauen, ver-

Der Zar reist nach England. (Spe­zialtelegramm.) Aus London wird uns depeschiert: Rach einer Meldung des Pe­tersburger „Daily--Mail"-Korrespondenten ist es wahrscheinlich, daß der Zar, der anläßlich der Krönung des englischen Königspaares im Juli dieses Jahres in Spitheat stattfindenden großen Flotten-Revue beiwohnen wird, Die „Times" meldet dazu unter dem Titel„ Zu erwartender Besuch": Eine Schiffsbaufirma In

Mitteilungen über die letztwilligen Ver­fügungen, die sich auf das Vermögen be­ziehen, über Legate, Stiftungen und die fer­nere Leitung des Bankhauses werden erst nach der formellen Testamentseröffnung den Erben bekannt gegeben. Am Tage der Beerdi­gung werden in Wien 200,000 Kronen und i« Budapest 100,000 Kronen an d,e Armen der Stadt zur Verteilung gelangen.

Einem uns aus H a l l e a. S. zugehenden Privattelegramm zufolge hat der kürz­lich dort verstorbene Geheime Kommerzienrat B e 1 b ck der Stadt Halle eine Summe von eineinhalb Millionen Mark für Zwecke der Jugendfürsorge utzd außerdem zwei wertvolle Grundstücke testamentarisch vermacht.

Der Brasilianer ist ein Fanatiker im F e i e r n v o n F e st e u. Wie so manches an­dere, das bei unseren Antipoden auf den Kops gestellt zu sein scheint, ist dies auch mit dem Bibelwort der Fall: Sechs Tage sollst du ar­beiten und am siebenten sollst du ruhen. Durch einen Fehler des Uebersetzers scheint dies bib­lische Wort in veränderter Form seinen Weg nach Brasilien gefunden zu haben. Dort lau­tet es: Sechs Tage sollst du ruhen und am siebenten Tage sollst du arbeiten! Je­denfalls nimmt es der Brasilianer, der sonst durchaus nicht zur Frömmigkeit nergt, mit der Einhaltung des ersten Teils dieser falsch über­setzten Vorschrift peinlich genau, über den Passus „am siebenten Tage sollst du arbeiten setzt er sich, als freier Bürger einer Republik, mit der stolzen Begründung hinweg, daß er sich darüber von niemandem Vorschriften ma­chen lasse. Kirche und Regierung wetteifern darin sich bei dem Volke angenehm zu ma­chen, indem sie seiner Freude am Feiern von Festen durch Ansetzung von unzähligen kirch­lichen und politischen Feiertagen liebevolles Verständnis entgegenbringen. Man ba£ in Brasilien ganz-, halb- und vierteltagige »teste. Am beliebtesten sind die mehrtägigen, und utv ter diesen ist der Karneval das Fest, das sich mit seinen Vor- und Nachfeiern über den längsten Zeitraum ausdehnt; und aus diesem und manchem anderen Grunde beteuigt man sich mit einer Ungezwungenheit und einem Enthusiasmus an seiner Verherrlichung, btc bei jung und alt, bei arm und reich, ohne un­terschied der Hautfarbe, der polittjchen oder der religiösen Gesinnung, die gleiche ist.

Wir haben in Deutschland m Köln die Stadt, die sieb außer durch ihr wohlriechendes Wasser durch ihren Karneval beliebt und an­genehm macht; auch der Karneval tn Nizza genießt einen wohlbegründeten guten Rus. Der Karneval in Rio de Janeiro ist we­niger bekannt, da er naturgemäß nicht für den Zuzug von Fremden bestimmt ist, sondern die Setoobneridiaii der Stadt, an der berrltditten

Kiel, 13. Februar.

