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1. Jahrgang

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Fernsprecher SSI #*» 952.

Mittwoch, den 15. Februar 1911

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Di«Safletet Seuefte R-lchrtcht«r- «rscheNle» wöchvNLch unb poct abends, hetSbnmwtxmtSprdS beträgt vwnatllch50Wg. bet freier Au. mjmg ins Haus. Druckerei, Verlag u. RedaktionEchlachthoMrab« 28/30. deiner Vertretung: sw, xriedrichstra», 16, Tekephr«: Sntt IV, «7».

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digt hat, und auf diese Weise rasche Maßnah- meu ermöglichte. Die Tatsache an sich ist zwei­fellos schätzbar, aber man weiß heut noch nicht, wie sich die englische Grenzpolizei im wei­tern Verlauf einer etwaigen Aufstandsbewe- gung zu den Rebellen stellen wird, denn die korrekte Haltung" Englands, die sich in der Warnung der deutschen Grenzstationen offen­bart, beweist noch nichts: Beim letzten Herero- aufstand war Englands Haltung offiziell ja ebenfallskorrekt": hinter den Kulisien indessen war die Hand englischer Agenten emsig tätig, die Rebellen zu unterstützen.

Es darf angenommen werden, daß dies alles auch der kolonialen Zentrale in Berlin kein Geheimnis ist, und daß von vornherein in der Unterdrückung des von neuem auf« flackernden Aufstands diejenigen Maß­nahmen ergriffen werden, die den Erfolg einer gründlichen Aufräumung mit dem Bandenwesen gewährleisten. An der Spitze des Kolonialamts steht ein Mann, der die Schwierigkeiten der afrikanischen Sorgenko­lonie aus eigner Anschauung kennt und die zu beachtenden Umstände nach ihrem Wert zu schätzen weiß. Im letzten Herero-Krieg ist an Deutsch-Südwest und an den Braven, die dort in Sand und Busch das Reich mit Blut und Leben verteidigten, viel gesündigt wor­den: In der Kolonialverwaltung durch die kurzsichtige Wahl unzulänglicher Mittel, im Parlament durch die spießbürgerliche Knau­serigkeit bei der Bewilligung der erforderli­chen materiellen Aufwendungen. Beide Schul­dige haben später die Opfer des Kampfs in sentimentalen Worten betrauert und im Reichshaus hat man die Helden von Deutsch- Südwest mit dem Märtyrer-Kranz gekrönt. Sicherlich ein löblich und verdienstlich Tun: Diesmal aber ist zu beweisen, daß man aus herben Erfahrungen Nützliches gelernt hat, und man mutz wünschen, datz diese Lehren

tcmar großes Aufsehen, der wegen Be­trugs verfolgt wird. Der Herzog hatte die Tochter der Gräfin de los Andes ge- ehelicht, war aber bald von ihr geschieden wor­den, nachdem ihm seitens der Gräfin eine mo­natliche Rente von dreihundert Francs zugc- sprochen worden war. Bei dem verschwende­rischen Lebenswandel des Herzogs reichte diese Summe zur Bestreitung feiner Ausgaben bei weitem nicht hin. Er fiel Wucherern in die Hände, und einer derselben verlangte Sicherheiten von ihm. Der Herzog wußte nun eine Frau, die mit seiner früheren Schwie­germutter in einem Alter stand, zu bewegen, eine Ohpothek auf die Ländereien der Grä­fin de los Andes zu unterschreiben. Ferner trieb der Herzog zwei Männer auf, die hier bei als Zeugen fungierten. Mit den auf Grund des Hypothekenbriefes erlangten Summen verschwand der Herzog dann, und eS ist bis­her nicht gelungen, seinen Aufenthalt zu er Mitteln.

Madrider Sensationen.

! P r i v a t - D e l e g r a m m.)

Wie uns aus Madrid berichtet wird, erregt dort die Affäre d:s Herzogs von Mo 2-

tritts von Zahlungsschwierigkeiten alle ruffi- schen Wechselzahlungen auf weitere sechs Monate prolongieren zu dürfen.

