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1. Jahrgang.

N unmrer 60.

hessische Mendskitong

Tssseier pbmdsettung

Fernsprecher 951 und 952.

Sonntag, den 12. Februar 1911

Fernsprecher 951 und 952.

ach-

Menschlichkeit spricht . .

errate« und

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Verhütung eines drohenden Verbrechens. ES heißt jetzt, daß die beiden Haüptbeteiligten, der Arzt und die Dame, geflohen seien, um sich der drohenden Verhaftung zu ent» ziehen. Die Affäre erregt in römischen Ge» sellschastskreisen das größte Aufsehen.

phongeheimniS preiszugeben sei.

BiS jetzt ist die Polizei merkwürdi­gerweise noch nicht eingeschritten. Die drei in Betracht kommenden Personen stnd: Erne schöne, elegante, in ganz Genua bekannte Dame; ein nicht sehr junger, als gefähr­licher Roue bekannter Arzt, und ein schwer- - - Die

Set Zugend-Verband.

Die erste Versammlung im Stadtparksaal.

Die gestern abend im Stadtparksaale ab» gehaltene Versammlung, die zur Grün» düng einer Ortsgruppe Cassel des deutschen JugendbundeS führen sollte, war nur schwach besucht und darum auch nicht beschlußsähig. DaS lag wohl einmal daran, daß an demselben Abend eine andere große Versammlung stattsand, vor allem aber an der nicht aus­reichenden Agitation von selten der Ver. anstalter. Alle Redner wiesen darauf hin, daß man sich vor Einberufung der Versammlung mit den Vorständen der bereits bestehenden Jugendorganisationen in Cassel (die man doch zusammenschließen will) hätten in Verbindung setzen müssen. Richt darauf brauchte eS anzu­kommen, daß man einvolles HauS" habe, sondern: In der Gründungsversammlung hätten die Vorstände aller Jugendorganisa­tionen vertreten sein müsse«, damit man deren Stellung zum Deutschen Jugend-Verbandt hätte erfahren können. Von einer zweiten Versammlung erhofft man ein besseres Er-

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für aueroärttge 3nf«rate 25 Vfc R«Name»eU« für etnhefmtfchi St. schüft« «OSlJf. für atttoürttge 90 Pf. Sef-LftStiellt: Kölrrtscht StraBe 5. SerBner SertreOntg: BW, 8riä>rtä)1tra6e 16, Telephon: Amt IV» 6K.

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Konstantinopel, 11. Februar

Gestern stockte hier bei eisigem Nordwind und furchtbarem Schneesturm aller Verkehr. Auf der Tramwaistraße wurden zwei Wölfe erschossen. Mehrere Wölfe drangen in die Friedhöfe ein, wo sie von Wächtern er­schossen wurden. In den Vorortenwurden mehrere Personen von Wölfen an« gefallen, die auch das Vieh angriffen. Eine Eisenbahngesellschaft stellte den Verkehr ein, da die Kohlen bereits auSge- gangen sind. Somit ist die Verbindung mit dem asiatischen Ufer abgeschnitten. Alle Preise für Feuerungsmaterial stnd ungeheur gestiegen. Die ärmere Bevölkerung Konstan­tinopels, die auf einen folchen Winter keines­wegs vorbereitet ist, leidet fchrecklich, da eS fowohl an wärmeren Kleidungsstücken als auch an ausreichendem Heizungsmaterial fehlt. Die Hospitäler und Asyle stnd von Kranken und Armen überfüllt. Depeschen aus Feodossia melden: Bei dem letzten Zyklon im Schwarzen Meer ist das griechische SchiffHellesponi" mit zwanzig Mann Besatzung und einer großen Getreideladung wahrscheinlich untergegangen. Seit zwanzig Tagen ist keine Nachricht von dem Schiss ein« getroffen und es kann möglich sein, daß sich die Besatzung vor dem furchtbare« Orkan bat retten könne«. Auch zahlreiche andere Schiffsunfälle werden jetzt bekannt, die sich während des letzten Zyklons ereignet

