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1. Jahrgang

Nummer 61

z hessische Meucheitung

Casseler WmLMung

Fernsprecher 951 und 952*

Dienstag, den 14. Februar 1911

Fernsprecher 951 und 952.

zwei Prinzen-ReÄen

JnsertionSpretle: Die sechsgespaltene Zeile für einheimische Geschäfte 15 Df., für auswärtige Inserate B Pf^ Reklamezeile für einheimische Ee» schäfte 40 Pf, für auswärtige 60 Pf. Geschäftsstelle: Kölnische Straße 5. Berliner Bertreiung: SW, Friedrichstraße 16, Telephon: Amt IV, 676.

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den Deutschen zurückweichen, und manch ernstes, sorgenvolles deutsches Auge blickt empor zu den hohen Masten mit der Frage: Wann wird das Banner nie- d e r s i n k e n, um dem Unionjack, der Tri­kolore oder sogar dem gelben Drachenbanner Platz zu machen? Das ist ein ernstes Wort, aber ich meine, gerade an dieser Stätte darf es wohl von jemand, der ein warmes Herz für den deutschen Handel, für die deutsche Seesahrt hat, gesprochen werden, und von hier aus der Ruf erschallen, ehe es zu spät ist: Alle Mann ans Werk! An die Reeder, die Grotzschiffahrtsgesellschasten, die Bergwerke und die Industrie richte ich den Appell: Schließt euch zusammen, wie die anderen, unter den großen Gesichtspnnk- ten zum Wohle des Ganzen, dann wird der alte Hansageist aufleben, und zu neuer Kraft sich entwickeln.

Was den Herzog veranlaßt bat, so schwarz in die deutsche Zukunft zu sehen, hat er leider nicht gesagt. Aber es ist ja immer­hin möglich, daß seine Stimmung das Ergeb­nis intimer» Einblicks in diplomatische Geschehnisse ist, deren Einzelheiten der Oeffentlichkeit nicht bekannt sind. Jedenfalls deuten die beiden Prinzenreden, aus denen der Ruf zur Sammlung" so eindringlich ins Land klingt, darauf hin, daß man auch an den höchsten Stellen die augenblickliche Situa­tion mit ernster Besorgnis beobachtet, und den Optimismus längst abgeschworen bat.

als dieser sich wunderte, daß derHann. Courier" für Harden eintrete, erzählt, daß er nicht mehr Reserveoffizier sei und habe ihm ferner das Material über den Fall unter­breitet. Der Kriegsminister habe darauf so­fort erwidert, es scheine hier eine Dummheit gemacht worden zu sein; warum sich Dr. Jaenecke nicht beschwert habe? Er (Kläger) habe erwidert, daß er keine Zeit habe, sich wochenlang mit einer Ehrengerichtssache zu befassen.

Die Angelegenheit sei dann in die Hände des Generalleutnants Wach gelegt worden, der Jaenecke schrieb, daß die Angelegenheit bald ge­regelt werden solle. Inzwischen nahm aber Kriegsminister von Einem seinen Abschied, o daß eine Beilegung der Afsäre im Sinne des Klägers unterblieb. Der Gerichtshof be- chloß nach diesem Vortrag der Sache noch mehrere Zeugen zu laden, unter anderen den Bezirkskommandeur Ober st Engelbrecht, der über die Einzelheiten der Form, wie und wann Dr. Jaenecke sein Abschiedsgesuch ein- gereicht habe; gehört werden soll und einige andere Militärpersonen, die mit der Angelegen­heit in Verbindung stehen sollen. Die neue Verhandlung dürfte also jedenfalls recht inter- esiante und charakteristische Streiflichter aus diese Geschichte einer militärischen Abschieds­bewilligung werfen, deren Endkonsequenzen noch nicht abzusehen sind. -djp-

8m Hause Seefahrt.

Eine Rede des Regenten von Braunschweig.