Das deutsche Ozean-Luftschiff wird einen Inhalt von 8250 Kubikmeter ha­ben, wird 60 Meter lang sein und eine Breite von 16 Metern aufweisen. Gan; besonders interessant ist die Konstruktion der Luft­schi f f g o n d e l. Sie wird nämlich voll­kommen die Eigenschaften eines Motor­bootes haben, damit die Luftschiffer im Fall eines Absturzes ins Meer auf dieser Motorbootgondel ihr Leben retten können. In diesem Falle werden die zwei Moiore, die die Propeller antreiben, die Moiore des Bootes bilden. Besonderes Gewicht ist da­rauf gelegt worden, daß eine möglichst «ro­st e Nutzlast mit dem Luftschiff transpor­tiert 'werden kann. Eine Ozeanfahrt erfor­dert naturgemäß eine ungeheure Menge von Benzinvorrat. Die Nutzlast, die mitgesührt werden tarnt, beträgt demgemäß auch 6000 Kilogramm. Davon entfallen allein auf Ben­zin 2500 Kilogramm. Neben den zwei Füh­rern des Luftballons werden noch zwei Techniker die Fahrt mitmachen, sodaß int ganzen vier Personen sich in der Gondel be­finden werden. Vor Antritt der Reise werden alle Teile des Luftschiffs einer eingehenden Prüfung unterzogen werden und besonders das Gondel m_o torboot, das eine Län­ge von 10 Meter hat, und in der Schiffswerft von Luerssen in Vegesack erbaut wird, wird eine wochenlange Erprobung auf der Weser erfordern, bevor es als Gondel in das Luft-

Unsere Antipoden.

Karneval in Rio de Janeiro.

(Bon unserm Korr-spondenten.) Rio de Janeiro, Ende Januar.

Politische Chronik.

Wie uns aus Berlin berichtet wird, wird der K a is e r fast die ganze Woche hindurch das Zimmer hüten müssen. jedoch nimmt man an daß die Erkältung bis Sonnabend vollständig geschwunden sein wird, sodaß der Kaiser am Abend der Aufführung der neueinstudterien .Zauberflöte" int Berliner Opernhaus wird bei­wohnen können. ,. .. .

Nach einer Depesche aus Kalkutta wird der Kronprinz, der von seiner leichten Er­kältung wieder hergestellt ist, die Mckreise vor­aussichtlich am 27. Februar von Bombav nut dem Postdampfer „Arabta" antreten. Die Kreu­zer „Gneisenau" und „Leipzig" gehen am Mitt- toDd)23ie(6au8 S°erlin gemeldet wird, ist Frei­herr eon Manteuffel, der Präsident des Herrenhauses, beim Provinzialausscbnß der Provinz Brandenburg um fetne Pensionie­rung als Landesdirektor eingekommen.

Aus Essen berichtet man uns: Das tür­kische Flottenkomitee bestellte bet der Firma Krupp siebzehntausend Kisten Munition kür die in Deutschland gekauften Torpedo-

^Ein Privattelegramm , meldet uns aus Metz: Die Voruntersuchung tn der Ange­legenheit der „Lorraine Sportive" ist nunmehr abgeschlossen und das Material der Staatsanwaltschaft Übergeben korben ®ie Lorraine Sportive" hat gegen die Auflosungs­verfügung Beschwerde eingelegt.

schiff eingebaut werden kann. Die Reise wird von Te n c r i f f a ausgehen und Anfang März ihren Anfang nehmen. Das Luftschiff wird eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 14 bis 15 Sekundenmetern haben und im ganzen eine Strecke von ungefähr 3500 See­meilen zurücklegen müssen. Zu diefem Zweck wird es sechs bis acht Tage unterwegs sern. Es ist darum auch für die Mitnahme der not­wendigen Lebensmittel zu sorgen. Zu erwäh­nen ist noch, daß der Ballonkörper durch ein Ballonett von 3500 Kubikmetern prall gehal­ten wird. Dieses Ballonett wird von einem Motor von sechs Pferdekräften bedient. Das neuerbaute Luftschiff wird somit alle Einrich- tungen aufweisen, die für eine derartige R e- kordfahrt allerersten Ranges not­wendig erscheinen. Es bietet darum auch die Gewähr, daß der Verlauf der Fahrt glücklich von Statten gehen Wird. Die Kieler Luft­schiffhalle. in der das Luftschiff untergebracht ist, hat eine Länge von 85 Metern, ist also in ihrem jetzigen Zustande nur für die kleineren „Parsevals" und „M."-Luftschifte, sowie für das Luftschiff „Kiel" zu verwenden. Sie kann aber leicht vergrößert werden, falls späterhin ,Zeppelin"-Luftschiffe oder andere Luftkreu­zer größerer Dimensionen dort uniergebracht werden sollen.