Wie ferner aus Wladiwostok berichtet wird, ist bisher im Küstengebiet noch keine Erkrankung an Pest festgestellt worden. Auf den Stationen Progranitschnaya und Nikols- kussurisk sind Krankenhäuser und Beobach­tungsstationen errichtet worden. Ebenso in Chuntschin, Poltawa und Jman. Es ist beab­sichtigt, die koreanische Vorstadt von Wladiwostok, die aus engen und dicht zusam­mengedrängten Baulichkeiten besteht, voll­ständig niederzulegen und die Bewoh­ner an anderer Stelle anzusiedeln.

Familie Perier.

Das Millionen-GeheimniS der Phryne". (Von unserm Korrespondenten.)

Die bekannte Pariser Halsbandge­schichte, die beinahe den jungen Herrn Edmond Psrier, den Sohn des verstor­benen Präsidenten der französischen Republik gesellschaftlich unmöglich gemacht hatte, hat sich nun in Wohlgefallen aufgelöst und Madame Perier hat alle Veranlaffung, freudig erregt zu sein, denn die paar Hunderttausend Franken, die sie bezahlen mußte, um ihren Sohn den Fangarmen der Just» zu entreißen, bringen ihr ein anderes Geschäft reichlich ein. Man schreibt uns dazu aus

Paris, 12. Februar.

Bekanntlich gehören die Psriers zu den reich st en Familien in Frankreich und sind auch Besitzer der großen Kohlen­bergwerke in Courriere. Madame Perier gehört zu denjenigen Damen, die ihre Kin­derrecA sparsam" erziehen, und ihnen durch die Gewährung einer ganz mageren Revenue die Lebensgenüsse direkt versperren. Herr Edmond Pürier dagegen,.«jocr kleine Sohn des großen Präsidenten, beicht die Un­tugend, für schöne Frauen zu schwär­men, und diese Leidenschaft hatte bisher seine Mutter bereits mehrere Millionen Francs gekostet. Seit einem Jahre ist Edmond nun glücklich mit der Schauspie­lerin Simone verheiratet, die bekannt­lich im vorigen Jahre im TheaterPorte St. Martin" alsFasanenhenne" auf dem Rostandschcn Hühnerhos dominierte. Diese Ehe kostet Madame Pürier kolossal viel Geld, da Madame Simone-Pürier, eine bereits von zwei Gatten geschie­dene Dame, es in recht nobler Weife ver­steht, bie Einkünfte aus den Kohlenberawer-- ken in Courriere zuverleben". Es schwat­zen nämlich die Pariser Spatzen, daß Frau Simone (die zu den schönsten, aber zugleich auch leichtfertigsten Damen der Welt, in der man sich nicht langweilt", gehört, und die, wie die Mehrzahl dermodernen" Pariser Frauen, polygamen Anschauungen huldigt) allerlei Abenteuer liebt, die dem guten Ton wenig Rechnung tragen. Wohl aus diesem Grunde war auch Frau Pürier dagegen, daß der Bund zwischen ihrem Sobn und der schönen Fasanenhenne staatlich und zivilrechtlich sanktioniert werde. Hoffentlich wird nun in der Zukunft der Gatte der Frau Simone es nicht mehr nötig haben, Hals­bandschiebungen vorzunehmen, um die kost­spieligen Launen seiner künstlerisch veranlag­ten Frau zu befriedigen; denn das Fami­lienvermögen der Psriers dürfte sich in der allernächsten Zeit um das nette Sümmchen von sechs Millionen Francs ver­mehren. Der verstorbene Präsident Kasimir Pürier, hatte vor Jahrzehnten von einem Pariser Antiquar sechs Gobelins Beauvais, die die Geschichte der Phryne nach den Zeich­nungen von Poucher darstellen, für sechzig- tauseub Francs erworben. Ein Pariser An­tiquar bietet jetzt afö Vermittler eine» ame­rikanischen Milliardärs der Frau Pörier für diese Kunstwerke die Summe von sechs Millionen Franken, und die knausrige Madame dürfte wohl das Geschäft abschließen, um durch das .Geheimnis der Phryne" den kleinen Sohn des großen Prä­sidenten aus finanziellen Röten zu retten.

Die Halsbandaffäre deS jungen Pürier, die den Sohn des Präsidenten beinahe demArm der Gerechtigkeit" ausgeliefert hätte, und die vor einigen Wochen in Paris einen so schlim­men Skandal erregte, daß man dem jungen Pürier das Betreten seincS Klubö untcrfagtc, ist schon bald vergessen Paris spricht brüte nicht mehr von der Halsbandschiebung, sondern von den neuen Millionen der Madame Pürier, und die schöneFasanenhenne" gackert fröh­licher als je zuvor: Paris, wie es lacht und weint . . . -tt-

3ut linken Hand.