fürs deutsche Pachtland im Chinesenreich zwar nah, darf fetzt indessen als beseitiat gelten, und braucht die in der Heimat Weilenden nicht mehr zu schrecken. Der Brief der Mutteranast ward geschrieben, als das Gespenst des Schwarzen TodeS am drohendsten überm öst­lichen Erdrund stand, und es läßt sich ver­stehen, wenn auS den von banger Sorge dik­tierten Zeilen die Bitternis spricht, daß eine Welt zwar bange, wenn der Erbe eines Thro­nes vom leisen Hauch der Gefahr gestreift werde, daß aber kein Herz in Aenasten zittre, wenn Hunderte von Söhnen des Vaterlands, von unerbittlicher Pflicht geführt, den Weg zum Reich des Todes und des Schreckens schritten. Und in der Bitternis ihres Mutter­herzens entfchlüpft dann der Geängstigten der herbe Vorwurf, daß die ganze Sorgenmenae, die dem Reich aus dem »Platz an der Sonne" im Chinesenreich erwachse, noch nicht den Wert eines einzigen Lebens unter denen anf- wiege, die durch starres Pflichtgebot der Ge­fahr schrecklichen Todes ohne Rücksichtnahme auf das Weh der ihnen Nächsten ausgeliesert würden. Der ganze Schmerz einer geauälten Mutterseele schreit aus diesen bitter« Worten auf, die an sich ja zweifellos über der Kritik weiteste Grenzen hinausschweifen, aber aus einem Empfinden emporzittern, das zu mensch­licher Teilnahme zwingt und in de« Seelen lauten Widerhall weckt.

Der Kamps gegen den Schwarzen Tod hat

Eine italienische Sensationsaffäre.

(Von unferm Korrespondenten.)

Die römische Presse ist voll von Schilde­rungen über ein Verbrechen am Tele­phon, daS von den Beteiligten ganz offen durch den Fernsprecher erörtert und in allen Einzelbeiten besprochen worden ist. Die Ak­teure sind ein bekannter A r z t und eine Dame der Gesellschaft, deren Unter­haltung von einer Telephonistin belauscht und pflichtgemäß zur Kenntnis der Behörden ge­bracht wurde. Es werden uns über die sensa- tionefle Affäre folgende Einzelheiten berichtet:

Rom, 9. Februar

Eine im Haupttelegraphenamt in Ge­nua angestellte junge Telephonistin j war in der letzten Woche unfreiwiflige Zeu­gin einer fortgesetzten Unterhaltung zwischen einem dortigen Arzt und einer vorneh­men Dame, die sich um die Erörterung eines geplanten Verbrechens drehte, ohne daß die Beteiligten sich bei ihrer Unterhal­tung irgendwelchen Zwang auferlegt hät­ten. Die Telephonistin macht über das Ge­hörte folgende Mitteilungen: Die Dame (am Telephon):Mit einem Wort, mein Freund, ich kann nicht mehr. Wann wirst du mich endlich von diefem Alp Befreien?" Der Arzt:Sei doch Nug und vorsichtig, wir dürfen nichts überstürzen. Wir werden uns fchon freimachen, aber wir dürfen un­ser Glück nicht durch eine Unklugheit in Frage stellen." Die Dame:Du hast gut predigen! Ich möchte sehen, wie du dich be­nehmen würdest, wenn du vom Morgen bis zum Abend neben diesem Tropf leben müß­test." Der Arzt:Wie schön du ausse- he« wirst! Ich sehe dich schon mit deiner blendend weißen Haut, ganz in Schwarz ge­kleidet, mit dem langen schwarzen Schleier, und dazu deine unergründlichen schwarzen Augen!" Die Dame:Wir haben dieses Jahr zwei Ausstellungen, in Rom und in Turin. Denkst du auch daran? Ein biß­chen dort, ein bißchen hier: das soll unser Lohn dafür fein, daß wir fo lange gewartet haben; Gestern ist es ihm f ch l e ch t g e g a n gen, und ich fürchtete schon, daß er etwas ahnen könnte." Der Arzt:Was gab's denn?" Die Dame:Ich hatte vielleicht

