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Lsffeler Muestk Wschrichtrn

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her Boysen (kons.).

gchen wird.

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Als Erika eingeschlafen war, jemand - den Namen „Charlotte" .. . kann bi»

unb Würden Sie den Mut haben, weiter.

der Antrag Dr. Müller Meiningen mit den Abänderungen angenommen.

Abgeordneter Dr. Müller-Meiningen (Vp.) beantragt, den Paragraph 23 dahin zu ändern, daß aus Antrag des Staatsanwaltes die Zu­ständigkeit des Amtsgerichts in den zur Zustän­digkeit des Landgerichts gehörigen Verbrechen und Vergehen durch Beschluß der Straskammer begründet werden kann.

verloren gehen. ,

Die Abgg. Wagner (kons.), Baffermann < (natl.) und Wellstein (Ztr.) sprechen gegen den Antrag, der schließlich auch abgelchnt wird.

Abg. Zietsch (Soz.) begründet einen An- trag auf Streichung der für die Kriegsgerichte und das Standrecht vorgesehenen Sonderbe- ; timmungen, sonst könnte leicht in reaktionären Kreisen >cr Wunsch entstehen, das k r i e g s - . gerichtliche Verfahren auch auf Fälle wie in den Moabiter Prozessen anzuwenden. Auch dieser Antrag wird abgelehnt.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.): bean- tragt einen neuen Paragraphen 22 a, wonach ; das Amt eines

in Strafsachen erkennenden Amtsrichters eines Vorsitzenden des Schöffengerichtes sowie eines Mitgliedes einer Strafkammer nur von einem ständig angestellten Richter wahrge- , nommen werden darf.

Staatssekretär Dr. Lisco: Wir sind im Prinzip mit dem Anträge durchaus einver­standen, er läßt sich aber nur zur Zeit noch nicht überall praktisch durchführen.

Abg. Gröber (Zentr.): Das Ansehen der Justiz würde durch Annahme dieses Antrages nur gewinnen.

Abg. Baffermann (natl.): Auch wir stim­men zu, denn sonst besteht die Möglichkeit, daß Erste Staatsanwälte über die Rechtssprechung abhängiger Affessoren vorstellig werden, und der Affeffor fliegt.

Abg. Ablatz (Vp.): Der Richter muß unab­hängig sein, das trifft aber auf die Affessoren nicht zu.

Abg. Gräf (Wirtsch. Vgg.): Wenn jemand mit 30 Jahren Reichstagsabgeordneter werden kann, so sollte man 30jährige Affefforen nicht für unfähig erklären.

Abg. Vahrenhorst (Rp.): Wird der Affeffor erst dadurch auf einmal brauchbar, daß er den Titel „Amtsrichter" bekommt?

Staatssekretär Liöco bittet den Antrag ab­zulehnen, da er praktisch große Schwierigkeiten bereiten würde.

Abg. Heine (Soz.): Fort mit dem ganzen Affessorenunwesen. Es ist ein Mißstand, wenn der Staat Leute, deren Dienste er braucht, jahrelang zappeln lätzt.

Abg. Dr. Wagner (kons.): Wenn man mit solchem Mißtrauen an die Justiz herangeht, kann man überhaupt keine Gesetze machen. Wenn man einen jungen Mann mit 25 Jahren als Anwalt auf das Publikum loslaffen kann, wodurch schon manches Unheil entstanden ist, dann kann man ihn auch in diesem Alter als Affeffor Recht sprechen laffen.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (fortsahrend): Mit der platonischen Liebeserklärung des Staatssekretärs können wir nichts ansangen. Wenn er sür das Prinzip des Antrages ist, dann soll er ihn auch annehmen.

Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat Dr. von Teschendorf: Die Preußische Justiz­verwaltung steht auf dem Standpunkt, daß zu Schöffengerichtsvorsitzenden im allgemeinen Affefforen nicht zugelassen werden sollen. Das liegt

im Jntcrcffe eines erhöhten Ansehens der Justiz. Die Schwierigkeiten der Durch­führung dieses Antrages liegen weniger au ■ finanziellem als vielmehr aus organisatori- 1 schein Gebiet.