Die zweitePrinzenrede' hat Herzog Jo­hann Albrecht zu Mecklenburg, der Re­gent von Braunschweig, gelegentlich der historischenSchaffermahlzeit' imHause Seefahrt" in Bremen gehalten. Die Rede erregt wegen ihres ausa-snrochen politi­schen Charakters Aufsehen, und auch sie ist, wie die Rede des Prinzen Heinrich, ein Ruf zur Sammlung. Herzog Johann Albrecht führte in seiner Rede unter anderem aus:

Inmitten Europas steht als gebietender Friedensbewahrer das Deutsche Reich. Wie steht es aber mit dem alten Geist in der Ferne und daheim? Unter dem schwarzweiß­roten Tuche sieht man einen wilden Kon­kurrenzkampf, einen Kampf aller gegen alle, ein Auseinandergehen der deutschen Interessen, und das zu einer Zeit, wo die fremden Völker alle Kräfte zusam- menfasscn. Wir. sehen Schritt für Schritt

der Revanchelärm gegenüber Oesterreich immer lauter und aufdringlicher die Seelen ängstigen. Sogar im Parlament hat die dreibundfeindliche Stimmung in Italien gewichttgen Rückhalt ge- ftinden und wenn je das Wort vompapiernen Dreibund" Berechtigung hatte, so ist's in jüng­ster Zeit gewesen, wo diesseits und jenseits der Adria die Säbel lauter rasselten, als es zwischen Engverbündeten sonst üblich und zie­mend ist.

Auch das deutsch-italienische Einvernehmen hat unter den gespannten Beziehungen zwi­schen der Donau-Monarchie und dem Savoyer- Land zeitweise gelitten, und beim Lesen ita­lienischer Parlamentsberichte konnte man zu- io eilen glauben, am Tiber habe der Chauvinis­mus seine sichersten Hütten. Die Dreibundidee (schon geographisch ein stark gekünsteltes Ge- bild) hat in Italien fast stets mehr Gegner als Freunde gefunden, und in den hellsten Ruh- mestagen des siebenten Eduard schien's auch wirklich eine zeitlang, als bahne sich im süd­lichsten Dreibundland eine Anlehnung an die vom King geschickt gekräftigte Triple-Allianz an. Im Haus Savoyen hat man wenig getan, dieser Stimmung entgegenzuwirken: Von Vik­tor Emanuels Gattin weiß man, daß f«, em Kind derSchwarzen Berge", für das Deutsche nur wenig Sympathie hegt und selbst Umberto - Sohn hat gelegentlich kein Hehl daraus ge­macht, daß seines Herzens Sehnen nach andern Zielen, als den vom Altmeister Cripi vorge­zeichneten stiebt. Mit einem Wort: Der Drei­bund war und ist in Italien nie sonderlich be­liebt gewesen, und alles Diplomatengerede über die vollkommene Ueberetnstimmung der Mei­nungen in den aktuellen Tagesfragen" kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß das Italien von heut das Dreibund-Dokument als eine lästige

Rach PotsdamrBenedig!

Die Kaiserfahrt zum Süden.

Das Geflüster will nicht enden: Dieser Tage erst wußte der Pariser Matrn nach angeblich zweifelsfreier Quelle zu erzählen, daß unter­dessen dieFruchtvon Potsdam' gereift und zwifcheu Deutfchland und dem Z a- renreich ein Abkommen vorbereitet fei, das den Hader um Persien und das Bagdadbahn- Gezäwk enden werde, und dessen Unterzeich­nung nah am geschichtlichen Federstrich ange­langt fei. Ein Märchen wird's nicht fein, was da erzählt ward, und die Leute in der Berliner Wilbelmsiraße (die seit Kiderlen-Wächters Ge- fchästsübernahme wieder stramm in den Rie­men liegen) haben denn auch nichts getan, um das Geranne im Blätterwald durch das ehedem so beende Dementi zu fchwichtigen. Die Frucht von Potsdam' scheint in der Tat mäh- lig zu reifen und da das auswärtige Reichs- geschäst feit Wilhelm von Schoens glücklicher Luftveränderung wieder die zügelsichre Hand spürt, darf man der Bilanz der Kaiferentrevue mit Zuversicht harren. Das Gemurmel übers tote Märchen der Zweimächte-Allianz" hat mit der in Potsdam geleisteten nützlichen Arbeit nichts zu tun, und der Blick durchs Vogesen- loch braucht bei unfern Rachbarn westlich der Reichslandberge sich nicht zum starren Eutfetzen zu verdüstern: Was in Potsdam gechah, hat realen Wert als Revanche-Spekulation, ordnet internationale Wirrnis und bringt auf Umwe­gen .das vom Intriganten Iswolski verfahrne Gefährt russifcher Politik dem fcharfgezügeltrn deutfchen Reichswagen näher.