DieMesalliancen" in Fürstenhäusern. (Von unserm Korrespondenten.)

London, 12. Februar.

König Georg der Fünfte ist aus dem Pro-' zetz gegen seinen Verleumder Mylius als Sieger hervorgegangen, und alle Welt weiß heute, was vernünftige Leute längst ge­wußt haben: Daß sich der König des Verbre­chens der Bigamie nicht schuldig gemacht hat. Die englischen Blätter gehen aber entschieden zu weit, wenn sie bei dieser Gelegenheit be­haupten, daß die englischen Prinzen stets Muster merschlicher Tugend ge­wesen seien. Unbestritten ist allerdings, daß Heinrich der Achte als Junggeselle starb daß die Stuarts die Welt durch ihre Keuschheit in Erstaunen gesetzt haben und daß die groß' Elisabeth unbestteitbar ihren

Ruhmestitel als jungfräuliche Königin verdient. Andererseits ist keins der edlen Ge­schlechter, die sich im Laufe der Geschichte in die Herrschaft Über Europa geteilt haben, von Mesalliancen frei geblieben. Bekannt ist, daß die gegenwärtige Königin von England, eine Fürstin Teck, morganatischen Ursprungs, und die englische Prinzessin Viktoria Ena, die mit Alsons dem Dreizehnten den Thron Spaniens teilt, ebenfalls aus einer Familie hcrvorgcgan- gen ist, die nichtebenbürtig" war. War doch ihre Großmutter väterlicherseits ein einfaches Fräulein Julie H a u ck e. Auch sonst bietet die Geschichte Englands zahlreiche Beispiele, morganatischer Verbindungen. Georg bei Fünfte hatte aus einer Liebschaft mit Frau von Gercptsow einen Sohn, der den Namen George Nord erhielt und der als Oberst in russischen Diensten starb. Wilhelm der Vierte erfreute sich einer reichen Kinder­schar, die ihm Dorothea Jordan ge­schenkt halte, und die alle als Grasen und Gräfinnen von Münster schmeichelhafte Ver­bindungen innerhalb der englischen Pecrschaft eingingen. Die Ameland stammen von dem Prinzen

August Friedrich von England, Herzog von Sussex, und von Fräulein Au­gustine Murray ab. Die Fitz-Herbert sühren ihren Stammbaum auf Georg den Vierten und Fräulein Maria - Anna S m y t h zurück. Es würde keine Barone Sin« ingen geben, wenn sich Wilhelm der Vierte im Jahre 1791 nicht heimlich mit Charlotte von Linsingen vermählt hätte, die sich später wieder mit dem Dr. Meinecke verheira­tete. Man sieht also, daß die Engländer im Unrecht sind, wenn sie verächtlich von der linken Hand" sprechen. In anderen Län­dern find die morganatischen Ehen natürlich auch nicht seltener. Ein Oheim 'der Königin Elisabeth von Belgien, der Prinz Ludwig Wilhelm, Herzog in Bayern, hat auf alle Rechte feiner Stellung verzichtet, um nachein­ander Fräulein Henriette Mendel, spä­tere Baronin von Wallersee, und Fräulein Antonie Barth, die zur Gräfin von Bar- tolf erhoben wurde, zu heiraten. Im Hauic Sachsen-Koburg-Gotha zählt man fass ebenso viele morganatische Ehen wie reguläre Hei­raten, und es ist statistisch nachweisbar, datz gegenwärtig etwa achttausend lebende Adlige Titel und Rang der

Unregelmäßigkeit" der Herkunft verdanken. Als interessantes Faktum sei no» erwähnt, daß der Prozeß, der dnser Tage in London mit der Verurteilung des Angeklag­ten endete, in der Geschichte seine Vorgänger hat: Im Jahre 1870 teilte ein römisches Blatt mit, daß König Viktor Emanuel heimlich eine Französin geheiratet habe, und daß anS der Ebe zwei Kinder bervorgegangen seien. Die italienische Regierung prctesticri.', und zog den Herausgeber des Blattes vor Gericht, der boa« auch zu einem J^hre Ge­fängnis venirteilt. aber kurze Zeit daraus uc« qn -digt wurde. Trotzdem ist es g e j ch i ch .- llch beglaubigt, daß die Heirat des f» n!(J« siebenten November 1869 im Palazzo PnK in Florenz stattgesunden hat, und daß

Sturm dl Seutsch-Südweft?