Rach weiteren Bemerkungen der Abgeord- ! neten Dr. Wagner (kons.), Dr. Spahn-Bonn i (Ztr.), Zietsch (Soz.), und Kirsch (Ztr.) wird

Nr. 57.

Erster Jahrgang

Die verehelichen Leser werden höflichst ersucht, sich be* * Einkäufen auf die Inserate in den „Casseler Neueste Nach­richten" zu berufen. :: ~

^Sie ließ ihm ibre Hände und weinte leise

2. Beilage.

Donnerstag, 9. Februar 1911

leise den Namen „Charlotte" .. . „>)ck rann owe nicht nur achten und verehren . . . rch habe dich auch^Nebacwonn^ Kind und weinte.

Da faßte er sie ber beiden Händen an. „Du sollst dick nock bedenken. .Sollst mrck noch prü­fen mir aber ist in deiner Nahe klar gewor­den daß ick mir nicht nur sür mein Kmd eine Mutter wünsche in dir, sondern zur mich ein

Zustiz-KrM im Reichstag.

Reichstagssitzung vom 7. Februar.

Am Tische des Bundesrats: Dr. Lisco. Der Gesetzentwurf betr. die Reversibilität des Lan­desrechts in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten wird in dritter Lesung verabschiedet, und es folgt die zweite Lesung des Gerichtsver- saffungsgesetzes.

Abg. Stadthagen (Soz.) begründet einen neuen Antrag der Sozialdemokraten auf Ein­schaltung eines Paragraphen 8 b, wonach die Amtsenthebung oder Pensionierung eines Richters

wider seinen Willen

nur durch Zweidrittel-Mehrheit des Plenums seines Amts-, Land- oder Oberlandesgerichts zuständig sein soll.

Der Antrag wird abgelehnt, ebenso einige weitere, die sich in der gleichen Richtung be­wegen.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.) bean­tragt eine neue Fassung des § 10 über die Be­fähigung zur Wahrnehmung richterlicher Ge­schäfte. Der Antrag wendet sich gegen die übermäßige Ausdehnung des Hilssrichter- wesens.

Staatssekretär Dr. Lisco bittet, den Antrag abzulehnen. Es handle sich im vorliegenden

einem Händedruck. L

Den ganzen Rest des Tages und die Nacht blieb der Gerichtsrat in schweren Gedanken. Er erwog alles. Frl. Behrend, war ihm auger- ordentlich svmvatbisch. Jbr würdiges schlichtes Wesen gefiel ihm sehr, und 'bre vornehme Art, die voll Ernst und Ruhe war, ließ ihn vermuten, das; das Leben auch ihr schwer mitgespielt habe. Vielleicht bot er ihr wirklich am, besten sein Haus. Wenn sie nicht ablehnen wurde.

Aber Cbarlotte lehnte ab. Sie saß dem Witwer in seinem Arbeitszimmer gegennber und er zeiate ihr das Bild der Toten. . .^ck habe Erikas Mutter so heb gehabt, daß ick sie mcht vergessen werde. Mer ich könnte in einer ten Frau eine Mu ter me.nes Kind3 achten

dem Zweckverbandsgesetz für Groß-Berlin befaffen. Die erste Beratung des Zweckverbands­gesetzes soll heute noch zu Ende geführt werden. Der Donnerstag bleibt sür Kommissionsbe­ratungen frei. Am Freitag wird die B c r g - werksanleihe.die Denkschrift über Hoch­wasserschäden, die Anleihe f ü r A r be i - terwohnungen und der Erfurter Stadterweiterungsentwurf beraten und die Kommission zur Vorberatung der Zweckverbandsgesetze gewählt werden. Am Sonnabend beginnt dann die zweite Lesung des Etats des Ministeriums des Innern, bei der es jedenfalls zu den üblichen „großen Debatten" kommen wird.

*

Sie Parteien im Landtag.

(Telegramm unseres Korrespondenten.) Wie uns aus dem Landtag berichtet wird.