Und während im Zarenland der Groll über dendeutschen Verrat" beim letzten Balkanspiel langsam verschäumt und (jedenfalls im Hin­blick auf das in Potsdam zur Spätherbstzeit Verhandelte) die russische Regierung den Be­schluß gefaßt hat, die feit drei Jahren im persischen Kaswin stationierte Truppenabtei- luna zurückzuziehen, kommt vom Tiber her dir verläßliche Nachricht, daß im Frühlenz eilte Zusammenkunft zwischen dem Deutschen Kaiser und dem König von Italien stattfinden werde, der man im diplomatischen Zunstbereich große politische Bedeutung beimesse. Es ist zwar noch nicht festgestellt, ob dis Entievue auf der Kaiferfahrt zum Süden, oder gelegentlich der Heimreife von Korfu statt- finden Wird, an der Tatsache selbst aber Hai bisher kein Dementi gerüttelt, und so darf man denn Wohl annehmen, daß demTag von Potsdam" derTag von Venedig" folgen wird, und daß bei dieser Gelegenheit Fragen zur Er­örterung gelangen werden, die Europens Gleich­gewicht nicht unwesentlich beeinflussen. Rach der Erprobung derNibelungentreue" im letz­ten Balkanhandel hat zwischen Wilhelm dem Zweiten und dem Sohne Umbertos eine per­sönliche Begegnung nicht mehr stattgefunden und im Bundesland im Süden konnte derweil

Noblesse obNge!

Die verhängnisvolle Gaftfreundschast. (Von unferm Korrefpondenten.)

Verhängnisvolle Ursachen hat die Gast- reundschast ergeben, die der Vorsitzende des Vereins Deutscher Zeitungsverleger und Herausgeber desHannoverschen CourierS" Dr. Max Jaenecke seinerzeit dem bekannten Schriftsteller Maximilian Harden ange­deihen ließ. Harden befand sich auf einer Vor­tragstournee durch Deutschland, und als er auf dieser Tournee auch Hannover berührte, bot ihm Dr. Jaenecke an, während des Aufenthalts in Hannover Gast in seinem Hause zu sein. Diesen Vorgang nahm die Berliner Wochen­schriftDie Wahrheit" zum Anlaß, um gegen Dr. Jaenecke einen Artikel zu veröffentlichen, der die Ueberschrift trug:Harden und feine Freunde moralisch geohrfeigt." Ueber die weitern Folgen dieses Artikels wird uns von unferm Korefpondenten berichtet:

Berlin, 13. Februar.

In dem gegen Dr. Jaenecke in der Bruhnschen WochenschriftDie Wahrheit" er­schienenen Artikel wurde zunächst darauf Bezug genommen, daß Dr. Jaenecke sowohl imZeitungsverlag" wie imHannoverschen Courier" dieWahrheit" aus Anlaß des Dahsel-Prozesses scharf angegriffen habe; dann wurde erzählt, der Bezirkskom­mandeur Oberst Engelbrecht habe Dr. Jaenecke, der Reserveoffizier ist, zu sich kommen lassen und ihm bedeutet, daß ein Mann, der einen Harden als Gast Bei sich auf- nehme, nicht mehr geeignet erscheine, Reserve­offizier zu bleiben. Harden habe eine Forde­rung zurückgewiesen, und daher herrsche tm Hannoverschen Offizierkorps Befremden, daß einer der ihrigen ihn als Gast in feinem Hause aufnehme. Weiter behauptete der Arti­kel, Dr. Jaenecke habe auf die Vorhaltungen nur die Hacken stramm genommen, sich wortlos entfernt und bald darauf feinen Abschied eingereicht. Wegen dieses Artikels erhob Dr. Jaenecke gegen den damals verantwortlichen Redakteur derWahrheit' die Klage wegen Beleidigung. Die erste Ver­handlung fand vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte statt, verfiel aber der Ver­tagung, da auf Beschluß des Gerichts neue Zeugen geladen werden sollten. Der Kläger Jaenecke kam aber in der BerhaniKung ziem­lich ausführlich zu Wort und erklärte zunächst, Harden habe keinen Strafantrag gegen dieWahrheit" gestellt, daderen An­griffe nicht an ihn heranreichten". Was feine Person anlange, fo habe er nicht (wie aus dem Artikel derWahrheit" herausgelesen werden könne), unter einem Druck, sondern freiwillig feinen Abschied als Reserve­offizier genommen, da er sich mit einer Kon­trolle feines Privatlebens durch das Offizierkorps nicht einverstanden erklären könne. Es fei auch nicht richtig, daß er bei dem Kriegsminister von Einem vorstellig ge­worden fei, um den Abschied rückgängig zu machen. Er habe lediglich dem Kriegsministsr,

3er Setter der Kanzlers.