Der Bau der Luftschiffhalle, die. aus Holz hergestellt ist, wurde von der Manneverwal- tunq in allen ihren Einzelheiten mit größtem Interesse verfolgt. Bei dem Bau kam etil ei­genartiges B i n d e r s Y st e m zur Auwendu-a das die Festigkeit und die Standsicherheit der Halle bedeutend erhöht. In Abständen von je acht Metern werden sich in den Seitenwänden der Halle je zwei Fenster befinden, durch d»e der gesamte Jnnenraum taghell erleuchtet wird. In ben nächsten Tagen wirb bas erste deutsche Ozean-Luftschiff feine Probe-Aufstiege begin­nen, und nach der Sorgfalt, die auf die gesamte Konstruktion verwandt worden ist, darf man ein befriedigendes Resultat erhoffen. -in-

9leues vom Tage.

Rothschild« Testament.

(Privat-Telegramm.)

Wie uns aus Wien berichtet wird, erhielt die Familie Rothschild anläßlich des Todes des Barons Albert Rothschild zahlreiche Kondolenztelegramme, darunter auch vom Kaiser und vom Erzherzog Franz Ferdinand, lieber die Eröffnung des Testaments des Ver­storbenen meldet ein Telegramm un­seres Korrespondent en aus

Wien, 14. Februar:

Das Testament des verstorbenen Barons Rothschild wird erst nach dem Leichenbegäng­nis eröffnet werden. Der Vollstrecker hat den Erben einstweilen nur von Verfügungen Kenntnis gegeben, die sich auf das Leichen­begängnis beziehen, das heute stattfmdet. Tie

vom Schicksal ereilt.

(Privat-Telegramm.)

Aus Marfeille wird uns depeschiert: Die hiesigen Polizeibehörden haben gestern abend den Deutschen H u t a n u s, srüher Obertelegraphenassistent in Bonn, verhaftet. Hutanus war am 19. Dezember vo­rigen Jahres nach Unterschlagung von 95 000 Mark flüchtig geworden. Das Signalement des Flüchtlings wurde damals ben Polizei- behörben aller großen Städte des In- und Auslandes mitgeteilt. Die französischen Po­lizeibehörden hatten in Erfahrung gebracht, daß ein Mann, auf den das Signalement ge­nau paßte, sich seit einigen Tagen in einem Hotel in Marseille aufhielt, und es wurde eine scharfe Ueberwachung des Fremden angeord- nei. Hutanus wurde abends festgenommen, als er gerade auf einem Postamt eine De­pesche abfenden wollte. Rach kurzem Verhör gestand er das ihm zur Last gelegte Verbrechen ein, nachdem er von dem deutschen Geheimpolizisten Wikagel erkannt worden war. Hutanus erklärte, er habe die Unter­schlagung begangen, um einen Freund zu unterstützen, der nunmehr verschwunden sei. Er wurde alsdann in das Untersuchunas- gesängnis überführt, und wird nach Erledigung der notwendigen Formalitäten an Deutschland ausgeliefert werden.

anftalten Umzüge von verschwenderischer Pracht. Was da an bizarren und phantastischen Dingen auf Rädern durch die Stadt gefahren wird, was da an glänzenden Kostümen in Er­scheinung tritt, was da an ubersprudelnder Lebensfreude und an herzhaft zupackender Satire geleistet wird, ist kaum zu überbieten. Diese Karnevalszüge ersetzen dem Brasilianer den „Simplizissimus": Sie sind gewissermaßen das Ventil, durch das sich der Unwille über Mißgrisse der Regierung oder der Vater der Stadt oder sonstiger, im öffentlichen Leben stehender Personen in belustigender Weise Luft macht.