.. gestern im Abgeordnetenhaus das am zweiten Februar abgeschlossene V e r z e i ch- nis der Mitglieder ausgegeben worden. Die augenblickliche Stärke der Parteien ist nach diesem Verzeichnis folgende: Konservative 147, Zentrum 103, Nationalliberale 66, Freikonser- ative 61, Fortschrittliche Volkspartei 37, Po­len 14, Sozialdemokraten 6, Fraktionslos 3. Erledigt sind 6 Mandate und zwar: Danzig bisher von Oldenburg (kons.), Königsberg, bis­her von Saucken (kons.), Frankfurt a. O., bis­her von Neumann-Hanseberg (kons.), Minden, bisher Meyer-Bielefeld (kons.), Posen, bisher Dr. von Jazdzewski (Pole), Gumbinnen, bis-

Abg. Heine (Soz.): Wäre die Staatsan­waltschaft die objektivste Behörde der Welt, dann brauchten wir diesen Antrag nicht. Aber sie verdient kein Vertrauen.

Oberlandesgerichtsrcrt Dr. Schulz: Die verbündeten Regierungen lehnen den Antrag ab. Es liegt im Interesse der Beschleunigung des Verfahrens, daß zu einer Ueberweisung nicht erst ein Straflammerbeschluß eingeholt zu werden braucht.

Abg. Heine (Soz.): Wir fürchten, daß die Staatsanwaltschaft sich bei politischen Prozes­sen die blutigsten Schöffenrichter aussuchen wird. Man weiß ja. wie leicht es dem Vorsitzenden ist, die Schöffen zu überre­den, Das ist ja gerade der Mangel des Schöffengerichts.

Nachdem Abg. Baffermann (nl.) Bedenken gegen den Antrag geltend gemacht und Abg. Ablaß ihn nochmals befürwortet, wird

der Antrag Müller ab gelehnt.

Abg. Stadthagen (Soz.) begründet An­träge, wonach die Geschäftsverteilung nicht vom Präsidenten, sondern vom Plenum eines Landgerichts vorgenommen werden soll.

Abg. Dr. Dahlem (Ztr.) beantragt, daß die Verteilung in mündlicher Verhandlung er­folgen soll.

Staatssekretär Lisco wendet sich gegen den Antrag, der technisch kaum durchführbar fein werde, weil seine Verwirklichung mit gro­ßen Schwierigkeiten verbunden sei.

Die sozialdemokratischen Anträge werden schließlich a b g e l e h n t. Bei der Abstimmung über den Antrag Dahlem bleibt das Bureau zweifelhaft. Der Hammelsprung ergibt in An­wesenheit von nur 182 Abgeordneten. Das Haus ist also nicht beschlußfähig und vertagt sich deshalb auf Dienstag.

men und mußte schleunigst ins Bett gebracht werden. Der herbeigerusene Arzt, dem es nicht möglich war, den zarten Körper ohne Ge­waltmittel zu beruhigen, erklärte dem Vater, daß es das beste sei, die Dame herbeizuschasfen, nach der die Kleine ohne Aufhören verlangte.

Und der Amtsgerichtsrat entschloß sich zu einigen Zeilen an Fräulein Behrend.

Wie sie ging und stand kam Charlotte auf diese Botschast mit und nahm sich kaum Zett, Erikas Vater zu begrüßen, der ihr schon an der Haustür entgegenkam. „Es ist doch nicht etwa 0Cfn„eii£a ist sehr zart", sagte er voll Unruhe.

Aber als die kleine Fieberkranke mdre Au­gen ihrer geliebten Lehrerin sah, le-fte.ste sofort ttll den Kopf zurück und sagte mtt e»nem un­endlich beglückten zärtlichen Lächeln erschöpft. „Da hast du sie, Papa."

„Es ist ein bißcken schwierig, wie das nun zunächst werden soll", sagte Hermes, als er Charlotte das Geleit gab. „Man muß ia nun ieben. was sich da entwickeln wird.

„Ich komme natürlick täglich", antwortete Cbarlotte schlicht .„Einstweilen muß man auf alles eingehen, was das Kind will, bis Ertta außer jeder Gefahr ist." ..

Er wußte nicht anders zu danken als nut

Der Zweckverband im Landtag.

Abgeordnetenhaus- Sitzung vom 7. Februar.

(Von unserm parlamentarischen Mitarbeiter.)