Die Geschichte eines Duells.

(Von unserem Korrespondenten.)

Berlin, 12. Februar.

In die geheimnisvolle Duellgeschichte, an der vor einiger Zeit der Großgrundbesitzer von Bethmann Hollweg, ein Vetter des Reichskanzlers, aktiv beteiligt war, kommt jetzt von ernsthafier Stelle volle Aufklärung, die um so interessanter ist, als sie zugleich eine stark divergierende Anschauung von dem Wesen der Satissaktionssähigkeit bei Civil- und Militärbehörden in die Erscheinung treten läßt.

Die Vorgeschichte deS Duells ist folgende: Auf dem Ritterschaftstag vom fünften September vorigen Jahres, lag ein Antrag des Kreises Wirsitz mit 31 gegen 7 Stimmen vor, den im Kreise ansässigen Majo­ratsherrn Grasen von der Goltz auf Czaycze im Kreise Wirsitz auszuschlietzen, da er bet einer Hypothekenangelegenheit, deren Objekt fünfzigtausend Mark betrug, und auch bei andern Gelegenheitennicht fair gehandelt" haben sollte. Die Ritterschaft beschloß darauf­hin, dem Grafen von der Goltz die ständifchen Rechte abzuerkennen, und zwarwegen ange­fochtenen Rufes". Dem Beschluß stimmten auch der gleichfalls im Kreise Wirsitz ansässige Herr von Bethmann Hollweg auf Runowo und ver Rittergutsbesitzer Dr. von Komierowsky zu. Beide erhielten wegen ihrer Abstimmung von dem Grafen v. d. Goltz Forderungen; tm ersteren Falle war der Rittergutsbesitzer Baron von Kardorsf Kartellträger, im letzteren der Rittergutsbesitzer Baron von Knigge.

Das militärische Ehrengericht erflärte den Oberleutnant der Reserve, Grafen von der Goltz trotz der Beschlüsse des Kreis­tages von Wirsitz und des Rttterschaststages für satisfaktionsfähig, worauf be- kanntlich am neunzehnten Dezember das Duell zwischen dem Grafen und Herrn von Bethmann Hollweg im Grünewald ausgefochten wurde. Herr von Komierowsky lehnte dagegen die Forderung des Grafen Goltz ab mit dem Hinweis darauf, daß er nur pflichtgemäß fein Stimmrecht ausgeübt habe, lieber den Fall wurde die Entfcheidnng des höchsten Kriegs­herrn angerufen, worauf unter dem fünfzehnten September durch das Militärkabinett folgender Erlaß des Kaisers an den komman­dierenden General des zweiten Armeekorps erging:Ich stimme dem Ehrenrat und den Vorgesetzten darin bei, daß die dem Offiziers­stande angehörenden Kreistagsmitglieder von einem ihnen zustehenden Rechte in einem Ver­fahren Gebrauch gemacht haben, daS ausge­sprochen gerichtlichen Cbaratter trägt, und daß in der Ausübung eines solchen Rechtes eine Beleidigung nicht gesehen werden kann."

Die Ablehnung der Forderung durch Herrn von Komierowsky hatte zur Folge, daß Graf Goltz am neunzehnten Januar diests Jahres von der Strafkammer Schnei­de m ü h l wegen Herausforderung zum Zwei­kampf zu zwei Wochen Hast und der Kartell­träger Baron Knigge zu einem Tage Haft ver­urteilt wurden. Das Duell des Herrn von Bethmann Hollweg mit dem Grafen hat Folgen irgendwelcher Art nicht gezeitigt. Uebrigens hat Graf von der Goltz auch noch anderen Großgrundbesitzern im Kreist Wirsitz Forde­rungen überbringen lassen, die von diesen eben­falls mit dem Hinweis ahgelehnt wurden, daß sie ihrer Meinung über den Grafen als Rich­ter Ausdruck gegeben hätten. EL kann, nicht

Prinzen als Prediger der Sammlung.