Auch die glutäugigen Brasilianerinnen sind keine Spielverderber: Mit Konfetti und Papier­schlangen wissen sie meisterhaft zu treffen und mit kleinen Spritzflaschen spritzen sie dem Gegner parfümiertes Wasser herzhaft ms Ge­sicht. Ein tolles Treiben beginnt auf den Straßen, besonders auf der prachtvollen Ave- nida Central, das sich aber fortsetzt bis m das kleinste Gäßchen, auf dem die Reger ihre Ma- xixa tanzen. Je tiefer die Sonne smkt, je ho­her steigt die wilde Lust, ine iauck»ende Freude dieses närrisch gewordenen Volkes. Und kei­ner schließt sich aus: Der Minister und der Abgeordnete, der General und der gemeine Soldat, sie alle sieht man Konfetti werfen, selbst mit Konfetti bedeckt. Dann erliicht die Sonne und an dem dunkeln VachMmmel er­strahlen die Sterne in leuchtender Pracht. Und zu ihnen empor schlägt eine gewaltige rote Lobe aus dem in Lichterglanz getauchten Rio de Janeiro und ein Jauchzen und Lachen und . . . eine greuliche Musik. Rio schwelgt in den Freuden des Karnevals, um andern Tags, ' das Herz voll Buße, zerknirscht unter den Sum , ben drückender Faschingslast, Aschermittwoch ; zu feiern ... Hans Schüler.

Die Braut, die Tochter «ineS franzö­sischen Korporals, zur Gräfin von Mirafiori und F ontanafredd a er­hoben worden war. Auch Holland kennt einen ähnlichen Prozeß: Kurze Zett »ach der Re­volution von 1830 ließ König Wilhelm der Erste der Niederlande nach dem Haag eine junge Belgierin kommen, etn

Fräulein Henriette d Oultermont, ■ hie Lockrer des Grasen Ferdinand Louis Francas Michel d'Oultermont. In .der Presse erhob sich darauf großer Lärm, «nh man sprach von „Skandal" und Unmoral" Die Regierung aber leug- h,/ Crriftem des Fräulein von Cutter- Et und W die "indiskreten Journa- litten zu schweren Strafen verurteilen. Trotzdem hatte die Sache ihre Richtigkeit und wtsächlich dankte Wilhelm der Erste 1840 ab, im die Dame seines Herzens morganatisch ehelichen zu können. Die Hochzeit fand ganz im Geheimen am sechzehnten Mat 1841 statt, «um Schluß sei noch erwähnt, daß auch in Belgien um das Jahr 1850 etn Drucker straf­rechtlich verfolgt und verurteilt wurde, weil er unter dem Titel „Die Skandale von Lae- ken" eine Broschüre veröffentlicht hatte, die sich aus die Verbindung Leopolds des Ersten mit Mrcabie Claret, ber angeblichen Gattin des Stallmeisters Meter, bezog. Auch hier banbelt es sich nicht etwa um ein Märchen, denn die Verbindung bestand tatsächlich und ist aus ber Geschichte nachweisbar. Aber wenn Könige lieben, soll die Welt _ nicht murren...

Sie Politik des Tages.

„Es ist alles nicht wahr..." Berliner Blätter wissen zu erzählen, daß die (gestern auch von uns wiedergegebenen) Nachrichten über die Rede des Prinzen Heinrich im Berliner Kriegervereinshaus nach der Er­klärung objektiv urteilender und zuverlässiger Ohrenzeugen nicht richtig sind. Der Prinz 'oll sehr langsam und jedes Wort anscheinend wohl überlegt gesprochen haben. Von einem „immer drohender werdenden inneren Feind habe aber der Prinz nicht gesprochen. Er habe unter anderem gesagt: „Das Bestreben weiter Kreise, ihre soziale Stellung zu ver­bessern, habe seine Berechtigung, aber tn die­sem Bestreben dürften gewisse Grenzen nicht überschritten werden".

S Die „Stützen der Republik". (Spe­zialtelegramm.) Depeschen ans L h o n (FrankretM zufolge wurde dort der Haupt­mann Wnterio vom zwölften Infanterie­regiment, das im Lager von Sato nah in Gar­nison liegt, infolge der Veröffentlichung eines Flugblatts, das gegen die Disziplin verstößt, verhaftet. Die Lponer Militärbe­hörden verweigern jede, aufllärende Mitteilung über die aussehenerregende Verhaftung. Die Flugschrift Pinterios trägt den Titel „Die bei­den Gewissen" und soll in der Hauptsache die Drehfuß-Affäre zum Gegenstand haben.

Cowes habe den Auftrag erhalten, zwei Salon- bovte für die kaiserlich russische Jacht „Polar- tern" herzustellen. Diese Boote würden bei der Ankunft des russischen Kaiserpaares im Golf von Solent wahrscheinlich bei Gelegenheit der Flotten-Revue geliefert werden.