Die Simon Copper-Leute.

Aus Deutsch - Südwestafrtka wird amtlich gemeldet, datz nach einer MitteUung der englischen Grenzpolizei ei« Teil der Simon Copper-L eute bei Pella und Ramansdrift die deutsche Grenze zu überschreiten sucht. Der Po­lizeiposten Ramansdrift hörte am Abend des siebente« Februar Gewehrfeuer. Da auch auf deutschem Gebiet eine be- waffnete Bande festgestellt ist und sämtliche Eingeborenen und Biehwächter i« der Gegend von Stcinkopf verschwun­den sind, wurde das Kommando de« Süd- bezirks angewiesen, die Bande energisch zu verfolgen und die Bändels zu über­wachen. Eine Verbindung zwischen den Simon Copper-Leuten und den BondrlS bei Steinkopf erscheint nicht ausge­schlossen.

Die Hiobspost aus Deutsch-Südwest ist nicht leicht abzutun: Im Süden der erst nach schweren und verlustreichen Kämpfen mit den Hereros pazifizierten Kolonie gärt es schon wieder, und Simon Coppers Horden ver­suchen, durch Zuzug aus dem Innern verstärkt, den Ansturm auf die deutsche Grenze. Die Si- tuatton ist also nicht unbedenklich, wenn's auch ausgeschlossen erscheint, daß der Aufstand etwa die Dimensionen der letzten Erhebung anneh­men kann. Dafür haben in erster Linie die drakonischen Maßnahmen zur Zähmung der Hereros gesorgt, und es kommt ferner in Be­ttacht, daß Deutschland diesmal (wie aus dem amtlichen Telegramm hervorgeht) Hand in Hand mit England arbeiten wird. Immerhin bleibt es bedauerlich, daß die Sorgen-Kolonie, die sich kaum von den Wunden des letzttn Auf­stands erholt hat, von neuem in Aufregung ge­bracht und geschädigt zu werden droht. Aus dem Amtstelegramm i/t nicht ersichtlich wie­weit die Aufstandsbewegung bereits nm sich gegriffen hat; die Tatsache indessen, daß die Ueberwachung der Bondels erforderlich gewor­den ist, läßt darauf schließen, daß man in Deutsch-Südwest eine Verbindung zwi­schen den Copper-Horden und den Bondels be­fürchtet und deshalb gleich von vornher­ein mit entsprechenden Maßnahmen vorgc- gangen ist.

Die Opfer des letzten, jahrelangen Kampfs in Deutsch-Südwcst sind noch nicht vera-n>m und man darf deshalb die Erwartung au8« spreche«, daß die Kolonialverwaltung alles tun wird, um den drohenden Aufstand gleich im Keim zu ersticken. Beim Hererokrieg war der Anlaß ja auch unbeträchtlicher Art, und schon als die ersten Flämmchen des Aufruhrs im Kaffernland drohend emporzüngelten,lebte man in Berlin noch der zuversichtlichen Hoffnung, daß eine Handvoll Truppen genügen werde, die Nigger in den Bufch zu treiben. Die Fol­gen dieser ttügerischen Zuversichtlichkeit haben sich später umso verhängnisvoller bemerkbar gemacht, und es hat des ganzen verfügbaren militärischen Kraftaufwands bedurft, um die Ruhe in der Kolonie wieder leidlich zu sichern. Schon damals warnten Kundige vor dem Ver- ttauen auf des Friedens Dauer: Der Schwarze werde bei erster passender Gelegenheit sich von neuem empören und dann aus den Erfahrun­gen der letzten Kämpfe die gebotne Nutzan­wendung ziehen. Ein paar Jahre ist's nun still geblieben: kleine Lärmereien konnten ohne viel Blutopferung geschlichtet werden, und die Spur der Simon Copper-Banden blieb ver­schwunden. Im letzten Kampf im Busch trieb man sie über die Grenze und seitdem wähnte sie die Zuversicht fern dem Grenzstrich zerstreut und machtlos.