dort, wo seine Schrecken wüten, die Gesetze bürgerlicher Ordnung und sozialer Disziplin wild durcheinandergewürfelt: Der Selbsterbal- tungstrieb überschrie selbst in der Brust ver­kümmerter Halbbarbaren, die stärkste Gier, und der staatliche Organismus streckte vor der bleichen Gefahr entmutigt die Waffen. Städte und Dörfer gingen in lohenden Flammen auf. Menschenherden wurden ihrer Heime beraubt, und ehrwürdige Heiligtümer von profaner Hand entweiht: Die Gefahr des Schwarzen Todes, die gespenstifch auf leifen Sohlen nahte, trat Traditionen und Pflichtgebot nieder, und das große Sterben im fernen Osten wandelte selbst den Despotenstaat in ein Reich der Anar­chie Der kategorische Imperativ der Selbster­haltung war zu allen Zeiten noch stärker als das kunstvollst erbaute Gesetz indischer Zweck­mäßigkeiten, und vorm Todeszug der Pest floh Kultur und Gesetz in wllder Hast. War's nun erforderlich, war's unumgänglich Zwangsgefetz, daß im Augenblick höchster Gefahr, als der Erdosten verzweifelt wider das Verhängnis schwerer Heimsuchung rang, deut­sche Soldaten der Zone des Todes nahgebracht wurden r AuS den Schmerzensworten bet sorgenden Mutterseele, die in her Zuschrift an das Frankfurter Blatt wie herber Vorwurf llinaen. spricht drängende Gewissensangst, und es ist mehr alS Schicksalsfurcht, was M Leim

zuviel in die Suppe getan. Er schleppte dann wie gelähmt die Beine nach. Mach schnell, ich bitte dich, mach schnell, so kann das nicht weitergehen!" Der Arzt:Aber ich kann wirklich nicht mehr tun! Er schleppte die Beine na»? In wenigen Tage« wird er ganz verkrümmt sein. Aber, um des Himmels willen, keine Torheiten, keine Üebertreibung in den Dosen. Denk an mich und bewahre dich für mich!" Die römischeTribuna", ein Blatt also, daS aller Sensation abhold ist, bringt dieses ver­brecherische Gespräch und fährt also fort: Telephongespräche dieser Art gab eS in Ge­nua zwischen zwei Apparaten seit längerer Zeit jeden Tag und oft mehrmals an einem Tage. Die Telephonistin, die sie mitanhörte, war in so großer Aufregung, daß sie sich veranlaßt sah, einer Aussichtsdame von ihren Beobachtungen Mitteilung zu machen. Die AufsichtSdame wandte sich an den Direk­tor des Amts, und es wurde nach längerer Beratung beschlossen, die Unterhaltung der beiden Liebenden, die inzwischen noch von andern Telephonistinnen belauscht worden waren, der Polizei mttzuteilen: Man ging dabei von der Ansicht aus, daß ein Verbrechen verhütet werden müsse, und daß unter solchen Umständen das Tele-

Lesen dieser wenigen und doch so Inhalffchwe-1 ren Zeilen dem Fühlenden wie ein Alp auf die Seele legt *

Es wird sicher niemand den Vorwurf er­heben wollen, daß unsre Militärverwaltung beim Transport deS ostasiaftschen Truppener- ätzes der mit Rücksicht auf die bestehende Best­gefahr gebotenen Vorsicht nicht ausreichend Rechnung getragen habe: ebensowenig kann die Besorgnis schrecken, daß im deuffchen Schutz­land irgend eine Maßregel "erföutnt worden st, die da?" dienen könnte, die wertvollen beut« chen Leben im Reich der Mitte vor der Ge­fahr deS Schwarzen Todes zu schützen, abge­sehen davon, daß eine direkte Gefährdung des Koloniegeblets bisher glücklicherweise nicht be­standen hat. Eine andere Frage ist's ind-^-n, ob es nicht zu ermöglichen gewesen wäre, den Transport des Truppenersatzes angesichts der drohenden Pestgefahr überhaupt solange | zu verschieben, als die nächste Gefahr nickt be­seitigt, und eine Gefährdung des Sckutzlands immer noch im Bereich naher Möglichkeit lag. Militärtechnisch und auch verwaltungsrecktlich würden einer solche« Versichebung keine un­überwindbaren Schwierigkeiten entgegengestan­den haben, und angesichts der Tatsache, daß ein jedes der Leben, die durch den TranSport- dampser dem Schatten des Todes näher ge­bracht wurden, kostbares und unersetzliches Gut war, dessen Verlust nie ausgewogen wer­den könnte, wenn das tragische Verhängnis eines frühen Todes in fernem Land es rauben würde, wirkt dieStimme einer Mutter", die sorgend um ihr Liebstes bangt, wie ein Schrei des nationalen Gewissens, wie ein dringlicher Mahnruf an Herz und Empfinden, und wie die Stimme des Schicksals, die gebieterisch zur

Schnee, Sturm und bis.