(Eigene Drahtmeldungen.) Im Berliner Kriegervereinshaus fand ge­stern abend eine Versammlungehemaliger Fünsunddreißiger" statt, an der als Ehrengast auch Prinz Heinrich von Preußen teilnahm. Im Verlauf des Abends nahm Prinz Heinrich das Wort zu einer längeren Rede, in der er auch auf Deutschlands Zukunft zu spre­chen kam. EinTelegrammunsers Kor­respondenten berichtet uns darüber fol­gende Einzelheiten: ~ ,

Berlin, 13. Februar.

Gleich nach dem Beginn des Kommerses bei der gestrigen Festversammlung der Fünf­unddreißiger erhob sich Prinz Heinrich und hielt eine Ansprache, in der er unter an­derem ausführte: Dank eines vierzigjährigen Friedens erfreut sich das D e u t s ch e R e i ch nach außen unverändert feinet von allen Sei­ten geachteten Machtstellung. Sieht man so keinen Anlaß, um den äußern Feind, die Neider Deutschlands in aller Welt zu fürchten, so haben wir alle Veranlassung, u m so wachsamer zu fein und als alte und junge Soldaten treu zu unferm Kaiser und allerhöchsten Kriegsherrn zu stehen und sich um ihn zu scharen im Kampf gegen den im­mer drohender werdenden innerenFeind. Wir sind weit entfernt irgend jemand feine po litif che Meinung und deren Betä­tigung auf gesetzlichem Wege zu verargen. Wo aber der Boden b e 3 Gesetzes ver­lassen wird, hat ein jeder von uns die Pflicht, dteObrigkeitzuunterstützen und dafür zu folgen, das Recht und Ord­nung nicht verletzt werden. Es wird sich, wie wir alle wissen, in kommender, in nicht allzuferner Zeit Gelegenheit bieten, Königstreue und staatser- haltendeGesinnungbei aller sonstiger Verschiedenheit der Meinung zu beweisen. Die feste Stütze des Staates ist und bleibt die Armee unter ihrem allerhöchsten Kriegs­herrn.

Die fcharfe Sprache des Prinzen gegen den inneren Feind" wirkt befremdend; umsomehr, wenn man berücksichtigt, daß Prinz Heinrich es bisher geflissentlich vermieden hat. sich öf­fentlich über Fraaen der inneren Reichspolitik ru äußern. Tie Mahnung deS Prinzen, bei hen bevorstehenden R e i ch s t ag s w ab lenKö­nigstreue und staatserhaltende Gesinnung" zu beweisen, wurde von der Versammlung mit lautem Beifall begrüßt.

Fessel betrachtet, die feinen Tatendrang hemmt und übermäßig zügelt.

Nun kommt, ein feltner Gast, im nahen­den Lenz der Deutsche Kaiser ins verbündete Land, und von den Ergebnissen der in Vene­dig geplanten Entrevue erhoffen die Einsichti­gen glückliche Wirkung auf Volkstimmung und Weltgeschäst. Italiens neuer Außenminister hat vor nicht langer Zeit in Berlin feine Aufwar­tung gemacht, hat mit dem Kanzler vertrau­liche Konferenzen gepflogen und als Zeichen besondrer Schätzung einen hohen Orden mit heim gebracht. Der Zusammenkunft der bei­den Monarchen werden jedenfalls auch die ver­antwortlichen Männer der Außenpolitik der bei­den Länder beiwohnen, und es wird sich bann die Gelegenheit ergeben, bie Fragen, die zur­zeit hn Vordergrund des internationalen Inter­esses stehen, und von deren glücklicher Löfung auch des Dreibunds Geschick stark berührt wird, eingehend zu erörtern. Ueberraschungen sind als Ergebnis dieser Verhandlungen nicht zu fürchten; es besteht aber das dringende Bedürf­nis, die Situation zu klären und die Möglichkeiten fernem gedeihlichen Zusammen- arbeitenä im Dienst des Weltfriedens sorglich abzugrenzen. Soweit hierbei die deutsche Poli­tik infrage kommt, darf man bie Ueberzeugung hegen, daß Kiderlen-Wächters zielsichre Hand auch hier nicht verfagen wird, und es wird also (wenn am Tiber die Erkenntnis der Notwen­digkeit ernster Friedensarbeit sich durchgerun­gen hat) Aufgabe Italien sein, die Möglichkei­ten zu schassen, aus denen heraus nach der Frucht von Potsdam" dann auch dieF r u ch t von Venedig" sprießen und reifen kann.

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