Die für das kommunale Leben fehl wich­tige Frage des Zweckverbandsgesetzes scheint auf das Interesse der preußischen Volks­vertreter nicht gerade sehr intensiv gewirkt zu haben, wenigstens erfolgte die gestrige erste Lesung des Zweckverbandsgesetzes im Abge­ordnetenhaus vor ziemlich leeren Bän- k e n. Fürsorglich hat man die Beratung über das für Groß-Berlin vorgesehene besondere Gesetz abgetrennt, um ein Durcheinander zu vermeiden. Im allgemeinen steht man der gan­zen Vorlage aus allen Seiten des Hauses sympathisch gegenüber. Wenn auch gegen einzelne Bestimmungen Bedenken herrschen, so sprach man sich doch, nachdem der Minister von Dallwitz das Gesetz besürwortet hatte, freund­lich über die Vorlage aus, weil man darin „ einen Damm gegen die Eingemeindung" er­blickt. Herr von Zedlitz von den Freikonser­vativen wünschte auch eine Einbeziehung der Kreise in das Gesetz. Der fortschrittlicke Redner Dr. Flesch gab der Ueberzeugung Ausdruck, daß das Gesetz bei richtiger Hand­habung segensreich wirken könne, während er freilich das Bestätigungsrecht der Regierung für etwas zu weitgehend erklärte. Völlig a b - lehnend verhalten sich lediglich die So­zialdemokraten aus prinzipiellen Grün­den. Man steht dort auf dem Standpunkt, daß das Gesetz sich direkt gegen die großen Städte richtet. Die Vorlage wurde schließ­lich einer Kommission von achtundzwanzig Mit­gliedern überwiesen. Heute wird man sich nut

unter solchen Voraussetzungen in mein Haus zu kommen, Fräulein Behrend?"

4 Nein, Herr Gerichtsrat. Mut ist auch wohl nicht das richtige Wort Ich habe „chr Kind sehr lieb, und ick glaube, daß ich sonst auch opferwillig bin, aber über die Ehe denke ich an­ders. Viel höher."

Hermes sah still vor sich hm.

Fräulein Behrend mußte sich Urlaub neh­men, weil sie stundenlang bei Er.ka geweilt hatte und bei dem Kinde war Scharlach und Diph­therie ausgebrochen. So brachte sic die meiste Zeit bei der kleinen Kranken zu.

* Erika achtete alle Schmerzen genug und war ruhig. Das Kind war von einer Innigkeit und Dankbarkeit, daß es Charlotten , oft das Herz erbeben machte. „Papa", sagte die Kleine einmal, als auch gerade der Gerichtsrat am Bett stand, „Ilsens Papa legt immer den Arm um ihr Muttchen, tu du das auch einmal! Und als der ergrauende Mann befangen lächelte und leicht die Hand auf die Lehne von Charlottens Stuhl legte, versuchte das Kind seine Rechte zu ergreifen und ihm zu helfen.

Charlotte war eine ferne Rote unter die zarte Haut gestiegen, die sich immer mehr ver­tiefte und sich langsam auch über den Nacken CTflOB

„Du bist so schön!" rief das Kind aus und legte ihr die Lippen auf die Hande. Und sah ihr strahlend wieder in die Augen: „Noch schö­ner wie Ilsens Mutter!"

Tiefbettübt stand Erika vor ihrer Lehrerin. Jetzt, wo die ganze Klaffe leer war und sie sich als letzte in eine Ecke gedrückt hatte, kam ihr ihr Vorhaben doch nicht so ganz einfach vor. Aber Fräulein Behrend, an der alle ihre kleinen Schü­lerinnen mit einer rührenden Verehrung hin­gen. nahm den Kopf des zagenden Kindes so weich und liebevoll zwischen ihre Hande und sah so gütig in die großen Blauaugen, da« Erika sie plötzlich leidenschaftlich umschlang und sie zu ihrem Stuhl zog. Dort schmiegte.sie sich eng gegen die junge Lehrerin und zog sich ein kleines Bild in einem Emaillerahmen aus der Tasche. „Dieses ist mein Papa", flüsterte sie ge­heimnisvoll. ..und Papa und ich wir haben doch beide kein Muttchen. Und heute hat mein Papa Geburtstag, und da habe ich ihm gesagt, wett ick mir doch immer etn Muttchen gewünscht habe wtd ->r mir feind bescherte, so würde ich ihm heute'zu seinem Geburtstag eins schenken. Aber ich weiß niemand, den ick bafur heb genug habe als Sie liebes, liebes, hebes Fraulein Charlotte. Und nickt wahr, Sie tun es auch und kommen nun gleich mit mir nach Hause zu Papa?