Der jetzige neue Vorstoß beweist, daß man sich abermals getäuscht hat: Die Copper- Leute haben einen neuen Vorstoß gegen die deutsche Grenze gewagt, und damit zum min­desten bewiesen, daß sie sich nach der letzten Niederlage wieder ttäftig genug fühlen, das vor Jahren nach langen und blutigen Kämp­fen verlorne Spiel von neuem zu beginnen. Genügend Anlaß, um auf der Hut zu sein. Daß diesmal die Kapregierung die deutschen Bemühungen zur Niederwerfung des Aufstands unterstützt, ist erfreulich zu hören: Im letzten Herero-Krieg war es grade das englische Kap- gebiet, aus dem den Aufständischen immer neue Verstärkungen zusttömten, und englische Flinten und Pattoncn waren's auch, die brave deutsche Krieger mordeten. Tas alles ist ein- toanbfiei erwiesen: Die Unterstützung ber Re­bellen burch englische Agenten, die Lieferung von Waffen und Munition an die Schwarzen und bie Asylgewährung an bie in ben letzten Kämpfen über bie beutsche Grenze Vertriebc- V-en. Jetzt hört man, baß bie englische Grenz­polizei bie deutschen Stationen im Grenzgebiet low Naben der Simon Copper-Leute verklär.

Der Todeszug der Pest.

Pest, Hungersnot, Räuber und Verbrecher. (Telegraphische Meldungen.) Wie ein Wolff-Telegrainrn meldet, ist nach den letzten amtlichen Meldungen des Gouver­neurs von Kiautschou aus Tsingtau das Schutz­gebiet pest frei. Aus Tschisu waren nach Tsingtau zweihundert und aus der Pro­vinz Schantung zweihundertfünfzig Todesfälle gemeldet. Die letzte Angabe stammt von den im Innern der Provinz lebenden Eu­ropäern. Die militärische Abgrenzung des Stadtgebietes und der Ueberwachung der Tchutz- gebietsgrenze seitens der chinesischen Landbevöl­kerung unter der Leitung des deutschen Bezirks­amts hat sich als außerordentlich wirksam er­wiesen: Em Privat-Telegramm be­richtet uns ferner aus

London, 14. Februar:

Wie dieTimeö" von einem Spezial Mitarbeiter in Indien erfährt, greift bie Pest auch in Indien immer weiter um sich. Die Epidemie fordere im indischen Kaiserreich zwischen zehn- und zwanzigtausend Opfer pro Woche. Die Hindu-Organe melden, daß in der mit dem 21. Januar endenden Woche 20,167 Todesfälle an Pest verzeichnet wurden, während in der vorhergehenden Woche 12,143 Personen der Seuche zum Opfer gefallen seien. Seit mehr als vierzehn Jahre« herrscht in Indien die Pest «nnnterbrochen. Ten letzten Depeschen aus Chardin zufolge wächst die Pestgefahr in Chulantschen, Bintschou, Zizikar und in den anderen Han- . delszentte« in der nördlichen Mandschurei von Tag zu Tag. In jeder Stadt nimmt die Zahl der Arbeitslosen zu, sie schließen sich zu Räuberbanden zusammen. Chulant- . schen befindet sich in der Gewalt einer solchen Bande, gegen die die chinesischen Truppen nicht vorzugehen wagen. Tas Börsenkomitee in Chardin suchte bei dem Finanzminister um bie Genehmigung nach, infolge des Ein­

Der Krieg in Wadai.

(Telegraphische Meldung.)

Wie uns ein Telegramm aus Paris meldet, erhielt das franzöfische Kolonialmini- stcrium heute ein Telegramm, in dem berich­tet wirb, datz am dreizehnten November vori­gen Jahres, vier Tage nach dem Kampfe bei Trigele, in der Nähe von Sagnamis ein wei­teres Scharmützel zwischen der aus hundert Senegalschützen bestehende« Kolonne des Hauptmanns Fan re und Wadaileu- t e n stattgefunden hat. Die Wadaikrieger ver­loren an zweihundert Mann und wur­den in die Flucht geschlagen, während die Franzosen keine Verluste erlitten. Eingehen­dere Berichte über die Kämpfe, die in den Pa­riser Morgenblättern lebhaft besprochen wer­den, stehen noch aus.

gZumtnet 62. ___

CassklerMliksle