Unwetter-Nachrichten aus aller Welt (Telegraphffch e Meldungen.) Depeschen aus Athen zufolge wurde die griechische Hauptstadt in der Nacht zum Freitag von einem wütendenSchneesturm heim- Sesucht, wie er in gleicher Stärke seit langen sahren nickt mehr vorgekomen ist. Er hält auch augenblicklich noch an, und der Verkehr in der Stadt stockt fast vollständig, da die Straßen halbmeterhoch mit Schnee bedeckt sind und der heftige Sturm jeden Augenblick neue Schnee­massen durch die Straßenzüge fegt. Auch in Konstantinopel herrscht seit gestern hef­tige Kälte und schwere Schneestürme erschweren den Verkehr. Ein Privattelegramm meldet uns:

haben.

Wie aus Paris berichtet wird, sind nach amtlichen Berichten aus Rsunion die Ver- bcerungen, die der am achten Februar gemeldete W i r b e l st u r m auf der Insel angenchtet Hat, weniger umfangreich, als befürchtet wurde und erheblich geringer, als bei den beiden letzten Wirbelstürmen. Immerhin belauft sich der Schaden auf rund eine Million y rancs; dahingegen sind Verluste an Menschenleben bis jetzt nicht bekannt geworden.

Die Pestgefahr im Sstm.

Dreitausenbfünfhunbert Leichen verbrannt!

gebniS..

Die gestrige Versammlung.

Herr Hauptmann a. D. Simons eröffnete die gestrige Versammlung mit BegrüßungS- Worten; er bedauerte, daß der Besuch nur ein so schwacher fei und gab bann die Gründe an, die zur Einberufung der Versammlung «führt hätten: Die vielen Aufgaben, die einem Volke gestellt sind, können nicht allein vom Staat und seinen Organen erfüllt werden, sondern eS ist notwendig, daß

das Volk selbst

seine Ausgaben zu lösen versucht und vor allem dazu beiträgt, daß das Volkstümliche eine gedeihliche Entwicklung erfahre. Eine der wichtigsten Aufgaben, mit der sich ein Volk zu befassen hat, ist die Fürsorge für die Jugend. Die Jugend ist das kostbarste Gut einer jeden Nation, die dazu berufen ist, die Zukunft deS Volkes weiter zu tragen, aber auch darauf zu sehen hat, daß wir in der Veredelung des menschlichen Geistes und deS Körvers, vor allem aber auch als Charakterbildner in der Geschichte den Platz behaupten, den unS unsere Väter erworben haben. Was hat nun zu ge­schehen, damit unsere Jugend sich in richtiger Weise weiter entwickle? Alle Gestchtsvuntte hierfür aufzuzählen, würde am heutigen Abend zu weit führen, aber die Gelegenheit ist günstig, im engen Kreis sich auszusprechen über das­jenige, was uns besonders bewegt. Diejenigen aus der Versammlung, die nun ein Bedürfnis fühlen, das eine oder andere zu fragen, bitte ick. sich zu melden. Eine Reihe von Schulfach­männern wird gern Antwort erteilen.

Herr Lehrer Kimpel nahm als erster dar Wort: Es ist genau so gekommen, wie ich mir gedacht habe: Der Kreis für die Einladungen ist zu eng gezogen gewesen, was im Interesse der Sache zu bedauern ist. In der jetzigen Zeit gibt « keine wichtigere Frage als die: Wie die schulentlassene und schulentwachsene Jugend staatsbürgerlich weitergebildet und erzogen werden soll. Es ist bekannt, daß fett Jahr- zehnten .