Wie schmerzvoll, so heiß bittenden Kin­deraugen wehtun zu müffen, aber es gab doch fein Mittel. „Ich will dich jetzt begleiten, meine liebe kleine Erika, und du wirst ganz brav sein. Mjr zwei wollen uns aber heb behalten, wenn ich auch nickt zu deinem Papa gehen kann, um dein wirkliches Muttchen zu sein. Du. . -

aber da schluchzte das Kind schon mitten in die Rede: „Nun habe ich es ihm doch sckon ins Ohr gesagt, daß ick ihm ein Muttchen mit» brinne’ Und einen Tintenwischer habe ick ihm andT nicht gestickt!" fügte sie verzweifelt hmzu.

Erika lag in hohem Fieber. Vermutlich hatte schon ein Krankheitskeim in der Kleinen geschlummert, der nun nach einer heftigen Er­regung zum Ausbruch gekommen war.

" Nachdem das Kind seinem Vater unter einem Strom von Tränen von seiner geschei­terten Mission berichtet hatte, brack es ganz plötzlich in einem krampfartigen Zucken zusam-

Mr Wels Vereinen.

** Im Dienst der Nächstenliebe. In bet vorgestern nachmittag abgehaltenen General­versammlung bes Vereins zur Fürsorge für entlassene Gefan­gene wurde mitgeteih, daß die Einnahmen des Vereins 3475 M, die Ausgaben 1947 M im ab« gelaufenen Geschäftsjahr betrugen. Von sechzig entlassenen Gefangenen konnte stebemind- vierzig Arbeit verschafft werden. Siebenund- dreihig Personen wurden in der Schreibstube beschäftigt, und achtzehn von diesen konnte seste Anstellung besorgt werden.

** Die Vortragsabende des Casseler Wan- derttubs 1907. Der Casseler Wander- k l u b 1907 veranstaltete am verflossenen Sonn­tag im Vereinslokal (Restaurant zum Fried- richsplatz) wieder einen Vortragsabend. Nach­dem Herr H e i m b e ch e r vor einiger Jett über den „Thüringer Wald" und Herr Gievers über „Das schöne Hessenland" gesprochen hatten, verbreitete sich am Sonnabend Herr Meimbresse I. über die landschaftlichen Reize des Taunus und des Lahntales, die er in anschaulichen und lichtvollen Darstellungen den Zuhörern von Augen führte und damit reichen und wohlverdienten Beifall erntete.

** Der Casseler Liederverein. In der Hauptversammlung be§ Gaff ei er Sieb er- Vereins konnte bas erfreuliche Resultat be­kanntgegeben werden, daß jetzt eine Mtt- gliederzahl von 190 (darunter 107 aktive Sänger) zu verzeichnen ist. In den Vorstand wurden folgende Herren ge­wählt: Meischke und Bollbach «Vorsitzende), Surb ernte und Rohrberg (Schriftführer), Luft und Wagener (Kassierer), Eggert und Wender- hold (Notenwärter.)

Falle nur um die Verwendung von 9teferen- baren zur Vornahme richterlicher Geschäfte.

Abg. Dr. Müller-Meiningen (Vp.): In ber Praxis aber wird diese Bestimmung

auch auf Affefforen angewendet.

Abg. Graes (Wittsch. Vgg.): Wenn ber Antrag angenommen würde, so könnte lern Richter mehr Abgeordneter werden. Die ge­schätzte Kraft des Dr. Müller würde uns also

Sie Parlamente.

Die kommende Militär-Vorlage.

zDon unferm parlamentarischen Mitarbeiter.)