Die Wissenschaft unter polizeilicher Be­wachung. (Telegramm.) Aus P e t e r s- burg wird berichtet: Die gestrigen Vorlefun- gen an der Universität standen unter poli­zeilicher Bewachung. Etwa fünfzehn­hundert Studenten wurden von der Polizei abgesperrt, und etwa vierhundert in Hast genommen, jedoch bis auf einige Rädelsführer wieder freigelassen. Auch die höheren Frauenkurse sowie die anderen fünf Hochschulen wurden tagsüber von Polizei bewacht. In anderen Universitätsstädten sind die Versuche, die Hochschulvorlesungen zu stören, fehlgeschlagen.

tSP Aus Amerikas Hexenkessel. (Privat­telegramm.) Wie Depeschen aus Rew- vork berichten ist in Nicaragua, wo erst im Herbst nach den Siegen der Aufständischen der srühere Präsident Madriz überwältigt, und der Jnsurgentengeueral Estrada zum Präsidenten ausgerufen wurde, eine neue revolutionäre Bewegung ausge­brochen. In Managua sind die Mumttons- rnagazine neben dem Palais des Präsidenten explodiert. Dir Ursache der Explosion ist un­bekannt. Der Präsident und seine Familie sind im amerikanischen Konsulat tn Sicherheit. Man befürchtet stündlich den Beginn, neuer Kämpfe.

Das Szean-LustWff.

Das Schiff der deutschen Ozean-Expedition. (Von unferm aviatischen Mitarbeiter.) lieber das deutsche Luftschiff, mit dem eine chzean-Expedition unternommen Werden fott. und das in wenigen Tagen seinen ersten Aufstieg unternehmen wird, um seine Leistungs­fähigkeit zu erproben, werden uns von fach­männischer Seite einige interessante Einzelhei­ten berichtet. Das Luftschiff ist in ber Lust- toiffabrif von Riedinger in Augsburg nach ben Plänen bes deutschen Luftschiffers Dr. ,Fa- brizi in München und des amerikanischen Lustsckiffers Brücker hergestestllt worden und seine Konstruktion wird natürlich ganz den Be. dürfnissen der ungewöhnlichen Reise angepatzt Werden Unser Mitarbeiter berichtet darüber:

ä Ein Kronprinzen-Automobil verun­glückt. Aus Berlin wird uns telegraphiert: Ein kronprinzliches Automobil, das auf einer Werkstattsahrt ausprobiert werden sollte, fuhr gestern nachmittag während der Fahrt gegen einen Stein und gleich daraus gegen einen Saunt.. Sowohl der Chauffeur als auch die beiden Insassen wurden in großem Bogen auf die Straße geschleudert und erlitten schwere Verletzungen, lieber die Ursache des Unfalls konnte noch nichts festgestellt werden da alle drei besinnnungslos auf der Sanitatswacke tn Döberitz liegen.

2» Opfer der Liebe. Laut einer Meldung aus Berlin hat sich gestern ein Liebesdrama in Werder a. d. H. ereignet. Wie von dort be­richtet wird, erschoß der Sohn des Postunter­beamten Eduard Müller feine Geliebte das Dienstmädchen Meta Fischer und dann sich selbst. Das Drama spielte sich in der Wohnung Müllers in der Eisenbahnstraße ab.

Der „Pascha" als Zechpreller. Wie uns depeschiert wird, erschien vor einigen Tagen in einem vornehmen Hotel in Augsburg ein angeblicher türkischer Minister und Pascha der vorgab, einer großen Augsburger Fabrik einen Auftrag im Umfange von 1,600,0M Mark zuüberbringen. Der angebliche türkische Mi­nister trat auch mit der Fabrik tn Verbindung und übergab als Anzahlung einen hohen Scheck auf eine angeblich in Konstantinopel existierende Bank. Rach einigen Tagen verschwand der „Minister" unter Hinterlassung einer beträcht­lichen Hotelschuld. Als der Schnellzug in München einlief, wurde der Mann verhaftet. Es handelt sich anscheinend um einen Agenten aus Kairo.

Meines Feuilleton.

V-fottt Brandenburger als Ton Jose. Aus dem Bureau der Königlichen Schauspiele wird uns mitgeteilt: Anstelle von Herrn K o e g e I, der ernst erkrankt ist, wird heute abend Herr Brandenberger den Don Jose in „Carmen" fmaeu.