die deutsche Lehererfchaft besonders immer wieder daraus hlngeivlefeik hat, was zwischen der Schulentlassung und dem Eintritt in das Heer geschehen soll. Der Staat ist nicht von der Anklage freizu- sprechen, daß er jahrzehntelang nicht tatkräftig eingegriffen hat. Erst in letzter Zeit, wo die Jugenderziehung von der Sozialdemokratte in außerordentlich reger Welse ins Werk gesetzt worden ist, regt sich der Staat und gründet das, was längst hätte gegründet werden müssen: «Die allgemeine Fortbildungs­schule. Die allgemeineFortbildungSschule hätte man in Preußen schon vor Jahren gebraucht. Man denkt aber nur an daS männliche Ge­schlecht, die Mädcke« werden in dieser Be­ziehung vernachlässigt. Der Redner verbreitet I sich dann über die freiwillige JugendbildungS- arbeit und streift die Jünglingsvereine, btt konfessionelle« Jugendvereine und die inter­konfessionellen Lehrlingsvereine. Er fährt dann fort: Das interkonfessionelle Lehrlingsheim in Cassel hat sich autzerordenflich günstig entwickelt. Wir haben im vergangenen Winter eine Durch- schnittsfreguenz von 282 Lehrlingen an jedem Sonntag zu verzeichnen. Damit ist der Beweis I erbracht, wie außerordentlick segensreich diese Einrichtung wirkt. Rach meiner Ueberzeugung liegt der HEtgrund dieser Entwicklung darin-

I daß

das tzehrlingsheim interkonfessionell ist. Damit ist nicht gesagt, daß die Mitglieder nicht religiös oder sittlich erzogen werden. Im Gegenteil; Unsere. Einrichtungen sind fo Je. ] tröffe«, W tu auk das Gemüt der DeteiliLten

hundett Leichen verbrannt worden. Eine Anzahl Leichen liegt noch unter freiem Himmel. Die Petersburger Nachricht, wonach Leichen auf bem Fluß herumschwimmen, ist unzutreffend. Ein offizielles Dekret, das in Charbin ver­öffentlicht wurde, befiehlt den Chinefen In der ganzen Mandschurei, ihre Städte und Dörfer während der Dauer der Pestepidemie auf keinen Fall zu verlassen. Von Petersburg ist gestern die auf Wunsch der chinesischen Regierung ent­sandte russische wissenschaftliche Expedition zur Erforschung und Bekämpfung der Pest nach Peking ab gegangen. An der Spitze der Expe­dition, deren Kosten von China bestritten wer­den. steht der bekannte Professor Dr. Sa­ho ltny. Vierzehn russische Aerzte haben sich der Exepedition angefchloffen.

Das Verbrechen am Telephon.

(Eigene Drahtmeldung.)

Sie Stimme einer Mutter.

Die Furcht vorm Schwarzen Tod.

Die Furcht vorm Gespenst deS Schwär« ge« Todes hat im fernen Osten die Gemü- ter verwirrt, dem Rad der Weltgeschichte ge» walttätig in die Speichen gegriffen, und in Europens Westen die Besorgnis aufleimen lassen, daß eine Fortsetzung der Ostenfahrt des Kronprinzen mit nicht zu verantwortender Gefahr verbunden sei, und deshalb vorzeitige Heimkehr des Thronerben geboten erscheine. Der Kaisersohn hat denn auch der Sorge des Landes Rechnung getragen und kehrt zur Heimat zurück, ohne noch die Statten vieltau­sendjähriger Kultur im Reich der Mitte (wie's geplant war) zu grüßen. DaS alles hat man im Hinblick auf die Größe der vorn fernen Osten drohenden Gefahr als verständig und zwingende« Verhältnisse« entsprechend emp­funden. hat'S sogar vermocht, aus der Durch­kreuzung des prinzliche« Reiseplans politischen Vorteil herauszullügeln. Derwell indessen der Erbe des Kaiserthrons zur Heimat eilt, haben Hunderte von Söhnen des Volks die Ausfahrt nach dem Land der Gefahr anaette- ten, um dort im Dienst des Vaterlands militä­rischer Pflicht zu genügen. Diesen Braven, die vom Vaterhaus zur Ferne eile«, um dem Reich zu dienen, und die, ehe noch ihr Fuß die Erde des fremden Landes betritt, schon von tückischer Gefahr bedroht werden, gilt der Notschrei einer Mutter, die um ihr Liebstes bangt.

In einem Frankfurter Blatt war dieser Tage die Zuschrift einer Mutter zu lese«, deren Sohn im Kreis der Kameraden ebenfalls die Reife übers Meer angetreten hat, um im Reich der Mitttz dem Vaterland zu dienen. Die sorgende Seele der Mutter hat die Ge­fahr, die ihrem Kinde droht, sicher zu schwarz gesehen, wenn iHr der Angstruf enffcklüpft. daß deS Schicksals Knochenhand die Nichtsahnen­den bereits umkrallt habe: Die Pestgefahr war