Mit welcher Seelenruhe die Regierung daS Schicksal der neuen Militärvor­lage betrachtet, und wie sicher sie von deren An­nahme durch den Reichstag überzeugt ist, da­für ist der beste Beweis die Tatsache, daß Herr von Bethmann Hollweg es nicht einmal für notwendig hielt, dem gestrigen Beginn ber Be­ratung des Entwurfs in ber Budgetkom­mission ein Geleitwort auf den Weg zu «eben. Andere Reichskanzler haben es sehr viel schwerer gehabt, das Parlament für Militär­forderungen zu gewinnen. Namentlich Ca­privi pflegte Vertrauten gegenüber bittere Klage über die „verfluchte Handelei" zu füh­ren. Herr von Bethmann Hollweg feinerfeitS macht sich die Sache einfacher: Auf feinen par­lamentarischen Abenden (am Montag hat aber­mals ein solcher stattgefunden) werden schwie­rige Probleme in „außerordentlich angeregter Unterhaltung( wie ber offizielle Bericht sagt) leicht und gefällig gelöst. Es entbehrt daher nicht eines gewissen Humors, daß gestern in der Budget-Kommission ein Zentrumsmitglieb „baS Erscheinen bes Herrn Reichskanzlers" verlangte. Der Zentrumssührer Freiherr von Hertling und Herold, die ebenfalls zu den Gästen in bet Wilhelmstraße zählten, wer­ben gewiß nicht ermangelt haben, mit Herrn von Bethmann Hollweg bie Militärvorlage ein wenig zu erörtern. Das Zentrum, wie ge­wöhnlich bei solchen Gelegenheiten, ziert sich noch schämig, aber es wird seine schließliche Zustimmung zur Vorlage sicherlich nicht ver­weigern. Nicht übel war übrigens, daß ge­stern der Berichterstatter ber Kommission, ber Adgeorbnete von Byern, noch „militärischer" sein wollte als bie Militärverwaltung selbst, und bie Behauptung aussprach, ber Reichs­schatzsekretär habe ben K r ieg sminister verhindert, noch mehr zu fordern. Der Kriegsminister konnte aber demgegenüber fest­stellen, daß ihm „der Schatzsekretär keineswegs in den Arm gefallen sei". Im übrigen ist ja Exzellenz von Heeringen nicht der Mann, der sich von andern „in den Arm fallen läßt". Wie die Dinge heute liegen, kann schon jetzt kein Zweifel mehr daran bestehen, daß die Militär- Vorlage glatt und ohne Unfall durchs Ziel

Von Minna von Heide.

„Du bekommst keinen Tintenwischer!" sagte bie Kleine wichtig und streckte ihrem Vater tue beiden rosigen Händchen leer entgegen. Dann hing das liebreizende elsenzarte Geschöpf dem ernsten Manne fest um ben Hals unb schien ihn nicht mehr loslassen zu wollen. Seme süßen roten Lippcken hatte bas Kinb gegen bie Ohr­muschel bes Vaters gepreßt, unb sie bewegten sich immerfort in einem eifrigen Geflüster.

Dann mußte Erika in bie Schule. Unb ber Mann, ber allein blieb unb bem bas Haar be­reits stark grau zu werben begann, legte seinen Kopf gegen bie Lehne des ^ebersestels zurück und sah lange auf das Bflb bas über seinem Schreibtisch hing unb in strahlender Schönheit unb frischer froher Jugendlust auf ihn hernie­der schaute.

Nun waren es schon mehr als sieben Jahre, baß sie tot war, die geliebte Frau bie ihm so vollkommen Inhalt seines Lebens geworden war. daß er noch heute, m gleicher Weite bie schmerzliche'Leere der niemals auszusuckenden Licke empfand.

Das Kind wuchs heran und wurde so svre- ckcnd eine Miniatur ber Mutter, baß es bem Vater immer toieber bie Brust zerschnitt. Aber lieb gewann er fein Kind nun doch. Abgöttisch

Eines Tages kam sie von ihrer liebsten Freunbin, von Ilse zurück unb huschte mit längendem Kopf unb sehr nachdenklichem Ge- stcht in das Arbeitszimmer ihres Vaters, bort f hob je sich einen kleinen Leberhocker dicht an den Äubl ihres Vaters unb sagte ernsthaft. „Liebes Vaterle, ich will ein Muttchen haben

Ter Amtsaerichtsrat wußte nicht, was er foaen sollte. Verwundert unb schmerzlich be­rührt sah er in das liebliche ernste Gesichtchen.

„Denke bir mal," sagte bie Kleine, „bet ^lses haben sie boch ein Baby bekommen, heute durften Ilse unb ich bei bem Muttchen sitzen.

.Run, Erikachen, was willst bu denn noch?"